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Full text of "Die nordfriesische sprache nach der Moringer mundart, zur vergleichung mit den verwandten sprachen und mundarten"

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DIE 



NOßDFRIESISCHE SPRACHE 



NACH DER MORINGER MUNDART. 



DIE 



NORDFßlESISCHE SPRACHE 

NACH DER MORINGER MÜNDART , 

ZUR VERGLEICHimG MIT DEN VERWANDTEN SPRACHEN 

UND MUNDARTEN. 



VON 

BENDE BENDSEN, 

PRIYATLEiniER IN ABRÖKSKJÖBING. 



HERAUSGEGEBEN VON 

D^ M. DE V RIE S, 

PaOFESSOa der NIEDERLäNSISCHEIf SPRACHE , LITERATUR UfTD GESGHIGHTB AN BIR 
ÜNiVERSlTäT ZU LEIDEN, MITGLIED DER KÖNIGLIGH-NIEDERLaNDISGHSN 

acadehib der Wissenschaften , u. s. w. 




LEIDEN , 

E. J. BRILL. 
1860.^ 



« • 



Diejenigen, denen die Gelegenheit geboten ist, vor der gänzlichen 
Vernichtung friesischer Sprache und Sitte, die letzten Ueberreste der- 
selben zu sammeln, sollten, so viel an ihnen ist, dazu beitragen, 
diese der Vergessenheit und dem baldigen Untergänge zu entrcissen. 

Dr. J. F. Minssen, in Ehrentraut's 
Archiv, I. 276. 



Nim , roune , nomm'le Frysce liuwe , 
It Frysce , dat uws hert hjir biedt ; 

In aef wy rize , sinke , driuwe , 

Leaf bliuw' uws Frysce teal in lied I 

Dr. E. Halbertsma, Leed in Wille ^ S. 2. 



• ^ 



• 



• ■ 









t. 



HERR.N 

H. J. KOENEN, 

JUK. UTR. BR. , MITGLIED DEB KÖNIGLIGH-RlEBERLäNSlSCflEN AGABEHIE DER WISSEKSGHAFTEN 
ÜTS'D SEGBETäR DER PIIILOLOGISCnEIf ABTHEILÜNG , IN AVSTERDAH. 



Endlich , hochverehrter Freund , wird mir die Freude zu 
Theil, Ihnen die nordfriesische Sprachlehre zu übersenden, deren 
Erscheinung Sie, trotz ihres langen Zögerns, doch stets mit un- 
geschmälertem Interesse entgegengesehen haben. Nun an dem 
so lang und so eifrig verfolgten Ziele angelangt, finde ich den 
■ angenehmsten Lohn für alle auf dieses Werk verwandte Mühe 
und Sorgfalt darin, dass es mir vergönnt ist, Ihnen durch diese 
Zueignung öffentlich den Dank zu bezeugen, auf den Sie mit so 
Tollem Rechte Anspruch zu machen haben. Ohne Ihre kräftige 
Unterstützung wäre dieses Sprachwerk wohl nie an's Licht ge- 
treten. War doch der achtungswürdige Verfasser bis in sein 
hohes Alter hinein vergeblich bemüht gewesen, die Früchte sei- 
ner fleissigen Studien irgendwo unterzubringen und zum Druck 
befördert zu sehen ; ja er hatte sich bereits dem trostlosen Ge- 
danken ergeben, für seine Stammgenossen und für die Wissen- 
schaft umsonst gearbeitet zu haben , als mir das Glück beschieden 
wurde , in Ihnen einen Retter für seine Arbeit zu finden. Ihre 
rege Theilnahmc an allem, was ernstes Streben auf dem Gebiete 
des Wissens fördern kann, Ihre Vorliebe für die germanische 



VI 

Sprachforschung und Ihre Sympathie für das friesische Yolks- 
thum , reichten die Mittel zur Beseitigung aller im Wege stehen- 
den Hindernisse» und setzten mich in Stand, nicht nur den sehn- 
lichsten Wunsch des Verfassers zu erfüllen , sondern auch zu ver- 
hüten, was allerdings zu befürchten stand, dass nämlich die 
nordfriesische Mundart, bei ihrer allmähligen Auflösung, am 
Ende gänzlich erlöschen möchte, ohne eine bleibende Erinne- 
rung zu hinterlassen und ohne zu der vergleichenden Sprachkunde 
ihren schuldigen Beitrag geliefert zu haben. 

Aber nicht nur für den Dienst, den sie mit echter Liberalität 
der Wissenschaft erwiesen, sondern auch für das mir geschenk- 
te verehrende Zutrauen, habe ich Ihnen meinen Dank abzu- 
statten, indem Sie auf meine blosse mündliche Empfehlung hin 
sogleich zur Hülfe bereit waren. Jemehr ich dieses unbedingte 
Wohlwollen seinem ganzen Umfange nach zu schätzen weiss , 
desto lebhafter schwebt mir die doppelte Pflicht vor Augen, die 
ich jetzt gegen Sie zu erfüllen habe , nämlich einerseits Ihnen den 
näheren Beweis zu liefern, dass es wirklich eine gute Sache war, 
für welche ich Sie um Ihre Mitwirkung ersuchte, und anderer- 
seits von demjenigen, was bei der Herausgabe des von Ihnen in 
Schutz genommenen Werkes von mir geleistet worden, Rechen- 
schaft zu geben. 

Sie erinnern sich, wie Herr Bendsen, nach vielen fruchtlosen 
Versuchen, seine Sprachlehre der Oeffentlichkeit zu übergeben, 
sich im Jahre 1852 an mich wandte, in der Meinung, seine Hand- 
schrift könne mir bei der Ausarbeitung des Niederländischen Wör- 
terbuches nicht übel zu Statten kommen. Er hatte dazu Veran- 
lassung gefunden in der von Rask aufgestellten Ansicht , dass sich 
die friesische Sprache zum Holländischen beinahe ebenso verhal- 
te, wie das Isländische zum Dänischen, das Angelsächsische zum 
Englischen und das Lateinische zum Italiänischen. Freilich ist 
diese Ansicht eine unbegründete Voraussetzung des berühmten 
Sprachforschers, welcher bei näherer Kenntniss unserer Mutter- 
Sprache wohl niemand beipflichten wird, da das Holländische 
zwar mit dem Friesischen nahe verwandt und besonders in der 
Volkssprache nicht von friesischem Einflüsse frei geblieben, aber 
doch keineswegs als eine von der altfriesischen Sprache herstam- 



TU 

mende Tochter ZU betrachten ist. Der Nutzen, der aus einem nord^ 
friesischen Sprachwerke für das Niederländische Wörterbuch etwa 
zu ziehen wäre, könnte also nur ein entfernter sein. Aber auch 
ohne diese irrige Annahme, worauf der Verfasser sein Anerbieten 
stützte, konnte ich doch nicht umhin, sein Verlangen zu Herzen 
zu nehmen, da ich nicht nur eine warme Sympathie hege für 
den edlen treuherzigen friesischen Stamm , sondern auch die Wich- 
tigkeit der vorliegenden Arbeit für die vergleichende Sprachwis- 
senschaft erkannte, zumal da die Bcndsensche Handschrift in 
der gelehrten Welt nicht unbekannt und der Wunsch nach ihrer 
Veröffentlichung mehrmals von den bedeutendsten Männern aus- 
gesprochen war. 

Es ist in der That zu bedauern, dass eine Arbeit, die sich 
von jeher so viel geneigter Gönner zu erfreuen hatte, bis jetzt 
ungedruckt und unbenutzt bleiben musste. Schon i. J. 1825, 
als der Verfasser kurz zuvor eine Abhandlung über die nordfrie- 
sischc Sprache, die (wie er mir schrieb) von weit geringerem 
Umfange war, als das jetzt erscheinende Buch, an die Königl. 
dänische Gesellschaft der Wissenschaften in Kopenhagen einge- 
sandt hatte, äusserte sich Prof Rask folgcndermaassen über die- 
selbe: »Herr B. Bcndscn in Arröeskjöbing hat mit vielem Fleisse 
und grosser Genauigkeit eine ausführliche Sprachlehre über diese 
Sprachform gesammelt, und mehrere annehmbare Erzählungen 
und dergl. übersetzt, wonach sich nicht allein eine Sprachlehre 
und ein Lesebuch, sondern zugleich auch ein sehr vollständiges 
Wörterbuch ausarbeiten Hesse*' {Frisisk Sprogläre, S. 25). Bald 
darauf, i. J. 1828, hat auch Prof Michelsen, in seiner historischen 
Skizze über Nordfriesland, die Aufmerksamkeit der Sprachforscher 
fuf die Bendsensche Arbeit gelenkt, und deren hauptsächlichen 
Inhalt kurz angegeben. Er nennt dieselbe ein »sehr wichtiges 
und vortreffliches Werk," und erklärt: »Sollte der hochgeehrten 
Gesellschaft der Wissenschaften die Herausgabe dieser Arbeit 
gefallen, so würde ihr nicht Dank genug dafür zu wissen sein" 
(Nordfriesland im Mittelalter, S. 17). Und wiederum (S. 287): 
> Sicherlich wird jeder Freund nordfriesischer Geschichte und ger- 
manischer Sprachkunde die baldige Herausgabe des preiswürdigen 
Werkes gar sehr wünschen". In gleichem Sinne drückten i. J. 



Till 

1857 die beiden Herausgeber von Outzen^s Glossarium der friesi' 
sehen Sprache, die Professoren Engelstoft und Molbecb, ihre UofT- 
Dung aus, » dass jetzt auch dieses vorzügliche und werth volle Hülfs- 
mittel zur Kenntniss einer noch lebenden friesischen Mundart 
dem Drucke übergeben werden möchte" {Vorwort, S. XVI). End- 
lich hat der ehrwürdige Altmeister der deutschen Sprachwissen- 
schaft, Jacob Grimm, der die Handschrift längere Zeit unter sich 
hatte, den Verfasser schriftlich mit dem Zeugnisse beehrt, er 
habe »eine bedeutende Kenntniss der nordfricsiscnen Mundart, 
geschöpft aus lebendiger Uebung und sorgsamer Betrachtung*' , in 
seinem Werke dargelegt, wesshalb es sehr zu wünschen wäre, 
dass es »vollständig bekannt gemacht würde''. 

Die Erfüllung dieses von so vielen und so ausgezeichneten Ge- 
lehrten gehegten Wunsches hatte jedoch leider mit manchen , lange 
Zeit unüberwindlichen, Schwierigkeiten zu kämpfen. Bereits i. 
J. 1854 hatte Grimm sich der Sache angenommen und auch im nie- 
derländischen Friesland dabei Theilnahme gefunden. Später ist 
von neuen Bemühungen zu demselben Zwecke wiederholt die 
Rede gewesen , und besonders haben mehrere damalige Professo- 
ren der Kieler Universität, unter denen ich zu meiner Freude die 
verehrten Namen der Herren Dahlmann, Falck, MüUenhoff, Nitzsch 
und Ratjen nennen darf, sich sehr dafür verwendet. Aber die 
Ungunst der Umstände vereitelte jedesmal die eifrigsten Bestre- 
bungen, und die Hoffnung des fleissigen Verfassers, seine Arbeit 
möchte einmal der Wissenschaft zu gute kommen, blieb schmerz- 
lich getäuscht. 

Gewiss würde unsere Kenntniss der friesischen Sprache für 
immer lückenhaft geblieben sein, wenn wir in Bezug auf ihre nörd- 
liehe Mundart einer genaueren Darstellung fortwährend hätten 
entbehren müssen. Der alte friesische Stamm, der sich einmal 
am Ufer der Nordsee von Jütland bis nach Flandern erstreck- 
te und sich in mehrere Zweige theille, deren jeder seinen 
eigenthümlichen Dialekt hatte, ist im Verlaufe der Zeit der- 
maassen eingeengt worden , dass er jetzt nur noch in drei Zwei- 
gen besteht, deren Mundarten die einzigen noch lebenden Ueber- 
reste einer in jeder Hinsicht so merkwürdigen Sprache bilden. Es 
sollten doch wenigstens diese Ueberbleibsel mit möglichster Sorg- 



IX 

falt zusammeDgctragen und aufbewahrt werden, um damit die 
Lederherstellung eines treuen Gesammtbilds der friesischen Spra- 
che möglich zu machen. Für die Ehre des friesischen Volkes 
ist dieses wohl als eine unerlässliche Pflicht zu betrachten, denn 
in der Sprache eines Volkes sind die wesentlichsten Merkmale 
seiner Nationalität ausgeprägt. 

In Hinsicht auf die friesische Mundart hier zu Lande ist 
wirklich schon vieles, mitunter auch tüchtiges geschehen. Das 
Westfriesische (um mich hier des in Deutschland üblichen Aus- 
drucks zu bedienen, welcher Namen aber bei uns nicht zulässig 
ist, da er von jeher in einer andern Bedeutung gegolten hat) 
wurde nicht nur zur Zeit des Gysbert Japiks und des Althuysen 
fleissig angebaut, sondern es hat sich auch namentlich in den 
letzt verflossenen Jahren eines so glücklichen Gedeihens zu erfreuen 
gehabt, dass es jetzt schon eine ziemlich umfangreiche Volkslite- 
ratur aufzuweisen hat. zu welcher besonders die Gebrüder E. und 
J. H. Halbertsma treffliche Beiträge geliefert haben. Letzterer 
hat sich vor Kurzem , durch den Prinzen Louis Lucien Bonaparte 
dazu veranlasst, um die heimische Sprache ein neues Verdienst 
erworben, indem er sie mit einer schätzbaren Uebersetzung des 
Evangelium Matthäi bereicherte (London, 1858), und wir haben 
von seiner geübten Hand ein umfassendes Wörterbuch zu erwar- 
ten, das den hohen Werth dieser Mundart für die Sprachkunde 
deutlich an's Licht stellen wird. Jeder Freund der friesischen 
Sprache wird gewiss die Erscheinung dieses sehnlichst erwünsch- 
ten Werkes freudig begrüssen , und wenn auch sonst die Erzeug- 
nisse der hiesigen Friesen mehr einen literarischen als sprachwis- 
senschaftlichen Charakter an sich tragen, so wird doch das Wör-^ 
terbuch zeigen, dass ihnen auch daran gelegen ist, den strenge- 
ren Anforderungen der Wissenschaft Genüge zu leisten : eine 
Aufgabe, weiche den niederländischen Friesen, als dem eigent- 
lichen Kern ihres Stammes, wohl am allermeisten obliegt. 

Es ist hier nicht am Orte, von den bisher in Friesland erschie- 
nenen Nationalschriften eine bibliographische Notiz zu geben , zumal 
da das Wichtigste schon von Mone in seiner Literatur der fri- 
sischen Sprache (Uebersicht der niederl. Volks- Literatur , S. 369—395) , 
von Hettema in De Jager 's Taalkundig Magazijn, II. 223,-^74, 

b 



und von Otlema (Frieache Volks-Almanak , 4844, S. 79—124) ver- 
zeichnet, und neulich von Herrn Ny hoff im Haag ein reichhaltigeir, 
auch die neuesten Leistungen umfassender Gatalog {Essai d^une 
bibliographie de la lüterature Frisanne) besorgt worden ist. Da 
indessen die in friesischer Mundart abgefasstcn Schriften (vielleicht 
schon darum , weil sie meistentheils von geringerem Umfange 
sind) nur spärlich zur Kennlniss der deutschen und dänischen 
Sprachforscher gelangen , denen sie doch nicht unwillkommen 
sein dürften, so meinte ich hier im Vorbeigehen auf dieselben 
hinweisen und namentlich auf das genannte Essai aufmerksam 
machen zu müssen. 

Was den zweiten Dialekt, das Ostfriesische, betrifft, das noch 
in den Saterländischen Fennen und Morästen und auf der Insel 
Wangerog fortlebt, auch dieses ist durch die Arbeit mehrerer 
Forscher zugänglich gemacht und hat der Wissenschaft schätzens- 
werthe Dienste geleistet. Ohne die früher von Hoche und später 
von Hettema und Poslhumus in ihren Reisen durch das Saterland 
gelieferten sprachlichen Mittheilungen zu erwähnen , die ja ein ge- 
borner Ostfriese, Herr Dr. Minssen aus Jever, als »durchaus ohne 
Werth*' bezeichnet hat, ist hier vor Allem das Friesische Archiv 
von Herrn Hofrath Ehrentraut hervorzuheben, eine Sammlung, 
welche die Kenntniss der ostfriesischen Sprache vielfach gefördert, 
und besonders durch die trefflichen Bemerkungen des Herausge- 
bers über die Mundart der Wangeroger, nebst denen von Dr. 
Minssen über das Saterländische , uns mit merkwürdigen Beiträ- 
gen zur friesischen Sprache überhaupt beschenkt hat. Möchten 
nur die zwei bisher erschienenen Bände dieses lehrreichen Archivs 
nicht länger auf ihre Nachfolger warten lassen. 

Was ist aber bis auf diesen Tag für den dritten Dialekt ge- 
leistet worden , für das Nordfriesische an der Schleswigschen 
Westküste und auf den anliegenden Inseln, Silt, Führ, Amrum, 
und dem etwas entfernteren Helgoland ? Unstreitig nur sehr wenig. 
In jedem Falle i^eicht es nicht hin, sieb von dieser Mundart eine 
befriedigende Vorstellung zu machen. Damit sich das Bedürfniss 
einer näheren Bearbeitung ganz klar herausstelle, wird es wohl 
nicht unschicklich' sein , das bisher Gelieferte hier in einem Ueber- 
blick zusammenzufassen, für dessen Vollständigkeit ich mich aber 



XI 

nur in so weit verbürgen kann, als die betreffenden Leistun- 
gen hier in der Ferne zu meiner Kenntniss gelangt sind. 

Die mir — wenn auch nur theilweise aus eigener Ansicht — 
bekannten Sprachproben ycrschiedencr nordfriesischer Mundarten 
sind folgende: 

i. Eine Inschrift im Nordstrandinger Dialekt auf einem zu 
Büsum vorhandenen kupfernen Taufbecken aus dem 15ten oder 
i4ten Jahrhundert, abgedruckt von Dahlmann in den Kieler BL 
B. V. H. 2. S. 212. 

2. Ein Morgen- und Abendgesang in demselben Dialekt, im 
J. 1661 von Heimreich gedichtet und seiner Nordfresischen Chro- 
nick vorausgeschickt. Wiederholt in der neuen Ausgabe von 
Falck, I. 27 — 30, in Radlofs Muslersaal aller teulschen Mundar- 
ten^ II. 311 — 314, und in der unten N^. 16 erwähnten Samm- 
lung, S. 192—195. 

3. Zwei Lieder in der Moringer Mundart, »eines vom Pastor 
P. Petreus zu Deetzbüli, auf den Geburtstag König Christians VI, 
d. 50. Nov. 1732; das andere von einem Unbekannten, auf König 
Friedrieh V bei seiner Durchreise d. 21. Jun. 1748 ; beide für 
sich gedruckt" (Outzen, S. XXVIII). 

4. Ein Hochzeitsgedicht von A. Bendixen im J. 1749, in der 
Wiedingharder Mundart, mit westfriesischer Uebersetzung, mit* 
getheilt von J. H. Halbertsma, Hulde aan Gyshert Japiks , IL 
258—263. 

5. Einige Proben, als Psalmen, Lieder u. s. w. , von der Wie- 
dingharder und Helgolander Mundart, in Gamerer's Nachrichten 
von Schleswig und Holstein, L 48, 181— 186, 227- 232, IL 111—119. 
Das Vater Unser daraus in Adelung's Mithridates, IL 243; das- 
selbe nach der Amrumer Mundart. Ebendas. 244. 

6. Ein kleines Gespräch, abgedruckt in den Schlesw. Provinzial' 
Berichten, 1790, S. 227, erwähnt Adelung, ebendas. 

7. Zerstreute kleinere Stücke in den Fragmenten aus dem Tage* 
buche eines Fremden (Kopenhagen, 1800). 

8. Der kleine Catechismus Lutheri im Föhringer und Nord- 
strandinger Dialekt, handschriftlich auf der Königl. Bibliothek 
in Kopenhagen (Falck , S. XXXI). Wohl derselbe wie die von 



III 

Outzen S. XXX erwähnte üebersetzung des Herrn P. J. Peters 
2u Wrixum auf Föhr. 

d. »Der Geizhals auf der Insel SiW* , ein Schauspiel in vier 
Aufzügen, im Silier Dialekt, von J. P. Hansen (Flensburg, 4809). 
Von demselben auch eine Sammlung Silter Lieder. Der in 1828 
von Michelsen (a. W. S. 17) ausgesprochene Wunsch, dass Han- 
sen*s echt nationale Silter Gomödie und beliebte Lieder von 
neuem abgedruckt werden möchten , ward erfüllt durch die Er- 
scheinung von: »J. P. Hansen, Nahrung für Leselust in nordfrie^ 
sischer Sprache" , enthaltend 1. Der Geizhals oder der Silter Pe* 
irilag , 2te Ausg. jt. Der glückliche Steuermann, Ein Enkel des 
Geizhalses, 3. Lieder und andere Kleinigkeiten, zur schuldlosen 
gesellschaftlichen Untei*haltung ^ 2/e verm, Ausg. (Sonderburg, 
1833 , 8. XVI und 284 S.). 

Von den Liedern findet man einige Proben bei Firmenich» 
Germaniens Völkerslimmen , l. 1 — 7. Die vier ersten der von 
Firmenich angeführten Lieder, auf die vier Jahreszeilen, in's 
Westfriesische übersetzt, in Iduna, HL 51, 108, 141 und 183. 

10. In demselben Dialekt eine Sammlung von Silter Sagen 
und- Erzählungen , unter dem Titel: Uald* SoWring Tialen fan 
C. P. Hansen üp Sold (Mögeltönder, 1858]. 

11. Nordfriesische Sprachproben aus drei verschiedenen Mund- 
arten, in C. F. Allen*s Geschichte der dänischen Sprache im Her- 
zogthum Schleswig oder Südjütland (Schleswig, 1857), IL 738 — 741. 

12. Ein Märchen in der Amrumer Mundart, eine Ballade und 
ein Hochzeitslied in dem Föhringer Dialekt (die beiden letzteren 
erwähnt von Outzen , S. XXIX); mit üebersetzung und Erläute- 
rungen milgelheilt von Herrn L. F. Mechlenburg auf der Insel 
Amrum , in Ehrentraut's Archiv , IL 323 — 342. 

13. nAuch eine friesische Stimme an den König", ein Lied in 
der Amrumer Mundart, bei Firmenich, IIL 1 f. 

14. Sechs Lieder von H. F. Heikens, nebst zwei Gesprächen, 
in der Mundart der Insel Helgoland, bei Firmenich, I. 7 — 15, 
der (S. 11) mehrere handschriftliche Gedichte des genannten 
Volksdichters erwähnt. 

15. Drei nordfriesische Lieder und 238 Sprichwörter, in Lop- 
penkorb von Gabe Schneider aus Westfrisland , mit Zuthaten aus 



IUI 

Nordfrisland, bearbeitet und herausgegeben von K. /. Clement (Leip-* 
zig, 1847), S. 552 f. und 294—516. Die Lieder und ein Aus- 
zug von 115 Sprichwörtern wiederholt bei Firmenich, III. 2 — 8. 

16. »Frieske, Hilgelaonner en Noardfrieske Rymkes, sammle trog 
De Haan Hettema'' (Dockum, 1841), enthält (S. 185—200) zehn 
nordfriesische Lieder, deren drei in Helgolander Mundart; gröss- 
tentheils dieselben, deren oben N^. 2, 9 und 14 erwähnt wor- 
den. Von drei dieser Lieder findet sich eine wxstfriesische lieber- 
Setzung in Iduna, II. 172 — 176. 

17. Einige Hclgolander Redensarten, mitgetheilt von De Haan 
Hettema in De Vrije Fries , I. 556. 

18. Subscriptions-JEinladung vom J. 1857 zu einem Werke in 
der nordfriesischen Sprache, betitelt: De freiske Siemslin (der 
Friesen Spiegel) , in welchem Herr M. Nissen , Lehrer zu Gam- 
mendorf, eine Anzahl »Gedichte, poetische Erzählungen, Sagen, 
Gespräche, Sprichwörter , und einen sehr umfangreichen Glossar" 
in den festländischen Dialekten Nordfrieslands mitzutheilen beab- 
sichtigte. Als Proben sind drei kleine Lieder vorgelegt. Leider 
scheint die Subscription dem Buche keine genügende Theilnahme 
gesichert zu haben; bis jetzt wenigstens ist nichts davon er- 
schienen. 

19. Handschriftlich erwähnt bei Outzen, S. XXIX f.: Ein 
Paar Lieder von Herrn Jansen in Niebüll , im 3, 1814 geschrie- 
ben, und ein geistliches Lied von Pastor Quedens auf Wester- 
land-Föhr. 

In lexicalischer und grammatischer Hinsicht besitzen wir fol« 
gendes: 

1. Das öfters genannte Glossarium der friesischen Sprache von 
N. Outzen, i. J. 1857 von Engelstoft und Molbech in Kopenhagen 
herausgegeben; ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss der nord- 
friesischen Mundart, der aber von dem reichen Sprachstoffe nur 
einen Theil enthält, und in der Behandlung bekanntlich vieles 
zu wünschen übrig lässt. Herr Bendsen hat mir eine bedeutende 
Sammlung von Zusätzen und Berichtigungen zu Outzen's Glossar 



mitgetheilt, welche ciaem künfiigea nordfriesischen Lexicogra* 
phen ein sehr brauchbares Material abgeben könnten. 

2. Ein Verzeichniss nordfriesischer Wörter im Staatsbürg, Magazin j 
1826, V. 759, und in Chr. Paulsen's Samlede Skrißer, I. 213, 
erwähnt Allen, a. W. II. 753 f. 

3. P. A. Oelrichs, Kleines Wörterbuch lur Erlernung der Helgo- 
lander Sprache für Deutsche, Engländer und Hollander. Nebst 
einem Anhang, enthaltend einfache Dialoge aus dem Leben in deut- 
scher und Helgolander Sprache, 1846. 16. 

4. »Bemerkungen über den Ursprung und Charakter der frie- 
sischen Sprache. Finden sich in dem Schleswig-Holst. Magazin, 
Num. XII. S. 276, und in den Schleswig-HolU. Anzeigen vom Jahr 
1758, S. 557" (Falck, S. XXXI). . 

5. E. J. Lyngby, Om Nordfrisisk i Bökking og Hvidding Herreder 
(Kopenhagen und Leipzig, 1858). Eine kurze, aber werlh volle 
grammalische Skizze der Böckingharder und Wiedingharder Hund- 
arten in den Kirchspielen Niebüll und Klangsbüil im Amte Tondern. 

6. J. F. Minssen , Vergleichende Darstellung der Laut- und Flexi- 
onsverhältnisse der noch lebenden neufriesischen Mundarten und ihres 
Verhältnisses zum Altfriesisclien , in Ehrentraut's Archiv, I. 165 — 
276. Der Verfasser hat in dieser Abhandlung auch das Mordfrie- 
sische berücksichtigt. 

7. K.J.Clement, Eigenthumliche Elemente der frisischen Sprache , 
mit besonderer Rücksicht auf das Nordfriesische , in Herrig's Ar- 
chiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, IX. 
179—187, X. 156—147, 269—287, XII. 71—81. 

8. K. F. H. Strass, Flüchtige Andeutungen über die friesische 
Sprache auf den Inseln Föhr und Helgoland, im Neuen Jahrbuch der 
Berlinischen Gesellschaft für Deutsche Sprache und Alterthumskunde^ 
VIII. 555—558. 

Wer sich übrigens in Bezug auf Nordfriesland , über das Land , 
das Volk und seine Geschichte Raths erholen will, der wird in 
den obengenannten Werken Michelscn's und FalcVs und den 
von letzterem (in der Vorrede und S. XXX — XXXVIII) angeführ- 
ten Schriften völlige Befriedigung finden. Das Sprachverhältniss 
der Nordfriesen, dem Dänischen und Deutschen gegenüber, ist 



XV 

in der jüngsten Zeit, infolge der politischen Unruhen, vielfach 
besprochen worden. Ausser Kohrs Nationalüät und Sprache im 
Schleswigschen , erwähne ich nur das Werk von C. F. Allen, Veber 
Sprache und Yolkslhümlichkeit im Uerzogthum Schleswig oder Süd- 
jütland, nebst dessen schon genannter Geschichte der dänischen 
Sprache (besonders II. 726 f. , wie auch die Sprachkarte) ; und 
das Buch seines Gegners, K. J. Clement , über die Nordgermanische 
Welt, nebst dessen Abhandlung über Das wahre Verhältniss der 
süderjülschen Nalionalität und Sprache zur deutschen und frisischen 
im Herzogthum Schleswig (Hamburg, 1849). Ich begnüge mich 
die Schriften dieser beiden Gelehrten ganz einfach anzuführen, 
ohne an dem Streit zwischen den » Deutsch thümlern und Dänen- 
fressern*' und den dänischen »rasenden Enthusiasten" — wie 
sich die Herren gegenseitig betiteln — irgend einen Antheil 
zu nehmen. 

Aus dem hier gegebenen Ceberblick wird wohl jedem erhellen« 
wie es bis jetzt mit unserer Kenntniss der nordfriesischen Mund- 
art, zumal in Bezug auf ihren grammatischen Bau. kümmer- 
lich beschaJOfen war, und wie sehr die obengenannten Sprachfor- 
scher Recht hatten, als sie die Herausgabe der Bendsenschen 
Arbeit mit ihren Wünschen und ihrer thätigen Theilnahme zu för- 
dern suchten. 

In dieser Lage der Dinge glaubte ich etwas nützliches leisten 
zu können , wenn ich mich der Sache annähme und nach meinen 
besten Kräften mich beslrebte, sie zu einem guten Ende zuführen. 
Um aber nichts Uebereiltes zu thun , wandte ich mich an J. Grimm , 
dessen Unheil mir damals noch nicht bekannt war, und erbat mir 
seinen schätzbaren Rath. Ich hatte die Freude , eine Antwort zu 
bekommen, welche, wenn sie auch die Mängel des Buches nicht 
verhehlte, mich doch jedenfalls anregte, die VeröiTentlichung des- 
selben wo möglich zu bewirken. Die Friesische Gesellschaft in 
Leeuwarden, bei der ich mich zuerst für die Uebernahme des 
Druckes verwendete, war leider durch Umstände verhindert den 
Antrag in's Werk zu setzen (s. den Bericht ihrer Verhandlungen 
i. J. 1835, S. 6 f.). Da kam ich zu Ihnen, verehrtester Freund, 
mit dem Vorschlag, sich in den Besitz der Handschrift zu stellen, 
und Sie erfüllten meinen Wunsch mit einer Bereitwilligkeit, die 



XVI 

ich meinerseils nicht besser zu beanlworlen wusstc , als durch den 
Entschluss, die Herausgabe selbst zu übernehmen und ihr meine 
Mussestunden in Liebe zu widmen. 

Jetzt, da ich glücklich im Hafen angelangt bin, werfe ich einen 
Blick zurück auf die lange und ermüdende Fahrt. 

Wiewohl ich mir anfangs einen buchstäblich getreuen Ab- 
druck der Handschrift vorgenommen hatte, sah ich doch bald 
ein, dass es nicht möglich sei, diesen Grundsatz überall festzu- 
halten. Bei aller Gründlichkeit und Genauigkeit, mit welcher 
der Verfasser die nordfriesische Sprache in allen ihren Bestand« 
theilen dargelegt hatte, schien doch manches in der Einrichtung 
des Buches, um eine klare und zusammenhangende Darstellung 
zu erzielen, eine Ueberarbeitung nothwendig zu machen, wo es 
ohne Schaden für den Ilauptgegenstand der Behandlung geschehen 
könnte. Was die Herausgeber des Outzenschen Glossars in ihrem 
Vorworte bemerken, sie haben »die Weitläuftigkeit und den etwas 
breiten Wortreichthum , so wie andere schwächere Seiten dieses 
linguistischen Beitrags, nicht übersehen", dürfte auch wohl hier 
gelten. Namentlich war nicht zu verkennen, dass die durch 
mehrere Einschaltungen etwas gestörte Anordnung nicht wohl un- 
verändert bleiben könne. Ich glaubte dcsshalb keinen Anstand 
nehmen zu müssen, diesen und ähnlichen Schwächen einigermaas- 
sen abzuhelfen, und habe mich daher bemüht, durch die erfor- 
derlichen Umstellungen die Aufeinanderfolge und den Zusam- 
menhang der einzelnen Theile in eine bessere Ordnung zu brin- 
gen, die unnöthigen Wiederholungen zu streichen und sonstige 
kleinere Mängel zu beseitigen. Einige hie und da cingcflochtenen 
etymologischen Bemerkungen, die einem älteren Standpunkte an- 
gehörten , so wie eine vergleichende Zusammenstellung nordfrie- 
sischer Wörter mit ähnlichen aus den verwandten Sprachen, wel- 
che nach dem übrigen Inhalt des Buches kaum etwas neues ent- 
hielt, sind ausgelassen worden. Dagegen wurden die vielleicht 
im Uebermaass angehäuften Beispiele unverkürzt beibehalten , 
da sie jedenfalls, wenn auch nur des reichhaltigen lexicalischen 
Stoffes wegen, ihren Werth haben. 

Der aufmerksame Leser wird vielleicht in den hundert ersten 
Seiten des Buches , und zwar am meisten im ersten Gapitel, eine 



XVII 

geriDgcre Sorgfalt der Bearbeitung als ia den späteren Theilen 
entdecken. Die Erklärung ist ganz einfach diese , dass ich damals 
meine Veränderungen bei der Correktur der Druckbogen ein- 
rückte, und daher mir nur eine beschränkte Freiheit nehmen 
konnte. Später aber entschloss ich mich, die Handschrift vorher 
zorccht zu machen, und hatte also eine bessere Gelegenheit, die 
beabsichtigte Revision durchzuführen. 

Ich brauche wohl nicht zu fürchten, dass ich durch die vorge- 
nommene Umarbeitung, welche jedenfalls sich nur aufdas Aeussere 
bezieht, dem Rechte des geehrten Verfassers Eintrag gethan 
habe. Hatte er mir doch selbst die Besorgung und Herausgabe 
seines Sprachwerkes mit unbedingtem Vertrauen überlassen , und 
nichts anderes gewünscht , als dass seine Arbeit in möglichst sau- 
berer Gestalt an*s Licht trete. Damit aber die Einmischung ei- 
nes Fremden nicht etwa die Zuverlässigkeit des behandelten Stoffes 
yerdächtig zu machen scheine, so muss ich erklären, dass ich 
mir in den Miltheilungen des Verfassers über seine Landessprache , 
dem Wesen nach, auch nicht die geringste Acnderung erlaubt 
habe. Alles ist, wie es in der Handschrift vorlag, nur in etwas 
besserer Ordnung und mit einigen Abkürzungen , buchstäblich ab- 
gedruckt worden, auch wenn es mir mitunter einigem Zweifel zu 
unterliegen schien. 

Hätte ich mich nicht bei der Durchsicht einer fremden Arbeit 
in enge Gränzen beschränken müssen, so wäre mir wohl leicht 
die Lust erwacht, etwas weiter zu gehen. Die Behandlung der 
Zeitwörter z. B. — um nur dieses Eine zu nennen — wäre mir 
bei einer andern Eintheilung für die Vergleichung mit den ver- 
wandten Sprachen bequemer erschienen, und die regelmässigen 
und unregelmässigen Zeitwörter hätten sich vielleicht in schwaclie 
und starke umgebildet. Aber so weit zu gehen , wäre eine Eigen- 
mächtigkeit gewesen , welche ich mir nicht zu Schulden kommen 
lassen durfte; und es war eine doppelle Vorsicht nöthig, da ja 
ein bewährter Kenner der friesischen Sprache, Herr Ehrentraut, 
öffentlich gestanden hat, »dass es nicht möglich sei, das Zeitwort 
in seiner jetzigen Beschaffenheit in den Classen der historischen 
Grammatik unterzubringen" {Archiv^ l. 283). 

Neben der eigentlichen Grammatik enthielt die Handschrift eine 

c 



XVIII 

Anzahl verschiedener Beiträge, als Wörterreihen, Redensarten, 
Sprichwörter» Eigennamen und Sprachproben. Ich habe diese 
zerstreuten l^ittheilungen in schicklicher Ordnung zusammenge- 
stellt und daraus den Anhang gebildet (S. 405 — 472), dessen 
Inhalt für die nähere Kenntniss der Sprache wohl nicht unerheh» 
lieh sein dürfte. 

Schliesslich war ich bemüht, eine neue und mehr in's Ein- 
zelne gehende Inhaltsanzeige auszuarbeiten, welche hoffentlich 
den Gebrauch des Buches nicht wenig erleichtern wird. 

Noch ein Wort über die vom Verfasser befolgte Rechtschrei- 
bung. Es wird jedem auffallen, dass diese ziemlich abweicht 
von den in andern nordfriesischen Denkmälern angewandten 
Schreibarten, welche wiederum einander sehr ungleich sind. Im 
Interesse einer genauen Beobachtung und Verglcichung der 
Sprachelemente verschiedener Dialekte, darf man die Hoffnung 
aussprechen, dass doch einmal die friesischen Sprachforscher sich 
über die Annahme einer gleichförmigen Orthographie verständigen 
möchten, damit, wenn auch nicht die Sprache in ihrem ganzen 
Umfange, doch wenigstens jede der drei Hauptmundarten für 
sich einen feststehenden Typus bekomme. Das Friesische in den 
Niederlanden hat in dieser Hinsicht einen bedeutenden, das Auf- 
blühen der heimischen Volksliteratur kräftig fördernden Fort- 
schritt gemacht, obgleich auch hier noch zwei Systeme einander 
gegenüberstehen, deren eines sich an die niederländische Recht- 
schreibung anschmiegt, das andere sich streng auf das Altfrie- 
sische zu stützen sucht. Was aber das Nordfriesische betrifft , 
da wählt sich jeder seine eigene Schreibung , und so kreuzen sich 
dort alle möglichen Schriftformen in der buntesten Mischung der- 
gestalt, dass man oft Mühe hat sich glauben zu machen, man 
habe mit der nämlichen oder doch mit einer ganz nahe stehenden 
Mundart zu thun. In wie ferne das Verfahren des Herrn Bendscn 
dazu geeignet ist, die Aufgabe zu lösen, darf ein Fremder wohl 
am wenigsten entscheiden. Am Schlüsse seiner Vorrede spricht 
er sich über dasselbe aus, und er hat mir in mehreren Briefen, 
bei einer näheren Erörterung seiner Ansichten, die von ihm ge- 
wählte Rechtschreibung als das Resultat besonnener Ueberlegung 
dargethan. Ich habe mich daher befleissigt, sie bei dem Abdruck 



XIX 

mit gewissenhafter Treue zu befolgen, und eben darum die et- 
waigen Abweichungen in der Handschrift, in so weit sie als blosse 
Schreibfehler zu betrachten waren, nach der unzweideutigen Ab- 
sicht des Verfassers berichtigt. Die Ungleichmässigkeiten aber, 
durch die Schwankung zwischen zwei verschiedenen Schreibungen 
desselben Lautes veranlasst, habe ich nur selten zu heben gesucht. 
So wird man z. B. bald Brauhser und gauhse finden, bald Brau' 
ser und gause; das eine mal Nüjdd, rüjdd, Stäujll, das andere 
Hai Najd, rüjd, Stäujl; oder kiemmcn und kiemen, hähw und häw, 
Hühs und Hüss, Dörnsh und Dörensh, Esh und Eesh, irong und 
trung, u. s. w.; oder man wird auf Zusammensetzungen von üm- 
stands- und Yerhältnisswörtern stossen, die bald zu Einem Worte 
verbunden, bald von einander getrennt erscheinen. In diesen 
und ähnlichen gleichgültigen Fällen konnte ich wohl nichts anders 
thun, als die Handschrift möglichst getreu wiedergeben, ohne 
eine strenge Consequenz zu erstreben , die ja der Verfasser selbst 
nicht bezweckte (s. seine Vorrede, S. xxvi). 

Bei den Amtspflichten und sonstigen wissenschaftlichen Arbei- 
ten, welche meine Zeit fortwährend in Anspruch nahmen, konnte 
ich die Herausgabe dieses Werkes nur unter vielen Störungen 
und Unterbrechungen in sechsjähriger Frist vollenden. Dass die- 
ses, trotz aller angewandten Sorgfalt, die Gleichförmigkeit der 
Behandlung im Einzelnen cinigermaassen beeinträchtigen mussle, 
spricht wohl von selbst. Hoffentlich wird aber der geneigte Leser 
die vielfachen Schwierigkeiten einer derartigen Aufgabe billig beur- 
theilen, und den Verstössen, welche bei der Besorgung einer fremden 
Arbeit kaum zu vermeiden waren, seine gütige Nachsicht nicht 
versagen. 

Es bleibt mir noch eine angenehme Pflicht zu erfüllen übrig, 
die öffentliche Anerkennung der treflliehcn Hülfe, mit welcher 
mein lieber Freund, Dr. C. A. Sicherer, Lehrer der hochdeutschen 
Spraclie und Literatur am hiesigen Gymnasium , mir in rastloser 
Thätigkeit zur Seite gestanden hat. Nicht nur bei der Correktur 
der Druckbogen hat er die eben nicht erquickliche Arbeit freudig 
mit mir gctheilt, sondern namentlich auch auf die Reinheit der 
hochdeutschen Sprache ein wachsames Auge gehalten. Tür den 
treuen Beistand sei ihm mein innigster Dank dargebracht. 



XX 

Dem geehrten Verfasser wird es ohne Zweifel zur Freude gerei- 
chen , die endliche Veröffentlichung eines Buches zu erleben , das 
ihm so viele Mühe und Sorge gemacht hat. Für mich ist es ein 
schmeichelhafter Gedanke, dass es mir beschieden war, die Früchte 
seiner Arbeit der Wissenschaft zu gute kommen zu lassen , und 
seinem Namen die gebührende Erkenntlichkeit seiner Spracbge- 
nossen zu sichern. 

So gehe denn dieses mit Treue gehegte Buch in die Welt 
hinaus. Es gehe zu den Friesen im Norden und Osten und 
Westen, und bringe ihnen den Gruss eines Fremden, der sich aber 
doch — seinem Namen und seiner Abkunft nach — zu ihrem Stamme 
bekennt. Es gehe und sage ihnen, dass die Holländer, gegen die 
sie in früheren Jahrhunderten in blutigen Kämpfen ihre Freiheit 
vertheidigten , jetzt in brüderlicher Gesinnung ihnen und ihrer 
Sprache entgegenkommen, und keinen andern Kampf mit ihnen 
wollen , als den edlen Wetteifer in Förderung der Wissenschaft. 



Leiden, im Januar 1860. M. DE VRIES. 



VORREDE DES VERPASSERS. 



Was Prof. Rask von der altf riesischen Sprache sagt, gilt noch 
mehr von der nordfriesischen: 

»Die angelsächsische Sprache ist zwar etwas reicher an Ben« 
gungen, die friesische dagegen an Zusammenziehungen, welche 
beinahe wie Abänderungen aussehen, und die, in Verbindung mit 
der Aussprache und den Formen der Wörter, so wie mit einer 
Menge besonderer Ausdrücke, ihre Eigen thümlichkeit und Selbst- 
ständigkeit bestimmen. Diese eigene Sprachform verbreitet Licht 
über den Bau der verwandten Sprachen, und ihr Wörterschatz 
ist eine bisher durchaus unbenutzte Quelle zur Wortableitung in 
den andern gothischen Sprachen.'' (Vorrede zu Frisisk Sprog- 
läre^ S. 1). 

Wie gross das alte Nordfriesland gewesen sei, darüber fehlen 
uns bestimmte Nachrichten. Heimreich sagt in seiner nordfriesi- 
schen Chronik: »Dass aber die Fresen ein gar altes Volk seien, 
ist leicht zu beweisen, da sie schon den ältesten griechischen 
und lateinischen Geographen und Geschichtschreibem bekannt 
waren. So haben unter andern die griechischen Geschichtschrei- 
ber Ephorus und Clitarchus, nach Strabo, 500 Jahre vor Christo 
über die Fresen geschrieben; Plinius im Jahre 17, Cornelius Taci- 
tus iOO und Ptolemäus 139 nach Christi Geburt." Der ältesten 
Sage nach ist die Insel Helgoland mit dem übrigen Nordfriesland 
landfest gewesen, die jetzt über sieben Meilen von der Küste ent- 
fernt liegt, und auf Föhr hört man noch häufig erzählen, dass 
der Erbauer der drei Kirchen und Thürme zu St. Johannis oder 



in Nieblum auf Föbr, der Hclgolander und der Pclwormer altca 
Kirche, diese drei Oerter auf einem weissen Pferde beritten habe, 
während alle drei Thürme gleichzeitig im Bau begrilTen waren, 
ücber hundert Gemeinden mögen von den Fluthen verschlungen 
sein, deren Namen man noch zum Theil auf altern Karten findet. 
Aus Ditmarschen, Eiderstedt, und von den Inseln Nordslrand 
und Pelworm ist die friesische Sprache durch die plattdeutsche 
verdrängt, so wie zum Theil in dem Dorfe Stadum auf der Vor- 
geest durch die dünische, wo vor 40 Jahren noch durchgängig 
friesisch gesprochen wurde. Nur in 38 grössern und kleinem 
Kirchspielen der Aemter Tondern, Bredsledt und Husum, welche 
den westlichen Küstensaum nebst einem Thcilc der Vorgeest 
einnehmen , so wie auf einigen Inseln und Halligen der Westsee , 
wird sie, in verschiedenen Mundarten, noch jetzt vom Volke ge- 
sprochen. Die Einwohnerzahl dieser 38 Gemeinden, mit Einschluss 
der Insel Helgoland, wird nur wenig über die 30,000 steigen. 
Das Herzogthum Schleswig beträgt nämlich 165 Quadratmeilen , 
mit 350,000 Einwohnern, als: 170,000 Deutschen, 150,000 Dänen 
und 30,000 Friesen. Siehe Jörgenscn Jomton's Slruensee (Kopen- 
hagen , 1852), S. XXVIII der Einleitung. 

Es geht natürlich mit dieser, wie mit jeder Volkssprache, die 
sich nicht zur Schriftsprache erhoben hat. Ucbcrall findet man 
Abweichungen, Veränderungen in der Aussprache, in Ausdrücken, 
Redensarten und Wendungen , selbst in den benachbarten Gemein- 
den. Am reinsten und geläufigsten möchte indessen die nord- 
friesische Sprache auf dem festen Lande, gegenwärtig wohl in 
dem sogenannten Risummoor, den Gemeinden Risum, Lindholm, 
Niebüll, Deezbüll, so wie in den benachbarten Kirchspielen Dago- 
hüll, Fahretofty Stedesand und Enge sein. Auf den sogenannten 
Halligen, Hooge, Langenäss, Nordmarsch, Gröde und Ohind , so 
wie in dem Flecken Wijk auf der Insel Föhr, spricht man, mit 
sehr unbedeutenden Abweichungen, dieselbe Sprache wie auf 
dem festen Lande der genannten Ocrtcr. Dagegen weicht die 
Sprache der übrigen Föhringer, so wie auf den Inseln Sylt und 
Amrum, so bedeutend von der Festlands-Sprachc ab, dass die Kü- 
stenbewohner sich oft nur mühsam mit ihnen verständigen können. 
Die Sprache dieser Insler ist vielleicht allerthümlicher, aber 



XXIII 

dabei höckerig und wortarm , die der Festländer wortreicher und 
fliessender; diese mehr ausgebildet, jene der Insler mehr ver« 
nachlässigt. 

In den vorerwähnten Gemeinden des festen Landes, so wie in 
den benachbarten, sie umschliessenden Kögen, findet nun durch- 
gängig die grösste Uebereinstimmung Statt, wenn man kleine un- 
bedeutende Abweichungen ausnimmt, z. B. ball, bald, und ball; 
ersteres in Risum, dieses in Lindholm, Merkwürdig ist es indes- 
sen, dass man in Niebüll und Deezbüll, die Risum und Lindholm 
gerade gegenüber liegen, und kaum eine Yiertelmeile davon ent- 
fernt sind, keinen Dualis gebraucht , der doch der Sprache ganz 
eigenthümlich zu sein scheint. Wo die Ostermoringer ihre Zwei- 
heit: wdt^jdt, unk, unken, junk, junken gebrauchen, da setzen 
die Westermoringer die Mehrheit des persönlichen und des zu- 
eignenden Fürwortes: we, jdm, ühs, ühsen und järinge, auch 
wenn sie nur von zweien sprechen. 

Da nun diese, gewiss uralte, Sprache mit jeder Generation von 
allen Seiten durch die dänische und plattdeutsche immer mehr 
beschränkt wird, und ihrem allmähligen Aussterben entgegen- 
geht, so haoe ich mich der, wahrlich nicht leichten, Mübe unter- 
zogen, sie durch gegenwärtige Arbeit von ihrem gänzlichen Un- 
tergänge bei der Mit- und Nachwelt zu retten. 

Für die Rechtschreibung konnte, bei der Bearbeitung dieses 
Werkes, keine andre Regel angenommen werden , als die Aussprache 
eines bestimmten Bezirkes, in welchem die wenigsten Abweichun- 
gen vorkommen. Ich habe daher die Mundart meines eigenen 
Geburtsortes {Risum) gewählt , welche ich nicht deswegen für die 
reinste halte, weil sie meine Muttersprache ist, sondern weil sie 
mit den obengenannten, welche allgemein für die^ besten gehalten 
werden, am meisten übereinstimmt. Auch neigt sich hier die 
Sprache weder zum Deutschen noch zum Dänischen, und gestattet 
keine fremdartige Einmischung, ohne dadurch in's Lächerliche 
zu fallen. Dies gilt bis zu dem Grade , dass selbst der ernsteste 
Friese sich — bei allem Zwange , den er sich anthun mag — 
des Lächelns nicht enthalten kann, wenn irgend ein Däne oder 
Deutscher die friesische Sprache radebricht, wie es fast alle 
thun, die nicht geborne Friesen sind. Ich habe Dänen und Nie- 



XXIV 

derdeulsche gekannt, die sich zehn, zwanzig, ja fünfzig Jahre 
und darüber unter den Friesen aufgehalten und die Sprache 
beständig gesprochen hatten, welche dieselbe dennoch so jäm- 
merlich verstümmelten, dass es zum Erbarmen war. Dies gilt 
mehr oder weniger von allen Auswärtigen , die sich unter den 
Friesen niedergelassen haben.s Ich kenne hiervon, unter allen, 
nur zwei Ausnahmen, nämlich eine alte Frau in MaasbüU, Namens 
Catharina Paism, und einen Mann aus Klixbüll, Namens Niss, 
der weiland dem Lehnsvogt Nissen in Nordrisum diente. Jene war 
aus Braderup, und als achtjähriges Kind nach Maashüll gekom- 
men, dieser hatte sich bloss längere Zeit unter den Friesen auf- 
gehalten; beide waren Dänen. Uebrigens können die Dänen nie 
so recht hinter die richtige Aussprache kommen. Sie gebrauchen 
häufig ein verkehrtes Geschlechtswort, oft den Dualis gar nicht;, 
und mischen verstümmelte dänische Wörter mit ein. Dass aber 
fast kein einziger unter den Friesen wohnender Fremder ihre 
Sprache je richtig sprechen lernt , hat seinen Grund in dieser 
selbst. Sie erfordert nämlich erstens ein geläufiges Organ, das 
von Kindheit an geübt werden muss; zweitens, hat sie eine Menge 
eigen ihümlichcr Ausdrücke, Bildungen und Wendungen, die den 
verwandten Sprachen fremd sind: das unregelmässigc Zeitwort 
weicht in seinen verschiedenen Zeilformen mehr ab, als im 
Deutschen, Dänischen und Englischen; die Zusammenziehungen 
sind häufiger und verwickelter, und die Wortfügung, welche 
am meisten mit der niederdeutschen übereinstimmt, hat mit 
der dänischen sehr wenig gemein. Wer daher behauptet , die 
nordfriesische Sprache sei aus der dänischen und plattdeutschen 
zusammengestöppelt , der verräth nur dadurch seine Unkunde , 
und fällt ein Urtheil, das in nichts begründet ist. Will man 
hier die Wörterähnlichkeit der verwandten Sprachen vorwenden, 
so Hesse sich mit eben so vielem Rechte behaupten , die deutsche 
Sprache sei dänisch oder die dänische deutsch: denn es wäre 
nicht schwer darzuthun, dass wenigstens der dritte Theil der 
Wörter beider Sprachen gleiches Ursprungs sei. Die nord friesische 
Sprache ist , trotz ihrer abweichenden Mundarten , eben so rein 
und selbstständig, als irgend eine andere ihr verwandte, wie z. B. 
die deutsche oder dänische, in welchen es weit mehr verschic- 



xxy 

dene Mundarten giebt, der englischen gar nicht einmal zu ge- 
denken. 

Wer sich nur das erste Gapitel über die Aussprache der Buch- 
staben im Friesischen erst recht zu eigen macht, der wird dann 
auch mit der Sprache selbst leichter fertig, und ohne dieses 
möchte ihm leicht alle fernere Mühe verleidet werden. Die Aus- 
sprache der ßuchstaben ist nach den Grundsätzen der Lautme- 
thode von Krug und Slephani bearbeitet, und, im Ganzen ge- 
nommen, richtig und sicher. Schon im Jahre 1817, wo ich däni- 
sche Kinder nach der Lautmethode im Deutschen unterrichtete, 
entstand dieses Gapitel. Um vollkommen sicher zu sein, schrieb 
ich nämlich friesische Wörter und Sätze, deren Sinn sie durchaus 
nicht verstanden , in allen nur möglichen , auf die Aussprache 
Bezug habenden Verbindungen und Zusammenstellungen an die 

w 

Wandtafel, und Hess sie von den geübteren Schülern lesen, nach- 
dem ich sie zuvor mit der Aussprache der einzelnen Laute 
und deren Zeichen bekannt gemacht hatte, und erst dann, wenn 
diese auch die schwersten Wörter und Sätze so lasen und aus- 
sprachen, wie der geborne Friese seine Muttersprache spricht, 
hielt ich mich von der Richtigkeit meines Verfahrens überzeugt, 
und wo es haperte, änderte ich ab, bis es richtig ward*). 

Ohne Tonzeichen war es indessen nicht möglich die Sprache zu 
bearbeiten und schriftlich darzustellen, was überall sehr leicht 
nachzuweisen und eben so leicht einzusehen ist. Wie sollte man 
z. B. fällen, fallen, und fällen , 1. fillen, schinden, 2. einem nach-* 
laufen, wie ein Füllen der Stute ; stallen , 1. stallen , pissen , von 
Pferden, 2. auf den Stall setzen, einstallen, und stallen, 1. stillen, 
2. stellen; lacken, lecken, einen Leck haben, tacken, lacken, mit 



^ In einem seiner Briefe schrieb mir Hr. B. noch folgendes 
über die von ihm gewählte Rechtschreibung: »Einem Schullehrer 
auf einer benachbarten Insel, auch einem gebornen Friesen, den 
ich seit meinen Kinderjahren nicht gesprochen hatte, schrieb ich 
einen friesischen Brief nach meiner Orthographie, die er augen- 
blicklich begriff, und nach welcher er mir auch den Brief so be- 
antwortete, als ich, wie ich wähnte, ihn nur selbst hätte schrei- 
ben können. Dies spricht doch dafür, dass mein Verfahren im 
Wesentlichen richtig sei". 

{Anm- d, Herausg.) 

d 



XXTI 

Lack versiegeln, und täken, lachen, ohne Tonzeichen von einander 
unterscheiden? Und so verhält es sich in lausend ähnlichen Fäl- 
len. Was nun das Weitere in der gewählten Rechtschreibung be- 
trifft , so habe ich überall die Endconsonanten da verdoppelt , wo 
das in der Mehrheit gebrauchte Wort denselben doppelt hören 
lässt, als: dät Läujnn, da Läujnne, das Land, die Länder; de 

A A 

Enn, da Enne, der Abend, die Abende; de Dick, da Dicke, der 
Deich, die Deiche, u. s. w. Bisweilen trifft man den Vocal ver- 
doppelt, als: dät Reef, der Fuchs; bisweilen mit dem Dehnungs- 
zeichen, als: dät Ref, was überall als völlig einslautend gilt. 
Einzelne Abweichungen in der Rechtschreibung habe ich nicht 
immer vermeiden können ; doch sind sie nirgends von der Art , 
dass die richtige Aussprache im Wesentlichen darunter litte. So 
ist es z. B. für die Aussprache ziemlich gleichgültig, ob man Täte, 
Thäte oder Tähte — Vater, in der Anrede — schreibt, da jedes 
dieser Wörter doch immer so lauten wird, wie das deutsche thäte, 
von thun. Zu vielen derjenigen Wörter, die im Dänischen und 
Schwedischen sk, im Deutschen seh, und im Englischen sh zum 
Anlaut haben, findet man im Nordfriesischen eine Menge analoger, 
wo aber nur das englische shy als dem friesischen Laute zunächst 
stehend, ohne Anstoss für's Auge gebraucht werden kann, weil 
weder sk noch seh hier ganz passen, indem sie beide zu scharf 
sind. Der friesische Anlaut ist hier eigentlich ^ , wo ^ als sanf- 
ter Gaumenhauch ausgesprochen wird, wie am Ende der deut- 
schen Wörter Teig und Zweig. Beispiele : dän. Skade , Schade , 
fries. de Sfme; dän. Skam, engl shame, fries. dät Shöm, u. s. w. 
Das s am Ende einer Silbe oder eines Wortes, so wie das ss in 
der Mitte der Wörter, müssen beide äusserst weich und sanft 
ausgesprochen werden, wie das z der Holländer. Wo es thunlich 
war, habe ich die richtige Aussprache dieses Lautes durch ein 
vorgeschobenes h zu erzwingen gesucht, als: jö Wähs, die Wittwe; 
wihssen, weisen; de Splähs, die Spalte; wo der Vocal geschärft 
und der weiche Laut des ss doppelt gehört wird. 



GRAMMATIK 



ERSTES GAPITEL 



VON DER AUSSPRACHE DER BUCHSTABEN. 



r%yv\J 



a. Vocale. 

§. i. i. A, a^ aa. Dieser Bachstabe wird im NordfriesischeD 
auf fünf yerschiedeoe Arten ausgesprochen. Das doppelte t» 
klingt ganz wie das aa im Niederdeutschen , z. B. in den Wör- 
tern: de Aader^ die Ader; Paader, Vater; de BoaVy der Bar« 
und wie das dänische aa und das schwedische d, z. B. in Aal , 
der Aal; Skaal, Schale (Gefass); et Baal, der Scheiterhaufe; pd, 
auf; Sprdk , Sprache , u. s. w. Beispiele : aane , ohne ; kaanen , können ; 
Aabel , ein weiblicher Name ; faar , vor und für ; jö Kaar , der 
Karren; gaar adv. gar; baar, bar; mar, rar; haaren, karren; jö 
Snaar, die Schnur (Schwiegertochter); jö Haawel, die Klunker- 
milch; jö Baawel, die Simse, Binse; dat Aawenty die Schnür- 
brust; spaaweüy gelb und weiss gesprenkelt; jö Kaardy die 
Karte; kaarden^ karten, Karten spielen; braaseny braten; jö 
Braahs , der Braten , u. s. w. 

d. u^, ä. Wie das gedehnte ah in den deutschen Wörtern : 
ahnen, bahnen, mahnen, der Wahn, Hahn u. s. w., als: jö j/H, 
die Erbse; dat Pari, der Part, Antheil; jö ^, die Grossmutter; 
jö udneriy die Ente; mal, toll, aufgebracht, niederdeutsch: maü; 
kH, kaU; nägel, nackt, daher noch im Deutschen nagelnaeki^ 
im Friesischen gplintemagel; prälen, i. prahlen, 2. laut rufen, 
schreien; malen, malen (mit Farben); hetälen, nd. betaalen, 
dan. at betale; $£gen, sagen; sägnen, vermissen, dän. at savne^ 
nd. saaknen ; dat Gagen , der Nutzen , dän. (javn ; gägnen • 
Nutzen gewähren; da ufgne, die Spreu, dän. *Ayne; ßren, fahren 
(nur zu Wasser): de Tjire, der Tbeer; jö Snär, die Sdilinge. 



2 

5. Wird a mit demselben , unter 2. bezeichneten , Laute ganz 
kurz ausgesprochen oder abgestossen , ohne geschärft zu werden , 
wozu sich aus den verwandten Sprachen keine Beispiele entneh- 
men lassen. Wir müssen dieses durch die Verdoppelung des Con- 
sonanten bezeichnen, als: ^te. Gross vater; ]öKätt, die Katze, nd. 
und dän.Kat; fätt, fett; datFä^pl. Fähse, die Schüssel; hchäUf 
er heisst; strädden, altd. greten, grätschen; klädden, kladden, 
klittern ; jö Klädd , die Kladde ; dat Jädder , das Euter , nd. dat 
Jüdder; fällen, f ollen; gällen, weinen; stallen, stallen; de Ställe 
der Stall ; jö Sali , der Sattel ; jö Fäll , die Falle ; de Galle , die 
Galle; de Hallig, der Hallig (Holm, kleine Insel); fällig, ordent- 
lich, weidlich; alles, alles, u. s. w. 

4. 'A, d. Hat den Laut und Ton des dänischen, gedehnten 
bellklidgenden a , wie in den dänischen Wörtern : en Sal , der 
Saal; at gale, krähen; gal, toll; at male, mahlen; at prale^ prah- 
len; at tale, reden u. s. w. — Beispiele: de Eljäl oder Hjärl^ ge- 
hechelter Flachs; swälen, heuen, Heu machen; spulen, spielen; 
tosen y foppen, prellen; täsig , gricklich; fläsen, ausplaudern; bä' 
sen, birschen; lahsen, gelitten; dsit Raser, ein ein- bis zweijährig 
ges Rind; de Pasc, der Ochsenziemer, dän. en Pees; da Lähse, 
die Gliedmassen. 

5. A , a. Ganz wie das geschärfte a im Deutschen und Däni- 
sehen, in: das, nass, blass, Fass, Napf, fallen, fassen, Katze» 
Schatz , Latz , u. s. w. , als : ndll, stössig , von Rindern ; shdll, schmut- 
zig, vom Rind- und Wollen vieh, das dünn mistet; ßtdll, stille; dp, 
auf; dppe, auf; wdllen, wollen; de Wdlle , der Wille; de Bdk' 
kei\ der Bäcker, 2. die Meerschwalbe; sldkkm, lecken mit der 
Zunge; machen, küssen; trdcken, ziehen, dän. at träkke, nd. 
^recken, daher: jö Trackpott, der Ziehtopf, d.i. der Theetopf. 

§. 2. Ae, ä, äh. Wird überall so ausgesprochen, wie das ge- 
dehnte äh im Deutschen in den Wörtern: die Aehre, die Fähre, 
die Mähre, die Thräne, Mähne, mähen, nähen, säen, u. s. w. , als: 
dat Aehl, die Mistjauche, altdeutsch: der Addel; jö Shäl, 1. die 
Schale, als Gefäss, 2. der Unterschied zwischen dem Gebotenen 
und Geforderten beim Kaufen und Verkaufen; dat Mahl, das 
Jlehl; jö Fägel, der Fehler; de Hagel, 1. der Hagel, 2. die Fer-. 
se; jö Hagel, die Hechel; shälen, diiferircn, nd. schälen; 2a- 
wern, liefern; hawern^ beben; strawen, i, streben, 2. i^cb strel- 



ten; ähtneH, offen; de Frälhe, gemein für Mund, Maul, die 
Fresse; Thäte, Vater; Wis, q>ät, nd. laat; blähsen, flammen v. 
Irans. , z. B. gerupfte Gänse mit Stroh , dän. at blusse ; davon jö 
Blähs, dän. et Bluss; däsig , nd. dösig. — Das geschärfte ä, 
wie in: äffen, täppisch, läppisch, u. s. w., kommt im Nordfriesi- 
schen nicht vor. 

§.5. E , e, Ee, ee. Behält überall den unveränderten Laut 
seines Namens , und wird entweder gedehnt , oder bei unverän* 
dertem Laute kurz abgestossen. Gedehnt klingt dieser Laut wie 
in den deutschen Wörtern : die Ehe , Seele , drehen , sehen , wehen , 
flehen, als: jö Feel^ feien, die Feile, feilen; jöTVee/, trelen, die 
Rollscheibe, rollen, dän. en Trilde, at trilde; jö Meel, die 
Meile, dän. und nd. en Miil; de Teele, die Diele, nd. de Dähl, 
altdän. en Tillie; Stelen, stehlen; de Greme, die Halfter, dän. en 
Crime, wolier auch wahrscheinlich das englische groom, der 
Stallknecht, stammen mag; jö Sleem y die Stimme; dät Reess 
dän. en Rost, auch die Stimme, wie sie besonders jedem Ein 
zelnen eigen ist ; dat Neest , das Nest ; nesteln , nisten ; jö Feet^ 
die Faust; dät Fee^, das Fest; neesh^ zart, von der Haut ge 
braucht; meek, zahm, kirre; meckUek, gemächlich, bequem. Bei 
unverändertem Laute kurz al^estossen in : elVmg , heut Abend 
jö Meilen, die Mühle; de Meiler ^ der Häuer; jö Ellen, die Elle 
teilen, zahlen, nd. teilen, dän. at täUe; feilen, \. füllen, 2. ge 
fallen sein; sellew, selber, dän. selv; edder ^ früh; dät Edder 
der Eiter; sHten , setzen; tenn, dünn; wenn, blau; de Enn, der 
Abend; am Ennem^ des Abends; jö Fenn, die Fenne in der 
Harsch; de Senne, die Sünde; jö Penn, ein kleiner hölzerner 
Wirbel zum Yordrehen an StaDlhuren und Luken. 

§.4. I,i,ih, ie. Gedehnt, wie in: ihm, ihn, ihr, mir, 
dir, Thier , Stier, die , wie , nie , n. s. w. , als : Iwer, ein männlicher 
Eigenname, 2. der Eifer; ihne, allein, dän. ene; da Biene, die 
Beine; da SUene, die Steine; ihr, eher,- früher; dät Bier, das 
Bier; biese, beide; Ue-en, miethen, heuern, dän. at leie; lienen, 
Idhen, nd. l^nen; tienen, dienen, dän. at tjene; ^en, zidien; 
de Tiener, der Dioier; die-en, beisse Speisen vertragen können; 
mieh, übel zum Erbrechen ; de Sie^, der und die See; hie-en, \. stei- 
gen, ansehwellen vom Wasser, % v. trans. erhöhen; fniesen, 
Biesen; frieeem^ firiercD, a.&w. 



■k 



Geschärft» in: Ick, ich; de Dick^ der Deich, nd. de Diek; dic- 
ken, deichen; dat Stick, der Gri£fel; jö Wick, die Wiek, dän. 
(cn Yiig, die Meeresbucht; rick, reich; dat Ldck, die Leiche, nd. 
dat Liek, dän. et Lüg; dat Sicken, der Seufzer; siökneriy seuf- 
zen; dat Bill, das Bild; de Biller, ein armer Wicht; wül, wild; 
grillen, i. drillen, 2. foppen; d^ilss, das Eis, nd. und dän. lis; dat 
Griss, dän. en Griis, das Ferkel; tvitt, weiss; bitten, beissen; 
$lüten , 1. schleissen , 2. aus der Tasche verlieren , 5. Einen gut 
^u nehmen , zu behandeln wissen , um gut mit ihm umgehen und 
fortkommen zu können. He wiß kam gäujd to sliUen, er weiss 
Ihn zu nehmen. 

§.5. 0, 0, 00, oh. Hat drei verschiedene Laute: erst den 
gedehnten seines Namens, wie in: ohne, der Lohn, schonen, 
wohnen, als: Ohme, der Odem; de Thole, der Grasbusch; de 
Trohl, der Zauberer, dän. en Trold; de Name, der Name; de 
Mohne, die Mähne, dän. en Manke, engl, the mane; hohl, hohl, 
engl, hollow; de Kome, i. ein Poltergeist; ± die Nase, aber nur 
scherzweise; de Häme, i. der Hamen, die Reuse, 2. die Schei- 
de der Gräser , aus welcher die Aehre hervorkommt ; saren , sie^ 
eben, kränkeln; sögen, einkochen, v. intrans.; deKröge, der Gra- 
pen; de Loge, die Lohe, Flamme; de Snowe, die Schnuppe am 
Lichte; de Rowe, der Schürf einer vernarbenden Wunde; nög , 
i. genug, 2. gar, adj. 

Zweitens mit unverändertem Laute , aber kurz , als : bannen , 
bannen, fluchen; wSnnen, Getreide in der Schwingwanne reinigen, 
dän. at dröfte (schwingen) ; de Mön^, der Mann ; jö Könn , die Kanne ; 
jö Pönn^ die Pfanne; jö Fämmen, das Mädchen; de Dömm^ dßc 
Damm; de Ramm, der Widder^ Schafbock; de Ömmer, der Eimer; 
de Bolle ^ die Beule; de Knolle, i.der Knöchel, 2. der Pfeifenkopf; 
jö Shömm, 1. die Schaam, 2. die Schande ; de Klömp, i. die Klampe; 
2. der Schober, aber ein grosser viereckiger am Hause, wenn man 
\m Hause kein Gelass für Heu und Korn mehr hat; lömm, lahm; 
tßmm , zahpi , u. s. w. 

Drittens geschärft, wie in: sollen, wollen, oft, hoffen, off^d, 
U-s. w. , als: de Trolling , ein Brot; oller, nie, niemals; de Rolle, 
i. die Kälte, 2. das Fieber; groU, gross, nd. grot; grottem, 
}waX; jö Pott^ Topf. 

§.6. Oe, ö, oh. i, Gedehnt, wie in den Wörtern: Od, die 



Höhle 9 böbnen , u. 8. w. « als : dat Oehle , das Oel ; de Tiiöle , das 
Maul; göhly gelb; njöl, plump; ßhl, 1. faul, träge, 2. faul z. B. 
Toa Eiern, 3. boshaft, uiedrig gesinnt; shölen, Schutz vor 
Wind und Hegen suchen, dän« at skjule, 2. wie ein Dieb einher- 
schleichen; jöKöM, i. die Grube » 2. das Grab, nd. de Kühl, dän. 
en Kule ; holen , heulen , nd. hulen , dän. at hyle (spn büle) ; jo 
Mohr, die Mauer; |id/eft, zupfen, auszupfen, dän. at pille; lören, 
lauem, nd. luren, dän. at Iure; dat Bohr, das Bauer, nd. und 
dän. Buur; drog, trocken, nd. drög; drögen, trocknen; swomen, 
sehweimen, in Ohnmacht fallen, nd. swiemen, dän. at svime; 
daher nun de Swome, die Ohnmacht; de Söme, die Summe; de 
GIcme, die Gluth, u. s. w. 

Zweitens geschärft, wie in: Söller, öfter, öffentlich, als: stowen, 
stieben; döwen, tunken; sndwen, i. schnauben; 2. schnupfen, z.B. 
Taback; »hörnen, schieben; Möwen, klauben; jö Klöft, die Schnur- 
re, Posse; klößig, i. drollig, % gescheidt, geschickt, erfinderisch; 
lofte»^ gehoben. 

Drittens wie das ö im Niederdeutschen in: de Döhr, de Göhr» 
möhr u. s. w. als: de Jögel, der Eiszapfen ; Island. lökul ; de Tögel, 
der Zügel, nd. Tögel ; de Fögel, der Vogel ; de Bögel, der Bügel, nd. 
Bögel ; jö Doged, die Tugend ; jö Jöged, die Jugend , das Jugendalter; 
jö Köwel, der Weiberrock , von den Hüften bis zu den Füssen rei- 
chend ; jö Döhr , die Thür , nd. Döhr , dän. Dör ; döhr, durch, hindurch. 

§•7. ü,u,uh, i. Gedehnt, wie in: Dfar, Spur, thun, Schuh, 
Bube, die Müsse, die Busse u. s. w., als: jö Swuhn, der Schwan; 
jö Buhn^ die Bohne; nhsen, schöpfen, dän. at Öse; da Kluee, die 
JSleider; de Vhrs, der Frühling; jö Suhrd, die Schwarte; de ür- 
jier, der Enterich, Erpel; suhrl, dän. sort, schwarz; luhnen, loh- 
BGB; de Gnlig, der Galgen; dat Tulig, der Talg; dät Htdem, 
Lang8ti*oh zum Decken der Häuser und Deiche, als nomen eoUecti- 
Tum, dän. Halm. 

2. Bei unverändertem Laute kurz abgcstossen , wozu es in den 
yerwandten Sprachen an Beispielen fehlt, als: fueh', bange; de 
üch, die Wand; de Such', der Zober, Zuber; de Kueh' oder Kug', 
-der Koog ; duhggen , thun ; fuhggen , empfangen , empfahen , dän. 
at faae; huch, hoch; de Hupp, der Haufe; de Kupp, [der Kauf; 
bipen, laufen , nd. lopen ; huppen, häufen , häufeln ; $iupp, hart an ; 
4le liup t dän. et /feefr, nd, Reep. 



5. Kurz und geschärft, wie in: Mutter, Butter, Kutter, uns, 
lind, als: twuntig, zwanzig; da Tunte, die Finnen im Fleische 
der Schweine; jö Mudder, die Mutter; dät Mtidder, der Schlamm, 
Moder, dän. Mudder; munter; unk, uns beiden, uns heide ; junk, 
euch beide, euch beiden; junky adj. dunkel; drunken, i. getrun- 
ken , 2. trunken ; jö Rung , die Runge am Wagen ; jö Spung , i . die 
Spange, 2. das Kirchhofthor; jö Hüll, die Mütze (Hülle); de Bulle, 
der Zuchtstier; dumm; stumm; jö Rull, die Rolle; unner^ nd. 
unner; de Tunner, der Donner. 

§. 8. Ve, ü, üh. Gedehnt und geschärft, wie im Deutschen. 
Beispiele: de DiUis, der Tod; de Sühs, der Brunnen, nd. de Soot; 
däii Klühs, das Tuch; hühs, heiser; lühs, los; snühss, flink, nett; 
ühs, unser; de Hühs, die Heimath, u. s. w. Geschärft: ütte, bütte, 
aussen, draussen; dat Rütt, die Raute, Scheibe; jö Rütten, die Raute 
in der Karte, Schellen; de RüUer , der Reuter; de Süller, i. der 
-Schuster , 2. die Schleihe (Cobitis Tinea) , latein. Sutor. Gedehnt 
in Düe, ein Mannsname; büen, arbeiten; jö Büing, die Saatzeit 
•im Frühling; brüen, zum besten haben, necken, nd. brüen. 



b. Doppellaule. 

§. 9. Diese sind: aai, Si, äi, di, äi, öi, au, du, aaj, aj , äj, 

Vy ^if ojf ^J> 4/- 

Aai, aai. Das breitgedehnte aa (§. i.) wird hier mit i ver- 
bunden ausgesprochen, als: Faaie, Vater; Klaai, Nicolas verkürzt; 
maaif ziemlich, erträglich; laai, faul, dän. loi; Baai, Verkleine- 
rungswort für Ingeburg; dit Baai, der Boi , ein Zeug; straaien, 
gemächlich gehen ; glaaien, schlüpfen, entwischen; üttglaaien, aus^ 
glülien; raaieln, taumeln; waaiten, winken; jö Waait, die Winke; 
jö Flaait, die Flöte, flöten: flaaiten; spaaiten, spritzen; jö Spaaii, 
die Spritze , u. s. w. 

^i , äi. Das gedehnte a in ahnen , bahnen u. s. w. wird mit i ver- 
bunden ausgesprochen, als: dät u/i, das Ei; dat Wäi, der Wat- 
tich, die Molken; de Kläi , der Klei, Thon; Päie , Pai , Manns^ 
name ; de Kaie , der Schlüssel , engl, the key ; läiden , blitzen , 
nd. läiden; de Läid, der Blitz; de Wäien^ der Wagen; dät u^- 
kenr, das Eichen, Ricchbüchse; Fäike und Päike, Anrede anklei- 



ne Jungen; päiken, rappeln, wie ein kleiner Knabe; släien, ge- 
schlagen ; twäien » gewaschen ; räieln , einreihen , einen Faden ; 
de Mäi , der Mai ; dat Mäijücket* , die Weidenruthe ; gläi , froh , 
dän. glad (1. glähs). 

'Alf äi. Das hellklingende, langgezogene äh der Dänen mit i 
verbunden, als: di, nicht; dien, einem die Backen streicheln; jö 
Bäi^ die Beere; däien, gedeihen; wäien, i. wehon» 2. trauen, ein 
Brautpaar, dän. at vie (trauen); fräien, freien; kräien, krähen, 
nd. kreien; säien^ at süe, nähen; q>äien, speien; gräien, wach- 
sen, dän. at groe; häien^ Milderungswort für lügen; Idi, lau; 
Q/ujn *e Laie , dän. i La , im Schutz vor dem Winde ; mi , neu ; de 
Bräi, der Brei; dat S/rdt, das Stroh; dat Stäi, der Koben » dän« 
en Sti; twäie, altd. zwiro, d. i« zweimal, engl, twice; träie, drei- 
mal , engl, thrice , u. s. w. 

Äi, di. Das geschärfte d in: dass, nass, Fass, lassen, wird mit 
i verbunden ausgesprochen, als: Idinken, leicht einherhüpfen ; 
drdinken, trinken; sdinken, sinken; krdinken^ kränken; hdinkm, 
hinken; sldinken, schlucken; todinkeny winken; dat Aingel, der 
Engel; jö Rdingel, der Henkeltopf mit zwei Henkeln; deHdinget\ 
der Henker; de Fdinger, der Finger; rdingeln, klirren; de Spdifh 
he, die Leitersprosse; da RdinkCy die Ränke. . 

§. JO. Aei, äi in: da Aeile, die Aale; da Wäile, die Weiher; 
päilen^ im Wasser platschen, dän. atpöie; käilen, kühlen; fallen, 
fühlen; späilen, spühlen; da Täis, die Zähne; Gäis, Gänse, dän. 
Gjäs, engl, ^eese; näisty nächst, dän. näst, engl, next; de iVdt- 
ber, der Nachbar, nd. Naaber; jö Häi, i. die Lust, 2. Erinne- 
rung, 5. Gemüth, u.s. w. * — ; ieWäi, der Weg, dän. en Vei; da 



* Diess Wort »jo Häi" ist das dänische Hu, und das altdeut* 
sehe Hug, Hauch , Geist , welches noch in dem Worte Hugenot- 
ten, » Hug-gcnoten /' Geistesgenossen, übrig ist. Im Dänischen 
hat man folgende Wörter und Redensarten aus demselben ge- 
bildet: »Med velbcraadt Hu," mit reiflicher Ueberlegung; »Väre 
mod i Hu", verstimmt, verdriesslich sein; »Glad i Hu," frohes 
Gemüthes ; » At komme ihu ", eingedenk sein, sich erinnern ; » Hu- 
kommelse" , das Gedächtniss ; » at huske", im Gedächtniss behalten. 
Im Nordfriesischen : » Dät kamt me äujn häi", kommt mir in den 
3inn; r>Ick häwW nijn Häiäjt,'' ich habe keine Lu^t dazu. — Daher 
ßtammen femer die nd. Wörter: hägen, de Häg, und högen — so 
wie die friesischen Wörter: högen, jö Höhg , und häien, so wie 
hagen und behagen, behaglich, im Deutschen. Hägen, erfreuen. 



8 

M&Ue , die Mahle , dän. Maal ; de Türem , der Dann , dän. Tarm ; 
dßAeirem, der Arm; ßir, stark /dän. för (1. föhr); dniHäier, das 
Haar; wäir, wahr; jö Shäier, die Schere; äim, wund, zart, 
schmerzhaft, dän. öm; släipen, schlafen, nd. slaa^n; näi, nahe; 
de Näigde, die Nähe, nd. Negd; wäigen, wippen; dat Häigen^ 
das Stuhlkissen; äien, eigen; läig, niedrig; dat Läiged, die Nie- 
derung. 

Oi, oi, Behält die Aussprache seines Namens, als: toten, auf- 
thatten; BhSim, die Pferde beschlagen {schuhen), dän. at skoe; 
BÜB, ein inännltcher Eigenname; jö KH, die Koie; fbrsm&ien, 
verschmähen f dän. et forsmaae; kr&ien, nach etwas Gesunkenem 
mit dem Suchhaken fischen > dän. at kröie ; smaien , aufstreifen , 
dän» at opsmöie ; rdien , rudern , ein Boot u. s. w. , dän. at roe ; 
swdien , at sweie , *swäie. 

§. ii. Au, au, wie im Deutschen, als: dkAune, nom. coli., die 
Buttermilch ; auwer , über; trauen , einem — ; jö Glauw, der Spaten ; 
jö Grati/*, der Graben ;/auti^^ ad j. windstill, kalm; /at/tf7^,y. Irans., 
Heu oder Garben aufladen ; de Auwen , der Ofen , dän. en Ovn ; 
auf, ab, dän. af; de Maude, die Mode; de Grause, i. die Gruse, 
Saft der Pflanzen , 2. Jahreswuchs ; de Edgratise , das Nachgrass 
zum Abweiden, dän. en Gröde; jöiVaus, Dreilingslicht, Lauflicht, 
Rennkerze , dän. en Praas ; jö Stauwen , dän. en Stavn , der 
Stafen, der Warf, auf welchem ein Haus steht oder gestanden 
hat ; jö Raus , die Rose , u. s. w. 

Äu, äu, wie im Deutschen, als: de Taus, der Zahn, engl, 
tooth; dätUäus, das Muss, als Pflaumenmuss; dat Baus, Ait 
Erdhütte aus Rasen; jö G&us, die Gans, nd. de Gos, dän. en 
Gaas, engl, goose; ick laus, ich las. 

§• i2. Aaj: Aajt, Agatha. ^, äj: de Br^t, die Breite; de 
Wißt ^^^ Nässe, dän. en Yäde, Yädske. Aqj, aj: dat j(jth (ge« 
dehnt), der Essig, dän. Adike, nd. Atig, engl, eisel. -r- Ge* 
schärft in: äjtt, zu, an, bei, engl, at; deBßjtünge, von en Bdjtte, 
das Bischen, Umzugsgut, Fahmiss (dän. Flyttegods, Lösöre); 
dAFäjtt, die Füsse , engl, feet , nd. deFöth; wäitt, nass, engl, wet. 



behagen; de Häg, das Behagen; högen im nd. behalten, erin-* 
nern, im Friesischen: erfreuen; jö Höhg, das Wohlgefallen , Beha- 

Sn; haien, im Sinne behalten, verbergen, yerheimlichen, mildernd 
r lügen; 



^ 



dän. Taad; swifjtt, süss, engl, sweet; de Rilßd, der Rath, dän. 
et Raad; räßdeni i. errathen, 2. zurathen, abrathen, 3. über 
etwas befehlen » gebieten , 4. entohnigt sein können ; de Räjd- 
delse^ das Räthsel; dat StSßll, das Eisen, engl, steel (Stahl); de 
Afl , der Aal , engl, eel ; jö Shäjll , die Schuld , Ursache ; dat Majl^ 
das Ifahl, dan. Maal; de Wißl, der Weiher, der Wehl; jö Uäjdd^ 
die Math; mäßdden, mähen; jö Bräjdd, die Braut; bräjdden, 
brüten, engl, the bride, to broed, to breed; ßßden, ernähren, 
füttern, dän. at föde, engl. to feed; }6Fäih8, Weide» Unterhalt, 
dän. en Föde, engl, the feed. 

§. 43. ^, ij: dst fjll, das Feuer, dän. Bd; dat fjlUnge, die 
Feuerung; dat ^d, der Torf; he Mjtt, er biss; de StrijU, ein 
Gang in der Kirche , das engl, street (Strasse) ; bijlken , laut nach- 
rufen, einem; dat Fijl, das Rad, engl, wheel; dat Dijl, i. das 
Ding, 2. der Theil; dat Gijl, das Geld; jö Hijll, die Heide, die 
Fessel am Fusse der Pferde; hellen, die Fessel anlegen; de 
W^tte, der Weizen, engl, wheat, dän. Hwede, nd. W6ten; niß- 
fjcft, kämmeriich, beengt, wörtlich: nöthlich, yon Noth; da 
Sn^dde, die Grieben; ^(fl, heiss, nd. hitt, dän. hed (1. hdhs) 
engl, bot; de St^, der Stoss; de SHß^, der Stein, dän. u. nd. 
Steen, engl, stone; Mfnnen, i.mit den Händen auffangen; 2. sich 
ereignen, begeben; kijun^ schlecht; wijnnen, wenden. 

Aj, scharf: de A^'^, die Hitze; UüU, nd. lüjtt, engl, littlc; en 
BäjUe^ ein Bisschen; de Bajt, das Jucken, u. s. w. 

tJjy mj: villi alt; i^lUngs, altlings, weiland; jö Vjlling , die 
Mulde; de Füjlle, die Falte, dän. en Folde, engl, fold; de Küjl, 
dec Kohl, dän. Kaal; hüjllen^ halten, engl, to hold; düjdd, todt, 
dän. död , engl, dead ; dat Brüjd, das Brot , dän. Bröd , engl, bread ; 
jö Nüjd , die Noth , dän. Nöd , engl, need ; dat Nüjtt , das Rind , 
dän. et Nöd , engL neat ; de Süjdde , der Torfsode ; rüjd , roth , 
dan. röd, engl, red; rüjUen^ muhen; dat BüjU, das Boot; dat 
Lßjdd^ Loth, u. 8. w. 

§. 44. Oi, dj, als: D&jUe, Töchterchen; PajUe, Schweinehen; 
p^Ue, fSjUe! zum Anlocken der Ferkel und Schweine; de HSßte, 
die Endscheibe des Brotes; de Röjntef Mannsjacke; de Pdjnte, ein 
sweizölliges WürfelhöLBchen , mit dem die Kinder in den Weih- 
nachten um Pfeffernüsse spielen , auf den vier Seiten mit den 



10 

lateinischen Buchstaben A. M. N. S. bezeichnet , d. i. A]: alles , M : 
mein eigen , oder der Einsatz , N : nichts / S : setz zu ! — de 
Döjnte , das Döhnchen ^ 

Ä^jy &uj: dat Blmyd, das Blut, dän. Blöd, nd. Blot, engl 
blood; de Hmyd, der Hut» nd. Hot, engl, hat, dän. Hat; gät^d, 
gut, engl, good; dat M&ußd^ der Huth, dän. und nd. Hod, engl 
mood; jö Flämjd, die Fluth, dän. Flod, nd. Floth, engl, flood; 
fläujdden, fluthen; dat Gä^jll^ das Gold, dän., nd.und engL gold; 
gäujUeriy golden, dän. gylden, nd. und engl, golden; km^l^ 
kalt, nd. kold, u. s. w. ; dat Schäujl, die Schule, dän. en Skole, 
nd. Schol, engl, school; dat Bän^l, die Hütte; de Sta/ujl^ der 
Stuhl, dän. und nd. de Stol, engL stool; dat Mäujly das Hill, 
Millerde, lockere, schwarze Gartenerde, dän. Muld, engl, mould; 
äujn, in, an, hinein; jö Mäusjnn, ein offener Kasten zu Holz 
und Torf, dän. et Mon, aber in anderer Bedeutung; jö Shqinn^ 
die Schandthat; jö Häujnn, die Hand; dat L&u^, das Land; 
dat Säuynn, der S^nd; jö Br&ujnn, die Feuersbrunst; dat Pät(^, 
das Pfand; dat SäujU^ der Russ, dän. Sod, nd. Sott, engl, soot; 
jö RäujU, die Wurzel, dän. en Rod, engl, a root; jö LcmU^ die 
Ofenkrücke; jö Klmjtt, eine Bootstange mit einer Klaue; Im^d' 
den, laichen von Fischen, rammeln von Hunden, Katzen, Hasen, 
u. s. w. , daher : jö Läujdd , das Laichen und Rammeln , und dat 
Zäujdd , der Laich der Fische ; de Fwujt , der Fuss , nd. Föt , 
dän. Föd , engl, foot ^. 

§. 15. Das i steht ausserdem nach folgenden Consonanten: 
B, F, G, H, K, L, M, N, S, St und W; also: hj, fj; gj, 
hi , kj , Uftnjy nj , sj ,] stj und uij, Beispiele : dat Bjäst , die 



* Wo das j (lolt) in Verbindung mit Vocalen vorkommt, 
bewirkt es, bei einer richtigen Aussprache, dass sich der 
darauf unmittelbar folgende Gonsonant demselben auf eine ganz 
eigenthümliche Weise anschliesst , wie z. B. in Mäjnte , Mantje , 
Männchen, u. s. w. Alle Wörter dieser Art werden, mit Aus- 
nahme des einzigen Wortes A^th oder 4j^h, Essig, geschwind 
und scharf ausgesprochen. Dänische Kinder , nach der Lautme- 
thode im Lesen unterrichtet, sprachen diese Wörter, ohne sie 
zu verstehen , ganz so aus , wie der gcborne Nordfriese. 

3 Das geschärfte o, mit j verbunden , giebt denselben Laut in 
P^tter, von PoU, 1. der Topf, nd. Pot, dän. en Potte, 2. en 
Pöt , als Maass , d. i. eine halbe Kanne , engl. pot. 



11 

JNeumilch nach dem Kalben, Biestmilch, oberdeutsch: die Biedst, 
Briest und Brieschmilch; bjdwsen, bellen, klaffen, von Hun- 
den, dän. at tjäffe; dat Bjäm, das Kind, dän. et Barn, von 
beren^ tragen, nd. boren, dän. bare, also: das (im Mutterleibe) 
Getragene; ßauer, vier, engl, four; ßarten, furzen, dän. at Qärte, 
engl, to fart; dat Cljärs, das Gras, dän. Gras, engl, grass; gjär- 
Mü, grasen und grasen, dän. at grässe, engl, to grass; de ßjarl, 
gehechelter Flachs; jö Bjäm, die Ecke, nd. Hörn, dän. etHjöme; 
hjäment Kranke besuchen; dat Bjwrty das Harz; de Kjärl, der 
Kerl, dän. en Karl; jö Kjarl, der Kern; he kjärd, er fuhr; 
l^amen, körnen v. trans., z. B. die Gerste, dän. at kjöme; dat 
I^ägt, das Licht, altdeutsch Leoht, engl, light; ^aagen, lügen; 
deü^s, derHist, dän. Mög; deJi^am, der Morgen; n^ame, mor- 
gen; de ttljarsh, die Marsch; tyäsen, säumen, zaudern; njöhl^ 
schwerfällig» plump; de Sjämey der Schemen, daher: ^dfmnem, 
schimmern; jö Sjäm, die Karne, Butterfass, engl, chum und 
kern; spornen, kamen, buttern, engl, to kern, to chum, dän. en 
Kjäme» at kjäme; i^h! Scheuch wort für die Vögel; ^ngeUy 
singen; de Sjunger, Sänger; ^äsen, salbadem; Tjäre, Theer; dat 
Tjauling , der Gamknaul; ijdweln, sich zanken; de Tjaaler, der 
KeUer; dat Tjög\ i. das Zeug; ± der Zeug, 5. Vieh, dän. Töi; 
daher: ^ögen^ sich anschaffen, nd. dat Tüg, tügen; de Tjdwse, 
der Kiefer , Kinnbacken , dän. Kjäwe , engl, jaw ; stjäwen , albern 
einhertreten ; jö Sfjäpmudder , die Stiefmutter , engl, stepmother ; 
S^äppdder , Stiefvater ; ^t Sfjdrt , der Sterz , Schwanz , dän. en 
StjeK, nd. de Steert; si^ärten, stürzen; s^öen, schaukeln; jö 
Sl^öi, die Schaukel; de Wjart, der Wirth, dän. en Yärt; de 
Wjdrd, i. die Wahrheit, 2. der Werth; we i^am, wir waren; 
uijarpeln, worfeln; de Wjarke, der Wirbel am Spannslrick, oder 
Tüdder. — Das w steht nach S und T ; also : sw und tw , als : 
swär, schwer; swären, antworten, dän. at sväre; ^atren, schwe- 
ben; twdnne, zwei, dän. tvende; twdrr, quer, dän. tver, tvers; 
d^t Twich, der Zweig, nd. datTwieg, engl, twig; d^i Twört, der 
Lichtdocbt; de Twäst, der Quast; twitten^ schnitzen; twiweln, 
zweifeln , nd. twieweln , dän. at tvivle. 

§.16. Sh, sl, snij sn, sp und st kommen mit einander ver- 
bunden vor , als : shöwen , schieben ; slaipen , schlafen , engl, to 

2 * 



12 

sleep ; smägen , schmecken , dän. at smage ; späten , spielen ; Stelen , 
slehlen, dän. at stjäle, engl, tosteal; sweren^ schwören, engl, ta 
swear; snßjtlen, schnauzen; spillen, verschütten, dän. at spilde, 
engl, to spill; sträwen, i. streben, 2. mit Worten streiten. 

Das weiche s, ss und ss (sogenannte sz) als : da Zahse , die Glied- 
massen ; wihssen , weisen , dän. at vise , nd. wiesen ; swihssen , sengen , 
dän. at svie ; lihssen, leiden, dän. at lide , nd. lieden ; sihssen, zischen; 
Sihssen, die Seide; slhssen, seiden, von Seide; de Dihsse, ge- 
trockneter Kuhfladen zum Brennen; de Spihsse, die Speise; de 
WibssCy i^ die Weise, ^ die Wiese; jö BläihSy die Blase; jö 
BaihSy die Reise; roisen^ reisen; kläisen, mit den Nägeln krat« 
zen; de Säiss, der Käs, engl. cheese; ^m^v. trans. , käsen, Käse 
machen; da Suhse^ die Brunnen; da Kluhse, die Kleider; Kesen, 
lösen; miesen, meiden; fniesen, niesen; riesen, sich erheben, 
aufstehen , dän. at reise sig ; gniesen^ das Maul verzerren ; grihS' 
sen, grausen; Hesen^ auszupfen, z. B. Wolle oder Haare, dän. 
at täse; biese, beide; de Riese ^ der Riese; dat Rähser^ einjähri- 
ges Kalb; de Brauser, der Bruder, engl, brother, nd. und dän. 
ßroder. 

Scharf wird s ausgesprochen in: dat Hüss, das Haus, engl, 
house, nd. und dän. Huus; jöTrüss, die Kröte; jöMüss, die Haus; 
de MüsSf der Mund; dat Grüss^ der Gries, Kies, Gtand, dän. 
Gruus; dat Krüss, i. der Krug, 2. das Kreuz, engl, cross, nd. 
Krüz p dän. Kors ; jö Luss , die Laus , engl, louse , nd. und dän. 
Luus; dat Ldss, das Glied, Gelenk; de Smdss, der Schmid, engl, 
smilh, dän. Smed; de Mass, die Messe in der Kirche. 

§. i7. Wie das deutsche ss (sz) in den Wörtern: süss, stiess, 
Fuss , grüssen , klingt es in : de Süss , der Brunnen , nd. de Soot ; 
(de Düss, der Tod, engl, death, dän. Död; lüss, los; hüss, heiser, 
dän. hähs , nd. heesph ; dat Klüss , das Tuch , dän. Klud , engl, 
ploth; dat Leess , das Fuder, dän. et Läss; dat Gleess, das Glas; 
dat Sweess, der Schwaden, beim Mähen; täss, ziemlich gesund; 
dat Bleess, das Blatt; dat Reess, die jedem eigenthümliche Stim* 
me, dän. en Rost; dat u/hs, das Aas, nd. Aas, dän. Aadsel; 
passen, passen, 1. von Kleidern, u. s. w. , 2. im Kartenspiele; 
snüss, flink, nett, gescheidt; — wie s in aus, Maus, u. s. w., 
als: dat Baus, die Erdhütte aus Rasen; de Taus, engl, tooth. 



15 

der Zahn; jö Gaus, die Gans, engl, goose, nd. Gos, däo. Gaas; 
dst As, das As, Daus; ick laus, ich las*. 

Wenn s vor der Endsilbe er steht, hat es immer die weiche Aus- 
^rache; als: Brauser, Bruder; Bauser, Ruder; Njäser , Zauderer; 
Tjäser, Schwätzer, u. s. w.*. 



Uebergänge der Grund- und Doppellaute in andere. 

§.18. Das geschärfte y kurz abgestossene d geht in das geschärfte, 
langgezogene a über , als : dat Lass , das Glied ; da Lähse , die 
Gliedmassen; de Smdss, der Schmied; jö Smäh^, die Schmiede, 
Werkstatt; da Smähse, pl. von Smass und von Smahs» 

A\ a in ^ oder ee, als: jö Krift, da Kreefte, die Kraft; de 
Saft, pl Seefle, der Saft; satten y sitzen; ^sStten^ setzen. 



* Das nordfriesiche Baus ist die kleinste Wohnung, eine 
Erdhütte aus Rasen mit einem Stroh- oder Binsenlager und 
einer Rasenbank , die auch fehlen kann ; darnach folgt : dät 
Bäujl , eine kleine Hütte , deren Wände aus Rasen , rohen Stei- 
nen , Lehm u. s. w. bestehen , und mit Stroh , Binsen , Schilf 
oder Heide gedeckt sind. Solche Hütten haben die Anfänge der 
Börfer gebildet , und viele Dörfer haben noch dieses Wort in ver- 
schiedenen Abänderungen als Endsilbe unter folgenden Endungen 
der verschiedenen Districte im Friesischen , Dänischen und Deut- 
schen , als bm^l , bull , bölle , balle , büttel , so wie das Substanti- 
vum Böl oder Bohl, ein Bauernhof mit einer Hufe Landes von 
60 bis 80 Tonnen oder Morgen , womach dann der Besitzer nicht 
Bufner, sondern Bölsmann genannt wird. 

^ Das dänisc&e aa wird immer so ausgesprochen, wie das 
friesische Doppel-aa. Das d am Ende eines Wortes nach einem 
Yocal spricht der gebildete Däne immer als sanften Säusellaut 
aus, wie in Gud, Gott, engl. God, fries. Gäd^ wie wir etwa Guhs 
lesen würden, und so in allen ähnlichen Fällen, als in: Baad 
(Baahs) das Boot; et Bud (Buhs) der Bote, u. s. w. Das v der 
Dänen ist das w der Deutschen, und ihr y das deutsehe ü, 
Uebrigens richte ich mich hier bei einzelnen Wörtern n^cht im- 
mer nach der dänischen Rechtschreibung, sondern nach der Aus- 
sprache , wie z. B. hähs , welches gedehnt ist und häs geschriC' 
ben wird. Spricht man dieses häs scharf aus, so bezeichnet es 
einen Komschober. Der dänische Endlaut oder Auslaut. des d 
nach einem Yocale ist mit dem isländischen und englischen th 
so wie mit der weichen Aussprache des s und ss im Friesischen 
sehr nahe verwandt , wodurch denn , bei einer richtigen Belau- 
tung der Wörter in den verschiedenen Sprachen und Mundarten , 
ihre Aehnlichkeit deutlicher ins Ohr fällt. 



14 

• u/y ä , in ie , ö und ä , als : dat Krämm , de Kriemmer , deir 
Kram, Krämer; hagen, behagen; jö Böged, das Behagen, däo. 
ai behage; bogen ^ de Bdkker^ backen» der Bäcker. 

Aa, aa, wird in ö verwandelt, als: daagm, jö Döged^ taugen, 
altd. tugan, daher: die Tugend; in ä, als: ^aagen, jö Zagen ^ 
lügen, die Lüge; in das geschärfte 6, als: dö Ijogst, du lügst; in 
das gedehnte d^ als: jö Noaks, die Nase, jö Nöstring ^ das Na- 
senloch 9 die Nüster, u. s. w. 

£9 i oder ee in ä, wie in: spregen^ sprechen, de Spräike, die 
Sprache; bregen, brechen, bräik, brach; dät Feck, da Fäge, das 
Fach; dat Glees, da Glase; in ä: bregen, dat Brak; in aa, dat 
Glees, de Glaaser^ das Glas, der Glaser; in d, als: beeren, l^rfi^ 
heben, einnehmen; teeren, tjard, zehren, zehrte; weren, wjärd, 

wehren , wehrte , u. s. w. 

* 

E oder ee in d, als: segt, dat Sdgt^ seicht, die Seichte, Nie» 
derung; wegen, i. wiegen v. intr. , 2. wägen v. trans. , jö Wdgt^ 
1. die Wage, 2. Gewicht, engl, to weigh, weight, dän. at veie, 
en Yägt. 

I,i in ä, als: grippen, de Grawe, greifen, der Griff, als Hand- 
habe; slidden, de Släse, glitschen, der Schlitten, nd. de Slähd, 
dän. en Släde, engl, sledge; smitten, de Smahs, schmeissen, der 
Schmiss. 

IJ in ie, als : dat Bijn, pl. Biene , das Bein ; de SHjnf pL Stiene ^ 
der Stein ; de Prijn , pl. Priene , die Pfrieme. 

, in ä, aa und 0, als: de Monn, pl. da Mann, der Mann, 
die Männer; dat Blök, da Blaage, der Block, die Blöcke; kögen, 
de Kögen ^ kochen, die Küche; ndg, genug; nögen, genügsam. 

Ö, in i, als: jö Kff, pl. da Ke, die Kuh, die Kühe; das 
gedehnte oA in das geschärfte, als: jö Kohl, die Grube; kolken, 
ein Knabenspiel , wo sie Knikker (Schüsser , Schnellkügelchen) 
oder runde Marmelsteine in eine kleine Grube werfen, fries. de 
Loper V. lopem. 

17, ti in tl und ä, als: ^ngen, sung, singen, sang; lupen, 
laufen; Läpehe^ i. Käselaab, Rinnsal, 2. das Durchlaufen der 
Pferde, dän. löbsk. 

(7 in te , als : sluhggen , de Sliek , schlagen, der Schlag. 

U ino, als: jung , de Jänge, jung, der Junge; und 5 indj, als: 



U 



15 

ioiig, de Lajngde; in ä geht auch o über, als: worm, de WämU 
oder Wärmde , warm , u. s. w. 

Das scharfe 0' geht in das gedehnte ö (öh) über , als : de Tünn , 
pl. da Taninge, der Garten; dat ShtOnnf -da Shröninge, die Truhe, 
Lade. 

4/ in 6, als: jö Bräjdd, de Bredgome, Braut und Bräutigam, 
nd. de Brud, de Brüdigam, dän. en Brud» en Brudgom, engl, a 
bride, bridegroom; de Bßjdd, de Redmon^ der Rath, Rathsmann. 

^u in tf , als: de Shauch, der Schuh, pl. da Shuhr. 

^ti in ät, als: jö Gaus, pl. Gais, Gänse; Täus,f\. Tais, Zähne; 
in 3, wie Gosefiäsh, Gänsefleisch. 

Äty in au, wie: dat Shmyl, da Shaule, die Schule; de Stän^l, 
da Staute, der Stuhl; ino, als: jö Hä^jnn, deHönstök, die Hand, 
der Handstock am Dreschflegel; jö Honkliess, der Handschuh; 
äuj in d[;, als: de Fäiytt, da Fäjtt, der Fuss, engl, foot, pL feel, 
nd. Foot , pl. Föht oder Föth. 

le in ö undo, als: biSn, de Böget, biegen, der Bügel; Hin, de 
Tögel, ziehen, der Zügel; hi-en, de Böge, biegen, der Bogen. 

le inu, als: liewen, de Lawe, glauben, der Glaube, engl, to 
believe. 

IJe, ü vcLU und d; als: de Süss, pl. da Suse, der Brunnen; dat 
Kluss, da Kluhse, das Tuch, die Kleider; düfowen^ dat Dof, tun- 
ken, die Tunke; sn&wwen, dat Snöf, schnauben, der Schnupfen« 

IJi 'm ij, als: jö Nüid, nijdlick, die Noth, nöthlich, d. i. be- 
schränkt, eingeengt; in ä, als: iytl, dat jiller , alt, das Alter; 
und ij in äj, als: hijtt, de Hajtt, heiss, die Hitze, nd. hitt, dän. 
hed , engl, bot ; in äj , als : hr^dd , de Brqjt , breit , die Breite , 
engl, broad, the breadth, dän. breed, en Brede. 

Die übrigen Verwandlungen deir Yocale, deren es natürlich 
noch mehr giebt, werden bei der 'Wortbildung und dem unregel- 
mässigen Zeitworte vorkommen. 



Uebergänge der Consonanlen in andere. 

§. 49. Win f, als: grewen, dat Greef^ graben, das Grab; 
jewen, dat JSft, geben, die Gabe, beim Füttern des Viehes; 



16 

döwen^ dät D3f, tunken, die Tunke ^ dän. at dyppe, engl, to dipr 
sKöwwen, dat Shof, ein Brett zum Vorschieben; jö Döww ^ de 
Döffer, die Taube» der Tauber, Tauberich, engl, a dove; shöw- 
10691, dat Shöff, die Schublade ; driwweny jöDräft, treiben, i. die 
Trift, 2. der Trieb, dän. at drive, en Drift, engl, to drive, a 
drift; shriwwenf jö Shrdft^ schreiben, die Schrift; mowwen, 
i. schnauben, 2. schnupfen; dat Snöf, der Schnupfen; siow^ 
iMfi, stieben, datiS*!«/*, der Staub; grSwen, graben, jö Grauf, 
der Graben , u. s. w. 

Umgekehrt wird f wieder in w verwandelt , als : jö Grauf ^ pl. 
da Grauwe; dat Shöff, pl. da Shöwwmge; dat Kniff, da Kniw^ 
mngBy das Messer, der Kneif, dän. en Kniv, engl, knife; jö 
Wöfff wöwwen, das Weib, weihen, sich gatten; dat Steef, da 
Stewe oder Stwme, die Fassdaube, engl staff, pl. staves, dän. en 
Suv; iäi Reeft i. der Fuchs, % Sandbank im Meere, das Riff, 
pl. Räwe, dän. en Räv; de Thkf, da Thiewe, der Dieb, engl, t 
ihief, u. s. w. 

D und t gehen über in das weiche s, als: dat Bäd, da Base, 
das Bad, dän. et B4d, engl, bath; faßdeu, ernähren, dän. at 
fode; jö Fäihs, engl, to feed, food; dat Fat, pl. da Fahss, das 
Fa8S, die Schüssel, nd. Fat, dän. et Fad; engl, a fat. Tat; dat 
Fith, da Fähse, der Bottich, engl, vat; jö "Kätty de Käser, die 
Katze, der Kater, nd.de Katt, de Kaater, dän. en Kat, engU eat; 
IriUen, de Bähs^ beissen, der Biss, nd. bieten, dän. at bide, engl, 
to bite, a bite; spliUmy de Splähs, spieissen, nd. splieten, dän. 
at splide, engl, to split; sUdden, de Slahse, engl, to slide; ^^ 
im, jö Gaahs, giessen, die Gosse, dän. at gyde, en Gyde; dat 
Spit^ pl. da Spähse^ i. der Spiess, 2. der Spaten voll Erde behn 
Graben,. so tief als das Blatt geht, engl. spit. 

SS und SS (sz) gehen in das weiche hs über, als: dat Lass^ 
das Glied, da Lähse, die Gliedmassen; de Smds, pl. da Smahr 
se, der Schmied; de SüsSf da Suse, der Brunnen, nd. de 
Soot; dat Klüss, das Tuch, da Klüse oder Kluhse, die Kleider, 
engl, cloth , pl. cloths und clothes ; lüss , los , pl. luhse ; snüss , 
snuhs , nett , flink , u. s. w. 

Ch und k in g , und g wieder in k, als : dät Tiech , pl. da 
Tiege , die Oberschenkel , Lenden , engl, thigh ; huch , pl. huge , 



17 

hoch; dat Uf§gei, die Anhöhe; fuch, fuge^ bang^; de Ueh, die 
Wand; röch^ röge, rauch, zottig; de Sueh^ der Zuber » u. s. w.; 
dat Feek^ da Fäge, das Fach; slahggen^ de Sliekf schlagen, d^ 
Schlag I nd. slaaa, engl, to alay. 

§. 20^ Die Hundarten der nordfriesisdien Zunge sind > wenigstens 
auf dem festen Lande , den Halligen und in der Wyk auf Föhr , 
nirgends so abweichend ; dass die Friesen sich nicht recht gut 
mit einander unterhalten können. ^^)er. auf Helgoland» Amrum, 
Westerlandföhr und SQlt weichen die Mundarten so sehr von der 
Sprache der Westküstler ab, dass die geguiseitige Verständi- 
gung, oft schwer fällt. Um einen ungefähren BegrilS von den ab- 
weichenden Dialecten der nordfriesischen Bewohner der schleswig- 
schen Westkäste in den Aemtem Tondern , Bredstedt und Husum 
%u geben, mögen hier einige vergleichende. Zusammenstellungen 
derselben .dienen. Zuerst steht das friesische Wort nach der morin* 
gw Uondart und das deutsche zuletzt, als: . . . 

dat Haadf Haud^ Hawed» dän« Hoved» engl, head^'das Haupt; 
jö Wrül, WräU, Warl, Worl, engl world, dän* Yerden , die Welt. 

jö Hä/ujnn^ Häun, Haun, altfr. Hon^ Hond, dän. Haand, engL 
band 9 die Hand« . 

de JMii, Däg, Degi pl< Dege^ engl, day, dän. Dag^ der Tag. 

mojU, swäit, engL sweet, süss. 
. wSiU^ wäll i engl, wet , dän vaad , nass. 

dat Bjam, Bern» dän. et Barn, das Kind« 

^KiS^ßtd, Sw^i dän« etSrärd, engl, a sword, das Schwert. 

•de SitijU, Stricte engl, a street^ ein Gang in der Kirche» 
(Strasse). 

dat Släujddi Blaud, nd. und dän. Hod, engl, blood, das Blut. 

gäujA^ gäud, gaud, nd. gut^ goot» dän. god, engLgood, gut. 

de Sträi^fin, Sträun, altfr* Stron» engl, strande der Strand. 

§.äi.: Nicht minder wichtig für die Wortbildung ist die Yerglei« 
chung der Lautübergänge in die verwandten Sprachen ^ wezuhier 
einige Beispiele folgen mögen. 

Ä entspricht^ mit seiner fünffach verschiedenen Aussprache « 
meistens. dem a im. Deiitöchen ^ Dänischen, Angelsächsischen und 
Englischen,, als: magen^, nüachen, nd, mäaken, dän. at mage; 
ang^. macian» engl, tomake, und so ki vielen ähnlichen Fälleuw 



18 

- Ae^ ä enteprtebt meisteps dem i in den verwandten Spraehen^^ 
wo dieser. Laut sieh dem ä nähert, wie in Leben, geben, schwe- 
ben, u. 8. w.» als: sträwen, i. streben, 2. sich über etwas strei- 
ten, dän. atsträbe, engl, to strive; ähsen, essen, nd. äten, dän. 
at äde, engl, toeat Eben so «, als; dat Nist, d. und engl. Nest; 
jö Fenuy die Fenne, engl, a fen; siUen^ nd. setten, dän. at 
satte , engl to set» u. s. w. Das gedehnte ie oder ih entspricht 
dem deutjsohen d und ttf, dem nd. ee, und dem dänischen e, 
als: da Biene ^ die Beine, nd. und dän. Been, das engl, hone; 
da StienB^ die Steioe» nd. und dän. Steen, engl, stmie; äUiem, 
allein, nd. alken, dän. alene, engl, alone; Urnen, dienen, nd» 
d6nen, dän. at tjene; bie$e, beide, dän. begge, baade, engl 
both; ndenen^ meinen,. nd. meinen, dän. at mene, engl, to mean. 
Dasselbe gilt zum Theil auch von dem geschärften i, das aber 
dem nd. i« und dem dänischen i doch öfter entspricht , als: dflt 
Rick, das Reich, nd. Riek.,^ dän. et Rige; rkh, reich, nd. riek, 
dän. rüg (rfg),:.engl. rieh; dat lAok, nd. dat Liek, dän. et Li%, 
die Leiche ; de Dick, nd. Diek , der Deich , dän. et Dige , engl, a 
dike. 

0,0, entspricht, nach seiner dreifachen Aussprache, dem giB* 
dehnten oh ,und dem geschärften a im Deutsch^ und Dänischen, 
als: de Loge, die Lohe, dän. en Lue; hohl, dän. huul, nd. 
hell; de Mönn, der Mann, engl, a man, dän. en maAd; jö KSnn, 
die Kanne, nd. Kann, dän. en Kande, engl, a ean; bdnnen, ban- 
nen , fluchen , dän. at bände , engl, to bannish ; de Getiner, sd. ' 
de Ganner, der Ganser, Gänseridi, engl, the gander, dän. en 
Gasse , von Gaas. 

. Oe, ö, entspricht au, teu, eu, o, u. s. w.; als: }ö Mdhr, die 
Mauer/ nd. und dän. Muur; dät ßöhr, das Bauer, nd. und 
dän. Buur; lören^ lauern, nd. luren, dän. at Iure, engl, to lurk, 
to lurch; Ad^, heulen, nd. hulen, dän. at hyle, engl, to hcm'l; 
stöfwwen, stieben» stäuben, nd. stowen, dän. at aiöve ;dPogen, 
trocknen, nd. drögen, engl, to dry, dän, at törre. 

U, u, mitspricht dem ärd, i, 5, au und u,, als; jö Swulm, Atv 
Schwan, hd« SwQn, Swaan, dän. enSvlme, engl, aswan ; dat 
Tulig, der Talg, nd. Tallig, dän. Talg:, Ta\%, Tälle, ei^l. taUow; 
de ihdigy der Galgen, dän. en Galg«; enj^. gallows; dat Hithm, 



19 

äalmstroh zum Decken , engl, htdm ; üuhggen, schlagen , dän. at 
slaae, nd. slaan, engl, to slay; de Kuch^ der Koog, dän« Kog; 
de Suehi def Zuber; jö ßuhnt die Bohne, nd. de Bohn, dän. en 
BcMUiö, engl, a bean; hd fluch, tr flog> dän. iian flöi; de Eup, 
der Kaufi nd. de Koop, dän. et Kjöb; btpen, laufen» nd. I5pen, 
din« at löbe^ engl, to leap; de Lup, der Laufend, de Loop, 
dän. et Lob, engl, a leap; de Bnp, der Haufe, nd. de Hupen, 
dän. en Hob, engl, a heap; hupmf häufen, engl to heap; jö 
Mudder, die Mutter, nd. Moder, dän« Moder, enj^. mether; de 
K^nst , die Kunst. Eben to : munter , dumm , $iumm , jö Null , die 
in allen drei Spraehen eins sind; tmib, uns beiden; iunnem, don* 
nem, engl, to thunder; drunken^ trunken, engl, drunk, drun- 
keii; ikmkenf i. perticip. von j/aM&e», sdilingen, Terscblingen, 
schlucken , 2. schmächtig , mit eingefaUenem Bauehe y engl. 
sl&Bgutted, däb. slunken, in der zweiten Bedeutung; jö Hullj 
die Mötse (Hülle); hunfieri, huhdert, nd« hunnert, din. hund* 
rede, engl, hundred; unner, unter, nd. unner, dän. under, engl. 
under* 

üe, Ü, i\j entspricht oft dem deutschen o und dem dänischen 
ö, als: de Düsa^ der Tod, dän. en Död, nd. dcDood, engl, death; 
de Süss, nd. Soöt; früss, fror; dän« fröhs (frös), engl, froze; lüss, 
los, dän. lös,. engl« loose; tifßd, rolh, nd. rod, dän. röd, engl, 
red; dujdd\ tödt, nd. dod, dän. död, engl, dead; dat Brüjdf 
das Btot, däa Bröd, engl hread; jö Nü§d, die Noth, dän. en 
Nöd (Nöhs), cngL need; dat Lüjddt das Loth, dän. et Lod, auch 
die Gewidbte an Uhren, engl, lead; de Knjl, der Kohl, dän. 
Kaal , engl, cole ; vjll , alt , nd. ohld , altdän. old und ald , 
engL old; de Süjddey der Sode, aus Torf oder Rasen, nd. de 
Sod, engl, sod; de SlHjU, der Wassergraben, alldeutsch der 
Schlot, nd. Slot; dat BüjU^ das Boot, dän. en Baad, engl. boat. 
Gesdiarft entspricht ü' nicht selten dem deutschen o», als: üU, 
aus, nd. ut,dän. ud, engl out; bäUe, nd. hüten, das GegeniheÜ 
von banne, binnen, inner, innerhalb, üUe, draussen,. dän. ude; 
de SnüUe, die Schnauze, nd. de Snut, dän. en Snude, engl. 
snönt; dat RM, die Raute, Fensterscheibe, nd. Rut, dän. en 
Rade; rüUet, gerautet, gewürfelt, von Geweben; deKlÜtt, Flick- 
lappen , dän. en Klud , .engl. dout. 



20 

Aai, aai, entspricht keinem Laute der verwandten Sprachernr 
vorzugsweise, als: laai, lass, faul, dän. loi, de Laaibank, die 
Lotterbank , dän. Loibänk ; glaaim , schlüpfen , entwischen ; itraaiem , 
gemächlich einhergehen; waaüen, winken; ^paaUen, spritzen; 
jö Flaaü, die Flöte, nd. de Flaut, dän. en Flöite, engl, flute; 
fiaaüen , i. flöten , 2. pfeifen mit dem Munde ; maai , so ziem« 
lieh; Fooje, Tater, in der Anrede; Khm, Nicolas; Baal, i. In* 
geburg, 2. der Boi, ein Zeug; raaieln, taumeln, engl, to reel; 
smaaten , dän. at svaie , schwenken. 

^, at, entspricht theil weise dem deuttohen ä und ei, als: 
de Wäien, der Wagen, nd. Waagen, dän. Yogn, engl. Wag- 
gon; dat ufiy das Ei, dän. et Äg, engl, egg; Ididm, nd. leiden, 
blitzen, engl, to lighten, de Läkt, der Blitz; dat Wäi, 4tst 
Watticb, die Molken, dän. Valle, engl. whey;de Kläi, det 
Klei, nd. Klei, dän. Elik, engl, clay; rSieln, einen Faden eo* 
reihen, dän. at rie; jÖ Fläiel, der Flegel, zum Dreschen, engl 
a flaiL. i . 

'Ai, dt, entspricht oft dem deutschen ei, dem plattdeutsdiefi 
und dänischen ie, als: Mi, bei, nd« und dän. bi, engl» by; de 
Bräiy der Brei, nd. Brie; fräien, freien, nd. frien, dän. at frie; 
fräieUy heirath^söchtig , nd. friens; däien, gedeihen, nd. däien 
(dän. at trives, engl, to tbrive); shriiien, schreien, nd. schrien, 
dän. at skrige, engl, to sbriek; «jpdien, speien, nd. spien, dän. at 
spy; kräien, krähen, nd. kreien, engl, to crow; säien, nähen, 
dän. at sye, engl, to sew; wäien, i. wehen, dän. at yaie, nd. 
waien, engl, to wave; S. trauen , dn Brautpaar, dfin. at yie,. das 
deutscher weihen. 

Ai, aß, entspricht dem geschärften i, e, und d im Deutschen, 
als: de Hoßti^ die Hitze, nd. de Hit, dän. en Hede, engl, tbc 
beat; drdinken, trinken, nd. drinken, engl, to drink; Mtiti^, 
sinken, dän. at synke, engl, to sink; wainken, winken, dän. at 
yinke, engl, to wink; sbmken, schlingen, schlucken; de Fainger, 
der Finger, nd. dän. und engl, ebenso; de Hainger, der Henker; 
Ifrdinken, kränken, dän. at kränke; de Swaingel, i. der Schwen^ 
gel, 2. Schlegel am Dreschflegel; dat Äingel, der Engel,: dän. 
und nd. ebenso, engl, angel; deSndjtter, der Schnitzer d. i. Tisch- 
ler, dän. cn Snedker (Snitkcr); da Bainke, die Ränke, dän. Rän* 



21 

^er; de Gajnger, der Ganger, dän. en Ganger und en Gänger; 
l^U, klein, nd. lüjtt, dän. lille, engl, litlle; kUUngem, klingen, 
dän. klingre; de Laingde^ die Länge, nd. de Längd, dän. en 
Längde und en Länge, engl, ibe length u. a. w. 

Aei, Äi, dj, entspricht dem deutsehen a, M, a, 0, und d, 
als: ipäilen, spülen, nd. spölen, dän. at spoie; dai SpäUing , das 
Spülicht, dän. Spol (Spöhl); käUm, kühlen, nd. kölen, dän. al 
kjdle , to cool ; riiren , rühren , nd. rören , dän. at röre ; ßUen , 
fühlen, nd. fölen, dän. at f51e, engl, to feel; fairen, führen, 
nd. fören, at fore, u. s. w. *. Da Güs, die Gänse, nd. Göhs, 
dän. Gjäs, engl, geese; da Täis, die Zähne, engl, teeth; d6 Tdp- 

rem, der Darm, dän. cn Tarm; de Airem, der Arm ■ ; 

wäir, Wahr, nd. waar; itai, nahe, nd. n^g, engl, nigh, (oear), 
dän. när; dat Shäip, das Schaf, nd. Schaap; de Släip, der 
Schlaf, nd. Slaap, engl, sleep; släipen, schlafen, nd. skapen, to 
sleep; de BiUrig, der Berg, nd. de Bai^, dän. et Bfei^; äirig, 
arg, nd. ebenso, dän. arrig; dat BäUt, die Bestie, das Rind, 
nd. dal Beest, dän. et Bast (Bähst); bäistig, nd. beestig; de DU, 
der Tag, nd. de Dag, dän. ebenso, engl, day; iek däi, ich that j 
nd. ick dähd, engl. I did; dat Haier, das Haar, nd. -ebenso, 
engl, hair; läi, lag, engl, lay; jo Shäiert die Schere, nd. Scheer; 
jö Stäir, der Stern, engl, the star. 

Au, au, weicht sehr ab, als: jo Grauf, nd. de Groof, dän. 
en Gröft, (die Gruft) der Graben; aüwer, über, nd. öwer, 
dän. und engl, over; auf, ab, nd. und dän. af , engl, of , off; de 
Maude, die Mode, nd. de Hood, dän. en Mode, engl, mode; jo 

Rauhs, die Rose ; deAuwen, der Ofen , nd. en Aaben, dän. 

en Ovo > engl, the oven ; de Brauter, der Bruder , nd. und dän. 



t Um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden, will ich hier 
bemerken , dass die Zeitwörter mit ai dänisch , die mit to eng- 
lisch sind , wodurch also die bisherigen Andeutungen » dänJ* und 
• engl.*' bei dieser Wörterkiasse wegfallen können, und zweitens, 
dass drei Striche , wie im Folgenden nach 3 Arm ," » Rose " u. a. 
anzeigen sollen, dass diese Wörter in den übrigen verwandten 
Sprachen, im Deutschen, Niederdeutschen oder Plattdeutschen, 
Dänischen , Englischen , Friesischen , Allfriesischen und Nordfrie- 
sischen ebenso lauten. 



22 

Broder, engl, hrotber; jöÄuhi, die Oese; da Stauk, die Stühle ; 
da Shaule, die Schulen; äu ist eben so abweichend. 

Aei^p änj, entspificht dem deutsdien u am meisten» als: de 
Häujdd^ der Hut« nd. de Hood, dän. und engl, bat; gämfd, 
gut, dän. god, engl, good; d&t Bläi^ddt das Blut, nd. und 
dän. Blöd, engl. Uood; jö Räujlt, die Wurzel, altdeutsch: BoU, 
daher: ausrotten, dän. en Rod, engl, a root; d^i Mä^jd, der 
Mütb, nd. de Mod, Mot, dän. Uod, das engl, mood; jö FlwujiA, 
die Flutb % nd. de Floot , dän. Flod (1. Flohs) , engl, flood ; d&t 
Säuytt, der Russ, nd. Sott, engl, soot; de Stäu^l, der S^uhl, dän. 
und nd. Stol, engl, stool; dat ShoM^l, die Schule, nd. de Sehool, 
dän. en Skole, engl, a sehool; jö Brän^jnn, die Feuersbrunst; dat 
Bän^li (s. die Anmerkung 1. zu §. 17); de Fän^t, der FusS) 
od. Foot , d'an. Fod , engl. foot. 

fj t ij (das erste i ist der Yocal, das zweite derXonsonant); sie 
entsprechen dem deutschen «i, als: dat Bijn, das Bein, nd. und 
dän. Been, engl» a bone; de SUjn^ der. Stein, nd. und dän. 
Steen, engl. sUme; lißden, leiten, verleiten, at lede, to lead; 
brißdd, breit, nd. und dän. bred, engl, broad; de Wijtte, der 
Weizen, nd. de W^ten, dän. Hvede, engl, wheat; brißden, aus- 
breiten, dän. at brede, z. B. bred Dugen, brijd 'e BSrdoiik, lege 
das Tischtuch auf. In den Wörtern fß, der Torf, fjU^ Feuer 
und fjllinge , die Feuerung , lies : ibjdd i ihjll , ibjUinge. Das frie- 
sische j(jU klingt ganz wie das dänische /U, Feuer, und ist 
auch dasselbe Wort. G^U, Geld; b^U, nd. beet, dän. bed, en^^« 
bit i Steilen , stossen , nd. stöten , at stöde. 

Öi, Üf weicht sehr ab, als: tö^, thauen, nd. dauen, at töe, 
to thaw; sMeUf winden, drehen > at snoe; shöien, schuhen, die 
Pferde, at skoe, to shoe a horse; smüen, i. aufstülpen, at 
smöie op; ± schmähen, in forsmöien, at forsmäde; — ßi! pfui; 
räien, rudern, at roe, to row. 



c. Die Consonanten. 

§.22. i^, 6, entspricht dem 5 der verwandten Sprachen , beson- 
ders zu Anfang eines Wortes , als : de Bank , die Bank , dän. Bank ^ 



23 

^vigl bank; cUi Bläi^dd, das Blut; bläjdd&n,. biateii. nd. blöden, 
at biöder to bleed*^ brqjddem, brüten, nd. bröden, to breed; 
hrütm^ braun, nd. und dän. bruun, engl, brown; de Buhmm, 
der Baum, nd. de Böhm, dän. en B6m, engl, tiie beam, an- 
gelsachsiseh : Beam ; dat JBauek , das Boeh , nd. dat Bok , dfln. 
enBog, engl, book, angels. Boc; jö ßrägen^ altdeutsch: der Brä« 
gen, nd. de ßrfigen, engl, the brains; jö Brßfdd, die Braut, 
engL bride , angels. Bk>yd ; dat Bjam , dän« et Barn , angels. 
Beam; de Brauser ^ der Bruder, nd. und dän. Broder, engl, bro- 
ther , angels. Brother ; brännen , brennen , al brande ; angels. 
bärnan, to bum; bittmy beissen, nd. bieten, at bide, to bide, 
angels. Utan; hägm^ backen, at bage, to hake, angels. bacan; 
hrehmn, flechten, angels. bredan, to braid; hetAeken^ einsperren, 
angels. belucan , u. s. w. 

In der Mitte eines Wortes wird das deutsche ( im Friesischen 
am hiafigsten durdi w vertreten« als: bleiben, bliwwen; reiben, 
riwwem; schreiben, shriwwen; treiben, drimwm; leben, läwm; 
lieben , \iimen ; schnieben , sttArtusii ; stieben , sUhemm; klauben , 
kWwwm ; schieben , $Mwwen ; kleben , klimm ; klieben , Uiemm ; 
graben, qriwm; geben, jAmh; sdiweben, smwmi; sirriien, iM^ 

«USfl^' U.S. w. 

' §« ^. Ds d, in Anfange eines Wortes wie in den yerwandcen 
^ivaohen, als; de Däi^ nd. und din. en Big, angels. Big, engL 
day; |o Digier^ nd. Dogter, dän. Datier, angels. Dohter, engL 
daof^ter;. Hfjm^ od. dohn, angels. doa, to do, dpne; dn^, 
nddoof, dän. ddw, en|^ dcnf; de Däis^ nd.de Dod, din. D5d, 
engl, death; dat 0^1, i. der Thefl, 2. das Ding, nd. nnd din« 
en Ded, engL deal; de Drubm, nd. de Drohm, din. en Drom, 
engl, ndream; dnmnkßm, nd. drinken, to drink; jd Dimm, od. de 
Dow, din. en Doe, eo|^ a dove; disp, nd. deep, din. dyb, 
cn|^ deep; de Drifp, en Drvpp, din. en Draabe, eng^ a drap; 
dä/d, nd. dod, din. dod, eogL dead; \h Ikmhs, nd. de Daad, 
dan.enDaad (LDaidis), engL deed; de Dtmmd, nd. Dowd, din. 
Djiyd , engL derfl , n. a. w. Die diesen enispreehenden hoch' 
dentsehen Werler liAen alle T statt D znm Anfirngsbuebstabea. 
Sieht d TCfdoppelS in der Mitfe eines Wortes, so haben die 
▼orwandten Sprachen keine ihm entsprechenden Laute , als ; Ud- 



24 

den, Utgen; bddden, bitten; leddm, legen; lijäden^ leiten; l^ß — 
den, bieten; glidden, gleiten; strädden, greten, grätschen; gnuC^-^ 
den , sich schütteln , vor Ungeziefer oder Jucken ; budden » siclm 
balzen , wie die Hühner im Staube , u. s. w. 

§.24. Auch die Anfangsbuchstaben F^ G, H, K, L, M^ N, P, 
A, T, W, entsprechen den gleichen Lauten in Wört^iH aus den 
verwandten Sprachen , als : dat Feest , das Fest , nd. und däo. 
Fest, engl, feast; jö Feest, die Faust, nd. Fust, engl, the fist; 
de Flägsy der Flachs, nd. Flass, angels. Fleax, engl, flax; fier, 
fem, dän. Ijern, angels. feor, engL far; de Fögel, der Yogel, 
nd. Yaagel, dän. Fugl, ^QgL fowl; de Fidder^ der Vater (als £^ 
^euger), nd. de Faader, dän. en Fäder, angels. Fäder , engl 
father; jö F/a^/eM , die Fluth , nd. de Floth, dän. Flod (1. Flohs), 
angels. Flod, engl, flood; fresen, fressen, nd. fräien, to firet^ 
angels. fretan; fällen, fallen« at fialde, tof fall, angels. feaUan; 
/K^', fliegen, angels. flion., to fiy. So auch mit den übrigen 
der angeführten Buchstaben, als: ^role», nd. gröten, angels. gre* 
^n, to greet; de Gläme, engL the gleam; helpen^ helfen , ..lid. 
helpen, angels. helpan, to hdp; jö Help, nd. de Hülp, engl 
hß\pi Mannen i kennen, atkjende, token; IqjUen, lassen» pd^ laa- 
ten, at lade, to let, angels. lätan; de Manne, der Mond, nd. de 
Maand,. dän. en Maane, angels. sc Mona, engl, the moon; de 
ifekey der Nacken, nd. de Nack, engl, the neck; de Nome, 
der Name, nd. de Naam, dän. et Navn, engl, the' name; jö 
PIM, die Pflanze, nd. de Plant, dän. en Plante, engL a 
plant; rkk, reich,, nd. riek, dän. rüg, engl rieh; de Rinn, dex 
Bogen , angels. R^n , engl, rain » ü. s. w. 

, . §. 25. Es ist schon Mher bemerkt worden , dass das weiche s, 
mitdcini englischen und isländischen ^A, so wie mit dem dänischen 
^ ,am Ende eines Wortes nach einem Yocale nahe verwandt ist, 
jmd dass es (nach Rask),. verdoppelt, wie das z der Holländer 
ausgesprochen wird. Alle, diese Buchstaben bezeichnen sämmtlich 
ganz sanfte Säusellaute. Die dänischen Wörter dieser Art wer* 
den beinahe so ausgesprochen , als wenn sie hs zum Endlaut hät- 
ten, als: en Baad, et Bad, Gud, Död -^ ein Boot, ein Bad, 
Gott^ Tod -— werden Baahs, Bahs, Guhs und Döhs ausgespro- 
chen ; so nun auch in folgenden frierisch^n , als : lähaen , gelit* 



25 

ten; aühssen, i, sausen. 2. Süden; grihssen^ grausen; lihssen^ 
leiden; jö Nahs, die Nuss; de Splähs, die Spleissc; jö Bäihs, die 
Reise; jö Slöhs, die Schleuse, dän. en Sluse, engl, sluice; jö 
Bauhs^ die Rose; jö Dauhs^ die Dose; dat Wahser, das Wasser; 
sihssen^ zischen; wihssen, weisen; jö Daahs^ die That; jö 
Brooks, der Braten; jö Shiehs, die Scheide; de Slohse, der 
Schlitten; de Hiehs, die Heide, (Land); de Bohse, der Bothe; 
de Hiese^ der Heide; de Bohs, der Biss; jö Goohs, die Gosse; 
dst JÄhser, das Leder; de Smohs^ der Schmiss, u. s. w. 

§. 26. Die hier angedeuteten Lautübergänge der verwandten Spra- 
chen in einander mögen als Fingerzeig dienen , um überall ähnliche 
Vergleichungen anstellen zu können, wo diese sich dem geneig- 
ten Leser darbieten. Wenn auch in der Rechtschreibung einige 
Abweichungen und Unregelmässigkeiten Torkommen, so stehen 
doch wenigstens die Tonzeichen überall richtig, was die Aus- 
sprache leichter und sicherer macht. Oft granzen aber einzelne 
Grundlaute so nahe an einander , dass es schwer fallt , zu ent- 
scheiden, welcher Laut der richtigere sei, z. B. in Mudder oder 
Modder y Mutter, nd. Moder; tunnem oder tännem, donnem,u. s. w. 
In ähnlichen Fällen können auch einzelne Unregelmässigkeiten 
bei der Verdoppelung der Endconsonanten Torkommen, wie z. B. 
bei wdi oder wdU. Wdt ist nämlich, i. was, 2. etwas, 5. wir 
zwei oder wir beide, als erste Person im Dualis, wo jdt oder 
joU die zweite bezeichnet. Die angenommene Regel erlaubt nur 
da die Verdoppelung der Endmitlauter , wo die Verlängerung des 
Wortes sie doppelt hören lässt, wie in: groU, gross, de groUe 
Mann, da grt^te Mann oder Manne; oder wo sie in der Mehr- 
heitdoppelt vorkommen, wie in: jöTrüss, da Trüsse, die Kröte; 
Au Bill , da Bille , das Bild , u. s. w. Dat Fat , die Schüssel , 
nd. und engl. Fat, dän. Fad, klingt ganz wie fäU, fett, engt 
fat ; Jenes hat aber im Pluralis : da Fahse , dieses im männlichen 
Geschleeht und in der Mehrheit: ßUe, als: de fäUe Ramm, da 
faite Rimme , engl the fat ram , der fette Widder. Das h 
braucht nicht inmier als Zwangsdehnungszeichen zu stehen , wo 
das $ sich der rorangehenden Sylbe von selbst als weicher, 
sanfter SäuseUantanschliesst, wie in: räisen, reisen, kloisen, mit 
den Nägeln kratzen ; aber : jö Räihs , jö Kläihs , weil die^e Wör« 

4 



26 

ter weit gedehnter ausgesprochen werden, und so in allen ähn- 
lichen Fällen. Auch können die Laute des ü und ö oder üh 
und öh leicht mit einander yerwechselt werden, wie z. B. in 
sühssen oder söhssen , sausen ; brühssen oder brassen , brausen , 
wo das ü geschärft , aber das ss ganz weich ist. Die verwandten 
Sprachen haben hier u und au^ aber keine Beispiele, dass ein 
Yocal vor einem h je geschärft wird. In den Wörtern flösig , nd. 
flödig, leicht, schwach, bröHg , nd. brösig, widerspänstig , hat 
das ö die plattdeutsche Aussprache, wie in dösig] Möhly tiofefi, 
u. 8. w. *. 



f\f\t\m 



ZWEITES GAPITEL 



CLASSENEINTHEILÜNG DER WORTER. 



§. 27. 1. Das Hauptwort, {Nämurdy Nennwort), ist der Name 
eines Gegenstandes, als: de u/pel, der Apfel; de Buhmm, der 



1 Bald tritt die Wörterähnlichkeit der hier mit einander ver- 
glichenen Sprachen mehr in der Schreibung , bald mehr in der, 
m jeder der verschiedenen Zungen eigenthümlichen , Aussprache 
der Wörter, und bald in beiden zugleich deutlicher hervor, was 
alles sorgfältig zu berücksichtigen ist. Nehmen wir z. B. 'das 
fries. Wort Däi, Däy, und das en^l. day, so ist Schreibung t 
und Aussprache fast eins ; eben so mit dem Worte Thief, das in 
beiden Sprachen gleich lautet. Das friesische Thig . Thieg oder 
Tteg , und das engl, thigh , würden , nach deutscher Aussprache « 
ganz gleichlautend sein , aber hier spricht der Engländer : thei 
oder dhei. Dät Knif, der Kneif, dän. Kniv (1. Kniewj , engl, 
knife, sind ähnliche Beispiele. Hier würde das englische Wort 
ganz mit dem deutschen in der Aussprache zusammenfallen und 
beides Kneif lauten , wenn der Engländer sein k mitausspräche. 
In den Wörtern: de Fmjtt , pl. roßlt, engl, foot, pl. feet, nd. 
Foot, pl. Föth, liegt die Verwandtschaft näher, als im Hoch- 
deutschen und Dänischen: derFuss, die Füase, en Fod, Födder, 
obgleich auch in den letztern die Aehnlichkeit nicht zu verken- 
nen i^* 



27 

Baum; jö Stähr^ der Stern; de Dühs., der Tod; dat Lif, der 

Unterleib, 2. das Leben; dat Läwent , i. das Leben, 2. der 
Letenswandel ; dst il//er, das Alter; de Grause, i. die Gruse, 
2. Wachsthum der Pflanzen , dän. en Gröde ; de Luwe , der 
Glaube ; dat Feest , das Fest , u. s. w. 

2. Das Geschlechtswort bestimmt das sprachliche Geschlecht 
der Haupt- und Bestimmungswörter, und heisst: di, der, /df, 
die, dät^ das; im pL Ja, die; unbestimmt: an und en oder 
'n d. L ein » eine. i 

5. Das Bestimmungswort, {Baiurd, adjectivum), giebt die Merk- 
male der Dinge an, als: groä, gross; ^'M, klein; fUjdd, roth; 
t(fU, alt; hueh^ hoch; läig, niedrig; lihs, spat; ripp, reif; sUff, 
steif, u. 8. w. 

4. Das Zahlwort, {Tälbird, numerale), giebt entweder eine be- 
stimmte oder eine allgemeine Zahl gleichartiger Dinge an , oder ea 
bestimmt die Ordnung und Aufeinanderfolge d^selben, als: ßauer 
Dege, vier Tage; s^s Wäge, sechs Wochen; twimtig Shallinge, 
zwanzig Schillinge, u. 8.W., oder: faale Fäujlk, Yiel Volks; inan- 
nimg Hanne, viele Hunde; arken ManAe, jeder Mensch; aUe 
Manabene, alle Mensehen; oder: de jarste, der erste; da läh$ere, 
der zweite; de tredde, der dritte; de /Cmfe, der Tierie; de Utte, 
der letzte. 

$. Das Fürwort, [SUUtmri, pronomeo), steht statt eines HaopC- 
wcNTtes oder vertritt dessen Stelle, als: de Mmm as sieren krMk, 
kB wört wajl stäirwe; der Mann ist sehr krank, er wird wohl 
sterilen. Sdche Wörter siad Cemer: Idt, ieh; dö, da; he^ er; 
j6, sie; dSt, es; hät^ es; we, wir; ««tt, wir zwei; jM, ihr zwei; 
Jim, ihr; ja, sie^ So waAz stemmen, neBand; AM», wer, je- 
mand; aiasa, son^, ein s<Mier, eise solehe; sAi, $oekeH, 9odi, 
solcher; iaSbte, jinttew , dmit S lem , dersdbe, «. s. w,, pL d^ 



€. Das Zdtwort , (Ttddmrd, verbom) , zeigt entweder ein HaS' 
dein oder ein Gesdidien oder ein Bestdien an, als: mtUdden, 
mähen; htifllem, halten; jemem, geben; Hm, biegen; iUip m, 
8clilafien;MeB, arbeiten; Imddem, ütgtD; migten, yriien, wadisto; 
halh^amem, iestAm; t^amm, \. anfangen, mit den Banden, 
% sidi «eignen, hegeben, znlra^^n; mhm^ sein: z. B. de 



Hünn holet ^ der Hund heult; dät rinnt, es regnet; iek gtmgr , 
ich gehe , u. s. w. 

7. Das Umstandswort , [Amstandsurd , adverbium) , giebt einen 
Umstand an, z.B. man Brauser h6t hin* lungensweihn, mein Bruder 
ist längst hier gewesen; he h6t hin* n^jlke, kaurtlick, dillingf 
antenne, anjürsne, märlmg , faar en läiety noch äi wähn, er ist 
hier neulich , kürzlich , heute , gestern Abend , gestern , heute 
Morgen, vor einer Weile, noch nicht gewesen. So auch Atrr,. 
hier; dirr, da; jähner , dort; aw 'e janneregge , jenseits, ü. s. w. 

8. Dasyerhältnisswort,(Faarur({, praepositio) , bestimmt das Te^ 
hältniss der Gegenstände zu einander, als: ät^fn^e Dömsh, in 
der Stube; avft Haad, auf dem Haupte; faar me, efter, unner^ 
auwer, bat, enädre me, vor mir, nach, unter, über, bei, hinter 
mir. 'Aw*e janneregge de Struhmm, jenseit des Stromes; to me, 
zu mir; fon de, von dir; am^ um; dp, auf; auf^ ab; efter, nach, 
dän. efter, engl, after, und das altdeutsche aft^r, wie in after- 
reden , Afterkorn , u. s. w. 

9. Das Bindewort , (Binnurd , conjunctio) , giebt das Verhäitniss 
der Sätze zu einander an, und yerbindet sie zugleich, als: Wmm 
dö äi mä wäth, so kaast 't läjtte, aurs dann iahst ock nint to sie- 
en; Wenn du nicht mitwillst, so kannst du es lassen, aber dann 
bekommst du auch nichts zu sehen. Die Wörtchen: wann, $ö, 
tmrs verbinden hier die Sätze mit einander. Solche Wörter sind 
auch folgende, als: an, und; also, also; sögaar, sogar; di ai- 
liene — aurs ocky nicht allein — ^ sondern auch; wihsser ick^ tm» 
tig dö, weder ich, noch du; äujntwihsser -^ untig, entweder — 
oder; dirr faar , daher, u, s. w, 

IQ. Der Empfindungslaut, (Interjectio) , drückt eine Empfindung 
oder eine Gemüthsbewegung und dergl. aus, als: oh! ohd! ml 
Jiallep G5d! hilf Gott! Gäd bewäre! fui! hurräh! hallo! Dät de 
de Hajnger! Dass dich der Henker! Däuwel ock! den Teufel 
4uch ^ l 



* r " *■ ' ' ■ 



* Als Ausrufungen , Verwünschungen und Flüche werden auch 
folgende Ausdrücke gebraucht, als: Dät de de Kukuk; dät di de 
Jtaäwen (mir nicht erklärlich); dät de de Wünnen! oder de Fiwün* 



29 



DRITTES GAPITEL. 



DAS HAUPTWORT. 



■ 1. ArtCH desselbe». 

§. 28. Das Hauptwort ist entweder ein Gattungsname (nomen 
appellativurn) , ein StoflDaame (nomen materiaie) , ein Mengename 
(nomen coUectivum), oder ein Eigenname (nomen proprium). Diess 
gilt jedoch nur Ton solchen Hauptwörtern » die wirkliche Dinge 
oder sinnfällige Gegenstände bezeichnen. 

Bei den Gattungsnamen, deren Anzahl die grösste ist , nehmen 
wir auf die Gestalt oder Form, auf die Arten , Geschlechter und 
Gattungen der Dinge Rücksicht, als: de Märm, der Mann; jö Wöff^ 
da9 Weib; de Trog, der Trog;;o i^, die Pfeife; de Hünn, der 
Hund; de Buhmm, der Baum; ja Ihk, die Eiche; ja Bßgk, die 
Buche , u. s. w» 

Bei den StofEnamen sehen wir bloss auf den Stoff oder die Be- 
standtheile der Dinge, als: de Kläi, der Klei, Thon; dat GaujU, 
das Gold; dst l^k, der Speck; dat Flash, das Fleisch; jö Böser p 
die Butt^; dat HoU, das Holz, dät Wähser, das Wasser; dit 
märt, das Harz; dät Pack, das Pech; de Tjäre, der Theer; dat 
ßUcy das Blei, u. s. w. 

Der Heng^aame fasst eine Anzahl gleichartiger Dinge zusam* 
inen, als; dm Fäi^lk, das Volk, die Leute; da Säshene^ die Ge* 
schwister; dat iTatim, das Korn, Getreide; dSLiErudd, das Schiess^ 



nen , dass dich die fünf Wunden (Christi nämlich) brennen oder 
achmerzen mögen. Däi de de Däuwel , de Däuner , de Banker , de 
Bautsher! (lauter Benennungen des Teufels); dät de de Backer! der 
Schinder, sonst: de Bäcker! de Kränked, de Segt^ u. s. w. die 
Pest, die Seuche befallen möge; God straaf me! God fordamm 
me! samod, bei Gott, wenn man etwas bekräftigt. Versichernd: 
$ö m^, allerdings; jato^7, jawohl; faarwäir, fürwahr; nfjirlick, 
wahrlich; bäi wod! bei Gott, s. sömod! ja, dö söged ock! Ja, 
du solltest wohl! oder: ei, warum nicht gar! u. s. w. 



30 

pulver-Kraut, noch in: Kraut und Lotli, dän. Krudt; dät Gjärs, 
das Gras; dat Brilßkfüdd, der Kümmel; d^lt Slräi, das Stroh; 
dat Födder^ das Heu; da jigene, die Spreu, dän. Avne. 

Durch die Eigennamen unterscheidet man einzelne Gegenstände 
derselben Art oder Gattung noch besonders von einander. T^ge, 
Monate, Länder, Erdtheile, Wohnörter, Wälder, Berge , Gewässer, 
Gestirne, einzelne Sterne, Götter und Göttinnen, auch Thiere 
z. B. Hunde u. s. w. haben Eigennamen, als: de Sändäi, der Sonn- 
tag, de April, jö Türka4, Europa, Hollm^n, Holland, dät Salt- 
hef, das Salzmeer, Blocksbäirig , jö Saawenstäir^ das Siebenge- 
stim, de Sirius, Odin, Freiä, Moloch, Karo, u. s. w. 



2. Bildung des Hauptwortes. 

§. 29. Die Hauptwörter sind theils Stanmi* oder Wundwdrter 
(Urwörter, primitiva), theils abgeleitete oder aus andern geMldete 
(derivata), und theils zusammengesetzte (composita). Von der c^ 
sten Art sind z. & folgende: jö Pott, der Topf; de Grünn, der Grund; 
d^t. Hü8S, das Haus; jö Kö, die Kuh, u. s. w. Sie sind meistens 
einsilbig. Abgeleitete sind z. B. folgende, als: de Maler, Tonjo 
Milien, der Müller, yon Mühle, oder Möller toq dem nd. de Möhl; 
lle Fdsher, der Fischer, von Fdsh, Fisch; grott, de GroUense, 
gros, die Grösse; Uewen, de Lu/we, glauben, der Glaube; de SUUpi 
der Schlaf, von släipen, schlafen; de ITti^, deHuge undditüu^ 
die Höhe , yon kug , hoch. Zusammengesetzte sind : jö Bubmme' 
shiess, der Rahmlöffel ; Buhmmull, Baumwolle; d^iLaummefläA , 
das Lammfleisch ; WöffesömUng , Weiberversammlung bei ein« 
Gebährcndeo; DäisljSgt^ Tageslicht; Düwwehüss, Taubenhaus; 
MäisUrstoek, Meisterstuck. 

§. 30. Von einsilbigen Hauptwörtern ohne bestimmte EnduS" 
1^ und Nachsilben, unter denen die meisten Stanunwörter sein 
mögen,, wollen wir zuerst einige der vorzüglichsten anfuhren. 
Es sind folgende, als: 

Jö Aagt, die Achte, 8. dat Ji, das Ei. 

jö ^gt, die Acht, Achtung, Ob- jö AM, Grossmutter, 
acht. jö ^gs, die Axt. 



31 



1^, das Amt. 
rt, die Art. 
H, die Erbse. 
fss, das Aas. 
['ss, das Daus. 
Ihl, die Mistjauche. 
Ik, der Iltis. 
hSf die Oese. 
^'A;, die Stute. 
'/, der Aal. 
iis, das Aas. 
dk, das Thor. 
ir, die Narbe. 
lan, i, die Bahn, 2. Rain- 
pen. 

lar, der Bär. 
}a(^,,das Bad. 
änky die Bank, 
it, die Beere. 

igg, der Bau, das Gebäude. 
tähs , nd. Baas , dän. en 
hs. 

9aurd, das Brett. 
yk , i. die Buche , 2. die 
uche. 

Bäujl, die Hütte. 
Bdtf«, die Eifdhütte. 
Bauk^ das Buch. 
ßa2^, das Bett. 
BMd, das Beet, Gartenbeet. 
t, die Biene, dän. en Bi. 
Hjnn, i. der Band, 2. das 
md. 

Bijn, das Bein, der Unter- 
henkel. 
Bill, das Bild. 
Bier, das Bier. 



dät Bitt , \lie Wuhne im Eise. 

dat BiU^ die Pfeifenspitze. 

de Bahs , 1. der Biss » 2. die 

Schneide, 
jö Birk, tlie Birke, 
dat Birk, der Birkdistrict. 
jö BUch, das Laken, dän. et 

Lägen, und: en Blee. 
jö Blihs, dän. Blus. 
jö Bläihs, die Blase, 
dät Bläk, die Dinte. 
de Bldjnk^ der Schimmer; dän. 

et Glimt. 
dat Bleess, das Blatt, 
dat Block, der Block, 
jö Bt^ht, i. die Bucht, 2. die 

Oberhand, der Sieg, 
de Böll^ der Bolzen, dän. ßolt. 
jö BusSy die Büchse, dän. Bosse, 
dät Bär, der Bohrer, dän. et Bor. 
dät Brak, äieJioih, der Hanget 
de Bräi, der Brei, die Grütze, 
jö Briydd, die Braut, 
dat Bräif, der Brief, 
de Brück, der Brauch, 
dät Brüjd, das Brot, 
dät Brdtt, die Tafel, 
jo Brdll, die Brille. 
jöBrdmhs, i. die Bremse, Steche 

fliege. 2. die Bremse zum Brem- 
sen der Pferde, 
de Broddj 1. der Stift, 2. der 

Stachel, dän. en Braad. 
jö Bro, die Brücke, dän. en Bro. 
dät Bjärd, der Bart 
dat Bjdm , das Kind , dan* et 

Barn. 



32 

« 

jö Bjärst, die Borste. jö Döhr, nd/und dän« en Dör^ 
de Bück , der Bauch , nd. de engl. door. 

Buk, däD. Bug. de Dörensh, die Stube* 

dät £unn , das Bund , das Bündel, de Dämm, der Damm, 

de Buhmm, der Baum. jö Drdft, 1. der Trieb, 2. die 
de Bush, die Büchse, als Be- Trift, 3. die Auffahrt nachdem 

bälter. Hause, 4. der Nachdruck, 

jö Burst, die Brust. jö Druhg, 1. die Traube, 2. die 
de Bush, der Busch, derStrauss. Milchseihe, 

dat Büjtt , das Boot. de Dräpp , der Tropfen, 

jö Buhn , die Bohne. de Drall , der Drillich, 

de Bunk, der Haufe, dän. en de Dunst, der Dunst. 

Bunke. dat Diert, das Thier, nd. dat 
dat Bohr, das Bauer, nd. und Beert, dän. et dyr. 

dän. Buur. dat Eesh , die Asche, 

de Daard , das Frühstück , dän. jö Eesh , die Esche. 

Da vre. de Eesh, die Schachtel, daD.en 
de Dämp, der Dampf. Äske. 

de Dauk , das Tuch. de Enn , der Abend, 

de Däi, der Tag, engl. day. jö j^/m«, das Ahnosen, engl. alms. 

de Ddsh , das Schälchen. jö Faan , die Fahne, 

jö Dauhs, die Dose. dat Fäck, die Ficke. 

de Die, der Teig, dän. Dei. de Fäll, der Fall, engl fall, 

jö Diek, das Grübchen. jö Fäll, die Falle, 

dat Dijl, i. das Ding, 2. der dat Fat, die Schüssel, dän. et 

Theil. Fad. 

dat Ding in Hilligding , das belli- jö oder dat Dock, die Puppe, 

ge Ding, die Rose, der Roth- die Docke. 

lauf. jö Faur, die Fuhre, 

de Dick , der Deich , nd. de Diek , jö Faurk , die Gabel , engl, a fork, 

engl, dike , dän. et Dige. dän. Fork. 

dat Dohf, die Tunke, dünner jöFähr, i. die Fähre, 2. der 

Teig , engl, dough. Aufzug , 5. die Schaar. 

de Dring y der Knabe, dän. en dat Fqjll, das Feld, engl, field« 

* Dreng. jö Fäil , das Gefühl. 

löDcfii^', die Taube, nd.de Duw, jö Fäihs, der Unterhalt, 

engl, a dove, dän. en Due, Föde, engl. food. 



53 



dat F&^lk , das Vdk , ie Leute ^ 

* engl, folk , folk«. 

ieFA^Ut derFass, nd.de Pool, 

din. en Fod, engl. foot. 
d&( F$ei , der BoUich. 
tax Fik , das Fach, 
jö Feesi^ die Faiut 
dat FeeU, das Fest, 
jö Feel, die Feile; dän. und nd. 

de Fiil, engl. file. 
jö Fieg, die Feige, dän. Pigen, 

engl a fig. 
de F^jnd, der Feind, 
dät Fijl, das Rad, engl a wheeL 
de Fikss, der Fiat 
de Fjärt, der Funi, dän, en 

Fjärt, eng^ a fart. 
jö FUEgr^derRegensdiaueF, engl. 

a ahower. 
de (dit) FUgt,^der Plaehs, nd. 

Flass, engl. flax. 
dat Flash, das Fleisch, das dän. 

Flmk für ^»ek. 
jö Fl&^, die Fluth. 
jö Flaaü , die Flöte , nd. de Flaut, 
dän. en Flöite, engl. flaCe. 
i jö F/t69 , die Fliege , nd. deFieeg, 
I engl, a fly. 

j jö Flugt, i. der Fhig, S. die 
i; Flucht. 

; '\^Flank, der Flügel, nd. Fhink, 
jil Flunk. 

de Fm , der Fachs (Pferd). 



jö FoUs in^ ShiUfüU$ , gemeines 

Schimpfwort, 
de FoU, in HümufoU, der Hunds* 

fott. 
dät Fjärsh, der Vers, 
jö Fragt, die Fraoht, 
jö Fräi , die Heirath. 
de FraU, die Fvste des Daehes. 
jö Friit, — t. 
de Frost , der Frost« 
jö Fräsh , der Frosch, 
de Frünn . der Freund, 
dat FriU , der FrittboUw , dän. 

Vrit. 
jö jPVii^l , die Frueht. 
de Fünst , der Fund, 
de Flock, der Fleek , Leder am 

Absati. 
jö Ftfin, 1. die Finne, 3. die 

Flosse, 
jö FlkU, die Flinte, 
dat Flor, der Flor, 
dat FldU, das Floss. 
jö Fiir, die Föhre, Fichte, dän. 

Fyrr. 
dat FdU, i. das FeU, 9. das 

Füllen, 
de Fourm, die Form, 
de C^U, der Borg, dän. en Galt, 
de Gäsi , der Gast, 
jö Gäsi, die Geest, 
dat Gwujd, das Gut. 
dat Gen;«, das GM. 



it; } Ein Strich in diesem Verzeichniss soll dasselbe anzeigen, wai 
bisher durch drei Striche angedeutet worden. Siehe 6. 9i , Anm. i. 



/ 



54 



jö GiuSs die GmSf nd. de Goos, 

dän. Gaas, engl, goose. 
dät Gkk^ der Geck , däo. en Gjäk. 
de Geedd, der Hecht, dän. en 

Gjede. . 
dat 607, das Geld, 
de Guts , der Geiz. 
jöGlaß, die Glu&h, dan. en Glod; 

auch eine glühende Kohle, 
jö Glauw , der Spatm. 
dat Gleess^ dasGlaf^ nd» eo£^ 

und dän. efaetiso. 
d&t Giäpp, der ^Ketscheir^ dän. 

en Gliv. 
dät Graum , di^ Eingeweide der 

Fische und Vogel 
de Gruad, der Grad. . 
jö Grajdd, der Rasen, ancb Ra- 
. senacken 

de Grünn , der Grund, 
dät Griss, dän* en Grita, A%a 

Ferkel, 
de Gripp , der Griff mit der Hand, 
de Grihf^ der Griff, die Hand- 
habe, 
dat GrM^ i^he Grütze, nd. Grütt, 

dän. Gröd. 
de Göth , der Gnsa an dmer Kan- 
. ne , u. s. w. 
dat Grüss^ i. der Graus, Gries, 

Grand , 2. der Schutt I dän. und 

nd. Graus, 
de Graup, <tte Mistrinn^ iüa Stal« 

le, engl, the groop. 
de Groll , der Groll. 
ii^,^GSngyder Gang, 
defi^MÜ^iderGott. 



d&t t^rs, das Gras. 

jö Gigt, die Gicht 

dti Greef, das Grab, nd. G 

dän. Gray , engl, the grav« 
jö Greft.dm. Gröft, der Wa 

graben um den Warf, 
de Gaihs, der Dünger, 

Gjöske. 
de Graaw , der Graf, 
dat Gips, — . 
da( Huad, das Haupt, 
de Haaw, das Gotteshaus, 
de Hals, der Hais, 
jo Hänn, die tJteme. 
de Haupy der Keif, Tonnenh 

engl. boop. 
dat Hart, das Herz, nd. E 

engl, beart. 
de Hauck , der Hauk , engl, h 

das Zäpiehen im Halse , 2 

Hisseblock. - 
jö Haur, die^Hure. 
jö Haurdy derEirchhof, von Hi 
jö HäujnUy die Hand, 
de H&^idd , der Hui. 
jö HUy der Math, der S 

die Erinnerung, 
dat Hai, die Lust zu etwa 
jd Hähg , das Heck vor i 

Fenne, 
de Haum^ da^ Hörn. 
dät Haum, als nomen matei 
de Hikm, der Helm, 
de Haw , der Hieb, 
de Hdjnst, der Hengst, 

Hingst^ überhaupt ein Pf 

als Gattungsname. 



de HdU, der Held» däa» HelU jö HuU, die Mütze, das deul« 

jö Hdks , die Hexe., sehe Hülle. 

jö Hing , die ThürahgeL dal HoU, dts Holz. 

dat Hieh^, die Heide, das Hei- de Hünn, der Hund. 

dekrant» engL heath. - joHüdd, die Haut, nd. onddän^ 

jö HiehSy die Heide, das Heide- Hut, Hud. , 

feld, däfiu eo Hede.. jö Hänn, das dünne Bäutehen, 

dät Hierd , die Harde , däa. et : dän^ eu Binde. 

Herred. yiH&w^ die Hoffnung» dän«. et 

jö Hijll, die Hddfe,(dän. en HU- Haab, engl. hope. 

de; die Fussfesad der Pferde, dat Häiet, das Haar, enfjß. hair. 

u. s. w. ) de Hdfy der Hof um Senne und 

de Eljärl, gehechelter Fiaehs. . Mond, dän. en Hov. 
jö E[ßm, i. die Ecke, 3« der de Häuf, der HuC 

Winkel, nd. Hörn, dän. Hjör- de ifät, der Holunder, däowHyld. 

ne. . de HMebuhrnm, 

dat E(jam, wcDeo^S Garn, 3. }öJigt, i. die Jagd, J. die Jacht. 

Hühnergeior in JSännel^im. dat Järd, die Erde, als Sloff- 
dat märtf das Harz. . name.. 

dat Heef, das Haff, UMp, däa dat Jift, die Gabe, beim Füttern 

et Hav. des Yiehes. 

dat J2i00^, das Heft, Sdküß am de Ihss, der Eid, dän.ett Bed, 

Hesser. 2. Scheitel 

jö Hee^, Aet Haspe) » diu en dat: i[fd, der Torf. 

Iläsp^ dat lAr , das Jahr ^ eof^^ year. 

jö Hohsy der Strumpf, dän. en .dat j^U, das Feuer« dän. Bd^ : 

Hose, das .deutsche Hose. dat Iss^ das Eis, ttd. und dää 

dat JffÜI^ das Gesä^s. lis, engl. ice. 

dat märt, dto Hirsch, engl a jö Ihk, die Eiche, nd. Eek^ 

hart, dän. Hjort. . dan« en Eeg. 

de Hupp, der Haufe» dän. en dat /öm, ein Eisen, din. et lern. 

Hld>, engl. heap. de Ml, dän. Juul, die Weih- 

hi Hüss, das Haus, dän. und nachten. 

nd. Huus, engl, house. dat Jäck, die Jacke. 

de Hühs, das Heim, die Hei- dat Jöck, das Joch, engl. yoke. 

math, dän. et E^em, engl, jö Johl, das Rohrkolbenblatt, 

home. (Typha). 

5 * 



36 

dit Klapp, eine Art Kreusbinde jö Kl&mm , die Klemme , eigentl. 

alter Weiber. und uneigentl. 

dat Klapp, I» der Hosenlata, jöKldck, I.Glocke, 9. Uhr, engl 

2. eine Schütte Stroh. a oiook, dän. eii Kloeke. 

jö KiMT, der Karren, das dän. de Klmp, i«die Klampe^ 2. der 

Karre, und das engl, a car Behobeln ».dfin. Häs«. 

ubd cätt. de£ltifii|i, i.Klosfl, ^.derKiom- 

jö Kaard , die Kai^te , dito, et pem 

Kort , (Kaart) , CngL card und de Kläi , der Klei , Thon , eng^. 

Chart. elay , dän. Kfik. 

jö Kapp , die Kajfqpe , dän Kappe , Baai , Nieolai. 

engl. cap. de Klütt, der Flicklappen, das 

jö KäU f die Katse , dän. und nd. dän. Klud und das edgL cloth. 

Kät, engl, cat jö Kkinky die Kliilke, dän. en 

de fäll, die Kaute, der Rand, Klink* 

die Seite. dät KUe, die Kleie, dän. Klii. 

jö Käü\, l. die Keule, % die jö KUng, die Klinge. 

Kühle. de ID'if (, der i Kerl; dän. en 

de Kaumm, der Kamm, nd. und Karl. 

dän. en' Kam retigL comb. j^KjM, d^ Keim, d. ein 

dat Kaum 9 das Kora^ nd. und Krümmchen. 

. dän; Kom, engl. com. dit JtMA«, das Tuch, yergkiche 

de Kalk, der KalL - Klud, cloth. 

dst Kann, das -Kifin]; engl« chiii, de Kmhp, ii dm* Kniff, S. Taille. 

das diiiw Kind '{die Backe). dät Kniff, der Kneif, das Ues- 

jö JZarsi;!. Kiste, iL dir S*rg. :jser/> 

d%Käkr, die.Kührv die Wdhl, jö Knkp, die Schnalle. 

Freiheit zu Wählerin jö Kldtshy 1. die Klatsche an 

jeS'JSer, wieiriU*. dei^' PeitschUnschnui", 3. der 

de £ee/, der Kiel<» din. en Kjöl, Seime. 

eilgl. a keel. .^ de Kni^t, dän. Kna^t. 

i^iJkk, dän. üdkik , die Ottcke. jö Kost, 1. die Kost, % die Hoch- 

de Klang, der Klang. %eit. 

jö Klädd, die Kladde» de Knapp, der Knopf, dän. en 

de JKodd , der KiediB. Kn^p» 

jö KMwi0, die Klaue, engl, a de Kndgt, der Knecht. 

claw, dän. Klo. de Knall, der Knall. 



37 






eine Bootstange zum 
I Schieben d^r Boote, 
oben mit einer Krük'* 



il^e, unten mit einer 
Klaue yersehen. 

■l, die Quelle. 

i, die Kraft. 

k f die Krücke. . 

ick, die Kracke, elendes 

I; dän. Krik. 

ns, der Kranz. 

m, 1. der Kram, ^ Kram* 

i. 

h, der Krieg. 

U, die Kreide. 

pp, der Krepp, ein Zeug. 

ky die Kruke, der Krug. 

SS, der Kreia, dän. en 

5 (l.Kr6s). 

U. das Gethier, dän. et 

3|i, der Körper, dän. en 

, 2. der Kropf der Vö- 

Sk der Kropf der Pferd«, 

Krankheit. 

tei, i* der Krug, ± das 

I. 

ek^ der Dachwinkel. 

M, i. das Kraut, i. Schi^ss- 

r, noch in: Kraut und 

, dän. Krudt. 

mim, die Krampe. 

b, die Krippe. 

» , die Krone, engl, crown. 

g , der Krug » als Schenke. 

. die Grube , nd. Kul , dän 

ule. 



jö Kff, die Kuh, nd. u. dän. ep 

. Ko, engl a cow. 

de Kunst, die Kunst. 

de Eupp^ der Kauf» nd. de Kop, 

dän. eiKjob. 
jö Kann, die Kanne, nd. de Kann, 

dän. en Kande, engl a can^ 
de KHil, der Kohl, dän. Kaal, 

engl cole. 
jö Käg , der Kuchen , dän. en 

Kage, engl cake. 
de Klots, der Klotz, däo. en Kk)ds. 
d&t£op>p,diminutiTum: d9t£op- 

ifc^, die Tasse, 
jö Kumm, die Kumme, 
jö Käst, die Küste, 
dllt KiU, der Kitt, 
jö Lmshf die Lerche, 
de Läid, der Blitz, 
jö Las, die Last, 
jö Last, der Leisten, 
jö 14, die Sense, dän. en Lee. 
jö £ato, der Löwe, 
dat Läg^ i. die Schicht, 3. das 

Gelag, dän. et Lag/ 
dat Lack, der Lack, 
jö Zaun» die Linde.; 
jö Lähs, die Scheune, 
dat hiss , das Glied, 
dät X&M, 1. der Deckel, 3. der 

hölzerne Teller, 
de Lacks, der Lachs, 
dat Lämip, die Lampe, 
jö Xöfii, die Kette ^ dän. en 

Länke. 
dat Laih, die Latte, 
dat Laumm, das Lamm. 



58 

dfiiUMJnnf das Land. jö Lierk, ein kleiner Strandläu- 

jö L&ujtty die Ofenkrücke. fer (Charadrius minor). 

jö Lä^ty das Geschrei. ja IMs^ die Litse, dan. en Lids. 

dflt Leesi dasFudel*, dän. et Las. jö li8t\j die List , — . 

dat lAck, die Leiche, nd. Liek, dat Lick, die Luke, dän. eo 

dän. Lüg. Luge, 

dat Li^A;, ein SpiDl ttiit Sdhnell- dat Lack, das GKickL 

kfigelchen; ' jö Lohr, I ;. ♦ 

jö Lte, die Miethe, dän. enLeie. jöLorr, j * ^v 

'dät lÄeniy der Löhtti jö Lant, die Lunte, 

dat Limmy det Leim, dän. Litm. de Ldink, der Sprang, 

jö Liep, der Kibitas, das engli- jö Mägt, die Macht, dän« Magt 

' sehe lap in lapwidg. dat MäU , das Malz , engil «od 

jö Leen, die Leine, engl, a Hne, dän. Malt. 

dän. Line. » jö MdU, die Milz, 

dat IJägty das Lieht. jö Magg, die Mücke, 

dat Loos, das loos, dän^ ed Lod< de Mdek^ dei^ Kilss. 

dat Loch,i. däi Loch, i. der jö JKisA, i^ die Masche, S. die 

Kerker. Made, 

jö Lüss, die Laus. jö Jfö^, die Matte,, engl a 

jö Lufty die Lüin. -^ mat. 

jo'LUst, die tust. l jd Mibr, die Mähre >däo.eil Blair, 

dat lAijn, der Lohn. engL atoare. 

dd JÜ^n,de^liräin^ däü. en Luiidi dst ifotu/^v die Begegnul^g,'4äD. 

jö Luhk, Zwiebel, dän. et Log, et Mode, en^ 'meet. 

der Lauchi dllit Jfat^fM, der Muth,iid. Motib, 

dat lAnn, der 13ünd> als: Ho«- dän. Mod, engl, mood^ 

senbundv dän. et Lim dat M^fl, dks Mahl» ifia; Kaal, 

dat Liff, i. der tfcterieib, S. das ^ Maaltid. ; " 

' Leben , nd. und dän. Liv^ engl de Mail, die Mitte^ : 

life. dat Mäujl , dal» Mffl , die MiUerde , 

jö L6, die Tenne, däa en Lo. dän. Muld, engl. mouUL 

de Lupp, der Lauf. dat Maus, das Moss» als Pflaa* 

jo Lofi, der Boden, dän. et Loft, menmuss, dän. 6rod, engl pajpk 

engl, lof t. jö Mmjnn , der Torf — oder Hob- 

jö Her, i. die Lehre, 2. Kennt- kästen u.s. w.» dän. et Moo. 

nisse. de Mast, der Mast, — . 



' 



S9 



dat Mihi, das Mehl, dän. Heel, 

nd. Mehl, 
jö Heel, die Meile, nd. und dän. 

en Miil , engl, a müe» 
fiMilfdd, die Math, engl, meadow. 
de Maurd , der Mord , däa. et 

Mord» engl, mnrder. 
de Jl(fam, der Morgen. 
de mogSy der Mist, Danger. 
inMi^i^ dar Kolli. > 
jö Ificft, die MaUereeheide , nd. 

de Mieg. 



de Mass, die Messe in der Kir- 
che, engl; mass, dfin. Messe. 

dat Mäsh, dßv Meisch, dän. Hask» 
engl. masb. 

de MoM, der Most. — engl, mutot. 

de Muck, der Mnck, Mueks. 

jo MätU, die Münae; ' 

Magnm, Muue)^, in der Anrede 
von Kindern^ 

Meem^ Mim, dtuiselbe. 

Mdtty Mette, eäi wetbli^er El* 
genname. 



dal Jfosit, das Moos, dän; uq4 jö ^(ms, die Nase, nd. Näbs, 



engl. moss. 
de Menn, der Mann, dän. en 
Mand, engl, a man. Manns, 
Manns f&r etwas sein, 
jö Muss , weiblicher Kopl^tz 
mit filpitsen onler dar Kreuz- 
binde {Skiedauk) an den Schlä- 
fen. 
jö Mttff , der Mnff , en(^. muff, 

dän. en Muffe. 
jö Mökr y die Miauer , nd. und 

dän. -en M«ur, Mähr. 
de MüsSy-4eT Mnnd. 
jö JtfÜst, die Maus, nd, md dän. 

Muus» en^ e mouse. 
tat MM, das Ziel, dän. MaaL 
jö MäjU, das Ifaass. 
dit Mark, Merkmal, dän. et 

Maike, engL mark. 
jö Mark, die Mark (16 £). 
de Mirsh , der Marseh , engi 

march/dän. MardL 
jö ^ärsb ,■ die Marsch , engt 
marsh. 



dän. Nase, engl. nose. 
jö Nähs, i.die Nuss, d.dieMiss, 

i. nd. de IHM, dän. en Ndd', 

engl. nnt. % nd. Näd, dän. 

Nidd, en^ ait. 
jö Nagt, die Nacht, 
du Näps^ der Napf. 
de iVorr, 4«* Narr, — . 
dit Nii$, 4ie NenigkeH, dän. 

neget Nyt, engi. news. 
jö Neil, die Nadel, engl; needle. 
dit Neeit, das Nest, nd. und 

engl. nest. 
dät Neet, i. das Netz, nd. eng^ 

und dän. Net. 9. der Harn, 

altdentseh der Netz. 
jö Nill, die Nessel, nd. vnd m^ 

Nettd. 
jö Nut, der Funke, dän. en Grast, 
jö Nöpp, der Fleh, 
jö Nüjiy die Noch., dän. eo Nöd, 

engl need. 
^üNüiU, das Rind, dän. et Rod', 

en§^. nea^. 



40 

jö NM, der Tranktrog. jö Plontp die Pflanze, dan. nl 

jö NuUy die Null, et Nul. und engl. Plant. 

de Üdd^ die Messerspitze, Land- jö Plöhm, die Pflaume« nd« und j 

spitze, dän. enO'd, Odde. engl. plum. 

de Ohm, der Oheim, Onkel. jö Plät, die Platte, engLa plate, 

de Pab$$, der Pabst. dän. Plade. 

dst Pack, i. der Pack, S. das Pack, de Post, die Post , — . 

dst Pär, i. das Paar, 2. eimge. jö P5nn , dio Pfanne , eii|^. a 

dit Päss, der Pa$& pan, din. Pande. 

de Pah, der Pels, dan. Palts* jö PoUy nd. und engl. Pot, dao. 

du PdsSf dfr Harn. en Pot, als Maass, en Potte, 

dst Päjl, der Pfuhl , dän. en Pol als Gefäss. 

(L \Pobl). jö Pupp y die Pfeife , engL a pipe, 

jö PäAnjm, da9 Pfand, dan. Pant, nd. Piep. 

. eng), pawn. jö PkUh, die Peitsehe, dSn. en 

dEt Paaijnn, Pfandgut. Pidsk. 

jö Pari, die Perle, engl, pearl. de Pra^ik, i. der Stkh, 2. der 

de Peel, der PfeU, dän. und nd. Täpfel. 

en Piil. jö Prauks, die RennkersBe, dän. 

jö P^n , ein hölzerner ^Wirbel en Praas. 

an Luken zum Vordrehen, dän. jö Podd , der Käfer. 

. en Yreil, daher das englische de Prijnn, die Pfrieme, dän. an 

to pm , einsdbdiessen i fries : Preen. 

pinnen. jö PrSim, die Probe. 

de Piek , die Pieke , . dän. Pig , de Prdwst, der Probst, dän. ProYst 

engl, a pike. de Prins, der Prinz, — . 

de Plack , der Fleck. jö Prämm, der Prahm, dän. Pram. 

(iM^ Pläss, der Platz, nd. und de Priss, der Preis, nd. und 

dän. Plads , engl, place. dän. en Priis, engl, prize, prfce. 

jie. PIm», der Plan, — . jö Priehs, die Priese, 

jö Plagt , die Pflicht , dän. de Puls, der Puls, — . 

PUgt. dat jPänn, das Pfund, nd. und 

jö PHg, die Pflege. dän. Pund, engl, pound. 

de Pl$ck, der Pflock, dän. Piög, jö Pump, die Pumpe, nd. und 

engl. plug. engl. Pump, dän. Pumpe, 

(de Plaug, der Pflug, nd. PlOg, de Pufig, i. der Beutel, 2. der 

dän. Ploy, engl, plough. Hodensack, dän. Pung. 



41 



dst PuU , das Pult. 

de Puff, der PufF. 

jo Prung, der Tausch, dän. Prang. 

jö Pfäs, der Putz, SUat, 2. der 

Streich» Possen. 
jö Pöm, nd. Pom, die Garnele, 

engl, präwn, shrimp. 
da Bä, die Reihe, Zeile, dän. 

en Rad. 
dat Back, i. das Schüsselbrett, 

2. die Hühnerlatte. 
de Bäßd, der Rath, dän. Raad. 
jö Bäihd, das Rohr, als Pflanze, 

engl. reed. 
jö Bauh$ , die Rose , Blume. 
jö Bäi^U, altd. Rott , dän. en 

Rod, engl. root. 
de BdM , der Rest, 
de Rähw, der Riss. 
jö Bank , der Rahe , das engl. 

rook , die Saatkrähe, 
de BSfU^ der Rand. 
jö Bäihs, die Reise. 
jö Bdbb, die Rippe , Ribhe. 
jo Bäsp, die Raspel, dän. und 

engl, a Raq). 
de Bäng^ der Rang, engl a rank, 
jö Bänk^f die Ranke. 
jö Bau, 1 die Ruhe , dän. 
jö JW, J Roe. 
jö Bist, die Rast , dän. Rist , 

engl, rest 
dit Beef, dan. en Räv, der 

Fuchs, Reineke. 
jö Beew, dän. en Rive, der Re- 

dien, engl, a rake. 
dat Beess, dän. en Rost. 



de BSgg, der Rücken, dän. en 
Rijgg, engl, ridge. 

de Biek, der Rauch, dän. Rög, 
nd. Rok , engl. reek. 

dat Biek , nd. dat Riek , das 
Reich. 

dat Biss , die Ruthe , das Reis , 
dän. et Riis. 

de Bipp, der Reif,' gefromer 
Thau , dän. Riim, engl, rime — 
hoare. 

de /ttmm, der Reim, nd. und 
dän. Riim, engl, rhyme, rime. 

dat Biess^ von riesm, sich auf- 
richten, 2. das Riess. 

de ittnn, der Regen» nd. dän. 
Regn, engl. rain. 

jö Binn, die Rinde, engl. rind. 

de Bidd, der Ritt, dän. et Rid', 
engl, a ride. 

de Bock, der Spinnrocken. 

de Bock, der Rock. 

dat Bogt, das Recht. 

de Bogt, das Gericht Essen. 

de Banrn, der Widder, engl a 
ram. 

jö Boost, der Rost, beim Brauen. 

de Bing, der Ring. 

jö B5sh, die Binse, engl, arush. 

jö Bat, die Ratze, nd. en Rott, 
dän. en Rotte, engl a rat. 

jö Böhw , die Rübe, nd. de Röhw, 
engl, a rape. 

dat Bau, die Raute , Fenster- 
scheibe, nd. de Rut, dän. Rüde. 

dat Böhn, Rinnsal, engl, ran- 
net, rennet. 

6 



42 



dM Rümm, i. Raunii 2. Zimmer, 
nd. Ruum, dän. Rum', engl. 

. room. 

dät Rudd, die Spur^ engl. nit. 

de Ruk, der Heuschober, engl, 
rick. 

dat Ruf, die Garnsträhne. 

]ö Ruhw, die Mühlenruthe, Flü- 
gel der Windmühle. 

de Rump, i. der Rumpf, ± Brust- 
tuch , engl. rump. 

jö Rutl, i. die Rolle, 2. die Spin- 
del, engl, a roll. 

de Rüst , der Rust. 

jö Ad^^, der Rost, dän. en Rist. 

jö Rting, die Wagenrunge. 

dät Rüss, das Gerolle« 

de Rüss, der Rausch, dän» en 
Runs. ' 

dät RujU, eine Krankheit der 
Kühe. 

jö Rag, dän. en Rage, engl, a 
rake. 

jö Saal, die Sohle, däa^ und 
nd. enSaal, engl, a sole. 

de Saal , der Sahl , dän. en Sal. 

jö Sali, der Sattel. 

de Safl, der Saft: 

jö Sßjk, die Suche. 

dfit S^ddf i.die Saaty 2,Saine, 
5. Rapsaat , dän. Säd ,. engl, 
seed. 

dät Salt, das Salz« 

jö Sähio, Binsenmark. . 

dat Sahm^ das Sic^ engl, a sieve. 

iM SSajU, der Russ, nd. Sott> 
dän. Söd, engl. soot. 



dät Sägt, i. das Zielkor 

Gewehr, 2. Seichte, Niedi 
jö Sagt, (Sigl), die Sense 

Erbsenmähen, 
de Säirk, das Mannshemd 

Särk (Weibcrhcmd). 
de Smöck , das Weiberl 

engl, smook. 
de Sann, die Sonne, en; 

sun. 
dat Sann, der Sinn, dän. 

engl, sense. 
de Sahn , der Söhn , nd. 

dän. Sön, engl. son. 
jö Sahn , die Sehne, 
de Saihs, der Käs, engl, c 
jö Sähg , die Säge, nd. 

dän. Sav, engL a saw. 
de Seeck, der Sack, dän 

engl. sack, 
jö Segt, die Sucht. 
lö.Siek, die Wange, engl, 
dät Sicrp , der Syrup. 
jö Sidd, die Seite, nd. 

engl. side. 
jö Ski, die Seele, nd. 

dän. Själ, engl. soul. 
de Sill, der Kessel, 
dät Sill, das Siehl. 
jö Sierk, kleinere Wune 

der Grind, dän. Saar, 
dät Step , die Seife , nd. 

engl. Soap. 
dät Shann , altd. das Schi 

schinden, Schindmähre, 

der, Schindanger, dän. 

engl. skin. 



45 



b 



de Shäit , der Schatz , dän. en 
Skat. 

jö ShäUf die Schätzung, Abgabe, 
däo. Skat. 

de Shälk, der Schalk , däp. 
Skalk, Dd. Schalk. 

dät Shäpf od. Schap, dän. et 
Skab, der^Scbrank. 

d|t Skäp^ das Schiff, nd. Schipp , 
engl, ships dän. et Skib. 

de Shdlm , der Schelm , nd. und 
dän. ^kjälm. 

jö Shaahs, i, der Riegel, dän. 
en Skaade« % die Elster, dän. 
en Skäde, 3. eiii Bund Lang- 
stroh , 4, das Leichenlager auf 
LanghatiQ vor den^ Einsargen. 

jö ShäJU, i. die Schale, dän. ep 
Skaal, 2. Differenz beim Bie- 
ten und Fordern , ad. de 
Schäl. 

jö Sba$ , {. die Scharte, % di^ 
Schnarre, fi^pf^, 

dat Shäiijl, die Schale. 

jö Shdl, die Schale, Schelfe, 
dän. en Skäl, engl. sh^lL 

jö Shaw, dj« Sp)^be, dän, Skjäve , 
engl cU«ff, 

jö Shm^nn, die Sch^adithat. 

de Sha/uchf der Schub. 

jö ShäjH , die Schuld , Ursache , 
dän. Skijld. 

jö Shüll, die Geldschuld. 

jö SheeWf die Scheibe, 1. dän. 

en Skiye, % der Tisch. 
de Shähr, der Schnitt, Schnitt- 
wunde. 



jö Shepp, das Schiff, dän. Skjäp- 

pe, nd. Schipp, 
jö Spirr, der aufgehende Keim, 

dän. en Spire. 
dät Shäip , das Schaf , nd. 

Schaap. 
jö Shiess, der Löffel, dän. en Skcd. 
de Shiess, in Aufshiess, Abschied, 
dät Shjärn , i. der Schmutz , 

Kehricht, 2. ein Dösewicht, 

dän. et Skarn. 
de Shinn, der Schein, nd. de 

Schiin, dän. Skin, engl, shine. 
dät Shild, i.das Schild, dän. et 

Skilt, 2. der Schild, dän. et 

Skjald, engl, shield. 
dat Sf^järd, die Scherbe, dän. 

^t Skaar, engl, shard. 
dät Shöm, 1. der Schemel, 2. 

der Bläueltisch, 
dät Shär, die jähe Tiefe eines 

Sees , jähes Ufer , engl, a shore. 
de Shat, 1. der Schuss, 2. der 

Schoss z. B. einer Weide, engl. 

shoot, shot. 
dät ShoU, das Schutzbrett, 
dät Short , die Schürze , dän. 

Skjört (Weiberrock), 
jö Shiehs, die Scheide, dän. ea 

Skedc , engl, sheath. 
dät Shämm, i. die Schande, 2. 

die Schaam , dän. ea Skam , 

engl, shame. 
jö Shöhly Schutz vor Regen und 

Wind , dän. et Skjul. 
de Shirm , der Schirm , dän. en 

Skjerm. 



/ 



44 



de Shüt, der Schiss, dän. en 

Skid, 
dat Shof, i. ein kleines Brett 

zum Vorschieben, engl, shove, 

2. Garbe, 
dät Shrön', dän. et Skriin , die 

Lade , Trübe , der Scbrein , 

engl, sbrine. 
Jö Shrdft, i.Handscbrift, 2. die 

beilige Scbrift, dän. Skrift. 
jö Shrock , die Tasebe. 
jö Shruw , die Schraube , nd. 

Scbruw, engl, a screw, dän. 

en skrue: 
de Shräi, der Scbrei. 
jö Shräw, die Scharre, dän. en 

Skrabe, engl, a scraper. 
dat ShUrw , die Räude , der 

Schürf, dän. Skurv. 
dat Shöhr, i.der Schauer, An- 

faU , 2. die Weile, 
dat Shrübb, die Erätze, 
de Släehf i. der Schlag, Art, 

Gattung , 2. der Schlag als 

Krankheit, 
de Slkk, i.ein Schlag, 2. die 

Art, Gattung, 
dat Slubb, der Koth. 
de Sldjnk , der Schluck, 
jö Sldjnk, der Schlund, 
jö Sling, i. die Schleuder, 2. 

Höhlung im Wagengeleise, 

engl, sling, disin. en Slynge. 
jö Shlöhs, die Schleuse, dän. 

eir Sluse , nd. Schlübs , engl. 

sluice. 
de Sliep, der Zipfel. 



de SlifjU , der Wassergraben , 
nd. Schlot. 

dat Schüff, die Schublade, däo. 
en Skuffe. 

dat Sümm^ der Schleim, nd. 
und dän. Sliim, engl, slime. 

de Slump^ i. der Schlump, Zu- 
fall, 2. eine Menge. 

jö Släw, die Schleppe, dän. et Släb. 

dat Shuf, siehe unten. 

dat Slot, das Schloss in beiden 
Bedeutungen, dän. i. en Laas, 
2. et Slot, nd. Schiott. 

jö Slägt, die Schlacht. 

dät Smähr, das Schmeer. 

de SmauSf der Schmaus. 

de Smdss, der Schmied. 

jö Smäks, die Schmiede, dän. 
en Smedie. 

de Smähs, der Schmiss, dän. 
et Smid. 

jö Smünn, eine Art wilder En- 
ten, die Schmenne. 

de Smühsse^ die Esse. 

jö Sliew , der Aermel , engl, 
sleeye. 

de Sndpps, der Schnaps. 

de Shifjttf der Schoss, nd. de 
Schoot , dän. Skjöd. 

dat Snauck, siehe unten. 

dat Snielis, das Stieg, dän. en 
Snees. 

jö Smur, die Schnur. 

jö Sfumr , die Schnur, die 
Schwiegertochter. 

de Snie, der Schnee, dän. Snee, 
engl. snow. 



4S 



C »w 



de Snähs , der Schnitt, Pfiff, 

et Sned, snit. 
jö Sndgg, die Schnecke, 
dit SndwSf i. der Schmutz, 3. 

nutzlose Sachen , dän. Sndys. 
de Sndppf der Zipfel, dän. en 

Snip. 
]ö Sfwrr , die Schnurre , (ein 

Spielzeug), 
dat Snof, der Schnupfen, dän. 

Snue. 
jö Söhg » die Sau , nd. Söbg , 

dän. en Soe , engl, a sow. 
ieSäng^ der Sang, Gesang, dän. 

en Sang, engl, a song. 
de 5^ffip , der Sumpf , dän. 

Sump. 
dät Sohss, die Suppe, 
de Sp&i, der Fleck, 
dat Sp&t, der Spott, 
jö SpaaU, die Spritze, 
de SpaaU, der Spritzfleck, 
de Spring, der Sprung, dän. 

und engl, spring, 
dat Spdi, i. ein Spatenvoll, 2. 

der Spiess. 
dat Spdll, das Spiel, 
jö Sp^, der Spor, Sporn, dän. 

en Spore, engl. spur, 
dat Spar , die Spur , dän. et 

Spor. 
dat Speek, der Speck, 
jö Spann, die Spanne, engl, a 

Span, 
dat Spann, das Gespann, 
dat Spät, 1 Gespieenes. 
Späiling, j dän. Spij. 



jö Späk , der Sparren , engl. 

spar, dän. en sparre. 
de Spaun, der Spaan, dän. en 

Spaan, das engl, spoon, (Löffel), 
jö Spaul, die Spuhle, dän. en 

Spole, engl, spool. 
dAi Spau, der Speichel, 
jö SHarr, Steuer, Ordnung, von 
slßrren, steuern, dän. Stgr. 
de Spärk, dän. et Sp<^rk, ein 

Stoss mit dem Fusse. 
jö Sjäü, die Regel, Ordnung, 
jö iS;dm , das Butterfass , nd. 

Kam, engl, churu. 
jö Sjork, die Kirche, nd. Kark, 

dän. Kirke, engl, church. 
dät Sjohn, i. das Gesicht, 2. 

die Erscheinung , dän. Syn. 
dat Sjöhnk , das Licht zum 

Brennen und Leuchten, 
de Splahs, die Spleisse. 
jö Splinn, 1 der Splitter, 
de SpUnn, j dän. en Splint , 

engl, splint. 
dät Stähk, das Stacket. 
de Stall, der Stall, dän. Stald, 

engl, stall, 
de Stamm, der Stamm, engl. 

stem. 
de Stjött, die Semmel, 
de Staat, der Staat, i.alsYolks- 

verein, engl. State, dän. stat, 

2. die Pracht , der Prunk , 

dän. städs. 
jö Stämp, die Stampfe, 
de Star, der Staar, als Augen- 

krankheit. 



46 



Jö Sprijn^ der Staar, als Vogel, 
dän. en Stare, engl, a starc. 

jö Sträddi dio Grätsche, engl, 
a stride, 

dat Stäiy der Ko)}en, däq. ep 
Stie, engUsty. 

dät Stßjll, das; Eisen, als Stoff* 

naqie, das engl, steel. 
de Stähg, der Stich, dtUi. et 

Stik , engl, stitoh. 
jö Stäir, der Stera , engl, a star. 
jö Staurk, der Storch, engl, und 

dän. Stork. 
jö Steem, die Stimme, dän. en 

Stemme, 
dät Steef, die Fassdaube, pl. 

Stäm,' engl, a staff, p). sta- 

ves, dän. en stkwe. 
de SHjtt, l.der Stoss, Si, l^aum- 

besatz an Kleidern, 
de Stier, der Stier, 
de Stierm, der Geruch, 
dat Stick , der Griffel, 
jö Sting , die Granne, 
jö Stig, Aer Steig. '^ 
jö Steeg, ein schmaler Weg. 
de Stijny i. der Stein, % der 

Hode. 
de Stock, der Stock, 
dat Stock, das Stüe^. 
dät Stopp, die Gelte, 
dät Stof, der ^taob. 
de Stup,d!ie Meste, Tbeermeste, 

2. der Stauf, in Krüddstnp, 

Blumenstauf. 
}ö Stünn, die Stunde, das dän. 

Stund (Weile). 



de Stjärt, der Sterz, Schwanz, 

dän. Stjärt. 
jö Stähs, die Stadt, 
dät Stähs, die Stätti^, S^lle, 

der Ort. 
de Sträg, der Strich, dän. en 

Streg. 
jö Straahs, die Gurgel* 
de <9^ra2^'n, der Strand, 
de Strijt, ein G^g in der Kirche, 

das engl, street. 
de String ,1.4ßP Strang, S. die 

Saite, e^gl. string« dän, SUi^pg. 
dR% «9lr4i, das Stroh» däii«§lf^> 

engl, straw, 
de Struhmm, der Strom i^ däo. 

Stöm, engl, stream. 
de Struck, der StJ^unl^ 
de Stridd, der iitreit, däqu Strii}. 
de Suhmm, i. die %th, % 4er 

Saum , däp. en $öin , engl 

seam, nd. Sopm. 
de Such^ der Z^ber, Zuber, 
jö Suhrdy die Scb^ar^, engl. 

swardl» däa. Svär. 
de Süss, der'BruQpeO» i^. de 

Soot. 
dat Swämp, der SobrWsuaiiii. 
jö Swuhn , der $cbw«^ , pd. 

Swoon , d£in. Svaae , 0ngl. a 

swan. 
de Släip, der Schlaf ,nd. ^laitp» 

engl sleep. 
jö Swiep , die Windeln , dän. et 

Svöb, engl. swathingcLothes. 
d^i Sweess, der Schwaden, engl. 

swath. 



47 



dat Siruni, der Ik^k, alles 

was nichts taugt, 
dat Swiß , der Schweiss , nd. 

Sweet, dän. Syed, engl, sweat. 
4&t Swär^ die Antwort^ dän. 

Svar. 
dat SuMiek, das Zweck, dän. Svik. 
dat SwinUi das Sdiwein^ dän. 

und nd. Sriin, engl, swine. 
dat Swier% Kienrusa^ dän. Svärte. 
de Swüarm, der Sc]m9iTm, dän. 

Svärm , engl, swarin« 
de Sluck, der Schluck. 
deJOMafc, der Kluck. 
iiXiSits, dwZits. 
de Süppr der Schluck, 
dat Sjäpp , der dänne Speichel , 

der Sabber, 
dat Sdgn, die Sage, dän. et 

Saga 
jö Sljöi, die Schaukel, 
dat SMmm, Sehaum, nd. Sehuum, 

dän. skum. 
jö Shu^ die Scheu, 
jö Snär, i.die Schlinge, ± die 

Sdildfe. 
jö Smeel, das Lächeln, duL et 

Snuil, engL a sniile. 
datStaoJ, d» Stahl, diB.SUal, 

nd. CDgL steeL 
dat. Snäk, der Schnack, das 

Geredfi, dän. und nd. Snack. 
jö Sndpp, die Sdinepfe, dän. 

und nd^ So^pe^ Snep, engl 

a snipe. 
i&Shrämm, dieScfaramme, dam 

en SI^noBme. 



de Shrdck , der Schreck , 

dän. und nd. Skräk und 

Schreck, 
dat Suijärd, das Schwert, dän. 

et Svärd, engl, sword. 
jö Swier , Säuferei , nd. und dän. 

en Sviir. 
dat Spann, der Spund, dän. et 

Spunds. 
de Stäpi der- Stajrf, ein langer 

SchriU. 
de Straali der Strahl, nd. und 

dän. en Sträale. 
jö TaaH, die. Torte, dän. en 

Tärte , engl, a tart. 
de Tort, der Tort, Schimpf, 
dat Tä}k, der Tan^, Seegras. 
de Taus, ) der Zahn, engl, tooth. 
de TöM, jpL teetk 
dm TfUkst, i. die Taxe; 2. d^ 

Text, engl, tax* . 
dat ToMo», das Tau, nd. dän. 

et Toug. 
jö Täw, i. die Tiffir» % Petze, 

dän. en Täve, nd. Tiff. 
dat TaU, das Zelt, dän. und. 

nd. Telt. 
jö Thäig, dasStrohseUsumDadi- 

decken. 
jö Thag, dieSchaflaüs, die Zec- 
ke, diu. en Tage, engl a 

tick, a tike. 
de Tapp, dän. en Tip. 
jö Tann, die Tonne, nd, und 

engl, tun, dän. Tönde. . 
dat Tann, das Zin»; od. 

und engl. tin. 



48 



de Täms, das Haarsieb, däo. 

et Tims, 
jö Täll , nd. und dän. Tal , die 

Zabf. 
de Taum^ der Dom, nd. Dom, 

dän. Tora» engl, thora. 
de Thee, der Thee. 
jö Tiem, der Zaum zum Fah- 
ren, das engl, team, ein 

Zaum Pferde , Gespann , dän. 

en Tömme , nd. de Toom. 
de Thief^ der Dieb, engl, tbief, 

nd. de Deef , dän. en Tgv. 
dat Thieg, die Lende, der Ober* 

scbenkel, engl, thigb. 
dat Thing, das Dinggericbt, 

dän. et Tbing. 
de Tijnst, der Dienst, nd. de 

Deenst , üän. Tjeneste. 
dat Tjöch, i. das Yieb , pl. 2. das 

Zeug, 5. der Zeug; 4. die 

Sacben, nd. Tüg, dän. Töi. 
de Tugh, die Zunge, nd. de 

Tung, dän. en Tunge, engl. 

tongue. . 
jö Tung 9 die Zange, nd. und 

dän. en Tang, engl, tongs. 
de T5U, der Zoll, nd. Toll, dän. 

Told, engl. toll. 
de Topp, der Scbopf, Böscbel, 

die obere Spitze, auch dän. 

.en Top, engl. top. 
de Tütt , der Guss an einer Kan- 
ne , ein Däumling und dergL 
de Türk , der Türke, 
de Törw, die Rasenflagge, der 

Heidetorf, dän. Törv, engl. turf. 



dftt7r4/dd» Draht, Zwirn, engl^ 

thread. 
de Trqjdd, der Faden, Z wim- 
faden, 
de Trumf, der Trumpf, engl 

trump. 
de Trdg^ der Trog, nd. dän. et 

Trug, engl, trougb. 
jö Trü9S, die Kröte, 
de Trans, die Trense, 
jö Treel, die Trile, Trille, dän. 

en Trilde. 
de TrcAs, der Tritt 
de Trähs, pl. Trähse, Trettböl- 

zer am Webstuhle , u. dergL 
jö Träw, i. der Trab, dän. en 

TraV, 2. das Draff, die Stiege 

Garben, 20, 40, 60 Stack, 

dän. en Trave. 
de Throl , der Zauberer , dän. 

en Trold. 
de Thron, der Thron, dän. und 

engl, trone. 
de Tünn, der Garten, der Zaun, 

nd. Thun. 
jö Thüm , der Tburm , nd. Tooro, 

dän. Taam. 
jö Trepp, die Treppe, dän. en 

Trappt, nd. Trepp, 
jö Tuhn , die Zehe, dän. en 

Taa, engL a toe. 
jö Tur, i. die Thräne , 2. 

der Tropfen, 3. die Tur , 

dän. en Taare, engl, a tear; 

pl. tears. 
dat Tut, ein paar Tropfen, dää 

en Taar, engl a drop. 



49 



•^1 






dst Tdoh, i. das Mal , 2. der 
Zug, z.B. Lickt0ch, Leichen- 
zug, däo. et Tog, engL tug. 
dät Thier, das Thier. 
de Twää, der Quast» oder die 

. Quaste. 

dit Twort, ißt Docht. 

dat Twichj der Zweig/ nd. dat 
Twiegy engL twig. 

dät Twjam^ der Zwirn. 

jö Twjäim, die Queme» Hand- 
mühle , dän. Qväm. 

jö Tweg, die Qaene, Färse, dän. 
cn Qvie. 

jö Twäng , der Zwang , dän. 
Tvang. 

jö Twiwl, der Zweifel , nd. und 
dän. T?ivL 

jö TjähSf die Schwätzerinn. 

de Trost t der Trost, nd. und 
dän. Trost. 

jö fügt , die Zucht , nd. und 
dän. Tugt. 

dat Toot, Getöse, dän. Stöi, 
Lärm. 

de Trits^ der Trotz, dän. Trods- 

de Töhg , der Streich , nd. Thög. 

de Track, der Zug, dän. et Träk. 

jö Tofl, die Toft, ein eingeheg- 
tes Stück Land beim Hause, 
dän. en Toft. 

jö 7Vt«9, die Tritze, dän. en 
Tridse. 

dat Uhr, das Ohr. 

jö ühr^ die Uhr, in Taschenuhr* 

de Vhrs, der Lenz. 

de üch^ die Wand. 



jö Ukf die Weiche. 

dat ühg, das Auge, nd. dat 0hg. 

de Ulw, \ der Wolf, 

de Ulw, J dän. Uly. 

dat Uli, die WoUe. 

dat Urd, das Wort. 

jö ürt, die Warze. 

dat War , die Zieche , dän. et 

Vaar. 
dat Wäi , der Wattich , die 

Molken, 
de Wäll, der Wall, das engl 

wall , (Wand). 
jö Wägt, i. die Wacht, 9. die 

Wache, nd. und dän. Vagt, 

engl, watch. 
jö Wägt, i. die Wage, dän. en 

Vägt, 2. das Gewicht, Schwere, 
de Wärk, der Schmerz, dän. en 

Värk. 
dst Wams , das Wamms. 
jö Waal, die Wahl, 
jö Wähs, die Wittwe. 
de Wannst y der Gewinn, 
jö Waag , die Woge , dän. en 

Yove , engl, a wave , 2. die 

Wage, 
jö WaaU, die Winke, 
de Waait, der Wink, 
de Wdinky der Wink , engl. wink, 
jö Wahg , die Woche, 
dat Wäirk, das Werk, 
de Wjärt, der Wirth, dän. en 

Värt , 2. der Werth. 
de Wjärd, die Wahrheit, 
de Wim, i. der Wind, 2. der 

Wein, engl, wind und wine. 



«0 



dän. Yind und Yün ,. od. 

Wind und Wiin. 
jö Winn,.iie Winde, dän^ en 

Vinde. 
de Winn, die Blähung, 
jö Wing , der Flügel,, dän. en 

Vinge, engl, a wing. 
dat i>F»rr, der £i«|sndraht» dän. 

en Vire , engl. wire. 
de. l^tiW, der Wann, dän.en 

Orm, engl, a worm, 
.dut . Wurt , die WüTjpe beim 

Brauen, engl. wart. 
>ö)Wö/f, das Weib,; nd. Wief, 
, d&a. en viv, engl wif^, 
de Wäjl, der Weiber, 
d|[t.tF4;7, das Wohl 
i^ W^el, die Erholung, dän^ en 

Hvile. 
jö Wräll , die Welt , engl. 

World. 



de Wrdst , der Spaim , Ris;!^ 

dän. en Vrist 
dät WrtuJcy das Wrack, dän. et 

Yrkg, engl, wreck. 
ja Wupp, die Aehre, ^as dädi 

Vippe, (Granne), 
dät Watt ,. die ¥urlStk. • 
dat Wat, dän..et Yad« 
dat Wägs , daa Wachs, n^ Wais, 

dän. Voxi eügl. iwax.- ..) 

de WM, idcp Weg, enfß* ."way, 

dän. VeL: . . .' 

jjö Wmhg^\ die . Wippe, 
de Wüs, der Witz, . 
jÄi jJFa/rr V die . Wehr , Kraft, 

Stärke. . rn. . 

de Wfltr/;,: der. Wart . 
dät Weest^ der Wejitfen.> . 
jö Wjigg, .di6 Wiege. 
jö.WicÄ, die Wicke, 
de TFdwsÄ, der Wunsch'*..: . 






\'i 



Bemerkungen und Erläuterungen. 

^ Dat A/i^ ist i. das Scheunentlior ; 2. die längs der leinen 
Seite eines Deichet gehende Auf- odier Abfahrt ner von der fiieite 
eines Wagens. Stammt von dem Worte ä^en,lang$Sirn fahren. Jö 
Bagg kommt. auch in dem Yf orte Ijnbagg , dän. Enebolig, vor und 
bedeutet ein einzeln liegendes Haus, auf einer Heide ' oder im 
Walde. De BahSy dän. en Bas, nd.^en Beu», stammt von dem 
Adjectivuin bass, aus dem unser Comparativ » ^sar^'^bässer) 
sich gebildet hat, und ist einer, der es andern zuvorlhut. Aus 
derselben Wurzel sind hervorgegangen: de Bähse, dän. eW Bände, 
der Nutzen, Yortheil, so wie die Zeilin^örter 6£^s»ft, at Aäoi« 
und das deutsche baten , nützen , Nutzen bringen. De filßjnk , 
dän. und engl, blink, ist i. ein Blink mit den Augen ; !2. der 
schnelle Schein, dän. et GHmt, engl, a glimps; 5. kommt es zn- 
sammengesetzt vor in dem Worte. ^Hallewblaink** der Zwitter, 
Hälberling. Das Wort Brähk ist das deutsche Brack, wird aber 
anders gebraucht , als : dät het nijn Brahk, es hat keine Noth^ 
hat Nichts auf sich, nichts zu bedeuten; 2. M hm Brahk faar 



faar Brüß, u. s. w.» ich habe Hangel an Geld, Brot, u!s.w; 
lock ist auch ein kurzes Ende von einem Rasenacker. Dax 
ist Brot als Stoffname , ein geformtes Brot ist de TroUing , 
dern Orten de Lief, der Laio. De BrSdd , das dän-. Braad » 
I* Stift; der Stachel ist beiden Bienen: de Paurle. 30 Fl&nk:, 
lünk, werden nur die abgeschnittenen Flügel genannt, dit^ 
ederwische dienen , sonst : jö Wing, De Gripp , ein schnei* 
i£F mit der Hand; de Gräiip: he fi4t 't äw e Grdhp, er hats 
nff , u. s. w. De Grawe , der Griff als Handhabe «n eineni 
, z. B. der Henkel an einem Topfe und dergL Jo Haatt 
t nur so Tor, als: t6 Haaw gungen, zur Kirche gehen; to 
wSseUy sonst auch to Sjürk, Jö Haurd, der Kircnhof, ist 
sutsche Hürde, indem vor Alters in der Bewaldungszcit die 
löfe mit Hürden eingezäunt wären. Dat Jörn, (kxt. Jern, 
irotiy kommt nur als Werkzeug vor, wie in S(richjorn\ 
isen, Plaugjörny dat Wirfyörn, u. s. w. De Klomp, i.dic 
»e , 2. die grossen Heu- und Getreidesehober , welche man , 
[angel an Gelass im Hause , neben demselben auffährt. De 
I, 4. jede kleine harte Erhöhung, 2. die Schwammdosc an 
abackspfeife. Jö U^tt , ist schwer zu übersetzen, und Wird 
braucht : Jö sUmg grihslkk to Lä^tt , wörtlidi : » Sie sehlug 
ch zur Lasse'* d. i. sie erhob ein grosses Geschrei zum Schei- 
amit es^lassen oder scheinen sollte , als ob ihr die Sache sehr 
Tzen ginge ; besonders bei Unglücksfällen. Jö hier , Lehre , 
\ 'n gauhs Lier , er bat gute Kenntnisse ; 2. he ds noch äujn 
, er ist noch in der Lehre. Dat Mäjl, das Mahl, dän. Maal, 
so gebraucht: en MM Mölke, dän. et Maal Mälk, so viel 
, als eine Kuh aufs Mal giebt; en Mäjl Pass, so viel Harn, 

an auf einmal lässt; en Mäjl Ähse, dän. et' Maäl Mad , eine 
n Speise: jö M^Uidd, die Mahlzeit. JöMäfynn, ein Kasten 
^orb für IIolz und Torf; der Kasten unter den altmodischen 
änden , daher: de Mät^nneplöck , das walzenförmige Wickcl- 
auf welches man den Knaul (dat TJauling) wickelt, weil 
in dem Kasten aufbewahrt wird. : Jö Mäjdd, die Math oder 
, ißt mit dem dänischen: en Mä, Mai, dem deutschen ilfai^e, 
mgl. mead , meadow verwandt, und hedeuiet meistens nie- 
, grasreiche Wiesen, die - zur Heuwindung liegen. Jö Nost, 
'ränktrog fürs Vieh , ist eigentlich : d^r Sarg . und soll aas 
Gotbischen stammen; genau genommen wird dieser Name 
nur von denjenigen Tränktrögen gebraucht, die alle aus 
einzigen Steine ausgehauen sind. Jö Priehs ist sowohl eine 
Taback , als eine gekaperte. Dat Riess , das Vermögen sich 
achten, z. B. jö Kö as fon *t Riess, die Kuh ist von den Bei- 
kann nicht aufstehen; riesen, sich in die Höhe richten^ 
: de Riese, der Riese. Dät Rttdd, von rudden, hin und zu- 
durch einen Zaun oder über einen Wall kriechen, und 
ch einen Schlupfweg bahnen, wo keiner sein darf; diese 
mg heisst d^i Rudd, in Angeln: dat Rü oder Rot, das engl, 
die unordentliche Flucht. Jö Säik, z. B. dät Bauck as me to 
ich vermisse das Buch , wörtlich : es ist mir zu Such. J9 
k, nur die Tasche in einem Kleide. Dat Shuf, der Schoof, 



»2 

Schaub, ein Bund Stroh; auch eine Garbe Korn, die jeder Bauer 
dem Feldhüter und dem Glöckner als alte Gerechtsame zu geben 
hat. D&t Snauck, eine Kette mit einem Haken, etwas daran in 
hängen , wie in KiUinauck , Kesselhaken , d&t LAmpesnauek , die 
Lampenkette. Jö Sogh, die Sau, von sögen, saugen. Jo S^üfr^ 
die Steuer, von surren, steuern, regieren; hi^ll S^jürrl dän. 
hold Styr. Jö Süäll, unübersetzbar, die Ordnung, Regel, Aehn- 
lichkeit , seines Gleichen. Dirr as n^ Själl wa , mjn SÜäll dt^, 
dät stallet nint , sieht nach nichts aus. De Stäp , der Stapf, der 
lange Schritt; de IMpe, die Stapfe, der Eintritt vom Fusse. — 
Dat Stäpstähs^ der Stegel; de Trükme, ein grosser, hölzerner 
Bock mit drei Füssen , oder hölzerner Dreif uss ; der eiserne Brei- 
fuss ist de Trifän^U oder Trdf&ußU. Dftt GUmmm^ der Glumm, 
das Trübe im Wasser,^ daher ^/aumfii^ , glumm; dat Graum, siebe 
oben, daher ^räjm«n/ ausweiden, als Fische und Y^el. Jö Puh», 
die weibliche Schaam; dat Dum, die Daunen, Flaumen, nd. 
und dän. J)uun, Dunen; de Bldss, die Blässe, eines Pferdes; de 
Knüfm ist auch die Knospe ; dat FeU , der Filz , dän. Filt De 
I>raU, der Drillich, dän. Dreil; jö Kier, he gongt so to Kiers, er 
geht so zu Kehr; Mdersgungen , nd. tokeersgaan; dftt JKröt, ein 
verkünunertes Ding, verächtlich, von Menschen und Thieren. 



Die Nachsilben des Hauptwortes. 

§. Si. Diese sind: d», e, el,em,en,er^ere, eme, ense, ent, 
ed, et, ert, ig, inn, ing , ling , ir, ke, ken^ jen^ duhm, $hap, 
häid, eise und niss, als: jö LSnshriwweräi , die Landscfareiberei ; 
de KrSge, der Grapen; de Knepel, der Knüppel; de BSisem^ der 
Besem; \q Meilen, die Mühle; de Shrüjdder, der Schneider; de 
Fasere, der Gevatter, richtiger: de Faser; de Wameme r. Wim- 
ser, die Schnell wage, nd. und dän. en Bismer; de Fierense, 
die Feme; dfti Aawent, die Schnürbrust; jö Döged^ die Tugmd; 
dftt Huget, die Anhöhe; jö jinert, die Ente; de Guttg , der Gal- 
gen; jö Smninginn, die Königinn; dat Alkenir, der Erker; dftt 
W^ning^ das Fenster; de JR^Ung , die Blutwurst, wdrüieh: der 
Reifling; dftt Twelbortjen, das Sabbertüchlein; dat Hiertugduhm, 
das Berzogthum ; dftt Lonskap , die Landschaft , auch : jö JAnshap ; 
)ö Saalighaid, die Seeligkeit; de Tichelse, die Deichsel; dftt jLMfc- 
ffiss, das Gleichniss. 

§. 52. Die meisten Wörter, welche sich auf ^ endigen» sind 
folgende , als : de uiwe, der Affe , nd. de Aap , engl, ape , 
dän. en Abc; de jitte, JUäJte, der Gross vater; da Aum, eoDect. 



53 

6 Batlermilch; de JtaAj«, der Nutzen, Vcnriheil; de Bahre ^ die 
fare, dan. en Baare, engl, barrow, a bier; de Böge, der Bo- 
B, engl a bow» dän. en Bue, nd. de Baag; de Bolle, die 
nie, dän. Byld, engl, a beal, bile, boii; de Bürre, der Bauer; 
BuNTre, die Klette, din. Burre, engl, bar; de StigeUmrre, die 
td; de BoMckstewe^ der Budistabe , dan. Bogstav; de Büshe^ 
i Batterbrot; de Bulle ^ der Bulle, engl. buU; de Bohse, der 
«, imL de Baad; de Bälle, der Ball, % der Ballen, engl ball; 
ÜStke, der Pfiropf; de Dümpede, daa Kopfkissen; dat DrQJnke, 
Trinken; dit Akee, das Essen; de Droge, der Draehe, dän. 
Driige, nd. de Draak, engl, drake; de Driegde, Yersdilagsam- 
t; de Ebbe, die Ebbe, engl ebb, dän. Ebbe; de ^ge, Seite, 
ile, das dän. Eg' und das engl, edge; de Dihese, getrockneter 
hfladen; Bojtte, Töchtereben in der Anrede; de Borke, die 
lade in einem Kepler; de Fdlke, der Falke; Fäike, Bubcben; 
Päre, die Gefahr, dän. en Färe; de Flohse, dän. und engl. 
;k; de Fohle, der Fohlen, engl, a foal; de Ftige, die Frage; 
Fraud», die Freude; de Frühe, (Tcräehtlich und gemein) das 
ol, die Gosche, Fresse; de Frhe, der Friede, dän. und nd. 
Mi ; da FImne , eoU. die Flaumen der Schweine , dän. Flom- 
r; de Frohse, der Geifer, dän. Fraade, engl, froth; de Fl^Ue, 
Falte, dän. eo Felde, engl, a fold; Fräime, colL Gefireundte, 
rwandte, dän. Fränder; de Fatme, (jo Fmm), die Fahne, dän. 
Fase, das engl fan; de FUbbe, das Hängemaul, die Fläbbe, 
I. en Flab; de Fmne, (j5 Fimn), I. Flosse, ± Finne, dän. en 
ine, engl fin; de FrSmde, die Fremde; de Flekke, die Häk- 
» an der ^lindel; de Gmame, die Gabe, dän. en Gäre ; de CU- 
y engl, a f^eam, Schimmer; de Gmhse, {Gahämg), alles, was 
n g«t gebraudiai kam; de Gotle, die Gaue, dän. Galde, engt 
1; de GomB, der Gaonen, dän. Gumme, nd. Gnhm; de GUme, 
Kohleni^th; de Gmakee, die Gnade; de Grawe, die Hand- 
le; de Grämte, Gränze, dän. Grändae; de Grtmee, die Gmse, 
u en Gröde, en^ growth; de Grime^ die Halfter, dän« en 
me, daher das engL groom, (Stdkneeht); de Hmge, der Ha* 
I , dän. en Hage , engL a hook, nd« en Haak, Haaken , % der 
löitkoben, in welchen das Tieh Ton dem Flarbirten eingesciifit- 
, d. b. emgepferchi wird; de Hite, der Bue; de BSmme, eine 



54 

Reihe Fennen in dem sogenannten Herrenkoge , die durch einea 
fiie umgebenden Graben von dem übrigen Lande getrennt sind; eia 
Wn andern abgefriedigtes Stück Land» der Ham, die Hemme. 
De HStle, die Hölle, engl, hell; de Hiere, der Herr; de Hirn, 
der Heide , engl, a healhen ; de Böcke , die Garbe , das deutsche 
die Hocke, zusammengestellte Garben, fries. de Shoeke; de 
Home, der Hamen (Beuse); de HSne, altfries. der Hahn, in H<me- 
batike, der Hahnenbalken; de Hinke, der Hahn am Fasse, dio. 
en Hanike; de Buge, die Hoge, Name eines Halligs; de HSjUß^ 
Endscheibe^des Brotes, de Hojnte — ; de Jäle (jö/aA/), der Schilf* 
oder Tekhkolben; de Jjime, das Ende; de JlSnge, der Junge, od. 
de Jung; de Jöhrke, die Theurung; de Jöhse, der Jude, dän. en 
Jode, engl. Jew; de Kaie, engl, a key, der Schlüssel; de Käise, 
der Halmzahn, nd. de Euhs; de Kempe, der Eämpe; de Kille, der 
Eeil, dän. en Eile; de Klage, die Elage, dän. en Eläge; de Klose, 
Traube, Büschel, dän. en Eläse, engl. Cluster; de Knodüse, der 
Enoehen, nd. Knaak, dan. Enaag; de Kläwe, dän. en Elove, das 
Halsband der Rinder, mit welchem sie an die Wirbel der Stätte 
gebunden werden, 2. der Zagel; de Klonke, die Eol^^, Erdscholle; 
de Klönne^ dän. en Elunds, ein dicker Lümmel; de Klobhe, der 
Eober; de Knagge, der Zacken, lun etwas daran zu hängen, 2. 
in einem Rade, dän. en Enäg'; de Knolle, der Fussknöcbel, 2. der 
Pfeifenkopf; de Knolle, dän. en Enold, ein derber Lümmel; de 
Kohle, i.die Kehle, 2. der Schliessstift bei alten Vorlegeschlössen!, 
pd. de Köl, din. en Kül; de Krage, 1. der Kragen, 3. die Krähe; 
de Kräse, dän. en Eräse, der Kropf, hei Vögeln; de. Knote ^ der 
Kneten , dän^ en. Knude» od. de Enott , engl knot ; de Kmlle, I» 
die Eälte, 2.da^ Fieber, dän.-en Eulde^ nd. de KöU, engl. eoU; 
de Käme, ^ ein spotteqder Hausgeist , (Komos?), 3. im Scherz, die 
Mase; de Krampe, der Erampf, dän. en Erampe, engl, cramp; de 
Krage, der Grapen; de Kurde, dän. enEarte, engl, card, die 
Earde oder Eardätsche zum Wollkratzen; de Läge, de Lange, die 
Lage; de Läpe, der Lappen; de Lappe, die Lippe, Lefze, dän. en 
Lippe, en Labe, nd. und engl, the lip; de Laingde, die Länge» 
dän.. en Längde, engl, the length; de Lauckke, der Blick, An- 
blick eines Menschen, nach den Augen beurlheilt , z.B. he hä nän 
gauhseu Lanekke, er hat keinen guten Blick, von laucken, lugen; 



ielmrte, dän. en Lort> engl, a turd; de Lieunie, die Liebe, 
ni de Leewde; de Linse, die Lünse, dän. Lunstikke, engl, linch- 
pin; de Junke an de Ijägle, im Dunkeln und im Lichte; de Lacke, 
die Locke, dän., nd. und engl Lock; de Löge, die Lohe, Flam- 
me, dän. en Lue, nd. de Laag; de LSnke^ die Hüfte; de Luwe, 
der Glaube; de Möge, der Magen, nd. de Maag,' dän. Mave; de 
Miingde, die Menge, dän. en Mängde; de Maude, die Mode, dän, 
und engl, mode, nd. de Mood; de Manne, i. der Mond, dän. en 
llaane, itL de Maand, en^. moon, 2. der Monat, dän. Maaned, 
eo^ month. De Maure, i. das Moor, 2. das sogenannte Riesum- 
moor; de Mose, daa Torfmoor, dän. en Mose, engL moor, yergl. 
das Moor und de Maure; de Mäne, die Mähne, dän. en Man^ 
Manke, engl, mane;' dat Mölke, die Mileh, dän. und nd. Mälk, 
engl, milk; de Döjnie^ nd. datDöntjen, Döhnchen; jö Maak, die 
Madie; AeMänUe, die Mühe; deMäjn^e, das Männchen; deMdnshe^ 
der Mensch, dän. et Menneske, nd. de Minsch; de Möitle, in der 
Redensart : to Mqgtte kirnen, übel anlaufen, etwas WerthyoUes 
beschädigen oder zerbrechen. Es bedeutet auch das Maass , als: 
Mi§iie hüllen, Maass halten, dän. at holde Maade; de Nät^Ue. 1. 
die Note , 2. Melodie ; de Närke , die Enge , von fiär, eng, engl, narrow; 
de Neke^ der Nacken, engl neck; de Njörke, die Niere; de 
Name, der Name, nd. de Naam, engl name; de Näigde, die Nähe, 
nd. de Neegd; de Noeke, der Schlucken, engl, hiccup; de Nüiiie, 
der Nutzen, u. s. w.; de Ohme, der Odem; de Ögse, der Ochse, 
en Ox, nd. de Oss , dän. ^n Qxe; de Öme, der Eber, dän. en 
O'me; dät Ohle^ das Oel; de Paathe, die Ostern, dän. Paaske; de 
Päike, dän. en Pog, Paike, Jüngelchen; de Päpe, i. die Weiber- 
brust, 2. die Zitze, Brustwarze, 5. die Muttermilch; de Pose, der 
Ochsenziemer, dän. en Pees; de Pamie^ i.das Thor, die Pforte, 
dän. nd. und engl. Port, 2. der Kerker, 5. der Bienen- und Wes- 
penstachel; dePiUe, l.die Pille, S. das männliche Glied; de^arse, 
die Presse, dän. en Perse, engl press; de Plage, die Plage, engl 
plague; de Plumne, der Lumpen, nd. de Plünn; de Plagge, der 
Fohlen, dän. en Plag', engLacolt or foal; de Pöjnte^ s. oben, ein 
Würfelholzchen ; de IVue, das Säckchen, dän. en Pose, nd. de 
Paas; de Pule, dw Pfahl, dän. en Päl, nd. de Paal, engl a pale, 
pile; de Pätfe, dän. en Pode, Hestepude» i« das Kummetkissen, 



66 

2. ein Pott Erde beim Deichen ; de Pocke , die Pocke , Bialter »u. s. w» 
Qu oder Kw fehlt gänzlich im Nordfriesiscben nnd kommt hoch* 
stens in Quaal, die Qual» und Qualster , der Qualster, vor; dieser 
Laut wird durch Tw vertreten. ' De Räme, der Rahmen, dän. en 
Ramme, nd. Raam; de Räme^ die Dachschwelle; de RSme, der 
Riem, d« i. Treibruder, dän. en Aare, engl, an oar, nd. Reem; de 
Riete ^ der Riese; de Rögge, der Roggen, dän. Rüg; de RojfUe, die 
kurie Mannsjacke; de Räwe, der Schürf auf einer yemarbendeo 
Wunde» nd« Raaw; de Robbe, der Robbe, Seehund; da Bimk$t 
collect die Ränke, dän. Ränker; de^Säge, die Sache, dän. en Säg, 
nd. de Saak; de Säle, das Kummet; de Senne, die Sünde, engl, 
sin; de Seme, die Seime, die Peitschensehnur ; de SSlme^ der 
Y(Nrdere Bettrand; de Sjäme, d^ Schemen; de Shäse, derSchadCi 
dän. Skäde; de Shjdrdlihsse, die Schnitteremdte ; de Shäme^ die 
Schanze, dän. en Skandse, engl, a sconce; de Shäne, die Schiene, 
dän. en Skinne; de Sii, i. die See, ä. der See; de Slange, die 
Schlange, dän. en Slange; de Släte^ der Schlitten, dän. en Släde, 
engl, sledge; de Starre, Nachlässigkeit, Fahriässigkeit , von Mr* 
ren, säumen, nachlässig behandeln; de SWpe, das lederne Bnist- 
geschirr der Pferde; de Sljogte^ von einigt, eben, schlicht; de 
Shocke^ vergl. Hocke; de Smäge, der Geschmack, dän. en Smag; 
de Snütte, die Schnauze, dän. Snude, nd. Snut, engl, snout; de 
Snißde, die Griebe, die Ueberreste des ausgeschmelzten Schweine* 
fetts, dän. Gr^ver; de Snöwe, die Schnuppe am Lichte, engl, a snuff; 
de Smühsse, die Esse; de Same, die Summe, Sum — ; de SoUme, 
die Kind taufe; de Späse, der Spaten zum Torfgraben, dän. und 
engL spade, nd. Spaad; de Spthsse, die ^^peise, dän. en Spise; de 
Sprainke, die Sprosse dner Leiter; de Spuke oder Spßjcke, die 
Speiche, engl, spoke; de Spräjcke, die Sprache, dän. et Sprog, nd. 
Spraak; de SpißUe, die Spreize, der Speiler; de Swäme, die Sdiwei« 
me, Ohnmacht, engL swoon; de Stelte, die Stelze, dän. en Stylte, 
engl, stilt; de Stubbe, i. der Baumstumpf, Stock, ± Familien« 
Stammsitz; de Stuwe, das Feuerstübchen , Feuerkieke, das eogi 
Steve; de Straate^ die Strasse, nd. Straat, dän. Sträde» tOfjL 
Street, strait; da Siurre, coli. Spitzenfalten als Kopfputz; de Stipe, 
die Stapfe, engl, step; de Siücke, eine Suuche Torf; de Siih, 
der Stiel, nd. de Stähl; de Stunge, die Stange; de Stalle, die Stille; 



87 

de Shdcke, Gestalt, Form» ndL und dän. Schick und Skik, als: 
dit het nan Shacke, en gauhsen Shacke, nd. d&t het keen Schick, 
en guden Schick; de Slägge, die Schlacke, engl, slacks, pl.; 
de Shurre^ der Schlittschuh, engl, skate, dän. en Sköite ; de 
Shrädde, die Schräge; de Sträge, der Streicher z. B. zur Sense, 
der Häckselklinge, dän. Stryger,engl. stroker; de Stippe, die Stütze; 
de Tage, das Dach, dän. et Tag, nd. Dack; de Täpe, der Zapfen, 
tap, — ; de Thäte^ der Vater; de Tele^ die Diele, altdän. Tillie, 
nd. Dähl; de Tjäre^ der Theer, dän. Tjäre, engl, tar; de Tjdwse, 
der Einnbacken, Kiefer, engl, jaw, chaw; de Töle^ das Maul; de 
Tök, ein Grasbüschel, Binsenbusch, u. s. w.; de Töme^ i.der Dau- 
men, 3. der Zoll, nd. i. de Duhm, dän. i. Tommelfinger, 2. en 
Tomme, engl, thumb; de Tagte, der Gedanke; de Töfte oder Tagte, 
in Wähsertofte , eine Abzugsrinne unter einem Wege, kleines Siel; 
da Twäge, die Hefen; de Träne ^ der Thran, dän. Tran, nd. Traan, 
engl, train-oil; de Tünne, die Zinke, dän. en Tinde, engl, tine; 
da Trdme, pl. der Drum, Lädelfaden am Weberbaum; da Tantle, 
die Klöppel zum Klöppeln; de ünneme, das Hittagessen; &bWdlle^ 
der Wille, engl, und nd. Will, dän. Yillie; de Wale, i. die Strieme, 
Schwiele, 2. in Tmgwäle, dän. Tingvold, in Norwegen: Budstikke, 
3. die Wulst; de Wijtte, der Weizen, engl, wheat, dän. Hvede, 
nd. W6ten; de Wihsse^ 4. die Weise, nd. und dän. en Viis, engl. 
wiae, 2. der Weise, nd. und dän. en Viis, 5. die Wiese; de Wäne^ 
der gute Freund, dän. en Yen'; de Widde, die Weite, dän. en Vide; 
de Weesie^ der Westen; de u/ste, der Osten; de Sühsse, der Sü- 
den; de Naurde, der Norden; de Wjärlse, der Wirtel, Wirbel am 
Tüdder oder Spannstrick , damit dieser sich nicht zusammendrehe K 



^ De Baske f das Butteri>rot, ist nicht mit Büsh^ die Büchse, als 
Behältaiss, zu verwechseln, wie in Böserbüsh, Spärbüsh, u. s. w. 

Du Ähse wnDmjnke, ist: das Essen und Trinken, als Speise und 

Trank; die Handlung des Essens und Trinkens ist: dat Ähsen dn 
Bri^ken. De i^gge, die Seite, ist nicht die wirkliche Seite eines 
Dinges, diese ist: jö Sidd, als:jö rogt, jö left Sidd, jö Siugsidd, Egge 
wird so gebraucht: de kirr Egge, de janner Egge aufä Struhmm, 
diese ^ jene Seite, oder: diesseit und jensei t; ferner: Ick bdn äw 
dän Egge, ich bin auf deiner Seite, halte es mit dir; äw sdn 
Egge, wofür man auch Kant, die Kante, gebraucht. De Frünn, 
ist von Frünne, Anverwandte, zu unterscheiden, als: dät d$ fmm 



8 



58 

Volksnamen auf e sind: de Swede^ de Preuse, de Russe, de Slaa- 
we, (i. der Slave, 2. Sklave); de Jose (Jude); de Hiese der Heide. 



1 



Hauplwörler mit der Endung eL 
a. MännUche. 

§. 55. De u/pel, der Apfel, od. Appel, engl, apple; dat Ajngel^ 
der Engel, engl, an angel; deBajngel, der Bengel; deBajttel, der 
Meissel, nd. Betel; de Bässel, der Kappzaum, dän. et Bidsel; de 
Bibel, engl, bible — ; de Bögel, der Bügel, dän. en Böil, nd. — ; 
de Büffel j der Büffel; de Büttel, die Büttel, nd. — , engl, bettle; 
de Dackel, der Deckel; de Däuwel, der Teufel; de Drimpel, der 
Drempel, die Schwelle; de Fibel, die Fibel; de Fögel, der Vogel, 
nd. Faagel, dän. Fugl, engl, fowl; de Gäwel, der Giebel, nd. Gä- 
wel, dän. Gavl, engl, gable; de Grüppel, Abzugsrinne; de Ham- 
mel, der Himmel, nd. und dän. — ; de Hagel, 1. die Ferse, i 
der Absatz am Schuh, 5. der Hagel. 4. Hagelkorn, Schrot, dän. 
i. en Häl, 2. Hagl, engl, i, heel, 2. hau; de Högel, der Hügel; 
de Jögel, der Eiszapfen, das deutsche Jökel, und das isländische 
Jökul; de Kittel, der Kittel, — ; deKnepel, der Knüppel; deKrdingel, 



Frünny das ist mein Freund; aber wdtt sdn Frunne ist: wir siai 
Anverwandte oder Gefreundte, dän Fründer; wir sind gute Freun- 
de (einander nicht fcind) ist: wdtt sdn gauhs Wäne, dän. gode 
Tcnncr; de Flecke, s. oben, sind die Arme der Spindel; die daran 
befindlichen eisernen Häkchen heissen: dkNöcke, pl., welches Wort 
auch: der Schlucken heisst, s. dieses; de Frdmde, wird ganz wie 
im Deutschen gebraucht, als: äujn*e Främde wesen^ in der Frem- 
de sein; de Främde kamt ült'e Främde ^ der Fremde kommt aus 
der Fremde. Dat Ijägt, das Licht, als: Däisljägt, WägsJjägt, ist 
zu unterscheiden von: de I^jägte, die Helle, als: Dirr hahst de 
sellew ätyn'e Ijägte slijnnen, da hast du dir selber im Lichte ge- 
standen. De SSlme, s. oben; zu Häupten des Bettes ist: de Haad^ 
linge; zu Füssen:. de Fäjttlinge. De Sljögte von sfiogt, schlicht, 
dän. slet, ist zwar im eigentlichen Sinne: die Ebene, dän. en Slette, 
wird aber meistens uneigentlich gebraucht, als: he slaug me äw 
äiven Sljögte , nd. he slög mi up eben Sligt , d. i. er schlug mich 
ohne alle Veranlassung, aus freien Stücken; dät kaum äw äiwen 
Sljogle, es kam ganz von selbst, unwillkürlich: Nö san waU äso'e 
Sljagte md enauser, nun sind wir aufs Reine mit einander ge- 
kommen. 



89 

die Kringel, Bretzel, dän. en Kringle, nd. Kringel, engl, cracknell ; 
Ag Kräwel, der Krüppel, engl, cripple; dat Kräwel, verächdicli; 
de Kägel, der Kegel, dän. en Kegle, engl, kayle; de Mängel, dCr 
Hangel; de Mergel, der Hergel, engl, marl; de Nägel, i.der Na- 
^el am Finger, u. s. w. 2. ein kleiner Nagel, nd. Naagel , dän. Negl, 
eogl. nail; de Ndwwel, der Nabel, dän. Nävi, engl, navel; de Pie- 
sei, der Pesel oder Pisel, nd. Pesel; de Pinsel, der Pinsel, dän. 
en Pensei, engl, pencil; de Prägel, die Stricknadel, das deutsche 
Prickel, wie in Wurstprickel; de Pudel, i.der Pudelhund, 2. einen 
P. machen beim Kegelspiel; de Rekel, der Rekel; de Puckel, i. 
der Höcker, Buckel, 2. der Rücken selbst; de Saabel, der Säbel, 
ndi. Saabel, dän. Säbel, engl, sabre; de Sdrkel, der Zirkel, engl, 
circle» dän. Sirkel; de Shainkel, I.der Schenkel, 2. der Schinken; 
de Schämmel, der Schemel, dän. en Skammel*; de Slüngel, der 
Schlingel, dän. und nd. Slüngel; de Snaabel, der Schnabel an 
einem Dinge, wie im Dänischen: enSnäble; bei Vögeln: ddt Nebb, 
dän. et Neb; de Staapel, der Stapel, dän. en Stäbel; de Staingel, 
der Stengel; de Stäiwel, der Stiefel, nd. Stäwel; de Stakel, dän. 
und nd. en Stakkel, der arme Wicht; de Swäingel, der Schwen- 
gel, besonders am Dreschflegel und an der Wage, an welcher die 
Pferde den Wägen ziehen, an der Pumpe, u. s. w.; de Swdndel, der 
Schwindel; de Stdmpel, der Stempel; de Snösel, nd. Snösel; de 
Spainkel, das Faulfieber mit Flecken; de Strippel, der Streifen in 
gestreiften Geweben; de Tdmpel, der Tempel, dän. und nd. -*;. 
de Tögel, der Zügel, nd. Tögel, dän. TöU; de Titel, der Titel; 
de TüUel, der Tüttel; de Toffel, der Pantoffel, nd. und dän. 
Toffel; de Wacksei , der Wechsel; de Wainkel, der Winkel; de 
Wäsel, das Wiesel. 



* De Shämmel, gilt in allen Bedeutungen des deutschen Wor- 
tes, es ist aber sinnverwandt mit: dät Shäm, wie etwa Sche- 
mel und Hitsche ; dat Shärn und de Fäujttshämmel werden als 
toUig synonym gebraucht, aber in vielen Fällen kann und darf 
man sie nicht mit einander verwechseln. So heissen die horizon- 
talen Bretter, welche die Füsse der altmodischen, langen Tische 
mit einander verbinden, auch Fäujttshämmle , weil man beim Ks- 
sen die Füsse darauf setzen kann; hier würde Shörn durchaus 
verkehrt stehen. So sagt man auch: dat J?^^^Jrn, Bläueltisch, 
wo Shämmel nicht stehen könnte. 



60 



b. Weibliche. 

Jö Baawel, die Simse: jö Bössei , die Bossel» d.i. eine Kugel zum 
Werfen, wie jö Issbdssel, Kägelbossel, u. s. w., engl, bowl; jö Dd* 
gelf der Tiegel; jö Fägel, der Fehler» das Versehen; jö Fistel, 
i.die Fitze; 2. die Fistel; jö Fläiel, der Dreschflegel, engl, flail: 
jö Gichd, die Geige; jö Haawel, die Klunkermilch, gelieferte 
Milch; jö Häwel, der Hobel, dän. en Hövl; jö Bägel^ die Hechel, 
dän. en Hegle, nd. de Häkel, engl, heckle, hatchel; jö Käwel, 
die Koppel, z. B. Pferde, Hunde, u. s. w., engl, couple; jö Köwel, 
kurzer Frauenzimmerrock (petticoat); jö KatUöffel, die Kartoffel; 
jö Lüngel, die Lunge, dän. en Lunge, nd. de Lung, engl, lungs; 
jö Mandel, die Mandel, nd. und dän. en Mandel; jö Mängel, die 
Mangel, kleine Handrolle, dän. Mangletöi; jö Rdingel, der Henkel- 
topf; jö Räigel, die Regel; jö Sägel, die Sichel, dän. en Segl, nd. 
Sekel, engl, sickle ; jö Sjöhssel, dän. en Syssel, die Pässelei; jö 
Shauwel, die Schaufel, dän. en Skovl, engl, shovel, nd. Schüffei; 
jö Taafel, die Tafel, nd. Taafel, dän. et Taffei, en Tavle, engl 
table; jö Kugel, die Kugel, dän. Kugle; de Taagel, nd. — , der 
Zagel; jö Stauppel, die Stoppel; jö Wickel, nd. de Wiechel, die 
Weidenruthe, die Weide selbst; jö üngel, die Angel, engl angle. 

c. Sächliche. 

D$t A'ingel, das Engelchen; dat Aesel, der Esel, nd. und dän. 
Esel; dnxKrävel, der Krüppel, nd. Kröpel; dAi Kapitel, — ; dat Jft- 
raakel, Mirakel, grosses Gewirre; datüätet, in: Spannräiel, Spin- 
nenwebbe; dat Sägel, i.das Segel, 2. das SiegeL 



Mit der Endung en, 

a. Männliche. 

§. 54. De Autven, der Ofen; de Dägen, der Degen; de üoo- 
wen, 1. der Rogen, S.eineYerwqnschung; de Sägen, der Segen; de 
Wäien, der Wagen; de GSllen, der Gulden; de Orden, der Orden; 
de Kögen, die Küche. 

b. Weibliche. 

Jö Brägen, der Brägen, engl, brain, brains^ nd. Brägen; jö BU* 



gm, dän. en Blegn» Bläschen» filaUer, engl a blain; }ö Ellen, 
die Elle, nd. en Abi, engl, an eil, dän. en *Alen: jö Fmmen, das 
IBdchen, das engl, woman; jö Lägen, die Lüge, dän. Lögn, nd. 
Ugen: jö MSUeUj die Mühle, engl, a mill; jö Stauwen, der Sta« 
ÜBi, dän. Stavn, der Standort des Hauses mit dem Warf und Gar- 
ten, a.s*w.; jö Wannen^ i.die Wunde, S. als Verwünschung oder 
FfaiGh: datdede Wünneni: jö NUken, die Nelke. 

c. Sächliche. 

. Dit jilhen, dän. en AUike, die Dohle, daher; dat udlkenier, 
der Giebelerker, wo sie früher oft nisteten. Dat j/iken^ das Ei- 
chen^ eine eiförmige Riechbüchse; dät Backen, das Becken; dat 
Däkem, die Pferdedecke; iRi Gagen, der Nutzen, dän. Gavn; dat 
flogen, das Stuhlkissen, dän. en Hynde; dat Kopken, diminutiv, 
die Tasse, das Tässchcn; dat Laoten, das Laken, dän. Lagen , 
wie in Rklaaken , dän. Sparlagen , Bettvorhänge an messingenen Rin- 
gen , die auf einer wagrecht ruhenden Stange vor- und zurückge- 
sogen werden; dat Sägen, die Sage, dän. Sagn: dat Sicken, der 
Seufzer, dän. et Suk, engl sigh; dat Swälken, das Schwälbchen, 
engl* swallow; dat Tieken^ das Zeichen, nd. dat Teken, dän. et 
Tegn, engl token; dat Waapen, das Wappen, dän. Yaaben; dat 
Wisen, das Wesen, dän. et Vasen, 1. das Wesen als wirklich Sei- 
endes, 3. viel Wesens von etwas machen; dat Saaken, nom. coU. 
für Vieh und Sachen; dat Sihs$en, die Seide; dat Shrdbilken, 
die Maske, Larve, auch der Haubenstock; dat oder jö' Wolken ^ 
die Wolke, das engl, welkin. 

« 

Mit der Endung er, 
a. Männliche, 

%. 35. De Aadler, der Adler; de udhker^ der Anker -— ; de 
BoUer, eine gewundene Rennkerze aus Wachs oder Talg; de Brauh' 
9er, der Bruder, nd. und dän. Broder, engl, brother; de Datüer, 
der Thaler, nd. Daalcr , dän. en Däler, 2. der Dotter im Eie; de 
DrSnker, der Säufer, dän. en Dranker, engl, drunkard; de Doffer, 
der Tauber, Tauberich; de Eher, der Acker, dän. en Ager, engl, 
acre; de Däger, der Decher, dän. et Degcr, engl, a dicker; de 



^j,.tt 



62 

Fitjnger, der Finger; de Fidder, der Vater, dän. Fäder, nd. Faa* 
der, engl, father ^ ; de FäJiser, die Feder, dän. Fjeder, nd. Fed« 
der, engl, feather; de G^rder, der Brotsehieber; de Hämmer, der 
Hammer; de Hunger ^ der Henker; At Haller, der Heller; de Hor 
ger, die Trespe (Bromus secalinus L.), dän. Heire; de Jäger, der 
Jäger, dän. und nd. — ; de Junker, der Junker; de Jcrder, der 
Hirte, dän. en Hyrde, das engl, herd in: herdman und shepherd; 
de Kaiser, der Kaiser; de Kaper, der Kaper; de Kuffer^ der Euf- 
fer; de Könker, der Kanker; de I^ogter, die Leuchte; de Läper, 
der Knicker, Schüsser, das Schnellkögelchen; de Mahner, richti- 
ger: de Marmel, das Marmelkiigelchen zum Spielen für Knaben; 
de Mäister^ der Meister, nd. — , dän. Hester, engl, master; de 
Moser, der Mörser; de Mäjdder, der Mäher, dän. en Maier; de 
Nummer, die Nummer, engl, number; deiVoniMT, der Nenner, und 
de Teller, der Zähler in Brüchen ; de Ömmer, der Eimer; de Prester, 
der Priester, dän. en Präst, engl, priest; de Rächer, dän. Racker, 
der Schinder; Ae Racker, ein Scheltwort, ddn groUe Racker, du 
grosser Rekel , Lümmel; deRidderf i.der Reiter, 2. Ritter, 5. das 
Reitpferd, als: de Shdmmel as en gauhsen Ridder, der Schimmel 
ist ein gutes Reitpferd, lässt sich gut reiten; de Rütter, der Reu- 
ter, dän. en Rytter, im Militair; de Sdmmer, der Sommer; de 
Sndjtter, der Tischler, eigen tl. Schnitzer, dän. Snedker (Snitker); 
de Sötter, das latein. sutor , der Schuster ; de Shjärder , der 
Schnitter; de Shrüjdder , der Schneider ; de Thaser , der Buch- 
weizen; de Tjaaler, der Keller; de ürder, der Erpel, Enterich, 
nd. de Wort; de Wonter, der Winter; de Wihsser, der Weiser, 
Zeiger, nd. und dän. Viser; de Edder, die Ader; de Tunner, der 
Donner, nd. — , engl, thunder; de Kämmer, die Kammer, nd. 
und dän. — , engl. Chamber; de Swaager, der Schwager, nd. — , 
dän. Svover; de Gönner, der Ganser, nd. Ganner, engl, gander; 
de Höker, der Höcker, Trödler, engl, huckster; de Ringster, der 
Läuter, dän. en Ringer, engl, a ringer; de Ränster, der Renner; 
de Faarränster, der Vorrenner, der gleich nach der Predigt aus 



< De Fidder, der Vater, und jö Mudder, die Mutter, sind die 
Namen der Eltern in Beziehung auf ihre Kinder; in der Anrede 
nennen die Kinder den Vater: Thäie, Tajte, Babbe, und die Mut- 
ter: Mdmm, Meem oder Memm. 



. 63 

der Kirche rennt ; de Kummer, der Kummer» nd. und dän« •--•» 
cnglt cumber; de OUer, die Otter, dän. en Odder, nd. — » engl 
•an Otter; de Bqjter, der Böttcher, nd. — « dän. Bödker; de Klanh 
mer, der Klauer; de Klöwwer, der Klaustab; de Stämper, der La- 
destock, Stampfer; de Pulsher, die Störs tange, mit der man die 
Hechte ins Netz treibt; de Phsrnper^ dasselbe, auch Plumpstock, 
Springstock 9 mit dem man über die Wassergräben springt; de 
Trägter, der Trichter, dän. en Tragt; de Nager, der Neger, nd. 
und dän. — , engl, negro; de Fäger, ein rechter Feger, der was 
los machen kann, dän. en feiendes Fyr; de TwUier, ein flinker 
Bur^he, dän. en flink Fyr (1. für);- de Täter, der Zigeuner, dän. 
Täter; de^Se^^^, die Setze, ein irdenes Hilchfass; de Juler, der 
Stellmacher, von dem dän. Hjul^ das Rad; de udsher, die hohle 
Schaufel; de Gkuuer, der Glaser; de Wönräjdder, wörtlich: der 
Wahnräther, der immer solche Dinge unternimmt, die mislingen 
und keinen Nutzen gewähren, vielmehr meistens Schaden bringen; 
de Shullerj die Schulter, nd. Schuller, dän. Skulder, engl, shoul- 
der; de Koller, der Koller der Pferde; de Wupper, ein Besen 
zum Abfegen der ausgedroschenen Aehren^ 

b. Weibliche. - 

Jö Modder oder Mudder, die Mutter, nd. und dän. Moder, engl, 
mother; jö Modder, die Muhme; jö Lädder, die Leiter; jö Liw- 
wer, die Leber, engl, liver; jö Böhser, die Butter; jö Dogter, nd. 
Dogter, engl, daughter; jö Söster, nd. und dän. — , engl, sisler; 
jö Shaier, die Schere, nd. Sheer. 

c. Sächliche. 

Dat Famer ^ das Futter für das Vieh , 2. Unterfutter; dhi Bimser, 
das Ruder; dat Taller, der Teller; dät u/ller, das Alter, dän. en 
Alder; dat Edder, der Eiter; dat Häier, das Haar, nd. und dän. -— , 



* In einigen von Zeitwörtern abgeleiteten Substantiven auf er, 
steht st vor der Endsilbe, als: de Bingster, der Läuter; de Bing- 
sterSnne, der Abend des Grabgcläutes; de Bänster , s. oben; de 
Wäwster, der Weber; de Trölster, der Zauberer, von trölen, zau- 
bern. Diess sind altcrthümliche Formen, aus ringen, ränen, 
weewen und trolen; die regelmässigen Bildungen müssten : de Bin- 
ger, Bäner, Wäwer und Tröler heissen. 



64 

engl, hftir; dat iädder, das Euter, nd. Jüdder, engl, uddei*; di 
Jüoker, die Gerte > das Reis; iAiKloMer, dentseh, nd« und dän. •— » 
engl, cloister; dit Lmiger, i.das Lager, dän. et Leie, zum Lie- 
gen und Ausruhen, 2. Feldlager, dän. en Leir, 5. Waarenlager; 
dit Zaster, das Laster, dän. en Last; dat Läkser^ das Leder, 
engl, leather; dat Luder, das Luder (Aas); dat Jltkis^, das Mu- 
ster, dän.. Mynster; dat Muider^ der Sehlamm, Moder, dän. Mod- 
der; dat Öfer, das Opfer, dän. et Offer; dat Ömer, das Ufer; dat 
Bähser^ ein einjähriges Kalb; dat Twnmer, das Zimmerholz; dat 
Tifimery der Zunder; dat Wäheer, das Wasser, nd. Waater, engl, 
water; dat Wähmr, das Wetter, nd. Wädder, engl weather« 

§. 36. Folgende haben die Endung tm, als: de Äirem, der 
Ann, — ; de Baisem, der Besen, nd. -- engl, besom; de Btm- 
eem, 1. der Yiehstali, 2. der Boden eines Gefässes; ;de Hmtlem^ 
der Holm, kleine Insel, auch in Ortsnamen, als: Lindholm, Oek- 
höhn, Stockholm, Bomholm u.s.w.; de Stierem, der Geruch; de 
Sfrierem^ der Schwann, nd. — , engl, swarm, dän. s?ärm; de 
Tärem , der Darm , dän» Tarm ; jö Blossem , die Müthe , engl, 
blossem; jö Fäihsem, der Faden, als Maass, engl, fttthom, dän. 
en Favn; jö Gässem, die Gäspe; dat Hulem, das Langhalm, Lang** 
Stroh, engl» halm. 

§. 37. Einige haben die Mehrheits-Endung ere in der Einheit, 
als: de Wäfisere, der Hammel, das deutsche Widder, das dän. 
Väder , und das engl, wether , welches ganz dem Friesischen ent- 
spricht; de Käsere, der Kater, nd. Kaater; de Fasere, der Ge- 
vatter, dän. Fadder; richtiger wäre aber: de Wähser, de Käser 
und de Faser; so wie de Släujnner, der Leuchter. Einigen 
giebt man gar die Endung ne in der Einheit, wie z. B. de Wad- 
deme , der Wittwer ; de Wdnseme , die Schnellwage ; de PätOeme ^ 
der Wiesbaum; de Hijnseme, d^ Brunnenschwengel; de Unneme, 
das Mittagessen ; hier wäre: de Wadder , deWanser, dGP(nUer,de 
Hijnser und de Unner auch richtiger ^ 

* De Hijnserfie kommt zusammengesetzt vor in: Hijnseme fjöeh; 
dieses besteht aus einem in die Erde gestellten Balken , in dessen 
oberem Ende eine gabelförmige Vertiefung ist, in welcher der 
Schwengel (de Hijnserne) auf einem Bolzen , als seiner Axe , ruht , 
an dessen Hinterende em schwerer Klotz angebracht ist , und an 
dessen Yorderende sich die Brunnenstange (de Shäwringe) befindet. 



65 

§.38. Auf ense, ent, ed, et, und ert, als: de Fierense, die 
Ferpe, nd. de F^rens; de Grötlense, die Grösse; de Tjockense, 
die Dicke; de Lkkense, die Aehnlichkeit, Gleichheit; de Hukense^ 
die Halbscheid; dat Aatoent, die Schnürbrust; dat LäwetU, das 
Leben; jö Jöged, die Jugend; jö Döged, die Tugend; jö Hoged, 
das Wohlgefallen an etwas; jö Blöged, von blög' (blöde), die 
Schaam, die Schäme; de Faaged, der Vogt, dän. Faaged; dat 
ifu^e^ , die Anhöhe ; dät Lät^e^ , die Niederung ; jö u/nert , die 
Ente ; dat Läneri , die Leinwand. 

§. 39. Auf ig und t^^ , ir und ter und tun endigen sich fol« 
gcnde, als: de Bäirig , der Berg, dän. et Bjerg, nd. de Barg; 
de Bielig^ der Balg, in: Blaasbielig , Blasebalg; de Gulig , der 
Galgeu; de Hallig, der Hallig, kleine flache Insel; jö Furrig, die 
Furche, dän. en Furre, engl, furrow; jö Spärrig , der Sperling , 
dän. en Spurre (Spurve), engl, sparrow; jö Swällig (Swielig), der 
Schlund , das deutsche Schwalch , dän. et Svälg ; dat Fällig oder 
Fulig , Brachfeld , von fälligen , fuligen , fieligen , brachen , engl, 
fallow-field ; dät Märrig , das Mark, dän. Mary, engl, marrow; 
dat Tulig , der Talg , engl, tallow ; jö Merrigt , das Mensch , die Metze ; 
de Berrigt, die Ernte; ir oder ier kommt vor in: Lägenier, der 
Lügner , und in : uilkenier , Erkcrgicbel ; inn , wie im Deutschen , 
als Kinninginn, Königinn, Kaiserinn, Hierltiginn, Herzoginn, Grä' 
winn oder Graawinn, Gräfinn, von de Graaw, u. s. w. ; diese 
Silbe ist im Dänischen inde, als: Grä winde, Keiserinde, u. s. w. 

§. 40. Die Endsilbe ing treffen wir in: de Kinning , der Kö- 
nig, altdän. en Konning, engl, king; de Wuhstring , die Speise- 
röhre, das Geschlinge; de Gäsing , alles, was einem eben passend 
ist, was man gerade gebrauchen kann; jö Nöstring , die Nüster, 
engL nostril; jö Tenning , die Schläfe, dän. en Tinding; jö TihS' 
sing, Nachricht, Zeitung, dän. en Tidende, engl, tidings; jö 
Gräwing , ein breiter und tiefer Graben um den Warf, 2. ein 
Bach im Risummoor, der die Feld- oder Landscheide zwischen 
dem Oster- und Westermoor bildet ; jö HijUing , das Geheiss ; jö 
Löwring, die Gewitterschwüle; jö Lühssing , die Ohrfeige, dän. 
en Lusing; jö Slaingring, eine kleine Schlucht im Wagengeleise; 
jö Gräsing , ein kalter Schauer, das Grausen; de Pänning , der 



68 

§. 46. Die Endung eise kommt in folgenden Wörtern vor, als; 
de Tächelse, die Deichsel; de Tünnelse, die Geschwulst; de Räjdd' 
ehe, das Räthsel; de Läpelse, i.das Laab, Rinnsal, 2. das Durch- 
laufen der Pferde, als: da Hdjnste luppe Läpeke, die Pferde lau- 
fen durch, dän. löbsk , adj. läufisch; de Gräpelse, die Grapse, io 
ßräpelse smitten, in die Grapse werfen, z. B. eine Handvoll klei- 
ner Münzen; da Häckelse, pl. oder coli, das Häcksel, der Häcker- 
ling; dät Spaukelse, das Gespenst, dän. et Spögelse, (dat Spauk 
ist der Spuck, das vcrbum spaukeln); dät Röckelse, der Rauch, 
als Mittel zum Räuchern, wie in Königsrauch, Weihrauch, Räu- 
cherpulver; dat Smokelse, dasselbe; dat Stdrkelse, die Stärke, 
der Amidam. 

§. 47. ^ Die Nachsilbe häidy deusch: heit und keit, dän. hed, 
engl, hood und head, steht für heit und keit im Deutschen, als: 
jö Monnhäid , Mannheit ; Krdstenhäid , Christenheit ; Njölhäid , 
Schwerfälligkeit; Plumphäid; Drieghäid, Verschlagsamkeit , dän. 
Dröihed, nd. adj. dreeg; jö Föhlhäid, die ßosheit; Wälighäid,si«!t\i 
an Kräften, die Wäligkeit; Krönkhäid, Krankheit; Sünnhäid, Ge- 
s'jndheit, dän. Sundhed; Mälhäid ^ Tollheit, nd. Mallheit; Fast' 
häid, Festigkeit; Batterhäid, Bitterkeit; Dristighäid, Dreistigkeit; 
Dasighäid , Albernheit, Verrücktheit; Äienhäid, Eigenheit; Sdl- 
tenkäid; so auch aus: rien, rein; tagt, dichl ; jurtk, dunkel; frish; 
rüeh, rauch; fri, frei; dgt, echt; blög', blöde; wigtig; kier, kür, 
kürisch, dän. kräsen; laai, faul, träge; trat, müde. dän. trat, 
u. s. w. 

§. 48. Bildung des Hauptwortes. Das Hauptwort wird be- 
sonders aus andern Hauptwörtern, Bestimmungs- und Zeitwör- 
tern gebildet, jedoch hin und wieder auch aus andern Wör- 
tcrklassen, z. B. dät Twdnling ^ von twdnne, zwei; de 3Jäister, 
von mäst, meist; ijn, gegen, de Jjnnc, das Ende; daht, nieder, 
dät Baal, das Thal; döhr, durch, jö Bohr, die Thür, u.s. w. 

Hauptwörter aus andern Hauptwörtern durch die Silbe er. Jö 
Meilen, de Meiler, die Mühle; de Fash, de Fdsher, Fisch; de 
Häujdd, de Häujtter, der Hut; dät Glees, de Glaaser, Glas; dät 
Shdpp, de Shdpper, das Schiff; jö Eesh, de u/sher, die Esche; 
jö Wüppf de Wupper, die Aehre; jö Kutsh, de Kiitsher; de Senne, 
de Senner, die Sünde; de Rieme, de Riemer; dät Krämm, de 



6d 

Kriemmer, der Kram; dat Shä/i^l, de Shmler, die Schule; jö 
Pott, de Pqjtter, der Topf; jö Döww, de Doffer^ die Taube; dat 
Lmjnn^ de Zäujnner, das Land; de Paurte, de Paurtner, die 
Pforte; de iMcfc, de Dicker^ der Deich; de Drönk, de Drönker, 
der Soff, Gesöff; dat Fäl, de Faser, die Schüssel; jö Grauf, de 
Grauwer, der Graben; jö fä^^, de Käser, die Katze; jö üT/aiv, de 
Kldwer, die Klaue; jö JiT/ota', de Klöwwer, die Klaue; jö^/^ft, 
deKlöcker, die Glocke; de iST/ät, de Kläier, der Klei, Marscherde; 
de Kraug, de Krauger, der Krug: jöitfdi/^^, deMajdder, die Math; 
de Maurd, de Maurder, der Mord; de JVjo^«, de Mjogser, der Mist, 
Koth; jö Nägty de Nägtert, die Nacht; de Plaug, de Plauger, 
der Pflug; dat i^o^^, de Rögter, das Recht; de i{u&, de Ruker, 
der Diemen, Schober; de S/rö^, de Shöter, der Schuss; dat5/{i&6, 
de Slubber, Koth; jö iSM^/, de Shüllner, die Schuld; jö Spor, 
de Sporer, der Spoor oder Sporn; de Toll, de Töller, der Zoll; de 
Trol, de Trölster; jö W^aö^^ de IFo^fer, die Wacht; de Büttel, de 
Buttler y die Büttel; jö Gichel, de Gichler, die Geige; dat Zvjdd, 
de LVfjdder, d^as Loth zum Löthen; de Shänse, de Shänser, die 
Schanze; de Ajl, de Illger, der Aal'. 



* De udsher^ ursprüngl. eine hohle Schaufel aus Eschenholz, 
welche jetzt auch aus anderm Holze diesen Namen führt. Die 
Esche hies^ weiland jö uish, und noch jetzt im Dänischen en 'Ask. 
De Läujnner, der Länder, kommt, wie im Deutschen, nur in Zu- 
sammensetzungen vor, wie z. B. de HolläMJnner, GräinläMJnner , 
Jüttlöujnner, De Shauler ist aus dem älteren Worte Shaul ge- 
bildet, das auch noch jetzt in mehreren Gegenden gebraucht wird. 
De Fahser, gewöhnlich Fahsere, ist buchstäblich: der Fasshalter 
bei der Taufe. Dat Fat, das Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän. 
Fad, ist im pl. da Fähse, und da, weinigstens vormals, die Kin- 
der meistens im elterhchen Hause getauft wurden , so musste 
einer der Taufzeugen das Fass oder die Schüssel halten, daher 
die Benennung, woraus sich zugleich das dänische und plattdeut- 
sche Fadder und das hochdeutsche Gevatter erklärt. — De Grau- 
wer, von Grauf, ist nur der Gräber, welcher die Gräben zwischen 
den Aeekern imRisummoor reinigt, sonst Grewer, Gräwster, Kläier, 
von grSwen, oder Kläi, — De Klöwwer, der Klaustab, unten mit 
einer eisernen, breiten Doppelklaue beschlagen, um das zu tiefe 
Eindringen in den Schlamm zu verhindern. — De Mjogser ist 1. 
der Ausmister, 2. der Sudler. — De Nägtert, das Abendessen, 
Nachtessen; de Ruker, der den Diemen oder Schober setzt; de 
Jllger, der Aalstachel, die Aalpricke, ist eine unregclmässige Wort- 



70 

Fdsher , Dicker , Grauwer, Kläier, Blauger , huker , LUßder^ 
Gichler, Sfiänser y B4gter sind aus den Zeitwörtern: fäsheu, 
fischen; dicken, deichen; grauwen, graben; kläien, kleien; pUm- 
gen^ pflügen; ruken, diemen, schobern; Ulidden, löthen; gicheln, 
geigen; shänsen, schanzen, und ragten^ richten, gebildet worden, 
diese aber wieder aus den yorstehendeo Substantiven. Bei den 
meisten dieser abgeleiteten Wörter^ ei*giebt sich die Bedeutung 
derselben aus ihrem Stamroworte, als: Müller^ Fischer, Glaser, 
Schiff er , Kutscher , Sünder , Riemer ^ Krämer, Schüler, Töpfer, Tau- 
ber ^ Länder y Pförtner, Deicher, Säufer, Kater, Glöckner, Krüger, 
Mäher, Mörder, Pflüger, Richter, Schütze^ Schuldner, Sporer, ZcU- 
fter, Zauberer, Wächter, u. s. w. 

§. 49. Aus Hauptwörtern vermittelst der Silbe ling , linge : 
Bat Hütt, de HüttUng; de Tome, de Tömling; da Fßjtt, de F^jU- 
Kng^ und da FßjUlinge; dät Haad, da Haadlinge; dät R^, de 
Bünling; jö Gaus, jö Gähsling; d&t Rep^ de Ripling; jö Feesl, 
^ jö FeestUng; de Bajtte, de B^ßtlinge; jö Naas, jö Ndstring; dät 
fjti, dät IjlHnge; de 'Alk, de AlUring^, 

§. 50. Bie §. 44 vorkommenden Wörier auf duhm und shapp 
sind auch grösstenheils hauptwörtlicher Abstammung; bei duhm 
sind bloss Hilligduhm und Aienduhm von Adjcctiven abgeleitet: 
unter shapp nur die mit schwanger, eigen, gefangen und ge- 
mein gebildeten. Burch die Silbe häid lassen sich nur folgen- 
de vi^r aus andern Häuptwörtern bilden, als: Monnhäid, Mann- 



bildung iius Ajl,A.ev Aal. — Bie. Aalquappe, Aalraupe (Gadus Lotti), 

so wie die Aalmutter (Kennius viviparus), heissen beide ÄUemud- 
der, weil man sie für die Mütter der Aale gehalten hat, und der 

Blutigel (Egel) ist de AileUtter, wörtlich der Aalbeisser. 

* Bat Hütt, derBeckel, z.B. eines Pfeifenkopfes, die Wurzel zu 
dem deutschen: Hütte; de HüttUng, der lederne Ueberzug ei- 
nes verletzten Finders; Tömling, Bäumling, ein solcher für den 
Baumelt; da FäjUhnge, i. pl. von Fäjttling, 2. Fussende des Bet- 
tes; da Haadlinge, zuHäupten; Feestling, Fausthandschuh ohne 
Fingerlinge; de Bajtte, das Bischen, de RHjUlinge, gleichsam die 
Bischen, d. i. Umzugsgut; dät fjl, das Feuer, dät Ijllinge, die 
Feuerung; 'A/A;und ' Allring sxnA beide: der Btis. — Bie Verkldnc- 
rungen auf ke, te, ken, Jen, siehe §. 42 und 45. 



71 

heiA; Krd^mhäid , Christenheit ; JlfdiMAAäid, Menschheit, und Shälh- 
hm, Schalkheit. 

§. 5i. Mehr oder weniger unregeknässige Wortbildungen sind 
unter andern folgende, als: jö Brajdd, de Bridgome^ der Bräuti- 
gam; jö Bjärst, de Bjärsel, die Borste und die Bürste; jö Dar 
•oder Döhr^ de Dömsh-Thür, Stube; jö Gaus, de\Gmner, Gans 
und Ganser; dät Hüss, de Hühs, das Haus und das Heim» dan. 
et Hjem, engl, home; de Smdss, jö Smahs^ der Schmied und die 
Schmiede, dän. en Smed und en Smedie; dat Klüss, da Khhse, 
das Tuch und die Kleider; dat Lass, das Glied, Gelenk, da Lähse, 
die Gliedmassen; auch in ügenlass, Augenlied, und Önlass, Ant- 
litz; dat jRd, die Reihe, Zeile; dät Back, der Riechel, Schüssel- 
brett, u. 8. w.; de Mann, de Mäjnte, der Mann, Männchen; de 
Sahn, Sänke, Sohn und Söhnchen, dän. Sön und Sönike, nd. 
Sönken; jö Wähs, de Wadder (Waddeme), Wittwe und Wittwer; 
jö Dögter, die Tochter, Dcjüe, Töchterchen; dat uis, oder AoB, 
dät Ais, das Aas, als Schimpfwort in: Baawenäis und Aasknaake. 
Diess sind die wesentlichen Wortbildungen des Hauptwortes aus 
seines Gleichen; die übrigen stammen meistens von Bestimmungs- 
und Zeitwörtern ab. — Die Endungen ent, ert, ew, und ep kommen 
nur in einzelnen Wörtern vor, wie in: Aawent, Läwent, jö udnert, 
die Ente; dat Länert, die Leinwand; dat Kulew, das Kalb; dat 
Sulew, die Salbe; dat Hänep, der Hanf, und dat Sanep, der Senf. 
§. 52. Hier mögen, bevor wir die Bildung des Hauptwortes 
weiter verfolgen, einige Stoff- und Mengenamen ihren Platz fin- 
den , als: a. Sloffnamen : jö Böhser , Butter; dat Brüjd, Brot; 
Saihs, Käs, Flash, Speck, Smar, Schmalz; Tulig, Wägs, Liem, 
Eßlk, Kritt, Kreide; Step, Seife; Gäujll, Selwer, Kaawer, Blie, 
Mudder, Slubb, SlSmm, Slimm, Schleim; Glees, HöU, Haum, 
Stajlly Staal, Tan, Zinn; Swaawel, Allöhn, Sätytt, Russ; UU, 
Wolle; Flägs, Bräi, SHjnn, Lähser, Shdnn, Tjaare, Pack, märt, 
Harz; Knaake, Gnustel, Knorpel; Sulew, Piaaster, Burkj Borke 
oder Baumrinde; Starkelse, Limm, Leim; Buhmme, der Rahm; 
Molke, Lieh, Teig; SnHe, Nasenschleim; Eesh, Asche; Swämp, 
Maus, Sierp, Kitt, Dünn, Daunen; Swiert, Kienruss; Söwwel, Schmilz, 
Butter, Fleisch und Speck zum Brote, u. s. w. — b. Mengenamen: 
da Paingsdege, die Pfingsten; da Aune, die Buttermilch; d& Kndp^ 



70 

Fdsher , Dicker , Grauwer, Kläier, Piauger , Ruker , Li^dder^ 
Gelder, Shänser , Bogter sind aus den Zeitwörtern: fäsheu, 
fischen; dicken, deichen; grauwen, graben; kläien, kleien; pUm- 
gefi, pflügen; ruken, diemen, schobern; Uljdden, löihen; gicheln, 
geigen; shänsen, schanzen, und regten, richten, gebildet worden, 
diese aber wieder aus den Torstehendeo Substantiven. Bei den 
meisten dieser abgeleiteten Wörter^ ergiebt sich die Bedeutung 
derselben aus ihrem Stammwortes als: Müller, Fmher, Glaser, 
Schiffer , Kutscher , Sünder , Riemer , Krumer, Schüler, Töpfer, Tau- 
ber, Länder, Pfortner, Deicher, Säufer, Kater, Glöckner, Krüger, 
Mäher, Mörder, Pflüger, Richter, Schütze, Schuldner, Sporer, ZoU- 
ner, Zauberer, Wächter, u. s. w. 

§. 49. Aus Hauptwörtern vermittelst der Silbe ling , linge : 
Dat Hütt, de Hüttling; de Tome, de Tömling; da Fqjtt, de FüjU- 
Ungt und da FäjUlinge; dat Haad, da Haadlinge; dät B^, de 
Bißnling; jö Gaus, jö Gähsling; dat Rep^ de Repling; jö Feest, 
jö FeestUng; de Bajtte, de Bä^tlinge; jö Naas, jö Nästring; dat 
Jdll, dät Ijllinge; de 'Alk, de Allring ^, . 

§. 50. Die §. 44 vorkommenden Wörier auf duhm und shapp 
sind auch grösstenheils haupt wörtlicher Abstammung; bei duhm 
sind bloss Hilligduhm und Aienduhm von Adjectiven abgeleitet: 
unter shapp nur die mit schwanger, eigen, gefangen und ge- 
mein gebildeten. Durch die Silbe häid lassen sich nur folg^- 
de vf^r aus andern Hauptwörtern bilden, als: Mönnhäid, Mann- 



bildung ^us Ajl,dev Aal. — Die. Aalquappe , Aalraupe (GadusLotü), 

80 wie die Aalmutter (Blennius viviparus), heissen beide Äüemd' 
der, weil man sie für die Mütter der Aale gehalten hat, und der 

Blutigel (Egel) ist de Ailebitter, wörtlich der Aalbeisser. 

* Dat Hütt, der Deckel, z.B. eines Pfeifenkopfes, die Wurzel zu 
dem deutschen: Hütte; de Hüttling, der lederne Ueberzug ei- 
nes verletzten Finders; Tömling, Däumling, ein solcher für den 
Daumen; da Fäjtthnge, 1. pl. von Fäjttling, 2. Fussende des Bet- 
tes; da Haadlinge, zuHäupten; Feestling, Fausthandschuh ohne 
Fingerlmge; de Bajtte, das Bischen, de Bi^ttlinge, gleichsam die 
Bischen, d. i. Umzugsgut; dat ](jl, das Feuer, dät ](jllinge, die 
Feuerung; 'Alk und 'Allring sind beide: der Iltis. — Die Verkldne- 
rungen auf ke, te, ken, jen, siehe §. 42 und 45. 



71 

heid; Krdsienhäid, Christenheit; Mwnshhäid, Menschheit, und Shälh- 
häidy Schalkheit. 

§. 5i. Hehr oder weniger unregehnässige Wortbildungen sind 
unter andern folgende, als: jö Bräjdd, de Bredgome, der Bräuti- 
gam; jö Bjärst, de ßjarsel, die Borste und die Bürste; jö Dar 
'Oder Döhr^ de Dörnsh-Thür, Stube; jö Gaus, de^Gönner^ Gians 
und Ganser; dät Hüss, de Hühs, das Haus und das Heim, dän. 
et Hjem, engl, home; de Smdss, jö Smahs^ der Schmied und die 
Schmiede, dän. en Smed und en Smedie; dat Klüss, da Kluhse, 
das Tuch und die Kleider; dat Lass, das Glied, Gelenk, da Lähse, 
die Gliedmassen; auch in Ugenlass, Augenlied, und Önlass, Ant- 
litz; dat Rd, die Reihe, Zeile; dät Rdck, der Riechel, Schüssel- 
brett, u. 8. w.; de Mann, de Mäjnte, der Kann, Männchen; de 
Sähny Sänke, Sohn und Söhnchen, dän. Sön und Sönike, nd. 
Sönken; jö Wähs, de Wadder (Wadderne), Wittwe und Witt wer; 
jö DogieTy die Tochter, Däjtte, Töchterchen; dat u/s^ oder Ans, 
dät Äis, das Aas, als Schimpfwort in: Raawenais und Aasknaake. 
Diess sind die wesentlichen Wortbildungen des Hauptwortes aus 
seines Gleichen; die übrigen stammen meistens von Bestimmudga- 
und Zeitwörtern ab. — Die Endungen ent, ert, ew, und ep kommen 
nur in einzelnen Wörtern vor, wie in: Aawent, Läwent, jö uinert, 
die Ente; dat Lauert, die Leinwand; dat Kulew, das Kalb; dat 
Sulew, die Salbe; dat Hänep, der Hanf, und dat Sänep, der Senf. 
§. 52. Hier mögen, bevor wir die Bildung des Hauptwortes 
weiter verfolgen, einige Sto£f- und Mengenamen ihren Platz fin- 
den , als: a. Sloffnamen : jö Böhser , Butter; dat Brüjd , Brot; 
SaihSy Käs, Flash, Speck, Smär, Schmalz; Tulig, Wägs, Liem, 
Kfllk, Kritt, Kreide; Siep^ Seife; GäujU, Selwer, Kaatver, Blie, 
Mudder, Slubb^ Slömm, Slimm, Schleim; Glees, HöU, Hau/m, 
Stäjllj Staat, Tan, Zinn; Swaawel, Ällöhn , Säujtt, Russ; Uli, 
Wolle; Flägs, Brät, Stijnn, Lähser, Shdnn, Tjaare, Pack, Hjä/tt^ 
Harz; Knaake, Gnustel, Knorpel; Sulew, Piaaster, Burk, Borke 
oder Baumrinde; Starkelse, Limm, Leim; Ruhmme, der Rahm; 
Mölke, Dieh, Teig; Snöte, Nasenschleim; Eesh, Asche; Swämp, 
Maus, Sierp, Kitt, Dünn, Daunen; Swiert, Kienruss; Sotmi^«/, Schmalz, 
Butter, Fleisch und Speck zum Brote, u. s. w. — b. Mengenamen: 
da Paingsdege, die Pfingsten; da Anne, die Buttermilch; da Kndp" 



72 



linge, die Spitzen, Kanten; da Beere, die Gebebrden, alle im piur.; 
dat Gyl, das Geld; dät Grüss, Gries; dät Gjärs, dRi Krüdd, Schiess- 
pulver; dät Sifjd, Gesäme; da u^gne, pl. die Spreu; dat Vntjog\ 
Ungeziefer; dät Groot, Grütze; da Grubene, die Graupen; da Träme, 
beim Weben; da Wäwle, pl. der Webstuhl, u.s. w. 

§. 55. Bildung des Hauptwortes aus dem Bestimmungsworte, 
mit der Endung e und de, als: 



lick, gleich, de Licke. 
kmyl, kalt, de Kolle, 
«idi, nahe, de Näigde. 
lang, lang, de Ldingde. 
kaurt, kurz, de Kaurte. 
widdy weit, de Widde, 
fiar, eng, de Närke. 
stall, still, de Ställe, 
gwujdy gut, de Gause, 
diep, tief, de Diepde. 
slojgt, schlicht, de Slqjgte, 
lief, lieb, de Uewde, 
drögh, trocken, de Dröghde. 
främd, fremd, de Främde. 
hug, hoch, de Hugde, 
läig, niedrig, de Läigde. 
wriess, böse, de Wrehse. 
junk, dunkel, de Junk^. 
Ijägty licht, de I^ägte, 
rien, rein, de Riene, 



blick y bleich, de Blicke, 
worm, warm, de Wärmdc. 
läi, lau, de Laie, 
licss, leid, de Licsc. 
g6w, schnell, de Gawe. 
shrädd, schräg, de Skrädde. 
neesh, zart, de Neeshe. 
rögt, recht, de Rogte. 
fipp, reif, de Rippe, 
wass, gewiss, de Wassc. 
wäjtt, nass, de Wßjtte. 

Auf ense. 

de Fiercnse, die Ferne, 
de Grottense, die Grösse, 
de Lickense, die Gleichheit, 
de Tjockense, die Dicke. 

Auf eise. 
de Trinnelse, die Runde. 



§. 54. Ohne bestimmte Endungen: 
bück, bleich, jö Blick. shu, scheu, jö Shu. 



sicr, wund, weh, jö Sierk. 
kijtt, heiss, de Hdjtt. 
briß, breit, de Br^jt. 
seeft, sanft, jö Seeft. 
hukw, halb, de Hdllewt, 
uk, weich, jö Uk. 
Uck, leck, de Lack, 
plät, platt, jö Plät, 



dajdd, todt, de Düss. 
wäir, wahr, de Wjärd. 
wjart, werth, de Wjärt. 
sSgt, seicht, dat Sägt, 
rögt, recht, dät Bogt, 
nai, neu, dät Näis. 
diep, tief, dät Diep. 
shör, steil, dät Shör. 



75 

miiU, nass» de Wäjt. Uig, leeg, dftt Laigeis 

lick^ gleich 5 dat lAckniss. i{;M, alt\ dftt u/2fer* 
swänger, schwanger, dat Swän- irm, arm, jö Ermäiujd. 

gershapp. gemien, gemein, Gemiemha/pp^ 

surr und sörr, sauer, de 5ur* hol, hohl, dat Haaüng. 

ring und de Sorring, krumm, krumm, jö Kronrng. 

blög, blöde» jö Blöged. üwen , s. die Anmerkung« de 

jung, jung, jö /oge(i. Äiwner^, 
hug', hoch» dat fiu^e^. 

» 

§. 51^. Auf ^omI endigen sich folgende , als : bliek « bleich , 
Uass, jö Bliekhäid; Unn^ dünn, jö Tennhäid; hall, hell, jö HaU- 
häid, u. s. w. Auf dieselbe Weise werden aus nachstehenden Ad- 
jectiven Substantive gebildet, als: 8p<iss, spitz; /bU> voll; 0110011» 
sachte; lick, gleich; äien, eigen; frdck, frech; wiss, klug, weise; 
hdrd, hart; nc^^, genüglich; swäck, schwach; glöbsh, ungestüm, 
grimmig, dän. glubsk; hillig, heilig; glatt, knäp, knapp, genau, 
kaum; suhrt, schwarz; tasig, gricklich; fug, bange; fähg, feige; 



^ Die aus Adjectiven gebildeten nicht persönlichen Hauptwörter 
auf e, sind alle weiblich, als: die Kälte, Nähe, Länge, Kürze, 
Weite, Enge, u. s. w. , die friesischen dagegen alle männlich. De 
Cause wird so gebraucht; äujn 'e Gause, in der Güte; de Lteke: 
dö fänst nög dän Licke, du findest schon deines Gleichen; dät het 
jd nän Licke, Ikkent nint, gleicht nichts, u. s. w. De Diepe oder 
Diepde ist die Tiefe, dät Dxep, das Tief, nd. dat Deep, z.B. das 
sijlter Tief bei der Insel. De Hugde, die Höhe, dat nuget, sanfte 
Anhöhe; de Läigde, die Niedrigkeit, dät Läiget, die Niederung, 
die Seichte des Bodens; de nrehse, der Zorn, dän. en Vrede, 
engl, wrath; de Junke: äujn 'e Junke, im Dunkeln; äujn 'e Ijägte 
stäujnnen, einem im Lichte stehen; aufe Biene wesen, aufs Reine 
gekommen sein ; dät Länert läit aw *e Blicke, ist ausgelegt zum Blei- 
chen, jö Bliek, die Bleiche, als Platz des Bleichens; äujn *e Laie 
Stationen, im Lauen stehen; äujn*e Gdwe, in der Geschwindigkeit; 
ncesh, zart, yon der Haut, z.B. zwischen den Schenkeln und Fin- 
gern, daher de Necshe, die Zarte der Haut, oberdeutsch: niesch 
und niesche, d.i. sanft abschüssig. Drieg, dän. dröi, verschlag- 
sam, was lange vorhält, 2. schwer, beleibt, u. s. w. Aw'e Wdsse 
Wesen, einer Sache gewiss, davon überzeugt sein. De Bräjt, die 
Breite; jö Brijdd, ein ganz breiter Acker, das Gebreite; deWäjtte, 
die Nässe, de Wäjt, das Nass; dat Sägt, die Seichte, auch das 
Ziel, und das Zielkora an der Flinte. Dat Näis, etwas Neues, die 
Neuigkeit; blög, blöde, jö Blöged, die Schaam, die Schäme; de 

Äiwner, das Mittelstück der Wage an der Deichsel. 

10 



74 

iroft^, angst; äii^s/, dasselbe; »muck, schmuck; trinn, rund; klamm, 
klamm; käim, zimperlich, spröde von Mädchen; shäier, epcöde z. 
B. vom Glase; slierig, kosig, schmeichlerisch; samper, ziroper, 
fein und zurückhaltend beim Zulangen; hämpeTy hart in der Rede; 
kier, kür; träi, müde; ätm, i. wund, 2. weichlich; äimkrüm, dän. 
ömskindet, zu empfindlich an der Haut; tdgi, dicht; kränk, krank; 
twdrr, quer; wdlsh, welsch, d. i. quersinnig; I4jtt, klein; grof, 
grob; dumm, dumm; lamm, lahm; häU, hinkend; rög, rauch, 
wollharig; kahl, kahl; satt, satt; njöl, schwerfällig; ]!^<t0i}p, plump; 
ßhl, i.boabaft, 3. faul vom Fleische; lumsh, tückisch; lüs$, los; 
stifff steif; päll, fest an; stup, dicht an; ßU, fett; fMtteai; mim- 
ter^ munter; wiecker, wacker; mager, mager; süser, sicher; häd' 
der, heiter; locker, lecker; säig, zähe; nägel, nackt; bär, bloss, 
bar; mürrig, mürbe; äirig, arg; mannet, ungezogen; fahs, unar- 
tig von Kindern; küss, heiser; üwen, i. eben, 2. leise; grattem, 
laut; künnigi kundig; labten, lebhaft, lebendig; Uderlick, liede^ 
lieh; länig^ biegsam; smiesig, geschmeidig; lustig, lustig; rigtig, 
richtig; wigtig, wdgtig, gewichtig; tDill, wild; meek, zahm; meek- 
lick, gemächlich; nijdlick, eingeengt, kümmerlich; u;a(i(ferIüA, wi- 
derlich; wänlick, freundlich; fründlich, freundschaftlich; aagtem, 
nüchtern; ähsrig, nüchtern d. h. nicht betrunken; agt, echt; sldmm, 
i. schlimm, 2. klug, gescheid t; snüss, nett, sauber, flink; snamd, 
schnöde; flink; snall, i. schnell, 2. pfiffig; shlunken, eingefallen, 
vom Bauche; slöpp, schlaff, von einem Einlegemesser, wenn es 
im Stifte wackelt; bull, stumpf an der Schneide; ewig, ewig; smeel, 
schmal; snurrig, schnurrig; shnaask, schnakisch; snawsk, rotzig, 
von Pferden; ndll, stössig von Rindern und Böcken; spätsh, spöt- 
tisch; trau, treu; klär, i.klar, 2. fertig; fraam , fromm; mdtig, 
geschäftig; däsig, albern; grottsh, aufgeblasen; swähsen, gesengt» 
angebrannt; snäsig, schneidig, pfi£Sg; steil, steil; strdmm, straff; 
tämm, zahm; hall, hell;^al{, gerne; s/nn^,!. stark, von Gewürzen 
und geistigen Getränken, 2. strenge, von Menschen; stumm, aiumm; 
hijnn, schlecht, geringe; grimmig, grimmig,^ räirig, rührig; amen, 
offen; shief, schief; ihrlich, ehrlich; ßir, stark; möglick, mög- 
lich; wich, übel zum Erbrechen; bäish, bitter schmeckend; duf, 
taub; blinn, blind; rd, roh; rdsh, rasch; rien, rein; glijnn, glü- 



78 

hend; grimet, schmutzig, russig; öwel, übel; ndw, genau, knicke^ 
rig; blank, blank; bdtter, bitter; shdrp, scharf; wälig, wählig, 
stark; struff^ stra£f; rienlkk^ reinlich; rddlick, redlich; saaUg, se- 
lig; sälig, albern; sdlten, selten; sidd, zu weit herabhangend, von 
Kleidern; glübsh, reissend, grimmig; fälsh^ falsch; slörrig,. fahr- 
lässig; slänk, schlank; rank, rank; drisiig, dreist; swqjUy süss; 
fldw, flau; smdgtig, schmächtig; Idgty leicht; laai, faul, träge; 
spie, zart, von neugebomen Kindern; ihnlick, einzeln; ihnsouimy 
einsam; spärsaam, sü/nig, sparsam; fugtig, feucht; orkel, ungestüm 
vom Wetter; «/on^, schleunig; fier, i.fem, 2. lurückhaltend, von 
Frauenrimmem mit vornehm gezierten Geberden; sti^h^ hoch- 
müthig, höhnisch, von Frauenzimmern; kief, überdrüssig; stästg^ 
stätig; swär, schwer; blocket, verschossen, von Farben; foss, bar- 
beissig, kurz angebunden; friy frei; ndtt, nett; fjärsh, i. frisch, 
ungesalzen, 3. süss, vom Wasser; rä/f, verschwenderisch; trüff, bei 
guter Gesundheit; tähs^ noch ziemlich gesund; gläi, glatt; jämsh,^ 
bezeichnet das Befinden nach durchschwärmten Nächten, katzen- 
jämmerlich ; aardig , artig ; mal , toll ; Idmpliek , \ . erträglich schlecht , 
vom Befinden; 2. glimpflich; auwerlänsh, buchstäblich: oberiän*' 
disch , die Weise bezeichnend , wenn einer sich auf eine fremdar* 
tige Manier hervorthun will; stump oder shtmpet, zu kurz, be- 
sonders von Kleideni; maai, erträglich, so ziemlich; raset, faul, 
v^ault; fc;rdi9W,von Schafen, die in der Brunst sind, von Säuen: 
iPTtt, Yon Stuten: wdllig (willig), von Kühen: Sgsen oder aagsen; 
iselick^ kläglich; witt^ weiss; suhrt, schwarz; rUf^dd, roth; göhl,^ 
gdb; grün, grün; grä^ grau; brünn, braun; braucket, bunt; spaa- 
weit, gelb und weiss gesprenkelt; spötet, scheckig; yiäcket^ ge- 
fleckt; shrock, sagt man von den Vögeln, wenn sie keine Eier 
mehr legen können, und von Spielern, wenn sie kein Geld mehr in 
der Tasche haben; geest, sieg, güst, gelt, ist eine Kuh, die keine 
Milch mehr hat, mäilk, wenn sie Hilch giebt; gäi^d, gut; närig, 
erwerbsam, besonders in kleinlichen Dingen, und in allen er- 
werblicben Richtungen; happig^ erpicht auf, versessen auf etwas, 
besonders auf Erwerb und Gewinn; shlmk, plötzlich verlegen 
werden z. B., he würd 60 shluck; träll, n. d. drall, fest ge- 
dreht, von Zwirn u. dergl. 2. en träll Fämmen, n. d. en dralle 



76 

D6ren, stäish, stätig, statisch, von Pferden, die nicht von der 
Stelle wollend 

Bildung des Hauptwortes aus dem Zeitworte, 

§. 56. Von den bereits oben §. 50 angeführten einsilbigen 
Hauptwörtern ohne bestimmte Endungen verdanken folgende ihre 
Enstehung dem Zekwortc, als: d^it Bad, von bahsen; dät Bünn^ 



m-^- 



* Kier^ kür, kürisch» ist hier ein reines, kein abgeleites Ad- 

i'ectiv und wahrschemlich die Wurzel zu küren» die Kur» io 
Kurfürst, Kurmark u. a. Meek ist mit t&mm sinnverwandt , be- 
-zeichnet aber einen hohem Grad der Zahmheit bei Hausthieren, 
als tömm, MStig, ist mit dem n. d. möten» dän. at möde, et Mode 
(die Zusammenkunft) und dem deutschen »meuten" verwandt, und 
wird so gebraucht: dät sjogt me janner so motig iUty es sieht mir 
dort so bunt aus, wenn z. B. viel Menschen bei einem Unfall zu- 
sammen gelaufen sind , he h& *t äU so motig , er ist immer so 
geschäftig, macht so viel Aufhebens von etwas, dät ^ögt noch 
motig au, das sieht noch mühsam aus, die Sache steht noch im 
weiten Felde. Fair, dän, för (1. föhr) ist i. stark von Körper« 
bau, 2. von Sachen, dick und stark, z. B. von Balken, im Ge- 
gensatz von klien^ tSnn und swäck, klein, dünn und schwach; 
5. sagt man bei einem Gewitter: dät äs fair Wähser, Diesem nach 
würde die Insel Föhr, die Grosse bedeuten» da sie im Nordfrie- 
sischen Fair heisst, wie sie denn auch wirklich die grösste unter 
den dortigen Inseln ist. Gremet, dän. grimet, mit schwarzen Strei- 
fen und Flecken im Giesicht, von Kesselruss u. dergl., aus dem 
dänischen Grim» der Russ an Pfannen; en gremet ES ^ eine weiss« 
stimige Kuh mit schwarzen Streifen. Das Wort: ktien, dän. klein, 
entspricht nur dem deutschen »klein" in der Redensart: kaurt an 
htien mögen, kurz und klein machen, n. d. kort un kleen maa« 
ken; sonst ist es: dünn und schwach, aber wieder in einge- 
schränkter Bedeutung, indem es nur von runden und eckigen, in 
die Länge gestreckten Körpern gebraucht wird. So sind z. B. 
Beine, Arme, Finger, Zweige, Stäbe u. dergl. klien, wenn sie 
dünn und schwach sind, dagegen sind Bretter, Platten u. dergl., 
die eine breitere Fläche haben, tenn^ dünn; flöhsig, n. flödig, leicht 
und schwach, ist mit klien auch sinnverwandt; swär, jö Swärkt 
achwer, die Schwere, und Wägt, Gewicht und Wucht, sind nicht 
einsdeutig; deMeke, dän. Hag, ist die Gemächlichkeit. Die Adiec- 
tive auf /* lassen, bei der Verlängerung, diesen Laut in w über- 
gehen, wie shief, de shiewe Sträg, der schiefe Strich; jö Blöged, 
8. 0., ist erst etwas Beschämendes, etwas» dessen man sich schä- 
men muss, als: dät as ja en Blöged, 2. die Blosse, die Schaam; 
Jö htt äi so faale, däfs har Blöged dirmd shöle kon, sie hat nicht 
so viel, dass sie ihre Blosse damit bedecken kann. 



77 

deJB^ftfi, von binnen, binden; de Bielk, von hijlken; dät u/hk, von 
ägen, langsam fahren; jö Bägg von bdggen, bauen; de Bähs von 
hüten, beissen; dat D5 f Yon düwwen, tunken; jö Drdß von driw- 
wen, treiben; de Fäll, jö Fäll, von fällen; jö Fauhr von fairen, 
führen; jö Fähr, von füren; jö Fdi/ von fällen; jö Flti^i von 
fKeen; jö Fräi von fräien; jö G/ajc^ von glaaien, glühen, in üU' 
ghuUen, ausglühen; jö Grd[;d(2 von ^räi^, dicht wachsen; de Gripp, 
de Grähp und de Grawe von grippen, greifen; de Göth von gijUen, 
giesscn; de Gong von gungen, gehen; dat Greef, jö Grauf von 
^^611, graben; de Gaihs von gäisen, düngen; jö Hattr von Aau- 
ren; jö Hdx von haxen; jö ißn^ von hingen, hangen und hängen; 
jö Hijll von hellen, halten» und hijllen wieder von jö Hijll, die 
Heide; jö Jägl von (jagen; dat Jeft von jewen, geben; de Kähr, 
jö Kier von kieren, kehren; jö Kiek von kieken, gucken; de Klang 
von kUngen; jö JT/iuM von klädden; jö Klamm von klammen; de 
Kmhp von knippen, kneifen; jö KUtsch von klcUschen, mit der 
Peitsehe knallen; de £uit«^ von toanen, können; de £tipp von 
ibipfwfi, kaufen; jöLäA« von /e^en, laden; jö Lie von /t^n^miethen, 
din. at leie; de Ltipp von luppen; jö Li^ von Vieren, lernen und 
lehren; jö jlägt von mögen oder maagen; de Mdck von mackenfküs- 
sen; de Ifourcl von inatircfen; jö Mäjtt von mäjUen , messen ; dat MäujU 
von mäjtten, begegnen; de Muck von mucken, mucksen; jö PlSg von 
pUgen; de iPu/f von puffen; jö /Vätu; von präiwen, probii*en , prüfen; 
jo Prung von prungen, tauschen; de R^dd von räjdden, rathen, 
orrathen; de Rähw von riwwen, reissen; jö Räihs von räisen, reisen; 
de Rinn von renen, regnen; de Ridd von ridden, reiten; jö Rull 
von rullen; jö Rähg von ragen, n. d. raaken, dän. at rage; jö 
S^ik von säikkm, suchen; dat Sojd von sien, säen; dat &i^^ von 
sagten, zielen, 2. dat 5d^/ vom Adj. sigt, seicht, die Seichte in 
einem Acker, kleine Niederung; dat Sill von sillen, fliessen, trei« 
ben V. n.; jö Shäujn von shaien, geschehen; de Shär von sheren, 
scheren, schneiden; de Shin von shenen, scheinen; de Shot von 
ih^Aen, schiessen, i. mit dem Gewehre, 2. der Schössling z. B. 
räier. Weide, einer Haselstaude; jö Shiehs von shiesen, scheiden; 
dat Sh&m' von shaamen, schämen; jö Shöhl von shölen, sich ber- 
gen vor üngewitter, Schutz suchen, 2. furchtsam herumschlei- 
chen, um nicht entdeckt zu werden; dat Shöf von shöwwen, vor- 



78 

schieben; jö Shrift von shriwwm^ schreiben; itShrai von 
schreien; jö Shräw von shtäwen, schaben, schirren; de Slag von 
üuhggen^ schlagen; de SUeck von derselben Wurzel; jö jSIi^ 
von Bhlainken, schlucken, schlingen; jö Sling von slrngm, schleu- 
dern; dat Tool von HjUen, laut schreien, tosen; de TkSg voft 
!•£», ziehen; jö Wagt von wSgen, wiegen, wägen; jö Wägt 
von Waagen, wachen; jö Waal von walen; jö Waag von «wu* 
gen, wagen; dat Wäirk von wirken; de WUin von wdiMi» we« 
faen; jö Well von w^^, ausruhen, dän. at hvile; de Wrdsi von 
wrihssen, dän. at vride; jö Wäig von wäigen, auf und nieder wip* 
pen auf einem Brette» in einem Boote schaukeln; jö l^mri von 
s^ät^en, in einer Schaukel; jö Währ von wihren, i. sich wehren, 
3. abwehren, daher jö IFdiAr i. die Gegenwehr, 2, Kraft, Stärke; 
de Wdnsh von wdnsAen, wünschen; dat Batt, dat jBä< von bitten, . 
beissen; jö Blähs von blasen, flammen, v. intr., dän. at bbme^ 
engl, to blaze^ Subst. et Blus, a blazing; dat ßär von baren; dSt 
Brak von bregen^ gebrechen; de Brägh, de Bräik^ de £rdAA( von 
brSgen, brechen; jö Braahs von braasen^ braten; de Brand, jö 
Brätln von brännen, brennen; jö Daahe, jö l%'?t« von duhggen, 
thun; de Dön^ von dornen, tanzen; de Dr&nk von drainken, trin* 
ken; de Drucft von drücken, drucken; de Drukm von drieme»t 
träumen; jö Färt von /aren; de Fängst von fangen, fangen; de 
Frösi von friesen, frieren; dat Früt von frSsen, sich einfressen; jö 
GoaAs von gißten, giessen ; de Hdw von hdwwen, hauen ; de Wart von 
Wärken, auch wärri^en, schmerzen; deüTno^J von knallen; de jKruA 
von kregen, kriegen; de Lack von lacken, lecken, leck sein; jö 
lAen von lienen, n. d. l^nen, leihen; dat Pack von packen, i. zu** 
sammen packen, 2. sich packen; jö ifaiu und jö R6 von ratimi, m» 
hen; datAies« von rMv^, dän. at reise sig, engl, to rise, to raisc; 
rudden, dat Rudd, s. o.; dat Shjärd von shiren, scheren, schnei- 
den; dat Shöf s. 0. dat Shüff, dat Shuf von sh&wwen^ schieben; 
de Wdink von wainken, winken; jö Waait von warnten, winken; 
jö Spojaitf de Spaaü von «poaäe», spritzen; jö Slähw von $läipefi, 
schleppen; de Sndhs von snSsen, schneiden; dat Snof von* sudip« 
WM, schnieben; dat Spdtt von «pdA^en; de Spring von springen: 
de Stdiif/ von sUgen^ stechen; dat 5^tcÄ; von sUgen, stecken; jö 
Spann von spannen, spannen; dat Spdi, auch Spätling, von spaien. 



79 

speien; jö S^ürr von sfjürren^ steuern; de Spärk von »parken, 
stossen mit den Füssen; jö Själl von ^llen, gleichen; dat Sjjöhn 
ymk^sien, sehen; dat Sjöhnk von rnn^ sehen; de Splahs von spUt' 
tm^p spleissen; de Stämp, jö Stämp von stämpen, stampfen; jö 
SiiTüdd von iträdden, grätschen, engl, to stride; de SHjU von sHjt' 
te», stossen; de Stridd von stridden^ streiten; de Släip von släh 
peUp schlafen; jö Swiep yon swiepen, dän. at svöbe, engl, to swaddle, 
einv^'inddn; jö Onturd von änturden, antworten; jö Swär von noS* 
ren, dän. at sväre; de T^t von tienen, dienen; de Trähs, de 
Trähs von trSsen; jö Träw von träwen, traben'; jö Twöng von twin- 
gen 9 zwingen, dän. at tvinge; jö Winn von winnen^ winden; jö 
DrUgi von drtgen, tragen; de Stdnk von stjonken, stinken; jö Sigt 
von ^en; dat T5ch von tun; de Smahs von smüien^ schmeissen; 
jö ^gt von ä^^, achten; de Nick von nacken, nicken; dat Sp5i 
von späten, spotten; jö Pägt von pägten, pachten; de Wägs von 
wägsen, wachsen; de Struhmm von s^rum^, strömen; dat Shäm 
von sAaamefi, schämen; de Strigh \on stricken, streichen; dat Bddd 
von bQdden, bieten; de Knapp von knappen, knipsen, schnellen, 
also: der Knips, der Schneller; de Fünst von finnen, finden; de 
Shridd von shridden, schreiten; dat Smeel von smSlen, lächeln, 
dän. et Smiil von at smile; dat Spdll von späten, spielen; de 
Spring von springen; de Stand von stäujnnen, stehen; de Bjdws 
von hjmosen, bellen, dän. at bjäffe; dkt L5f von löwen, 1. loben, 
2. versprechen (einem etwas) dän. at love; de Hähs von hähsen, 
hassen; de Shrdek von shracken, schrecken; dat oder jö udrw von 
ärwen [ihrwen) erben; jö Bogt von bie-en, biegen; de RSbb von 
ribben, rülpsen, dän. at räbe; da Nöcke pl., von nocken, dän. at 
hikke, schlucksen, engl to hickup; dat Kiff von kiunoen, keifen; 
de Kamp von kimpen^ kämpfen; de Glahs von glidden, gleiten; 
jö F&hs von fäjdden, dän. at föde, ernähren, engl, to feed, a 
food; jo Häiw von häiwen, wähnen, vermuthen; jö Klöfl von ktie- 
wen, klieben; jö Jhl von ihlefi, eilen; dat Shrubb von shrubben, 
kratzen, die Krätze; de Birigt von bähigen, bergen; jö Bäiek 
von bäicken, beuchen; de Stäp von stäpen, stapfen; de Hack, jö 
Hiek, von hacken, hacken; jö Lßjtt von lajtten, lassen; de Bjärsi 
von Ifirsten^ bersten; jö Brqjdd von bräjdden, brüten, engl. 



60 

10 brood und to breed; jö Lohr von loiren, (lörren) lauern; de 
Grawp von grSwen, engl, groop^ 

§. 57. Folgende endigen sich aui'e, als: de Luwe von liewm^ 
glauben; de Spräike von spregen, sprechen; dät Ahse von ähsen, 
essen; dat Drdinke von drainken, trinken; de Spihsse von spihs* 
sen^ speisen; de Ihre von ihren ^ ehren; de Tjöge von tjögen, 
zeugen^ der Zeuge; de Tögte von tanken, denken; de Fräthe 
von fresen, fressen; de NjiUte von njüUen, nutzen; de Line von 
lanen, lehnen; de Söpke, von süppen, nd* supen» saufen; de Gni« 



^ Dat Diu, ein gehauenes Loch im Eise (eine von selbst offen 
gebliebene Stelle ist: jö Wdnwaag, die Wuhnej; dAlBoM, die Pfei- 
fenspitze; de Bähs, i.der Biss, 2. die Scharre einer Schneide; jö 
Daans^ die Thal; jö DiijnSj viel Wesens; de Drück, der Druck 
eines Buches, drücken ist kragen; jö Griß, ein Graben um den 
Warf; dat Lädd, die Stürze, Topfdeckel, zum Pfeifenkopf: dat 
Hütt^ sonst de Ddckel; jö Rau und jö R6 sind völlig gleichbedeO" 
tend; dat Riess wird gewöhnlich nur von Hausthieren gebraucht, 
die nicht mehr aufstehen können, als: jö Ko as fMt Riess, die 
Kuh ist von den Beinen; dät Shuf, eine Gabengarbe. Wdinken 
und waaiten sind beide winken, sind aber nicht völlig gleichbe* 
deutend. Waaiten kann nur mit der Hand und dem Arme, mit 
dem Hute, einem Tuche und dergl. geschehen; wdinken dagegen 
auch mit einem Finger, mit den Augen, und de Wäink kann 
sogar durch Worte gegeben werden. Jö Waait^ die Winke, ist 
ein weisses Laken auf einer Stange an einem Ende des Hauses 
aufgestellt, um damit die Arbeiter vom Felde nach Hause zu 
winken, wenn die Hausfrau das Essen gekocht hat. De Snähs, 
ist i.eine Schnitte Brot, 2. der Pfiff; daher snähsig, pfiffig, schlau. 
Dat Stick ist der Griffel, Schieferstift ;.jö Spann, die Spanne, dat 
Spann, das Gespann. Jö Stjürr, hüjll Stjürr! halte Steuer, oder 
steure der Unart, dän. hold Styr. Själlen ist mit licknen ver- 
wandt, und wird so gebraucht: dat stallet ja nint, oder dirr as f^ 
Själl äujn, es gleicht ja nichts, ist kein Sinn darin. Dat SwijU 
\on swdtten, schwitzen, wird auch vom Blute geschlachteter Thiere 
gebraucht. Onturden und swären, so wie jö önturd und dat Swar, 
sind sinnverwandt. De Trähs, der Tritt, däTrähse, die Trethölzer 
am Webstuhle u. s. w. De Strähg, i, der Strich, 2. der Streich; 
de Glähs: nö äs 't äw*e Glähs, dan. nu er det paa Glid, nun ist es 
auf der Gleite, nun geht's. Jö Kluft, etwas Drolliges, Possierli- 
ches; de Berigt, die Ernte; jö Läjtt, jö släit so to Läßt, sie ge- 
behrdet sich so zum Scheine, dass es lassen soll, als ob u. s. w. 
Jö Bräjdd, i.die Brut, als: en Bräjdd Sjöcklinge, eine Brut Küch- 
lein, i. engl, brood, 2. to breed, 2. die Braut, nd. Brut» dän. 
Brud, engl, bride. Loren und lorren, so wie jö Lohr und jöjLorr, 
lauem, die Lauer, sind in der Bedeutung nicht verschieden. 



8t 

we voD grippm^ nd. griepen» greifen; de Bare von biren^ altd. 
bareo, dän. at bare, nd. boren, engl to bear; de Böge von biln^ 
UegeD; de Dümpede von dumpenf — ; de Frage von fragen; de 
Plage Ton plagen, — ; de Fräude von firäuen; de Bowe von nimi;«», 
näsMD, kratzen; de PdA^e von passen, pissen; de Graushe von 
grüm, vrachsen, dän. at groe, engl, to grow; de Klage von klagen; 
de Pjiune von i^rsen^ pressen; de Slähse von slidden, sehlittem, 
g^Hachen; de Starre von slärren^ hinstehen lassen; de Smäge von 
mögen, schmecken; de Swöme vod swvmen, sehweimen; de Lauke 
von lauken, lugen; de Gaave von gäwen, geben; da Wäwle p\„ von 
ffWHWfi, weben; de Ddjnte von duhggen; de Jt^e von ro^/en, nd. 
raaken, dän. at rage, engl, to rake; de Stippe von stippen, stüt- 
ICD ; de MjrSmpe von krampen, krumpfen ; de Gäre von gären, 
giren; de Knote von kneten; de Jfempe von fc^mpen, kämpfen; de 
Skise v<m shasen, schaden; de Bire von bSren, gebehrden, pL da 
JWrv, die Gebehrden; de Stäpe von stäpen, stapfen; deJSwe von 
jiwen, in Naühnjewe, Neujahrsgabe; de Färe von /aren, die Ge- 
fahr; de Maitteyovk majtten, messen; de JAewde von liewen, lieben; 
de Bise von risen. Rede stehen; de Spijlle von spijllen, dän. at 
qnle, «ufq^eilern; de Tage von (^^en, decken, ein Dach legend 
% 58. Nur wenige endigen sich auf en , ent und el, als : dät Wäsen 



* lÄemen ist sowohl glauben als lieben; das sinnvollste Wort in 
der nordfriesischen Sprache, denn aus diesem Worte bildet sich 
de lAewde und de Luwe, die Liebe und der Glaube, aus einer 
Wurzel, im Friesischen als unzertrennliche Brüder, ins Deutsche 
übersetzt als untrennbare Geschwister. Ich habe mich nicht ent- 
halten können, diese Bemerkung zu machen. Im Friesischen sind 
beide männhch , und also Brüder, im Deutschen männlich und weib- 
licb, daher Geschwister. Liewen, glauben und lieben, ist im Frie- 
äsehen eins durch alle Zeitformen des Verbums. Gott gebe, dass 
es aneh durch aUe Zeiten und bei allen Yölkem bis in Ewigkeit 
so wäre, und Menschen thum und Christenthum nur Eins sein möch- 
ten\ — Bumpen, sich rücklings niederwerfen , daher de Dümpede. 
De Stahse, der Schlitten. De Slärre, das Schlendern, die Fahr- 
läsrigkeit» BeljMeke, der Blick: he hit an ßlen Laucke , er hat ei- 
nen bösen Hick, man sieht's ihm an, dass nichts Gutes in ihm 
steckt De Böge von ragen, I. zur Seite oder herunterschieben, 
2. herumtappen, wie im Finstem, 5. rasiren , scheren, 4. faseln, 
von Kranken, die irre sind. In der letzten Bedeutung sact man 
von irreredenden Kranken und Sterbenden: Bat as äwennägema 



II 



82 

von Wesen, sein; jö Lägen von fjaagen, lügen; dat LäwetU von 
läwen, leben; de Kraingel von klingen, die Kringel, Brätzel; de 
Swdingel von swingen; dat Kräwel von krdweln, kriechen; de JtdUM 
von r^A;en» recken; de Grüppel von grewen, graben; jö Häwel^ der 
Hobel, von Adtren, heben; dat Jtäie/ von räiei», aneinander reihen, 
daher de Räürajd, der Reidraht; dat Spdnnräiel, SpinnenweM)e; 
de Tögel von tun, ziehen; de Bögel von U^, biegen; jö Spindel 
von spannen, spinnen; de Dackel von dachen , decken; jö Kapsel 
von kappen; jö Raingel von raingeln; de VTocft^l von iMicftseifi, 
wechseln *. 

§. 59. Folgende endigen sich auf ing und Itn^, als: jö E^lUng 
von hujllen, halten, die Naehgeburt bei Thieren; dat Wälling von 
wällen, aufwallen am Feuer, dän. Velling, dünne Grütze, Milch* 
suppe; de Plähsring von pläsem, plätschern; de KnöwringYonknä' 
wem, knopern; de Wällering von wällem, wällern; datrdttn^ von 
tälen, hillen, die Hille legen; de Ärwing von ärwen, erben; jö 
Tiekning von tieknen, zeichnen; jö Liesing, wie in Wähserliesing, 
die Wasserlösung, Wasserleitung, von liesen, lösen; jö Shiesing von 
shiesen, scheiden, wie in Länshiesing, Land- oder Feldscheide; jö 
Gräwing von grewen, graben, ein grosser Wassergraben um den 
Warf, »de Wäirew'\ und ein Bach im Risummoor, der in Lind- 
holm jö Lonshiesing genannt wird. Ferner: jö Büing von büen, 
arbeiten, der Frühlingsfeldbau; jö Bähsring von bähsem^ bessern; 
jö Hijlling von hijllen, neigen ; jö Dieling von dieleti, theilen ; jö Tering, 
Täring von tSren, zehren ; jö Hieling von hielen, heilen ; jö ^onin^ von 
oanen , ahnen ; jö Döhssing Yon döhssen , deuten; jö Annering von dn- 
nem, ändern; jö Näring von n4ren, nähren; jö Rädning von radden, 
retten; jö ][jnning von ijnnen, enden; jö Apdeging von apdegen. 



harn, er faselt schon ; femer wenn ein Zustand oder die La^e eines 
Menschen sich verschlimmert. De Stäp, ein langer Schritt, der 
Slapf; de Stäpe, der Eindruck vom Fusse, die Stapfe. Knäm ist 
einen Knoten schürzen; knesen^ kneten, den Teig bearbeiten. Jö 
Mäjlt , ist das Maass , de Mäjtte , die Maasse, wie in : über die Maassen , 
mit Maassen; in der Redensart: to Mäjtte kamen^ ist es: übel anlau- 
fen , wenn man z. B. einen werthvolien Gegenstand beschädigt oder 
zerbricht. 

^ Die unter §. 46 angeführten Wörter auf eise, als: Tächelse, 
Tümelse u. s. w. sind alle zeitwörtlicher Abstammung. 



83 

entdecken; jö Regiering von regieren; jö Stiering von stieren, stö- 
ren; jö FortSlling von fortSllen, erzählen; jö Telling von teilen, 
säUen; jö Bdäling von hetäUn; jö BestdUing von bestallen^ bestel- 
len; jö Fwrst&pping von forstoppen, verstopfen; jö Forsägling von 
fcr9ägeln, versiegeln; jö Sijnning von sinnen, senden; jö TFjfn- 
«tfi^ von w^jnnenf wenden; jö Apfäiring von apfäiren, aufführen; 
jö Beräiring von beräiren, berühren; jö Beshaaming von beshaa- 
«0», beschämen; jö Bemäring von beswären , beantworten; jö 
RUikmng von rägnen, rechnen; jö Idnnering von lannern, lindem; 
jö Tieing von ft^-en, ziehen; jö Selting von «^en, setzen; jö Ät^ 
wikssing von äujnmhssen, anweisen; jö Fcrdring von fordern (for- 
digen); jö StdUing von stallen, stillen; dat Stdlling, das Gestell, 
Gerast; jö ({^r^tii^ von gjarsen, grasen und grasen; jö BeshriW' 
•mng von beshriwwen, beschreiben; jö Betiening von betienen, be- 
dioien; dat Spailing von spaien, speien. So auch aus: formaanen, 
ennalmen; forwunnem, verwundem; mienen, meinen; fairen, füh- 
ren; feilen, füllen; kieren, kehren; spännen^ spannen; äwen, üben; 
wiksMem, weisen; begeren, begehren; AesA^en» bescheren; mal- 
dem, melden; lunen, lohnen; Ionen, löhnen u. s. w. In einzelnen 
Fällen, wenn die Stanunsilbe des Zeitwortes sich auf d oder t 
endigt 9 wird der Endung ein n voi^eschoben , wie in Bdddmng 
voD Tüdden, ForwäUmng^ ForäiynstaUmng , was aber selten vor- 
kommt*. 

§. 60. Fdgende endigen sieh auf er, als : de Driwwer von 
drimmen, treiben. So auch aus: shrimwen, schreiben; regten, rieh- 



' Bijlten, dän. at beide, im Oberdeutschen halden , sich nei- 

£D, daher nun: jö Tdtm Uü aw'e HylUng, die Tonne liegt auf 
r Neige; das zweite h^üen, von jö Hijll, die Heide, Halte, 
Fussfessel der Pferde, ist: den letztem dieselbe anlegen. Jö 2V- 
rimg wird auch für Anszehruna; gebraucht. Jö If dring, 1. Nah- 
rung überhaupt, i. guter Erwero, Verdienst a.s.w. Jö Besiallmg 
dlt sowohl für BesteUung, als Bestallung eines Beamten. Dat Stä- 
Ung von stallen, steDen, als dät SwäeksldlUng , das Zweekgestell 
einer Windmühle. Spailmg ist das Aa<gespieene; dat SpäiUng 
V4M1 qmlem, spühlen, ist das Spülicht, dan. Spöl (1. Spöbl). Be- 
shiren ist i. bescheren, mittheilen, geben, 2. bescheeren mit dem 
Sche^messer oder überhaupt beschneiden. Spännen iist von ipan^' 
fie», spnnen, wohl zu unlersebeiden, so wie jo Spinn, die fipan- 
ne, TOD dat Spinn, das Gespann. 



fi 



84 

tcn; können, kennen; »palen, spielen; sammeln, sammeln; ISmn, 
lesen; prälen, prahlen ^/tMdeit, jäten: hieren, hören; stieren ^ sUv 
ren;. Iteren, i. lehren, 2. lernen; fägten, fechten; drSgen, tragen; 
dornen, tanzen; dräien, drehen; rocken, rauchen; smöken, schmau- 
chen; slägten (slagligen) schlachten; süppen, saufen; draiideen, 
trinken ; ähsen , essen ; rddden, retten ; mingen , i . mengen , 2. zaudern; 
^jäsen, säumen, zaudern; tjäsen, schwatzen, waschen. Femer: de 
Tjdwler, der Zänker; de KrSger ^ der Krieger; de Bonner, der 
Flucher; de Shijnner , der Schänder; de Tanker, der Denker; 
de Maler, der Mahler; de ,Mi^tter , der Hesser; de Släiper, 
der Schläfer; de Bränner, der Brenner; de User, der Leser; 
Lauwer , der Lader , von lauwen, Garben und Heu auf dem 
Wagen zu einem Fuder bilden ; de Bagger , der Bau^ Ton 
Gebäuden (der Ackermann ist de Bürre); de Handler, der Händ- 
ler; de Bedreger, der Betrieger; de Gnieser, der das Maul reraerrt; 
de Springer; de Läker,deT Lacher; de Hilper, der Helfer; de SUp- 
per, der Schleifer; de Stricker, in Lönstricker, der Landstreicher; 
de Driemer , der Träumer; de Fräier, der Freier; de Kläger, der 
Kläger; de Brauer, der Brauer; de StijUer, der Stösser; de Sieger, 
der Seher; de S junger, der Sänger; de Tiener, der Diener; de 
Pägter, der Pächter; de Tjärsher, der Drescher; de Mager, der 
Macher; de G^Uer, der Giesser, u. s. w. Man kann in diesen Haupt- 
wörtern eben so leicht das Zeitwort wieder erkennen, als das 
Hauptwort aus den vorigen Zeitwörtern bilden. 

§. 6i. Folgende , derselben Wortbildung angehörig , sind in 
Form und Bedeutung mehr oder weniger unregelmässig, als: de 
Luper von lupen, reg. de Löper von lupen, laufen, das Schnellkü- 
gelchen, der Schüsser; de Setter von sStten, setzen, i.der Setzer, 
2. eine flache Milchschüssel, nd. die Satte, Sette; de Igögter von 
Ijogten, die Leuchte, dagegen ist der Leuchter: de Statiner von 
stäujnneh, stehen, also wörtlich: der Steher; de G^järder von gUd* 
den, gleiten, der Brotschieber dex Bäcker; de Plumper und de 
Pulsher von plumpen und pulshen, die Störstange; de Wihsser von 
ivihssen, der Weiser überhaupt, wie in Wäiwihsser, Wegweiser, 
2. der Zeiger an der Uhr; de Stönner, der Ständer, von stäujnnen; 
de TwiUer von twüten, schnitzen, der Schnitzer: en flinken Twüter., 
ein flinker, junger Bursche; de Böger von bögen, klopfen, bläuein, 



85 

der Blaael zum Bläuein der Wasche; de Kluseböger, auch der 
Klopfer oder Hammer an einer Thür; de Sherer von sheren, schnei- 
den, wie in Faashirer, Yorschneider; de Skjärder, der Schnitter, 
aus derselben Wurzel; de Fäger von fügen, rasch von der Hand 
arbeiten, dän. at fige, mit der Arbeit eilen; ßgen isi fegen, daher 
de Fäger f z.B. in Sherstijnßger , Schornsteinfeger; de Stämper von 
stampen, stampfen, der Ladestock; de Ridder von ridden, 1. der 
Reiter, S.der Ritter, 5. das Reitpferd; de RöUer oder MUer, dev 
Reutar (Husar); de Ringster von ringen, läuten; de RSmter von ra- 
nm, rennen; de Grewsier von grewen, der das Grab gräbt ; de Wäwsler 
von «teen, weben; deHtünger, der Henker, von hingen; de DrSn- 
ker, der Säufer, von dräinken, trinken; de Süpper von iüppen, 
sanfen, dasselbe; de TSller, der Zähler, von ^/fen, zählen; deiVa»- 
ner, der Nenner; dat Tänner, der Zunder, von Hjnnen, zündea, 
d8n«Tdnder, engl, tinder; de Kieker vonAteAen, gucken« daher das 
Fem- oder Sehrohr; de Jäger von jagen; de Mmrder, der Mörder, von 
mjärdenf morden; de ShruUer, der Kratzbesen, von shrtAben, krat- 
zen; de Sluckervcfn stucken ^ und dieses wieder von sluck, niederge- 
sdilagen; de irme Slucker, der arme Schlucker; de Slubber, ein 
Scheltwort von Slubb, dünner Strassenkoth , daher slubbem^ wie 
die Enten im Schlamme, von Menschen gehraucht für schlürfen, 
dän gnMe SMberl du grosser Kothhahn! oder so was; de Bäcker, 
der Bäcker, von bogen, backen ^. 

§. 62. Die Nachsilbe äi, deutsch ei, dän. und nd. ie, Sie hat 
dieselbe Bedeutung wie im Deutschen und Dänischen , und ist 
meistens sächlich; nur da, wo sie den Ort der Handlung oder 



< De Kiltring, dän. en Kjeltring, wollen einige von dem alten 
Volke der Gelten oder Kelten herleiten. Im Fnesischen hat man 
das Zeitwort kittem^ sich auf eine grobe Art mit einander herum- 
zanken und dabei überhaupt eine gemeine Denkweise verrathen; 
wie Hunde und Katzen mit einander leben. Solche Leute sind 
im Nordfriesischen : KiUringe. In der Schweiz heisst das sogenannte 
Fenstern (im Friesischen: dat Nägtlupen) kUiem^ und der KiUer 
oder Fensterer geht auf den Kiltganj^, auch Heimgarteln genannt. 
Obgleich nun das Fenstern auch bei den Friesen Sitte ist, so hat 
es doch mit dem Begriffe Kiltring nichts gemein, und ich muss 
daher die wahre Abstammung des Wortes hier unentschieden las- 
sen. Die Zigeuner in ihren Kneipen stellen ein wahres Bild vor 
Milfringen dar. 



86 

den Umfang der Ausübung eines Rechtes bezeichnet, steht das 
weibliche Geschlecht, als: jö Lonshriwweräi , die Landschreiberei; 
jö Braueräi, die Brauerei; jö Länfaagedäi , die Landvogtei ; jö 
Sukkerk^eräif die Zuckersiederei ; jö Prdwstaiy die Probstei; jö 
Mäleräif die Malerkunst; jö Präjtäi, die Predigt; jö Wäweräif die 
Weberei; jö Bauhdrück^räif die Buchdruckerei; j.ö Backeräi, die 
Backerei; jö Slaaweräi als Aufenthaltsort, sonst dat Slaaweräi: 
d&t Bedregeräi, die Betriegerei; dat Späteräi, die Spötterei; Tjaa- 
9eräi, Schwätzerei; S/iererdi, Koserei; Smireräi, Schmiererei; SUc- 
keräi, Näscherei; Ra4iseräi, Raserei; Mingeräi, Zauderei; Därige- 
räi, Albernheit; Haxerai, Hexerei; Drilleräi, Prellerei; Tjäweläif 
Zänkerei ; Ruweräi , Räuberei ; Thieweräi , Dieberei ; Driemerai , 
Träumerei, u. s. w. Die sächlichen Hauptwörter auf ai fuhren 
meistens den Begriff der Geringfügigkeit , wenn nicht gar der ye^ 
ächtlichkeit mit sich, was bei den weiblichen nicht der Fall ist. 
§. 65. Aus dem Infinitiv jedes Zeitwortes kann man , wie im 
Deutschen , durch Yorsetzung des Geschlechtswortes dät, ein Haupt- 
wort bilden, als: dät Laken, das Lachen; dat Drdinken^ das Trin- 
ken; dat Släipen, Gängen, Sjjtmgen, Shriwwen, Lesen, Tiesen (aus- 
einanderzupfen, dän. at täse); dät Gniesen (Maulzerren); Driemen, 
Träumen; Ringen, Läuten; Lierefi, das Lebren und Lernen. Diess 
gestattet der Infinitiv eines jeden Zeitwortes ohne Ausnahme. 

Bildung des Hauptwortes aus Bestimmungswörtern. 

§• 64. Auch aus dem Bestimmungsworte (Adjecti?) lassen sich 
durch den blossen Vorsatz des sächlichen Geschlechtswortes Haupt- 
wörter bilden , als : dat Vjll an Näi , das Alte und Neue ; dät 
Witt an Suhrt , das Weisse und Schwarze ; dat Wäjtt , das Nass , 
dagegen de Wßjt , die Nässe , äujn e Wäjtte , im Nassen ; dät Äien 
as Mhsere as dät Främd, das Eigne ist besser als das Fremde; 
dat Bögt , das Recht ; dat Diep , die Tiefe ; dat Gwj^d , das Gut , 
u. 8.W. Aus Fürwörtern und allgemeinen Zahlwörtern: dat Jßfi 
an Bin, das Mein und Dein; dat Faale an dat Laiet, das Viel 
und Wenig; dat Sin an Harr, das Seine und das Ihre. Aus dem 
bestimmten Zahl werte gehen die Namen der Zahlzeichen hervor, 
als: jöfjn, jö Thug, jö Trie, jö Fjauer, jö Fiew, jö Sigs, jö 



87 

Saawm, jd Aagt, jö Njögen, jö Tien, — Andre Bildungen aus dem 
Zahlworte sind : de DrUUng , de Segsling , de Fierding , als Land- 
und Tonnenmaass ; dnt ^gendijl, das Achtel, alsMaass; bei Bruch- 
theilen setzt man Dijl, Tbeil, statt des Deutschen tel, als: ein 
Tridend0l, ein Drittel; en FimiendQl, FüfUmd^l, Segstendijl, 
u. 8. w. flier wäre es aber bequemer sich der deutschen Endung 
td zu bedienen und dat Tredel, Fierdel, Füftel, Segstel, Saawen- 

r 

tel,.Aacbtel, Njögentel, Tiendel zusagen. De Twdnnling und de 
Trmmlmg , der Zwilling und der Drilling , entstehen aus den Zahl- 
wörtern tvHUme und trmne, dän. tvende og trende, zwei unddreL 
Aus dem bestinunungswörtlicben Bezeichnungen der Hirn- 
mel8g^;enden : ästen, westen, sühssen, naurden^ entstehen erst- 
lieh die Hauptwörter : dat ^sten , dat Westen , dat Sühssen , dfit 
Naurden , als : dät läit äujnl Ästen , WSsten , u. s. w., es liegt 
im Osten, Westen, u. s. w. Der Ost, West, Süd und Nord, sowie 
dor Osten , Westen , Süden und ^Norden , heissen : de Äste , de 
WSste, de Sühsse^ de Naurde. Anwendung: Do shäht widdere to't 
j/sten, td't WSsten, Sühssen an Naurden, du sollst weiter nach 
dem Osten, Westen u. s. w. Ick gung dm* e Äste, dm'e Weste, 
oni'e Sühsse, dm'e Naurde ^ ich gehe gen Osten, Westen u. s. w. In 
zusammengesetzten Ortsnamen endigen sich diese Wörter häufig 
auf «r, als: Äster, WS^er, Sühsser, Naurder , wie Äster snotehüll, 
Westerhdwer , Sühsserläigem , Naurderhölt, wie im Deutschen: 
Oster-, Wester-, Süder-, Norder-. Diess ist jedoch nicht immer 
der Fall. — Die Adjective östlich, westlich, südlich, nördlich» 
heissen: ästUck, wSstlick, sühsserUck und näurdlick, aber auch 
asterUeky westerKck, sühsserlick, naurderlick d.i. ein wenig nach 
Osten , Westen u. s. w. Süd ist im Altfriesischen Soss , wie noch 
in: Sossrihssem, Südriesum, und Sosslonhalm, Südlindholm. 

Das Geschlecht der Hauptwörter. 

§. 65. Das Geschlecht der Hauptwörter bestellt in der Eigen- 
thümlichkeit derselben, sich ausschliesslich mit einem der drei 
Geschlechtswörter de (der), jcT (die), dät (das) zu verbinden; die 
Hehrheit für alle Geschlechter ist da (die). Hierüber lassen sich 
Dur wenig bestimmte^ meistens nur sehr allgemeine Regeln geben. 



88 

Im Allgemeinen gilt, dass ein Hauptwort, welches einen Gegen« 
9tand bezeichnet, der ein natürliches Geschlecht bat, sidi auch 
in der Sprache nach diesem Geschlechte richtet, als: de Mann, 
de Krßßder, de Käser [Käsere), de Wjart^ de hSmm, de Buttß^ 
de. Shriwwer^ de Rögter, de Shjarder u. s. w.» der Mann, der 
Bahn , der Kater , der Wirth , der Widder , der Stier , der Sebr^ber , 
der Richter, der Schnitter, u. s. w. Ebenso: jö Hänn, jö Giui, 
joWöff, jö Kff, jö Fämmen, iöBrqßd, jöu/nert, jö Twig u.8. w., 
die Henne, die Gans, das Weib, die Kuh, das Mädchen» die 
Braut, die Ente, die Quäne oder Färse. Ausnahmen machen 
hier: dat Shäip, das Schaf; dat 'Äjk, die Stutte; dat Gii^k; dat 
Mansch, das Mensch; dat udninerling , ein ein- bis zweijähriges 
Mutterlamm , und dat ÄiUmmm , ein Mutterlamm unter einem 
Jahre. 

Bei Thieren wird oft die Gattung und das Geschlecht sugleidi 
bald durch ein männliches, bald durch ein| weibliches Hauptwort 
bezeichnet, als: de Hün/n, de Hainst, jö Hänn, jö Gaus, }ö.Jkert^ 
jö Käu, u. s. w. Die Mehrheit lautet: d& Hünne, Halste, Hmmie, 
Gäis, u/nerte und KäUe. Sie bezeichnen in der Einheit das männ- 
liche oder weibliche Geschlecht und auch die Gattung, aber in 
der Mehrheit nur diese allein. Beispiele : De Graaw häU manmng 
Hünne, der Graf hält viele Hunde; he het aagtäin Ht^nste aw'e 
Stall, er hat achtzehn Pferde auf dem Stall; da Hanne sdn äU 
<dw 't Rddk , die Hühner sind schon auf der Latte ; n^ame shän 'e 
4iäis slägtigt toorde , morgen sollen die Gänse geschlachtet werden ; di 
j/nerte kaane jdm sillew nire, die Enten können sich selber nähren; 
da Kätte fange Müss, die Katzen fangen Mäuse. Bei andern wird 
«die Gattung auch in der Einheit nur allein bezeichnet, wo man 
^ann» wie auch in den vorstehenden Fällen, für das Geschlecht 
besondere Namen hat. Reine Gattungsnamen sind z.B. dat Swinn, 
<lat Griss, dat Shäip, dat Fäll, dat Bjdm, dat Nüjtt, dat Bäist, 
dat Rahser, das Schwein, das Färkel, das Schaf, das Füllen, das 
Kind^ das Rind, das Yieh, das einjährige Kalb, und dat Kulew, das 
Kalb, so wie auch dat Ree und dat ßjört, das Reh und der Hirsch. 
Wir wollen hier zuerst diejenigen anführen, welche den Gat- 
tungsnamen mit einem der Geschlechtsnamen gemein haben, und 
darnach diejenigen , welche allein besondere Gattungsnamen und 



89 

Geschlechtsnamen führeD. Geschlechts- und Gattungsname zu- 
gleich, entweder männlich oder weiblich, sind: Jö Hänn, m. de 
Sr^dder, der Hahn, der Kräher; jö Gaus, de Gönner, engl, goo- 
se, gander; jö uinert, m. de Vrder ^ der Erpel, Enterich; dät 
5Aaip,.m.de Romm, der Widder (de Wahser oder Wähsere ist der 
Hammel oder Schöps) ; jö KäU , m. de Kähser oder Kahsere ; jö Döww > 
m» de Doffer, der Tauberich; de Hüwn^ w. jö Tähw, die Tille, 
Petze, u. s. w. 

Gaüungmamm und Geschlechtsnamen mit verschiedenem Ge- 
schlecht: dat Stvifui, de Öme, jö 5dA^, Schwein, Eber und Sau; 
dftt iVt{^^, dat Batst, de ^u/Ze, jö £d', Rind, Stier und Kuh; 
de Harnst , de Wrijnshe > dat Äik , Hengst und Stutte ; de 
tUmshe y Mensch, de Mann, jö Wöff^ Mann und Weib; de Kar- 
men, jö Wüssedf Mannsperson und Frauenzimmer; dat Bjdm, 
Kind, de Dring ^ jö Fömmen, Knabe und Mädchen; de Jüngling 
oder de Jungmönn , jö Jümfer , der Jüngling , die Jungfrau ; 
dd Sösshene, die Geschwister, de Brauser, jö Süsler, Bruder und 
Schwester; da u/Heme^ die Eltern, de Fidder, jö Mudder, Yater 
und Mutter; de Sd^n, jö Dögter, die Kinder in Beziehung auf 
die Eltern; d4 Sljäpälleme, die Stiefeltern, de S^äpfidder, jö 5/;^}?- 
nnudder; Stjäphjame^ Stiefkinder, deStjäpsähn, ]öStjäpdogter; HaU 
lewsösshene, Halbgeschwister, de Hallewbrauser, jö Hallewsöster ; da 
FMSwede, die Verlobten, jö Brajdd, de BrSdgöme, Braut und Bräu- 
tigam; jö H^dÄÄ, de Wa(Wßr oder l^o^Wern«, Wittwe und Witt wer; 
jö ^hl, die Grossmutter, de u/tte, uäüahte^ Grossvater; de Ohm^ 
dCT Oheim; jö Modder, die Base, Muhme, Tante; Sösshentjärne , 
Geschwisterkinder; Swiegerällerne , de Swieger fidder, jö Swieger" 
mudder, Schwiegereltern, Schwiegervater und Schwiegermutter; 
de Swiegersähn, jö Swiegerdögter , Schwiegersohn und Schwieger- 
dochter, und jö Snaar, die Schnur; de Swaager, der Schwager, 
jö Swiegerinn, die Schwägerinn. 

Anmerk. i. Bei kleinen Vögeln kann man das Geschlecht durch 

He und Jff bezeichnen, und sprechen : dät äs en He untig en Jö, 

das ist ein Er oder eine Sie; oder wie im Niederdeutschen durch 

H6ken imd S^ken, ein Erchen oder Siechen. Jö Sähg, die Ziege, 

bat im männlichen Geschlechte de Sägenbock. 

Anmerk. 2. Der Widder ist offenbar genug das friesische de 

n 



90 

Wähser {Wähsere), das engl a wether, und das dän. en Väder, aber 
immer in der Bedeutung zwischen Widder und Hammel wech- 
selnd. Der Widder, dän. en Yäder, ist das fries^ Ramm und das 
engl, ram^ in der Bedeutung; und das fries. Wähsere, so wie das 
engl, wether, heissen im Deutschen Hammel oder Schöps, und im 
Dänischen en B6de. Aehnliche Yerschiedend^utigkeiten findet 
man häufig in den verwandten Sprachen bei Wörtern von gleicher 
Urwurzel. — Ein verschnittener Stier ist im Fries, de SÜer und 
de Ögse, wofür man in der Hehrheit auch das alte Collectivum: 
da A'xne, dän. Öxen, Öxne gebraucht. Ein verschnittener Eber ist 
de Galt, dän. en Gilt, der Borg. Dat Fall, das Füllen; de Plag- 
ge^ ein jähriges Füllen, und de Fohle ein zweijähriges. Ein jun- 
ges Gänschen ist jö Gähsling^ nd. Gösling, dän. Gjäsling, engl^ 
gosling. Das Küchlein ist en Sjückling^ dän. Kylling. 

Anmerk. 5. Unter den Hauptwörtern mit nacktem Stamme 
sind die meisten weiblich , die wenigsten sächlich und die Mittel- 
zahl männlich. So finden wir unter der ersten Sammlung einsil- 
biger Wörter §. 50 , gegen 524 weibliche , 288 männliche und SGO 
sächliche. Doch kommen auch in dieser Sammlung mehrere ab- 
geleitete vor. Einige der Endungen jener Wörter gehören zw^r 
vorzugsweise einem bestimmten Geschlechte an, abe^ wir finden 
doch fast immer Ausnahmen, als: dat JjU, dat Dijl, dal Fijl, dat 
Giß, aber jö Hißl; dat Lick, dat Bkk, dat Stkk, aber de Dkk 
und jö Wkk; auhs, weibl. als: jö Äuhs^ jö Dauhs^ jö PrAuhs, jö 
Rauhs; dsl, männl. als: de Ftasl, de Krdst, de Rast, aber jö 
Last; aug^ männl. als: de Eräug, de Pkmg ^ de Shauch; eess, sächl. als: 
dat Bleess, i^lLeess, d^i Reess, dRi Sweess, d^i Gleess, pl. Glahse; 
äst, m., de Gast, de Twäst; äll^ w., de Sali (Tanzball), de Fäll, 
de Stm, aber jö Fäll, die Falle, jö Süll, jö Själl, jö TäU; iühs, 
w., jö Slaihs, pFäihs, jö KMihi^ jö RMfts, aber de Säihs; ^7, 
sächl. als: dat Bäujl, dat Gäußl, dtt Skiuß, dHMät^l; ßß,w,, 
jö Bräjdd, jö Glßjd, jö Mäjdd, aber wieder de RSjdd, de Triydd, 
und dat Saß: aujnn, w., jö Bräuflm, jö Shä'ujn, ftjö J9at(ffm, jd 
P&njnn, jö Mäujnn, aber wieder dat IMjnn ^ dat Säujnn, de 
Stfivjnn; up,m., dtBupp, dtKup, delmp, deStup, in Krüdskip, 
und in Tjärestup, die Theermcste ; ans, ^.,dRx6äus, dVLiMdus, aber 
d^ TauSf jö G&us; alt, s., dÄl Malt, d^i Satt, de Galt; dnn, s.,dat 



91 

Tmn, dst SdnUf dat Kann , de Sann ; inn , m.i de Binn, de Winn, Wind 
und WeiD , jd Rinn , die Rinde , dat Linn, der Hosenbund , de Shinn ; 
dgt, w.y jö Bdgt,}Q Prägt, jö IFo^^, dRtSdgt; auck, w., jö JSrat/eÄ;, 
jö Aniri;, d^tSnauck, dcrEesseihaken; eel, w.,jö Tß^/, jö Meely jö 
Tree/» jö Weel, dat ru^ceJ; a/^, jö Jß/^ dät TdU,]ö Gewalt; ulig, 
dat FuUg, dat 7f^%, de Ct«%; itty dat J9i/^ dat Ji:r*/^ dat Frif^ 
dat ShiU; dU, dat Fa71. Fell und Füllen, de Mall, de Knall, 
^eShall; H^ AuGröt, datTö^, ]öR5l;ähk, dRi Jhk, d^i Brahk, 
dat Stahk, dat Snahk; dck, dat Rock, dat Focfc, de iVidcA, der 
Kiek, ^eMdck, dat Swdck, du Krack; äg8,]ä ufgs, dat F%5, dat 
Wägs; ßss, dat .i^, dat Päss; ähs, de ^öA«, jö Lähs; iep, jö 
S^, jö Kiüep, jö £tep, de Piep; ^p, de 7^^ de Knapp, de 
iViö/ip» der Zwack, jö Lopp, de Krapp; eck, dat Fecft, dat G^cA^ 
dat Speck, de S^X;; ii/», dat Büß, dat iVt;i/7^ S/tty^,. Schess, 
dat RüiU, deSlüjtt, deKlu^U; ähs, de Glähs, de l^lahs , p Nälts ^ 
jö Walis; qmjU, de Fäujtt, de Klm^tt, auch jö Klckyitr jö Läujtt^ 
jö R&ujüt dat SäMJtt; wujd, jö Flaujd, jö Ldujdd, de Hävjdd, dat 
Män^dd, dat Gätydd; urst, jö Burst, de Tt^r«^; ouci^, siehe oben: 
dat Bauck, dat Dwuck, dat Snauck, de Dauck, jö Bauck; ump, ist 
m., de iRtiinp, de Kl^'mp, de Bwnp, de Slump, de Dump, aber jö 
Pump; jdrt, de S{;dr/, de HJdr/, de /^dr^, Furz, aber dät Hjdrt; 
M, jö Lo^A, dät Krath; ärrew, jö Färrew, jö Härrew; di, jö i!?dt, 
jö Frdj; dst Aid», dat 5^', dat iS'/rdt, de J?rdt; ocA;, de FocA» 
defiocfty datlfOcA^ dat 5/ocfc; ön^, de Gön^, de Son^, jö Swöng; dgg, 
jö i^ogg^, jö Jtfo^^; t»s5^ jö 1^5, jö ilfu£5, jö Fn«^, de itfti^, dat 
Jltoy dat Griten, dät Krüss; ing, de Dring, de JR^^, jö f/in^/, jö 
Ältfiflf, jö H^fiigf; ^A dät DJ/, dat S»^/*, dät iS/J/*, de Uö/", dät SAJ/*; 
tk*, de ^t/e&, dät lAlck, de 5^rtk;fc, de Pück, de J?rttcfc, jö JTrucA; 
iimm, dät Shümm, dät /tävtui; uhmm, de Buhmm, de Suhmm; 
ikm, ^iBünn, de Grtinn, de JEfäniiy de jLänn, de Tunn, dätFuim, 
jo Smümn; i$$, dit A«, dät 6m$, de jPrm; ijt, dät iS'u^i}'!/, de 
Äir^'^; jdm, dit Bjdm, de ä/jdm, jö 6»;drn, jö Hjdrn, dai Hjdrn, 
jjS rus^'dn», dät Shjdm; dgt, jö ^d^/, de Kndgl, dät «Vd{/^ s. oben; 
et«^, dät Fee«^, dät iVees^, dät Y^^es^, jö Feest; aan, de Plaati,}ö 
i^ooii, jö Faan; ig, de Bä^ig, dä.t ii^i^, das Arge; t^, dät Bier, jö 
Kier, jö Lter, de Stier, dät TAier; 4;/, de Äjl, däiFäjll, dät Mäjl, 
jö SMijll; ißt, s. 0., jö Mijtt, dät «S'm;*;^^ de «Sfoj^^- djtt, de jtfaJ'W, 

12* 



02 

de BajU, das Jucken; iek oder ieckf jö Blieekf jö Dieek, }öKieek, 
jö Mieck, }öSieck, dkLieck; ämp, deDämp, deStämp^ jö Stomp, 
jö Lämp, dit Swätnp; ie, de Die, jö Lie, dät Pie; eef, dät Crr^e/', 
dSt Heef, dät Äee/*, dät Steef; dck, jö Däjä, de Plock, de iS^ödb, 
dät Block; ost, de Frösf, jö JTö^^, jöNost, jöRost; änk, de J?änA, 
jö Länk, jö Plänk, dät Plänk; de Türrew, dät Shürrew; joFaurk, 
jö Staurk; aar^ jö Snaar, jö jffoar, jö JTaar; de£nn, jö Fi^n, jö 
Penn; dnn, jö Ldnn, jö Fann, jö Tann, dät rdnn, de Sann, dät 
Sann, dät Shann, dät Kann; ajnk, de Bldjnk, aber auch w. in 
jö Hallewbläjnk, de Läjnk, jö Kldjnk; 6, jö ^r<S, jö Ld, jö Ao; 
dät Brvjd, jö iVt(fd^; aum, dät Graum, de JTatimm, de Krauimm; 
iff, dät It/f, dät «t/f , dit fni/f; ^M, jö £re^M, de A^, (2ät 
lFe66; d, jö£d, däiRd; ull, dät Uli, jö Hüll, dät Smull, jö 
iVuU, jö JRu//; ö;in, de M&nn, jö JT^nn, jöPJnn, dät iS'önn» altfries. 
für Sävjnn, Sand; tnn, de IFinn und jö Winn, jö Atim, de iRifm, 
dät Smnn; dm, jö Porny dät /»rn, dät Shorn; järd, dät /drd, 
dät Bjärd, dät Sipjärd, dät Shjärd, de Wjärd; ähs, de TVdAs» de 
SplähSy jö Smähs, jö Wähs; ung, jö i^ien^, jö J?tm^, jö Prung, de 
IHiw^; erffi, dät -ÄÄW, de GÄW; d/l5, jö Drd/1?, jö JCrd/if, jö Shraftf 
de -yt//)5, dät rd/X; t//, dät ÄW, dät Stil, jö iViW, de ä//; är, 
dät uj^^ dät Pdr, jö Snär, jö <9u;ar, de Star (im Auge); dt^, dät 
ilift, jö B&jky jö Kräßk, dät T^/X;; atim, de roum, dät £dum, 
de Haum, dät Haurn; ick, dät LicX;, dät «S'/icA;, dät jßicft, de Dick, 
jö lFfC&, u. s. w. Auch die verschiedenen Endungen des Haupt> 
wertes, wie z.B. el, ling, er, ing^ häid, äi, u. s. w. können fast 
nie oder doch selten ausschliessend ein gewisses Geschlecht he- 
stimmen. So heisst es: jö Saget, die Sichel, und de Prägel; de 
Käget, und jö Fägel, der Fehler; de Kinning, der König, jö UjlUng , die 
Mulde , dät Wanning , das Fenster , und so in vielen andern Fällen. 
Anmerk. 4. Obgleich die meisten der hier zusammengestellten 
Wörter schon §. 50. vorkommen, so bedürfen doch einzelne derselben 
einer nähern Deutung , als: jö Auhs \xnd}ö Kräik, Haken und Oehren; 
man sagt Kräike und Auhse, Häkchen und Oehren; jö Klaihs^, die 
Nägelkratze, das Kratzen mit den Nägeln beim Raufen; dät Tweel, 
der Sabber, der Quiel; de Gält^ der Borg, verschnittener Eber; 
jö Weel, die Erholung; jö Stiep von stiepen , das Lichtziehen; de 
Kimtt, eine Klothc Torf; de Rump, i.der Rumpf, 2, das Brust- 



95 

tuch; dät BUd, die Farbe, als stofflos gedacht, sonst Färrew; jö 
Sting, die Granne, wie ander Gerstenähre; jöDiek, das Grübchen; 
jö Faan, die Fahne; jö Plänk, die Planke, dät Plänk, ^ Kanne; 
dät jS'/nSIrretr, die Räude, das deutsche Schürf; dÄiKänn, das Kinn; 
de Kraumm, die Krampe; dät SmuU, der Staub vom Torf, Säge- 
spane und dergl. ; de Gedd, der Hecht. 

Anmerk. 5. Unter den , von Zeitwörtern durch Abkürzung ge- 
Uldeten, Hauptwörtern ist, wie im Deutschen, das männliche 
Geschlecht vorherrschend, und im Dänischen das sächliche, als: 
de Prdek von prackeUf stechen, tüpfeln; de Rahw, der Riss; de 
SHjtt, de Slieck, de Släg, de Hdw^ de Shähr, de SnähSf de Splähs, 
de Glahs, de Gang , de Säfig , de Klang, de Lupp^ de Kwpp, de 
Grähp, de Gripp, de Bjdws, de Fäll, u. s. w. Doch finden sich 
auch manche weibliche und sächliche darunter, wie: jö Bagg, jö 
Faur, jö Fähr, jö Gräjd, jö Höw, jö Kieck, u. s. w.; ingleichen 
dit ^hk, dat Bäd, dtilBräk von bregen, mangeln; duBünn, dät 
D5f, dit J^^, dät Säjd, dät S/^jdrd, dät iS/itZ/f, u.s.w. 

§. 66. Männlich sind alle Hauptwörter auf er, welche männ- 
liche Verrichtungen anzeigen, sie mögen von andern Substantiven 
oder von Zeitwörtern abstammen, als: de Meiler y de Glaaser^ de 
Krauger, de Modder, de Kutsher^ de Driemer^ Skriwwer, HajU" 
ger, Liser, Driwwer, Skjarder^ Tjärsher^ u. s. w. Ferner bestimmt 
die Endung e das männliche Geschlecht , wohin auch die Endun- 
gen ere, erne, ense und eise, zu zählen sind, als: de Krage, de 
Mige, de Krage, de Wähsere, de Vnnerne, de TachelsCy de Fie- 
rense^ u.s.w. Eine Ausnahme davon machen: dät oder ]ö Mölke ^ 
die Milch; da Aune, collect, die Buttermilch; da Wäwle, der Web- 
stuhl, aucheincollectivum; daÄnap/in^e, coli, die Spitzen, Kanten; 
da Beere, coli, die Gebehrden; da u/gne, coli, die Spreu; da Grth 
kne, coli, die Graupen; da Träme, der Trumm. Ferner die § 46 
angeführten sächlichen auf ehe, als: da Häckelse, dät Röckelse, 
Smökelse, Stdrkelse, Spauckelse; so wie dät Aehse, dät Drajnke, 
ili Öhle und jö Döiite. 

Die Endung er ist zwar allen Geschlechtern gemein , als: 
^^Fvdder, jö Mudder , dät Jädder; de Twitter , jö Dögter, dät 
^ähser, u. s. w.; aber doch ist hier das männliche Geschlecht 
weil überwiegend. Dasselbe gilt von der Endung el, wogegen 



94 

die Endung en so ziemlich gleicbmässig durch aUe Geschlechter 
vertheilt ist, und dasselbe möchte wohl auch von der Nachsilbe 
ling gelten. Bei der Endung em herrscht das männliche Geschlecbt 
vor, als: de Bausem, de Bäisem^ de Hmlem, de Stierem^ de Swie- 
rem, de Täirem, de Airem; aber jö Fäihsem, jö Blossem, jö Gä* 
sem, die Gäspe, und dat Hukm, Langstroh; dat EUem, Tag und 
Nacht, oder 24 Stunden, dän. et Etmaal, et Dögn (1. Döin oder 
Däun), nd. EtmaaL Die Endung ew konunt gleichfalls in allen 
Geschlechtem, aber nur in wenig Wörtern vor, wo das säehliebe 
Geschlecht überwiegt, als: de Wairew, jö Härrew, dat Kulew, dst 
Sulew, dat Wierew, das Gewerbe , dat Shürrew, dit Firrew, 
Auch die Endsilbe ig geht durch alle Geschlechter, als: d^ Bair 
rig, de Bielig, de Gulig, de HäUig: aber jö Furrig, jö Spärrig, 
jö Swäüig oder Swielig, und dat Märrig^ dat Fulig, dat TuHg, 
siehe §. 59. 

§. 67. Männlich sind femer die Namen der Tage« Tageaieiten, 
Monate und Jahreszeiten, als: de Sdnddii, de Maundäif de TiUis- 
däi, de WSnsdäi, de Törsdai, de Fräidii, de SMnne; femer: de 
Jmnuar , Februar, Marls ^ April, Mäi, Juni, Juli, August, Sep- 
tember, October, November, Dezember; ingleich^: de Däi, der 
Tag, de M[jäm, der Morgen, de Etm, der Abend, de UJiddäi, 
Faarmaddäi, Eflermaddäi; ausgenommen: jö Nagt, jö Managt ^ 
(richtiger Mddtiagt); die Jahreszeiten, als: de Uhrs, de Sommer, 
de Härrewst (auch Härewt,) de Wonter; die Feste, wei^i sie ifi 
der Einheit stehen, als: de Jüll, die Weihnachten, dePaashe, die 
Ostem; dagegen da Pä^ngsdege, da Eiste, die Fasten, sind coli, 
im pl. 

. §. 68. Weiblich sind in d^ Regel diejenigen Hauptwörter, 
welche das natürliche weibliche Geschlecht der Menschen und 
Thiere bezeichnen, als: jö Wo ff, jö Fömmen, jö Kinninginn, jö 
fcT, jö S6hg,Jö KäU, jö Tähw, jö Häm, Gaus, Jnert, Tweg, 
u. s. w. Dat Aik und dat Shäip machen allein hiervon eine Aus- 
nahme. Weiblich sind ferner die Namen der Bäume, wenn sie ohne 
den Zusatz buhmm vorkommen, als: jö Hill, jö Ba^k, jö Ihk, 
jö Birk, jö Fair, jö Aller, jö Latin, jö Iper, u. s. w. Die Sub- 
stantive auf häid sind weiblich, als: jö Saalighaid, die Seligkeit, 
jö Säkerhäid, jö Fälshhäid, jö Möhglickhäid, u. s. w. , werden aber 



95 

auch oft sachlich gebraucht und führen dann nicht selten einen 
veriichtlichoi Nebenhegriff mit sich, wie dat Däsighäid, dat Ät^^ 
nHhäid^ dat Föhlhäid, u. s. w. Weiblich sind femer alle Haupt- 
worter auf ffig oder fUng, die unmittelbar oder geradezu aus 
der Wandelform des Zeitwortes gebildet sind, als : jö Atme* 
rmg, jö Aaning, jö Rddning^ jö Bähsering, jö ShMng, Liering, 
u. 8. w. Desgleichen die auf äi ausgehenden ^ wenn sie Orts- -und 
Geschäftsbezeichnungen sind, wie in: jö LSruhriwweräi , UnfhO' 
gedäi, Prdiwitäi, Slameräi, als Aufenthalt; jö Türkäi, jö Negeräi; 
jö ^afuierai, jö Suckerkogeräi , u. s. w. Auch die Endung ed ist 
weiblich in jö Döged, Jöged, BKged, Hdged; aber de Faaged, dat 
Märked. 

Einzelne Wörter vom männlichen und sachlichen Geschlechte 
stehen auch für das weibliche zugleich, als: de Fahser {FShsere) 
Geratter und Gevatterinn; de Wane, Freund und Freundinn; dat 
Giek, minnlich und weiblich. Bei dem Worte TWim/tfi^, Zwilling, 
kann man sogar alle drei Geschlechter nach Belieben gebrauchen, 
je nachdem man auf die natürlichen Geschlechter Rücksicht 
nimmt -öder nicht, und de TwirmUng, jö TwAnnling und dat Twdnth 
Kng sägßn, so wie ichaUe drei Geschlechter bei dem Worte Pflug- 
$diaar im Deutschen gefunden habe, wo gar nicht einmal ein na« 
türliches Geschlecht Statt finden kann. — Bei einigen von Zeit- 
wörtern abgeleiteten Hauptwörtern, wo jene etwas Fehlerhaftes 
anzeigen, und wo man das männliche Geschlecht regelmässig 
durch die Nachsilbe er bildet, behält das weibliche bloss die Stanun- 
sflbe des Zeitwortes, was besonders bei folgenden und ihnen ähn- 
lichen Wörtern der Fall ist, als: piesen oder piesem, gasen, tjä' 
sen, twUtwäddenf fräsen, Slawen, u. s. w. , wo das männliche Ge- 
Khlccht iePieser, de GSser, de Ijäser, de TwiUwadder, deNjaser, 
de S^Swer, und das weibliche jö Piehs, jö GShs, jö l^ahs, jö 
TwUhtad, jö Njähs und jö Stjähw heisst. Piesem, gosen, Ijäsen, 
und twUiwädden hcissen rappeln, schwatzen, waschen, plappern, 
albern in den Tag hinein schwatzen; fyäsen, säumen, zaudern, 
^äwen, mit langen Schritten albern einhertreten oder stolpern 
bnd dabei mit Gleichgültigkeit oder Geringschätzung umhergaffen 
und auf andre herabsehen. Auch muss das männliche Geschlecht 
Bieht selten das weibliche vertreten, als: jö as en gauhsen Wäw- 



96 

ster, Shjärder^ Shriwwer, u. s. w., indem hier die Eadung iitii 
nicht wie im Deutschen gebräuchlich ist. Die übrigen Einasdn- 
heiten in Beziehung auf das weibliche. Geschlecht der Hauptwor- 
ter sind in den vorhergehenden Wörtersammlungen und Zusam- 
menstellungen von Wörtern durch das vorgesetzte Geschlechts- 
wort angezeigt. 

§. 69. Sächlich sind die Namen der Erdtheile» der Länder, 
Städte, Flecken, Dörfer, Districte, Landschaften und Inseln» der 
Metalle, einzelner Buchstaben, der Himmelsgegenden, die Namen 
verschiedener Zahlenbestimmungen, die als Maasse dienen, und 
die aus andern Wörterklassen zu Substantiven erhobenen Wörter, 
als: dät towägsend Amerika, das anwachsende Amerika; dat g&ijl' 
rkk Australien^ das goldreiche Australien; dat iijll an groü Asien, 
das alte und grosse Asien ; dät ünrauig Europa , das unruhige 
Europa; dat hiß Africa, das heisse Africa. Der Länder: dat 
la^U Dannemark; dat grott Ruslmjnn; dat wdnUck Italien, das 
freundliche Italien , u. s. w.; aber jö Sweits, Der Städte: iisiismuck 
Kupenhägen; dat t^jU Köln; dit grottartig Petersburg: dat Ujtt 
Arresf^öHng , u. s. w. So auch der Flecken und Dörfer und der Land- 
Schäften: dat gjärsrick Ahserstälis, das grasreiche Eiderstedt; dat 
fätt Holläujnn^ das fette Holland; dat %'U Pollwäirem; dät Jfcaunt- 
rick Ongeln, das kornreiche Angeln. Der Weltgegenden: dat jds- 
ten, Westen, Sfihssen und Naurden. Der Zahlenmaasse, als: dat 
Bunnert, dat Dusend^ dat Tdlt, ein Tult, Zwölfter von Brettern, 
dat Sniess, das Stieg, dat Shock; aber jö Dauhsenn^ das Dutzend, 
und jö Trahw, die Stiege, 40 bis 60 Garben oder Bunde Lang- 
strob. Der Metalle, als: dat Gaujlly dat Sikoer, dat Kaawer, dat 
Blie,Mi Tann, dat Mesing, dat Tomback, dat Metall, dat Stäjll, 
Eisen, dat Staat, dat Sink^ u. s. w. Aus andern Wörterklassen, 
als: dat Ridden an Kairen, dat Släipen an Waagen, dat Büen an 
WSlen, u. s. w. ; dat Üjll an Näi, dJSiiFaale an dat Läiet; dat Hin 
an Bin; dat Trinnanmeruken , das Rundumsprechen, Salbadern; 
dat Apijnuchspälen, das gegen die Wand Spielen mit Schüssem; 
dRi Dilling an Mjäme, das Heute und Morgen; dat Apdndähl, di^ 
Auf und nieder ; dat Jdntanjurt, das Hin und her; dat Toma^tteka- 
men , das Uebelanlaufen ; dat Tofullekamen , das in Erfüllung Gehen , 
u. 8. w. So zieht der Nordfriese die Wörter zusammen, wie sie 



97 

hier im Deutschen nachgebildet sind. Auch viele Verkleinerungs- 
wörter auf en, km, gen^ jen sind sächlich, wie: dat Häigen, da& 
Sinhlkiflsen , dät uiiken, dat Jlken, dat Hühsken, dät Kopken,^ 
dlt BMjm^ sowiedieauf«//d})>p, als: Lönshapp, Mönshapp , Frünn- 
Mhapp u. s. w., und endlich die auf äi, wenn sie die blosse Handlung 
oder das Thun anzeigen und dabei den Nebenbegriif des Kleinlichen 
and Verächtlichen enthalten, als: dat Njäserai, dat Smereräi, dät 
Jjmgerai u. & w. Mehrere Wörter auf ling sind sächlich , beson* 
dttrs da, wo sie Uoss verkleinernd stehen, als: dät Tjaulmg, der 
Zwimknaul, Ali ^nnerlmg, dät Twannling^ dät Sjöckling, dät 
GähsUng. Nimmt man aber Rücksicht auf das Geschlecht, so sagt 
man auch jö GähsUng^ jö Sjöcklingy de und jö Twannling. End- 
lich kann man noch die männlichen und weiblichen Hauptwör- 
ter, weiche wirkliche Dinge bezeichnen, durch den blossen Vor- 
satz des Geschlechtswortes dät alle zu Diminutiven machen, als: 
dat Wöff, dat Hünn, dat Hdjmt, dat Dring, dat Tünn, dat Kaar,. 
IL s. w. Dadurch drückt man aber immer Geringschätzung oder 
Verachtung aus, wie in dat Mansh, das Mensch, und dat Mamhe^ 
das Henschlein, was bei andern Diminutiven nicht immer der Fall 
ist» die auch als Zärtlichkeitsäusserungen dienen, als: Päike^ Fäike, 
Baue, Sosse, DqjUe. Auch de HojUe^ Endscheibe des Brotes, de 
MSjnte,^ das Männchen, de Dcjnte, das Döhnchen, de RSjnte, ab- 
gestutztes Jäckchen, de Pqjnte, Würfelhölzchen, de Hön'ke, der 
Hahn an einer Tonne, de Sopke^ ein Schnäppschen , de Bäjnte^ 
das Bündel, und dePn|/n(e, eine Kaue oder Schrote Taback , sind 
lauter Diminutiva , die alle nichts Verächtliches bezeichnen. 

Die nordfriesischen Namen der Buchstaben sind der Reihe nach 
feigende, als: Aa-a, Be-b, Ce-c, De-d, E-e, Eff oder A'ff-f, 6e-g, 
Haa-h, I-i, Jöt-j, Kaa-k, Ell oder All-1, Emm oderA'mm-m, Enn 
oder A'nn-n, O-o, Pe-p, Ku-q, Err oder A*rr-r, Ess oder A'ss-s, 
Esszett oder A'sszatt-sz , ss, Esscehaa-sch,EsstÄoder A'sste-st, U-u, 
Pau-y, We-w, Iks-x , Ipsilon-ij, Zett oder Zätt-z, Essess oder A'ssass-ss, 
Effeff oder A'ffäif-ff. — Von diesen sind die Vocale , so wie dieje- 
nigen Consonanten, welche den Vocal in ihrem Namen nach sich 
haben, weiblich, diejenigen, welche den Vocal zum Anlaut haben 
«über mchlich, daher: jö a, b, c, d, e, g, h, i, k, o, p, q, t, u, 
V, w, aber: dät f, 1, m, n, r, s, auch: dät j, x, z. Soll ein Ge* 

13 



98 

schlecht für alle gelten, so muss es das sächliche sein, indem 
das weibliche nur da gelten kann, wo der Name einen Yocal 
zum Auslaut, aber nicht, wo er ihn zum Anlaut mit demConso- 
nanten zum Endlaut hat. Es würde anstössig sein, wenn man 
z. B. jö Atnm, jö Arr u. s. w. sagte, und d&t a, b, u. s. w. sind 
dann Diminutive. 

Auch die meisten Stoff- und Mengenamen , letztere , wenn 
sie nicht ausschliesslich allein im Pluralis gebraucht werden, 
sind sächlich, wie die oben (S. 96) angefiUirten Namen der 
Metalle u. a. als: dät Brüjd, dät Järd, dät VU, dat lAjm, 
dat 1mm, dat Wägs, dat Pack, dat Kritt, dät IsSy dät Damk, 
dät Lanerty dät Glees, dät Haum, dät Black (Blech), dät Bläk 
(Dinte), dät Flash, dät Speck, dät märt (Harz), dät Kahm, dät 
Sämmet, dät Mahl, dät Lähser^ dät Pappier, dät Baai (Boi), dät 
AlWhn, dät Sucker, dät Sluhh, dät Mjogs, dät Sh^äm, dät Mawr 
(Moor), dät Slämm, dät Glaunm {der Glumm, das Trübe im Was- 
ser), dät Snote (Rotz), dät SpüU, dät Swijt, dät BlmjM, dät 
Wahser, dät Ohle, dät Fädder, dät Siräi, dät Td^A (Tang), dät 
Terrig (Torferde auf dem Schlick), dat Sihssen, dat Spdnnräiel, dat 
Jiater, dat Mäm (Muss z. B. von Pflaumen), dat Sält^ dat FärreWf 
dat iSma/ir, dat 5t6|9, dat ru%, dat Neet (der Harn, altd. der 
Netz), dat Soss (die Suppe), dat fjd (Torf), dat J^är/, dat Wal- 
Ung, dat Späiling, dat SuJeto, dat Smwel, dat Jlfoos, dat 5At(t, 
dat Säujnn, dat Grtl^s, dät Hänep, dat Sänep, dat «S'd^d, dat 
9V4;c{ (Zwirn), dat J9t/9in (das Band), dat Tjäg (der Zeug), dat 
Saaken (coli, die Sachen, das Yieh), auch Tjög, dAi Tweel (Quiel), 
dat Äjlh (Essig) , dat Aehl (Addel) , dat Mudder (der Moder, Schlamm) , 
dat Jeest (der Gäscht), dat Shünrn, dat Swämp, dat Tärmer (Zun<^ 
der), dat Twürt (Lichtdocht), dat Sierp, dat Märrig^ dat jBoi»^ 
ning^ dat ilfdt«;7 (Millerde), dat Smull, s. o., dat Swaawd, dat 
Bötekrüdd (Arsenik) , dat Wäi (die Molken) , dat Shdmmel , dat J^aunt , 
dat Grot, dat Ta/^, dat Sniehs, dat Faui//; (Volk, Leute), dat 
^dr5, dät Üntjög, dat Pdte^er (Pfeffer), dät Shürrew, dat Gratifnm 
(Eingeweide), dat Aimmere (die Emmern, Glühasche), dat Shrubb 
(die Krätze) , dat Luf (Laub) , dät Tammer (Bauholz) , dät Ünkrüdd. 
• §. 70. Mehrere Wörter von gleichem Gescblechte haben oft 
mehrfache und dabei ganz von einander abweichende Bedcutun- 



99 

gcfi. Davon hier nur folgende, als: dSt Ass^ i.däs Daus, S.Name 
des Buchstabens S; dat Baurd^ i. das Brett, 2. die Borte, der 
Riegel, in HiUebaurd; jö Baik, i. die Buche, 2. die Beuche, 
auch de S^cke; de Brandy der Brand, in allen Bedeutungen des 
deutschen Wortes; jö Bröy i. die Brücke, 2.jö Stißfibro, das Stein« 
pflaster; dat /H}7, i. das Ding^ 2. Dingelchen, 3. der uiid das 
Theil; jö Drifte 1. der Triebe 2. die Auffahrt nach dem Hause, wo 
das Vieh getrieben wird, 5. die Trift, als: enDrdßSwinn, 4. Kraft, 
Nachdruck, Wucht; jö Druhg, i. die Traube^ 2. die blecherne 
Milchseihe; de FmjUi i. der Fuss, 2* der Schuh oderFuss, als 
Maass; }ö Fährt, i.die Fahrt, Schnelligkeit, 2. die Fahrt zur See 
auf einen Ort; jö Fingt, i. der Flug, 2. die Flucht; dat Gwt^d, 
i. das Out, als Landgut, 2. das Gut, der Schatz, z. B. Sünnhaid 
asengr^ Gäujd, Gesundheit ist ein grosses Gut; löHäujnni i. die 
Hand , 2. Handschrift , 3. eigenhändiger , schriftlicher Beweis, Schein ; 
jö Jagt , i . die Jagd , 2. die Jacht ; jö Karst , i . die Kiste , 2. der Sarg ; 
de EKmpy 1. die Klampe, 2. grosse, länglich viereckige Schober 
Heu oder Getreide beim Hause; jö K5sty i. die Kost, 2. Hochzeit; 
dat Kfüssi i. der Krug^ z. B. Bierkrug j 2. das Kreuz in allen 
Bedeatungen; jö lAer, i. die Lehre, Lehrzeit, 2. gute Kenntnis- 
se; dat Neety i. das Netz, 2. der gesammelte Harn; jö Nähs, 
L die Nuss, 2. die Niss, Läuseei; dat Säjdy i. der Same, 2. die 
Rapsaat; jö Shähl, i. die Schale als Gefäss, 2. der Unterschied 
beim Fordern und Bieten; jö Shähl, i. die Schale, z. B; von Ae- 
pfeln , Nüssen und Hülsenfrüchten ; bei Schotengewächsen das dün- 
ne Oberhäutchen: jö Pähl; dat Spdtt, i. ein Spatenvoll, die Tiefe 
des Spatenblattes ^ 2. der Spiess, 3. der Späth der Pferde; jö 
Träw, i. der Trab, 2. eine Stiege Garben oder Langstrohbunde, 
40 bis 60; de Wjärt, i. der Wirth, 2. der Werth; de Wjärd, die 
Wahrheit; dat I/Ar, i. das Ohr, 2. die Taschenuhr, auch jö; 
dat Ähk, i. das Scheuemthor, 2. die schräge Auffahrt an 
einem Deiche; dat Brak, i. der Mangel, 2. die Noth, als: 
ist hit fdjn Brak, hat keine Noth, nichts zu bedeuten; de Fränh 
isy i. die Fremde, als Gegensatz der Heimath, de Hühs; de 
Krage, i. die Krähe, 2. der Kragen; de Paurte, 1. die Pforte, das 
Thor, 2. der Kerker, 3. der Stachel der Bienen, Wespen u. s. w.; 
dat Sihssen, i. die Seide, 2. das Zischen; jö Hmiling, Hylling, 

13* 



100 

von hüjllen, halten, die Nachgeburt einer Kuh; jö HijlUng fon 
hyllen^ neigen, däd. at hälde, die Neige, als: jö Tatm läU i»*e 
JHjUmg, die Tonne liegt auf der Neige; da Fi^Ulinge, die Füs»- 
linge an Strümpfen und Stiefeln; 2. das Fussende des Bettes» als 
-Gegensatz der Häuptcn, io Haadlinge; de Dränk, i. ein Trunk, 
^. ein Trank, 3. der Trunk; als Laster; d&t iJHJdd, l.dasLoth» als 
Metall, 2. als Gewichtmaass, 3. das Gewicht an einer Uhr; de 
Töme^ i. der Daumen, ± das Zoll; de Shot, i. der Schuss, 8. 
der Schoss, SchössUng; da FSste, i. die Fäuste, 2. die Fasten; de 
Kölhy i. die Kälte, 2. das Fieber; dat Sägt, i. von seegt^ seicht, 
die Seichte in einem Acker; SL von idgtenp zielen, das Zielkom 
auf der Flinte (das Ziel ist aber dat Muhl), 3. die Richtung nach 
dem Ziele; jö Fähr, i. die Fähre, 2. die Schaar, 3. jeder auf- 
fallende Anzug, Aufzug, und dergl., z.B. ein altmodisches Kleid, 
eine auflhUcnde Kopfbedeckung; dfit Töeh^ i. der Zug» als Lieh' 
töch; 2. das Mal in ein Mal, zwei Mal a. s. w.; jö SUng^ 1. Schleu- 
der, 2. eine Schlucht im Wagengeleise an der einen Seile; je 
Kläwmy i. die Klemme» zum Fesdialten, Klammer, 3. Klemme» 
Verlegenheit, Noih; dät Sßhn , 1. das Gesicht,, als Sehver- 
mögen, 2. Erscheinung« 3. Anblick, Wahrnehmung; jö Dragif 
i. die Klcidertracht, 2. das Schulterjoch zum Tragen der Eimer 
u. & w., 3. was man aufs Mal trägt» z. B. eine Tradil Holz, 
Prügel u. s.w., 4. die Wage an der Deichsel; de Slieck, i. dor 
Schlag, Hieb, 2. der S<^lag, als Art, Gattung; de Släg^ i. der 
Schlag , als Krankheit , Lähmung u. s. w. , 2. Schlag , . Art , 
Gattung, Racc; \oBugl, i. die Bucht, Krümme, 2. die (H^eriiand, 
der Obsieg; dat T(Ut, i. das Zelt, 2. der Zwölfter BreU^; de 
GUkne, i. Gluth, 2. brennende Hitze in den Badten; de JBSnlk, 
die Bank, in allen Bedeutungendes deutschen Wertes; dfift BM^ 
i. Bett, 2. Ganenbeet; däl Blee$s, das Blatt; de Blii$, der Bläss, 
an der Stime der Pferde; dat Fäll, i. das Füllen« 2. das Fell; 
jö Tann, die Tonne; de Winn, i. der Wein, 2. der Wind; de 
Klump, i. der Kloss, 2. der Klumpen; de Priss, i. Preis der 
Waaren, 2. Lob, Ruhm; jö Shßily die Schuld« Ursache; jö SküU, 
dit Schuld, die man zu bezahlen faat^ jö Länk, i. die Ketie» ± 
1^10 Ketlel; jö Wagt, 1. die Wäge zum Wägen, 2. das Gewicht, 
(üe Schwere. 



101 

§. 71. Andere sind verschiedenen Crcscblechts und demnach von 
verschiedener Bedeutung« als: du B^n, das Bein, dat Bijnn, das 
Band als Stoff- oder Mengename; de Bijnn,- das Band, ein ein- 
seines, wie Hohsbijnn, Strumpfband, ä, der Band eines Buches; 
jö Birk, die Birke, dat Birk, Birkdistrickt, Bezirk; jö Bjär^, 
die Borste, de Bjär^, der Berst, Riss; dat Dauk^ das Tuch als 
Stoffname, de Dauk^ gestaltetes Tuch als Gattungsname, wie iVoo«- 
dmtk, Shroekenaasdauk , Taschennasentuch u. s. w.; dat Eeshy 
die Asche, jö Eesh, die Esche, de Ees/t, die Schachtel; de Fäll, 
der FaU, jö Fäll, die Falle; de Gäsl, der Gast, jö GäU, die 
Geest, als Gegensatz der Marsch; jö J7dj, das Erinnerungsvermö- 
|en, dat Hai, die Lust, das Behagen an etwas, als: dat kamt 
me ät^ HU, es fällt mir ein, kommt mir in den Sinn, Ick hämW 
n^ Häi ßit, ich habe keine Lust dazu; de ifonm, das Hom als 
' fiatlungsname, dat Haum, als Stoffname; jö ßjäm, die Ecke, 
1 der Winkel, wie Kächelauwenshjäm^ der Ofenwinkel, sonst 
de Wäinkel, dat Hjämy i. wollenes Garn, 2. der Geier» wie in 
Hinne/^ßmj der Hühnergeier, Gdsel^ärn, der Gänseaar; Keel, 
Name der Stadt Kiel, de Keel, der Schiffskiel; de Klädd, der 
Kleks (Flecken), jö Klädd^ die Kladde; de Eßrl, der Kerl, )ö 
Ejirlt der Kern, dat JS^dri, der Quark beim Käsemaohen; de 
i&es/fe, der Krebs, als Krankheit, da Kreefte pL von jö Krufl; 
jö Lä^df das Rammehi der Hunde und Katzen, dat Läußdy der 
Laiob, von Fischen und Fröschen; de W^il, der Weiher, die 
Wehlc, dat Wä^l, das Wohl; de ^ogs, der Mist, dat Ifjögs, der 
Schmutz, Unrath; de Müss, der Mund, jö Müss, die Maus; dat 
Uärk, das Merkzeichen, jö Mark, die Mark, 16 f; dat Mäsh^ der 
Haiaoh, jö Mäsht i. die Made, 2. die Masche beim Stricken; jö 
An^Mi, die Verpfändung, dat Pmiinn^ Pfandgut; de Baßd, der 
Bidi, jö Bßfdd, inWanrdjdd (Wahnrath), verkehrte Anschläge; jö 
Auf, der Bratrost, de Biist^ der Rest, 2. Nichts, als: dö shäht m 
hui bewe , du sollst nidits haben , 5. die Rast ; de Binn , der Regen , 
jöJKfin, die Rinde; de Jlo^f, das Gericht Essen, dat Bogt, das Recht; 
de Saal, der Saal, jö Saai, die Sohle; jö Sahw , das Mark aus 
ciaer Lampenbinse, um es als Docht zu gebrauchen, dat Sahw, 
das Sieb; de Sani», die Sonne, dat Sinn^ der Sinn, das Gemüth, 
Jö &mn , der Sinn , als Organ ; de Sahn , der Sohn , jö Sahn , die 



102 

Sehn^ I . Flechse ; de SM, der Kessel, dst Sill^ das Siel, Wasser- 
rinne; de Shäit^ der Schatz, jö ShäU, die Schätzung, Abgabe; 
de Sldink, der Schluck, jö Släink^ der Schlund; de Smahs, der 
Wurf, jö Smahs, die Schmiede; de Spot, der Fleck, dat SpSt, 
der Spott; de Spornt , der Spritz, Spritzstrahl, jö SpaaU^ die 
Spritze; de Stämp, der Stampf mit dem Fusse, jö Stomp, 1. die 
Stampfe I 2. der Stempel; deSträdd, ein weiter Schritt, ^öStridd, 
die Grätsche, so weit man die Schenkel aus einander spreizen 
kann; jö Spar, der Sporn, dat Spar, die Spur; jö Spann, die 
Spanne, dat Spann, das Gespann; jö Slähs, die Stadt, dat Stäh$^ 
die Statt, die Stelle, der Ort; jö Tann, die Tanne, dat Tom, 
das Zinn; de Tung, die Zunge, jö Tung, die Zange; de Trqjd, 
ein einzelner Faden, dat Trä/jd, der Zwirn; jö Tur, die Thrane, 
dat Tur, ein weinig, ein Tropfen (jenes ist dän. en Taare, dieses 
«n roor); dat Twjdm, der Zwirn, jö Twjdm, die Quem, i. eine 
Handmühle, 2. der Mahlgang in einer Mühle; de Woai^, der Wink, 
jö WaaU, die Winke; de Winn, i. der Wind, 2. der Wein, je 
TFffifi, die Winde; de Hagel, i. der Hagel, 2. die Ferse, 5. der 
Absatz am Schuh, jö Hagel, die Hechel; de Kräwel, jö Sriwd, 
dat Kräwel s.o.; de Wähser, der Hammel y dat Wo^s^, das Wet- 
ter; jö Roigel, die Regel, dat Räigel, die Ordnung; de Hack, i& 
Hack, z. B. mit dem Schnabel, jö Hack, die Hacke; dat Bjäm, 
das Kind, de Bjäm, der Born, ycraltet, aber noch in bjdmen 
(hörnen), das yieh tränken, jö Bjdmeköhl, die Tränke, de Bjar- 
netrög, Tränktrog, u. s. w. 

§. 72. Die Eigennamen der Menschen, welche die Friesen 
oft Ims zur Unkenntlichkeit verstümmeln , richten sich nach dem 
natürlichen Geschlecht. Hier einige derselben zur Probe: a. moftfli- 
liehe, wo der deutsche Namen voransteht y als: Albert, Albrecht, 
jftbert; Andreas, Andräis, dim. Baisse; Bahne, Barne, BSne; 
Bende, Benne; Bruder, Broder, und Brorke; Detlef, Däjtiew, 
Dietlew; Düe, Dü-e; Danklef, Tungle; Edlef, Illwe; Ehe, Äibe; 
Fedder, Fädder; Nicolas, Klaai; Sibbern, Sibberne; Sönke, Sin- 
ke; Christian, Kris^en, dim. Tisse, Kicke; Jens, Jans; Martin, 
Märten; Jakob, Jaakeb, Jäpe; Boie, Bäie ; Karsten', diminutiv 
Kacke; aus Niss wird Niss, Nie, Nickels, Nagels und Nashe; 
Nane, Naane; Pai, Paaie; Peter, Päjter; Hemme, Harne; Lat 



105 

renz» Läunram: Harke, Harke; Lütje, L&itte^ LmyUe; Jes$^ 
Jödie; RickUf; Ketel, Kille; Lauritz, Ldwers; Numde; Mumme; 
Siewert ; Urban , Drbaan ; Jürgen , Jum ; Michel , Michel und Megaal ; 
Herne» Häjnne; Bendix, Bändix; Samuel, Saamel, u. s. w. — 

• • mm ^m 

h.weUfliehe,els: Annchen, u^jnte; Abel, Aabelund^wel; Agatha, 
A^t; Botel, BöjÜ; Dorothea, Bortig, Bortjen; Nijlk; Else» Ilhh; 
Katharine, Getreen; Christina, Gesteen, Stkie; Helena, Lene, Leth 
im, Un'k; Siehe, (die kleine Sie); Caecilie, Süle;"Mämk; Am* 
mer; Sossei; Mathilde, Mit; Non'k; Katharine, Trin'k; Elise, 
Ueke; Agniete, Angnäßt, Netzen; Beata, Beaajt; Herle, Helk, 
ßjärlig; Engel, iil/n^eJ/Gesina, Geesh; Susanna, Süsh; Laurette, 
lAwrßjt; Magdalena, Maläin; Margaretha, Megräjt; Maria, Metie, 
Merike, Mieken^ Mie; ^n'k; Pop; Kie; Hertha, Birte; Hedwig, 
Hi^ ; Mäjnt , u. s. w. ^ 

Die meisten nordMesischen Ortsnamen endigen sich auf um und 
au, demnächst auf stähs und törp (Dorf), rup, trup, strup, torp^ 
\mdholm; andere Endungen , als Iialm undtönn, kommen seltener 
?or, und kog (de Kug) bei allen Kögen mit den dazu gehörigen 
Vornamen. Die Endungen um und bull {bäiiyl) sind bei weitem 
überwiegend , sowohl in den Ortsnamen des untergegangenen Nord- 
frieslands, als in dem noch vorhandenen Reste desselben, wel- 
cher, einer Prophezeihung der nordfriesischen Sibylle Hertje zu- 
folge, im Laufe der Zeiten, demselben Schicksal anheimfallen 
wird. Auf Helgoland , das im Jahre 800 noch über 40 Ortschaf« 
ten zahlte, waren damals folgende auf um, als: Baddum, Haijen- 
gom, Dunum, Gunderum, Sellum und Siekum. Anno 4240 hatte 
Rungeholt noch 12 Kirchspiele und Süderstrand folgende auf 



<) Unter den obenstehenden Eigennamen kommen viele Yerklcine- 
rimgep vor , welche Mütter und Kindermädchen den kleinen Kin- 
dern geben , die sie dann als Erwachsene oft noch beibehalten. 
Dahin gehören z. B. Baisse, Tisse, Kicke, Kacke, Klaai, Baai (für 
Ingebura), Aait, Boilt, Tine, Tijtte, Mie, Tienken, Mieiiijnken 
(Maria Catharina) und ähnliche, die allß keine Ta^fnamen, son"> 
aem willkührliche Yerslümmelungen derselben sind. Bei denje- 
nigen , die sich auf nk endigen , ist n kein Nasen- , sondern ein 
remer Zahnlaut, und muss dem gemäss gelesen werden. Dahin 
gehören z. B. Sänke, ^nk, Nonk, Trink, Link, zusammengezo- 
gen aus Sdnike (Sönken), Atinike, Nonnike, Trineke und Lineke^ 
lauter Diminutiva. 



104 

um, als: Winnum (2 mal)» Milium, Wotbekum, Bunduu, 
Dertum» Busum und Siegberlum; Nordstrand: Eyntum, Eidum, 
Langum, Balum, Rullum, Gomorum, Falum» Hinnum, Ai>pe- 
lum, Grodum, Horstum, Beltum, Morsum, Ailim, Hindrum, 
Bertum, Habekum, Hannum, Colum; in Eiderstedt (iüjtte Ei- 
derstedt) Alversum, Walum» Tolum, Horslum; im nördlichen 
Tbeile von Nordfriesland (1240): Malberum, Silingsum» Rüstumi 
Hinnum, Berlum, Roddum, Birgum» Lystum, Sijllum» Blijdum, 
Udum, Osterkyium» Panum, Kieptrum» Winnum, Ei tum (2 mal), 
Braderum , Wisenim , Bartum , Eidum , Hünum , Tinum , Ha^ 
tum, Hamm, Steinum, Flüdum (2 mal), Hornum, Sledum» Hel- 
ium, Katum, Caapum, Archsum, NQstum, Ryllum, Myduoit 
Gatum, Lägum, Hellidum, Lickum, Nistum, Haltum, Apperum» 
Jordum (2 mal), Larpum, Knökum, Kixtum, Bund um, TriadauBi, 
Bummelum , Upum , Tewecum , Wipperum , Wilsum , Bundum , 
Wellum, Bulum, Toftum, Gerdum, Brinkum, Harrum, Hunnoin, 
Bindum, Strückum, Krückum, Frillum, Oddum, Elütum^ Ar* 
num , Schallum , Kn\)pum , Mönrum , Satrum , Andum , Gnäpum , 
Bilkum, Dunsum, Lukum, Hanum, Klüum, Fludum. -r* lalFest- 
friesland (welche davon noch vorhanden oder untergegangen siod, 
weiss ich nicht , aber die aufgezählten nordfriesischen sind sqbon 
vor Jahrhunderten vom Heere verschlungen) , em und um , a^: 
Jeppem, Beijem, Herum, Sixbirum, Pietersbirum , Osterbinun, 
liidlum, Herbajum, Abnenum, Winaldum, Landum, Mailhumt 
]^itzum, Pingium, Witmarsum, Hiddem, Engwierum, Makum» 
Sotterum, Workum, Hemelum, Woengium, Hidum, RuygdaUum, 
Jerum, Hichtum, Wolsum, Arkum, Dedgum, Oldemardum, Rtt- 
gahuysum, Nyemardum, Spannum, Winsum, Bairum, Scbalsum, 
Aengjum, Beetgum, Henadum, Franjum, Harssum, Deinum, 
Blessum , Htelum , Weidum , Hantgum , Bosum , Beersum , He^ 
rum, Hallum, Britzum, Cornium, Heinym, Hglsum, Jelsum, 
Techum, Wirdum, Imsum, Genum, Hyanum, Dockum, Leckum» 
Gentum, Rottum, Bergum, Driesum, Aelzum, Ocslrum, Reysum, 
Collum, Burum, Boerum, Midhallum, Hallum, Beusum. -^ InOs^- 
flriesland: Oldersum, Borcum, Jemgum, Osterdum, Ackerum, 
Vogura, Gorcum, Vorcum, Franum, Worrum, Collum, Winsum, , 
Mackupi, Engwierum, Nollum auf Amcland, Lidlum, Bel.cum, 



105 

Dockum 9 WaiTum , Rottum » Bierum , Farnisum , Risum , Bal- 
imm. — Die noch vorhandenen in Nordfriesland auf um. Am- 
nun (Insel) i. Auf der Insel StjU: Archsum, Keitum, Rantum, 
Tinnum. 3. Auf der Insel Föhr: Boldixum, Wrixum, Oeve- 
nnm , Hidlum , Alkersum , Nieblum , Borgsum , Winsum , Hedde- 
hasum, Dunzum, Uettcrsum, Oldsum, Rlintum, Toftum. — 5. In 
den Aemtem Tendern, Bredstedt und Husum ^ an der Westküste 
und auf der Vorgeest : Riesum , Stadum , Bargum , Klintum , Bor- 
lum, Husum» Ophusum, Breklum, Bondelum, Struckum, Kar- 
lom, Dörpum, Rantrum, Bodum (im Amte Hadersleben), und Bo- 
dum (im Amte Apenradc), Bögelum; in Ditmarschcn Büsum, und 
an der jütländischen Küste, südlich Borum, Ycirum, Ballum, 6u- 
lum, Bgrum. — Die Endung Bull, noch jetzt in Nordfriesland dat 
Bdü^l oder Baul, die Hütte, wird im Dänischen zu böl, böllSy 
balle, und im Deutschen zu bättel, woraus auch das im Heraog- 
thume Schleswig gebräuchliche Bohl, ein Bauernhof mit einer 
Hufe Landes, hervorgegangen ist. Diese Ortsendung, die auf alten 
Landkarten über Ost- und Westfriesland gar nicht vorkommt, ist 
seit undenklichen Jahren im nördlichen Friesland heimisch. So 
hatte Helgoland im Jahre 800 unter seinen Ortschaften folgende 
auf ball , als : Ottrebüll , Tiefkebüll , Farrcnbüll , Yestebüll , Rod- 
büll, Lowe^büU, Scheckenbüll , Holmbüll, Mcdenbüll, Lciebüll, 
Hijlgerbüll und Tclligbüll. Im Jahre 1240 hatte Rungeholt in 
seinen i2 Kirchspielen folgende Oertcr mit hüll, als: Ebensbüll, 
Sockenbüll , GaikebüU (2) , Odenbüll , Akenbüll , Obbenbüli ; Nord- 
Strand : Luenbüll , Stintebüll , WittenbüU , Hcrsbüll , KonigsbüU , 
TolgsbüU , Esbüll , BoienbüU , Unkebüll , Spalebüll , Rickelsbüll , 
SrapenbüU, Stückbüll, Hulkebüll, Hulksbüll, OiTcbüli, Dlvesbüll, 
Rensbüll» Iwensbüll, Adebüll, Haicnbüll; in lüjttc Eiderstedt: Fler- 
debüll, Norderbüll, Süderbüll. Im nördlichen Theile Nordfrieslands 
(4240): Klüffsbüll, Pebüll, Knipbüll, BrüderbüU, Knockbüll, Frischbüll. 
Kirkbüll, LückbüU, Borrenbüll, Rcckelsbüll , Keckcisbüll , Ratzebüll, 
Wüppenbüll , Handingsbüll , Todingsbüll , Hatzcrbüll , Spickebüll , 
Juenbüll , Tinnebüll , Wingbüll , Grisbüll , Maiensbüll , Tocksbüll. — 
Noch in Nordfriesland und den an grunzenden Dislriclcn vorhan- 
dene Oerter dieser Namensendung, die man auf den Inseln nicht 
mehr antrifft» im Amte Tendern: Kuxbüll, Poppcnbüll , Rutte- 



106 

bull, Bosbüll, Bulsbüll, Böhsersbüll (Buttersbüll), Grellsbüll, Kah- 
lebüll, Klixbüll, KrakebüU, PerebüU, Schardebüll, Schnate- 
büll, Sparkebüll, Slrucksbüll, Walsbüll, Wimmersbüll , Törsbüll, 
TrasbüU, Niebüll, OlbüU, Deezbüll, Maasbüll, Dagebüll, Galms- 
büU , Emmelsbüll , HorsbüU , KlanksbüU ; in Eiderstedt : Kot- 
zenbüll , Koldenbüttel , Poppenbüll , Tetenbüll , Ulvesbüll ; im 
Amte Husum: Scbobüll; Bredstedt: MirebüU, Ebüll (A. Tondern), 
EbüU (bei Bredstedt), EfkebüU (A. Tondern), Efkebüll (in der 
Landschaft Bredstedt), Ellebüli, BüttebüU, BrcmsbüU (Tondem); 
im Amte Hadersleben : Aabüll , Bärsbüll , Ü mal , Grödebüll , Ans- 
bull, Storsbüli, Weibüll, MolbüU, Kjärbüll, Kagbüli, Spallebüll 
(Eiderstedt), SprakebüU (Tondern), Spinkebüll (Bredstedt), Ster- 
debüll, TodsbüU, Tombüll, TrasbüU, u.v.a. Das Böl, BöUe und 
Balle ist auch im Dänischen häufig. — Die Endung Stähs (sted) 
kommt seltener vor, wie Ahserstähs, Eiderstedt; Bräistäbs, 
Bredstedt; Buhmstähs, Bohmstedt; Tanningstähs , Tinningstedt ; 
Rafstähs, Siewerstähs, Wittstähs, Mildstähs, Jerpstähs, u. s. w. — 
Die Endung /io/m, der Holm, Insel, ist im Nordfriesischen de Hau- 
lern, wird aber auch holm und halm gesprochen; so ist z. B. Lind- 
holm Lonhdlm ; Ockholm dagegen Okhaulcm , und Soholm So- 
holm. 

Bemerkung. 

Die Ortsendung um wird von den jetzigen Nordfriesen häufig 
in em verwandelt, wie in Rihsem, Riesum , Hülissem, Husum, 
Ömrem, Amrum, u. s. w. Dasselbe ist bei den Namen Jeppem, 
Beijem und Hiddem (nach alten Karten) in Westfriesland der 
Fall, welches doch unstreitig dieselbe Endung ist. Diess kann 
niemand auffallend sein , der da weiss , wie sehr der Friese 
Zusammenziehungen , leichte Laut Verschmelzungen und , gleich 
dem Engländer , Verdrehungen nach seiner eigenen Mundart 
liebt. Der Dr, Ctement von Amrum, also ein geborner Frie- 
se, der sich, wie man aus seinen mitgetheilten Bemerkungen 
schliessen kann , viel ijiit Wortforschungen beschäftigt , und 
dazu auch seine Kreuz- und Querzuge in England trefflich 
benutzt bat« behauptet (im Altonaer Merkur) die Endung vm 



107 

sei dieselbe , wie das englische kam in Cliatbam , Buckingliam ^ 
Ghcltenham , Birmingham , Okeham , Notlingham , Nolherham , 
Oldham , Durham , u. s. w. , aus dem Aiifricsischen stammend , 
was ich nicht entscheiden kann; aber aulTaliend ist es, dass 
man sie schon im Jahre 800 überall in um verwandelt findet. 

Die Zahl, {Numerus), Einheit und Mehrheit, oder Sifigularis und 
Pluralis. 

Bildung der Mehrheit. 

§. 75. Die Bildung der Mehrheit aus der Einheit ist im Nord« 
friesischen sehr einfach und leicht, wenn man sich die weiter unten 
folgenden Abweichungen , Unregelmässigkeiten und Ausnahmen 
liur erst eingeprägt hat. Alle Hauptwörter , die in der Mehrheit 
vorkommen können , und eine hinzugefügte Endung erhalten , 
endigen sich, ohne Ausnahme, immer nur auf e, und behalten 
diese unverändert, wenn sie dieselbe schon in der Einheit haben. 
Die regelmässige Bildung der Mehrheit derjenigen Wörter, wel- 
che mit nacktem Stamme, oder ohne Nachsilben, da stehen, er- 
fordert bloss den Vorsatz des Geschlechtswortes da und die 
Anhängung des Buchstabens e, als: de Dick, da Dicke (Deich), 
jö u^rt, da ^rte (Erbse), dät Bijn, da Bietie (Bein), de Grünn, 
da Grünne (Grund), jö Klöck, da Klöcke (Glocke), dät Böhr^ da 
Bohre (das Bauer), de Klump, da Klumpe (der Klump, Kloss), 
jö Pump, da Pumpe (die Pumpe), dät Ljägt, da Ljägte (das Licht), 
de Säirk, da Säirke (Mannshemd), jö Wähg, da Wälige (Woche), 
dat Slot, da Slöte (Schloss). 

§. 74. Da alle Hauptwörter auf e dieselbe Endung im Pluralis 
bebalten, so gehören dazu auch die mit den Endungen und Nach- 
silben eise, ense, ere und erne, als: de Dräge, da Dräge (Drache), 
de Kröge, da KrSge (Gräpen), de Käsere, da Käsere (Kater), de 
Wdnseme, da Wanserne [Besemer) ; de Tachehe, da Tachelse 
(Deichsel). Einige Wörter, obgleich sie einen Plural haben, be- 
halten dennoch , wie im Deutschen , die Form der Einheit , wenn 
sie als Gewicht oder Zahlcnmaasse stehen, z.B. ßauei' Mark, tien 
Pünn Flash, tuhg Lüjdd Sihssen, twellew Ihr üjll, u. s. w. 4 Mark,. 
iO Pfund Fleisch, 2Lolh Seide, 12 Jahr alt. 

14* 



108 

§. 75. Bei denjenigen Wörtern, die sieh auf el, er, m und em 
endigen, kann man nach Belieben das e vor dem Consonanten 
wegwerfen oder beibehalten, als de Fögel, da Fögele oder Fögle, 
de Färwer, da Fäpwere oder Färwre^ de Kögen, da Kögene oder 
Kögne, de Bäisem, da Bäiseme oder Baisme, jö Fäihsem^ da 
Fäihseme oder Fäihsme (Faden als Maass). Dasselbe gilt von der 
Endung cw, als: dät Wieretv, da Wierewe oder Wierwe (Gewerbe), 
jö HärreWf da Härwe (Egge), de Wdircw, der Warf (nicht die 
Werfte), de Kaurew (Korb), dät Färrew u. s. w. 

§. 76. Alle Wörter mit nacktem Stamme, mit Nachsilben oder 
andern Endungen, bekommen das e nur in der Mehrheit, wo- 
fern es nicht schon in der Einheit vorhanden war, von welchem 
Gcschlecbte sie ^uch immer sein mögen, als: Dögede, Fnagede^ 
Länßhriwweräie , Kmninge, Kinnmginne, Lonshappe, Kronkhäide, 
Wänigte, Hannemisse, Häiringe, Bücklinge ^ Sijückling$y Bäirtge, 
Spärrige, Furrige, Gulige , StjüUe , q. s. w. 

So wie es im Deutschen kein einziges weibliches Hauptwort 
mit der Endung en giebt, denn die Lehen, Pfingsten, Fasten 
und ähnliche sind Gollectiva im PI. stehend, so giebt es im 
Nordfriesischen kein weibliches Hauptwort , das sich auf e en- 
digt, denn das Diminutivum DöjUe, Töchterchen , ist , in sprach- 
licher Rücksicht betrachtet , eigentlich sächlich , wo man aber , 
wie b^i Sühsse, Schwesterchen, auf das natürliche Creschlecbt 
sieht, so wie wir im Deutschen nach den sächlichen Wörtern, 
Mädchen, Weib, Frauenzimmer u. s. w. , das weibliche Fürwort 
sie anstatt es gebrauchen. Die Friesische Endung e entspricht 
oft derselben Endung im Deutschen, bei männlichen Hauptwör* 
tern oft auch der Endung en, 

§. 77. Hehrere einsilbige Hauptwörter bleiben in der Mehr? 
heit ganz unverändert, und sind dann bloss kenntlich an dem 
Ge^chlechlsworte ^, als: dät Swinn, da Swinn, dän. et Sviin' 
pl. Sviin, nd. Schwiin, pl. Schwiin, engl, swine, pl. swine; dat 
Griss^ da Griss, dän. et Griis, pl. Grus (Ferkel): dät Slmp, da 
^häip, dän. et Faar, pl. Faar, nd. dät Schaap, de Sehaap, 
engl, a sheep, pl. sheep; jö Müss, da Müss, dän. en Muus, pl. 
Muus, nd. Muhs, pl. Mühs, engl, a mouse, pl. mice; jö Lüss, da 
IfUss, dän. en Luus, pl. Luus, nd. en Luss, pl. Lühs, engl, a 



109 

louse, pl. licc; jö £$, da Bi, dän. en Bi, pl. Bier (iweisUbig), 
engl, a bee , pl. bees ; de Täü , pl. Tdis , nd. en Tabn , pl. Tähn , 
engl, a tooth, pl. teeUi; d&t Ihr, da Ihr, dän. et Aar, pl. Aar, 
nd. dat Jaar, pLJaar, engl, a year, pl. ycars; dätjPaar, da Paar ^ 
dän. etPar, pl. Par, nd. en Paar, pl. Paar; dfit Shwnn, da Shinn, 
dän. et Skind , pl. Skind , engl, skin ; dat Pünn , pl. Pünn und 
Pünne, dän. et Pund, pl. Pund, nd. Pund, pl. Pund, engl, 
pound; jö Mark, pl. Mark, dän. en Hark, pl. Mark, nd. Mark« 
pl. Mark, engl. mark. — Anwendung in einzelnen Beispielen: 
Ick häw Swinn , Shäip , Griss , Bi an Shdnn käft , ich habe 
Schweine, Schafe, Ferkel, Bienen und Schinde (Felle) gekauft. 
De Jänge as aagt Ihr üjll , der Junge ist acht Jahr alt. Faar en 
TrolUng,'dir man tien Pünn waug, häw ick thug Mark däjn, für 
ein Brot (Laib) , das nur zehn Pfund wog , habe ich zwei Mark 
gegeben. Man hohle Tdis det me sier, an ick häw all tri Täis 
üUijn letf mein hohler Zahn thut mir weh, und ich habe schon 
drei Zähne ausziehen lassen. — Das Wort Pünn hat auch die 
Mefarbeitsendung , als: dätwjän Lujdde an Pünne, es waren Lothe 
und Pfunde; hehet Pünne, er hat Pfunde, ist schwer an Gewicht. 
Ton dem Worte Ihr, Jahr, hat man auch die alte Mehrheitsform: 
da Ihr'mge, und im Dänischen : Aaringer. In Lindhohn spricht man 
de T&its in der Einheit, und nur Täis in der Mehrheit, was mir 
richtiger zu sein scheint. 

§. 78. Andere einsilbige Wörter unterscheiden sich in der Mehr- 
heit durch einen Umlaut, als: jö Gwas, da Gäis, dän. en Gaas, 
pl. Gjäs, nd. de Gohs, pl. Göhs, engl, a goose, pl. geese; de 
TSu», da Täis (s. §. 77); de F&ujU, da Fäjii, nd. de Foht, pl. 
de Föht« engl, a foot, pl. feet; jö Ko , da Ke, nd. de Ko» pL 
Kö und Köi , engl, cow, pl. kine; de Mann, da Mann, 4än. en 
Hand, pl. Mänd, engl, a man, pl. men; dat Leess, da Lähs', dän. 
et Las, pl. Las; de Shauch, pl. da Shur, dän. en Sko, pl. Sko, 
nd. Schob, pl. Schob oder Shöh. — Das Wort Jlfönn wird auch, wie 
im Deutsehen, mit der Endung des zweiten Falles in der Re* 
densart gebraucht : Manns für etwas sein, als: Ick ba/n'r de Manns 
fa$r, ich bin dir Manns dafür, u. s. w. 

§. 79. Von denjenigen Hauptwörtern, welche das j unmit- 
telbar nach dem i vor den Buchstaben / und n haben, verlieren 



110 

p 

folgende dasselbe wieder in der Mehrheit, als: dat Dijl, da Diele; 
i. Das Ding, 2. der Thcii, 5. das Theil; dat Fijl, da Fiele, das 
Rad; dat Mäjl, da Mäile, das Mal, das Mahl; de Ajl, da üt/e, 
der Aal; dat Paß, da Pät/e, Pfütze, Lache; jö Sptyny auch 
Spriefi, da Spriene, der Staar (Vogel); dät ftjn, da Biene, das 
Bein; de iS'^il/n, da Stiene, der Stein; de IFd[;7, da WäUe, der 
Weiher, die Wehle oder der Wehl. Alle übrigen Wörter, wohin 
auch Bestimmungs- und Zeitwörter gehören , behalten das j auch 
in der Mehrheit bei, wenn sie es in der Einheit haben, als: dät 
oder de Bijnn, da Bijnne, Bänder; jö Trijnn, da Trijrme, die 
Weife ; glijnn , glüh , glühend , da glijnne Kohle ; wijnnen , wen- 
den; sijnnen, senden; hijnnen, 1. mit den Händen auffangen, 
2. sich ereignen ; tijnnen , zünden u. s. w. Doch macht hiervon 
die Silbe äujl eine Ausnahme, die meistens in atde übergeht, 
wie in: dat Bäujl, da Baule; de Stäujl, tia Staule , Stuhl; dät 
Shäujl , d^ Shaule, Schule , u. s. w. 

§. 80. Einige Beispiele zu den Uebergängen der Yocale und 
Diphthongen in andere, als: äi in ege, in aa und ö, e in ä, äh, 
d in'd, tl in M, uh, du in au, d in e, t in e, d und äh in e, 
in öh, u. s. w. , als: de Däi, da Dege und da Daage; dat Blök, 
da Blaage; dat Stock, da Stöge; dät Uss, da Lähse; de Smdss, 
A& Smähse; de Süss, da Suhse; gäujd, de Gause; jö Kraft, da 
Krifte; jö iS'/icÄ, da S%e; dät Swinn, Swenneflash; jö «VM^^, da 
Stehse; dät Skiern, da Shröhninge. 

§. 8i. Uebergänge der Consonantcn in andere ergeben sich aus 
dem Folgenden , als: finw, k \ng, t in ss, hs, eh in g^ pp in w, 
ff in w^ u. s. w. Beispiele sind : dät Block , da Blaage ; d&t 
Stock, da Stöge; de Däi, da D^i^e; de If^di, da Wege; jö 5^tei^, 
di StSge; de Krich, da jEr^e; dät Bräif, da Bräiwe; jö Craii/, 
di Grauwe; dat itti/*, da Auii^e; dät S/ee/*, da Stäwe; dat (Trae/*, 
da Gretre ; dat Fdf , da Fahse ; dät Fe/ , da Fähse ; dät iVeel , da 
Nähse und iV^e; dat Spät, da Spähse; de T^iß/*, da Thiewe; dät 
itee/*, da iidK^e; dät Stähs, da Stehse; jö Slähs , da Stehse; de 
5ß5S, da Suhse; dat Klüss, da Kluhse; de Smdss, da Smdhse; jö 
Shicss, da Shiehse ; dät Shdpp, da Shdwe; dät /?dd, da Bähse, 
u. s. w. Diese sind, der Reihe nach, folgende, als: der Block, 
das Stück , der Tag , Weg , Steig , Krieg , Brief , Graben ,. 



111 

Gamstrahne, Fassdaubc, Grab, Schüssel, Bottich, Netz, Spiess, 
Dieb, Fachs, Statt, Stadt, Brunnen, Tuch. Schmied, Löffel, 
Schiff, Bad. — Von den vorstehenden dürfen folgende nicht 
mit andern, ihnen ähnlichen Wörtern verwechselt werden, als: 
dat Rufy da Ruwe, die Strähne, und jö Ruhw, dk Ruwe^ die 
Ruthe oder der Arm einer Windmühle; de Smass, da Smahset 
der Schmied, und jö Smäfis, da Smahse, die Schmiede, so wie 
de Smäfis, da Smahse, der Wurf; jö Shiess, da Shiehse, die 
Scheide; dat Shdppy da Shäwe, das Schiff, jö Shaw, dk Shäwe^ 
die Schabe; da Bähse, die Bäder, da BaJise, die Heister, nd. 
Baas, und de Bähse, der Nutzen; dat Spdtt, da Spahse, i. ein 
Spiess, wie: Härespatt, Ijägtspatty der Dengelspiess , dän. Häre- 
spid, Lichtspiess, 2. ein Spatenvoll, 5. Späth der Pferde am 
Knie, auch Spät genannt. 

§. 82. Folgende einsilbige Hauptwörter mit den Endbuchsta- 
ben SS, ff, m, n und r, bekommen in der Mehrheit die alte En- 
dung inge, als: dät Hüss, da Hähssinge (Haus); dat Krüss, da 
Krühssinge [Kruo; ^ als Gefäss); de Müss, da Muhssinge (Mund); dat 
Shilff, da Shüwwinge (Schubladen) ; dat Kniff, da Kniwwinge (Messer); 
dat Liff, da Liwwhige (Taillen); dät Rümm, da Röhminge (Zim- 
mer); de Tünn, da Töhn'mge (Gärten); dat Shrüntif da Shräninge 
(Lade, Kiste, Schrein); dat Ihr, da Ihringe (Jahre), dän. et Aar 
und Aaringer. 

§. 85. Folgende bekommen in der Mehrheit die Endung ene, 
als: dat Uhg , da Ugene (das Auge); de Mdnshe, da Manshene 
(Mensch); deHögse, da Högsene {die Kniebeuge, Häckse); de Jdnge, 
da Jöngense ; so wie die nur im Pluralis stehenden CoUectiva : da 
udgene (Spreu); da uillcrne (die Eltern); da Süskene; da Axcne, 
die Ochsen. Nachstehende , welche sich auf ch endigen , behal- 
ten diesen Buchstaben in der Mehrheit , als : dät Lach , da Lache 
(die Schicht); dät Twich, da Twiche (der Zweig); jö Blich, da 
Bliche (das Laken); de Such^ da Suche (der Zober); de Uch, da 
Uche (die Wand); jö Slich , da Stiche und Stege , s. o. , der Steig. 
Andere verwandeln ch in g, wie oben unter Krich, pl. Krege, 
blöch (blöde) in Bloged , u. s. w. 

Die Endung cfie, erne , ist die bestimmte Mehrheitsform aller 
dänischen Hauptwörter, die in der Mehrheit gebraucht werden 



können, als: Mand, Mann, en Mand^ ein Mann, Mand^ Männer ; 
Manden^ der Mann, Mindme, die Männer; ebenso: Axene, die 
Aehren; Aagene^ die Joche; Bardene, die Tische; Husene^ die 
Häuser ; Stuerne , die Stuben » u. s. w. Diese Endung ist aber 
auch angelsächsisch , wie in Edge , Auge , Genitivus Pluralis : m- 
gena;SieorvdiyStearrena;T\inge^ttmgena; Eare, earena » der Ohren; 
Gliwe, cUwena, der Knäule; Nama, namena^ der Namen; Cuma, 
cutnena, der Gäste; Lichoma, Uchomena^ der Leichname; Wuce, 
wucena^ der Wochen. Diese haben auch im Genitivus Singulftris 
undimDativus (m, als: Tungan, der Zungen, Sunan, der Sonnen, 
Wucan, der Wochen, Eordan, der Erden, woraus man zugleich 
die Herstammung dieser Formen im Deutschen erklären kann. 

§. 84. Die Namen abstracter Gegenstände können nur danA 
eine Mehrheitsform haben , wenn man sich dieselben vervieifäl* 
tigt denken kann, als: da Kränkhäide, Licknisse, Dögede^ Lagern 
(Lügen), Tijnstey Wamhe, Wönrä^dde, Dänse, Uttflügte, u. s. w. 
Auch manche Mengenamen können keine Mehrheitsform anneh* 
men, als: dät Saaken, dät Tjüch, dät Fäujlk, dät Säjdd, dat 
Untjöch; wogegen andere nur allein in der Mehrheitsform stehen 
können , und einige , die zwar auch als Gattungsnamen stehen , 
doch gewöhnlich nur als Mengenamen mit der Mehrheitsform 
gebraucht werden; wie z. B. dat Häier, das Haupthaar, 2. dat 
Häier , ein einzelnes Haar, pl. die Haare; dät Sträi coli, jö Strü^ 
pL da Siräie, die Halmen; dät Hulem coli, ohne Mehrheitsform. 

§. 85. Folgende CoUectiva kommen nur in der Mehrheit vor, 
als: da FSste, die Fasten; da PajngsdSge, die Pfingsten; da Wieh- 
dege, die Schmerzen, Wehtage; da Middle, Vermögen, Reichthü- 
mer; da Mäihslinge, die Masern; da BogslUige, die Beinkleider; 
da Aune, die Buttermilch; däu/gene, die Spreu; däTwäge^ die He- 
fen; da Häßde, die Hede; da Axene, die Ochsen; da Beeide, die 
Gebehrden; da Söshene , die Geschwister; da uilkrne , die El- 
tern; da Frünne^ Verwandte; da Träme, der Lädel oder Drumm; 
da Lahse, die Gliedmassen; da Kluhse, die Kleider; da Ronte^ die 
Renten; da Häckelse, der Häckerling; da Sliecke, die Prügel; da 
Sturre, aufwärtsstchende Spitzenfaltcn als Kopfputz der Frauen- 
zimmer; da Flöme, die Flaumen der fetten Schweine*; da Rainke, 
die Ränke; da Spörlle, die Sportein; da Ferie , di# Ferien ; da 



113 

Wmh, der Webstuhl ; d4 TaiUle , ^ie Klöppel sum Band- und 

^litzenklöppeln; d6 Nüdce, nd. Nucken, dän. Nykker; da Träh- 

», Trethölier am Webstuhle ; da Nocke^ der Schlucken ; da Ock- 

Imge, die Räume unter dem Dache swischen den Sparren, wo 

Oleh und Boden zusammenstossen ; da Grille, die Grillen; da 

tmppehe, die Spitzen. — Die nachstehenden kommen auch meistens 

nv in der Mehrheit vor, können aber auch in der Einheit ste« 

ben, und haben dann die Mehrheit neben sich, wenn sie als Ap« 

f pdiatiTa gebraucht werden, als: da Nöcke, die Häkchen an der 

I Spindel; 6A SHe, die Kumpten; d4 Pocke, die Blattern; da Tante ^ 

l die Finnen im Speck; d4 Shäwe, die Schaben; da Frönne, die 

Geiraundten; da NoOiinge, die Nüstern, auch von Menschen, die 

Nisenlöcher; da Slägge, die Schlacken; da Srdjdde, die Grieben; 

di Flecke, die Arme der Spindel; da GroUetnänns, coli, ohne Sin- 

gul., die Yomehmen und Reichen; da LdjUemänns, das Gegentheil 

da?on; da HaadHnge und F^jitUnge , zu Häupten und Füssen 

des Bettes. Von diesen können auch folgende , wie die im vori* 

gen § zuletzt angeführten, als Gattungsnamen stehen, und ihre Ein* 

hat ist dann: de Pocke, die Pocke; jö Shaw, de Frünn, jö NS" 

äring^ de Slägge, de Snijdde, de Nicke und de Flecke. 

Anmerk. i. Die einsilbigen Wörter, welche nur aus zwei bis 
drd Buchstaben bestehen, und sich auf einen Yocal endigen, ha- 
ben diesen immer stark betont, als: jö Bi, die Biene; jö L6, die 
Tenne; jö Li, die Sense; jö Bro, die Brücke; jö K&, pl. Ke, die 
Kuh, Kühe; dat üa, die Reihe, Zeile; jö üd, die Ruhe; dat Klie, 
die Kleie; de Die, der Teig; jö lAe, die Micthe und die Heuer; 
dat Pie, ein Unterröckchen der Frauenzimmer, und ähnliche. 
Die Mehrheit ist hier regelmässig, und ist: da Me, da Uie, da 
Br6e^ da Bae, da Pie-e. Jö Bi und jö K&, siehe oben. 

Anmerk. 2. Die Mehrheit der menschlichen Eigennamen ist 
regelmässig, als: BSnne, JAnse, Düe, Nickeke, NägeUe, Jawneesßt 
lUae, Si/merte, Karstene, Släjnne, H^le, Ttmgle, Kie-e, Geshe, 
BSjUe^ Sössle, GMrSne, Maläine, Ammere, Megr^jUe , Poppe, Heike 
und Lkdte, oder: Benden, Jense, Düen, NickkeU», Janasse, Tkaden, 
Skwerte (Siegwarte), Karsten , Stene , Hagel, Dankleffe, Kielen , Gesehen, 
u. 8. w. Die Stammnamen endigen sich gewöhnlich auf sen (abge- 
kürzt aus söhn), wo man aber bei der Bildung derselben oft ziem- 

15 



lieh willkübrliek verlahrt; so wird aus Benne Bansen^ aus Jer^ 
(fries. Jans) Jansen, aus Düe Dühtaen, aus Stßin Slainsm, aiu 
Godber Gödbersen u. s. w. Im täglichen Leben giebt man so* 
wohl weiblichen als männlichen Vornamen ein ^, wo es sich nur 
immer zwanglos anfügen lässt, und dem Stammnamen das Zei- 
chen des Genitivs» nämlieh ein s, und spricht: Binnet Jdmm, 
Benet Geshms, Mummet Andräisens, Andraist Megrßittens, Geirhl 
GSdberSf Sieket Sankens, KUuait PajUere, Jüshet Sankens, u. s. w. 
Diess ist euie Zusammenziehung aus ajU (das englische at, tu, 
in), und ist soviel als in dem Hause des Vaters oder der Mutter, 
dazu gehörend, und löst sieh so auf: Bhme qjU Jansens, Bene q/tt 
Geshens, Andräis ajtt MeqrajUens (nämlich Hause oder Familie). 
Man [fragt z. B. jemand: Huhm ging dirr faarhai? Wer ging da 
vorbei? und die Antwort ist: dät was Klaaü PäjUers^ das war Hi- 
eolas zu Peters.. Fragt man dagegen nach dem eigentlichen Na- 
men emer Person« als: h^ häUhe? Wie heisst er? hwr hSüjof 
h&rr hätst döF so wird der wirkliche Name genannt, sis: he hü 
Carsten Paulsen, jö häl Sossei Hansen, ick hißt Uwe Dühssen u.8.w. 
Ist man bei irgend jemand im Hause, zum Besuche, in Geschäften 
U.S.W, gewesen, so wird diess, wie im Dänischen, durch ß^ttnax 
dem zeichen des Zweiten Falles ausgedrückt, als: Ick hähw i^t 
Millers, Faageds, Geshens^ Andrüsens waJm, ich bin beim Mal- 
ier, beim Vogte, bei Gesche, bei Andreas gewesen; dän. Jeg har 
väret hos Prestens, Möllers, Docterens, Hansens u. s. w., ich bin 
beim Prediger, bei Herrn Möller , dem Doctor, Herrn Hansen gewesen. 



Abänderung des Hauptwortes (Deelinatio). 

§. 86. Die Abänderung des Hauptwortes ist einfach und leicht, 
denn nur im zweiten Falle beider Zahlen, der Einheit und Mehrheit, 
wird demselben ein s angehängt. Da wir die Bildung der Mehrheit 
bereits kennen gelernt haben, so brauchen wir hier keine beacm- 
dere Abändemngsarten zu machen, indem sie sich im WeaenüidieD 
alle gleichen» Zuerst wollen wir einige der einsilbigen und dann 
einige mehrsilbige Hauptwörter als Beispiele nehmen, wie: de 
Bijnn, der und das Band; dat Bijn, das Bein; jö Bü, die Beere. 



I 



115 
Einheit. Einheit. 

mannl. weibl. sächl. männl. weibl. sächL 

N. de B^m, jö Bü. d&t B^. N. de Krage, }ö Saget, dhiKräwel. 
G. de Bijnm, jö Büe, dat Bym. G. de Krdgee, jö Sageis, dat Kräwels^ 
OiL und Aceus. wie der Nominativ. 

Mehrheit. Mehrheit. 

IHM B^ime, da Baie, da £iene. N. da Xr^«, da ^o^/e, da Kräwle. 

6. di Bijnnee, d& Adtef , di Bienes. G. da Kräges, da Sagles, da Kräwles, 

fiit. und Accus, wie der Nominativ. 
Eben so: de .^^f, de jipeU, da il|)/6, da i4|)/e«; de ituioeit, de 

Aimeiu, da iltttoen«, da ilut^'nef ; jö Meilen, jö Mellens, da MSltne, 

di MilCnes; dat Haigen, da Häigeney da Häig'nes; auf ^, de Ftrf- 
(fer, de Ffdder«, da Fiddre, da Fiddres; jö Mudder, jö Mudders, 
da MiMre, da Muddres; dat Jicfter, dat Jückers, da Jäcftre, da 
JfÜdbercr (dk Gerte); auf «m, de £ät#6fii, de Aoücmif » d4 Bäis'me, 
da Miime»; jö BUaem, jö BlSstem», da Bliume^ da Blossmes; dat 
Ihbaii dät Huknu, ohne PL; auf ere und eme, de Kahsere, de 
KMheereff dk Kahsere, di Ka/iseres; de Waddeme, de H^cuMerrtef , 
d& )f«iMent«, d4 Waddemes; auf 0I, cd und er^ als: dat Üti^^ 
oder Buged, dat HngeU, dk Hugede, da Hugedes; jö Döged, jö JMh 
gwb, dÄ Dögede, dk Dögedes; de Faaged, de Faageds, da Faagede, 
di Faagedes; jö jdherl, jö u/nerts, da jinerie, da ufnertes; dal 
JUUif^ oder Läiged, dit Läigets, da Id^eefe, da Laigedes, u. s. w. 
Die hier angeführten Wörter sind der Reihe nach: Grapen, Sichel, 
Krüppel» Apfel, Ofen, Mühle, Kissen (Stuhlpolster), Yater, Mutter, 
Gerte, Besen, Blüthe, Langstroh, Kaier, Wittwer, Anhöhe, Tugend, 
Yogi, Ente, Seiehte oder Niederung. Auf 19, %, icAt, als: de J?aj- 
r^, de Bdirigsy da Bäirige, dk Bäiriges (der Berg); de Bieligs, da 
Ativ^ (Kasebalg); de £^(f (der Ernte), d4 Berget (der Em- 
len); dal Märrigs (des Markes), jö Merrigts (der Metze), d^ Iffr- 
n^lif (der Menscher). Auf tun, tn{)f und tin^, als: jö Kinninginns, da 
Bmmgkmes; dät TFa«iiMii(/f , da TFafmtfi^^ef ; dii Pännings, dk Pän- 
mmges; de KmUblings, dk Knäiblinges (Königinn, Fenster, Pfennig, 
Knie). Auf duhm, shapp und dt, als: dat Kaiserduhms, da Kai- 
serdHhmts;\dai L&nshapps, da Ldnshappes; jö Prawstats, da /Vatr- 

15* 



116 

stdies. Auf eise, häid und Vocale, als: de TacheUes, da Tacheh 
(Deichsel); jö Krönkhäidsy da Krönkhäides u. s. w.; jö Li*s, da LcCe9, 
8. 0., jö Br6*s, ik Broes; jö Bis, da Bies; dät Pie's, daP»e-e»; 
dat I/A^, d&t 17%', da Ugenes; de Hogses, iä HSgsenes, u. s. w. 

Anmerk. Das unbestimmte oder nichtbestimmende Geschlechts- 
wort ist im männlichen Geschlechte an, im weiblichen und säch- 
lichen en, wird aber gewöhnlich in allen Geschlechtem nur 'n 
ausgesprochen, wie 'n Mann, 'n Wo ff, 'n Bjäm^ pl. Männ^ Wöffe 
und Bjäme, Auch hier steht bloss das s im Genitiv, als: en Jtfofms 
Wöff, eines Mannes Weib; en Wöffs Mann; *n ßjims udllerne; 
Manns Woffe, Wöff es Mann, Bjämes jflleme. 



Zusammenseisung der Hauptwörter. 

g. 87. a. mit Hauptwörtern. Hauptwörter werden mit andern 
zusammengesetzt , ohne irgend eine Veränderung zu erldden , 
sis: dat j/mthi^sSf de ^nUmenn^ de BUuiurew , de Beddeihne, 
die vordere Bettwand ; dät Brifjdkriidd, der ^Kümmel (wörtlicb 
Brotkraut); jö DöhrkUmk, die Thürklinke; de FaUberehser, 
der Fellbereiter , d. i. der Gerber ; de Feestpose , Fausthand- 
schuh; jö Fläf^ddtidd^ die Fluthzeit; de Frägtwäien; de GicM' 
ivirk , der Gichtschmerz ; de Hälsdauk , das Halstuch ; de 
Heeßüube^ die weisse Höve; jö Hüsstugt, die Hauszucht; jö Hott^ 
nuii^nn, der Hokkasten; d&t Jjllfät, das Feuerfass^; de Kaardspa- 
IßT, der Kartenspieler; dat Keekoähser, das Kielwasser; de Klä- 
pracker^ ,der Kleipicker, Zwergstrandläufer (Tringa minuta); de 
Krüddslup, dar Blumenstauf^ dat Kraugshild, das Krugschüd; dat 
Sunstwäirk; jö Igägtshäier; de L6t4le, die Tennendiele; jö LodpeU^ 
der Glückstopf; de Mästhuhmm; de PUmgsljärt, der Pflugsterz; 
dat Rinnwahifer, Regenwasser; jö Saaldöhr, Saalthür; dat Sältßt; 
dat Siddstock, Seitenstuck; dat Killmauck, der Kesselhaken über 
dem Ueerde; dat ShiUlhauck, das Schuldbuch; dat Smetpoter, 
Schneewasser ; de Ställbrauhser , der Stallbruder ; de Täiewärk^ 
Zahnschmerz; jö Theedwuhs, die Theedose; de Wäimihsser, Weg* 
weiser; Sdnnmfisser, Sonnenweiser; dat Würmkrüdd, der Wurm- 
saamen; dät Wägsljägt; dat Snölrähser, das Rotzmaul, Rotznase;. 



117 

de Pdcklrqjdd^ der Pechdraht; de Dickfaaged, der Deich vogt; de 
DiekQraaWi der Deichgraf; dat Bläi^dsluhggerjäm^ das Lasseiaen; 
de Stöftwäsi, der Spions tauber; dat Päufjnng&^t das Pfandgut; 
de Mjdgsställe , der Misthaufen ; de Qjärsglüpper, die Eidechse 
(Grasaehliefer); de Qjarshöpper; de FwujtUick; de SHjnwäll; jö 
SkuMmep , die Stahlschnalle ; de Aasknaake , der Aasknochen 
(Schimpfwort); de TjOdderwjarlse , Spannstrickwirtel ; de lAffrogt, 
das Leibgericht; jö Issspdr, der Eisspom; de Naasdauck, Nasen- 
tneb; de Güshäls^ der Geizhals; de TöllfonoaUer , Zollverwalter; 
de Krüsswai, der Kreuzweg; dat Köhltvaser, Grubenwasser; dat 
L&jnärbed, Lohnarbeit; jö BUekugel, Bleikugel; de Kostgainger, 
der Kostgänger; de Kann^äwse, der Kiefer, Kinnbacken; dat 
Bjärdsiep, die Bartseife; dat Bierglees; jö Fliegklapp, Fliegenklat 
sehe; de MältpSse , Malzsäckchen; de Gijlpungy Geldbeutel; jö 
MöhrshiesSy die Mauerkelle; jö lAckkärst, der Sarg; de Sällrieme 
der Sattelriemen; de Ki\jlsHjtter, der Kohlstösser; dat Beddstähs 
die Bettstelle; de Släipdrdnk, der Schlaftrunk; dat Mistwähser 
Nebelwetter; de AilebiUer, der Blutegel; de Träägrünn, Trost 
gnind; dit Lufttiecken, Luftzeichen; dat Bräißi, die Grützschüa 
ad; jö Nägtmähr^ der Alp; jö üehläss, die Wanze; de Säidhupper^ 
der Saekort>; dat HdrtbleesSy das Herzblatt; dat Möhrtwmn, der 
Kellereael; de ühgäpel, der Augapfel; de Ki^Utrüek, der Kohl- 
stroiik; jö Br^ßrinn, die Brotrinde; de BistSeky der Bienenstock; 
de Fdurmonn, der Fuhrmann; de Bauckbinner , der Buchbinder; de 
l4mgig^tter, der Lichtgiesser; de I^ägtstieper , der Lichtzieher; de 
Järdhupp, der Erdhaufe; jö N^dlägm, die Nothlüge; de Ojin- 
lob, der Grasbusch; de KSfm^f der Kuhfuss (ein Brecheisen); de 
FiekiiSek; dePulsSdder, die Pulsader; jö Brnnffiag^ der Regenschau- 
er; de Sanninm, der Sonnabend; dat Shän^lhüss, das Schulhaus; 
jo FßilUlägt, die Feldschlacht; dät ShüjUsham, das Schurzfell; 
de Sniemonn, der Schneemann; de Springstöek; de Slahkpule, 
der Staketpfahl; de Stammbuhrnm, der Stammbaum; dat Stüfm- 
glees, das Stundenglas; dat Siruhmmwahser , das Flusswasser; de 
Sweetsbßjlke, der Schwadenbalkcn beim Mähen; dat Stäpstähs, 
der Stege! ; de WinnboUel , die Weinflasche ; jö Wönrojdd , der 
Wahnrath, s. o.; de Kalklwäst, der Tüncherpinsel; de Fläshklump, 
der Fleischkloss; de Uaurngidd, der Hornhecht; dat Mählstöf, 



118 

der Mehlsiaub; de Witm^joaler^ der Weinkeller, u. s. w. 

Wörter, welche sich auf e, el, en, er, em, ere, eme, eke und 
ig endigen, werden, in der Regel, mit andern unverändert ver- 
bunden, als auf«: dftt Aunewälling, Buttermilcbssuppe; de Bur- 
retöle, der Klettenbuscb ; deBuUepäse, der Ochsenziemer; da Foh- 
lefäUt, die Fohlenfüsse, d. i. der Huflattieh; de Gremetögel^ der 
Halfterstrick; de HSckeUjnn, das Garbenband; de Homestick, der 
Hamenstab, Rausenstab; dät Jöhseshäufl , die Judensehulei dat 
KragenSst, das Krähennest; de Mägemipi, der Hagenschnaps; dat 
ÖmespSk, der Eberspeck; de Tömenägel^ der Daumennagel; de 
Sälering, der Kumptenring; dit Khbbelädd, der Koberdeckel; de 
Lonkepose, das Hüftpolster; dat Minehäier^ das Mähnenhaar; dat 
Nän^Uebauck, das Notenbudi; de Piännemdnn, der Lumpensanun- 
Icr (Plundermann); jö Röggewapp^ die Roggenähre; dat Wütteiträif 
das Weizenstroh; jö Slängehüdd, die Schlangenhaut; de Tome- 
stock ^ der Zollstab; jö Thranekrück, die Thrankrucke« u. s. w. 
Auf et: de BibellSser; de Kräwelstäi^l; jö Kägelbaan; de Pudel- 
hnim; jö Prigelkohs, der Strickstrumpf; de €ichelboge, der Gei- 
genbogen; de SägeUmdss, der Sichelschmied; jö Dägelpott, d&t 
Tiegeltopf; de ^hgeldriwwer, der Eseltreiber; jö Pieseldöhr, die 
Pieselthür; jö FUUelkäpp, die Flegelkappe; dat ShauwelUeea, das 
Schaufelblatt; de Stauppel^ne^ das Stoppelende; de UngeUiäge, 
der Angelhaken. Auf 6n: jö Auwensh&ml^ der Ofenschieber; de 
WdierdsaureWf der Wagenkorb; jö Kögendöhr, die Küchenthür; jö 
Millewruhw^ die Hühlenmtbe, Arm; dat Tiekenba/iick^ das Zeichen- 
buch. Auf ^: de udhkerring; dat EkerfßjU, Ackerfeld; de A^ 
gerhmydd, der Fingerhut; de Hänmerstäe^ der Hammerstiel; de 
Thaserbrait Buchweizengrütze; de Lädderbüfjlke, der Leitcrbalken; 
jö Räkkerköhlf die Schindergrube; de TjaalerhälSy der Kellerfaals; 
de KKwwerstSek; de Mudderwits, der Mutterwitz; dat Faiuerhtf^ 
ten, das Futterhemd; de Öferdäi, der Opfertag; de W&heergSlle^ 
die Wettergalle; dat ränfMr&räcJ; (jÖ), Zunderbüchse; dat JUii- 
eterstoek, das Meisterstück; de Böheerbüsh, die Butterbüchse; jö 
Süsterkäg, der Schwesterkuchen; dit ShuUerbhess^ das Schulter- 
blatt, u. s. w. Auf em; dat iitremU^, das Armgelenk; jö Bm^ 
semdöhr, die Stall thür; de BlSssemstSle , der Blüthenstiel; dat Jüm- 
lembünn, das Halmband; de Bmembinner, der Besenbinder, u.s.w. 



119 

Auf er« und eme: dät Wähserefiäsh, das Hammelfleisch; dat ££• 
iereshann, das Katerfell; de Wadderneständ , der Wittwerstaod; 
dit Ptmiemehaad, der Wiesbaumkopf ; dli H^nsemetioeh , derBrun- 
nenschweDgel , u. s. w. Auf eise: de Tdchelsehäge ^ der Deichsel- 
batoi; de RUckehebush, Riechstrauss von Blumen; dät Rqjddebe' 
bmtck, dasRäthselbuch; deLäpelseluper^ ein Pferd, das durchläuft, 
däiL löbsk, läufisch; de Häckelsekämmer ^ die Häckselkammer; 
HädkebekärU , Häcksellade ; Häckehehniff , Häckselmesser ; dftt 
Spauckebetähl, das Gespenstermährchen. AuSig: de Bäirigtdpp^ 
Bergspitze; dät Hälligläi^nn, das Halligland; dit Tuligljägt, das 
Talglicht; de Fuligeker, der Brachacker; de BieligtöU, die Liese 
am Blasebalg; de Märrigknaake , der Markknochen. 

Die Endungen ing, Ung und inn erfordern bei der Zusammen- 
setzung mit andern durchgängig den Buchstaben e, wie in: jö 
Amingeshaier , die Ösenschere, welche gar nicht exislirt und viel- 
leicblnie existirt hat, womit die Strohdachdecker das untere Ende 
des Daches an der Traufe abputzen sollen. Zum Scherz schickt man 
einen Knaben zum Nachbar um die Traufenschere, wo er dann im- 
mer weiter zum nächsten gewiesen wird , bis er das Dorf entlang 
ist und als Geäfifter zurückkommt; dät Wdnningeshurew oder 'Shur^ 
WHig, die Fensterkerbung, eine eigene Bauart altfriesischer Häu- 
ser, die man nur noch selten und nur in alten Häusern antrifft, 
wo vom obem Ende des Fensterfutters breite, schräge Bretter 
bis an die Decke zusammengefügt sind, vormals gegen Deber- 
schwemmmigen , um sich auf den Boden zu flüchten, der sonst 
zugleich mit der Mauer stürzen würde; de Shäuningehäge^ der 
Haken an der Brunnenstange; dät Hijllingeshjam, Nachgeburtsun- 
rath; Kinnüigeforsömling , Königsversanunlung; jö KnäiblmgetrH, 
die Kniescheibe; de BeplingeplSck, die Wurstprickel; dät Turner" 
Ungeshafm, das Lammfell von einem ein- bis zweyährigen Mutter- 
lamm; de SpilUngebuhmm, der Spillingbaum (gelbe Pflaume); dat 
TwdimUngepär , das Zwillingspaar, u. s. w. 

Die Endungen duhmy shapp und hOd erfordern ein eingescho- 
benes s» als: de AUerduhmskänner , der Alterthumskenner; jö 
Bie^enduhmstidd , die Heidenthumszeit; de Sekhappsbrauter y der 
Gesellschaftsbruder; de Ldnshapp^iekner, der Landschaftszeichner; 
dät Äienshappsuhrd , Eigenschaftswort; Näibershappsbrück , Nach- 



120 

barschaftssitte ; Krinkhäidstieken , Krankheitszeichen ; Sännhäids" 
toMnd, Gesundheitszustand» u. s. w. 

§. 88. Diess sind die allgemeinen Regeln, welche sich über 
die Zusammensetzung der Hauptwörter mit ihresgleichen geben 
lassen. Wir wollen nun auf die Ausnahmen aufinerksam machen. 

Ton den einsilbigen Wörtern, ohne bestimmte Endungen, be- 
kommen mehrere, wenn sie als Bezeichnungswort stehen, den 
Buchstaben e. Diess gilt besonders da , wo das Bezeichnungswort 
sieh dem Grund werte ohne Sprachhärte nicht anschliessen kann, 
und allemal, wenn der Gegenstand des Bezeichnungswortes in 
der Mehrheit gedacht wird. Zu der ersten Art gehören folgende, 
als: de Alk, dat Alkeshann, das Iltisfell (auch Alringeshann) ; de 
BlmehäU, der Blasenhals; dat Bosseslot, das Büehsenschloss; de 
Drugesafl, der Traubensaft; dat Honneäi, das Hühnerei; de Ha- 
gepule, der Heckpfahl; de Hä^testjäri, der Pferdeschweif; de 
Büagespicker, der Angelnagel; dat Hünnehüss^ das Hundehaus; 
de Hillebuhmm, der Fliederbaum; de KlBckestring , der Glockra* 
Strang; dät Lämpesnauck^ die Lampenkette; dat PöppeküU, der 
Pfeifendeckel; dat Pönneladd, der Pfannendeckel; de PungetwM, 
die Beutelquaste; de Rommehaum, das Bockshorn; dit Ringetap' 
pen, das Ringeltappen (ein Abendspiel im Freien für junge Leute 
beiderlei Geschlechts); dät Rdtekrüdd, das Rattenkraut (Arsenik); 
jö Sairkesliew, der Hemdärmel, an Hannshemden; jö SmSckespung, 
die Hemdenspange, an Weiberhemden; dät Siepewahser, das Sei- 
fen wasser; Ak Najttefiash^ dät Bäistefläsh (dasselbe); dät Shnme* 
haad, der Schraubenkopf; dät Sndggeküss, das Schneckengehäuse; 
Söhgemolke, Saumilch; Shäipetulig, Schaftalg; dät RauekenM, 
der Rabenschnabel; dät Staurkenebb, der Storchschnabel; joSM^ 
kermjtt; dät Suhsemhser, das Brunnenwasser; de Swunehals, der 
Schwanenhals; dät Swinn^ dät Swinnefläsh, Schweinefleisch; de 
Tannehmipp, das Tonnenband; de Tunenägel, der Zehennagel; de 
Stjmehüsshe, das Weizenbutterbrot; dät Wäilewahser , Weiher- 
wasser; de KSUUi^aH, i. der Eatzenschwanz, % die Blutähre (Ly- 
thrum Salicaria); de Stierehaum, das Ochsenhom; de Faanesmats, 
der Fahnenschmied; dät Haadefläsh, das Eopffleisch; dät Liepeai, 
das Kiebitzei; dät Nillebhess, das Nesselblatt; dät Rawekrüdd, das 



121 

ftübenkraot; dät Twigefläsh, das Quänen- oder Färsenfleisch; jö 
Wuppestimg, die Aehrengranne, u. s.w. 

§. 89. Bei folgenden ist die Mehrheit des Bezeichnungwortes 
dentlich angexeigt, als: de Baanelale, der Rainfarrenbusch; de 
BiU^kriemer^ der Bilderkrämer; de Bloekedrüer^ der Block- oder 
Seheibendrecfasler; de Bossesmass, der Büchsenschmied; dlt Hdjn- 
MlB- Bäisie» Swinne' Shüpe- an Gösemärked, der Pferde* Yieh- 
Seh weine- Schaf- und Gänsemarkt; de Bulimmetünnt der Baum- 
garten; ]ö Grauwedieling , die Grabenvertheilung; de Kniepemäger, 
der Sohnallenmacher , Spängier; de Glauwesmass^ der Spaten« 
sehmied; de Knäppemäger, der Knopfmacher; de KrSbbebitter, 
der Erippenbeisser; jö P&rnemff, die Pomfrau; dät Bdbbefiäsh, 
das Rippenfleisch; dit BoMsewahser^ das Rosenwasser; dät Säilise* 
fUf der Käsebottich; dät Shiehserdck, der Löffelriechel ; de Stü' 
rMekefy der Stemguker; jö Täweläujdd , das Petzenrammeln; 
dat Thiewepäck, das Diebspack; dät Thiegewärk , der Lenden- 
scbmen; dat Hünneläwewt, das Hundeleben; jö Wöffesdmmling, 
die Weiberversammlung bei einer Gebährenden ; de RSshetak, 
der Biosenbusch ; de jfplebuhmm , der Apfelbaum ; de Peere^ 
PUm§' Nähse» Kassebäiebuhmm^ der Bim- Pflaumen- Nuss- und 
Kirschenbaum; deDdsheklüß, der Köchenhader; de Wuppesämmler, 
der Aehrenleser; Taumebush, Domstrauch; en Baawleseme,' die 
Bineen* oder Simsenseime; Läfisewärk, Gliederschmerz; Wawle' 
kau m m ^ der Kamm zum Webstuhl; de Stickelsbäiebush, Stachel- 
beerstrauch; dät Bauittemäus, das Möhrenmuss, u. s. w. 

%. 90. Einige männliche Bezeichnungswörter auf er bekom- 
men» bei der Zusammensetzung mit andern, noch ein 6 angehängt, 
waa sehr richtig ist, wenn man den rechten Begriff mit diesen 
Wörtern yerbindet, die dann meistens im PL stehen, oder doch 
als in demselben stehend betrachtet werden müssen, z. B. dät 
ShMerebi^, das Schützenboot, ein Boot, wie es die Schützen 
gewöhnlich gebrauchen; jö Dikkerekaar^ der Deicherkarren; jö 
TiUmfiim^ die Zigeunerpfanne, dän. en Jydepande; de Söttere' 
ffiftmf die Schusterpfrieme; dät Gönnerenebb, der Gänserichschna- 
bel ; jö Fdilmekirst , der Fischbehälter ; dlt EriemmerehAsB , die Krä- 
mcrdüte, dän. et Krämmerhuus; jö Kraugerewoff, die Krögerfrau; 
du StijMiereUijn, der Schnitterlohn; dät Bahseredmmn, das Kalb- 

16 



122 

feil von einem ein*bis zweijährigen Kalbe; jö SfidjUereherberg^ 
die Tischlerherberge; de Shrpjderesuhmm , die Schneidemaih; dit 
^SsterehüsSy das Pfarrhaus, und einige andre. 

§. 91. Nachstehende Composita bekommen bei der Zusammen* 
Setzung ein eingeschobenes s^ als: de Lömtmonn, der Landsmann; 
de Vjllingsmönny der Oldingsmann, Odelsmann» (dagegen aber: 
de Lönmönn, der Landmann; de Bdddmönny der Bettelmann; de 
Jungmönn, der Jüngling); de Krklismdnn, der Kriegsmann; dät 
Däisljägt , das Tageslicht; de WäisUjngde, die Wegeslänge; de 
Wrällsijnne , das Wellende ; de Märkedsdäi ^ der Markttag; de 
NäiUirsdewe, die Neujahrsgabe (Geschenk), aber dät Ihrmärked 
ist nicht der Jahrmarkt» sondern das Marktgeschenk; de WrällS" 
lupp, der Weltlauf; de Läwentslupp; de Hdmmehlupp, der Him- 
melslauf; }ö Krichstidd , die Kriegszeit; de Mönnshugde, die Manns- 
höhe; jö Farsländsowing , die Yerstandesübung; jö Hdrtensängst, 
die Herzensangst; de Haurdswäll, der Kirchhofs wall; jö Hjlsnuid^ 
die Feuersnoih ; jö Wahsersnüß^ die Wassersnolh (aber dät Wah" 
serbräky der Wassermangel); dät Staatskläid, das Staatskleid; de 
Staatswäicii , der Staatswagen; de Staalsliener , der Staatsdiener; 
dät uirhedslüjn^ der Arbeitslohn; jö Bjämsnüjd, die Kindesnöthen; 
jö Töbacksdauhs, die Tabacksdose; Töbacksriek (Rauch); Toback»- 
pose; Tobackspung ; de Kupmännssähn , der Kaufmannssohn; de 
Fidderläiijnsliewde y die Vaterlandsliebe; jö Göddshänn^ die Gottes- 
henne, Gotteslämmchen (Coccinella); jö Dicksläst, die Deiehsla- 
sten; de Graufswäll; jö Ihrsüdd, die Jahreszeit; de Hierdsfaaged, 
der Hardesvogt; jö Fresensunnerhöndling , die Friedensunterhand- 
lung; de Kniff s5dd, die Messerspitze; de u/nUsforwälter , Am tsver* 
Walter; dät Drillingsljägt , das Dreilingslicht; de Shdllmgssl^, 
die Schillingssemmel , u. s. w. 

Anmcrk. Nur wenn das Wort 3» Herz" uneigentlich für Gefühl, 
Gesinnung steht, heisst es Härtens in Zusammensetzungen, sonst 
bloss Hart, als: Hartklöppen, Hartklämmen, Herzgespann; Hart' 
höhl, Herzgrube, aber Härtens fräude , Hartensmiening , HartensUew* 
de, u. s. w. Auch mehrere andere, mit den Bezeichnungswörtern 
in §. 91 , bekommen das s des zweiten Falles nicht, als: de JDoi- 
dnwwer, Tagetreiber; de Degewähler, der Tagewähler; dit Ha$n- 
melrick , Himmelreich ; dät oder jö Mannläll , die MannsziaU ; de 



125 

WahsertSpe, die Wasserhose (Wasserzapfen); de Dickfaaged^ Oeick- 
vogt; DickgraaWy der Deichgraf; dät ^mlhüss, u. s. w. Vieles 
ist hier ganz so» wie im Deutschen. Oft lassen Grund- und ße- 
zeichnungswort sich mit einander vertauschen, und geben dem* 
nach einen verschiedenen Sinn, als: iöHünnelänk und La/nkeMnn^ 
Hundkette, u. s. w.; de Wahserstruhmm^ dät Struhmmwahser , Was- 
serstrom, u. s. w.; dät Öf er fest und dät Festöfer, Opferfest; de 
Länestä^l und Stä^lläne, Lehnstuhl; jö Fajlshlägt und dät Slägt^- 
ßfl, die Feldsehlacht; dät BoUelbier und de Bierbottel, das Flar^ 
sehenbier und die Bierflasche, u. s. w. 

§. 9S. Wenn folgende Substantiva als Bezeichi^ungswörter ge- 
braucht werden, so stehen statt derselben die jetzt nicht mehr 
nackt oder einfach vorhandenen altfriesischen Namen dieser Dinge, 
als: dät Klüss, altfr. Kluss, pl. Kluhse^ Tücher und Kleider; de 
Süss 9 Suhs^ pl. Suhse, der Brunnen, nd. de Soot; de Eher, de 
Ager, der Acker; dät Läujnn, dat L5n, das Land; de Sträujnn^ 
de Strdn, der Strand; jö Bräujnn, jö Brön, die Feuersbrunst; 
jö Hännjfm, jö Hon, die Hand; jö Shät^jtm, jö Shöfiy die Schand« 
tbat; de Shauch, pl. da Shur, der Schuh.; jö GäuSj jö Gas; dat 
Swinn, Swenn; dat GätyK dät Göll^ das Gold; dät Kaum, dät 
ITffrfli» das Korn, u. s. w. Die Lautübergänge sind hier: ü in u. 
e in ä, A( in ^, at(; und äu in o, i in e, au in ti/», 4/ in e. Beispiele: 
de Bßidd, der Rath; de Bedmann, der Rathshcrr; de Sönmänn, 
der Sandmann; Soneker, Sandacker , Name zweier Dörfer, voa 
denen eins im Kirchspiel Leck, das andere im Kirchspiel Rinke- 
nis liegt; de Sänkraug^ der Sandkrug; de Sänbänk, die Sand* 
tenk; dät Sänskjarl, das Sandkömchen ; dät SuhseuHihser ^ das 
Brunnenwasser; jö Sönköhl und jö SäujtMhl, Sandgrube, nd. de 
Sandkuhl» dän. en Sandkule; jö Ägerhänn, das Rebhuhn, Acker- 
huhn, dän. en Agerhöne; de Lönmonn, der Landmann; de Län* 
faaged^ der Landvogt; dät Ldnrogt, das Landrecht; de Lonstrkker^ 
der Landstreicher; Löngraaw^ der Landgraf; dät Lönfäulk, das 
Landvolk; de Länmäjtter, der Landmesser; de Strönfaaged^ der 
Strandvogt ; Str&nrogt , Strandrecht ; Strönsätyn , Strandsand; 
StrdnfogBly Strandvogel, u.s.w.; de Brönhage, Brandhaken; Brön^ 
ßulk , Brandleute ; Brönshätt , Brandschatzung ; Brönkasse; jö 
JBr anwägt, u.s.w.; de Hönstock, der Handstock; dät Hdntjän oder 

16* 



124 

'tjärn, die Handqueble; de Honltmger, der Handlanger; dat Hän- 
wäirk, das Handwerk; de Hönslieck, der Handschlag; jö Hän- 
kliess, der Handschuh ; iuShänkliUten, Schandflecken, Schimpfen; 
jö Shurkniep, die Schuhschnalle; de Shurhjärsel^ die Schuhbürste; 
de Shurrieme; de Shurfldcker, u. s. w.; de Göseijürder, Gänsehiri; 
Göseflash, Gänsefleisch; Gösewing, Gänseflügel; Gösebraahs, Gän- 
sebraten; Göseäi, Gänseei; Gdsekrölle, Gänseblümchen; Gösefo^ü, 
Gänzefüsse; Gdsekräse ^ Gänzekropf; Gosesm&hr^ Gänzeschmals ; 
Gasesläi, Gänsestoll; Gösehjän, Gänseaar; Swinnehaadt Schweins* 
köpf; -fläsh, -regg, -bjdrst^ -ägel, -slagter, 'jürder, "fijtt, "i^mi, 
'kaum , -srnUte, -grojnten , -fleisch , -rücke, -horste , -igel , •schlächter , 
-hirle, -füsse, -schwänz« «kom, -schnauze, -grunzen; de K&n^- 
4er, Feldhirte, Flurschätz; de Kämquänker^ der Komq[uinkler, 
d. i. die Wachtel, aber auch de Kaumkug, Kamkog; de Kaum' 
eher, der Komacker; de KaurnhSndler ; de GölUmasß, 4. der G<M- 
Schmied, % die gemeine Libelle, Wasserjungfer (Libellula vulgata) 
und überhaupt alle Libbeleuarten ; de Gollting^ dät GeUskümm, 
de Gollslunge, die Goldstange; de Göllktump, aber de Gm^Udder, 
de G&ujlmäger^ u. s. w. Die drei Wörter: de Stm^l, dit SM^ 
und dät Bäujl gestatten eine zweifache Zusammensetzung , je 
nachdem sie in der Einheit oder Mehrheit stehen, als: dit Stäi^U 
häigen, das Stuhlkissen; de Staulemäger^ der Stuhlmacher; dät 
JShäujlgijlf das Schulgeld; jö Shauleforbähsering , die Schulverbes» 
serung; jö Bä/iyldöhr , die Hüttenthür; da Baulewanninge, die 
Fenster der Hütten. Das Wort Mätyl, altfries. Maul, MiU, Millerde, 
dän. Muld, engl, mould, bleibt unverändert in Mäi^luijärpel , wo* 
für man ganz unrichtig Mäujnuijärpel spricht. Vergleichen wir 
hier die Namen: Mäujluja/rpel , dän. Mvldwarp, engl. m§uldwarp, 
deutsch Maulwurf, so stellt es sich deutlich heraus, dass das Wort 
Haul in Maulwurf nicht Maul (Mund, Schnauze,) sondern Millorde» 
(las allfriesische Maul, bedeutet; und wirklich wühlt der Maul« 
wurf immer nur MUlerde auf, denn in der Thon« ^oder Kleierde 
findet man ihn nicht. (Beiläufig bemerkt, hat man auf der Insel 
Arröe keine Maulwürfe, obgleich man sie auf allen benaehbtrten 
Inseln, sowohl im Herzogthume Schleswig als auf den dänischen 
Inseln, findet). 
§. 93. Diejenigen Wörter, welche sich auf /* endigen , und in 



12B 

der Mehrlieii die Endung we bekommen, behalten diese in der 
Zusammensetzung bei, wenn die Mehrheit angedeutet ist, als: 
dat Braif, dat Bräiwebauck, das Briefbuch, der Briefsteller; de 
Bräiwepose, der Briefsack; dat Reef, jö Rawejägt, die Fuchsjagd; 
jö Grauf, jö Grauwedielvng , die Grabenvertheilung; dat Ruf, dat 
Buwebünn, das Strähnenbund; dat Grif, da GrSwehuppe, die Grä- 
beriiaufen, Gräberhügel; dat Steef, die Fassdaube, jö Stewehäwel, 
der Daubenhobel; StewehöU; de Thief, dat Thiewepäck, das Diebs- 
pack, u. s. w. 

$. 94. Die einsilbigen Wörter, welche in der Mehrheit die 
Endung inge bekommen, erleiden auch verschiedene Zusammen- 
setzungen , je nachdem sie in der einen oder andern Zahl stehen , 
als: de Hüssmönn, der Häusler, dat Hühssingerd, die Häuserreihe; 
de Krüssgruwe, der Krughenkel, da Krühssingeladde , die Deckel 
der Krüge; de Kniffsödd, die Messerspitze, da Kniivwingeblehse , 
die Messerblätter; dat Tünnstäk, das Gartengestänge, da Töhn- 
ing^hiewty die Gartendiebe; dat Rümim, Zimmer, de Röhminge- 
maier, der Zimmer- oder Stubenmahler ; de Shrännbarke, die 
Beilade in einer Truhe, da Shröningeladde , die Deckel derselben; 
dit Ihrbauek, das Jahrbuch, de Ihrgdng, der Jahrgang, de Ihrsdäi, 
dar Jahrestag, jö Ihrstidd, die Jahreszeit, jö Ihrtäll, die Jahres- 
uhl, aber jö Ihringetällj die Anzahl einer Reihe von Jahren, de 
Ihringeleller y der Jahrenzähler; dat Shöff, de Shöffsgrawe, der 
Schubladengriff, da Shöwwingeßke , oder -fäge , die Schubladen- 
fäeher. — Man spricht: dät*8 manning Ihr sunt, und dai ds manning 
Ikrmge 9u/nt, »viele Jahre her", beides richtig und gleichbedeutend. 

§. 95. Die Wörter, welche sich in der Mehrheit auf ene en- 
digen, kommen auch mit dieser Endung in Zusammensetzungen 
vor, als: de ügenewärk, der Augenschmerz; dat Ugenewahser; dat 
Mdmhenefkuh , Menschenfleisch; Mdnsheneliewde , Menschenliebe; 
de Mdnshenefrünn ; de Högsenewärk, Kniebeugenschmerzen ; da 
JSngmMe^räge , die Knabenstreiche; dagegen aber wieder: de 
Uhgipel, de Uhgmtiener, dat Uhgenbldcky dat Vhgenldss, Augen- 
lied; de ühgenshinn: dat UhgenmßijU, Augenmaass; dat Uhgenmärk, 
das Augenmerk; dat ühgenhäier, die Wimpern und Brauen oder 
Braunen (Uberhäier?); de Vhgenedoeter ; dat Mansheäller^ Menschen- 
alter; de Iffanshelaurte , der Mcnschenkoth; jö Mmshehä^jnn, die 



126 

Mcnsciienliand; de Axefiedriwwer (s. Axene unter den Collecliven) 
aber auch Ögsedriwwer. Dät U/igenbldck, der Augenblick, ist nur 
dann sächlich, wenn es den kürzesten Zeittheil bezeichnet,^ dage- 
gen männlich, wenn ein wirklicher Blick darunter verstanden 
werden soll, wie: de Liewdeblacky der Liebesblick. Jö MäjU, das 
Maass, ist nur in dem Worte dat UhgenmäjU, sächlich, sonst 
überall weiblich. 



Gemischte Beispiele als Nachtrag zu dem Vorigen. 

§. 96. De Tömestdck, der Zollstab; dat Wunnerlieken , das Wun- 
derzeichen; de MöhrsÜßfiy der Mauerstein; jö Siijnmöhr^ die Stein- 

• • • • 

niauer; de Ohlbuhmm^ dat Buhmmöhle, der Ölbaum, u. s. w.; 
dät Fögelböhr, das Vogelbauer; jö Mdlkkff, die Milchkuh; de Pose- 
klump, der Mehlbeutel, Budding; jö Böhserhdx^ die Butterhexe; 
jö Hdxeböhser, die Hexenbutter; de Slägbuhmm, Schlagbaum; de 
Bläujdhünny der Bluthund; dät Blätydshöm, die Blutschande; jö 
Lößstrepp, die Bodentreppe; de Flitsböge, der Flitzbogen, kleine 
Armbrust; jö Bri^dkröhm, die Brotkrume; jö Hilleboss, die Ho- 
lunderbüchse, aus der die Knaben mit zusammengekauten Werg- 
pfröpfen schiessen; dat und jö Höntrau, die sogenannte Handtreue 
der Verlobten ; dät jiiebier, Eierbier; dat ^irebier, das Ebrenbier, 
Begräbnissmahl ; dät Brordck , das Brückengeländer ; de Dägeih 
knöpp, Degenknopf; de Järdbäll, der Erdball; de Uhrewärk, der 
Ohrenschmerz; jd Kräbbeshäier , die Krebsschere; jö Päwertwjäm, 
die Pfefferquerne ; de Bicksdäi, der Reichstag; de Ricksdaaler; 
de Räidelägey das Rohrdach; dät Sajdkaum, Saatkorn; dät Skull- 
bräify Schuldbrief; de Siemäfiny 1. der Seemann, 2. der Sämann; 
jö Hefwöff, das Meerweib; dat Siddstock , das Seitenslück ; de 
Sdnntdhsser, der Sonnenweiser; de SpräikUere, die Sprachlehre; 
dat Tobacksstaawling f das Ausräumsei aus dem Pfeifenkopfe; de 
Döhrdrempel, die Thürschwelle ; de Slöhsedrempel , der Schleusen- 
drcmpel; jö Düssslünn, die Todesstunde; dat Fidderlaujnn ^ das 
Vaterland ; dät Mudderläujnn , das Mutterland ; de Waaldäi , der Wahl«- 
lag; dat Wähsergless, das Wetterglas; de Wajnkelhäge, der Win- 
kelhaken; de Wanterbähr, die Wintergerste; de Ullkatmm, der 



127 

Wollkamm; dät Urdebauck, das Wörterbuch; da Balsaatnble/tse, 
die Balsamblätter vom Balsamrainfarren ; dät RäujttebMd , das 
MöhreDbeet ; dät Tiddsäller , das Zeitalter ; jö Krogeshiess , der 
Grapenlöffel (nd. Sleef); de Suckerhäujdd , der Zuckerhut; de ^r- 
bedsmäfm, Arbeitsmann; dät Däilöjn, Tagelohn; dät Klöckehüss, 
4. das Uhrgehäuse einer Wanduhr, 2. das Glockengestühle der 
Kirchenglocken, anstatt eines Thurmes; de DöbsHjn, der Taufslein ; 
de u/lterdaucky das Altartuch; de Födderwjärsing , der eingestri- 
chene Hauptschwaden beim Heuen (Swälen); de Härwetünne, die 
Eggenzinke; de Lühssekaumm, der Läusekamm; dät Bjärdsiep, die 
Bartseife; jö Winnmellen, die Windmühle; de Winntjaaler^ der 
Weinkeller; de Sillefldcker, der Kesselflicker; de Majdlihsse, die 
Hähzeit; de FodderbSrigt, die Heuernte; de Fätfjtstäpe, der Fuss^ 
stapfen; de Ma4ihelsdäi, der Hichaelistag ; dät Ha/jnsterdck, die 
Heuraufe der Pferde; dät Hännerdck , die Hühnerweime; dät 
Bierg^l, das Biergeld, ^Trinkgeld; dät SollembSdd, das Wochen- 
bett; jö Sollemwöff, die Wöchnerinn; dät Ailäi^nn, das Eiland; 
dat Äilaumm, nd. Aulamm, d. i. Mutterlamm; dät Shähhoahser, 
Scheidewasser ; dät oder jö Potteshjärd , die Topfscherbe ; dät 
Nükenpawer, der Nelkenpfeffer; dät Gräjddeblöck, kurzer Rasen^ 
acker am Dorfe; dät Wjärtshüss, das Wirthshaus; de Plömetünn, 
der Pflaumengarten; de Swänewajl, der Schwanenweiher (Name 
einer Wehle im kleinen Kohldammerkoge , sonst jö Swuhn statt 
Sww«^\ de Hiehslupper, der Heideläufer, d. i. der Brachvogel; de 
EUenumse, dän. Ellemose, das Erlenbruch, Erlenmoor, jetzt ge^ 
meinschaftliche Dorfarbeiten; de BankertUt , der Bankerot; da 
BHärtetäcke, die Zacken am Hirschgeweihe; dät Wäirktjöch, das 
Werkzeug; dät Bäirigwäirky das Bergwerk; dät Hdnwäirkstjöch, 
das Handwerkszeug ; de Lägenkriemmer , der Lügenkrämer; de 
Swöwesteky nd. de Swäbslähl, Peitschenstiel; de SwöwesSme, die 
Peitschenseime ; dät Wäwlebaurd , das Wirkbrett zum Bandwir- 
ken ; jö Kndppelkäg, der Lebkuchen; jö Kndppelseßmmen , die 
Spitzenklöplerinn ; jö Hiehsbai, die Heidelbeere; dät JiUtjöch, das 
Feuerzeug; dät Tännerholl , das Zunderholz; de SwaawelplSck , 
das Schwefelhölzchen; de Wägsbolter, gewundene Wachskerze. 



126 

Mcnsciienband ; de Axenedriwwer (s. Axene unter den Collectiven) 
aber auch Ögsedriwwer. Dät Ufigenbldck, der Augenblick, ist nur 
dann säcblicb, wenn es den kürzesten Zeiltheii bezeichnet,^ dage- 
gen männlich y wenn ein wirklicher Blick darunter verstanden 
werden soll, wie: de Liewdeblacky der Liebesblick. Jö MäjU, das 
Maass, ist nur in dem Worte dat UhgenmäjU, sächlich, sonst 
überall weiblich. 



Gemischte Beispiele als Nachtrag zu dem Vorigen. 

§. 96. De Tömestöck, der Zollstab; dat Wunnerlieken , das Wun- 
derzeichen; de Möhrstijn, der Mauerstein; jö Sttjnmöhr, die Stein- 
mauer; de Ohllmhmm, dat Buhmmöhle^ der Ölbaum, u. s. w.; 
dät Fögelböhr, das Vogelbauer; jö Mölkkffp die Milchkuh; de Pose- 
klump, der Mehlbeutel» Budding; jö Böhserhdx^ die Butterhexe; 
jö Hdxebohser, die Hexenbutter; de Slägbuhmm, Schlagbaum; de 
Bläujdhünny der Bluthund; dät Blävjdshöm, die Blutschande; jö 
Lößstrepp, die Bodentreppe; de Flitsböge, der Flitzbogen, kleine 
Armbrust; jö Brüjdkröhm, die Brotkrume; jö Hilleboss, die Ho- 
lunderbüchse, aus der die Knaben mit zusammengekauten Werg- 
pfröpfen schiessen; dat und jö Höntrau, die sogenannte Hand treue 
der Verlobten ; dät ^iebier, Eierbier; dat u^irebier, das Ehrenbier, 
Begräbnissmahl ; dät Broräck , das Brückengeländer ; de Dägeih 
knapp y Degenknopf; de Järdbäll, der Erdball; de Uhrewärk, der 
Ohrenschmerz; jd Kräbbeshäier , die Krebsschere; jö Päwertwjärn, 
die Pfefferquerne ; de Bicksdäi, der Reichstag; de Ricksdaaler; 
de Räidetäge, das Robrdach; dät Sajdkaum, Saatkorn; dät ShüU" 
bräify Schuldbrief; de Siemötin, 1. der Seemann, 2. der Sämann; 
jö Heftvöff, das Meerweib; dät Siddstock , das Seitenslück ; de 
Sännwihsser, der Sonnenweiser; de SpräikUere, die Sprachlehre; 
dät Tobacksstaawling , das Ausräumsei aus dem Pfeifenkopfe; de 
Döhrdrempelf die Thürsch welle ; de Slöhsedrempel , der Schleusen« 
drempel; jö Düssstünn, die Todesstunde; dät Fidderläxtjnn ^ das 
Vaterland ; dät Mudderlmjnn , das Mutterland ; de Waatdäi , der Wahl«- 
tag; dät Wähsergless, das Wetterglas; de Wajnkelhäge, der Win* 
kelhaken; de Wanterbähr, die Wintergerste; de Ullkaumm, der 



127 

WoUkamm; dät Urdebauck, das Wörterbuch; da Balsaamble/tse, 
die Balsamblätter vom Balsamrainfarren ; dät RäujttebSdd , das 
Möhrenbcet ; dät Tiddsäller , das Zeitalter ; jö Krogeshiess , der 
Grapenlöffel (nd. Sleef); de Suckerhäujdd , der Zuckerhut; de u/r- 
bedsmönny Arbeitsmann; dat Ddt'%'n, Tagelohn; dat Klöckehüss, 
4. das Uhrgehäuse einer Wanduhr, 2. das Glockengestühle der 
Kirchenglocken, anstatt eines Thurmes; de DöbsHjn^ der Taufstein ; 
de ^Iterdauck, das Altartuch; de Födderwjärsing , der eingestri- 
chene Hauptschwaden beim Heuen (Swälen); de Härwetünne, die 
E^enzinke; de Lühssekaumm, der Läusekamm; dat Bjärdsiep, die 
Bartseife; jö Winnmellen, die Windmühle; de Winntjaaler^ der 
Weinkeller; de Stile fldcker, der Kesselflicker; de MäjäHhsse, die 
Hähzeit; de Fädderbhigt, die Heuernte; de FäMJtstäpe, der Fuss- 
stapfen; de Machelsdäi, der Hichaelistag ; dät Hdjnsterdck, die 
Heuraufe der Pferde ; dat Hännerdck , die Hühnerweime ; dat 
Biergijl, das Bicrgeld, Jrinkgeld; dät SollembSdd, das Wochen- 
bett; jö Sollemwöff, die Wöchnerinn; dat Äiläujnn, das Eiland; 
dat Äilaumm, nd. Äulamm, d. i. Mutterlamm; dat Shählwahser, 
Scheidewasser ; dät oder jö Potteshjärd , die Topfscherbe ; dat 
NükenpaweTy der Nelkenpfeffer; dat Gräjddeblöck, kurzer Rasen- 
acker am Dorfe; dät Wjärtshüss, das Wirthshaus; de Plömetünn, 
der Pflaumengarten; de Swänewajl, der Schwanenweiher (Name 
einer Wohle im kleinen Kohldammerkoge , sonst jö Swuhn statt 
Swwtt)\ de Hiehslupper, der Heideläufer, d. i. der Brachvogel; de 
EUemause, dän. Ellemose, das Erlenbruch, Erlenmoor, jetzt ge- 
meinschaftliche Dorfarbeiten ; de Bankerütt , der Bankerot ; dk 
ßjartetäcke, die Zacken am Hirschgeweihe; dat Wmrktjöch, das 
Werkzeug; dät Bäirigwäirk, das Bergwerk; dät Hdnwäirkstjöch, 
das Handwerkszeug ; de Lägenkriemmer , der Lügenkrämer; de 
Swöwestehy nd. de Swäbstähl, Peitschenstiel; de Swmeshne, die 
Peitschenseime ; dät Wäwlebaurd , das Wirkbrett zum Bandwir- 
ken ; jö Kndppelkäg, der Lebkuchen; jö Knäppelseßmmen , die 
Spitzenklöplerinn ; jö Hiehsbdi, die Heidelbeere; dät Jilltjöch, das 
Feuerzeug; dat Tännerholt , das Zunderholz; de Swaawelplöck , 
das Schwefelhölzchen; de Wägsbolter, gewundene Wachskerze. 



128 



Zusammenseizung mit Beslimmungswöriern (Adjectiven). 

§. 97. Diese werden ohne alle Veränderung mit dem Haupt* 
Worte verbunden, wie in Ldgtsdnn, der Leichtsinn; Diepmmiig* 
häid, Tiefsinn; jö Fristünn , die Freistunde; jö Kaurtiwül, die 
Kurzweil; jö Grotthdrtighäid ^ die Hoffahrt; de Huchmm^df der 
Hochmuth; dat Lmgjörn, Langeisen, Sech, am Pfluge; dit Trinn- 

Jörn, das Rundeisen, eine runde Scheibe mit scharfer Schneide 

• • • • 

im Sech auf einer Axe; de Aiensa^n, Aien$annighä4d , der Eigen- 
sinn; de Äientiewde, die Eigenliebe; jö KaurUSgtighäid^ die Kurz-* 
sichtigkeit; de Lungbuhnun, der Langbaum; de Lungtväien, der 
Langwagen; dat Langsiräi, Lunghulem, Langstroh; de Blwnemö* 
me, die blinde Mumme (»vermummen''), d. i. Blindekuh spielen; 
dät Näühr, de Näiihrsdäi, de Naührs^ewe, das Neujahr, u. s. w.; 
Wütbier, Brünnbier, Weissbier, Braunbier; de Witibdeker^ i. der 
Weissbäcker, 2. die weisse Meersehwalbe (Sterna hirundo); de 
Wennhdcker ^ die blaue Meersehwalbe (Sterna nigra); de GöhU 
bdcker, die gelbe Bachstelze (Motacilla flava); jö Göhlsigt, die Gelb- 
sucht; deFrihiere, der Freiherr; }ö Sljogthäwel, der Schlichthobel; 
dat BdWiser, das Robleder, nicht genug gegerbtes; de GrifmusSf 
der Grobschmied; de KliensmasSf der Kleinschmied, der Schlosser; 
de Twdrrdriwwer^ der Quertreiber, ein quersinniger Mensch; de 
TwdrrbHJlke, der Querbalken; dat Krümm hoU, das Krummholz; 
JQ Grdgäus, die Graugans; jö Ermänjd, die Armuth; de Plätßn^, 
der Plattfuss; da GroUemänns ^ die Grossen, Vornehmen, nom. 
coli.; dkBickedege, wörll. die reichen Tage, der Reich thum, auch 
ein CoUectivum ; Krüssemünt , Krausemünzc ; Bditerkliewer, Ktterklee. 



Zusammenselzung mit Zeitwörtern. 

§. 98. Diese behalten in der Regel nur die Stammsilbe , wenn 
sie als Bezeichnungswörter stehen, wie in jö Biddbüon, Reitbahn; 
dat Shriwbauck, Schreibebuch; de Bdddmönn, der Bettelmann; jö 
Baddmffy das Bettel weih; de Släipkämmer , die Schlaf kammer; 
de Kupmönn, der Kaufmann; de Springhdjnst, der Zuchthengst r 



129 

de Sjungßgel; dät Drainkkrüss , der Trinkkrug; de Fällhm^idd, 
der Fallhat; jö FällsSgt, die Fallsucht; jö Uüjtsnaur, die Hess- 
sehnur; de Striddhämmer; di Sorrigklahie ^ die Trauerkleider; de 
D&nsmaister, der Tanzmeister; dat Stricl^äm, das Plätteisen, Bä« 
geleisen; de Bdgmäister, der Baumeister; de Flähspose, der Flips« 
beutel, d. i. der Ausplauderer; dat Shräwjjdm, das Schabeisen, 
Scharreisen, die Scharre; deBdddpose, der Bettelsack; dat^moA- 
tpiU, der Bkratspiess; jö Brännnül, die Brennnessel; dat Bräun' 
hSli , das Brennholz ; dst KännHeken ; jö Sumnmbläihs , die 
Sehwimmhlase; dat Brigjäm, das Brecheisen; de Tikstäi^l, der 
Deekatuhl der Dachdecker; dat Wälkbaurd^ das Walkbrett; jö 
KISihskäUy die Kratzkatze, von balgenden Knaben, die mit den 
NSgeln kratzen, klaihsen; dat Hielmiddel, das Heilmittel; de 
SpSrbüsh, die Sparbüchse; jö Bärmudder, die Wehmutter, Heb- 
amme; dat BrSgmiddel, [das Brechmittel; de Brausill, der Brau- 
kessel; dat Göng^öch, Räderwerk in Uhren, Mühlen, u. s. w.; de 
FSUhaum, das Füllhorn; de Slvppstijn, der Schleifstein; de Sie- 
mhm, der Sämann; dät Spann f^l, das Spinnrad; de Dräibänk^ 
die Drechselbank; de Ihlböse^ der Eilbote; de FaurmSfm , der 
Fuhnnann; de Süppbrauser^ der Saufbruder; de ShjArdliksse, die 
Schnitterzeit; de SpStßgel, der Spottyogel; Päekhüss. Dagegen 
aber auch: dat LSsebauck, Lesebuch; jö Fölgetidd, die Folgezeit; 
dal Bäiiegijl, das Reisegeld; jö Bjameköht^ die Tränkgrube; dat 
Fragetieken, das Fragezeichen; de Pligefidder, der Pflegevater; 
dit GögelspH, das Gaukelspiel; de Tänkesträg, der Gedanken« 
strich; de Bahsegäst, der Badegast. Aber diese Fälle sind seltener 
als die mit der blossen Stammsilbe, wie: Blaasbielig, Blasebalg; 
de Bränmrinn, der Branntwein; de HMsHjn, der Heizstein, d. i. 
der Feuerheerd. 

Diejenigen Zeitwörter, welche sich auf ein und em endigen, 
verlieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: de WaUerbuhmm, die 
M üblenwelle ; de Tdmmermönny der Zimmermann; dat Wddder- 
wähser, Wetter zum Wittern des Heues, der Kleider und Wä-* 
sehe; jö Släsertäsh, die Plaudertasche; jö Wjärpelshimwel , die 
Worfschaufel; de Tontelstöck, der-Klöppelstock; dat Nesteltoierew , 
unnütze Nebengewerbe; jö Prägelhohs , der Stricks trumpf; jö 
Skrijngelboss oder Bajngelboss, von shräjngeln, rOfjngeln, schellen, 

17 



130 

klappern, die Kinderklapper, Schellenbüchse; de Gögeltnäfm, wört- 
lich: Gaukelmann, die Gliederpuppe, Drathpuppe, Hampelmann, 
u. s. w. Einzelne verwandeln die Endung em in ere, als: dät 
Grdsterebaurdf das Gässelbrett, Brot- oder Ofenschieber, auch de 
Gljarder genannt. Wenn sie sich auf nen endigen, bleibt ihnen 
nur die Endung en, als: dät Rägenbauck, das Rechenbuch; dät 
Tiekenbaucky das Zeichenbuch, u. s. w. Auch zusammengesetzte 
Zeitwörter werden, wie jedes Zeitwort, durch Vorsetzung des 
sächlichen Geschlechts, ganz wie im Deutschen, zu Substantiven 
erhoben, als: dät Trmndnmeruken, das Rundumsprechen, und de 
Trinndtmmruk, wörtlich: der Rundumdenschober; dat Mßßdewal- 
lern, das Math wälzen; da Tolajtsluhggen ^ das Lamentiren; dit 
Tokiersgungen 9 das Zukehrgeben, u. s. w. 



Mit ZahU "und Fürwörlern. 

§. 99. Je Ijnbdgg, der Einbau, ein einzeln Hegendes Haus, 
fem von andern, eine Einsiedelei, dän. en Enebolig; dat j[jfi»Aattrfi, 
das Einhorn; de Tristäpe, von stäpen, stapfen, der Dreistapf, 
ein grosser hölzerner Dreifuss oder Tonnenbock, der besonders 
beim Br&uen gebraucht wird ; de Trifäujtt , der Dreifuss ; dlt 
Fierdingkär, dän. et Fjärdingk4r, das] Viertelfass d. i. ^ Shipp; 
jö Saawenstäir, das Siebengestirn; dät uägendijl, das Achtel, als 
Buttermaass; de Saawensläiper , der Siebenschläfer; dat FierkärU, 
das Viereck; dät Thugmarksstock , das Zweimarkstück; dat Fjauer- 
Fiew^ AagU Ken- Tw^llew- Segstäin- Twontig- Feertigshallingsstockj 
das 4- 5- 8- iO- 42- 46« 20- und Vierzigschillingsstück; de Dusend- 
kunstler f der Tausendkünstler; jö ^llmägt, die Allmacht; de u/ll- 
ienehondler, der Alleinhändler; da Twdnling$brauhsere , die Zwil- 
lingsbrüder; dat TwdnUngepär, das Zwillingspaar; dät Triebleess, 
das Dreiblatt; de Sellewliewde, die Selbstliebe; de Sellewmaurder , 
der Selbstmörder. 



131 



Lelsste Zugabe vermischten Inhalls. 

§. iOO. De Shöntijn^ der Schornstein; jö u/Umg statt JiUongr 
die Feuerzange; de Faurtile , die Yordiele; dst Tunnerwähser , 
Donnerwetter (dät fair WiUiser, Gewitter); dät NawrdJjägt, das 
Nordlicht; de Faarbäirig , das Vorgebirge; dät Ihkhdlting , die 
EichenholzuDg; jö Si^nkldpp, die Klippe » Fels; dat Sämmelkldpp, 
eine sammetne Kopf- oder Stimbinde alter Weiber; dät BögsUnge- 
Uäpp, der Hosenlatz; de Einböge, der Regenbogen; de Mählddwwer 
der Uehlthau; de Hanningddwwe, der Honigthau; de Fddderruky 
der Heudiemen, Schober; de Vlwefihss, wörtl. der Wolfsfist, d. i. 
der Bovistkugelschwamm (Lycoperdon Bovista L.); jö Bai, die 
Beere; Taumebaie, Brombeeren; Himbaie, Johanmd>äie oder Hans^ 
baie; Saalbäie, schwarze Johannisbeeren; Stickelsbaie , Stachelbee- 
ren; Järdbäie, Hiehsbäie; dät Qudckselwer , . dSiS Quecksilber; de 
Adelst^, WSlstijn, SUppstijn, JiUHjn, FlintsHjn, MiltensUjn, Mag' 
neisli^ , Möhraijn, u. s. w. ; jö WäUnahs , die Wallnuss ; de 
MagändeUmhmm, der Wachholder; de GäUäpel; jö Riddertpär,. 
der Rittersporn; da u/pelkrölle, Kamillen; jö MijU, die Melde 
(Atriplex); jö Päwerrät^U, der Heerrettig; de Dünnhämmer, der 
Rohr- oder Teichkolben (Typha latifolia); dät Jfiswiü, Ei weiss; 
de u/i8daaler, der Eidotter; dät Shaasenest, das Elstemest; jö 
Föglekai, das Vogelkäfig; de Küilwürm, der Kohlwurm; jö Shai- 
fäähg, Schaaf zecke; de Wällfdsh, der Wallfisch; de Siehünn^ der 
Seehund; de EUemhoge statt jSUenboge, der Ellbogen; de Länke- 
pote , das Häftpolster; jö KnäibUngetreel , die Kniescheibe; de 
Biktairem, der After; jö GijUkonn, die Giesskanne; de Bolktock, 
die Pflugreute; jö WSnnUflling, die Schwingwanne, von wöwnen^ 
das Korn in einer flachen Hulde schwingen; de Bäckauwen, der 
Backofen; de Backtrog; dät Wällerholt, das Wellerholz; jö SMun- 
gel, die Setzangel nach Hechten; de Winnhünn, der Windhund; 
de Winntäper, der Weinzapfer; dät Ögsehaad, i. der Ochsenkopf ^ 
d. das Oxhoft; dät Kdmmesaul, das Kamisol ; jö Möhrshiess, die 
Hauerkelle; da Wanningeposte , die Fensterpfosten; dät RielaaJcen, 
der Bettvorhang ; dät Blmjdüuhggerjöm , das Lasseisen , der 
Schnapper ; dät Hdjnstedäken , die Pferdedecke ; jö ThiewesUch ^ 

17» 



132 

der Diebssteig (im Riesummoor); de Stkhbögel, der Steigbügel; 
de DrägUiring, der Zugstrang; de Bägenstijn, der Rechenstein, 
Schieferstein, sonst auch bloss: dät Brdtt; de Sh&ujlmäisier , der 
Schalmeister; de Shantpüle , der Schandpfahl; dät Brannmärk, 
das Brandmal; dit Tugthüss, das Zuchthaus ; de Liekbäre, die 
Leichenbahre; de TäsheMpälßr , der Taschenspieler; de Skuirrehi^ 
per, der Schlittschuhläufer; de Addelmöfin, der Edelmann; de 
Slällmäister^ der Stallmeister; jö KäUöhl, die Eule» nd. de Eat- 
uhl (Eatzeule); dit NSUehäigeUf das Nadelkissen; de Ijägtsnöwe, 
die Liehtschnuf^e; de WahserSmmer, der Wassereimer; de WäU- 
hmm, das Waldhorn; da dcheUtringe , die Geigensaiten; dit 
Minggä^, das Hengelgut; deJStmhörringe, die Abenddämmerung, 
das Zwielicht; de Warkeldäi, der Werkeltag; de HaUigdäi, der 
Feiertag; HäUigSnn, Feierabend, aber Hilligenne, die heiligoi 
Abende; dät Wanterkaum^ das Winterkorn; de Sammerrogge , 
der Sommerroggen; de Hanepeker^ der Hanfacker; }o Swnepliunjam, 
die Senfquem (Handmühle); de Sällgortel, der Sattelgurt; de 
Wirkpule, der Zaunpfahl; AeKantöffeläpel, die Samenäpfelchen oder 
Beeren der Kartoffeln; dePoppierboge, der Papierbogen; jöFashere^ 
wähSy die Wathe, grosses Zugnetz; de Präckerfaaged oder /Vad» 
refaaged, der Bettelvogt; de S^örmönn^ der Steuermann; de 
Bipelagery der Reifschläger, müsste heissen: de Tiwsluhgger^ Taur 
Schläger, jenes ist nd. 

Anmerk. Die Benennungen der Himmelsgegenden erleiden, 
wenn sie bestimmungswörtlich mit andern Hauptwörtern veribunv 
den werden, folgende Veränderungen, als: Soserihseem^ Siulaih 
fialm, statt: Sühsserrihssem und Sühsserlonhalm ^ Sädriesum und 
Südlindholm. Aus Sühssen^ Süden , macht man gleichfalls söheer, statt 
sähtser. Ferner : Nwdrilmem , Nordlmhalm , statt : Naurd oder Ntmt' 
der. Weiter heisst es: de jdstemaure, de Westemaure ^ Oster« und 
Westermoor; dagegen sagt man aber: jdstersnäiebüll und Wfyter^ 
snitebüUf Oster- und WesterschnatebüU; de jüsierhäUig^ Weüer- 
källig, SöhserhälKg,' Naurderhällig, NaurderJwujnn und SSkseriA^; 
ffaurderhjäm, Norderhöm, Söhserhjäm, Süderhörn; Nannrderueh, 
^rderoog; aber wieder Nordstränf^n, Nordstrand; NordhadteUlu» 
Nordhackstedt; j/Uerdick, Osterdeich; Söhserdick; Söhsermh, So» 
deroog; dit jfsteriäftdnn und Westerliuinn i. B. auf Föhr; ^Uer^ 



häß09T, Whterhämr, in Eiderstedt; Jsterhühssem , Osterhusum; 
..dätor/tSfu» , Osterlund ; Westergärde ; Mteiynne , Osterende ; de 
Nord^nne und Naurderijnne. 



Einige Laut^ oder Klangsynonymen, 

$. iOl. Jö Bai, die Beere, bäi, Praep. bei; dät Bauck, das Buch, 
ick bauk, ich buk; jö Blähs, die Flamme, von blähsen, intr., 
dii Bleess, das Blatt; de Bröhk, der Zahlenbruch, de Brock oder 
Brück, der Brauch, Gebrauch; de Dick, der Deich, jö Diek, das 
Grübchen; jö DoAr, die Thüre, döhr, Praep. durch» hindurch; 
jö Drdft, die Trift, he drdft, er treibt; de Fäll, der Fall, dit 
Fo«, i. das Füllen, 2. Fell; jö Feest, die Faust, dät Feest, das 
Fest; dat F«^«, das Feld, jö Fdil, das Gefühl; jd Feel, die Feile, 
ick fül, ich fiel; dat Fjärsh, der Vers, /^dr^/», frisch, ungesalzen, 
ßirsh Wahser, süsses Wasser; de GäU, der Borg, verschnittener 
Eber» ke gällt, er weint; de Gedd, der Hecht, jd dö ged! ja, du 
solltest wohl!; de Grünn, der Grund, ick grünn^ i. ich mahle, auf 
der Mfihle, % gründen; de Gäihs, der Dünger, da Gäis, die Gänse; 
jö Bann, die Henne, jö Bann, das dünne Häutchen; dat ifdrf, 
das Hers, hdrd, hart; dät ifierd, die Harde, ick hierd, ich hörte; 
de Hupp, der Haufe, de Häpp, der Hüpf, von kappen, hüpfen; 
jö HM, die Mütze, dat Holl, der Hintere, das Gesäss; jö oder 
de HSll, der Holunder, jö Hißll, die Heide, Fussfessel; ^dat Ihr, 
das Jahr, lAr, eher, früher; de Juli, die Weihnachten, tc/; jüll, 
1. kh wimmere, 2. ich gelte; dät Klapp, eine Kopfbinde, dat 
flipp, der Hosenlatz; de Klämp, i. die Klampe, ± Schober, de 
Bmiip, der Kloss, Klump und Etlumpen; de Knapp, der Knopf, 
i^Enöpp, i. die Schwammdose, 2. kleine harte Erhöhung; da 
bifU^ die Kräfte, de Krefle^ der Krebs, Krebsfrass, (das Thier 
ist de Krabbe); dat Lack, der Lack, de Lack, der Leck; jö Läs^, 
die Last, jö Last, der Leisten; dät Lick, die Leiche; dät JUe&, 
ein Knabenspiel mit Schüssern; jö Luft, die Luft, jö Löft, die 
Zimmerdecke und der Boden, dän. et Loft; dat MäU, das Malz, 
jö Ifdft, die Milz; dat Mäiyt, die Begegnung aus entgegengesetz- 
ten Richtungen, dat Mw^d, der Muth; jö Meel, die Meile, dat 



134 i 

i 

i 

Mahl, das Mehl; jö Mttss, ein weiblicher Kopfputz, dät Muss, \ 
das Müssen, der Zwang; jö Mohr, die Mauer, mörr, mehr; de 
Mass, die Messe in der Kirche, mass^ miss, fehl; jö Neil, die 
Nadel» jö Nill^ die Nessel; dät Pack, der und das Pack, d&t 
Pdck^ das Pech; dät Poss, der Pass, iRi Pdss, der Harn; dePriss, 
der Preis, jö Priehs, die Priese; de Bäßdd, der Rath, jö Raikd, 
das Rohr; de Räng^ der Rang^ jö JtanA;, die Ranke; dät Rif, der 
Fuchs, jö Riw, der Rechen, die Harke; de Riek, der Ranch, dat 
Rick, das Reich; de Rock, der Spinnrocken, de Rock^ der Rock; 
jö Snar, i. die Schleife, % die Schlinge, jö Snaar, die Schnur, 
Schwiegertochter, (jö Snaar, die Schnur zum Schnüren); de iS^/t, 
der Stall, dat StdlUng, das Gestell, auch in SwdckstdlUng , um 
eine Graupenmühle, stall, stille, «töllen, i. stillen, 2. stellen, 
daher StdlUng, Gestell;« de Stähg, der Stich, jö Steeg, der Steig; 
de jS^JcA;, der Stock, dat Stocks das Stück; de String^ i. der 
Strang, 2. die Saite, «/rin^, strenge; dat Taw, das Tau, jö ThäiB, 
die Tiffe, Petze; jö Wägt^ die Wache, jö Wagt, i. die Wage, 
2. das Gewicht, die Schwere; jö Waag, i.die Woge, 2. die Wage, 
von waagen, wachen und wagen, m^'e Waag säten, in die Wage 
setzen z. B. das Leben, jö Wäg^ die Woche; de Bolle, die Beule, 
de Bulle y der Zuchtstier; de Jönge, der Junge, da Junge, die 
Jungen eines Thieres; de Läpe, der Lappen, de Lappe, die Lippe, 
Lefze; jö Kuppel, die Koppel im Felde, de Koppel, der Rücken, 
wenn man jemand huckepack darauf trägt, daher koppeln, jemand | 
auf dem Rücken tragen: eine Koppel Pferde (eine Schnur) ist: jo 
Käwel Hdjnste; de Shämmel, der Schemel , de Shämmel ^ i. der 
Schinunel als Gewächs, 2. ein Pferd; de Racker, der Schinder, 
de Racker, der Rekel, Bengel; dat Wäsen, das Wesen, dät Weesei^, 
das Sein; jö Däged, das Gedeihen, jö Döged, die Tagend; dät 
Fällig, die Brache, fällig^ ordentlich , recht, fdliig, fällig vmi 
Geld und Zinsen, Schulden; dät Shdp, das Schiff, dät Shäp, der 
Schrank; de Shoot, der Schuss und der Schoss, dat SheU, das 
Schutzbrett; de A'lk, (Albering) der Iltis, jö A'ik, der Alk, ein 
Wasservogel (Alca torda), jö ^Ik, die Dohle (GorvusmonedulaL.); 
jö Shrocky die Tasche in Kleidern, shrock, Adj. keine Eier mehr 
legend; dat Spdtt, i. der Spiess, 2. ein Spaten voll, dät SpaU, det 
Späth der Pferde; dat M, das Feuer, jö JM, die Eile; jö SMen, 



135 

der Lö£Fel, jö Shiehs, die Scheide; de Bähae, der Nutzen, Vor- 
tiieil» dk Bahse, i. die BSkder, 2. die es andern zuvorihnn; jö 
EieUng, die Heilung, jöHijUing, die Neige, jö Helling (Hglling?), 
die Nachgeburt; jö BestdlHng, i. die Bestellung, S. Bestallung 
eines Beamten, jöBeställing, Bestallung der Yiehstände; dit Läss^ 
pL Lasse, Glieder, dkLähse, Gliedmaassen , joLähs, die Scheune, 
Scheuer» pl. dk Lahse, 



Sinnverwandte Wörter (Synonymen) aus dem bishetigen. 

§. 102. i. Jö Bdgg, jö Bdgning. Jö Bdgg ist der Bau, be- 
sonders in Jjnbdggy wörtlich: der Einbau, mit dem Zahlworte ein 
zusammengesetzt, dän. en Enebolig, ein einzeln liegendes Haus, 
z. B. auf einer Heide oder in einem Walde ; jö Bdgning ist der 
Bau und das Gebäude. 

2. Dat Baurd und jö Plänk, das Brett und die Planke. 

3. Baligen, bijlken und tellefi. Bä^igen und hijlken ist beides : 
jemand sehr laut zu- oder nachrufen, damit er herkommen soll. 
üebrigens scheinen beide Wörter in dieser Beziehung nur ihrer 
Abstammung nach verschieden, da haiigen von holen, bellen, abge- 
leitet ist. Tüten führt den Begriff des lauten Rufens nicht mit sich , 
und schliesst ihn sogar aus, wie in intellen^ i. jemand einrufen, 2. 
bei jemand vorsprechen, 5. mit dem Nebenbegriffe ihn mitzuneh- 
men, wenn beide nach einem und demselben Orte, z. B. zur 
Kirehe, zu Markte, zur Schule, u. s.w. wollen; tol&len^ i. jemand 
anreden, 2. einem derben Bescheid sagen, 5. ihn aus dem Schlafe 
wecken, wieknen, Tillen ist auch zählen, und totalen, zuzählen, 
ab z. B. he teüd harn dät Giß to, er zählte ihm das Geld zu, 
daher nun: dmtSllen, umzählen, efterteUen, nachzählen, aufteilen, 
abzählen, faartSllen, vorzählen, fortSllen, erzählen. 

4. Dät Bätt, dit Mündstöck. Beide werden für Pfeifenspitze 
gebraucht: dat Mündstock (Hundstück) ist dem deutschen Worte 
Dachgemodelt, und findet sich auch an Blasinstrumenten; dät Bätt 
ist von bitten^ beissen, abgeleitet. 

5. Dät u/mt, dat Hierd, dät Birk. Dat ^mt, das Amt, ist 
uiiter diesen dreien vom weitesten Umfange und schliesst die 



136 

Harden und Birke in sich. Dem Amte steht ein Amtmann, der 
Harde ein Hardesvogt und dem Birk ein Birkvogt vor. So hat 
z. B. das Amt Tondem gegen 50 Kirchspiele, iO Harden und nur 
einzehie Birke in den dänischen Streugründen. 

6. ßijlken , Hjtten , shräien , shrufen. Daraus) entstehen : de 
Bißk, ein Ruf, Nothruf; dat Toot, der Lärm, das Getöse; de 
Shräi, der Schrei; dat Shruien, ungezogenes, lautes Weinen. 

7. Jö Blech, dat Laaken, Jö Blech ist überall das Laken, pL 
Bleche; dat Laaken kommt nur in Rielaaken (Bettvorhang) vor. 
Von einigen wird auch Laaken statt Dauck (Tuch) als Stoffname 
gebraucht. 

8. Jö Boss, jö Flint, dat Gewähr, die Büchse , Flinte und 
das Gewehr. 

9. De Bräif dat Wälling. De Bräiy der Brei, die gekochte 
Grütze, ist dicker und fester als dat Wälling, z. B. MähWräi, 
Tahserbräi, Buchweizengrütze, Rihssebräi, Reisbrei; dat Wäümg 
ist dünner und kommt von wällen, wallen, aufwallen, kochen, 
im Dan. und nd. Yälling und Welling, eine Hilchsuppe. 

iO. Dät Brak, de Mängel Dat £räk, von bregen, gebredien, 
mangeln, wird so gebraucht, z. B.: Ick häw Brak faar Giß, iA 
bin des Geldes bedürftig, weil ich es gebrauchen muss; iek häw 
Mängel sagt man auch , wenn man überhaupt nur wenig hat. 
Ick häw woß Mängel ävjn Giß, aurs ick häw*r eck nijn Brak faar, 
ich habe zwar Hangel an Gelde, aber ich bin desselben auch 
nicht bedürftig; Gißbräk, Wähserbräk, Gjärsbräk. He hSt n^ 
Brak, er leidet keinen Mangel; dät hU nijn Brak, das bat keine 
Noth, hat nichts zu bedeuten. 

i\. De Brück, de Wänigt, de Wihsse, de Shdcke, De Brück, 
der Gebrauch, die Sitte; de Wänigt, die Gewohnheit; de Wihsse , 
die Weise; de Shdcke (Sitte), nd. de Shick, dän. en Skik, Sitte; 
de Shdcke ist auch die Form , das Passende , als : dal Mt ja nSn 
Shdcke, nd. dat het jaa keen Shick. 

42. Dlt Bri0d, de Trolling, de oder dät Lief. Dät Brüjd ist 
Brot, als nomen materiale; de Trolling ^ ein geformtes Schwan- 
brot, nom. appellativum ; dat Lief, der Laib, also gleichbedeutend 
mit Trdlling. Dat Wittbrüjd, de Sijött, jö Käg, das Weissbrot, 



157 

die Semmel (nd. cn Stuten), jö Käg, der Kuchen, dät WitlbrUjä, 
das Weissbrot. 

43. Jö Braalis, der Braten ; jö Srmrepönn, die Schmorpfanne , zur 
Zeit des Schweineschlachiens, allerlei Geschmortes vom Schweine, 

14. De Brand j jö Bräuinn, beides von brännen, brennen, der 
Brand msd die Feuersbrunst; auch sagt man: Dirr's Ijll lüss^ da 
ist Feuer los (ausgebrochen) , woraus man im Dan. das sonderbare 
Substantivum: en Ildlös (ein Feuerlos] gebildet hat. 

45. De Brödd, ein kurzer, spitzer Stift oder Stachel, dän. en 
Bröd, Braad, daher das Verbum brodden, damit beschlagen, auch 
der Insectenstachcl , der aber auch de Paurte genannt wird. Hulim 
hröddet sin HöUshur^ wdn*t issläget hei, man stachelt seine Uolz- 
scbuhe, wenn es geglatteist hat. 

16. Dät Loch, de Paurte ^ das Gefängniss und der Kerker. 

17. De Bück, dät Liff^ jö Wumm, der Bauch, der Unterleib, 
der Wanst, u. s. w. 

18. DätjBäftn, dätjPäcA?, dat Päckenilketi, de Bäjnte, das Bund, 
der Pack , das Päckchen mit den Siebensachen , und das Bündel. 

19. De Bush, de Töle; de Bush, der Busch, wie Rausebushf 
Rosenbuseh, u. s. w., de Töle wird nur von kleineren und kürzern 
Pflanzen gebraucht, als: de Roshetöley Rinsenbusch, Qjärslöle^ 
Grasbuseh, Baanetöle, Rainfarrenbusch, Klievertöle^ Kleebusch, aber 
nur wie sie auf dem Felde stehen, nicht abgerissen. 

20. De Bunk, de Hupp, de Flöse, dän. en Bunke, en Hob, en 
Flock, engl, a hcap und a flock. Im Deutschen heissen alle drei 
Wörter der Haufen, aber jedes derselben in verschiedener Be-* 
Ziehung. De Bunk braucht man z. B. von Heu- Stroh* Erd- und 
Sandhaufen, die unordentlich zusammengeworfen sind. De Hupp 
iit das deutsche Haufe und das nd. Hup, daher huppen^ häufeln, 
kaufen, z. B. die Kartoffeln, dphuppen, aufhäufen; de Flöse ist 
nur auf Menschen und Thiere anwendbar, nicht auf leblose Din** 
ge, wie: en Flöse Shäip, Jungense, Manshene, Gäis, Hanne o.s.w. 
Wird Hupp auf Gattungsnamen bezogen, so ist es cn Hupen ^ als: 
derwjäm'n Hupen Manshene, he het'n Hupen Giß, 'n Hupen Bjäme. 
De Mdingde, Menge, ist mit Flöse sinnverwandt. 

M. Jö Bro, jö Slöhs, die Brücke und die Schleuse, jö SHjn- 
^) ist aber das Steinpflaster. 



138 

22. Jö Daulis, de Eesh, de Bösh, de Klubbe, die Oose, die 
Schachtel, die Büchse und der Kober. De Klubbe ist aber auch 
der hölzerne Klotz an der Fusskette der Pferde, die man ihnen 
anbindet, damit sie nicht über die Gräben der Fennen springen; 
auch das dicke Ende einer Keule, und dergl. 

25. De Dauk, dät Klüss. De Dauk ist das Tuch als Gattungs- 
name, dst Dauk als Stoflfname, wie in: de Naasdauk^ Nasentuch; 
de Shröckenaasdauk, das Taschennasentuch, de Bärdauk [Shi»' 
dauk), de Zickdauck, das Leichentuch; dat Klüss dient zum Um- 
schlagen oder um etwas darein zu schlagen, als: he dregt *i ä^ 
'n Kiüss, er trägt's in einem Tuche. 

24. Jö Kohl, die Grube, }öDiek, das Grübchen, z.B. im Kinne; 
jö Kohl, dät Greef, die Gruft und das Grab. 

25. Dät u/r, die Narbe, jö Shrämm, die Schramme, deBähw, 
der Riss, de HdWy der Hieb, die Schmarre. 

26. De Dkk, der Deich, wie: de Heefdick, de Kaiedick, de 
Sammerdick, de Dämm, der Damm, nur über Graben, wo das 
Heck steht, de Tdlldomm, ein aus Brettern über den Graben ge« 
legtcr Damm. 

27. Dät Dof, dät Düppelse, die Tunke; dät Döf ist eine dickere 
mit Mehl oder dergl. versetzte Tunke, daher döwwen, eintunkea 

28. De Dring, de Jänge, de Ttvitter, der Knabe, der Junge, der 
flinke Bursche , im 'Uebergange vom Knaben- zum Jünglingsalter. 

29. De Drönk, der Trunk, z. B. en Dronk Bier, de Drdt»*, 
der Trank, wie Kräuterlrank , Arzneitrank; de Drönk ist auch der 
Trunk als Laster, als: he as äujn 'e Drönk forßllen, er ist dem 
Trünke verfallen. 

30. De Dröpp, dät Drüpp, dät Tur, dän. cn Draabe, en Taar, 
engl, a drop. Man gebraucht alle drei Wörter ohne Unterschied 
um etwas Weniges an Flüssigem zu bezeichnen, als: dugh me en 
Dröpp Wahser, en Drüpp Winn, en Tur Molke, gieb mir einen 
Tropfen Wasser, einen Tropfen Wein, einen Tropfen Milch. 

51. Jö Düjns, dat Wäsen, dät Läwent; jö Düjns von duhggen, 
bezeichnet das Thun, und hier ein übermässiges Zuvielthun, wo- 
von das Halbe genug wäre; insofern ist es auch mit L&went und 
Wäsen verwandt. Man sagt: dirr was en groti Düjns ^ en groU Wir 
^en und en mal Läwent, ein grosses Thun (viele Umstände), en 



139 

groU Wdsen, viel Aufhebens, Wichtigmachens u. s. w. ; en sicrem 
UwetU, en mal Läweni^ ein tolles Leben, und: dirr lait en mal 
BÜSS, da liegt ein böses Haus» da setzt es was ab! Von Düjns ist 
de Döjnte, ein Dönchen, abgeleitet, welches auch für Anecdötchen 
gelten kann. 

52. Dat Fdck, jö Shrock, jö Täsh\; dat Fdck, die Ficke, eine 
Hosentasche; jö Shrock, eine Rocktasche, Westentasche; jö Täsh, 
eine lose Tasche, die angebunden und abgelöst werden kann, als: 
jö Knipptäsh, jö Jägttäsh, aber da Rockshrocke. 

35. De Fäll, de Tofäll, jö Begäwenhäid, jö Hijnning, de Slump, 
der Fall, der Zufall, die Begebenheit, das Ereigniss, der Schlump. 
De Slump ist auch eine gute Menge, als: en Slump Gijl^ eine 
Menge Geldes. 

54. Dat Fat, de Silier, jö Shähl, de Ddsh, dat Näps. Dät Fat 
ist das deutsche Fass, das dän. Fad und das engl, fat und vat, 
wird aber meistens nur für Schüssel gebraucht, obgleich man 
auch grössere Fässer Fähse nennt; de Setter, eine irdene Milch« 
Schüssel theils mit Füssen, theils ohne diese, zur Absonderung 
der Sahne; jö Shähl^ eine Schale mit einem oder zwei horizon- 
talen Ohren oder Henkeln am obern Rande; de Ddsh, eine klei-^ 
nere Schale von derselben Form zum Auffüllen, daher das Ver- 
bom dpddshen, damit auffüllen; dät Näps, der Napf, ein Scbälchen 
nüt einem Henkel und Guss; jö Pott, ein Topf mit Füssen und 
einem Griff, oder Sterz; jö Räjngel, ein grosser Topf ohne Füsse 
Biit einem oder zwei Henkeln. 

55. Jö Fäihs von fSjdden, dän. at föde, engl, to feed, ernäh« 
ren, unterhalten, ist das engl, food und feed, das dän. en Föde, 
der Unterhalt; jö Kost^ die Kost, in anderer Beziehung auch die 
Hochzeit. 

56. Dät F&ujlk, da Manshene; dät Fmjlk ist i. das Volk, 2. 
die Leute, da Manshene, die Menschen, als: dirr was faale Fäujlk 
ti Märked, es waren viel Leute zu Markt, dir wjarn manning 
Manshene^ viel Menschen. 

57. Dät Fijl, jö Treel; dät Fijl, pl. Fiele, ist jedes Rad; jö 
Treelf die Trielc, eine runde Scheibe, die man auf der Kante fort- 
vollt oder trielet, daher treten; jö Knäiblingetreel, die Kniescheibe. 

58. De Fihss, der Fist, dän. en Fiis, engl, a fizz, fizzlc^ 

18» 



140 

foist, der Hosenjuclizer; de Fjarty der Furz, däD. en Fjärt, engl, 
a fart. Diefries. Ycrba heissen: fihssen und ßärten, die deutschen 
fisten, fiesten und furzen, die dän. at fise und at Qärte, die engl 
to fizz, to fizzle und to fart. 

59. De Frünn, de Wane; de Frünn ist i. der Freund, 2, der 
Gefreund te oder Verwandte, als: Wdt sdn Frünne, wir zwei sind 
Verwandte. De Wane bezeichnet jeden, mit dem man sich gut steht, 
als: wdt sdn gauhs Wane^ wir sind gute Freunde. De Ftünn ent- 
spricht dem deutschen Freund, und de Wane dem dän. Ven. 

40. Dat Geckf de Narr^ der Grcck und der Narr, ganz wie im 
Deutschen, daher die Zeitwörter gScken und narren, so wie die 
Redensart: huhmfaar'n Geck hiwen, jemand absichtlich mit etwas 
täuschen. 

4J. Jö Glqjd, de Glöme, de Loge, dat Äimmere, Jö GUyd, die 
Gluth, Eohlengluth, de Glöme, ein geringerer Grad der Hitze» de 
Loge^ die Lohe, Flamme; dät Äimmere, die Emmem oder Am- 
mern, Glühasche. 

42. Dat Grot, d& Grubene; dät Gröi ist überhaupt geschelftes 
Kom, als: Bärgröi, Gerstengrütze, TähsergrSt, Buchweizengrütze 
im rohen Zustande; da Grubene sind feiner geschelfte Graupen, 
wie Pälgrubeneyonpalenf schelfen, oder Pdrlgrubene, Perlgraupen, 
wegen ihrer Aehnlichkeit mit Perlen. Beide Wörter sind Men- 
genamen, Grat ohne Mehrheitsform und d& Grubene ohne Ein- 
heitsform. 

45. De Gäihs, de B^jogs; de Gäihs ist der Dünger» wozu vieles 
benutzt werden kann; de Mjögs ist der Mist. 

44. Dät Mj6g$, dät Slubb, dät Shjdm, dat Sndws, dat Slämm, 
dät Glaumm; dat JUijögs ist überhaupt Schmutz, dät Slubb ist dün- 
ner Strassenkoth und Aehnliches, dat Shjdm, der Unrath, wie 
Kehricht und dergl. , dät Sndws ist Schmutz jeder Art, dät 
Slömm, der Schlamm, dat Mudder, der Moder, morastiger Boden, 
in welchen man tief einsinkt, dät Glaumm, der Glumm» das 
Dicke und Trübe im Wasser. 

45. Jö Grmf, jö Gräwing^jö GrSft, dät GrSf, de SUfjU. Die 
vier ersten Wörter sind alle von griwen, graben, abgeleitet, de 
smjtt von süßten, schliessen, einschliessen. Jö Grauf, ein trock- 
ner Graben zwischen Aeckern; de Slüjtt, der Wassergraben um 



141 

eine Fenne; jö Gräumg, ein breiter und tiefer Wassergraben um 
den Warf; jö Grefty ein etwas kleinerer, der nicht rings herum 
lu gehen braucht; dat Grefy die Gruft, das Grab; jö Gräwing 
ist aueh der Bach im Riesummoor, der zur Ableitung des Was- 
sers und lur Landscheide zwischen dem Oster- und Westermoor 
dient, wesshalb man ihn in Lindholm auch jö Lonshiehsing nennt. 
Aus dem Worte jö Grauf bildet man das Zeitwort grauwen, solche 
Graben ziehen; es ist ein Intransitivum. 

46. De Graupp, de Grüppel, dät Sill. De Graupp, die Mist- 
rinne im Vieh- und Pferdestalle; de Grüppel, ein schmaler, nicht 
tiefer Abzugsgraben auf Aeckem und in Fennen; dst Sill^ eine 
Wasserrinne durch einen Weg gelegt, auch de Wähserlöfte von 
Toß, oder Wähsertögte von tieen, ziehen, abgeleitet. 

47. Jö Häg, dat Leess. Das Heck vor einer Fenne, in andern 
firies. Ortschaften dat Leess genannt, welches sonst auch das Fu* 
der heisst. 

48. De Hdw, de Slieck^ von hdwwen und sluhggenj hauen und 
schlagen, der Ilieb und der Schlag. 

49. Dat Flägs, de ^dW, da Häßdde; dat FlägB, der Flachs, 
de Hiwrlf gehechelter Flachs, da Häjdde, die Hede, ist im Frie- 
siaehen ein Collectivum und ebenso im Dänischen, wo es Blaar 
heisst. 

50. Dät Heef, de Siee; dat Heef^ das Haff, das Heer, dän. et 
Hav; de Siee, i. die See, 2. der See, dän. So, engl, a sea. 

5i. Dat Kniff, pl. Kniwwinge, der Kneif, engl, a knife, don. 
Eniv, das Messer; de Amledder, das Einlegemesser ^. 

53. Jö Hüdd, jö Hdnn; jö Hüdd, die Haut, dän. en Hud, engl, 
a hide» nd* de Hut; jö Hinn, das dünne Häutchen, z. B. im Eie, 
auf einer vernarbenden Wunde u. s. w. , dän. en Hinde. 



t De Amledder, von dmledden, umlegen, ist wörtlich, der Um- 
leger, welcher der Form nach nur als Activ gedacht werden 
kann, aber nicht das Um^legte. Das Uebertragen der activen 
Form auf den leidenden Gegenstand finden wir aber sonderbar 
ffenug in mehreren Fällen, wie nun hier in de Amledder, de 
Ridder (Reiter act., und Reitpferd pass.) für beides; de Setter, 
8. N. 54; de Sagler, als: de Shdner as en gauhsen Sägler; »Eilende 
Wolken, Segler der Lüfte", Schiller. 



142 

55. Jö Hüdd, dät Shdm, jö Suhrdy dat Fall, de Päls, iö 
Hüdd gilt hier nur von dickeren Thierbekleidungen , wie von 
Rindern und Pferden, als Köhüdd ; dat Shänn , von dünnem 
Fleischüberzügen, wie Laumme$hdnn, Shäipeshdnnt Allermgeshdnn; 
jö Suhrdy die Schwarte, von Schweinen, und dät Fdll, Fell, 
kann sie alle umfassen , denn der Gerber ist de Fdllberikser, De 
Pdls ist ein mit zottigen Haaren bewachsenes Fell, zur Umhül- 
lung des Körpers. Von Fdll, Fell, kommt das Zeitwort fallen , 
fillen, schinden, abdecken. , 

54. De Jewe, de Gaawe, dat Jeß. De Jiwe und dät Jeft stam- 
men beide von j^en, geben, ab. De Jewe ist zwar die Gabe, 
aber nur in einer ziemlich eingeschränkten Bedeutung , wie in 
Näiihr^Swe, Neujahrsgeschenk, Märkedstjewe, Marktgeschenk. Dät 
Jeft ist ein Futter fürs Vieh, als: duhg dd Hdjnste en Jeft, gieb 
den Pferden ein Futter. De GcMwe ist aus dem Niederdeutschen 
und hat keine Wurzel im Nordfriesischen, wird übrigens für Gabe 
gebraucht, als: dö höhst de Srme Mann ndg en Gaawe di^n, du 
könntest wohl dem armen Manne eine Gabe thun, d. h. geben 
oder reichen. Gaawe steht sonst immer für Naturgaben, als: he hei 
gauhs Gaawe, he het V nijn Gaawe 16, er hat keine Gaben dazu. 
Wenn geben so viel ist als darreichen, herlangen, so gebraucht 
man immer duhggen, thun, als: duhg me min Bauck, gieb mir mein 
Buch. Das Geschenk, die Gabe, heisst sonst allgemein: jö Finh- 
ring^ von forihren, schenken. 

55. Dät Jß , de TörWy dät Jjllinge, dät Brännhölt. Jjd oder 
JMd ist der Torf als Stoifname, dät JhlHnge, Nom. collect, die 
Feuerung, de Törw (Törrew) die Flagge, ein abgestochener Hei- 
derasen, BrännhoU, das Brennholz, de Süjdde, der Torfsode, 
auch die Sode. 

56. Dät Stäjll, dät Jörn, dät Staal. Dät Stäjll, das Eisen, 
der Stoffname dieses Metalles, dät JSrny pl. Jörne, ist das Eisen 
als Werkzeug, wie Wirkjörn, Plaugjörn, Stricl^örn u. s. w.; dat 
Staal ist Stoff- und Gattungsname des Stahles, letzteres wenn 
CS Werkzeuge oder Geräthe bezeichnet , wie Wetstaal , Fürstaal 
u. s. w. 

57. Dät Jäek, die Jacke, dät Wams, das Wamms; de R^jnte 
ist eine kurze , unten rund abgeschnittene Jacke ; de Jäcker^ 



145 

das Diminulivuin von Jäck , mit etwas verändertem Schnitt ; 
dat Fauserhajnten , das Futterhemd, de Rump, das Brusttuch. 

58. De Kant, die Kante, de Räniy der Rand, de Egge, die 
Tuchseite. 

59. Jö Karst y dät Shrünn, pl Shrünne und Shröninge^ de 
Kasse, deKuffer; jö Karst, die Kiste, Truhe, dät Shrünn, das 
deutsche Schrein, dän. Skrin, engl, shrine, die Lade, de Kasse, 
der Kasten, de Kuffer, der Koffer, de Barke, die Beilade in La- 
den, Kisten und Koffern. 

60. De Kähr, de Wdllkähr, jö Kier, de Walle, jö IFaa/. De 
JTö/ir und jö Kier bezeichnen beide ein freies Wollen: dö höhst 
dän Kähr oder din Kier, kannst thun, wie du willst; de Wall- 
kähr entspricht in sprachlicher Rücksicht dem deutschen Will- 
kühr, aber noch mehr, dem Sinn nach, dem dänischen Vilkaar; 
de Walle, der Wille, jö Waal, die Wahl«. 

6i. De Klädd, de Pläck, de Spot; de Klädd, der Klecks, 
und klädden, klecksen, auch klittern, verklittern; de Pläck y der 
Fleck, und placken^ flecken; de Spot, ein Spritzfleck, Sdmmerspote, 
Sommerflecke im Angesichte , Sommersprossen , sdmmerspötig , 
sommersprossig. 

6% iö Klöcky jö Uhr. Wie im Deutschen Glocke und Uhr; 
doch kommt der letzte Name nur in dem Worte Täshenuhr vor. 
Man fragt kurzweg: wdt 's e KlöckF Was ist die Glocke? Ist aber 
vom Innern einer Uhr die Rede, sagt man dat Uhrwäirk, nicht 
Klöekewäirk. Dät Uhr^ das Ohr, ist nicht mit jö Uhr zu ver- 
wechseln. 

65. De Knähp, de Töhg, de Sträg, da Rdjnke. Der Kniff, der 
Zug, der Streich und die Ränke. Sie werden alle meistens nur 
in der Mehrheit gebraucht , kommen aber auch in der Einheit ' 
vor, mit Ausnahme des Wortes da Rdjnke, ein CoUectivum ohne 
Singularis. 



* Ein altes Document, das in meinem Jugendalter noch gültig 
war, und die Gerechtsame, Freiheiten und Einschränkupgen der 
Interessenten des Riesummer Kornkoges bestimmt, führt auch 
den Mamen »de Wallkähr,** obgleich dadurch die Willkühr ge- 
nde eingeschränkt wird, und hat hier den Sinn einer Ueber- 
einkunft. 



144 

64. De Knähp, der KnifiF, die TaUle; dst Liff, der Unterleib, 
hier in Beziehung auf seine Form, wenn das Wort mit Knälip 
sinnverwandt ist. Jö as smeel^ untig tenn mjn 'e Knahp^ sie ist 
schmal oder dünn in der Taille; tjockliwwetf dickleibig, siddliwwety 
hangbäuchig. 

65. De Kläiy dät Liemm; deKläi, der Klei, die angeschwemm- 
te Marscherde, dät Liemm , der Lehm, den man auch auf der 
Geest findet. Beide Thonarten braucht man zum Ziegelbrenneo; 
der Klei giebt lauter rothe Backsteine, der Lehm auch gelbe. 
Aus Kläi bildet man das Zeitwort kläien, kleien, im Klei arbei- 
ten, graben, und daraus wieder de Kläier^ der Kleier. 

66. Jö Kniep, jö Spung; jö Kniep entspricht i. der Schnalle, 
und 2. in einzelnen Fällen, der Spange. Jö Spung, die Spange, 
dient bloss zum Zusammenhalten, wie Kragen- Hemd« und Arm- 
spangen; die silbernen Hemdspangen der Frauenzimmer sind herz- 
förmig und haben nur einen Stift. In Riesum heisst das Flügelthor 
des Kirchhofes, das oben von einem Mauerbogen bedeckt und 
von innen vermittelst eines eisenien Ueberschlages an einen in 
den Mauerlöchern ruhenden Querbalken befestigt ist, da Spimge, 
wird aber, in dieser Bedeutung, nie in der Einheit gebraucht. 
Shurkniepe, Bienekniepe, Schuh- und Knieschnallen. 

67. De Knöpp, de Knöst; de Knöpp, i. die Knospe, 2. die 
Schwammdose, 5. jede harte, knotenförmige Erhöhung, z. B. ein 
Ueberbein, ein Auswuchs an Baumstämmen und dergl. De Knost, 
der Knast, im Holze, auch de Knäst, der Knorren, der Knorz, 
so auch das dicke Ende einer Keule mit dem Stiel in eins ver- 
wachsen, wofür man auch de Knubbe sagt. Ein sehr schmack- 
hafter Käse aus Klunkermilch, jö Haawely heisst de HautvelknosL 

68. De Kup, de Höndel , jö Prung , der Kauf, Handel und 
Tausch, von kupen, handeln und prtmgen. 

69. Dät LUck, jö Döhr, dät Shott, dät Shof. Dat huck, die 
Luke, jö Bohr, dicThür, dät Shott, i. ein Brett zum Vorschieben, 
2. Schutzbrett an Schleusen und Wasserwehren; dät Shdf^ ein 
grösseres oder kleineres Brett zum Vorschieben, auch ein Deckel, 
der in Seitenfugen oder Gängen eingeschoben wird; dat Wdn- 
ningeshöf, der Fensterschieber, Fensterladen, der von innen vor- 
geschoben, nicht vorgesetzt wird. Aus dät Lück wird lücken, 



145 

aumachen, beiücken, einsperren. Dat Shöf von shüwwen^ schieben« 

70. De Bahs, dän. en Bas, nd. en Ba4is, de Mmter; de Bähs^ 
vom alten Adjectivum hass , der Positivus von besser (bässer)» 
bezeichnet einen, der es andern in einer Sache zuvortbut. Von 
derselben Wurzel stammt de Bähse^ der Nutzen, Yortheil, und 
das Terbum bdhsm^ nützen, Nutzen gewähren; de Mustert der 
Meister. ^ 

71. Dat Läddy de Dackel; dat Ladd ist ein Deckel, der bloss 
aufliegt, ohne anzuschliessen , die Stürze > Dackel jeder andere 
Deckel. 

72. Jö Läujdd, deFlohse, deMdjngde; jö Läujdd von läyjdden, 
laichen» rammeln, sind zusammengelaufene Thiere in der Brunst- 
zeit, wie Hunde, Hasen, Katzen und dergl., de Fhhse, s. oben 
unter R 20. De Mdjngde, die Menge. En Flose GäiSi Jnerle^ 
Ägerhanne, Shäip, Swiwn, Spärrige^ Mänshene, Fäujlk (Leute) u.s.w« 

73. Dat Liff, dät Läwent, Leib und Leben, wie im Deutschen^ 
als: he waaget Liff an Läwent dir äujn, er wagt Leib und Leben 
daran, he as V faar md Liff an Läwent, mi liff an Siel, mit Leib 
und Seele. Dät gongt harn intö *t Läwent, es geht ihm bis ana 
Leben. De Läwentslup, der Lebenslauf, en mal Hüss hellen, em 
mal Läwent hüjlien. 

74. Jö Mähr, jö Mirrigt, grobe Schimpfnamen für gemeine 
Weibsbilder; jö Mähr ist wörtlich die Mähre, dän. en Mar; jö 
Merrigt, die Motze, das Mensch; jö Nächtmahr, Nägtmähr, der 
Nachtmahr oder Alp. 

75. De Pück, de Köme. Beide sind sogenannte Hausgeister« 
Pück, oder gewöhnlich Ndshe Puck, ist guten Herrschaften und 
treuen Dienstboten gewogen, spielt aber den schlechten manchen 
Possen. De Köme, ein spottender Hausgeist. Huhm bdi'e Käme 
fijn^ ist',ira Scherz jemand an der Nase zupfen. 

76. Dat Mäjl, pl. Mäile, jö MajUidd, das Mahl und die Mahl- 
xeit« En Mäjl Mölke, so viel Milch, als eine Kuh durch einmaliges 
Hdken giebt, en Mä^l Wahser, so viel Harn, als man auf einmal 
laist» en Mäjl Äfise, eine Portion Essen. 

77. Jö Krönkhäid, jö Segt, jö Krängd; jö Kränkhäid, die Krank-* 
beit, jö SSgt, die Sucht und die Seuche, jö Krängd, die Vieh-* 
seuehe. 

19 



146 

78. Jö Mäujnn, dat Shrünn, de Kmmrew. Jö Mäx^wn bezeichnet 
sowohl einen grossen Korb mit zwei Seitengriffen, als einen Ka- 
sten ohne Deckel zum Aufbewahren gewisser Dinge, wie Holz, 
Torf, Kohlen, Knäule u. s. w. So heisst der hölzerne, unter den 
dortigen Garnwinden angebrachte Kasten, jö Mäujnn , und das 
Wickelholz, auf welches die Knäule abgewunden werden, heisst: 
de Mävjnneplöck , weil es seinen Platz in diesem Kasten hat. — 
Shrünn^ s. o. . 

79. De Mdnn, de märl, der Mann, der Kerl, m dügiigen Sjirl, 
ein tüchtiger Kerl, en braawen Mann. Ick bdn *r de Monns fsuer, 
ich bin dir Manns dafür. 

80. Dät Muhl, dät Sägt; dat Muhl, das Ziel oder Ende einer 
Rennbahn, eines Wettlaufes, das man zu erreichen strebt; -beim 
Spielen mit Schüssem eine bestimmte Gränze , die man nicht 
überschreiten darf; dat Sägt, das Ziel oder die Richtung, die 
man beim Schiessen nimmt , daher sagten , zielen nach oder auf etwas. 

8i. Dat Mark, dät Känntieken, das Merk, ein eingesehnittenes 
Zeichen, z. B. in den Füssen der Gänse, den Ohren der Schafe 
und dergl., eingelegtes Merkmal bei einem Yogelneste, ein Zeichen 
in einem Buche bei irgend einer Stelle, daher: marken, merken; 
dät Känntieken, das Kennzeichen. 

82. Dät Neet, dät Pdss; dät Neet, alter, gesammelter Harn 
zum Färben, altdeutsch: der Netz, vergleiche: netzen; dät Piss, 
der Piss, der Urin von Menschen und Thierea; passen, pissen. 

85. Dat Nüjtt, dat Batst; dat Nüjtt, dän. et Nöd (1. Nöhss), 
engl, a neat, das Rind, pl. Ntf^lte, Rinder; dät Bäist^ dän. et 
Beest oder et Bast , engl, a beast (Bestie) , wird auch als 
grober Schimpfname gebraucht und bezeichnet ebenfalls Horn- 
vieh. Man sagt Baistefläsh und Nüjttefläsh , und beides ist Rind- 
fleisch. 

84. Dat Thier, dat Diert, dät Hiesend^l; dat Thier, wie im 
Deutschen, dät Diert, nd. dat Deert, dän. et Dyr; dät Hiesend^l 
ist buchstäblich das Heidending, und bezeichnet jedes Thier, 
aber besonders die Hausthiere von Seiten ihrer Yernunftlosigkeit, 
so wie das dänische et Umälende sie als die Sprachlosen bezeichnet. 

85. Jö Nohst, de Bjametrog; de Bjdmetrdg, ist der Born- oder 
Tränktrog, von bjdrnen, hörnen, tränken. Beide sind länglicht 



147 

viereckige Wasserbehälter in Ställen, aus welchen das Vieh ge- 
trinkt iiird, und in welche man das Wasser aus der sogenann- 
ten Schöpfgosse, jö UJisgaahSf von uhsen , schöpfen, einlaufen 
lässt. De Bjdmetrögy auf welchen auch wohl der Name Nohit 
übertragen wird, ist immer aus Bi*ettem gemacht, wogegen jö 
NohM nar aus einem einzigen Stein ausgehauen ist. Der Sage 
nach sind die meisten derselben, zur Zeit der Ebbe, auf dem 
Sehliek gefunden worden, und Ueberreste der untergegangenen 
Ortschaften Nordfrieslands; man soll sie ehemals als Särge ge- 
bmuckt haben. Im Gothischen heisst eine Leiche Naus, wor- 
aus sich das Wort Nau»t, jö Noftst, der Sarg, als Leichenbehäli- 
niss bildet. 

86^ Jö Htmrd, de Sjürkhatuo. Jö Haurd^ der Kirchhof oder 
Gottesacker, ist mit Hürde und Hort, Umzäunung, Schutz, ver- 
wandt. In der Bewaldimgszeit des alten Frieslandes waren sicher 
die ersten Einfriedigungen der Begräbnissplätze nur Hürden. De 
SjirUuum hört man zwar seltener, als jö Haurd, aber im Oster- 
moor sagt man noch überall: Ick wall tö Uttaw, anstatt io Siürk. 

87. De Häge^ dat Siai. De Häge^ der Hag, ist eine starke 
und hohe Einzäunung aus Planken und PfaUea, in welchen das 
Hom- und Wollen vieh von dem Flurhirten, de Km^rder^ einge- 
pfercht wird« wenn es sich vom Spannstrick, dem Tjüdder, losge- 
riaten hat, wofür dann eine kleine Bräche, oder ein Löseschilling 
an den Hirten, und wenn der angerichtete Schaden bedeutender 
ist) nach unpartheiischer Schätzung, an den Beschädigten bezahlt 
wird. De Häge wird dort der SdiüUkobm^ SehSUkafen genannt, 
wenn man das Wort verdeutscht. Dät Stäi ist jeder Koben, als: 
SmhmtMtiA ^ Shäipestaiy GoteMij Schweine- Schaf- und Gänsekoben, 
din. en Stie {einsilbig) , engl, a slj. 

88. Dat P/isf, dat Atimm, dät Stähs. Der Platz, der Raum, 
die Stelle und der Ort. Do bdd in Kjärl äw dm Pläss! ein Keri 
auf dem Platze. 

89. Jö Pmn, dit Shoot, jö Shaahs^ jö Lank. iö Penn, ein 
hStacmer, nur mit einem Nagel befestigter Wirbel, mit dem man 
Thuren und Läden von innen oder aussen verscbliessl; dät »Sh0i 
wird vorgesteckt, und bangt gewöhnlich an einem Bande neben- 
in; jö Shaahs ist der Riegel, und jö Länk die Kettet und die 



148 

Haspe; jö PSnn ist das engl, pen, der Pferch , to pen ihe dieep^ 
da Shäip mpennen; höhst *e Dohr pinn^ ? hast du den Wirbel 
vorgedreht? Die Yerba pennen , shöten, skaahsen und länken er- 
klären sich aus ihren Hauptwörtern. 

90. De Koppel, de BSgg, de Puckel. Alle drei Wörter sind 
Benennungen des menschlichen Rückens, und de Regg der eigent- 
liche Name desselben. De Puckel entspricht dem deutschen Bu- 
ckel, und ist dasselbe aus dem Nd. entlehnte Wort: denn es hat 
keine Wurzel im Nordfriesischen. De Koppel ist der Rücken nur 
dann, wenn man jemand huckepack auf demselben trägt, und 
das Zeitwort ist koppeln. 'Aw *e Koppel satten ^ dregen u. s. w., 
auwer koppeln, auf dem Rücken hinübertragen. 

91. Jö Prauss, de Bdlter, Jö Prauhs, ein elendes, dünnes 
Licht, das wenig leuchtet, und oft nur aus einem Fettdochte 
besteht, weshalb man immer am Schnuppen oder der Schnuppe 
stochern, purren oder prausen muss. De Boller eine aus Talg oder 
Wachs gewundene Kerze in runder Form, zu welchem das alte 
Adjeclivum boll (rund) die Wurzel ist. Das Zeitwort prausen , verb. 
intr., hat eine so allgemeine Anwendung erhalten, dass man es 
Ton jedem gebraucht, der mit einer Handarbeit oder dergleichen 
nicht fortkommen kann; he stänt dirr to prausen, ick häw V mi 
prauset , habe aber nicht damit zurechtkommen können , liegt 
dann- als Neben- oder Folgebegriff darin. Do hast en Praueer, jö is 
en Prauhs. Prausen ist dann auch mit mingen, njäsen und sömeu 
verwandt, d. i. mit zaudern, zögern, säumen, davon die Haupt- 
wörter: Prauseraij Jlingeräi, NjaseräL Nö maust dt swne, nun 
darfst du nicht säumen. 

92. Jö Bau, jö Roy jö Weel. Jö Rau und jö Re heissen beide 
die Ruhe; jö Rau bezieht sich aber nur auf körperliche Ruhe, 
jö ild mehr auf innere, auf Gemüthsruhe, inneren Frieden. Sin 
€^äten iet hdm nijn Rö, sein Gewissen lässt ihm keine Ruhe. 
Das Adjectivum ünrauig bezieht sich sowohl auf innere, als aus* 
sere Zustände. Die Unruhe, jö Unrauw, ist auch die Unruhe an 
einer Uhr. Weelen ist ein wenig ausruhen , und ist das deutsche ' 
weilen, dän. at hvile, daher jö Weei. Üttrauen, ausruhen, be« 
liei^hnet eine längere und gemächlichere Ruhe als weelen^ das oft 



149 

nur einige Hinuten dauert, und besonders von ermüdeten Fuss* 
gangem und Lastträgem gebraucht wird. 

93. Dät Beesi, jö Steem. Dat Reess^ dän. en Rost, die jedem 
Einzehien eigenthümliche Stimme , an der man ihn erkennen 
Jkann; en grSw, en ßn Reess^ grobe, feine Stimme. Da das deut- 
sche d am Ende einer Silbe im Friesischen so häufig in hs und 
s$ übergeht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Reess und die 
Rede, so wie das dänische Rede, at rede, dasselbe Wort sind. 
Jö Steem, die Stimme. 

94. Dat Jüeker, dat Twich. Dftt Jücker ist eine Gerte, ein ab- 
geschnittenes Reis, eine Ruthe, als dät Hükiiücker, vom Holun- 
der, dät Mäijücker von einem Weidenbaume, u. s. w. Dät Twich 
ist sowohl der Zweig, als der Ast. 

9B. Dät Röhn, dät Läpehe. Dat Röhn, das Rinnsal, Rinnsei, 
dat Läpeke^ das Lab. Beides gebraucht man, um damit die süsse 
Müch gerinnen zu machen, besonders beim Käsen. 

96. Dat Sdnn, dat Hart, dat Haad, Sinn, Herz und Kopf, 
sind nur von Seiten ihrer Schlechtigkeit mit einander verwandt, 
als: he hä en äirig Sdnn, en hi^n Hart, an en mal Haad, er hat 
einen argen Sinn, ein schlechtes Herz und einen tollen Kopf; 
mSlhaadet, tollköpfig, Idgtsannig, leichtsinnig. 

97. De Siek, de Pose, de Pung; de Sick^ der Sack, de Pose, 
nd. de Paas, dän. en Pose, ein kleiner Sack, ein i^äckchen; de 
Pmig, i. der Beutel, % der Hodensack. 

98. Jö ShäUy da Üt^Sfte. Die Schätzung, die Steuer und die 
Abgaben, wie in Lönshätt, Landsteuer, Bränshätt, Brandschat- 
zung; jö Kopshätt statt Haadshätt, die Kopfsteuer. Da Üttjefte 
sind i. überhaupt Abgaben, die auf etwas haften, 3. Ausgaben 
oder Auslagen im Allgemeinen. 

99. Jö Shäl, jö Pal, Jö Shäl entspricht überall der Schale als 
Umhüllung, jö Pd/ dagegen der Hülse, der Schote und der Schelfe. 
Ke Zeitwörter heissen skaten und palen, 

iOO. Jö Shaujn, jö Höndling und jö Daahs, Alle drei Wörter 
äod zeitwörtlicher Abstammung, jö Sh&ujn von shaien, gesche- 
heu, im zweiten Mittelworte (Participium) shä^, und bezeichnet 
eine schädliche Handlung; jö Daahs, von duhggen , däi, dajn, 
ist die That ; jö Udftdling , von hötideln , handeln. 



ISO 

4(M. Dfit Skjäm, dät Snäws, dät 6rä««. Dät Shjiru ist über- 
haupt der Unrath, wie z. B. Kehricht und dergl., dit Sfum, 
Schmutz, Unreanigkeiten und alles» was nichts taugt, dät Grüss, 
der Schutt, Gries und Kies. 

i02. En Shjwm^ en ßlen Mdnsfie. Dät Shjam ist ein Mensch 
Yoa schlechter Gesinnung, der andern Unrecht thut und Schaden 
zufügt» doch bezeichnet en ßkn ITdntAe hier noch stärker. 

403. De Fräcker ^ dän. en Prakker, nd. de IVacber, de /»«(br, 
de Kiltring, Präcker und Biller siehe im Yorhergehenden , Kä- 
iring soll von den alten Gelten, Kelten, herstammen , und bedeutet 
jetzt ganz gemeine Leute , die sich zanken , schimpfen und raufen. 

104. Dät Shcrn, de Shämtnel, die Hitsche und der Schemel. 
Oft gebraucht man das eine für das andre, was indessen nicht 
immer geschehen kann. So nennt man die an den alUnodisohen 
Tischen angebrachten Bretter zwischen den Füssen derselben, dt 
FmjtUhämle, Fussschemel, wo ShSm durchaus unpassend wäre, 
und dagegen den Bläueltisch , zum Bläuein oder Klopfen der 
Wäsche, dät ßöltgshöm, wo de Shämmel eben so verkehrt stehen 
würde. Bögen oder bohren ist klopfen , pochen^ 

iOB. Dät Shmi, jö Büged, Dät ShM, dän. en SkAm , engl 
shame, die Schande. Kßläged, von dem Adjectivum block, bUde, 
gebraucht man, wenn man sich in der Seele eines andern, oder 
einer unanständigen Handlung schämen muss; auch bedeutet 
Blöged , die Blosse , die Schaam. Die Zeitwörter heissen : hüm sfun- 
men und hüm blögen, sich schämen und sich erblöden, beide sind 
verba reciproca. Wenn Sham für die menschliche Schaam ge- 
braucht wird, ist es weiblich, sonst gebraucht man es sächlich, 
für Schande. 

106. Dät Shöhr, de jiujnfalL Dät SMhr ist der Schauer, 
als: lie häi en swär Shöhr^ er hatte einen schweren Schauer, z. B. 
vom Fieber: he hSt sm male an gauhse Shöhre, er hat seine tollen 
und seine guten Schauer. De Aujnßll ist der Anfall, als: m 
Aujnßll fon 'e Gigt, fon Liffwärk u. s. w. und bedeutet noeh be- 
sonders die Schwcrcnoth oder Epilepsie. 

i07. Dät Shöhr, jö Tiddlong, jö Tidd. Dät Shöhr ist hier die 
Weile , und dieser Zeitbegriff ist auch schon in der Bedeutung des 
Wortes mit eingeschlossen, wenn es Schauer heisst; die Zeitlang 



151 

ist jö Tiddltmgy und jö Tidd, die Zeit, lek haw hirr all en gauhs 
Sköhr wähn, ich bin hier schon eine gute Weile gewesen. 

i08. Dat Shrubb , von shrubbeu , scheuern , reiben , ist die Krätse» 
dät Shurrew^ die Räude der Schafe. 

. i09. De Eng, de Hämme, jö Perm, jö Koppel, jö Toft. De 
Eng, der Kog, ist ein grösseres, dem Heere durch Eindeichung 
abgewonnenes Stück Land; jö Fetm, ist die kleinste Abtbeilung 
darin, und entspricht in so fern einer Koppel auf der Geest, nur 
daas die Fenne mit einem Wassergraben, de SHl^U, die Koppel 
dagegen mit einem Walle oder Zaun, oder mit beiden umgeben 
Ist. De Hämme, der Hamm, die Hamme, Hemme, richtiger die 
Hämme, heisst eine Reihe neben einander liegender Fennen im 
Herrenkoge, die durch einen breiteren Graben von dem übrigen 
Lande getrennt oder abgehemmt sind. Der Hauptbegriff ist: Ab- 
trennung durch Zäune, Gräben, Einfriedigung, Gehäge. Mehrere 
Ortsnamen werden durch Harn , Hem und Hemme bezeichnet , 
wie Hamdorf, Hammelef, Hamburg, Hem, Hemme in Eiderstedt, 
Hemme an der Treue, Hemmelmark bei Eckemförde, Hemming- 
hörn, zweimal in Eiderstedt, Hamberge an der Trawe, Hamdorf, 
Hamfeld, Hammoor, Hamwedel, Hemme in Norderditmarschen, 
Hnrndingen, Hemmeisdorf, Hemmerwurth, Henuningstedt. Jö 
Toß, ist ein kleines eingefriedigtes Stück Land am Hause, das 
oft noch mit dem Warf, de Wäirew, in Verbindung steht. 

iiO. Jö Sliep, de Sliep, de Sndpp. Jö Sliep ist der Aufschlag 
an Aermeln , de Sliep , der Zipfel , de Sndpp , der Schnippel , 
Schnipp. 

iii. Dst Tweel, de Frohse, dät SpüH, dät Späiling. Tweel^ 
der Quiel, der dünne Speichel, welcher kleinen Kindern und 
ihen Leuten aus den Mundwinkeln, da Njäshe, fliesst, davon 
dät Tweelbär^en, Sabber tuch; de Frohse, der Geifer, dän. Fraad, 
Fraade; dät Spült, der Speichel, altd. die Spütze; dit SpäiUng, 
das Gespiene. Die Zeitwörter heissen: twelen, quielen, frohsen^ 
geirem, spüUen, spützen, Marc. 7, v. 55, Marc. 8, v. 25. Johan, 
^) V. 6, und späten y speien. 

ii2. De Säirk, das Mannshemd, de Smdck, das Frauenzimmer* 
»^aii; im dän. heisst letzteres en Särk, und das Mannshemd en 



152 

ii5. De Snäpps, von snappen, de Söpke von süppen, nd. supen, 
bedeuten beide ein Glas Branntwein, Rum, Genever, Cognac und 
dergl. die nicbt über einen Schluck betragen. Das Wort Sopke 
ist in der verkleinernden Form gebildet und also ein Diminutivum. 

414. Jö Snar, dän. en Snäre, engl, a snare, ist die Schleife, 
dän. en Slöife; jö Sitng^ engl, a sling» dän. en'Sljnge, die 
Schleuder; die Zeitwörter sind snären und sUngen. 

115. Jö Shär^ die Schnarre, Rattel, engl, a rattle; jö Rßjngh' 
bo$8 oder Shrajngleboss , von rcfjngelnf shräingeln, dän. en Rangle- 
bösse, von en Rangle, die Schelle, die Kinderklapper, Schellen^ 
büchse; jö Snürr , von snurren, schnurren, die Schnarre, eine 
bleierne, am Rande ausgezackte, runde Scheibe, mit mehreren 
Löchern in der Hitte, durch welche man wollene Fäden zieht, 
die an den Enden mit einander verbunden werden, worauf man 
das bleierne Rädchen so lange um seine Achse schwingt, bis die 
Fäden sich fest zusammengedreht haben ^ und diese dann mit 
aller Kraft wieder zurückzieht , wobei das Rad wieder stark 
schnurrend zurückläuft. Jö Rummelpott , der Rumpeltopf , ein 
Topf mit einer straffgespannten Blase überzogen , in deren Mitte 
ein Stück Schilfrohr befestigt ist, an welchem man mit etwas 
angefeuchteten Fingern auf und nieder reibt, wodurch der hohle 
Rumpelton oder das Rummeln hervorgebracht wird^ 



^ Alle diese Dinge sind keine Synonymen, und nur als Spiel- 
Sachen der Kinder hier zusammengestellt. Mit den sogenannten 
Löpern, Schüssern, Knickern, Marmeln und Schnellkugeln, Rull* 
kugle, werden mancherlei Spiele getrieben. Diese mögen hier 
zugleich einen Platz finden: 1. 'Aw'e Ring spulen, auf dem Ringe 
spielen , hier macht man eine kreisförmige Rinne auf ebener £rde» 
de Ring, innerhalb welcher die thönernen Schüsser gesetzt, und 
mit Marmelkugeln u. s. w., vermittelst des Daumens und Zeigefin- 
gers ausgeschossen (geschnellt) werden, wobei viele Regeln zu 
beobachten sind; 2. äujn 't Longliek späten, im langen Lew; hier 
werden die Schüsser in eine lange Reihe gelegt, etwa in der 
Entfernung einer Elle von einander, und mit Marmeln eben so 
geschossen; 3. dpijnspälen oder ^pijnuch , uifpijnsmiUen , gegen 
die Wand werfen. Wer einem andern auf eine Spanne nahe 
kommt, der gewinnt einen Schüsser; 4. äujn'e Gröttköhl späten, 
hier macht man ein grosses rundes Loch in der Form eines bau« 
:higen Topfes, und wirft aus einer jedes Mal genau bestimmteA 



153 

116. Jö iSjpJrr, de Shöt. iö Spirr von spirren, dän. at spire, 
en Spire» ist der eben hervorkommende Keim, de Shöt, von sh^ 
tem, fichiessen, der Seboss, Scbössling. 

ii7. Jö Sfjörr, jö Själl^ jö Räigel, jö Ordning. Die Yerba sind: 
sfjirren, fällen, räigeln und ordnen. HifjU Sißrr äw da wille Jan- 
gerne 9 steure den wilden Knaben; ick km V nijn Baigel äujnhtylley 
ich kann keine Regel (Ordnung) darin halten; dirr as nijn Sjall 
CN^, dSt ^äUet ja gaar nkU, das hat ja gar keine Art; däi 
tidseiU ja tm$f es gleicht ja nichts. Licknen und fällen sind 
sinnverwandt. 

148. De Spärk, de SHjU, de Puff. Yerba: spärken, dän. at spar- 
ke, sii^ttenf stossen, puffen. De Spärk, ein Stoss mit dem Fusse» 
de St^Uf der Stoss überhaupt. 

ii9. De Bausem, de Stall. De Bausem ist diejenige Abthei- 
long eines Bauernhauses » in welcher die Ställe oder Viehstände 
sich befinden; de Stall, ein einzelner Stand für Rinder oder Pfer- 
de, auch für zwei Stück. De Bausem ist sonst auch der Boden 
eines Fasses. 

120. De Splahs , von splitten , spleissen , spalten , also die Spleisse , 
Spalte, der Spliss; de Rahw, von riwwen, reissen, der Riss. 

ISi. De Stier, de Ögse, de Bulle. De Stier und de Ögse sind 
beide verschnittene Stiere, de Bulle, der Zuchtstier ^ engl, a bull 
und a steer. 

122. De Taus (Täis), de Kaise. De Täu^, der Zahn, de Käise, 
od. Kuhs, der Backenzahn, Malmzahn. 

123. De Struhmm, dat Silltog, jö Wähseriiesing , der Strom, 
der Fluss, die Au, wörtlich der Sielzng, jö Wähseriiesing, die 
Wasserleitung oder Lösung , um das Wasser los zu werden ; 
iMbiiiiefi, strömen, £t/^,fliessen, treiben. Dät5i//, das Siel, s.o. 

124. Dit Swijty dät Blmyd; erstercs ist das warme Blut ge- 
iddachteter Thiere , letzteres ist Blut überhaupt ; Sudjt , der Seh weiss. 



Entfernung (dat Muhl genannt) die Schüsser da hinein; 5. äi^n *e 
ydspotty aujn^e Idjtt Kohl untig äw Tunnringe, d. i. nach der ton- 
derschen Weise, spälen. Hier dreht man mit dem Absatz des 
Stiefels eine kleine Höhlung in Form einer Halbkugel aus, und 

^i darin Gerade oder Ungerade, Pär untig Unpär. 

20 



/ 



154 

425. Dit Swäf^ jö Onturd^ die Antwort, von twirm und M- 
urdm. Swären und dät Swär kann überall für antwojrten und 
Antwort stehen; önturden und jö'Önturd findet besonders beim 
Examiniren und Abfragen Statt. 

426. Jö Leen, de Paarmp, dat Reep, dlt rati». Jö Z^mi, die 
Leine, besonders die Hinterleine am Wagen » mit welcher der 
Wiesbaum auf Heu* und Getreidef^hren gebunden wird ; de Paar' 
mp, die Yor- oder Yorderleine, welche aber den Kopf des Bin* 
debaumes geht; dat Tdw, das Tau; dat Reep kommt nur neeli 
in dem Worte Reepsläger, Reifschläger vor. Der Binde- oder 
Wiesbaum ist de Ptmteme, und die Tritze oder Bloekseheibe (His- 
seblock) heisst de Hauek. 

427. De Täms, dät Sähw. De Täms, ein Haarsieb, sum Seihoi 
der Hilch und zum Sichten des Hehles; dlt Säkw, das Sieb, engl 
ia sieve. Ein älteres Wort für Sähw hiess dlt SäU, wovon noch 
das jetzt gebrauchliche säikn, sichten; aus Täms wird auch fim- 
sefi, wofür aber säilen gebrauchlicher ist. 

428. Jö Tiem, de Bässe! , de Trans. Jö Tiem, der Pahrzaim 
bei Wagenpferden; de Bässel, der Reitzaum; de Trans , ein ein- 
facher Kapzaum , die Trense. Aus Tiem wird tiemen^ diemen, das 
Heu zum Diemen (Schober] vermittelst langer Leinen und eines 
schmalen Brettes zusammenfahren. 

429. Dat Tjöch, Tjög\ dät Saaken, das Zeug und die Sache». 
Beide Wörter sind Gollectiva ohne Mehrheitsform, und werden 
für Vieh und Sachen gebraucht. Beispiele: Wirr as mm Tjög'f 
lid. Wo is mien Tüg? dän. Hvor er mit Töi? meine Kleider und 
sonstige Sachen. Ijltjög', Feuerzeug, Wäirk^ög', Räisefjög', u. s. w. 
Jag *t Tjöch inn! Treibe das Vieh ein; hähst 't Saaken infSmqmt 
Hier umfasst Saaken alle Hausthiere mit einander, so wie alle 
drausscn liegenden Sachen, die herein sollen, wie Hühner, Enten, 
Tauben, Gänse, Schafe, Schweine, Rinder, Pferde, Pferdege- 
schirr, u. m. a. Läjtt min Tjög' oder Saaken ladde , lass mein 
Zeug oder meine Sachen liegen. Ick hähw min Tjög' äujn 't Shrönn, 
ich habe mein Zeug in der Lade. Bin Saaken drdft äU dmMi, 
deine Sachen treiben immer herum. 

450. De Töhle, de SniUte, de Fläbbe, de Mün. De JUüts, der 
Mund, de Fläbbe y die Fläbbe, Hängemaul, de Snütte, die Sdinauie» 



1B5 

de Töhle^ das Maul; de FräMe, die Fresse, Gosche. Ganz grobe 
Ausdrücke sind: Hi^ll ddn Töhle. hüill *e SnüUe, de Fläbbe an 'e 
FruhU. De Frahte von ftehsen, fressen. Aus Fläbbe wird fläbben, 
das Maul hangen lassen, aus Snütte, snäjUen, schnauzen. 

iSi. De TüU, de Göth, die Schnauze, an einer Kanne und 
dergL; de Göüiy der Guss, von gijUen, giessen. 

133. Dät ^r^fd, der Zwirn, de Träjdd, der Faden, dat Cüdm, 
wollenes Garn; de Träjdd ist auch ein einzelner Draht, de JPodt- 
tnijdd, Pechdraht. 

453. De Trceh, jö VJlUng, der Trog und die Hulde; beide heis- 
sen im dän. Trug (1. Truhg). 

134. De ThräSy Ton treesen^ treten, der Tritt; de Stäp^ vou 
tiäfem^ stapfen, der Stapf, langer Schritt; de Släpe, die Stapfe, 
eingedi*ückte Spur vom Fusse; dat Släpsiähsy der Stegel, zum 
Uebersteigen; de Trütape s. o. 

135. Jö Tripp, jö Lädder, die Treppe und die Leiter; de Lad- 
derb^lke^ der Leiterbalkea , da Spräche ^ die Sprossen , Singul« 
de Sprüjnke. 

136. De Wäll^ de Dkk^ de Dämm, de Shänse^ der Wall, der 
Dekh, der Damm und die Schanze. 

137. Dät Wäirk, dät jfrhed, das Werk, die Arbeit; arbeiten 
ist aber hüen^ daher de Büer^ der Arbeiter, de udrbedsmonn, der 
Arbeitsmann. 

138. lö Wäig^ von loäigm^ auf und nieder wiegen; jd Wipp^ 
vmi ißippm; jö Stjöi^ daher stjöien; jö Wägg^ daher wäggen, Jö 
Wäig, ein langes Brett, in der Mitte auf einer hohen Unterlage 
ruhend, auf welchem sich zwei Personen, eine an jedem Ende 
derselben, abwechselnd zum Vergnügen auf und nieder wiegen. 
Jö Wippf die Wippe, besonders eine Falle mk einer Wippe, zum 
Fangen der Mäuse und Ratten, die durch ein Stückchen gebra- 
tenen Speckes angelockt, in ein darunter stehendes, zur Hälfte 
mit Wasser gefülltes Gefäss faUen. Jö Sfjäiy die Schaukel, jö 
Wägg, die Wiege. 

139. Jö Drägt, dät Jock, Jö Drägt ist die Tracht oder das 
Schulterjoch, an welchem Wasscreimer, Milcheimer, Körbe und 
dergl. getragen werden; dät Jock jedes andere Joch. Jö Drägt, 
von dregen, tragen, hat übrigens alle Bedeutungen des deutschen 

20* 



1S6 

Wortes Tracht, und heisst noch besonders die Wage ander Deidi- 
sel mit ihren Schwengeln, da Swdjngle. 

i40. De ^tte, de uiMkte^ zwei verschiedene Benennungen für 
Grossvater. 

i4i. De Bahse, de NjüUe, dftt Gagen, de Fordijl De Balm, 
dän. en Baade, Verb, at baade, hatte; deutsch: baten, hatten, 
Nutzen bringen; de Njütte, der Nutzen; dat Gagen j dän. Gavn, 
engl, gain, das Fronunen, der Nutzen » Verb, at gavne, frie& 
gägnen; de Fordijl, der Yortheil. De Ldjtte kan äU Gagen diiß, 
der Kleine kann schon nützliche Geschäfte verrichten; wcU to Co- 
gens dßjn, etwas recht machen, so wie es sein muss. Däi wU 
de äi faale bahse, das wird dir nicht viel baten. 

442. De Egge, jö Sidd, de Käni. De Egge kann nur durdi 
Seite übersetzt werden, wobei aber der Begriff sehr unvollstän- 
dig bleibt. Diess Wort, welches auch noch im Dänischen, aber 
in einer weit eingeschränkteren Bedeutung, vorhanden ist, hat 
einen sehr umfassenden und vieldeutigen Sinn, der nur durch 
Beispiele klar gemacht werden kann. 'Aw *e söhser Egge *t Hü», 
auf der Südseite des Hauses; äw 'e Närderegge, auf der Nord- 
seite; äw 'e udsterSgge, zu Osten, de Westeregge^ die Westseite; 
aiio 'e LeeftSgge^ zur Linken; äw 'e regte Egge, auf der rechten 
Seite; äw 'e HugerSgge satten, über jemand sitzen, einen hohem 
Platz einnehmen, äw'e LäigerSgge, niedriger sitzen; de hirr Egge, 
oder umstandswörtlich: de hirrigge, diesseit, de jwnnerSgge, jen- 
seit. ^Jfw huhmsen Egge bcbst doF Auf wessen Seite bist du? mit 
wem hältst du es? Bat Kniff as blank äw biese Egge^ das Messer 
ist blank auf beiden Seiten; dät shjärt md biese Eggej es schnei- 
det mit beiden Kanten, mit der Schneide und dem Rücken, oder 

A 4 

es ist zweischneidig geschliffen. Be büMer Egge, de bdnner Egge, 
oder: äw 'e bütteregge, äw 'e bdnnerSgge, ausserhalb und ixxBßt* 
halb; de rogte Egge, de forkierde Egge, die rechte Seite und die 
Kehrseite von gewebten Stoffen. Das Zeitwort davon ist iggen, lo* 
Sggen^ und bedeutet verlocken, anreizen zu etwas. Im Dän. heisst 
de Egge, en Egg, und wird nur auf die Schneide und die Tuch- 
kante angewandt; at egge nagen, ist einen aufbringen, zum Zorn 
reizen; engl an edge, Verb, to edge. 



1Ö7 

1 45. De Främde , dät ÜUlä^jnn , die Fremde , das Ausland ; 
främd an üUlä^jnsh. 

i44. Ganyd myn Stände wesen, gut im Stande sein; en gauhs 
Däged heven, gutes Gedeihen, gute Gedeililichkeit haben, yon 
däien^ woraus jö Däged sich bildet, welches Wort man aber nicht 
mit Döged Ton daagen (taugen), die Tugend, Terwechsehi darf. 

145. De Kempe, de Riese. De Kimpe, der Kämpe, bezeichnet 
den Riesen Ton Seiten seiner Stärke, seiner Tapferkeit und des 
kraftigen Körperbaues; de Riese von Selten seiner ungewöbnli- 
dien Länge; riesen heisst in die Höhe richten. 

446. DeKlanne, deKlots, de Knolle, deKldwwer. DeKlonne, der 
Klonz, bezeichnet den Menschen in Rücksicht auf seine Plumpheit , 
Derbheit und Schwerfälligkeit; de Klots, in Bezug auf seine Grob- 
heit; de Knolle, ein vierschrötiger, derber und gedrungener Kerl; 
de KldwweTy von pKldw, die Klaue (Hand), einer, der tüchtig an- 
fassen und arbeiten , oder mit den Klauen etwas los machen kann. 

147. De Läpe, de Fldck, de KlüU, de Plünne. De Läpe, der 
Lappen, de KlüU, ein Lappen zum Flicken und Ausbessem, de 
Fldck, der Fleck, z. B. aus Leder, ein Absatzfleck, de ufgter- 
•flock, de Plünne, der Lumpen; die Verba sind läpen, flocken 
und UüUen. 

448. Jö FortelUng, die Erzählung, dat Tähl, das Mährehen, 
jö Foabel, die Fabel, de Dqjnte, das Döhnchen oder Anecdötchen. 

449. Jö Begäwenhmd , die Begebenheit , dät jinoertärr , das 
Abentheuer, at(;entMrr/tcA;,abentheuerlich, auch gefahrlich , gewagt. 

450. De MmUe , die Mühe , dät Unmeek , dän. ümäge , recht 
viel Mühe. 

454. DePaurte, die Pforte, dät Dohr^ das Thor, dät udhk, 
das Scheunenthor. De Paurte ist auch der Kerker und der Sta- 
chel , s. o. 

455. De Stünner, der Ständer, de Piller, der Pfeiler, de Stip- 
pe, die Stütze. 

453. Jö Twöng von twingen, jö Tücht von Oe-en, ziehen, jö 
Kush , von kushen. Der Zwang , die Zucht , die Kusche , Ein- 
schüchterung. 

454. De Grünn, de Ursäge, der Grund und die Ursache. 

455. De Slorre, dät Mingen ^ dät Njäsen. De Slörre, von slöi'- 



im 

• 

ren, biostehen lassen, ist die Fahrlässigkeit, $lan*iff, fahrlässig; 
de Minger zaudert , weil er mit der Arbeit nicht recht fort- 
kommen kann, deNjäser^ weil er nicht will; daher nun Mingeräi 
und Njä$eraif von mngen und fräsen. 

156. De Spahse, jö Glauw; diese ist ein gewöhnlicher Spa- 
ten, dagegen de Spahse ein Spaten zum Abstechen der Heide- 
flaggen oder des Heidetorfes, dessen Blatt von der Mitte an ein 
schräg aufwärts stehendes Dreieck bildet. Selbst der Torfspaten, 
welcher an der rechten Seite des Blattes eine aufstehende, schar- 
fe, drei bis vier Zoll hohe, eiserne Kante hat, heisst jö JljdgUum, 

157. Da Twäge, dut Jest, da Gäre. Da Twäge (CoUectivuin) 
sind die Unterhefen, d^tJest, der Gäscht, und da Gäre^ jedes 
Gährmittel. 

158. De Brücke de Maude, de Wanigt, Gehrauch, Mode und 
Gewohnheit. 

159. De Wale, de Wällering, de Wjärsing. De Wale ist l.die 
Strieme, z. B. nach einem Peitschenhiebe, 2. etwas zusanmicDge- 
rolltes, wie Heu, Grummet > Krummstroh, etwa von der Dieke 
eines groben Ankertaues, oder eines derben Oberschenkels; de 
Wällering f von wällem^ wälzen und wällern, z. B. eine gekrem- 
pelte Flocke Wolle und dergl.; de Wjärsing, der eingestrichene 
Hauptschwaden beim Heuen. De Tingwäle (verdreht zu T4JDg- 
wale), ein kurzer, eiserner, walzenförmiger Stab, oben mit eineia 
Ringe versehen, der von Haus zu Haus geschickt wird^ um die 
Dörfler an einem bestimmten Ort zu gemeinschaftlichen Berathun- 
gen zusammenkommen zu lassen, hat seinen Namen von der wal- 
zenförmigen Form, obgleich man ihn auch viereckig hat« 

160. ^irig äujnimppen , to Mottle kamen, äuynkamen {k^). 
Äirig ä/ujnluppen , übel anlaufen; hijnn äi^kämen, übel ankom- 
men u. s. w. To Mäßtte kämen, braucht man, wenn z. B> jemand 
4tuf der Strasse fallt und ein Bein bricht, oder beim Aufhängen 
eines kostbaren Spiegels denselben entzwei fallen lässt u. s. w.; 
50 sagt man: ürr kaumm ick elandig to Mäßtte. En Ohling fuhg- 
gen, sagt man, wenn jemand, der es wohl verdient hat und 
dem man es gönnt, um bedeutende Summen betrogen wird, oder 
wenn ihm sonst irgend ein empfindlicher Streich gespielt wird. 
Dann heisst es: Dirr hei'r en gmhs Öhling füngen! En gauhs 



159 

L&rringy von Wrren oder lören, lauern, auch jöJUfrtft^^ bezeiebnei 
dasselbe; im Worte selbst liegt aber der Begriff des Abeichtli- 
eben, des Lauems, und das Wahrnebmen der Gelegenheit, jemand 
einen Streich zu spielen. Htihm en Strag späten, jem«id einen 
Streich spielen. 

161. De SpiekeTy de Nägel, de Brödd. De Spidiery ein Nagel, 
dan. et Sp^ger, Spiger, von einiger Grösse; de Nägel , ein klei- 
ner Nagel, wie Wanmngemgely Fenstemagel, auch der Nagel an 
Pinger und Zehen; de Brödd, dän. en Brod, ein kleiner spitzer 
Stift. En Nägel, engl, a nail, verb. to nail. Spickern, mit grös- 
seren Nägeln befestigen, nageln, mit kleinem, brödden, mit noch 
kleinem, ohne Köpfe. 

162. De Slüngel, der Schlingel, de Bd^ngely der Bengel, de 
SUf, nd. de Sl^f, de Slubber, de Köter, Schimpf- und Scheltwör- 
ter. De Slubber, von Slubb, dünner Strassenkolh, ehdfbem, den 
Xoth einschlürfen, wie die Enten; de Köter, der Köter, als 
'Sehimpfname, und ein Köterhund. 

165. En lajtt witsh Dijl, en Idjtt n^sig Krät, en Idjtt däsig 
!%'{, en Idjtt däsig Krät, sind alle in der Bedeutung so ziemlich 
eins; wdlsh Dijl, quersinniges Ding, mjögsig Krät, schmutziges 
Gethier; Idjtt däsig Dijl, kleines albernes Ding; Idjtt däsig Krät, 
kleines albernes Geschöpf oder alberne Kröte; lauter Schimpf- 
wörter. 

164. 3ö BSsiel, ]ö Kugel Jö Bössei, eine Kugel zum Werfen 
bestimmt, als: jö Kägelbössel, jö Issbössel, Kegelbossel, Eisbos- 
sei; jö Kugel, jede Kugel und die Bossel mit; bosseln, mit der 
Bossel werfen. 

165. Jö Käwel, jö Koppel, jö Snaur. En Käwel Hdjnste, en 
Koppel Eünne, und en Snaur Hdjnste. Käwel und Koppel scheinen 
hier einsdeutig, doch wird Käwel nur v<hi Pferden, Koppel von 
Hunden gebraucht. Bei der Schnur gehen die Pferde hinter ein- 
ander, was eben bei einer Kawel und Koppel nicht nothwendig 
ist. Da Hälskäwle sind die Halssiele der Wagenpferde. 

166. Jö Pott, jö Bdjngel. Beide sind Töpfe, aber der eine, 
jö Poit, hat immer drei Füsse und einen Sterz; jö Rdjngel ist 
ohne Füsse und hat einen bis zwei Henkel. Bdjngle heissen aueh 
die Schellen am Schlittengeschirr und an der Schellenbüchse, 



160 

daher Hinein, schellen, verwandt mit shrcijngeln, dän. at rangle, 
und en Rangle, en Rangleslange, die Klapperschlange. 

167. Dat Wunner, dat Wunnertieken , dat MiraakeL Das Wun- 
der, das Wunderzeichen, das Mirakel; letzteres wird aber mei- 
stens für verwirrten Lärm , Getümmel gebraucht , wie in den 
Ausdrücken: en grott Miraakel, faale Miraakel mögen. 

168. Jö Tihssmg ^ Zeitung, Nachricht, jö Naarogt, dasselbe; 
dieses Wort ist dem Niederdeutschen nachgebildet. 

169. En Kmk , en J^drl, en BajUe, en BröekUng , en Laiei 
und en Lurlierläiet, En Kink und en Lurlierlaiet bezeichnen deo 
kleinsten oder unbedeutendsten Theil von etwas; en Bjdrl, m 
Kömchen, en BajUe^ ein Bissen, en Ldiet, ein wenig. Weniges, 
en Bräckling y ein Brocken; daraus wird bröckeln, bröckeln. 

170. Dat Ofer^ das Opfer, de GdawCy die Gabe, jö Fwihriaq, 
das Geschenk. 

171. Verwünschungen und Flüche. Däi de de Segt^ de Rxmm^ 
de Däuner , de Banker , de Bäiu4sher , de Bmwel , de Büwel , de jB$fi- 
ger, de Wünnen, da Fiewwünnen, de Kränked, de Bäcker! Dass 
dich die Sucht (Fallsucht) ergreife! de Hdjnger, der Henker, da 
Fiewwünnen, dass dich die fünf Wunden (Christi) brennen oder 
schmerzen mögen ! de Kränked , die Schwerenoth ; de Bäcker 
(sonst Racker), der Schinder. Die übrigen Wörter sind lauter 
Namen des Teufels. 

172. BäiPäckhüss, de Kaurnspkker f der Kornspeicher und das 
Packhaus. 

173. Jö Formaak, jöHöhg. Jö Formaak, von formagen fwie das 
Lat. recreare, reficere), das Wohlgefallen: He het V sin Formaak 
ütt, wdnn'r'e Jöngense to wräseln füjn kön, er hat sein Wohlge- 
fallen daran, wenn er die Jungen zum Ringen oder Balgen brin- 
gen kann. Jö Höhg, von högen, erfreuen, wird mit mi^n (in, an) 
verbunden, und so gebraucht: Dirr hei'r sm Höhg ä^jn^ daran 
hat er sein Behagen, seine Freude. 

174. Jö Währ, da Krefte, jö Formogt. Jö Währ, von wiren, 
sich wehren, vertheidigen , braucht man besonders von Kindern, 
die einer Arbeit noch nicht recht gewachsen sind, daher nun: 
wahrig, en wäJirigen Jönge, ein kräftiger Junge, he hStnijn Währ 9 
keine Kräfte ; jö Formogt , das Vermögen , aber nur in Beziehung 



161 

ftuf Körperiuräf te , als: Höll du Haad nSg, aur$ läiei Fannogt^ 6e- 
sass und Kopf sind gross genug, aber wenig Kraft Ycm einem 
stark gebauten Menschen, der dennoch nur wenig Kräfte hat 
D4 Krifte^ die Kräfte, de SrSfte^ der Krebs, Krebsschaden. 

175. Itol Spait, pl. Spahse und SpäUe, der Spiess; de Pidt, 
die Pieke. 

i76. De£iiM, dän. en Eem, der Brodem, heisser Wasserdampf; 
de Dämpf der Dampf überhaupt» daher- ^m«» und dämpen, brod- 
men und dampfen. Dämpen ist sowohl ein, Yerbum intransiti?um« 
als ein transitiYum, und heisst also auch dämpfm. Brodeln ist 
hMeln. 

177. De Wjard, von wäir, wahr, die Wahrheit; de WjaH, von 
wjari, werüi, der Werth; de Wjärth, der Wirth. 

i78. De Gang, jö Träw^ von gungen und träwen, der Gang im 
Schritt, und der Trab; jö Hünneträw, der Hundstrab. 

179. De H(ijt, yon hyU^ heiss» nd. hitt, daher die Hitse; de 
Wirmde, die Wärme» von wärm; hatten und warmen ^ heiien und 
wärmen. Warmen ist Wärme von sich geben; wiermen, erwär- 
men und sich erwärmen. 

180. Dät Färrew, dät Bldi, jö Kolör. Dat Firrew wird nur 
▼on gefärbten und gemalten Gegenständen, so wie von Farbe- 
stoffen gebraucht; dat £läi sowohl von natürlichen, als aufgetra- 
genen Farben, und Kolör besonders von starken, lebhaften Far- 
ben. Dö höhst en gauhs Bläi^ du hast eine gute , gesunde Ge- 
sichtsfarbe ; hocken Bläi hÜ ddn näie Rock, ddn Riddhßintt an diu 
fmge Hünnf was für eine Farbe hat dein neuer Rock» dein 
Seitpferd und dein junger Hund? 

181. SöHäw, jö Gdsiing, }ö Farmautitig. Jö Haiw, von AäMoen, 
erwarten, dass etwas eintreffen oder geschehen werde» also die 
Erwartung in dieser Bedeutung; jö Gdsringy von gasten, dän. at 
gisse, aus gewissen Heikmalen oder Anzeichen sehliessen; jö F&r- 
mausing, die Vermuthung. 

483. De Stuhpp, dät Stop, de Ömmer. De Stuhpp^ der Stauf, 
kommt vor in Tjärestuhpp, die Theermeste, de Krüdstuhpp, Blu- 
menstauf, Swenmesiuhpp , die Schweinsgelte ; de Ömmer ^ der Eimer; 
dit Stöp^ siehe Stuhpp. 

185. Jö Elms, de Gaawe, s. oben; jö ElmSy das Almosen. 

31 



162 

184. De Wihsse, de Mauhse, die Weise, die Art, dän. en 
Maade; dät ds nff sei sdn Wihsse, seine Weise, sdn Mause, seine 
Art; de Brück, de Wänigt, siehe oben. 

185. De TwUter, de Fäger. Beide Wörter bezeichnen einen 
jungen» flinken Burschen. Man sagt: dät ds en flinken TwiUer, 
und en dugtigen Fäger, von dem Adj. fdge, schnell, rasch, ge- 
schwind, welches noch im Dänischen vorhanden ist. 

i86. Jö oder d&t Molke, die Milch ; dät BjäH, die Biest, Bienst, 
die erste Milch nach dem Kalben, Neumilch; Ak Aune^ Collect, 
die Buitermilch. 

187. De Stele, de Stajngel, de Struck , Stiel, Stengel und Strunk. 

188. Jö Gäsem, die Gäspe; jö Hdujnfolly eine Handvoll. 

189. De Amg&ng^ jö SegL De jfmgeng ist eine umgehende, 
•grassirende Krankheit, jö Segt, die Sucht und die Seuche. 

190. De Aoc&, de Mämtel, iMWäms, dixKdmmesfml, AeRükh 
fiock, Wamms, Mantel, Kamisol und Kittel. 

191. Jö Huü, jö Kapp, jö Kabuls, dät HiU, Jö Bull, die 
Mütze, jö Kopp, die Kappe, jö Kabuls, die Gaputze, dät HiU, 
die Kutte. 

192. De Ställbrauhser , de Kammeraal , de Mäeker, der Stall- 
bruder, der Kammcrad, der Genosse. 

195. Namen einiger Fische. De Gedd^ der Hecht; de Sötter, die 
^bleibe; de Piepfdsh, der Schlammpitscher ; jö Karwtsh, die Ka- 
rautsche; de Brässem oder Brdsmer, der Brachse; jö Mlemudder, 
die Aalmutter; de ^jl, pl. Jfile, der Aal; de Baars, der Barsch; 
de Stöhr , der Stör; de Snäpel , der Schnäpel; de Darsh , der 
Dorsch; de Shdlfdsh, der Schellfisch; de Häiring, der Häriog; 
jö Shell, wozu alle Seitenschwimmer gehören; de BUjnker, das 
Rothauge (Cyprinus Erythrophthalmus); de Lax, der Lachs; de 
Sonhaars, der Sandbarsch; de blander, der Alander; de iSSM, 
der Stint, u. s. w. 

194. Namen einiger Insecten. Jö Pödd, der Käfer; jöJFYiegf, die 
Fliege; jö Nöpp, der Floh; jö Lüss, die Laus; jö Vchlüss, die 
Wanze; jö Tdhg, die Zecke, die Schaflaus; jö Bi, die Biene; 
jö Brdhms, die Bremse; jö ilfa^gr, die Mücke; jö Mijtt, die 
Milbe; de Gölsmass, die Libelle; jö Häjnstepddd, der Mistkäfer; jo 
Gödshännj das Gotteslämmchen , u. s. w. 



163 

Namen einiger Feld fruchte. De Wijtte , der Weizen ; de 
p der Roggen; de BahVy die Gerste; jö Häwer, der Uafer; 
%ser, der Buchweizen; Sdmmerkaurn und Wonterkaum, Som- 
ind Winterkorn; däu/rte, die Erbsen; da Buhne , die Bohnen; 
'^, die Wicken; daBaane, i.der Rainfarren, 2. derBeifuss, 
eissen göhl (gelbe) Baane (Tanacetum vulgare)» diese grä 
(Artemisia vulgaris); dat Mäikrüdd, der männliche Tüpfei- 
(Polypodium felix mas); d& Goiekrülh, Eamiilen, JpeikrüUe, 
ohlriechenden Kamillen; dat Lawändei, der Lavendel; jö 
, die Nelke, u. s. w. 



VIERTES CAPITEL 



DAS BESTIMMUNGSWORT (Adjectivum). 



03. Die Bestimmungswörter sind iheils Wui'zel Wörter , 
abgeleitete und theils zusammengesetzte. Die Stammwörter 
urchgängig sehr einfach, als: 



krank. 
p;esund. 
falsch, 
rund, 
^hwarz* 
'eiss. 

braun. 

grün. 

roth. 

elb. 

)lau. 

au. 

, bunt. 

i, s. 0. 

nass. 

mer. 



säit, salz. 
bdtter, bitter. 
tenn, dünn. 
tjöck, dick. 
bUnn^ blind. 
duf, taub. 
idm, lahm. 
hält, hinkend. 
stärk, stark» 
grott, gross. 
idjtt, klein. 
worm, warm. 
hiju, heiss. 
käujl, kalt. 
läi, lau. 
härsh, barsch. 



hdrd, hart. 
uhk, weich. 
fier, fem. 
widd, weit. 
/ong, lang. 
kaurtf kurz., 
wieh^ Übel 
bliek, bleich. 
munter, munter. 
sauber^ sauber. 
junk, dunkel. 
hdil, hell. 
Uär, klar. 
Ijägty licht. 
hädder, heiter. 
wieker, wacker. 

21 ^ 



164 



när^ eng. 
9pis$, spiu. 
Ugtf leicht 
moär, schwer. 
imm, offen. 
tdgt^ dicht. 
$Hff, steif, 
ttfi^, geschmeidig. 
smi689gf — — — — , 
9&^d, gut. 
A^n, schlecht. 
grof, grob. 
fim, fein. 
ift{KU, todt. 
/oMmi» lebend. 
fiit, fett, 
ml^sr, mager. 
äirig, «rg. 
ätv0fi, eben. 
däMH, leise. 
sljogi^ schlicht. 
will, wild. 
/^mfHy zahm. 
«All, scheu. 
sAdrp, scharf. 
boll^ stumpf. 
Imit, stumpf. 
9igt^ seicht. 
fiäck, flach. 
/%, niedrig. 
AiicA, hoch, 
dfsp» tief. 
sh&r^ schroff. 
steil^ steil. 
Üoiii» blank, 
neu, rein, 
^föi, froh. 



shrödd, schräge. 
nä/l^ stössig. 
seefl^ sanft. 
niill^ mild. 
Am, arm. 
ridt, reich. 
MmA, Uöde. 
focAy rauch. 
drogh, trocken. 
uKyU, nass. 
ßst^ fest 
Ito» los. 
A*. freL 
nii, neu. 
t{;//, alt. 

Pi^» jung* 
n^/, recht. 

</a//» stille. 

sägif sacht. 

Aioiy fauL 

liek^ gerade. 

krümm, krumm. 

shief, schief. 

träi, müde. 

/ll//, YOU. 

lährig, leer, 
trotr, wahr, 
r^, reif. 
wälet, welk. 
^/, satt 
bär, bar. 
tear, bar. 
öM^, ewig. 
swäck, schwach. 
stramm, stramm. 
struf, straff. 
säkeVf sicher. 



nägel, nackt 
twdrr, qu^. 

imirr^» mürbe. 
wiss, gewiss. 
trang, bange, 
/hii^, frech. 
äim, eigen. 
«mUI, nett 
tapper f tapfer. 
Aäi%f hastig. 
Uei» leck. 
locker, lecker. 
Mas, heiser. 
iäsig, albern. 
idder, frühe. 
UAs, spät 
aagtem, nüchtern. 
ähsrig, nüchtern, 
^fottom, laut 
sieremf sehr heftig, 
ifofty Stola. 
sking, streng. 
nög, gar, genug. 
rashf rasch. 
<nitt, treu. 
jöhr^ Iheuer. 
6r^9 breit 
smä, schmal. 
ra, roh. 
ndiPy genau. 
gdw, geschwind. 
släpp^ schlaff. 
däik, alltägUeh. 
meek, sehr zdim. 
hohl, hohl, 
»er, weh, wund. 
njöl, plump. 



165 

kam, spröde. /o^, feige. kier, kürisch. 

gi^n, glüh. fäiry stark. liess, leid. 

kriesMy keck. klamm, klamm. plump, plump. 

Ferner: 
bücket f hauchig* dick von Leibe; wälig^ stark; sidd, weit herah- 
hangend, yon Kleidern; stumpet, kurz, zu kurz, von Kleidern; 
arkd , stürmisch , unruhig , vom Wetter ; gremet , schmutzig schwarz- 
gestreift im Angesichte, auch von Kühen; ßhl, hoshaft; füll, 
schmutzig; hallig, feier, heilig, hillg, heilig; fug (/ueh), hange; 
nögen, genügsam; salig, nur halhklug, albern; fldw^ flau; träwel, 
nd.*hild, viel zu thun habend, dän. travel; lumsh, tückisch; kUen, 
dünn und schwach; mal, toll; vniess, böse, zornig; dgt, echt; 
Mdfs, nett, sauber; snaud, schnöde; rank, schlank, schlank; säig, 
»Lhe ; shäier , spröde ; härsh , ranzig , dän. härsk ; glöbsh , nd. glubsch , 
dän. giubsk; shirr^ schier; sollen, selten; sldmm, 1. schlimm, 2. 
gesdieidt; stäsig^ stätig, slettisch, von Pferden, die nicht vom 
Fleck wollen; stähsig, stetig, anhaltend; knäp, knapp, geizig; 
gliU^ glatt; hämper^ hart in der Rede; neesh, zart von Haut; 
spie^ neulich geboren» en spie Ugärn; fahs, unartig; äujnnet, un- 
geiiorsam; baish, dän. beesk, unangenehm bitter, wie z. B. Wer- 
muth; fimk, flink; sndU, schnell, schlau; flraam, fromm; trongHck, 
ängstlich im Geben, geizig; ängliek, ängstlich im Blick; kannig, 
kundig; snäwsh, rotzig, von Pferden; shdll, schmutzig, von Scha- 
fen und Rindern, die den Durchfall haben; funkelt, i. einfach, 2. 
einzeln, nd. und dän. enkelt; döwelt, doppelt; tröweit, dreifach; 
gemien^ gemein; mdA^, schlau; bleehs, mild, freundlieh; wdnliek, 
freundlich; swßitt,8ii8s; shrubbet, rubbiig, rauh; lief, lieb; gUwmg, 
glumm, trübe, vom Wasser; Aöcbfer, heiter; Hanig, schleunig; /S^or 
äig, fertig; freulick, fröhlich; drunken, trunken; grotsh, hoffar 
tig; grotthartig, stolz, aufgeblasen; hißl, ganz; meklick, bequem 
mäme, wach; fägel, fehl; kloMk, klug; fiarsh, i.süss, vom Was 
ser, 2. ungesalzen, vom Fleische; p/ä/, platt; trinn, rund; kr^^ 
$ett kraus; swänger, schwanger; swdnlick, schwindlicht; klöftig 
spasshaft, drollig; spöish, spöttisch; möhglick, möglich; kndpsh 
kmpsh^ schnippisch; rddlick, redlich; faamamen, vornehm; swähsen 
gesengt, sengerig; sängerig, von angebrannten Speisen; tünnen 
geschwollen; forkierd, verkehrt; sonnig, i. sinnig, 2. sonnig 



166 

/ 

' sahnig, sehnig; grävJick, gräulich; kläwig, kleberig; rösel , ver- 
fault; lieflick, lieblich; drdftick, weidlich, trefQich; rickliek, reich- 
lich; fäliig , ordentlich, recht wie es sein muss; iäwentig , leben- 
dig; n^ögsig, schmutzig; rostig^ rüstig; näiiick und näishirrig, 
neugierig; üjllkia/uk, altklug; shrdwliek, kränklich und verküm- 
mert; geest, nd. güst, d. i. sieg, keine Milch gebend; mäjlk, melk, 
d. i. Milch gebend; wägsen, erwachsen; tru&sei», wügsen, gewachsen; 
shrdjnkeif sehr dünn von Beinen ; shrädd, schräge; nai, nahe; wiss, 
weise, ünwiss, un weise, aber de wihsse Mann, der weise Mann; 
lihssig, reinlich, in Beziehung auf sich selbst, auf Kleider und 
Ungeziefer; ünlihssig, das Gegentheii davon; nagsen, aus de Ögse, 
ochsig, von Kühen in der Brunst; wru, von Säuen; iorawei, von 
Schafen; wdUig, willig, von Stuten; l&ußdsh, von Katzen und Pet- 
zen; trüff, recht gesund, wohl auf; iäss, ziemlich gesund; kUl, 
kitzlich, ein Primitivum, aus dem das Verbum kUlen, kitzeln, 
gebildet ist; Uster, aufgebracht, zornig; päll, platt auf einer Stelle 
festliegend; kief, dän. kjed, überdrüssig; stüjnsh, spröde, kokett, 
zurückstossend; tarnen, wer etwas nicht übers Herz bringen kann, 
he ds'r so tarnen am, er kann sich nicht bezähmen es zu thun; 
Idmpiick, von Idmpen, glimpflich zu Werke gehen, heisst wörtlich: 
glimpflich, sonst schwach, besonders vom Befinden eines Menschen; 
stuff, dicht vor der Linie, ohne dieselbe zu berühren. 

Anmer/ctmgen. 

Unter den Adjektiven mit bestimmten Endungen, deren Ab- 
stammung sich schwerlich nachweisen lässt, finden wir, wie im 
Hoch- und Niederdeutschen, im Dänischen und zum Theil im 
Angelsächsischen, nur die Nachsilben ei, eit, en, er, em und ig, 
wie in träwel (vielleicht von träwen , traben) , wo alles geschwind 
oder im Trabe gehen muss, was den richtigen Grundbegriff giebt; 
nägel, spaawelt, döwelt, sdUen, aagtem, hädder, Mder (früh), sim- 
per, hämper, shäier, wälig,lanig, sälig, stßllig, geputzt, geschmückt, 
iriellig, ausgeschmückt, geziert mit Kleidern, u. s. w. 

Bei andern lässt sich die Wurzel nachweisen, wie in: sierem, 
von sier, weh, wehe; bdtter, von bitten, beissen, wie bitter vom 
nd. hielten, bitt, was auf der Zunge heisst; grottem, von grott; 



167 

wieker, von wieken, wiekne, wach; smiesig, von smitten, was sich 
leicht wirft. 

Das Wort wieh, übel zum Erbrechen, auch weh, in Wiehdege, 
Wehtage, wird gedehnt ausgesprochen, nicht wie das deutsche 
wie, daher hier das h als Dehnungszeichen, das aber wieder 
in der Mehrheit wegfällt, als: da une-e Dringe häwe äUefaale 
Winn drunken, an nö shdn 's jdm brege, untig späie, die Knaben, 
denen so übel ist, haben zu viel Wein getrunken und nun sollen 
sie sich erbrechen oder speien. Ick bdn V so wieh efter, mir 
wässert das Maul so darnach. 



Die Ableitungssilben des Bestimmungswortes, 

§. 104. Diese sind: ägtig, baar, en, em, et, ig, lick, ish, sh, 
saam, 

i. ^gtig, bezeichnet eine Aehnlichkeit , eine Annäherung zu 
etwas, und entspricht den deutschen Nachsilben haß, lieh und 
ischf als: fägelägtig, fehlerhaft, äweägtig, äffisch, dringeägtig, jön- 
genseägtig, knabenhaft, surtägtig, schwärzlich, rujddägtig, röthlich, 
holiägtig^ holzicht; auch entspricht es dem deutschen artig ^ wie 
staurkägtig, storchartig, fdshägtig, fischartig, jörtägtig, hirschar- 
tig, u. s. w. 

2. baar, entspricht der Silbe bar, als: frugtbaar, tmkbaar, ihr^ 
baar, u. s. w. 

5. en oder em, wie im Deutschen, nur bei Ableitungen von 
Stoffnamen, den Stoff eines Dinges bezeichnend, wie Idnnetiy lei- 
nen, häjdden^ heden, aus Hede, selwern, silbern; 

4. ety entspricht bald dem dänischen et, und bald dem deut- 
sehen ig, wie in bücket, dickbäuchig, bärbienet, barbeinig, dän. 
bärbenet, kaurthälset, kurzhalsig, krummregget, krummrückig. 

5. ^, deutsch und dän. ig, wie bläujddig, mäujddig, gitsigt 
n^ogsig, u. s. w. 

6. lick, deutsch lieh, dän. lig, wie ricklick, wdnlick , örntlick, 
ordentlich, auch ordentlick, mänshlick, u. s. w. 

7. ish, sh, deutschte//, als: sttljnsh, stolz zurückstossend , russ- 
ish. sachsish, spänsfi, spanisch, steif, gezwungen, wdlsh, welsch, 



168 

quersinnig, holläujnsh, holländisch, stäish, stettiseh, von Pferden. 
8. saam, deutsch sam, dän. som , wie frügisaam , furchtsam , u.s.w. 



Bildung des Bestimmungswortes, 
a. Aus Bestimmungswörtern selbst. 

§. 105. Hier finden wir nur die Nachsilben liek \mAägtig, als: 
kränk, kronklick, falsh, fälshlkk, trinn, trintüiek^ surtHek, mrtägtig, 
wittlick, mttägtig,riijddlicky rüjddägtig, brünriy brikmliekf brünnägtig^ 
gräin, gräinlick, gräinägtig ^ grälick , grdägtig , swäjtt , swäjUUek, 
swäjttägtig, sörr, sörrUck, bätter, bdtteriicky hdrd, härdHck, not, 
näilick, üjll, ußägiig, von Menschen: ällerägtig, long, längKek^ 
längägtig, kaurt, kaurtliek, när, närlick, närägtig, swär, swärlick, 
dujdd, di^ddlick, i, tödlich, 2. sterblich, lick, gleich, licküek, 
ähnlich, wäir , wjärlick , wahrlich, wddderltck, widerlich, von 
towddderne wesen, zuwider sein; rienlick, ermlick, ricklick,r6gtUck, 
swäcklick, säkerlick, traulick, tronglick , onglick, u. s. w.; femer: 
brijddägtig, smelägtig, orkelägtig, däikägtig, von dMky i. alltags, 
T, schlicht und recht, geradezu, fägelägtig. 

b. Aus Hauptwörtern. 
1. Mittelst en oder ern. 

§. 106. Dät Gävjll, gäujllen, golden; dät Dauck, daucken, tu- 
chen; dat Järd, järden, irden, u. s. w. Folgenden Substantiven 
wird bloss en angehängt, als: dät Liemm, der Lehm, jö Birk, 
die Birke, jö Ihk, die Eiche, jö Bäik, die Buche, jö Fair, die 
Föhre, jö Ldnn, die Linde, de Zdnn, der Lein, dät Flägs, der 
Flachs, da Häjdde , die Hede, de Drall, der Drillich, de Fief" 
kämm, der Fünfkamm (ein Zeug), dät Ully die Wolle, dät Bwrk, 
die Borke, Baumrinde, dät Ifjärt, das Harz, duWägs, das Wachs, 
dät Siltssen, die Seide, de Hänep, der Hanf, dät Pdek, das 
Pech, de Stijn^ der Stein, dät Tdnn^ das Zinn, de Kalk, — , 
dät Holt, das Holz, dät Bldck, das Blech, de Knaake, der 
Knochen, dät Haum, das Hörn, jö Hill, der Holunder, dät Kot- 
tun, — , dät Papier, — , jö Esh, die Esche, dät Kripp, der 
Krepp, de Kläi, der Klei, dät Hiehs, die Heide, u. s. w. Fol- 
gende bekommen nurn, als: d^lHäier, häiern, hären, diSiiSilwer, 



169 

dasSilber; dÄiSaawer, das Kupfer; jö/jper, die Ulme; jö^'Uer, die 
Eller, Erle; dat Läliser, das Leder; dät Jücker, das Reis. Nach- 
stehende bekommen em: dät Sträi, das Stroh; däi Blie, das Blei; 
de Snie, der Schnee. 

2. Mit der Ableitungssilbe ig. 

§. i07. Wir wollen hier zuerst die wenigen unregelmässigen 
Bildungen hersetzen, da man dann den übrigen Wörtern nur die 
Silbe ig anzuhängen braucht, um das Adjectivum zu bilden. Un- 
regelmässig sind de Rinn, der Regen, renig: ddt Slof, der Staub, 
siowig; dälBleess, das Blatt, blehsig; jö Gaus, die Gans, gasig; dät 
Smähr, dasSchmeer, smimg. [Folgende sind regelmässig, als: dat 
Blä^jdd, blä^jddig, blutig; dät Uli, de Kant, dRi Säi^jn, däi Järd, dät 
Hemm, datlT/a», dtKläi, de Tursl, de Hunger, de Dunst, deDämp, 
de Riek, de Qualm, deWdinkel,*du Sndws, de Mjitgs, dn,i Waliser, 
de Wale, dat Edder, der Eiter, de Edder, die Ader; de jiadel, 
der Adel; dät Ahl, Histjauche, altdeutsch auch A'ddcl; de Walle, 
de Güs, jö Müss, mühssig, die Maus, de Müss, der Mund, eben- 
so: mülissig, wie in grottmühssig , grossmäulig; de Gnähse, de Geist, 
dät Gijärs, dat Sträi, dät Fodder, de Saß, dät Mäfil, dat Kaa- 
wer, dat Holt, de String (hier die Faser, sonst Strang, Saite); jö 
Sälin, die Sehne; de Rolle, dat Flash, Slimm, jöHudd, }öHdnn, 
dät Mudder, dät Slubh, dät Skitt, de Fähsei*, dät Dünn, Daunen, 
Flaumfedern; dät Shrubb, jö Burst, dat u/r, die Narbe; de Rust, 
deBrödd, dät Crtl««, grülissig, gricsig; dikiSelwer, ddi Esh, Asche; 
d& jigene oder '^gne, coli. Spreu; da Shäwe, coli. Shäben, jö 
iSUn^, die Granne; jölY^upp, die Acbre; de Winn, Wind; jöLuft, 
de Du/H, de Ddwwe, de Mist, Nebel; jö List, jö ßöhser, dat 
Puheer, de Sdnn, die Sonne; dat «S'd/fn, der Sinn; de Sjäme, 
Schatten; de Plünne, de Läpe, dät Forgdft, de Träne, de Tjäre, 
dat Pdck, dät ßjärt, dat Iss, ihssig, de Locke, de Knote, de- 
Slägge, dät Kitt, dät Step, jö Prägt, dejiircm, ]öHäujnn, fiäujnfiig 
(auch hantig, hijnnig), händig; deFdingei^; ]öRät(jtt, Wurzel; dät 
Seem, der Seim; dät Mos; de Maure, das Moor; jö Rinn, die 
Rinde; dät Bjdrd, der Bart; jö Kldwer, die Kralle; jö Kfdw, die 
Klaue; de Ohme, der Odem; dat Hart; de Bast; de Bunk; jö 
Täll; datjPdwer, der Pfeifer; dät Sucher; de Ruhmme, der Rahm; 

22 



170 

dai SMmm; dat Sw^U; do GälU; d5t Uhr, das Obf ; jö Pid; jö 
SAfl//; jö Shajl; de Frohse; de Pocke, dk Packe; jö jPdrJ (Perk); 
dat Jädder, das Euter; de Bäirig; dät //tr; de Splähs; de Shäm* 
mel; d% Klump; }QTidd; dat Twich; jö it/ä^<, mdgtig; dn^l Swamp; 
dat Pönn; da üätoe, das Rohr, Schilfrohr; de Puckel; jö l/ir^, die 
Warze; dät Wtür^, die Würze beim Brauen; jö 5Ad/; jö Ftugt, 
ßügtig; jö jB^^* jö Tugt; de iS'^äfid» standig; jö J&a/H; de Aorre, 
die Klette; de Dich, dieig, teigig; jö Köhl^ die Grube; jö Diek, 
diekig, grübig; de Sinne, die Sünde; jö Daahs, die That; de 
Räjddj der Rath; de Klots; jö Gunst; de Forständ, forstdndig; jö 
Gewdld, gewdidig; dat Mäi^dd; de 5/tjfi; jö Bläihs; dit Biiek; 
jö ^ar/, aardig; jö Brä/ujn, bräujnnig, brandig; jö Bßrst^ die 
Borste; jö F/ä^, der Regenschauer; dat 6ecA;; datlatt» der Kalk; 
de Klädd, der Klacks; de Knost; dat Ära^, das Gethier, ein 
Schimpfwort; dät MmjU, das Miil; dit Hiehs; jö iVäA«, die Nias 
(Läuseei) ; jö Rau; dät TFäi; da Aune; dät i^i^; jö Sling, kleine 
Schlucht im Wagengelcise ; de SnähSy der Schnitt» Pfiff; de SpH^ 
der Fleck, die Sommersprosse; jö Spirr, der ausbrechende Keim; 
dat SpSck; de Späun^ der Spann; de Splinn, der Splitter; jö 
Drei/*/, drdftig, betriebsam; dat Twel; da Finne , die Flossen; de 
Grause, die Gruse; de Kläse^ der Büschel, die Traube; dRi Molke; 
de Pose; de Stauppel; da Slurre, sturrig, in aus- und aufwärts 
gehende Falten hervorstehend; dat Graum, Eingeweide. 

Mehrere der vorigen Adjeclive auf ig kommen nur mit andern 
verbunden vor, wie kimrtösmig, kurzathmig; iuhghdujnnig , iwei- 
bündig; lefthijnnig, statt hmjnnig, links, linkshändig; tjicks&mig, 
dickseimig; tienihrig, zehnjährig; stiffbjärstig , steifborstig; pöek' 
ärig, pockennarbig; wönräßddig, wahnrälhig; grötthartig, grossher* 
zig, d. i. stolz. 

3. Durch die Endung ägtig , dän. dgtig. Sie entspricht abwech- 
selnd den deutschen Nachsilhen artig, hafl , icht, isch, 

förmig und lieh, Vergl. §. lOS. 

§. i08. Sie kommt meistens bei Beslimmungs- und Hauptwörtern 
vor, drückt immer eine Vergleichung , Acbnlichkeit oder Anna- 
berung zu dem im Stammworte Bezeichneten aus, als: wennäg- 
iig, bläulich; Ijockägtig, dicklich; bliekägtig, blässlich; grdßgüg, 



171 

gröblich; fienogtig, fein, feiolich; däikägUgt alltagsmässig; inäl- 
ägtig^ einem Tollen ähnlich; stringagüg^ etwas scharf von Ge* 
schmack; wq^tiägtig, nässlich, u. s. w. — Mdnägtig^ mannhaft; 
woffeagtig^ weibisch; lydmägüg, kindisch; thiewägtig und thiewe- 
ägtig, diebisch; fordijlägtig , vortheilhaft ; mäfdägtig , mehlicht; 
buuDerägtig fkufferieht; lähserägtig , ledericht; ullägtig, wollicht; 
pereägtig^ birnförmig; plömeägtig, pflaumenförmig; rukägtig, scho- 
berformig; hdckeägtig, garbcnförmig; ijd {ihd), ißägtig ^ torfarlig; 
hriUägtig; stqilägUgfeiseDariigißdderägtig, heuarlig,heuicht; ri«e- 
agiig, riesenartig, riesenförmig; gjärsägtig , grasartig; liemmägtigf 
Iduniehtfthonartig; kläiägtig, kleiicht; ^/immä^%, baumartig; äi- 
ägtig, eiförmig; stäujnnerägtig , leuchterförmig ; bösselägtig, bossel- 
oder kugelförmig; kugelägtig; /re/ä^(^> scheibenförmig rund; /^7^- 
tig, radförmig; stäirägtig, sternförmig; hcderägtig^ haricht; mjärdäg" 
%» schwertförmig; ««ay^^tf^, schneckenförmig; würtnägtig, wurm- 
förmig; fUjtMLgUg, steinlcht; mölkeäglig, milcharlig; gäu^lägUg^ 
goldieht; sHwerägtigy silberartig; winnägtig, weinartig, u. s.w. 

Da man diese Ableitungsilbe mit allen Hauptwörtern, die 
wirkliche Dinge bezeichnen, und zum Theil auch mit andern 
irerbinden kann, wenn eine Yergleichung Statt findet, so ist es 
eiideuchtend, dass sie sehr fruchtbar zur Bildung neuer Adjec- 
tive aein muss. Sie wird zwar auch mit einigen Zeitwörtern, 
aber nur mit einzelnen, die etwas Fehlerhaftes oder Verächt- 
lielies anzeigen, verbunden. So wird aus släsem (schwatzen , 
plaudern, klatschen), släserägtig; aus ^jäsen^ ijätögtig, rappelig; 
ans lyäieHp fijäsägUg und njäsig, zauderhaft; aus slärren, slorrig 
und MrrSgUg; aus späten, q)otten, gpötägtig^ V^tig und 9p5tsh, 

4. Durch die Silbe et , dän. et, deutsch ig, 

§. 109. Sie kommt meistens nur in Zusammensetzungen vor, 
80 wie einzeln in einfachen Bestinunungswörtem, die von Haupt- 
wörtern abstammen, als: haumet, gehörnt; placket, fleckig; nSp- 
pet, flockig; kräppety beleibt; rüllet, gewürfelt; tappet, mit einem 
Fed^büschel auf dem Kopfe , wie en toppet Laash , die Hauben- 
lerche 9 en tappet Eänn , eine Henne mit einer HuUe , Holle ; 
hückel, bauchig, dickbäuchig; strippelt^ gestreift, streifig; rauhsei, 
geblümt, rosig; jälmet, gehelmt, von Kühen, mit «iner weissen. 



172 

hclmförinigen Zeichnung am Vorderkopfe; bUhset^ von de Bloss, 
mit einer Blässe an der Stirn, von Pferden; piggety gestachelt, 
stachlig, u. s. w. — Composita : siddliwwet, lang in der Taille; sällrig" 
gel, hohl- oder sattelrückig; haurthälset, wennuget^ kurzhalsig und 
blauäugig; hdrdnSket,hnrinlkckig;inäUiaadet, tollköpfig, jähzornig ; 
spdssnaaset, spitznasig; sägelbienet, sichelbeinig; plätfävjliet oder 
plätfäjitet, im pL, plattfüssig; bärfmjUei, barfuss; riijddsieeka , 
rolhbackig; hrijdshuliert ^ breitschultrig; longbienet , langbeinig; 
spdssiöhty spitzschnauzig; fjöckknöilet, dickknöchlich ; shdrpknaor 
kety scharfknochig; löngkdnnet, langkinnig; tjocklwppet, dicklefzig; 
brijdßäbbet, breitmäulig; grottölety grossmäulig; tjöckldsset, dick- 
gliedrig ; lönguhrei , langohrig; stumpstjdrlet , stumpfschwänzig; 
buitwingei, stumpfflügelig, wie der Kiebitz im Fluge; ßauerSgget, 
vierseitig; fierkantei, vierkantig; segstunet, sechszehig; tjöckhüddet, 
dickhäutig; wittsndppei^ weissschnippig; tjockkäiset, dicke Malmzähne 
habend; shdrptünnei , scharfzinkig; smelblSset, schmalblätterig; shdrp' 
iäisel, scharfzahnig; großjdrlet, grobkernig; löngstinget, langgrannig; 
spdssöddet , mit einer spitzen Spitze versehen ; buttSddet oder 
stumpöddet, das Gegcntheil davon; kaurtsliewet, kurzärmelig; 
rüjddnöppet , rothflockig ; stiffbijdrstet , steifborstig ; blänkshälet, 
blankschuppig; tennrdbbet, dünnrippig; trirmliwwet , rundleibig; 
tjöckthieget , dickschenkelig ; klienbietiet, shrdinkelbienet , dünnbei- 
nig; htichwrdstet , hoch von Risten, dän. und nd. Wrist» frics. de 
Wräst; lönghägelet ^langfersig; lickstdmmet, geradstämmig; krümm- 
rSgget, krummrückig; größurket, grobrindig von Bäumen, grob- 
borkig; kahlstrükket , kahlstrunkig; spdsslonket, spitzhüftig; grott- 
kläset, grossbüschelig; tjocktölet, dickbüschelig, vom Grase und dergl.; 
tjockspaulet , dickspuhllg; surtuget, schwarzäugig; fienhüddet, fein- 
häutig; sharpregget, scharfrückig ; hädderuget, Idbbmuget, heiter- 
äugig ; uhkpapet , weichbrüstig von stillenden Müttern , deren 
Milch sich leicht aussaugen lässt , hdrdpäpet, das Gegcntheil davon ; 
fästßäshet, festfleischig; tennspecket y dünnspeckig, u.s. w. 

Anmerkungen, 

Vergleichen wir die beiden Ableitungssilben ig und el mit 
einander, so ergiebt sich der Unterschied zwischen beiden am 
leichtesten aus einigen Beispielen, wie: de Rock as fähserig , en 



175 

ßhserigen ßock, ein Rock, an welchem Federn hangen, en wiU' 
fähseret Gaus, eine weissgefiederte Gans; sänig Flash, sehniges 
Fleisch, ^ocksänet I/d/i«e, dicksehnige Gliedmassen; shäwig Hßjdde, 
schäbige Hede, gröfshäwet, grob von Schaben; stingig, was Gran- 
nen enthält, längsHnget, lang von Grannen. Alle zusammenge- 
setzte Adjcctive auf ety die durch ein einfaches Herkmalswort im 
Worte selbst näher bestimmt werden, lassen sich hier durch von 
mit dem im Worte genannten Gegenstand auflösen, als: rujddsie' 
ket, roth von Backen, lönghälset, lang von Halse, u. s. w. Wer- 
den aber zwei Hauptwörter auf diese Weise mit einander zu 
einem Bestimmmungsworte verbunden, so steht das erste der- 
selben vergleichend, z. B. in sägelbienet, sichelbeinig, gekrümmt wie 
eine Sichel, sällrSgget, mit einem Sattebrücken, g&ij^lshälety gold- 
schuppig, selwerfärwet , silberfarbig, u. s. w. 

Wird das im Adjectiv enthaltene ■ Hauptwort durch ein Zahl- 
wort näher bestimmt, so muss man bei den Zahlwörtern von eins 
bis drei auf das Geschlecht des im Bestimmungsworte enthalte- 
nen Hauptwortes, so wie auf das Geschlecht desjenigen Gegen- 
standes, dem man das Merkmal beilegt, Rücksicht nehmen. Diese 
drei Zahlwörter heissen ^n, tuhg^ irie im weiblichen und säch- 
lichen Geschlechte, dagegen im männlichen an, twäier, trd, daher: 
m. änstdmmety iwäierstimmet^ trdstammet, ein- zwei- dreistämmig; 
w. ynwingei , tuhgwinget , iriemngei , ein- zwei- dreiflügelig ; 
s. ^blehset, tuhgbWiset, trieblihset, ein- zwei- dreiblättrig. En 
trdstdmmeten Buhmm, en tuhgwinget G&us u. s. w. (Yergl. §. 125). 

Die Wörter Fmjtl, Fuss, und Stäpe, die Stapfe, sind beide 
männlich, und da Faujtt und Stäpe hier beide in der Einheit 
stehen, so müsste es de Trifä/uju und de Trastäpe^ der Dreifuss, 
heissen, obgleich man auch Trifwujtt und Tristäpe sagt, was aber 
aus dem Altfriesischen stanmien muss, wo irie auch tre heisst. 
Man sagt richtig: en an- twäier- trätünneien Kauhmm, ein ein- 
zwei- dreizahnigcr Kamm; en ijn- iuhg- trielünnet Faurk, eine ein- 
zwei- dreizinkige Gabel; en ijn- iuhg- irieblehset KliewerblShss ^ ein 
ein- zwei- dreiblättriges Kleeblatt, und so in allen ähnlichen 
Fällen. 

Die Bestimmungswörter auf et darf man nicht mit dem zweiten 
Mittelwerte des regelmässigen Zeitwortes verwechseln, das zwar 



174 

auch beslimmungswörtlich steht, aber dabei immer den Begriff 
von einer vorausgegangenen Veränderung in der Zeit voraussetzt, 
was bei jenen nie der Fall ist, z. B. wälet^ von wälen, welken, 
drögety getrocknet, shräwet, geschabt, thieset, gezupft, böget, 
geklopft, u. s. w* Jene Adjective führen nie diesen Zeitbegriff 
mit sich, z. B. haumet^ gehörnt, rSgget, rückig, voller Rücken, 
kräppet, beleibt, Sddet, mit einer Spitze versehen. 

c. Aus Haupt- und Zeitwörtern. 
1. Mit der Silbe baar, bar, dän. bar. 

§•110. Sie kommt nur als Ableitungssilbe bei Haupt- und Zeit- 
wörtern vor, und hat die Bedeutung von tragen, altdeutsch baren, 
dän. at bare, fries. beeren, engl, to bear. — a. von Hauptwörtern: 
jö Frugt, fmgtbaar, de Tdnk, tönkbaxiry dät Wunner^ wunnerbaoTf 
de Ihre, ihrbaar, ehrbar, de Shin, sliinbaar, scheinbar, deJUann, 
mönnbaar, de Gang, göngbaar, de Slridd, striddbaar, de Fägel, 
ünßgelbaar, unfehlbar, deTöll, töUbaar, zollbar, deTijnst, UjnO- 
baoTy dienstbar, jö ^cht, ächtbaar, dat Middel, middelbaar, jö 
Sigt, sigibaar [^öhnUck, to^hns), sichtbar, u. s. w.; b. aus Zeit- 
wörtern: kielen y hielbaar, heilbar, teilen, tMlbaar, zählbar, kästen, 
kostbaar , brännen , brännbaar , brennbar , brücken , brückbaar , 
brauchbar, sonnem, sonnerbaar, sonderbar, fari/inen, farilinbaar, 
vereinbar, strafen , sträfbaar, dräjnkeny drdjnkbaary hieren, hier- 
foar, hörbar, ßilen, fäiWaar, fühlbar, u.s.w. 

2. Mit der Silbe ück, lich^ dän. %, engl, ly, 

§.111. Sie steht bei Bestimmungs- Haupt- und Zeitwörtern, 
und ist, nächst ig^ die fruchtbarste Ableitungssilbe. Beim Be- 
stimmungsworte vergleiche §. 105. Beim Hauptworte hat sie die 
Bedeutung von gleich, so wie, eben so me oder als, Beispiele: 
de Frünn, frünntiick, freundlich, de Wäne, uninlicky auch freund- 
lich, deKrdst, krästlick, christlich, dt Mmshe, md/nshUck, mensch- 
lich, de Brauhser , brauhserlick, brüderlich, fidderlick , väter- 
lich , nmdderUck , mütterlich , lyämlick , kindlich , ridderliek , 
fürstlick, jümferlick, jüngferlich, jungfräulich, prSsterlick, gramo- 
üek, gräflich, kdiserUck, mtlick, entlich, länlick, ländlich, dag- 
lick, von Däi, täglich, nägtlick, nächtlich, järlick, 1. jährlicb, 



i7i; 

m 

3. ehrlich, ihrlick^ ehrlich, shähslkk^ schädlich» ugenbldckUck^ 
augenblicklich, shdmiick, sckimfüich y shdndlick , schändlich, sliräft" 
Uckf schriftlich, hüsslick, häuslich, kunstlick^ römmlieky geräumig, 
uhrsUek, 1. frühlingsmässig , 2. jedes Frühjahr, sdmmerliek, som* 
merlich, harrewstlick, herbstlich, wörUerlickf winterlich, punctUek, 
pünktlich, bauekstewlick , buchstäblich, natürrlick, per8önlick,ängsi' 
liekj b&rgerliek, ämilick, amtlich, nomerUlick, namentlich, wräh" 
Kek, weltlich, sdnnlick^ sinnlich, mündlicky mündlich, stündlick^ 
wäglkk, wöchentlich, fiendlick, feindlich, hdrttick^ herzlich, nijd" 
/idb, Ton jö Nmd, die Noth, mdnierlick. 

Aus Zeitwörtern, als: marken ^ mär klick, merklich, leserlick, 
leserlich , bewäglick , kuplick , käuflich , shrdcklick , schrecklich , 
hähseHf hässlkk, hässlich, däien^ ddilick, gedeihlich, iännen, 
kSimUek, kenntlich, klagen, kldglick, kläglich, fordregen, fordreg' 
Ikky Terlräglich, was man vertragen kann, forlicken, sich ver^ 
gleichen , farlicknen , vergleichen , das eine mit dem andern , 
davon: ünforlkkentUck oder ünforUckentlig , unvergleichbar, fähsen^ 
ßhfelkk, fasslich, prihssen, prihslkk , preislich, trästen , träst' 
liek, tröstlich, hefinneti, befintlkk^ f orbinnen, forbintlkk, rqjdden, 
Hfjdliek, räthlich, dräwen, drdfUck, treillich, shdeken^ shdcklkk^ 
sdiicklich, Uewen, glauben, davon liewlkk^ glaublich, liewent 
lieben, davon Ikflkk , lieblich, oder vom Adjectiv ikf, lieb; 
fbrtrijUen^ fortr^lUek , verdriesslich , formiesen, fomuesUck, ver- 
meidUch , bewihssen , bewihslkk, beweislich, döhssen, döhsUek, 
deutbar, zu deuten, döllick, deutlich, brigen, gebrdcklkk, gebrech- 
lich, ßlügen, ßlliglkk, folglich, sörrigen, 1. sorgen, 2. trauern, 
sörriglkk, begrippen^ begriplkk^ begreiflich, tienen, tienlkk^ dien* 
lieh, wunnem, wunnerlkk, wunderlich, fräuen, fräulkk^ fröhlich, 
ftrswären^ forswärlkk, verantwortlich, sieren, sierlkk, zierlich, 
maagent mögliek, möglich, betanken, betänklkk, bedenklich, foT' 
diewen^ finrdimlkk, verdaulich, behagen, behägUek, üUdrüeken, tU^ 
drüekKek, grihssen, grausen, grihslkk, grässlich, gruen, grulkk, 
graulich, ärgern^ drgerlick, ärgerlich, forgöngen, forgdinglkk, hö' 
we», häwentUck, hoffentlich, forännem, fordnnerlkk, veränderlich, 
grimefi, grämliek, grämlich, behilpen, behelpUck, besagen, bestig- 

i liel, i. bestechlich, 2. besteiglich, ersteigbar, bebögen , beböglkk, 

Ä bewohnbar. 



176 



5. Mit der Silbe Tg. (Vergl. §. 107). 

§. 112. Sie steht nur bei Haupt- und Zeitwörtern und etwa 
vier Bestimmungswörtern, als: kä^ill, kalt, daher käilig, kühl; 
ragt, recht, davon rigtig; äir, altfr. äirig, arg, Gomparativus erre, 
Superl. errigst; ijn (ihnn) ein, ihnig, einig, — '.Mit Zeitwörtern: 
wären, wärig , dauerhaft; durig, dauerhaft zum Gebrauche ; küwnig, 
kundig; häppen, gierig mit dem Munde oder Maule nach etwas 
schnappen, daher happig, auf Erwerb erpicht, an sich raffend; 
neren, närig, nähren, nährig, übertrieben erwerbsam, besonders 
im Kleinen; Ijäsen, tjäsig, rappelig, albern geschwätzig; njäsen, 
vjäsig, säumig, rauderig; slörren, slörrig, nachlässig, saumselig, 
fahrlässig; pratisen, praimg, humpeln, hümplerisch , der mit der 
Arbeit nicht fortkommen kann; mingen, i. zaudern, 2. mischen, 
tningig, zauderhaft; piesern, albernes Zeug sprechen, pieserig; go' 
sen, gänseln, wie eine Gans sprechen, gösig, gänsig, albern; slieren, 
slierig, schmeichlerisch, kosig; räiren, räirig, rührig; räjdden, 
räjddig, räthig, wer sich in Verlegenheiten immer zu rathen und 
zu helfen weiss; snäken, snäkig, gesprächig, auch snäksaqm; hiereny 
1. hören, 2. gehorchen, hierig, gehorsam, auwerhierig, das Gegen« 
theil davon; Heren, sich gcbchrdcn, üntim^ig, ungebehrdig ; /i^«5^, 
leiden mögen, lihssig, reinlich in Kleidern, u. s. w., ünlihssig, 
unreinlich; grihssen, grausen, grihssig; läsen , necken, foppeo, 
täsig, gricklich, von sich beissend; fläsen, ausplaudern, fläsig, 
ausplauderisch , klatschhaft; fällen, fällig, recht ordentlich, ganz 
wie es nur sein muss, dass es gut fällt; jewen, geben, jeftigt 
ergiebig; tjdweln, tjäwlig, ränkisch; sprdweln, strampeln, sprdwlig, 
strampiig, zappelig; stjürren, steuern (wehren), stjürrig, wie in 
hällsljürrig, dän. balstyrig, unbändig; dregen, drSglig, trächtig; 
bändig, bändig, unbändig, unbändig; fällen, fällig, fällig, von 
Schulden; läwen, leben, läweniig, lebendig; beliewen, beliewig,he' 
liebig; daagen, taugen, dügtig, tüchtig; rddden, räddig, wer sich 
selbst retten kann, en rdddigen, wärigen Dring; sträddefi, gräteu> 
grätschen, siräddig; stämmern, slotlern, stämmerig, slotterig; spar- 
len, spälig, von jungen Hunden und Katzen, die gerne spielen; 
siräwen , i. streben, 2. streiten, sträwig , 1. strebsam, 2. streit- 
süchtig; kitmven, keifen, kiwwig, keifisch; /öt^^erw, schwülen, vor 



177 

einem Gewitter, löwerig^ gewitterschwül; lierm, i. lernen, 2. lehren, 
Uerigy Idgtlierig, leichtlernig, hildsam; lören, lörren, lauern, IöT' 
rig^ laurig, listig; söngem, anbrennen, von Speisen, söngerig, an- 
gebrannt; huppen, häufen, Itüpig, häuflg; bjawseriy bellen, bjdw' 
sig, von Menschen, die in einem bellenden Tone um sich beissen; 
pUtmmem, plummerig, trübe, vom Wasser, durch starkes Umrüh- 
ren; krdwweln, kriechen, krdwlig, kriecherig; fämmeln^ tappen, 
ßmmelig, täppisch; sjdmmem, schimmern, sjdmmerig, schimmerig, 
dämmerig, hervordämmernd. 

4. Mit der Endung isli oder sh (und er, inge). 

^ 115. a. Aus Hauptwörtern. Dät Swinn, swinsh, schweinisch; 
kikmsh, hündisch; gecksh, geckisch; kinsh, kindisch, von alten 
Leuten, die wieder kindisch werden; shdlmsh, schelmisch; hdm- 
melsh, himmMsch ijdrdish, irdisch; Inbelsh, biblisch; üttläujnshf aus- 
ländisch; djngelsh, englisch; holläujnsh, holländisch; swedish , russish , 
freusish, islmjnshy sklävjnsh, seeländisch; finläujnsh, tonnersh, 
Umderisch; kilsh, kielisch, pommersh, arabish, holstensh^ persish, 
imdish, ungersh, römish, lo/insh, grie-ish, sdksish, bdirish, bömish, 
ikuußish , sklavisch; tjüsh, deutsch; fränsh^ französisch; dänsh, 
dänisch; frdsh, friesisch; polsh , polnisch; wdlsh, in käserwdlsh, 
kiuderwelsch. 

Die Silbe er kommt nur bei Ortsnamen vor, als: Hamburger 
H^örc, Waaren ; AUonäer Bier ; Longhaurner Märked; KSler Amslicck, 
Kieler Umschlag; Shiedammer Gcneiver; dät Hühssemer Märked; 
^1 jö Arrder Böhser, die Arröcr Butter; dät Glückstdhser Tuglhüss, 
^\ das Glückstädter Zuchthaus; Hälliglävjnner Shdlfdsh, Helgoländcr 
Schellfisch; Lübecker Krajngle^ Lübecker Kringeln, u. s. w. Aus- 
serdem hat man auch noch die alle Endung inge bei Ortsnamen, 
wie: Lönhalm, de Lofihallivge; Fair, de Fäiringe; Sali (Silt), de 
SdUringe, der Silier; Ömrem, de Ömringe, der Ameruroer; de 
^iibüllinge, der Niebüller ; de Maure, de Mauringe, der Moringer; 
^dosbüllinge MSllen, Maasbüller Mühle. Man sagt daher sowohl 
'^hsinge als Rihssemer, ick bdn en Rihssinge und ick bdn en 
^^hssemer. 

b. Aus Zeitwörtern. Bitten, bittsh, beissig; knipsh , schnip- 
P'sch ; späten, spötsh, spöttisch; glöbsh, dän. und. nd. glubsk, 

23 



si4 



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5. Mit der Silbe Tg. (Vergl. §. 107). 

§. 112. Sie stebt nur bei Haupt- und Zeitwörtern und etwa 
vier Bestimmungswörtern, als: kävjll, kalt, daher käilig, kühl; 
rögt, recht, davon rigtig; äir, altfr. äirig, arg, Comparativus erre, 
Superl. errigst; ijn (ihnn) ein, ihnig^ einig. — |Mit Zeitwörtern: 
wären y wärig ^ dauerhaft; durig, dauerhaft zum Gebrauche ; künnig, 
kundig; häppen^ gierig mit dem Munde oder Maule nach etwas 
schnappen, daher häijpig, auf Erwerb erpicht, an sich raffend; 
neren, närig, nähren, nährig, übertrieben erwerbsam, besonders 
im Kleinen; Ijäsen^ tjäsig, rappelig, albern geschwätzig; njäsen^ 
njäsig^ säumig, rauderig; slörren, slörrig, nachlässig, saumselig, 
fahrlässig; prausen^ prausig^ humpeln, hümplerisch , der mit der 
Arbeit nicht fortkommen kann; mingen, i. zaudern, 2. mischen, 
^i^ig, zauderhaft; piesern, albernes Zeug sprechen, pieserig; gö* 
sen, gänseln,wie eine Gans sprechen , (/ö^, gänsig, albern; slieren, 
slierig, schmeichlerisch, kosig; räiren, räirig, rührig; räjdden, 
rajddig, räthig, wer sich in Verlegenheiten immer zu rathen und 
zu helfen weiss; snäken, sftäkig, gesprächig, auch snäksaqm; hieren, 
1. hören, 2. gehorchen, kierig, gehorsam, auwerhierig, das Gegen« 
theil davon; tieren, sich gcbehrden, üntim'ig, ungebehrdig ; ^i^«5^, 
leiden mögen, lihssig, reinlich in Kleidern, u. s. w., ünliks^, 
unreinlich; grikssen, grausen, grikssig; iäsmy necken, foppeo, 
täsig^ gricklich, von sich beissend; fläsefi, ausplaudern, fläsig, 
ausplauderisch , klatschhaft; fällm, fällig ^ recht ordentlich, gaox 
wie es nur sein muss, dass es gut fällt; jewen, geben, jeftig, 
ergiebig; tjdweln, tjdwlig, ränkisch; sprdwelUy strampeln, sprdwligf 
stramplig, zappelig; stjürren, steuern (wehren), stjürrig^ wie in 
bällsljürrig , dän. balstyrlg, unbändig; dregen, dreglig, trächtig; 
bändig f bändig, Unbändig, unbändig; fällen, fällig, fällig, von 
Schulden; läwen, leben, läweniig, lebendig; beliewen^ beliewig^ be- 
liebig; daagen, taugen, dügtig, tüchtig; rddden, räddig, wer sich 
selbst retten kann, en rdddigm, wärigm Dring; sträddefi, gräteu» 
grätschen, slräddig; stämmern, stottern, stämmerig, stotterig; späh- 
ten, spälig, von jungen Hunden und Katzen, die gerne spielen; 
siräwen ^ 1. streben, 2. streiten, sträwig , 1. strebsam, 2. streit- 
süchtig; kiwwen, keifen, kiwwig, keifisch; /ott'erw, schwülen, vor 



177 

einem Gewitter, löwerig^ gewitterschwül; lieren, 1. lernen, 2. lehren, 
Uerig^ Idgtlierig, leichtlernig, hildsam; lören, lörren, lauern, lör- 
rig^ laurig, listig; söngem, anbrennen, von Speisen, söngerig, an- 
gebrannt; huppen, häufen, Iiupig, häuflg; bjawsen^ bellen, bjdw- 
sig, von Menschen, die in einem bellenden Tone um sich beissen; 
plämmem, plummerig, trübe, vom Wasser, durch starkes umrüh- 
ren; krdwweln, kriechen, krdwlig, kriecherig; fämmeln, tappen, 
fammelig, täppisch; sjdmmern, schimmern, sjdmmerig, schimmerig, 
dämmerig, hervordämmernd. 

4. Mit der Endung ish oder sh (und er, inge). 

§. 115. a. Aus Hauptwörtern. Dät Swinn, swinshy schweinisch; 
kiliimsh, hündisch; gecksh, geckisch; kinsh, kindisch, von alten 
Leuten, die wieder kindisch werden; shdlmsh, schelmisch; hdm^ 
melsh, himmlisch; jdrdish, irdisch; bibelsh, hibWsch ; üttläujnsh , aus- 
ländisch; djngelsh, englisch; holläujnsh, holländisch; swedish , russish , 
preusish, isläujnshy sietäujnsh, seeländisch; finläujnsh, tonnersk, 
Umderisch; kSlsh, kielisch, pommersh, arabish, holstenshy persish, 
indish, ungersh, rvmish, lo/insh, grie-ishy sdksish, bdirish, bömish, 
üaawish , sklavisch; tjüsh, deutsch; fränsh, französisch; dänsh, 
(fioisch; frdsh, friesisch; polsh^ polnisch; wdlsh, in käserwdlsh, 

V kiuderwelsch. 

^f Die Silbe er kommt nur bei Ortsnamen vor, als: Hamburger 

M Wäre , Waaren ; Altonäer Bier ; Longhaurner Märked; KSler Amslieck , 
Kieler Umschlag; Shiedammer Genewer; dät Hühssemer Märked; 
jö Arröer Böhser, die Arröcr Butter; dät Glückstähser Tugthüss, 
das Glückstädter Zuchthaus ; Hälligldvjnner Shdlfdsh , Helgoländer 
Schellfisch; Lübecker Krajngle, Lübecker Kringeln, u. s. w. Aus- 

^ serdem hat man auch noch die alle Endung inge bei Ortsnamen, 
wie: Lonhalm, de Lonhallwge; Fair, de Fäiringe; Sali (Silt), de 
Sillringe, der Silter; Ömrem, de Ömringe, der Amerumer; de 
Näibüllinge, der Niebüller; de Maure, de Mauringe, der Moringer; 

°j ^(Uitsbüllinge Milien, Maasbüller Mühle. Man sagt daher sowohl 
^^^Bsinge als Rihssemer, ick bdn en Rihssingc und ick bdn en 
^^kssemer, 

b. Aus Zeitwörtern. Bitten, bittsh, beissig; knipsh , schnip- 
pisch; ^oten, spotsh, spöttisch; glöbsh, dän. und. nd. glubsk. 






b 



V 



49 



178 

glubsch; snawwen, hier schnauben , mäwih, rotzig, von Pferden; 
sprSgen, spr&kdh^ l.geaprächig, !2. gut oder schlecht zu spfechen; 
jämen , sich recken und gähnen , jämsli , das Befinden nach einer 
verschwelgten Macht , dän. jamsk; wrijmhen, wiebern, wriemh^ 
i. von geilen Hengsten, 2. von einem einhodigen Hengst; lumuh, 
tückisch, hinterlistig, dän. lumsk, nd. lumsch. 

5. Mit der Nachsilbe saam. 

§. 114. a. Aus Hauptwörtern, wie frügtsaam, furchtsam; iht" 
saam, ehrsam; gewältsaam; mäutsaam, mühsam; b. aus Zeit- 
wörtern: betänksaam, betögtsaam, bedachtsam; wirken, wirksaam; 
sparen, spärsaam; snäken, snäksaamy gesprächig; ägten^ ägtsaam; 
ffrausaam; näigen, naigsaam, genügsam; c. aus Adjectiven: iöng- 
saam, langsam; ihnsaam^ einsam; sältcn^ sdltaaam, seltsam; ge- 
miensaam, gemeinsam. 



Zusammensetzung des Bestimmungswortes. 

§. 115. Das Bestimmungswort wird auf mancherlei Weise mit 
andern Wörterklassen zusammengesetzt, wie in: GSdfrügtig^ got- 
tcsfürchtig; wrällkünnig , weltkundig; wrällbekännd, weltbekannt; 
lönshierlick, landesherrlich; mönnshuch, mannshoch; bieligjunky so 
finster, wie in einem Blasebalge; fräudedrunken , freudetrunken; 
baueklierd, buchgelehrt; hüsswane^ hausgewohnt; It^ddrögt, loth- 
recht; ihrgüsig^ ehrgeizig; fäulkrick, volkreich; sdnnbränd, son- 
nengebräunt; wähsertdgt^ wasserdicht; prüsujirdig ^ preiswürdig; 
haadlüss^ kopflos; fagelfri, fehlerfrei; gjärsgräin, grasgrün; hdm' 
melwenn, himmelblau; hönrnngswajtt , honigsüss; isskäujl, eiskalt; 
stijnhdrd, steinhart; f&hserldgt, federleicht; hartensgäujd , heneas- 
g\xi\ müssdüjdd, mausetodt; siöckmäger, stockmager; spägelblänk; 
blmjdrick, blutreich, fögelfri^ vogelfrei; snaurlkk, schnurgerade; 
aadelstoUf adelstolz; shdifjdrdig, schussfertig; hSlprick, hülfireich, 
Mlplüss, hülflos. 

§ .116. Besonders gehören hiehcr noch die vergleichenden und 
verstärkenden Zusammensetzungen, bei denen die Betonung sich 
nach dem zu vergleichenden oder zu verstärkenden Gegenstande 
richtet, wie in: buhmmsiark, baumstark; bläujdrtfjdd , Mutroth; 



179 

hloMtjdjmigt blutjung; hl&uidsürr^ blutsauer; Uauiderm, blutarin; 
stxwihwrdy stahlhart; aiihiürr, essigsauer; sifjnriek, steinreich; 
si^nßfllt steinalt; safrängöhl^ safrangelb; pdcksurt^ pechschwarz ;f 
fee$^^6ek^ faustdick; spichjöckf speckdick; jxicil^itA;, pechdunkel; 
mnieunii , schneeweiss; stäirwenskrönk , sterbenskrank; stöckduf, 
üöekb&rm, stockdumm; speckfätt, Speckfett; bäirighueh, berghoch; 
ftäshwägU, platschnass; düssbliek, todtenblass; issglatt, eisglatt; 
spHaUemägel, splitternackt, nagelnackt; spHnternäi^ splinterfunkel' 
nü, nagehaeu ; UeridjUy btriieriajti , winzigklein; ijUrvidd^ feucr- 
roth , u. s. w. 

Anmerkung. 

Viete zusammengesetzte Bestimmungswörter sind nur als abge- 
leitete (derivata) zu betrachten , wie z. B, göhisSgiig von jö Gö/U» 
sSgt^ Gelbsucht; Idnshierlick von Lönshiere, Landesherr; stjäpraud- 
darKek^ von S^äpmudder, Stiefmutter; pöekärig, von Pöckär, 
die Pockennarbe; sämmerspötig , von Sdmmerspöie, Sommerspros- 
sen; länshdpliek, von Lönshdpp^ Landschaft, u. s. w^ 

$. 117. Mit einem Bestimmungsworte voran, -wie in brünnri^d, 
taraunrotb; mllfrämd, wildfremd; ifjüklauck, altklug; hdflgrmn, 
hellgrün; ijägtwenn, lichtblau, hellblau; bdtterwriess, bitterböse; 
baiteriUetf bitterwenig; äienkla/uekj eigenklug; äienmäget^ eigenge- 
jnacht, selbstgemacht; bHekrujdd^ blassroth; dufstumm; dummdris- 
üg : gramgöhl, grüngelb ; hdrdnSket , hartnäckig ; suripläckei , 
jseh warzfleckig; löngtnönet, langmähnig; sljögtniked, schlichtnackig 
ron kolbigen Rindern, die keine Homer haben; wissnäsig^ nase- 
weis; tenuMmnet^ dünnhäutig; tinnshännet, dunnfellig; ijöckshalet, 
dickschalig; Kigstammety niedrigstämmig; krümmhäiset, krumm- 
halsig; shiefhalsety schiefhalsig , u. s. w. 

$.118. Femer gehört hieher das zweite Hittelwort (Partici- 
piom) des Zeitwortes mit einem bestimmenden Substantiv oder 
Adjectiv voran, wie in sträüiggdj strohgedeckt; swtswäsen, 
isehwarzgesengt; wäßllasen, wohlgelitten; släipdrunken, schlaftrun- 
ken ; sHjnbeiäid , steinbelegt ; krümmwrahsen , krummgedreht ; 
kölidmmügsen , holzumwachsen; vdttbetägen, wcissbezogen; iägthe^ 
bäggd, dichtbebaut; löngtägen, langgezogen; tennbesiäiefiy dünn- 
beschlagjsn ; grdklähss ^ graugekleidet ; hdlibestraaiet , hellbe- 



180 

strahlt; fläujddmwaaget , fluthumwogt ; rickbeläsen, reichbeladen; 
frishähm, freigeschaffen; rippbetägen, reifbezogen; ängstbenümmen, 
angslbenommen ; ijlldmiöget, feuerumflammt; glditsträgen , glattge- 
strichen; hdrd fräsen, hartgefroren; siersläien , wundgeschlagen; 
füngrunnen, feingemahlen; idgibegräjn, dichtbewachsen; huchstor 
gen, hochgestiegen; diepspidn, tiefgesplissen; rienshräwen, reinge- 
schrieben; fästbünnen, festgebunden; wäjlbürgen, wohlgeborgen; 
fienspünneriy feingesponnen; äjmmgnälisen, wundgerieben; shdrp- 
siäJim, scharfgeschliffen; wäjlgunnd , wohlgegönnt; wäjlbekännd, 
wohlbekannt; Idgtvmnnen, leichtgewonnen, u. s. w. Auch das 
erste Mittelwort gehört hieher» welches sich, wie im Deutschen, 
auf end endigt, als: de ijlfspäiende Bäirig , der feuerspeiende 
Berg; de ihreliewende M5nn, der ehrliebende Mann; da äielSddende 
Hanne, die eierlegenden Hühner; huchträwend Urde, hochtrabende 
Worte ; de fläshähsende Hv/nn , der fleischfressende Hund ; da 
twiUwäddende Wüssede, die salbadernden Frauenzimmer, u. s. w. 
§, 119. Zusammensetzungen mit iüsSf rick, fri, utjärdig, füll, 
fast, girrig, wallig, klauck, hdrtig, ßärdig, mäujddig, sigtig, Srm, 
faurmig, sdnnig, rögt, wihsse, gleichen sehr den deutschen der- 
selben Art, als: kraftlüss, hUplüss; lähselüss, los in den Gliedern 
und Fugen; traulüss, treulos; sdftlüss,gewatenlüss; ärwlüss, erblos; 
sälüüss, salzlos; hälslüss, von Handlungen, die den Hals kosten; 
Kflüss, leblos; ihrelüss , ehrlos; brüjdlüss, brotlos; brägenlüss, 
hirnlos; frugtlüss; falllüss, fühllos; iäislüss; shömlüss, schaamlos; 
siellüss, seelenlos; mäujdlüss^ tällüss; hdrtlüss, herzlos; urdlüss, 
wortlos; sdnnlüss, sinnlos; shäselüss, schadlos; togtlüss, gedan- 
kenlos; gddlüss], gottlos; fidderlüss, mudderlüss; twöngUlsSy zwang- 
los; raucklüss, ruchlos; tijnsilüss , dienstlos; bjärdlüss , bartlos; 
grünnlüss, grundlos; smäglüss, geschmacklos: släiplüss, schlaflos; 
hüddlüss, hautlos; häierlüss, haarlos; haumlüss, hornlos; wärklüss, 
schmerzlos; ämelüss, athemlos; nömelüss, namenlos, u. s. w. — 
rick, reich: urdrick, wortreich; dögedrick, tugendreich; frugtrick, 
fdshrick , fäulkrick ; lierrick , lehrreich ; kjärlrick , kernreich ; 
hoUrick; winnrick, weinreich; sdftrick, sältrick, gjdrsrick, bläujd- 
rick , wähsernck , tällrick ; togterick , gedankenreich ; sdnnrick , 
sinnreich; ijdrick, torfreich, u.s.w. — fri: töllfri, zollfrei; shätifn; 
shötfriy schussfrei; fögelfri, vogclfrei; gewdtensfri^ gewissensfrei; 



181 

ltjff#l^r*, dienstfrei; p<w^/W; twöntffri, zwangfrei, \i.s.w.^wjärdig: 
prisswjärdig , preiswürdig, lobenswerth; ägtwjärdig , achtungswürdig; 
ihmyärdig, ehrwürdig; sträfwjärdig ; bewunnemsujjärdig , u. s. w. — 
fuä: shämfully schaamvoll; saftfull, kraßfuil, räjnke füll, rmkevoM; 
mäutefuU, mühevoll; fortijnstfull ; mäujddfull, muthvoU; kummer- 
füll, u. s.w. — fast: sali fast, sattelfest; kapitelfäst; hänfäst, hand- 
fest; shotfäst, schussfest; ijllfäst, feuerfest; änkerfäst, grünnfäst; 
bauaemfäst, bodenfest, u. s. w. — girrig : gijlgtrrig, geldgierig ; bläuß- 
girrig j maurdgirrig, mordgierig; ruwgirrig, raubgierig, u.s.w. — 
wollig: t^stwdllig, dienstwillig; friwdlltg, gwi^dwällig, äienwdllig 
män^dwdllig, u.s.w. — klauck: äienklauck, eigenklug; sellewklattck 
tÜUUaueky dummklauck , u. s. w. — hdrtig : grotthdrtig , stolz ; trauhdr 
%, ahmenhdrtig, bärmhdrtig, ünbärmhdrlig; /ö^MWt^ , feigherzig 
u. 8. w. — fjärdig : tijnstfjärdig , Idgtßärdig , räisefjärdig , shötfiwrdig 
sägdfjärdig, kumtßärdig; spräickßärdig , sprachfertig; müssßärdig 
msLuHeriig; huchßärdig , hoffährtig, u.s.w. — mäujddig: huchmäi^d 
dig, hoehmüthig; ijnmmjddig, einmüthig; frimmjddig, freimüthig 
OMiwermmjddig, übermüthig; wielimmjddig , wehmüthig; mdsmäujd 
dig , missmüthig, u. s. w. — segtig, von SSgt , die Sucht, wie 
swinnsSgtigy göhlsSgtig, wähsersegtig , fällsSgtig; iwersegtig, eifer 
süchtig; blieksigtig , striddsegtig , u. s. w. *. — Srm: fäulkSrm 
bläujdirm, 1. blutarm, arm bis aufs Blut, 2. arm an Blut; kaum 
erm, komarm; urderm, wortarm; frugterm, u.s.w. — faurmig 
ynfaurmig, einförmig; ijnsfaurmig, einsförmig; bogefaurmig, kvr 
gelfaurmig, ring faurmig; sndgge faurmig , schneckenförmig; Stange- 
faumdg , stangenförmig; täpe faurmig , zapfenförmig, u.s.w. — 
sonnig: Idgtsdnnig, shdrpsännig, stifsdnnig, starrsinnig; käujlsdn- 
nig, kaltsinnig; äiensdnnig , eigensinnig, u. s. w. — rogt: It^dd- 
rogt, lothrecht; wdjnkelrögt, winkelrecht; räigelrögt, regelrecht, 
u. s. w. — wihsse: krüssmhsse, kreuzweise; lägwUme, schicht- 
weise; dröppidhsse, tropfenweise, u. s. w. 



i Es gibt auch Zusammensetzungen mit seglig, welche herzu- 
leiten sind vom Verbum sie-en, sehen, wovon jö Sigt und dät 
Sägt, Verb, sagten, zielen; z. B. kaurtsSgtig^ widdsSgtig, klarsegtig, 
woneben aber auch kaurtsigtig u. s. w. bestehen. Von dät Sagt 
gibt es auch Zusammensetzungen mit sdgtig, wie: faarsdgtig und 
foarsigtig, u.s.w. 



182 



Anmerkungen. 

Die ZusammensetzuDgen mit Umstands- Zahl- und Verhältniss- 
wörtern kommen zwar häufig vor, aber die meisten derselben 
sind von Haupt- oder Zeitwörtern abgeleitet. Die Silbe ün (na) 
steht überall, wie im Deutschen, aufhebend oder das Gegenlheil 
anzeigend, wie: ünklauck, unklug; üntyüttig, unnütz; UntöfrShsey 
unzufrieden; ünrogt; ünmdnshlick, unmenschlich; ünnemöglick, 
unmöglich; ünäiwen^ uneben; ünkrdstUek, unchristlicfa ; ünpär, 
unpaar; ünlick, ungleich, u.s. w. Hit Zahlwörtern, wie in ^ 
fi^llig, einfältig; iwifärig, i. zwiefertig, vom reifenden Getreide, 
2. misslich, zweifelhaft, bunt verwickelt; twiflauget ^ ^weiiugig, 
von einem gewebten Zeuge ; ijnfärwet , einfarbig ; iuhgbiemt , 
zweibeinig; en sSgsfdjngerien Mdnshe^ ein aechsfingriger Mensch, 
trd^ringet, dreisaitig, en tienihrigen Dring, ein zehnjähriger Knabe, 
«1» fiewihrs ES, eine fünfjährige Kuh, u. s. w. 

Hehrere bekommen bei der Zusammensetzung ein eingescho- 
benes «, wie: gSdiforjäfm^ gottesvergesscn ; iäwentstrut, lebens- 
müde ; läwentssätt , lebenssatt ; stäirwenskränk , sterbenskrank ; 
wdnshensuijärt, wünschenswerth; äujnddgtsfuU, andachtsvoll , u^.w. 
Besonders gehören hieher die von solchen Substantiven al^ 
leiteten Adjective, wo die Haii^twörter sich auf ing, sbapp und 
hüd endigen, als: erfäringsrick, erfahrungsreich; hier$bappsmisig, 
herrschaftsmässig; firihäidsliewend, freiheitsliebend. 

Das Adjeetivum flräien^ nd. friens^ von fräien, steht ab reines 
Bestimmungswort, ohne Zeitbegriff, und bedeutet: heirathssüebtig. 



Abänderung des Bestimmungswortes. 

§. 120. Nur wenn es vor dem Hauptworte steht, leidet es im 
männlichen Geschlechte und in der Hehrheit eine «nbedeutende 
Abänderung, die bloss darin besteht, dass man demselben bei 
dem bestimmten Geschlechtsworte ein e anhängt, und mit dem 
unbestimmten ihm die Endung en giebt, z. B. de grötte Mont^, 
en gratten MSnn, da gratte Mann; weiblich und sächlich: jö groU 
GäuSy dat groH Hüss, pl. da gratte GäiSy da grotte Bähssinge^ en 
grölt Gaus, en grott Hü$s, pl. grott Gäis, grott Hühssinge. 



183 

Abänderung: Einheit, mannlich, 1 Fall, de groUe, % Fall, de 
gröites, wenn es absolut steht; weiblich, i. Fall, jö griU, 2. jö 
groUs; sächlich, dat grott, dat grötts; pl. da groUe, Genitiv, da 
gr6tte$. Weder mit dem bestimmten , noch mit dem unbestimmten 
Geschlechtsworte wird das Adjectiv je abgeändert, wenn es bei 
dem Hauptworte steht, und dieses bekommt dann in beiden Zah- 
len das Zeichen des zweiten Falles, nämlich ein ^, angehängt, 
als : de rteke Mönns Sahn , des reichen Mannes Sohn; jö IdjH 
Fämmens Süsier^ des kleinen Mädchens Schwester; dat suhrt 
Shaifs Laumme; da Uitte Dringes Fiddere, der kleinen Knaben 
Titer, Auf diese Weise wird jedes regelmässige Adjectivum ab« 
geändert. 

Diejenigen , welche sich auf et endigen , bekommen im männ- 
lichen Geschlechte und in der Mehrheit die Endung de, wenn 
sie das bestimmte Geschlechtswort vor sich haben, wie z. B. 
hraucket: jö braueket Köwel, der bunte Weiberrock; dät braueket 
Büi, die bunte Farbe; de brauckede Rocky da brauckede Kluhse, 

Idie bunten Kleider. Ohne Geschlechtswort: braueket Kluhse; mit 
dem unbestimmten Artikel: en braueket Twehg, eine bunte Färse; 
cn braueket Kuiew^ ein buntes Kalb. Dagegen beim männlichen 
Gesehlecht: en braucketen Rock, en braucketen Hdjnst, ein buntes 
Herd. Dasselbe gilt von dem zweiten Mittelworte auf et, wenn 
f| Ol bestimmungswörtlich steht, wie z. B. plaget: en piägeten Manshe, 
de piägede Manshe, da plägede Mdnshene. 
Folgende, die sich aufwendigen, verwandeln diesen Buchstaben 

^m tp, als: duf, gröf, stiff, shief, kief^ lief, struf, taub, grob, 
steif, schief, überdrüssig, lieb, straff, als: de duwe Monn, jö 
I ^ Wöff, dat duw Rjam, pl. da duwe Rjame^ dat siiw B^, 
\ das steife Bein; de shiewe Sträg, der schiefe Strich; de liewe 
6id, der liebe Gott; da kiewe Stünne, die langweiligen Stunden; 
du grSw Länert , die grobe Leinewand; da growe Kluhse ^ die 
groben Kleider; de shiewe Häh; de struwe Tögel y der straffe 
Zügel, u. s. w. 

Die beiden Wörter gmjd (gut) und kaujl (kalt) verlieren den 
Undant und das j, wenn sie vor dem Hauptworte stehen, und bei 
i^^d geht das d in das sanfte hs über, als: de Mann as gäujd, 
<ie gauhse Mann , en gauhsen Monn ; gauhs Mdnshene, da gauhse Man- 



184 

shene; dät gauhs Bauck, da gauhse Baucke; de Wonter os kmjl^ 
de kaule Wmler, en kauien Wonter; jö kaui Häujnn^ da >^aui^ 

Nachstehende, die sich aufs« (sz) endigen, verlieren den Um- 
laut, und lassen das ss in das weiche hs übergehen; es sind: 
lü8S, snüss, wriess, hüss, Hess, los, nett, zornig, heiser, leid, 
als: de luhse Pule, de snuhse Mmshe, de wrShse Fidder^ en wrSfh 
sen Mann, de huhse Dring , u. s. w. 

Die Wörter huch, roch, blöch^ fuchy driech^ hoch, rauch (be- 
haart), blöde, bange, verschlagsam, lassen ihr ch in g übergehen» 
wenn sie dem Hauptworle vorgesetzt werden, als: dehugeJSäirig, 
jö huhg Türrn, dät huhg Hüss, pl. da huge Bäirige, u. s. w.; de 
röge Ramm, der rauche Widder; de blöge Jdnge, de fuge Tiener; 
de driege Trölling, das verschlagsame Brot. 

Adjective mit der Endung elt behalten ihr t, auch in der Hehr- 
heit, wie döwelt, als: de döwelte Söme; de tröwdte Träjdd^ der 
dreifach gezwirnte Faden; de spaawelte Vrder, der weiss und 
gelb gesprenkelte Enterich ; da prägelte Hose , die gestrickten 
Strümpfe, u. s. w. 

Adjective auf en gehen, nach der Regel, z. B. tarnen, wer sich 
nicht zu etwas bezähmen kann, als: de tämene Fidder, jö tarnen 
Mudder; de stäjllene Häge, en stc^llenen Häge, eiserner Haken; jo 
stäjllen Faurky die eiserne Gabel; en stabilen Faurk; da stäjllene 
Faurke, stäjllen Faurke, eiserne Gabeln. Ebenso beim zweiten 
Mittelworte auf en, wie de grünnene Rogge, der gemahlene Rog- 
gen; jö brägen ^gs, die gebrochene Axt, u. s. w. 

Diejenigen Adjective, welche sich auf einen Yocal endigen, 
werden regelmässig abgeändert, nur muss derselbe scharf betont 
werden, als: fri, frei, ra, roh, grä, grau, wie, übel, spie, zart, 
läi, lau, laai, faul, näi, neu, nöA, nah, shu, scheu, «rti, brün- 
stig, von Säuen. De fri-e Mdnn, en frien Mann, da frie Mann; 
so auch de rm Shdjnkel, der rohe Schinken» en rden Shajnkelr 
und ebenso bei den übrigen: de^ro^, engrden, de wiee, en mein, 
de spiee, en spieen, de läie, en läien, de laaie, en iaaien, de näiey 
en näien, de näie, en näien, de shue^ en shuen, da wrue Söge s 
die brünstigen Säue. 

Das einzige Adjectivum stäkeis, arm, bedauernswürdig, voll 



18S 

de SiäM, erleidet nie eine Abänderung, in welchcfm Geschlcchte 
und welcher Zahl es auch stehen mag, als: de stäkeis Dring, 
da stäkeis Dringe, en stäkeis ermen Mdnslie; jö stäkeis WOssed, 
das arme Frauenzimmer, u. s. w. 

Hinter den Hauptwörtern oder nach denselben stehend, be- 
halten alle Bestimmungswörter ihre unveränderte Form , und eben* 
so im weiblichen und sächlichen Geschlecht in der Einheit, wenn 
»e denselben vorgesetzt werden. 

Die Abänderung ohne Geschlechtswort kommt meistens nur in 
der Anrede vor, als: gauhse Frünn, wdt wallt? guter Freund, was 
willst du? vjlle Stäket, kam md, alter Armer, komm mit! lAewe 
Brauhser, pL liewe Brauiisere, lieben Brüder; liew Süster, wi/is 
iiwriess, liebe Schwester, sei nicht böse. — Unverändert steht 
das Adjectiv, ohne Geschlechtswort, in der Mehrheit, wenn man 
allgemein spricht, wie z. B. hufig Mellene hawe de mäste Winn- 
fing, hohe Mühlen haben den meisten Windfang; üjlt Fäuik kon 
harn dt sSllew liSlpe; ahmen Möhre lajtte Winn in, offne Mauern 
lassen Wind ein. 

Steht ein bestimmtes Zahlwort vor dem Bestimmungsworte, 
so wird das letztere nicht abgeändert, als: twäier grott Hünne, 
zwei grosse Hunde; tuligjung Kälte, zwei junge Katzen; irälnrünn 
Eijnsle, drei braune Pferde; fiew üjll Secke, fünf alte Säcke; 
tri rt^fdd ^ple, drei rothe Aepfel; twäier u/nkre Bier, zwei An- 
ker Bier; trd blank Daalere , drei blanke Thaler; Imnnert nai 
Baueke, hundert neue Bücher. Nur das Zahlwort an macht hier- 
von eine Ausnahme, als: an Idjtten Fögel , ein kleiner Vogel; 
in gauhsen Mänslie häw ick dog fünnen, einen guten Menschen 
ig habe ich doch gefunden; an Mönn as nög faar ijn Wöff, ein 
fi Mann ist genug für eine Frau. Der zweite Fall hat auch hier 
ö sein «, wie z. B. an gauhsen Manshes Help as bahsere, as tieti 
m Stageles^ eines guten Menschen Hülfeist besser, als die von zehn 
II SehÜDgeln. Dasselbe gilt von dem allgemeinen Zahlworte nän 
^ (kein), als: dät as nän üjlleti Mann, das ist kein alter Mann; nän 
ü, iJftitten Siiäse, kein grosser Schade; ebenso: jö Kö hei nän Ion- 
gm S^ärt, die Kuh hat keinen langen Schwanz; de Hünn hei 
•«» spassen Töie, der Hund hat kein spilzes Maul; Iiälisl nän 

24 



186 

näkn RöggeF hast du keinen neuen Roggen? nän naien BUir? 
nän üjllen Säihs,^ u. s. w. 

Die zueignenden Fürwörter: man, mein, dm, dein, sau, sein, 
harren, ihr, im männlichen, und min, din, sin, harr, im weihli* 
chen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit, so wie 
unken und junken im männlichen, unk und junk im weiblichen 
Gescblecbte der Zweiheit(im Dualis), und ühsen (unser) im männ- 
lichen, so wie üh8,järringe und järe im weiblichen und sächliehen 
Geschlechte und in der Mehrheit, bewirken dieselbe Abänderung 
des Bestimmungswortes, wie das Geschlechtswort, was ebenso 
in der Apposition beim persönlichen Förworte: kk^ do, ke^ däi, 
hat, jfff pl. we, jdm* ja, wdt und jdt gilt, nur dass bei den letz- 
tem der zweite Fall fehlt. Einige Beispiele mögen diess erläu- 
tern, als: man erme ßrauhser^ dm wiUe H&ußdd, sin Idjtte Nifr- 
bdckeTf harren kränke Salm , mein armer Bruder, dein weisser Hut, £ 
sein kleiner Norbacker (Pony), ihr kranker Sohn; im Pluralis: j; 
min, din, sin, harr für alle. Weiblich und sächlich: min braiM 
Dögter, din üjll Hüss, sin jung Wöff, harr näi Kapp, pl. minbraßim 
Dögtere, din vjlle Hühssinge, u. s. w. Dualis: unken naie WÜm, 
unser (beiden) Wagen; junken ricke Fidder, euer (beiden) reicher 
Vater; weiblich und sächlich: unk krotik Süster, junk witt 4jek, 
unsre kranke Schwester, eure weisse Stute; pl. unk naie Siäiwlß, 
unsre neuen Stiefeln ; junk gräine Rocke, eure grünen Röcke, u.s. w.; 
ühsen grolle Tünn , unser grosser Garten; weiblich und sächlich: uh$ 
grd Gaus, unsre graue Gans; ühs fätt Swinn, unser fettes Schwein, 
pl. ühs grde Gäis, ühs fälle Swinn; jdrringe grolle Klömp, euer 
grosser Schober; järe gräin Hüss, ihr grünes Haus; jdrringe suhrt 
Shäip, euer schwarzes Schaf ; jdmn^e düjdde Shäip, eure todten 
Schafe, u. s. w. Ick erme Mönn, ich armer Mann; mi irme 
Mönn^ mir armen Manne, und: mich armen Mann; dS erme Stakei, 
du armer Wicht; üss erme Mann, uns armen Männern, und: uns 
arme Männer; de erme äfonn, dir und dich armen Mann; de 
erem Fommen, dir armen und dich armes Mädchen; we erme 
Mänshene, üss irme Mdnshene, ja erme Släkle, sie armen Wiehte, 
u. s.w. Dualis: wdt Srme Dringe, wir zwei arme Knaben; jai 
erme Jöngens, ihr zwei arme Jungen; nnA; erme Stäkle, uns zwei 



i 

\ 



187 

armen Wichten; junk 4rme Mdnshetie, euch zwei armen Mensciien, 
und: euch zwei arme Menschen. 

Die allgemeinen Zahlwörter: alle, faale, mdnning, haaw, nän^ 
w^, laiet, alle, viel und viele» einige, keinen, keine, wenig 
und wenige» wohin auch sdm, etliche, gehört, werden so ge* 
braucht: all mm rüjdde winn ds drunken, all mein rolher Wein 
ist getrunken; all min göhl Böhscr ds dp, alle meine gelbe Butter 
ist auf» nämlich verzehrt; alle gauJise Mdnshene bähsige an büe, 
alle gute Menschen beten und arbeiten; hähst dö* faale suhrt 
Staurke sqjnF hast du viele schwarze Störche gesehen? he het 
manning suhrt Hdjnste käft, er hat viele schwarze Pferde gekauft; 
iek ha» haaw wiU Spärrige säjn, ich habe einige weisse Sperlinge 
gesehen; ick häw all haaw jung Laumme säjn, ich habe schon 
einige junge Lämmer gesehen; he het nän groUen Tünn bäi 't 
HüsSf er hat keinen grossen Garten am Haus; jö het nijn näi 
Sürke an Smöcke säid, sie hat keine neue Manns- und Weiber- 
hemden genäht; he hSl man Idiet rüjdd £e, aurs faale grd, er hat 
nur wenig rothe Kühe» aber viele graue; sdm üjll Mdnshene siee 
bahsere as manning 'n jungen Twüter , einige alte Leute sehen 
besser, als mancher junge Bursche; hähst noch mörr üjllen Winn? 
hast du noch mehr alten Wein? 

Anmerkungen. 

1. Eine Eigenheit der nordfriesischen Sprache ist es, dass sie 
auch dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort dann vor* 
setzt, wenn nach jenem ein Adjectivum folgt, als: de man Idjtte 
Dring f mein kleiner Knabe; jö din groU Ddgter, deine grosse 
Tochter; de sdn grotte aujnnete Jönge, sein grosser unartiger Jun- 
ge; de ddn gräe Rocky dein grauer Rock; de hdrren kränke Brauh- 
«0r, ihr kranker Bruder; jö min Idjtt Getreu, meine kleine Catha- 
rine; de ddn rüjdde Kräjdder, dein rother Hahn. Sogar wenn 
das Pronomen possessivum allein vor dem Hauptworte steht, 
setzt man oft demselben auch noch das Geschlechtswort vor, 
Z.B, de man Dring , jö min Dögter, u. s. w., was aber nicht zu 
Inlligen sein dürfte. Man sagt aber auch ohne Geschlechtswort: 
man Shauch, min Doww, hdrren Häujd, hdr Short, unken Wäien, 
junk Gijl, ühsen Hünn, jdrringe Bjdrne, ühs Jöngense. 

24* 



188 

2. Slclien mehrere Adjective vor einem Hauptworte, welche 
dasselbe näher bestimmen, so werden sie immer wie das erste 
abgeändert, je nachdem Geschlecht und Zahl es erfordern, z.B. 
de mile, däsige MSnn, der alte alberne Mann; de Idjtte, suhrte, 
wanlkke Hünn, der kleine, schwarze, freundliche Hund; enlajtten, 
suhrten, wänlkken Hünn, dat IdjU nyogrig, fordmwen Krä$, das 
kleine, schmutzige, verdorbene Ding. 



Die Steigerung (Comparatio). 

§. 121. Der gewöhnliche Stand des Bestimmungswortes (Posi- 
tivus] wird dadurch in den vergleichenden (Comparativus) erho- 
ben, dass man jenem die Silbe ere anhängt, und der höchste 
Stand (Superlativus) wird durch ein angehängtes st gebildet, 
wie: läig, läigere , läigst ^ niedrig; fast, fästere , fastest, fest; 
string, slringere, stringst, strenge; diep, diepere, diepst, tief, u.s.w. 

Folgende sind mehr oder weniger unregelmässig. 

driechy driegere, driechst, verschlagsam , lange vorhaltend, dän. 
dröi; blöch, blögere, blockst, blöde; roch, rögere, röchst, rauch; 
huch, hugere, huchst, hoch; fuch, fugere, fuchst, bange; gäuß, 
bähserCy beest, gut; kävjly kaulere, käujlst und kauist, kalt; duf, 
duwere, dufst, taub; stiff, stiwwere, slifst, steif; gröf, gröwere, 
grofst, grob; shief, shiewere, shiefst, schief; struf, slruwere, strufst, 
straff; lüss, lusere, lusest, los; snüss, snusere, snusest, nett; fier, 
fdrre, f irrest, fern, auch fierere, fier st (im Baume, jenes in der 
Zeit); wriess, wresere, wresest, böse, zornig; äirig, erre^ irrigst, 
arg; näi, nirre, näist, nahe; i^ll, allere, älst, alt; long, längere, 
längst, lang; lähs, lähsere, ISst, spät; faale, mörr, mäst, viel; 
läiet, mdnnere, mannst, wenig; mdnning, mörr, mäst, viel, man- 
che; edder, ihr,järst, früh; öfting, dfiingere, oßingst, oft; bück- 
kel, bückedere, buckelst, dick, und so bei allen, die sich auf e^ 
endigen, wie brauckei, brauckedere, braucketst, bunt; und eben- 
so beim zweiten Mittel werte des regelmässigen Zeitwortes auf 
et , wie bedröwwet, bedrüwwedere , bedröwwetst, betrübt; huppet, 
huppedcrc, huppetst, gehäuft. Alle übrigen sind regelmässig und 
bekommen nie den Umlaut. 



189 



Einige Klangsynonymen. 

§. 122. Witt, weiss, widd, weit; lai, lau, laai, faul, träge; 
jifftA;, dunkel y junk, euch beide, euch beiden; hall, hell, Aä{I, 
gerne; «war, schwer, swär! antworte; Idbben, lebendig, lebhaft, 
läbben, släbben, auflecken; fäu, fett, d^it Fat, das Fass, die 
Schüssel; sSgt, seicht, segt, gesucht, jö Segt^ die Sucht; glSi, 
froh, glaai! schlüpfe; rick, reich, rieck! räuchere; satt, satt, 
satt, sitze; 5är, enlblösst, tear, haar vom Geide; u^o^s, gewiss, 
was, war; lack, leck, d^lt LäcA;, der Lack; edder, früh, de £d- 
der, die Ader; 2ay^«, spät, leehs! lies; string, strenge, de Strtng, 
der Strang; noc^, noch, nög , i. genug, 2. gar, 5. wohl, als: 
ick hm hirr noch, ich bin noch hier; dät as nög^ das ist 
genug; dat Flash as nag, das Fleisch ist gar; trau, treu, trau 
häm äi! traue ihm nicht; sidd, zu lang, von Kleidern, jö Sidd, 
die Seite; sonnig, sinnig, sahnig, sehnig; hüss, heiser, de Hühs, 
die Heimath; stijnnen, steinern, ja stijnnen, sie standen, ick häw 
Staunen, ich habe gestanden; allem , ellern, aus Ellernholz, a/- 
lem^ altem, Yerb.; kief, überdrüssig, dat Kiff, die Keife, von 
keifen; /S/Ii^, ordentlich, gebührlich» fällig ^ fällig, von Schulden; 
saalig^ selig, sälig ^ nur halb klug; wägsen, wächsern, wägsen, 
erwachsen, {wüchsen, gewachsen); wriess , böse, ick wriess , ich 
drebete, von wrihssen; rujdd, roth, dät Rtfjtt eine Krankheit des 
Rindviehes, die vom Blute herrührt; trüff, recht gesund, tröww! 
drohe; hdtter, bitter, halt 'rF beisst er; dat Lähser^ das Leder, 
lähsere, später; AeJänge, der Junge, Knabe, de Junge, der Junge, 
Jüngere; stäillen^ eisern, ja stäjllen, sie stahlen. 



Sinnverwandte Wörter aus den Adfectiven. 

§.123. 1. Vom Befinden: maai, so ziemlich, erträglich; äselick, 
nur sehr mittelmässig; lämplick, nur so so! hijnn, schlecht. 

2. Sünn, gesund, tähss, ziemlich gesund, trüff, kerngesund. 

3. Snurrig^ kortswillig, klöftig, drollig. Kortswillig, von jö Körts- 
will, die Kurzweil, heisst auch überhaupt spasshaft, scherzhaft; 
kloßig ist am nächsten mit drollig verwandt, enthält aber zu- 



190 

gleich den Nebenbegriff des Sinnreichen, Unerwai'teten und Ue- 
berraschenden in sich, wie jö Klöft, aus welchem Worte es 
gebildet ist, dän. klögtig, Yon klog (klug), en Klögt, wörtlich die 
Klugt; snurrig und drolUg, wie im Deutschen. 

4. Sörr, bäish, bitter, struf, härsh. Sörr oder surr, sauer; 
bäish, widerlich sauer und bitter» wie z. R der Wermuth, xu 
alt gewordner Rahm und die daraus bereitete Butter; bditer^ bit- 
ter; struf^ stramm, herbe; härsh ^ ranzig. 

5. Trung, onglkk, angst, fucfi , shu , fäg, m&ujdlüss. Truf^ 
(trOng) bezeichnet besonders die Beengung der Brust, welche die 
Furcht mit sich führt, daher auch noch trungburstig für engbrü- 
stig; öngUck, die innere Angst, und ein unheimliches Furchtge- 
fühl, das sich im Blicke zeigt, daher: he hucket so anglich, er 
sieht so angstvoll; ängsi, wie im Deutschen; fuch, das plötzliche 
Erbangen, so auch forshrdcket, erschrocken; shu, scheu; män^ 
lüsSf muthlos. 

6. Sharp, string, scharf, strenge; Shdrphäid, Stringhiid. 

7. Klien, term^ shrajnkel, Klien ist dünn und schwach, auch 
klein; sonst ist klein aber hüit, nd. lüjtt, als: en IqjUen Hütm, 
en Idjtt Stock; tänn, dünn; skrä^nkel^ dünn und schwach Ton 

[ Beinen; shr<ynkelbienet, dünnbeinig; wdt kaurt an klien mägen, et- 
was kurz und klein machen. 

8. Gäujd, ordentlickf trau, ßUig, von Arbeiten, die man thut 
und macht. Ordentlick, trau und gä/i^ ent^rechcn den deutschen 
Wörtern: ordentlich, treu und gut; fälUg und tö Cogens, so, 
dass nichts daran auszusetzen gefunden werden kann. 

9. Lüjddrogt, säßnkrogt^ lick dp an dähl, lothrecht, senkrecht, 
gerade auf und nieder. 

iO. Stramm, stramm, struf, straff, när, enge, knäp, knapp. 

ii. Trästlüss, trostlos, ünträstlick, untröstlich. 

12. Mal, wriess, bister, dpbrdgt, ünwdllig, täsig, hdflig, will, 
forbdttert. Mal, toll, mälhaadet, mal äujn't Haad, tollköpfig, 
jähzornig; en mal Läwent, ein tolles Leben; en malen Jänge, 
ein wilder Junge; ioriess , zornig; Hster^ ganz in Harnisch; 
dpbrdgt, aufgebracht; ünwdllig, unwillig; täsig, gricklich, von 
tosen, necken; hdflig, heftig, tt^7i, wild, forbdttert, erbittert. 

15. Hijnn, schlecht, eldndig , elend, grämlich, grämlich, klag- 



191 

üek, kläglich, von klagen; dätsjoyt man hijfnn, eldndig, grämlick, 
! kläglick ütt. 

ik Länig, biegsam, gelenkig; snhiesig, geschmeidig. 
i5. Plump, plump; njöl, häwen fällig, Njöl bezeichnet den 
böehsten Grad der Plumpheit, Derbheit und Schwerfölligkeit; 
hawenßlUg bezieht sich mehr auf das Ungeschlachte und Töl- 
pelhafte im Benehmen. 

16. Däsig, albern, ijnfiijllig , einfältig, hulewhägen ^ halbge- 
backen, nur halb klug; wdlsh, welsch, quersinnig; auwerlänsh, 
wörtlich: oberländisch, womit man einen Menschen bezeichnet, 
der sich albern und übermüthig, kurz, wie ein Narr geberdet» 
und Nichtachtung oder gar Geringschätzung gegen Andere dabei 
zeigt. 

17* Bedeget^ iyll, äUerägtig, toUirs, üUläweL ßedegety betagt, 
f{;7/, alt, äUerägUg, ältlich, UUhrs, bei Jahren, üUläwel, abgelebt. 

18. Ndtt, nett, snüss , geschniegelt, propre, sauber, fladd^ 
geputzt, wijllig, stjülUg, staatlkk, stattlich; dpflaidf in Bezug auf 
die Kleidung, wijllig und sIjülUg beziehen sich besonders auf 
den bunten Farbenwechsel im Schmucke oder Anzüge, staaüick 
auf Pracht und Kostbarkeit; dpflaid, aufgeputzt, herausgeputzt, 
von fläien, i. ausbessern, 2. aufputzen; smuck, hübsch. 

19. ßraucket, bunt, sprdjnkeUy gesprenkelt, spaaweU, gelbge- 
sprenkelt auf weissem Grunde, spotet^ scheckig, placket, fleckig. 

20. GöddlüsSf gottlos, godsforjähn, gottesvergessen, raucklüss, 
ruchlos, ßhl, boshaft. 

21. Grihsslick, grässlich, hdsslick^ hässlich, a&sAatiitcfc, abscheu- 
lich. 

22. GroUshy wörtlich: grössisch, groUhdrüg, huchßärdig, hueh- 
mmjddigy lauter Bezeichnungen für die verschiedenen Arten und 
Grade des Stolzes, die sich leicht übersetzen lassen. 

23. Stüjnsh , zurückstossend stolz und kalt , dän. sprynsk ; 
hnähpsh oder knipsh, schnippisch. 

24. Käim, geziert blöde; sdmper, geziert, zimperlich, spar- 
sam im Zulangen, wenn etwas zum Genüsse dargeboten wird; 
käim ist auch empfindlich. 

25. Sdnmg, sinnig, faarsdgtig, vorsichtig, betögisaamp bedacht* 
sam. 



192 

36. MäujddiQy muthig, tdppery tapfer, fonoaagen, verwegen, 
dfistig, dreist, kriess, keck, kühn. 

27. Unaardig, unartig, ünhöfflkk, unhöflich, ünfarsfummet , 
unverschämt. 

28. Drunken, trunken, besäJim, besoffen, berühsset, berauscht, 
beshängd, wörtlich: beschenkt. 

29. Gätijd, gut, wäjl, wohl, braaw, brav. 

50. Dügtig, tüchtig, dräflick, trefflich, vondräwen, treffen. 
31. Käserwälsh, kauderwelsch, ündöUick^ undeutlich. 
52. Twdrr, quer, wrähsen, verdreht, krümm, krumm, shief, 
schief. 
55. Käujl, kalt, Jyölig, käüig^ kühl, läi , lau» 

54. Tömm, zahm, meek^ überaus zahm, kirre ^ von Hausthie- 
ren, als: en meken Häjnst, ein Pferd, das sich jede Behandlung 
gefallen lässt, wenn sie nicht in Grausamkeit ausartet. 

55. Klüm, klamm, fugtig , feucht, toajUy nass; de Wäjt, die 
Nässe. 

56. Klamm, stiff,fork6lligL Klomm, steif, vor Kälte, stiff, steif, 
forkolligt, fast vor Kälte umgekommen; forkolligen , vor Kälte 
umkommen; forklaamen, von klomm. 

57. Kränk, krank, krönklick, swäck, schwach, swäckUck, ün- 
sünn, ungesund, shrdwlick^ nichts vertragen könnend, ohne zu 
kränkeln. 

58. Wimn^ warm, hijU, heiss, idt, lau; de Wdrmd, de Laie, 
ein lauer, schützender Ort; de HäßU, die Hitze. 

50. Ldbben, i. lebendig, 2. lebhaft; hädder, heiter, Idwenlig, 
lebendig, noch am Leben. 

40. Hastig, hastig, slönig, schleunig, wiecker^ wacker, gdw, 
geschwind. 

41. Mörrig, mürbe, nög oder noch, 1. genug, 2. gar, von ge- 
kochten Speisen; mörrig Flash, mürbes Fleisch, dät Flash as noch, 
das Fleisch ist gar; das Gegentheil von rd, roh. 

42. Mörrig, s. o.; röset, faul, verfault, bröglick, brüchlicb; 
röset, vom Holze, morsch. 

45. Nägel, bar, bar, amen. Nägel ist nackt; bar, bar und 
Urnen, bloss, bar, unbedeckt; amen ist übrigens: offen, und ist 
das Gegentheil von dicht, und von zu oder geschlossen. Man 



195 

sagt: bärbienei und bärßujUet, so wie ämenhaadet statt bär- 
oder nägelhaadeL 

44. Läig, niedrig, diep^ tief, shär, schroff, steil, steil. Die 
jähe Tiefe eines Sees oder irgend eines Gewässers ist dat 
Shär^ und diess ist auch der ursprüngliche Hauptbegriff in dem 
englischen Worte a shore, nämlich ein schroffes oder jähes Ufer. 
Dät gongt skSr dp an dähl, jähe auf und nieder» 

45. Jökft theuer, kostbaar, kostbar. Aus jökr wird de Jökrke^ 
der theure oder zu hohe Preis, welches Wort auch für Theurung 
gebraucht werden kann, sonst jo^r Tidde^ theure Zeiten, genannt. 

46. Dö^/tcft, deutlich, klär^ klar, begripplick, begreiflich, ßfise* 
lick, fasslich. 

47. Klär, ßärdig. Klär, fertig mit etwas, ßärdig, fertig in 
etwas, als: Ick bdn klär md min ^rbed, ich bin mit meiner Ar^ 
beit fertig; he ds ßärdig äujn't Rägnen, er ist fertig, geübt im 
Rechnen; tö 't Ihnne oder tö 't fjnne, zu Ende. 

48. AiweHy sljögt, fläcL jiiwen, eben, von Flächen; sljogty 
schlicht; fläck, flach, seicht, vom Wasser: äw äiwen Sljogle, ist 
ohne alle Veranlassung, ohne eine erkennbare Ursache, wie z.B. 
he slaug me äw äiwen Sljogte, er schlug mich ohne alle Veranlas- 
sung dazu; he ßll äw äiwen Sljogte, er fiel ohne Anstoss; dät 
kaum äw oMoen Sljogte, es kam von selbst, u. s. w. Sfjögt und 
läig steht auch für schlecht, niedrig, als: en sljögteny en läigen 
Strag, ein schlechter, niedriger Streich. 

49. Aiwen, sägt, sdnnig, md Lampe, älläiwen, Aiwen, leise 
im Sprechen und Gehen ; beim Sprechen das Gegentheil von 
gröttem, laut, beim Gehen von gdw, hastig, geschwind; sdnnig^ 
ännig, ohne Geräusch; älläiwen, allmählig; Sfter *e Häujnn, nach 

\ und nach; md Lampe, mit Glimpf, gelinde; huhm mdwdt Idmpen^ 
it gelinde mit etwas verfahren, huhm efter en Ausem Idmpen, sich 
I nach einem fügen. Äiwen, als Adverbium, ist eben, neulich, als: 
[ he het hirr äiwen wähn, er ist eben hier gewesen. 
I 50. Sierem, swär^ hdrd. Sierem, stark, nachdrücklich beim 

Schlagen, en siermen Slieck, ein heftiger, schmerzhafter Schlag; 

umstandswörtlich ist es: sehr, als: he ds sierem rick , sierem 

kränk, sierem mal, er ist sehr reich, krank, entrüstet; swär, 

schwer; hdrd, hart. 

25 



194 

51. Äiensdnnigf eigensinnig» äienwdllig, eigenwillig, aienrßjd- 
dig, eigenräthig, wähsenvannig statt wähserwijnnig , wetterwen* 
clisch. Ferner: twärr, quer, twdrsdnnig, quersinnig, hdrdnSket, 
hartnäckig, starrköpfig. 

52. JSfHg , von jewen , geben , abwerfen , ist ergiebig , vom 
Getreide und von Fcldfrüchten ; frugtbaar, fruchtbar, vom Boden. 

55. Twißrig (twißdrdig), zwiefertig , iZft/tcA; , ungleich, brancket, 
bunt. Twißdrdig sagt man vom Getreide, das gleichzeitig gesäet 
worden ist, aber nicht gleichzeitig reift, z. B. Hafer auf einem j 
und demselben Acker. Auch gebraucht man iwifarig von Sachen, 
<)eren Ausgang noch zweifelhaft ist, und sagt dann: dät ^ogt 
noch twifärig ütt! dät sjogt brauchet ütt! es sieht bunt aus. 

54. Laaiy traug, Idngsaam. Laai, faul, trattg, träge, beson- 
<)ers von demjenigen, der schwer an die Arbeit zu bringen ist; 
Idngsaam y langsam. 

55. Twidöhssig, zweideutig, forblömety verblümt, ünäientlick, 
uneigentlich. 

56. Ndw, genau, gitsigy geizig, trönglick, filzig, knauserig, 
knäp, karg. 

57. Gröf, grob, ünforshaamet, unverschämt, shomlüss, schaam- 
los. 

58. Främdy fremd, üttlävjnsh, ausländisch, auwerlänsh, s. o. 

59. Jung, jung, frishy frisch, näi^ neu. 
CO. Edder y früh, tiddig, zeitig, tisnög (tidsnög), früh genug; 

das Gcgenlheil ist lähSy spät. 

Gl. Bloch, blöde, trung, bange, forlägen, verlegen, befangen; 
Gegcntheil: dristig, dreist, frimäujddig, freimüthig. 

G2. Hiß, ganz, fullsldndig, vollständig; hijl en all, ganz und 
gar. 

63. Tjöglick, von tjock, dick, etwas beleibt, kröppet, beleibt» 
bücket, dick ,' däilick , von däien, gedeihlich, Subst. jö Däged: 
unnersdtsig, untersetzt, vierschrötig, tjock, dick, nur von Sachen 
und Schwängern , bücket , von Menschen und Thieren , aus de 
Bück, der Bauch. 

64. Bequähm, bequem, m^klick, gemächlich, topäss, zupass. 

65. Jtaglern, nüchtern, wenn man des Morgens noch nichts 
genossen hat, ähserig, nüchtern, wenn man nicht besoffen ist. 



19Ü 

66^ Hällf gerne, wdlligy willig, gäujdwdllig^ gutwillig. 

67. Nijdlkh [wußdlick) , kummerlick , när , inknähm , sind besonders 
sinnverwandt» wenn von einem kümmerlichen Sitze die Rede ist; 
fdjdlicky von N^jd (Noth), wenn man sich nur mit genauer Noth 
halten und bewegen kann; när, eng, inknäJinhy eingekniiTen. 

68. Lom^ lahm, hält, hinkend, daher: laamen, lahm gehen, 
farhamen , erlahmen und lähmen ; hdjnken , auf einem Beine hüpfen ; 
kälten, hinken. 

69. Wieh, übel zum Erbrechen, weh, öwel, übel, hijnn to- 
mäi^s, schlecht zu Muthe. Wärk- an WiehdSge, Schmerz- und 
Wehtage. 

70. Idägtf licht, hdli, hell, klär, klar; daher Ijöglen, leuchten , 
de liogter, die Leuchte; der Leuchter ist de Släujnner, d. i. der 
Steher. 

71^ Fa/is, äujnnet (ünnjött), üngetaayen, will, üttlel, fortägm, 
üHoardig, Lauter Unarten der Kinder bezeichnend. Fähs, kin- 
disch albern aus Verzogenheit, äujnnet, ungehorsam und unnütz, 
üngelaagen, ungezogen, wi/i, wild, ültlety ausgelassen, forlägen, 
y^zogen, ünaardig, unartig. 

72L ßärsh^ barsch, string, strenge^ wriess, böse, unwillig. 

73« Bolly stumpf an der Schneide; stump oder stumpet be« 
zeichnet den Mangel der Spitze an einem Dinge. Das Gegentheil 
von boll ist shdrp, von stumpet und butt, spdss, spitz. 

7i. Grof, grob, hult, grob und bärbeissig; he swäret äUidd 
so hutt, ds to butt; butty ist auch kurz und dick. 

75. Gläi, froh, dän« und engl, glad; fräulick, fröhlich, häd- 
ieTj heiter, fomäigd, vergnügt, dprämd, aufgeräumt, dpläidf 
tafgelegt, töfrese, zufrieden, locklkk, glücklich. 

76. Rien, rein, rienlick, reinlich, lihssig, von Wissen, leiden 
mögen. Bien und rienlick kann überall angewendet werden, wo 
es im Deutschen steht; lihssig wird aber vorzugsweise nur von 
Menschen (bisweilen von Hausthieren) gebraucht. Wer sich rein 
und sauber, und von Ungeziefer frei hält, der ist lihssig; das 
Gegentheil ist ünlihssig, 

77. Aien, eigen, wdlsh, quer, wunnerlick, wunderlich. 

78. Wäir, wahr, wdss, gewiss, säker, sicher, toforläjttig , zu- 



196 

verlässig, üniwiwelbaar , unzweifelhaft. Von wiss ist de Wasse, 
die Gewissheit. 

79. Plünnig, lumpig, forräwen, zerrissen, slörrig mjfi c Kluhse, 
nachlässig in den Kleidern. 

80. jignig, spreuig, stingig, grannig, shäwig, schäbig. 
8i. Räjddig, räthig, wer sich immer zu rathen und zu helfen 

weiss; mfjnshläyig , anschlägig. 

82. Swär, schwer, pünnig, pfundig, wdgtig, gewichtig. 

85. P/dgtig, verpflichtet, forhunnen, verbunden, shüllig, shäjl 
tig, schuldig. 

84. Strippelt, gestreift, rüUet, gewürfelt, gerautet, rauset, 
geblümt, von Geweben. 

85. BäUstjürrig, üntierig, ungebehrdig, unbändig y unbändig. 

86. S/dmm, äirig , hijnn, sljogt, schlimm, arg und schlecht. 

87. Slämm, klauck, sndll, wiss. Slamm ist hier so viel als 
verständig, he as sldmme nög^ er ist gescheidt genug; en Bim- 
men Mdmhe, kann daher heissen ein schlimmer und auch ein 
gescheidter Mensch, nach der jedesmaligen Geltung des Wortes; 
klauck, klug; sndll, dän. snild, pfiffig; wiss, i. weise, 2. bei 
Verstände, he dsäi fällig wiss, er ist nicht recht klug; for ständig, 
verständig, fornuftig und fomünflig, vernünftig, klöftig, snäsig, 
schlau, verschmitzt. 

88. Seeß, sanft, liehs, gelinde, leise, sähgt, sachte. 

89. Forsläien, verschlagen, d. i. schaal, von Bier und Wein, 
u. s. w.; fldw, flau, matt, von gleichen Getränken. 

90. Fldw, flau, trat, müde, ütthälet, wörtlich: ausgeholt, d.i. 
ganz erschöpft. 

91. Höflich, höflich, äujnstdndig , ansiSLudig , aardig , artige 
wäßldpdrägen , wohlerzogen. 

92. Hitsig, hitzig, itorig, eifrig, happig, forhäppet dw, erpicht 
auf, glöbsh efte^*; happig, von häppen, gierig mit dem Hunde 
oder Maule nach etwas schnappen, daher erwerbgierig, an sich 
raffend, verwandt mit närig. 

95. Jtprigtig, aufrichtig, ämenhdrtig, offenherzig, trauhdrüg, 
treuherzig, lickto, gerade zu, aane ji'mstande, ohne Umstände. 
94. Jhrlick, ehrlich, rdd/ick, redlich, trau, treu. 



197 

95. JSdll, bald, sirägs, slracks, gelick, gleich, stäujnnen FäjUs, 
stehendes Fusses, dm en läiet, über ein Kleines. 

96. Dfistig, dreist, ünforsägty unverzagt, ünforfjdrdet , uner- 
schrocken. 

97. Durig, wärig, driech. Durig und wärig sind beide dauer- 
haft, wobei durig zugleich auf die Stärke und Festigkeit des 
Dinges Bezug hat; driech, ist verschlagsam, dän. dröi, was lange 
Torhält» ohne Rücksicht auf die Hasse; das Gegentheil von dröi 
ist slöi, also un verschlagsam , fries. ündriech. 

98. jijmm, neesh, spie. Ajmm, ist wund, schmerzhaft, ohne 
Verletzung der Haut; neesh, zart, von der Haut; spie, zart, von 
neugebomen Kindern, dän. späd (1. spähs); aimkräjm^ empfindlich 
gegen körperliche Berührung und Eindrücke, z. B. beim Ver- 
binden einer Wunde, u. s. w. 

99. Vnihrlick , unehrlich , ihrlüss , ehrlos , bedrSgersh , be- 
trügerisch. 

100. Snaud, schnöde, hunish, höhnisch, stolt, stolz. 

iOI. Ünrogt, unrecht, ünrigtig, unrichtig, forkierd, verkehrt, 
falsh, falsch, en fäishen Manshe^ ein falscher Mensch. 

40^. Sörrigfüjllig , ist wörtlich: sorgfältig, aber der Sinn ist: 
traurig, sorgenvoll, wo die Sorge oder Trauer das Angesicht in 
Falten wirft; bedröwwet, betrübt, forsläien, muthlos , verzagt, 
dähisläien, niedergeschlagen, 

405. Mingig, njäsig^ sömig, slörrigy säumig, zauderig, fahr- 
lässig. 

104. Wddderlick, widerlich, towddderne, zuwider. 

405. Bürgen, geborgen, ^a^, sicher, hülpen, geholfen. 

106. Genäigd, geneigt, gunstig, günstig, io Walle, zu Willen. 

107. Hillig, heilig, häliig, heilig, feier; en hillig Läwent, ein 
heiliges Leben, en hilligen Monn, ein heiliger Mann, G3d ds hü- 
Kg, Gott ist heilig; dagegen en hälligen Däi, ein Feiertag, häl» 
lighüjllen, feiern, HälligSnne, Feierabend; aber Hälligläujnn, Hel- 
goland, heisst dem Sinne nach: das Haliigland, von Häliig, de 
Häliig, wie noch alle kleinem Inseln der Westsee heissen. Da 
Häliig friesisch und vom männlichen Geschlechte ist, so mus^ 
es auch der Hallig und nicht die Hailige heissen, welches der 
Plural von Hallig ist. 



198 

108. Tuglig, züchtig, ihrbaar, ehrbar, äi^nstdndig, anständig. 

109. Listig^ fi/ßo* snasig, listig, schlau, verschlagen. 
HO. Ldgtsdnnig , leichtsinnig, lägtßärdig ^ leichtfertig, ünbe- 

togtsaam, unbedachtsam. 

111. Wissfiiuisig , naseweis, mishirrig, neugierig. Man spricht 
näüshtrrig, als ob es neuschierig wäre, d. h. der sich um alles 
Neue schiert; eine Erklärung, die wirklich dem Sinne des Wortes 
genau entspricht. Die richtige Abtheilung ist aber näis-gkrig, 
d. h. neugierig. 

112. Shämlick, schimpflich, shdndlick, schändlich; dät ds ja en 
Blöged, was Beschämendes. 

113. Gähslick, von de Gäsing, was einem gerade passt, dät 
's man Gäsing oder dät ds me gähslick, das ist mir eben recht; 
dögiick, von daagen, taugen; brückiick, 1. zum Gebrauche be- 
quem, 2. gebräuchlich. 

114. Kollig, frostig, von Menschen, von de KoUe, die Kälte; 
käujl, kalt, forkäHd, erkältet, forkolligt, erfroren, s. o. 

115. Sörriglüss, sorglos, ünbesörrigt , unbesorgt, glickgüldig, 
gleichgültig. 

116. Glait, glatt^ glähserig, glitschig, schlüpferig. 

117. Kldwig, kleberig, twägig, zusammenklebend wie Hefen, 
kidstrig, kleisterig, von de Kloster, der Kleister. 

118. Tünnen, geschwollen, böllen, bollent oder böiinet, ge- 
schworen, von de Solle, Eiterbeule, Schwäre; üttsläien, ausge- 
schlagen. 

119. Röbbelig^ rauh, uneben, shrubbet und shrubbeUg, kratzig, 
krätzig, rauh, ünäiwen, uneben. 

120. Brösig, nd. brösig, wohl eigentlich brühssig, das Gefie- 
der sträubend, wdhserwdllig, widerwillig, wdlsh, twdrr, s. o. 

121. Dufy taub, von Nüssen; swöng, leer, von Aehren; duhut 
Ndhse an swöng Wappe, taube Nüsse und leere Aehren. 

422. Widdluftig , weitläuftig , dmstdndlick , umständlich , ült^ 
ßdrlick, ausführlich (aber üttfäirlick, ausführbar). 

12?. Ünräjddig, unschlüssig, twiwlräjddig, zweifelräthig, nicht 
wissend was man thun soll, ünwdss, ungewiss. 

124. Käujlbläi^dd^g , kaltblütig, ünhjärd, ungerührt, gUckgiÜ^ 
dig, s. 0. 



199 

125. Barmhdrtig, barmherzig, malthssig^ mitleidig, tarnen^ 9.0. 

i26. Bjämägtig , kindisch, kinsh , kindisch, nur von alten 
Leuten /die wieder kindisch werden. 

127. Hdndtig, geschickt zu mechanischen Arbeiten; häujnnig^ 
händig, wie ijnhäuynnig, tuhghätijnnig , ein-, zweihändig, u. s.w.; 
keßhijnnig , links . linkshändig , von hijnnen , mit den Händen 
auffangen. 

428. Locker, lecker, wer immer nur Leckereien haben will; 
hier, kür, kürisch, kürig, wer jeden Bissen kehrt, um sich den 
besten auszuküren. 

429. Behelpiick, behülflich, beforderlkk , förderlich. 

450. Fährlick, gefährlich, mdsslick, misslich, waaglick, waglich. 

434. Vnsägt, entzweit, ünijns, uneins, ünihnig, uneinig. 

452. Fläck, flach, piät, platt, brijdd, breit. 

455. Issgrd, eisgrau, sHjtiyjll, steinalt; en tssgrden, sHjnHjllen 
Mmn. 

434. Widdluftig, weitläuftig, hier verwandt mit will, wild, lie- 
derliek, liederlich, üttswäwend, ausschweifend. 

455. Forgdinglick , vergänglich , forkrdinklick , verkränklich , 
verweslich, ünforgdinglick und ünforkräinklkk. 

456. Bloch, blöde, befäftgetiy befangen, shügtern, schüchtern, 
frügtsaam, furchtsam, forshaamet , verschämt. 

457. Efterlähsen, nachlässig, ünordentlick , liederlick. 

4 58. Billig , billig , rogtfjdrdig , gerecht , rddlick , redlich , ihrlick , 
ehrlich. 

459. Fälsh, falsch, ündgt, unecht, forfälshet, verfälscht. 

440. MudderwUsig, mutterwitzig, s/amm, sndll, klauck, s. 0. 

444. Behäglick, gefällig, lief, lieb, lie flick, lieblich. 

442. NjütHg , nützlich , fordielägtig , vortheilhaf t ; to huhms Gagen. 

445. Hurtig, hurtig, hastig, hastig, gdw, geschwind, rash,- 
rasch, wieker, wacker. 

444. Unnatörlick, unnatürlich, auwematörlick , übernatürlich, 
wähsemalörlick , widernatürlich. 

445. Däik, 4. alltags, 2. schlicht im Umgänge, nicht vornehm, 
min däike Kluhse, meine Alltagskleider, en däiken Mdnshe, ein 
alltäglicher Mensch, einfach im Betragen, 5. einfältig, als: he ds 
man däik, en läict däik, ein wenig einfältig. 



200 

146. Wäfilig, stark; wählig, sagt man nur von Menschen und 
Thieren, nicht von Sachen; stark, nur von den letztern, aber nie 
wählig, so wie man auch nie stark von Thieren und Menschen 
gebraucht, um ihre Kräfte zu bezeichnen: en waldigen Ejärl fon 
stark Knaake an Lähse^ ein tüchtiger Kerl von starken Knochen 
und Gliedmassen. 



FÜNFTES CAPITEL 

DAS ZAHLWORT (Numerale). 



1. Allgemeine Zahlwörter. 

§. 124. Durch die allgemeinen Zahlwörter fasst man nur eine 
kleinere oder grössere Menge gleichartiger Gegenstände zusam- 
men, ohne die Anzahl der Einheiten zu bestimmen. Diese all- 
gemeinen oder unbestimmten Zahlwörter sind folgende: 

^lly alle, alles, all, aller» e, es, pl. alle; haawen, haaWy einiger» 
e, es, pl. einige; sdm, etlicher, e, es, pl. e; arken, drk, jeder, 
e, es, pl. jede; (aale-i viel, vieler, e, es, pl. e; mdnning, viel und 
viele; läiet, wenig, er, e, es, pl. e; wann, kein, er, e, es, pl. c, 
weiblich und sächlich, wie im pl. nt;nn; nin^, nichts; wdt^ etwas; 
mörr, mehr; ältemäle, allzumal, alle mit einander. 

^11, alle, alles, ^11 steht im Singul. und Plural von Stoff- 
Menge- und Gattungsnamen unverändert, immer mit dem eigent- 
lichen Fürworte oder dem Geschlechtsworte unmittelbar nadi 
sich, wie z. ß. all mdn gauhse Winn ds spülten, all mein guter 
Wein ist verschüttet, oder gespillt; all sin Fäujik was üUräihsd, 
alle seine Leute waren ausgereist; all hdr Shäip sdn drängd, 
alle ihre Schafe sind ertrunken ; all min Böhser ds dp, alle meine 
Butter ist auf; jö het all hdrren Hjärl spännen , sie hat allen 
ihren gehechelten Flachs gesponnen. Das Geschlechtswort steht 
dann, wenn von einem bestimmten, eben erwähnten oder gegen- 



201 

wiürtige& Gegenstande die Rede ist, z. ß all de hijnne Rögge Mt 
V forkäfty an all de gauhse tobähg hehüUen^ all den schlechten 
Roggen hat er verkauft» und all den guten zurückbehalten; all 
da groüe Dringe shmjn ütt to tienen, alle die grossen Jungen sollten 
aus zu dienen; ick däi kam twontig Daalerer an all dät Giß hit *r 
forspälety ich gab ihm 20 Thaler, und all das Geld hat er verspielt. 

^Ik kommt allein in der Mehrheit ohne Zusatz vor, als: alle 
Manshene mäujn släirwe^ alle Menschen müssen sterben; alle &wäU 
kene sdn tvdgtägen, alle Schwalben sind weggezogen; alle Staurke 
sin noch ai kiemen, alle Störche sind noch nicht gekommen; he 
go9igt alle Dege üU, er geht alle Tage aus; alle ^gene smdtt'r 
wag, alle Acheln (Spreu) wirft er weg. Dass hier auch Bestim- 
mungswörter vor dem Hauptworte stehen können, versteht sich 
von selbst , wie : alle flißtige Dringe , alle fleissige Knaben ; de 
A'llring hei alle junge Döwwe ahn, der Iltis hat alle junge Tauben 
gefressen; alle Manshene sidde so, alle Menschen sagen so; aber 
in dem Ausdrucke ^llemdnshe säit so heisst uiUemdnshe so viel 
wie jedermann , und steht daher auch in der Einheit. 

jfUes steht allgemein, wie in folgenden Sätzen: dät ds alles 
«dl ick häw, das ist alles, was ich habe; alles untig nint, alles 
oder nichts; Gödd w^t alles, Gott weiss alles; ick häw alles däjn, 
wii iek köhs, ich habe alles getban, was ich konnte; he het alles 
forlähsen, wät > äujn 'e Shrock häi, er hat alles verloren, was 
i er in der Tasche halte , nämlich im Spiele ; he hit alles sldn , 
WiU V äujn 'e Shrock häi , er hat alles aus der Tasche verloren , 
Was er darin hatte; he forkäft alles ^ wdt W het, er verkauft 
alles, was er hat; jö säit alles, wät *s wißt, sie sagt alles, was 
sie weiss. 

Haaweny haaw, Haawen, im männlichen Geschlecht vor Stoff- 
Und Mengenamen, so wie in der Einheit vor männlichen Gat* 
langsnamen, für irgend einen, jemand, irgend welchen; haaw im 
Weiblichen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit. Bei* 
q[)^ele: A's V haawen Säihs , haawen Winn äujn 'e TjaalerF Ist 
eioiger Käse, einiger Wein im Keller? Hältst haawen Rögge iür- 
9henF hast du einigen Roggen gedroschen? hältst haawen Manshe 
iiiQn 'e Finn säjn? hast du irgend jemand in der Fenne gesehen? 
Haaw Böhser het 's forkäft, jö aupsei^ het 's insläien, einige Butter 

26 



202 

hat sie verkauft , die andre eingeschlagen , nämlich in Fässer. 
Ick häw all haaw Lieppe säjn, ich habe schon einige Kiebitze ge- 
sehen; dirr sdn all kmw Spriene kiemen, es sind schon einige 
Staare gekommen; ick häw haaw Laumme slägtigt, ich habe einige 
Lämmer geschlachtet. 'Jlw haaw hunnert Daalere kämt 't kam M 
ättjn, auf einige hundert Thaler kommt es ihm nicht an. 

Sdm, dän. som, somt, pl. somme, steht durchaus unverändert 
in allen Geschlechtem, und hebt aus der Menge, so wie aus 
einigen oder etlichen, noch einzelne besonders hervor, als: tel 
häw haaw Spärrigc shähn, aurs sdm dirrauf ujäm noch äi äuji, 
ds ick 's dpsämmelt, iqh habe einige Sperlinge geschossen , aber 
einige davon waren noch nicht todt, als ich sie aufsammelte, 
^vjn jö Forsömmling wjärn haaw, dirr nän WUm drunken, auhserej 
dirr nän Säihs äjtlen, dn sdm mahn wihsser Böhser unHg Briyd, 
in der Versammlung waren einige, die keinen Wein tranken, 
andre, die keinen Käse assen, und etliche mochten weder Butter 
noch Brot. He het faale Buhmme äujn sdn Tünn, haaw sdn i^ü, 
aurs sdm dirrauf drege noch gäujd, er hat viele Bäume in seinem 
Garten, einige derselben sind alt, aber etliche davon tragen noch 
gut. Sdm Buhmme wägse hastig , sdm äi so bdll, einige Bäume 
wachsen geschwind , einige nicht so bald. Ick häw haaw Baucht 
fangen , aurs sdm dirrauf häw ick äi bestdlld , ich habe einige 
Bücher bekommen, aber etliche habe ich nicht davon bestellt 
Sdm kann auch fürwörtlich stehen, als: sdm sedde so, da auhsen 
so; sdm häwe segs Tune äw drken Fäujt an segs FtJjjngre äw ini 
Häujnn, einige (Menschen] haben sechs Zehen an jedem Fusse 
und sechs Finger an jeder Hand; sdm Winn äs äi to drunken j 
einiger Wein ist nicht zu trinken. 

u^'rken, drk, Arken im männlichen, und drk im weiblichen 
und sächlichen Geschlecht. Anwendung : alle Mdnshene häwe m 
Tung^ aurs drken het sdn diene Smäge, alle Menschen haben eine 
Zunge, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack; auf min im 
Hdjnste ds drken man ßauwer Ihr, von meinen zehn Pferden ist 
jedes nur vier Jahr; he was äujn drk HüsSy an het md ärk FkUr 
men snäket, er war in jedem Hause, und hat mit jedem Mädches W, 
gesprochen; dirr ds en Bing äujn drken Ijnne^ es ist ein Ringtn |^ 
jedem Ende; dal Slot hei en Tum äw drk Hjarn, das Schlostf htt 



205 

einen Thurm auf jeder Ecke; dät dulig ick drk Töch^ das tkue 
ich jedes Mal. Fürwörüieh: jirken säü so, jeder sagt so; d^U 
«01 wrkenan^ das weiss ein jeder, oder jedermann; ärk ^'n, eine 
jede» ein jedes ^ 

Faale, viel, aber auch vieler, e, es, pl. e, steht vor Stoff- 
und Hengenamen in der Einheit und vor Gattungsnamen in der 
Mehrheit» als: Ick häw faale Giß üttdäin, ich habe viel Geld aus- 
gegeben; he drdiinkt faale Winn, er trinkt viel Wein; wäs'r faule 
FAijlk äw't JtpbddF waren viel Leute auf der Versteigerung? 
hB rockt faale Tobäck dp , er raucht viel Taback auf; faale Winn 
is äi io dr^ken an faale Böhser ai to ähsen , vieler Wein ist 
nicht zu trinken und viele Butter nicht zu essen ; Ae hSi faale 
KaaUöffle bürgen, er hat viele Kartoffeln geemtet; de, dirr äi 
faale hit^ kun eck ai faale üttdßjn, wer nicht viel hat, kann auch 
nieht viel ausgeben^. 

Jfdinning, dän. mange, engl, many, viel, viele, kommt nur in 
der Mehrheit vor Gattungsnamen, so wie mit an und ijn verbun- 
den in der Bedeutung von mancher, e, vor, als: he hSl mdnning 
Baueke loten, er hat viele Bücher gelesen; he hei mdnning Daa- 
kre fonpdlety er hat viele Thaler verspielt; hörr mdnning Jlie 
hdde dirr äi^n't NSstF wie viel Eier liegen da im Neste? äi^n 
m Armee tan mdnning Sdldaate^ in einer Armee sind viele Solda- 
ten; harr mdnning Bjdrne hdlistF wie viel Kinder hast du? wdnn 
« 

munmng'en Ermen dät man häi, wdt mdnning 'en Bicken wdgsmdttl 
wenn mancher Arme das nur hätte, was mancher Reiche weg- 
wirft! mdmmgijn mijnt Wunner wdt 's ds, manche meint Wun- 
der, was sie sei; manning 'en braawen Monn ds dirr feüen, man- 
cher brave Mann ist da gefallen. 



A Arken hat im zweiten Falle drkens , wenn es jeder, jeder- 
mann bedeutet, als: dät häi drken däjn, das hätte jedermann 
gethan; he ds drketis Geck^ er ist jedermanns Narr. 

Biese, beide, kann immer nur mit dem Dualis wdt und jdt, 
and mit alle voran oder ohne dasselbe gebraucht werden; wdt 
iqjdm'r biese; jd kaummen äliebiese; jdl sdn jd biese kränk, ihr 
seid ja beide krank. 

* Hörr faale? wie viel? und so faale, so viel, werden auch zu- 
sammengezogen, hörr faale in hüllwe und so faale in süllwe. 

26* 



204 

Ldiet, wenig, ist das Gegen theil von faale und fnänthng^ und 
steht unverändert vor Stoff- und Mengenamen, so wie vor Gat- 
tungsnamen in der Mehrheit, als: dirr was man läiet FwujUt to 
Haaw, es waren nur wenig Leute zur Kirche; läiet Mdmhene, 
wenig Menschen ; ick kon man läiet Brännwinn fardrSge, ich kann 
nur wenig Branntwein vertragen ; dö hähst man läiet Buhmme 
plantet, wenig Bäume gepflanzt; ick häw äUe läiet I^ägie to de 
grotte Saal, ich habe zu wenig Lichte für den grossen Saal; 
läiet Gijl, wenig Geld; dät läiet y wdt ick häw, de ball fortjärd^^ 
das Wenige, was ich habe, ist bald verzehrt; de ihne het faale^ 
de auhsero man läiet, der eine hat viel, der andre nur wenig. 

Nänn , nän, im männlichen Geschlechte vor Gattungs- Stoff- und 
Mengenamen, im sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit 
nijnn, nijn^ keiner, e, es, pl. e. Es ist aus dem bestimmten Zahl- 
worte an und ijn, durch Versetzung des Buchstabens n ent- 
standen, und heisst so viel als nicht ein. Beispiele: Jö Fömmen 
hSt noch nänn Bredgome, das Mädchen hat noch keinen Bräuti- 
gam; ick häw nänn Winn drunken, ich habe keinen Wein ge- 
trunken; he häi nän Häujd äw an nän Rock äujn, er hatte keinen 
Hut auf und keinen Rock an; dirr was nijn Böhser, nijn ßrüß, 
nijn Mahl, nijn Speck an Flash, an nijn Mölke äi^n't Hüss, es 
war keine Butter, kein Brot, kein Mehl, kein Speck und Fleisch 
und keine Milch im Hause; hähst nijn IjllingeF hast du keine 
Feurung? de Säldaat häi nijn Boss an nän Saabel, der Soldat 
hatte keine Büchse und keinen Säbel. Von nän oder nänn ist 
nähn^ nein, zu unterscheiden, welches weit gedehnter ausge^nro- 
chen wird. 

Wdt, was, etwas, ist unabänderlich und steht unbestimmt, 
als: hähst wdt äujn*e Shrock? hast du etwas in der Tasche? wA 
wäht hewe? was willst du haben? het'r de wdt sädd? hat er dir 
was gesagt? he het wdt market, er hat etwas gemerkt; wdi ufUig 
nintl etwas oder nichts; dät ds wäjl wdt, aurs dät 's äi neg, das 
ist zwar etwas, aber nicht genug. 

Jtforr , mehr , steht im vergleichenden Stande , und ist der 
Comparativ von haaw, faale und männing, wo der höchste Stand 
mßst heisst, als: ick häw haaw Baare säjn, he hit mörr siijn, im 
man Brauhser het da mäste säjn, ich habe einige Bären gesehen, 



■ 



205 

er hat mehr u. s. w.; he het faale G^l, aurs sän Näiber kä marr, 
an de ricke Jöhse hH mäst, er hat viel Geld, aber sein Nachbar 
hat mehr, und der reiche Jude hat am meisten; we häwe man' 
nmg Shäip, jdm häwe mörr, aurs ja häwe da mäste, wir haben 
viele Schafe, ihr habt mehr, aber sie haben die meisten. 

Auch Uiet, wenig, ist steigerungsfähig , und hat folgende Stu- 
fenformen: läiel, männere^ mannst, weniger, wenigst, oder minder, 
mindest. 

jiliemäle, alle, allzumal, alle mit einander, alles. Beispiele|: 
San alle Shaukre Hemmen F Ja, ja san hirr ältemäle, sind alle 
Schüler gekommen? Ja, sie sind alle hier; he häi's ältemäle ütt- 
jaget, er hatte sie alle mit einander hinausgejagt; wähl 's ältemäle 
hiweF willst du sie alle haben? wäht't ältemäle heweF willst du 
68 alles haben? wirr as dät Holt blawen? ick häw *t ältemäle for- 
käft, wo ist das Holz geblieben? ich habe es alles verkauft. 

Die Wörter hijl, ganz, hulew, halb, ajnkelt, einfach, däweit, 
doppelt, und träwelt, dreifach, bestimmen zwar auch die Grösse 
der Dinge, werden aber abgeändert, wie das Bestimmungswort. 

Anmerkungen über die Synonymen in den allgemeinen 

Zahlwörtern. 

1. u/Ues , ältemäle. uilles fasst auch das Verschiedenartigste 
xusammen, z. B. alles, wdt ick häw, äs Göds Gaawe; ältemäle 
nimmt bei Stoff- und Mengenamen auch den kleinsten Rest, und 
bei Gattungsnamen die letzte Einheit mit, als: dirr hähst't alte» 
wUUe, da hast du es alles mit einander; we san ältemäle Sennere, 
wir sind allzumal Sünder. 

2. Haaw, sdm. Haaw, einige, etliche, umfasst bloss eine un- 
bestimmte Anzahl von Dingen, von denen sdm wieder einzelne 
aushebt, z. B. he häi haaw Shäip to forkupen, aurs sdm dirrauf 
M^dm shürrewt, er hatte einige Schafe zu verkaufen, aber etliche 
derselben waren räudig. 

3. Faale, mdnning, Faale ist das deutsche viel, und umfasst, 
wie dieses, nur die Masse und die Menge; mdnning, das deut- 
sche manch, dän. mange, engl, many, entspricht dem deutschen 
vieler, e, es, pl. e, so wie mancher, e, es, pl. e, mit an und 
i^ verbunden, als: mdnning *en an, mancher, mdnningijn, manche, 



2oa 

pl. männing. z.B. Do Mist, dö höhst f aale Döwwe, hönmdnning höhst 
dann? du sagst, du habest viel Tauben, wie viele hast du deno? 
Mdnning Mänshene kaane nijn Böhser ähse, aurs foale kaane mdt- 
yns en hiel Tann fortere, viele Menschen können keine Butter 
essen , aber viele (Menschen) können auf einmal eine ganze Tonne 
verzehren. 

4. Nänn, nijn, niemmen, nänne mdnshe. Niemmen und näme 
mdnshe sind gleichbedeutend, niemand, kein Mensch; nänn, kei* 
ner, ist männlich; nijn weiblich und sächlich, und steht auch in 
der Mehrheit. 

2. Bestimmte Zahlwörter. 

§. 125. Diese sind theils Grundzahlen, theils Ordnungszahlen; 

jene geben genau die Anzahl, diese die Ordnung und Aufeinao- 

derfolge gleichartiger Dinge an. Die Grundzahlen sind folgende: 

an i. twäier 2. trd 5. ) . .. ,. , n , , , 

_ , ^ ) im mannlichen Geschlecht. 
an i. iwdnne 2. tranne d. j 

.. . ^ , ^ . . p, ) im weiblichen und sächlichen Ge- 

im 1. tuhg ± tne 5. ] , , , 

•^ ^ ) schlecht. 

fjauwer, 4, fiew, 5, sigs^ 6, saawen, 7, aagt, 8, njögen^ 9, tie», 
10, dllwen, 11, twSlleWf twelwen, 12, trdtoin, 13, ßauwertäin» 14, 
füflün, 15, sigstäin, 16, soawentäin, 17, aagttain, 18, f^entäin, 
19, twontigy 20, dortig, 30, fertig, fairtig, ßärtig, 40, füßg,^, 
sösüg, 60, smerUigy 70, tdcheniig, 80, nägentig, 90, hunnert, 100, 
dusend, 1000, tiendusend^ 10,000, Atiim^/dtiiend, 100,000, dusend 
Toche dusend oder en Million, 1,000,000. 

Die daraus hervorgehenden Ordnungszahlen werden folgende^ 
massen gebildet, als: de järste, der erste, de lähsere oder de 
ousere, der zweite, de tredde, de /$er(^, de fuße, de «e^«te, de 
saawente, de ao^/e, de njögente, de ^ien/e oder de /^nJe, de atiev- 
to, de twellewte, de trätäinste, de ßauwertainste , de füftäinste, de 
sigstäinste, de saawentäinste , de aagtläinste, de njögewtainste^ twon' 
tigste, dortigste^ fertigste, füßigste, söstigste, söwentigste, tdehentig' 
ste, nägentigste, hunnertste, dusendsle, u. s. w. Diese Ordnungs- 
zahlen , die sich alle auf e endigen , gelten nur allein für das 
männliche Geschlecht; beim weiblichen und sächlichen Geschlecht 
verlieren sie das e am Ende: jö järst, die erste, dät jarst, du 



207 

erste; jö irM, die dritte, dftt tred, das dritte; jö fierd, dat fierd^ 
fUftp s^st, saawent, aagt, njögent, u. s. w. Bloss de Wisere, 
der zweite, bleibt unverändert in allen Geschlechtern, als: de 
Uhsere Jfonn, jö lähsere Wöff, dat Wisere Björn, der zweite 
Mann , die zweite Frau , das zweite Kind. Statt lähsere gebraucht 
man auch de ausere , der andere , als : de ausere , jö auser, dat 
mtser. De lähsere und de ausere werden nur aus Mangel eines 
andern passenden Wortes als Ordnungszahiwörter gebraucht, weil 
man aus tuhg (zwei) nicht de tuhgde, wie im Deutschen (der 
zweite) machen kann; auch im Dänischen muss man hier der 
andre, den anden, gebrauchen, nd. detwetCy altfries. the olher und 
ihe twede. De lähsere ist der vergleichende Stand von lähs, spät, 
und heisst der spätere, letztere, im Superlativ lest, de lesie, jö 
Mi dat lest, da ISste, der, die, das letzte, die letzten. De ausere , 
\ä\ TOD aurs, anders, ist der andre, als: dug me de ausere Häujdd, 
jö auser JBrdll, dät auser Bauck und da ausere Stäiwle, gieb mir 
den andern Hut , die andre Brille , das andre Buch , und die an- 
dern Stiefel t. 
Die drei ersten Zahlwörter , dän. een, io, tre , nd. en , twe , 
• 4 dre^ engl, one, two, three^ altfries. en, twa, thrju oder en, twene, 
1.^ /Are, oder Sn, twa, thriä (nach Rask), haben im Nord friesischen 
folgende abweichende Formen: a. im männlichen Geschlecht: an, 
Mier, trd, und an, twdnne, trdnne, b. im weiblichen und säch« 
liehen Geschlechte: ijn, tuhg, trie, Twdnne ist im Dänischen 
tmde, das ältere deutsche zween, und trdnne ist irende. Zählt 
man Gegenstände vom weiblichen oder sächlichen Geschlechte , 
oder in unbenannteu Zahlen, so gebraucht man immer (;n, tuhg, 
trie, auch mit den Zahlen von zwanzig bis neunzig, oder wo sie 
nur immer vorkommen mögen. Sind aber die zu zählenden 
Dinge männlich, so muss man überall, wo sie nur immer stehen, 
in, iwäier, trd, gehrauchen. Beispiele, weiblich und sächlich: 
^, tulig, trie Gäis; ijn- tuhg- tiieantwontig Hühssinge; he het ijn- 



^ En Ausern steht auch für unser einer, unser eins, als: so wdt 
ßU en Ausern ja aller to sieen, so was bekommt unser eins ja nie 
zu sehen ; dirr wijt en Ausern ja nint auf, davon weiss ja unser 
einer nichts. 



208 

aniivofUig , luhganlwonlig , trieantuHnUig Poppe faar änantwantigt 
twäierantwatUig an trdantwofUig Daalere käfty er hat 21, 22, 25 
Pfeifen für 21 , 22 und 25 Thaler gekauft ; he döi me änanfSr- 
iig Jlple faar ijnanfüftig Plöme, an irie Plöme faar twäier Jple; 
ick wall de trdansösiig ^ple faar tuhganfüftig Plöme düjn. 

Twdnne und irdnne wird immer nur von Personen , nie von Sachen 
gebraucht, als: hörr mdnning u^dm's am harn? Jd mjdrn twdnne 
uniig irdnne am ham^ wie viele waren sie um ihn ? zwei oder 
drei. Jd sdn jd man twdnne, sie sind ja nur ihrer zwei. Dirr 
Mijdm man en twdnne, irdnne kiemen, wdt wßjn jd wajl ütirogief 
was wollten die wohl ausrichten ? (Vergleiche die Anmerkung 
nach §. 109). 

Auch die Male werden bis drei aus den drei ersten Zahlen 
gebildet, wie im Englischen, als: ijnsen, iwäie^ iräie, engl, once, 
twice, thricc, d. i. ein- zwei- dreimal. Ijnsen ist hier das deut- 
sche eins, in der Bedeutung von einmal, und iwäie, das deutsche 
zwi-er, Lucas 18: v. 12; im Altdänischen: iösser, von tö, zwei. 
Zwischen dem Friesischen und Englischen ist hier die Aehnlich- 
keit am wenigsten zu verkennen. Träie mag vielleicht das alt- 
fries. ihria sein. Was über drei hinausgeht, bekommt TSche, Male, 

I 

zugesetzt, als: fjauwer Töche, iwoniig Töche, mdnning Töche. 

Die deutschen -Wörlcr: erstens, zweitens, drittens, viertens , , 
u. s. w. , kann der Nordfriese nicht nachbilden, sondern muss sich 
der Form: fürs ersle, fürs zweite u. s. w. bedienen, als: faar't 
jdrst, faar*t iäJisere, faar't auser, faar't tred, fierd^ füft, segUf 
u. s. w. 

Die Namen der Zahlzeichen sind weiblich, und nehmen im 
Plural ein e an. Sie heissen: jö Ijn^ jö Tuhg, jö Trie, jö Fjauwer t 
jö Fiew, jö Segs, jö Saawen, jö ^agt, jö Njögen, jö Tien, jö Null *. 



1 Substantivische Zahlwörter , die als Grössen- oder Theilbe* 
Stimmungen dienen, sind folgende, als: en Däujtien, 5 Schillinge; 
enDausenn, 12 Stück, ein Dutzend; enSniehs, das Stieg; jöTrow, 
eine Stiege Garben, 40 Stück; en Shöck, 60 Stück; dät TdU, 12 
Stück Bretter, der Zwölfter, Tult; dät Wdll, 80 Häringe; dlt 
Hunnert, dat Dusend; ebenso: de Drilling, der Dreiling; de Sig»^ 
ling, der Sechsling; de Träsing, der dritte Theil eines Deroalhs; 
de Fierding , ein Viertel desselben , so wie ein Viertel überhaupt; 



SECHSTES CAPITEL 



DAS FÜRWORT (Pronomen). 



§. 126. Das Fürwort vertritt die Stelle eines Hauptwortes. 
Aber nur das Pronomen personale steht allemal anstatt eines Haupt* 
Wortes, andere werden demselben auch vorgesetzt. Dieses per* 
sönliche oder eigentliche Fürwort ist im Nordfriesischen folgendes: 
/db» dö^ he^ jö, hat, däi, im PI. we, jdm,jd, im Dualis wätundjdt. 

Abänderung desselben. 



Einheit. 
Iste Person. 2^6 Pers. 3^ Pers. männl. weibl. 
iFall. ick dö i he jö 

i — - min dm 2 sin hdr 

3 u. 4 m^ de 5 u. 4 hdm hdr 

Mehrheit. 

i«epers. 2»ePers. o^^Pers. JsiePers. 
i Fall. we jdm ja wdt 

2 — ühs jdringe jdre unk 

3 u. 4 üss jdm jdm unk 



sächl. 
dät 
sin 
hdm 
Dualis. 



sächl. 
hat 
sin 
hdm, 

2tePer5. 
jdt 
junk 
junk. 



im jfgendijl, ein Achtel als Buttermass ; da Twdnnlinge , die 
■ Zwillinge, Trdnnlinge, Drillinge. Dahin gehören ferner die Namen 
verschiedener Silbermünzen, als: en Tredhälwen, ein Drittehalb- 
sebillingsstück ; en Fjauwer- Fiew* ^agt- Tien- Twülew" Ttoontig* 
tirligshdllingstock^ ein Vierschiilingsstück , u. s. w. 

Die deutsche Endung tel (theil) zur Bezeichnung der Bruch- 
theile, als: das Drittel, Viertel, Fünftel, wird durch Dijl oder 
Pari gegeben, wie: en hulwen, männlich, ein halber; weiblich 
nnd sächlich en hulew^ de hulewe^ jö huleWy dät hulew, pl. da hulwe; 
en Tredendyl oder en Treddq)ärt, en Fierdendijl, en Fierdepärt^ 
en ^agtendijl, en uiagtepärt. Mit Dijl (Theil) zusammengesetzt 
bekommen die Ordnungszahlwörter ein n angehängt. Bei den 
Benennungen mit halb gilt die deutsche Weise, als: wuserhdlwen, 
anderthalb, tredhälwen^ fierdhdlwen, u. s. w., d. i. die nächstvor- 
bejahende Zahl ganz, und von der nächstfolgenden das Halbe. 
Dcar Dane kehrt es um und spricht: halvandefi, lialvtredie, halv* 
ßerde, u. s. w. 



27 



210 

Die Gleichheit mancher Fälle, so wie der gänzliche Hangel des 
zurückkehrenden Fürwortes sich ^Pron. reciprocum), kann oft Dn- 
bcstimmtheit und Zweideutigkeiten yerursachen , besonders in 
nackten Sätzen. Sage ich z. B. He hU häm stät, so kann diess 
heisscn : er hat sich gestossen , und : er hat ihn gcstossen ; jö hk 
hdr shjärn, sie hat sich oder sie geschnitten; ick häw jdm nog 
säjn, kann heissen: ich habe euch oder ich habe sie wohl ge- 
sehen. Diess ist indessen keine wirkliche Zweideutigkeit , denn 
der richtige Sinn geht immer aus dem Zusammenhange der Rede 
hervor. Spreche ich zu denen, die ich gesehen habe: ick hiw 
jdm nag säjn, so heisst es: ich habe euch wohl gesehen; spreche 
ich von andern, so heisst es: ich habe sie wohl gesehen. Wat 
shäset dät BjärnF hat hei hdm't Haad äujnslöhg ßllen, was fehlt 
dem Kinde? es hat sich den Kopf entzwei gefallen. Wirr auwer 
gälU dän Brauhser? he hit häm md en Faurk äujn *t Vhg ^ägen, 
worüber weint dein Bruder? er hat sich mit einer Gabel ins Auge 
gestochen. Wir wollen hier kurz bemerken , dass der dritte und 
vierte Fall bei allen Personen und in den drei Zahlen das zurück- 
kehrende Fürwort sich vertreten, wie in folgenden Sätzen durch 
alle Personen in der Einheit, Zweiheit und Mehrheit, als: Ick 
häw me forkäjld, dö hähst de — , he het häm — , jö het hdr — , 
dät het häm — , hat hSt häm — , wdt häwe unk — , jät häwe junk 
-^, we häwe üss — , jdm häwe jdm — , jd häwe jdm — , ich habe 
mich, du hast dich, er hat sich, sie hat sich, es hat sich, wir 
zwei haben uns, ihr zwei habt euch, wir uns, ihr euch, sie fj 
sich erkältet. Dasselbe gilt für den Dativ der Person, als: iek 
häw me, dö hähst de, he het hdm, jö het hdr, hat het hdm, tgä 
häwe unk, jdt häwe junk, we häwe üss, jdm häwe jdm ^ ja htm 
jdm en Hüss käfi, ich habe mir, du hast dir, u. s. w. ein Haus 
gekauft. Dät forstänt hdm^ das versteht sich! 

§. 127. Beispiele zur richtigen Anwendung dieses Fürwortes: 
Ick häw min Shäip all slägtigt , dö hähst din jd noch äw *t Gjm 
gongen, ich habe meine Schafe schon geschlachtet, du hast deine 
ja noch auf der Weide (dem Grase) gehen ; he hSt sin Bjard auf* 
nümmen^ jö het hdrr Häier briset, dn dät Bjdm hit sin Häiymi 
twdieni er hat seinen (eigenen) Bart abgenommen, sie hat ihre 
Haare geflochten und das Kind hat seine Hände gewaschen ; tri 



211 

wdU me wat togause dHJn, ich will mir gütiich ihun; dö leistet 
de surr wurde, du lassest'» dir sauer werden; he dit harn Mäute, 
er giebt (thut) sich Mühe; jö kön hdr sellew hSlpe, sie kann sich 
selber helfen; wirrfaar gälU dät BjamF weshalb weint das Kind? 
Swär: de FiJjjnger dit hörn sier, Antwort: der Finger thut ihm 
web; de Hünn hä me äujn *t Bijfi bän, der Hund hat mich ins 
Bein gebissen; jö Kätt ket de kläiset, die Katze hat dich gekratzt; 
de Hdjnst hai harn släien, das Pferd hatte ihn geschlagen; he he- 
hindelt hdr man hijfm, er behandelt sie nur schlecht; dät Bjäm 
kU häm forähn, hat mäujt nö hungre, wdn't hdm käme shdl, das 
Kind hat sich verfressen, es muss nun hungern, wenn es sich 
erholen soll; dät Swinn wall äi daie, hat het hdm*e Tdis üttbdn, 
das Schwein will nicht gedeihen, es hat sich die Zähne ausge- 
bissen; we häwe ühsen Winn drunkefi, wir haben unsern Wein 
getrunken; jdm häwe jdrringe Giß for^jard, ihr habt euer Geld 
▼enebrt ; ja häwe jdre Swinn dilling slägtigt , sie haben ihre 
Schweine beute geschlachtet; we möge üss nint dirrütt, wir ma- 
chen uns nichts daraus; jdm häwe jdm forsajn^ ihr habt euch 
▼ersehen; ja häwe jdm sSllew ät^jn 'e Ijägle »tonnen, sie haben sich 
selber im Lichte gestanden ; ick häw jäm dät Gijl di^n , ich habe 
eueh oder ihnen das Geld gegeben, je nachdem es auf die zweite 
oder dritte Person in der Mehrheit sich beziehen soll; wdt kaane 
junk äi hilpe , aurs jdt höhn unk ndg hSlpe , wir beide können 
euch beiden nicht helfen , aber ihr beide könntet uns beiden wohl 
helfen; Uwe junk JÜleme noch? leben eure Eltern noch? unk sdn 
SU longens düjd, unsre sind schon längst todt, im Dualis; ick 
wdU junk wdt sSdde^ ich will euch beiden was sagen; jdt kaane 
man gonge^ ihr zwei könnt nur gehen. 

% iS8. Die Fürwörter der dritten Person stehen nur dann 
unverändert, wenn unmittelbar nach denselben ein Zeitwort folgt, 
als: Min Brauhser ds to Bidd gingen^ he wart wäjl kränk wesen, 
mein Bruder ist zu Bette gegangen, er wird wohl krank sein; 
jö Hänn kägelt, jö het wdss en Äi läid, die Henne gackert, sie 
hat gewiss ein Ei gelegt ; dät Läujwn ds so dröhg , dann dät het 
all längens nän Binn fangen y das Land ist so trocken, denn es 
hat schon längst keinen Regen bekommen; dd Hijjnste sdn so 
liungrig^ ja häwe dilling noch nint to äksen fangen, die Pferde 

27 ^ 



212 

iind 80 hungrig, sie haben heute noch nichts zu fressen bekom« 
men. Eben so nach einer Frage, wenn das Fürwort in der 
Antwort voran steht, als: wirr ds man Häujddt he Hit äw'e 
Shew, wo ist mein Hut? er liegt auf dem Tische; wdt mägei dm 
Süster? jö kSget ünneme^ was macht deine Schwester? sie kocht 
das Mittagessen; wirr häwe jdi da Fd$h füngen? wdJt häwe's 
ungelt, wo habt ihr beide die Fische her? wir haben sie 
geangelt. 

§. 129. Stehen aber die Fürwörter der dritten Person selbst 
unmittelbar nach dem Zeitworte » so nehmen sie eine durchaus 
veränderte, nicht mehr kenntliche Gestalt an, und ihre ursprüng- 
liche Form geht gänzlich verloren. Dann werden die männlichen 
Fürworter he und hdm durch die angehängten Buchstaben r 
und n, das weibliche Geschlecht durch s, das sächliche durch t, 
und der Plural wieder durch 8 vertreten. Hier ein Beispiel zum 
vorigen und zu diesem §. De Fögel äs ütt flogen ^ he mäuß nö far- 
hungre, der Vogel ist ausgeflogen, er muss nun verhungern, de 
Fögel ds üit flogen f nö mäujt V forhungre; min Wöffds kränk y dirr- 
faar kon's äi mdkäme^ meine Frau ist krank, daher kann sie 
nicht mitkommen; he kän sin Hüss äi längere beböge ^ auwer dät't 
so ahmen ds^ an dirrfaar shdVr nö n^dme üUtijnf er kann sein 
Haus nicht länger bewohnen, weil es so offen ist, und deswegen 
soll er nun morgen ausziehen; min ügene sdn nö bähsere^ ick 
häw *s drken Mjdrn md läi Wäkser twäien, meine Augen sind nun 
besser, ich habe sie jeden Morgen mit lauem Wasser gewaschen; 
hähsi dö de male Hünn soßn? ja, ick säch *n foar en läiet^ hast 
du den tollen Hund gesehen? ja, ich sah ihn so eben; wdi shSr 
sei dm Hünn? kön'r äi gonge F was fehlt deinem Hunde? kann 
er nicht gehen? däi Bjärn gällt, kk*t hdm forUgt brännd? das 
Kind weint, hat es sich vielleicht gebrannt? dirr stönt en Mäim 
foar'e Bohr, frag hdm, wdt*r will, es steht ein Mann vor der 
Thür, frage ihn, was er will; dd Dringe stäujnne dirr dn täiwe, 
wdn's äi ma? die Knaben stehen da und warten, wollen sie 
nicht mit? "- Bisweilen stossen auf diese Weise zwei Fürworter 
zusammen und werden dann so ausgesprochen, als ob sie nur 
ein Wort ausmachten, als: he sait dät 'rt (dättert) äidu^n kön, er 
»agt, dass er 's nicht thun kann ; jö sohs, däts 't nög hetpe teqfl, 



213 

sie sagte» dass sie 's wohl haben wollte; dö häksi min Bjäme 
Späl^h ISwei, käwes*t ällfüngenF du hast meinen Kindern Spiel- 
zeug yersprochen, haben sie 's schon bekommen? da Jöngens nüm- 
men rndn Släse, häwes'n all mhsser brögtF die Jungen nahmen 
meinen Schlitten, haben sie ihn schon wiedergebracht? In der 
Frage: wdt wähtF was willst duf wird dö (du) immer ausgelassen, 
wenn man jemand geradezu nach einem Begehren fragt, ohne 
Befremden oder Trotz ausdrücken zu wollen; ist letzteres der 
Fall, dann wird das Fürwort nicht im Zeitworte verschluckt, 
sondern mitgenommen und stark betont, wie: wdt wäJU dö? wU 
wUit dö me wäjl düjn? was willst du? was willst du mir wohl 
anhaben? Ist eben die Rede von einem männlichen, weiblichen 
oder sächlichen Gegenstande, so fragt man: wdt wdirr, wdt wdll's, 
wdt wdll'tF PI. wdt wdn'm [wdnnem), wdt wdn'sF und so mit allen 
Zeitwörtern, die damit in Verbindung gebracht werden können, 
als: dät kön'r nög^ das kann er wohl, däi iän's, das kann 
de, dät kaanes , das können sie, dät k5n*t, das kann es, 
däi kaanem, das könnt ihr. Soll aber Befremden dabei ausge- 
drückt werden, oder Zweifel, Erstaunen u. s. w., so sagt man: 
wdt wdll he, — jö, — hat, — jdm, — jd? kön he, — jö, — hdt, 
--'jämf — jd dät dujn? — Auf dieselbe Weise werden diese 
stellvertretenden Zeichen des Fürwortes in allen ähnlichen 
Fällen mit Zeit- Binde- und Omstandswörtem verbunden. So 
heisst z. B. ob er, sie, es, PI. sie, mit dem Fürworte, wirr he^ 
wkr jö, wirr hdt, wirr dät ball käme shaujl^ und im PI. wirr jd 
hall käme shäujn? bald kommen sollten; mit den Zeichen, wenn 
vorher die Rede von ihnen war, aber: wirrW {wirrer), wirr 's y 
wkr't, VI. wirr 's ball käme? Unpersönlich: wirr't äi gonge shäujl? 
ob *s nicht gehen sollte? wirr 's wäjl wese maage^ wo sie 
wohl sein mögen; wirr maages wäjl wese 9 wo mögen sie wohl 
sein? iekshdl jdm frage, wirrem häne wdn, ich soll euch fragen, 
wo ihr hin wollt; ick shdl jdm frage, wirr 's häne wdn, ich soll 
sie fragen, wo sie hin wollen. Wirrem (statt wirr jdm) zeigt hier 
die zweite , und mrr 's (statt wirr jd) die dritte Person der 
Hehrheit an. 

Spreche ich zu einem: wähl md, so kaast käme, dann wird das 
Fürwort du von den Zeitwörtern wäJit und kaast (känst) ver- 



214 

scMungen. Sage ich: wähl dömd, so kaast käme, dann darf das 
Fürwort im Nachsatze nicht wiederholt werden; wenn ich aber 
das dö gleichsam hindeutend gebrauche und sage: wäht dö md, 
$0 kaast dö oek käme, dann muss es im Nachsatze wiederholt 
werden. Sogar mit Fürwörtern werden diese stellvertretenden 
Zeichen verbunden, wie in folgenden Sätzen: da uiie wjdm äUe- 
male raset, an dirrfaar häm ick's üttsmdny die Eier waren alle 
faul, und deswegen habe ich sie ausgeworfen; he hSt sdn beste 
Bt^st farkäfiy er hat sein bestes Pferd verkauft; hitem forkäft? 
bat er 's verkauft? In dem Worte hitem, in welchem zugleich 
der Accusativ des männlichen Geschlechts bezeichnet ist, liegen 
die Wörter: hat er ihn, oder die friesischen: hit he kam, einge* 
schlössen. Ick häw hdm en Dualer froAtt, aurs he währen ai ASwe, 
ich habe ihm einen Thaler geboten» aber er wollte ihn nicht 
haben; wäßlem äi hime? wollte er ihn nicht haben? wirr ds kdrr 
Dogter? jö kSt's ült io tienen sänd; hitses üttsänd? ketses, hat sie 
sie, oder dieselbe? kSler'n, hat er ihn? heter's, hat er sie? im 
Sing, und Plur., häer'i^ hat er es? kSts'en, hat sie ihn? Aäs'es, 
hat sie sie? Sing, und Flur., hets't, hat sie es? kkeVen, hat es ihn? 
helet hdr, hat es sie? im Sing., Mietet, hat es es? hetet's, hat es 
sie? und so mit allen Zeitwörtern, die nur in solche Verbindun- 
gen treten können. 

§. 130. Die beiden sächlichen Fürwörter dat und hdi heissen 
beide es; jenes steht aber nur unpersönlich und stellvertretend, 
für leblose Gegenstände oder Sachen, dieses hingegen bloss für 
lebende Wesen vom sächlichen Sprachgeschlechte, als: dät fröst, 
es friert, dät toit^ es thaut, ist Thauwetter, dät ddwet, es thaut, 
es fällt Thau, dät rippet, es reift, dättunnert, läidet, rinnt y snäM, 
hagelt, wäit, staurmtj es donnert, blitzt, regnet, schneit, ha- 
gelt, weht, stürmt; dät händ hdm, es begab sich; dät gongt, 
es geht, u. s. w. Dät Bill ds klär, aurs dät lickent ni$it, das iSÜ 
ist fertig, aber es ist nicht ähnlich; dät Bijn ds tünnen, anrs 
dät det me äi sier, das Bein ist geschwollen, aber es thut mir 
nicht weh, u. s. w. Wdt shäset dät Shäip? hat läppt ja äU trina- 
dm, was fehlt dem Schafe? es lauft ja ^immer rund um; dät 
Bjäm het sdn Äirem tragen, hat maujt tö de Lähsesetter, das Kind 
hat seinen Arm gebrochen, es muss nach dem Gliedsetzer (Kii- 



215 

renker); mrrauv>er gälU dät Bjärnl hdl hÜ hdm äw en Spicker 
riwm, worüber weint das Kind ? es hat sich tn einem Nagel 
gerissen. 

Die Satze: es war einst ein Mann, es wird erzählt, es brach 
Feuer aus, es giebt Menschen, u. s. w., werden aber nicht diurch 
dät, sondern durch dirr (da) ausgedrückt, als: dkr was ijnsen 
tn M&fm, dirr w6rt forlilld, dirr bräik IjU üU, dirr sdn Mänshe- 
ne, dirr niß% Böhser ähse, die keine Butter essea. Dieses dirr 
entspricht dem dänischen d^, z. B. der fortälles, dirr wort fw- 
iilld; der siges, dirr wort säid; der var ingen hjemme, dirr was 
memimen inne; der döer mangen ung Mand, dirr sierrewt mdmith 
gen jungen Mdnshe. 

Aber in den friesischen Ausdrücken: dirr ^onge'Sy dirr snäke's, 
dirr dänse's, dirr sluhgge*s, dirr späle's u.s.w. ist das s am Ende 
des Zeitwortes das Zeichen der Mehrheit in der dritten Person 
für: jd, sie, und dirr gonge's heisst: da singen sie. Diese darf 
man nicht mit den dänischen Ausdrücken : der synges , der 
snakkes, der dandses, u. s.w. verwechseln, so ähnlich sie einan- 
der auch in den Formen zu sein scheinen. Die dänischen lassen 
sich nur durch werden, die friesischen nur durch ja, sie, in 
Verbindung mit dem Zeitworte auflösen. Der dandses ^ es wird 
da getanzt, oder da wird getanzt, dirr dänse's, da tanzen sie 
(nämlich die Leute). Ein paar Beispiele mögen diessklar machen, 
als: wdt mäget dät Fäujlk dirr? dirr riese's en Hüss, was machen 
die Leute dn? da richten sie ein Haus; dirr släwe's en Stijn, 
da schleppen sie einen Stein; dirr luppe*s to wedds, da laufen sie 
in die Wette. 

§. 151. Wenn die Fürwörter zurückkehrend gebraucht werden, 
so stehen die gewöhnlichen Fälle unverändert , das Fürwort mag sich 
nun auf Personen oder Sachen beziehen und in der Einheit oder 
Mehrheit vorkommen, als: ick me, dö de, he hdm^ jö hdr, hdt 
h4m^ dät hdm, pl. we üsSy jdm jdm, jd jdm, im Dualis: wdt unk, 
jdi junk, d. i. ich mich, mir, du dich, dir, er sich, sie sich, es 
sieb, wir uns, ihr euch, sie sich. Dual, wir (zwei) uns, ihr (zwei) 
euch (Yergl. §. 126). Beispiele: De Dring hit sin Bijn stät, dät dit 
h6m sier, an nö wdlVr hdm äi tofrShse jewe, der Knabe hat sein 
Bein gestossen, e$ thut ihm weh, und nun will er sich nicht 



216 

zufrieden geben; de Buhmm hei häm bied^ der Haum hat sich 
gebogen; dät Hüss kät häm gäujd hüllen, das Haus hat sich gut 
gehalten; jö hSt hdr forsäjn, sie hat sich versehen; da Jöngens 
häwe jdm bähset^ die Jungen haben sich gebadet; dät wdll häm 
nög finne , es wird sich schon Qnden ; dät jSfl häm nog , das giebt 
sich wohl. — Stehen sie nicht zurückkehrend, so kommen die 
Fälle nach Geschlechtern und Zahlen vor, als: fiähst dö de 
drunkne Mann säjn? hast du den trunknen Mann gesehen? ja, 
iek sack häm nög, aurs ick wqjl nint md hdm iö duhggen hewe, ja, 
ich sah ihn wohl, aber ich wollte nichts mit ihm zu schajffen 
haben; hähst ddn naieWäien all füngen? Ja, ick häw'en to de Smdss 
sänd , am'en beslüjn to läjtten, an wdner'en besläien het, shdUer'n to 
de Maler bringe, hast du deinen neuen Wagen schon bekommen? 
Ja, ich habe ihn zum Schmied geschickt, um ihn beschlagen zu 
lassen, und wenn er ihn beschlagen hat, soll er ihn zum Maler 
bringen. Sächlich: ick häw dät Kulew gwuid fausert, hdt ds nö ßtt, 
an dirrfaar wdll ick't ock mjärne slägtige, ich habe das Kalb gut 
gefüttert, es ist nun fett, und deswegen will ich 's auch mor- 
gen schlachten; dät Hüss ds üjll an forfSllen, an dirrfaar wäller't 
dälilbrege, das Haus ist alt und verfallen, und deshalb will er 's 
abbrechen. Pluralis: wirr sdn din Döwwe? Man Näiber sähs, de 
Allring häi's nümmen, oder: dät de Ällring's nümmen häi, mein 
Nachbar sagte, der litis hätte sie genommen, oder: dass der 
Htis sie genommen hätte. 

§. 152. Der Dualis wird im Nordfriesischen nur von Personen, 
seltener von Thieren und nie von Sachen gebraucht, es sei denn, 
dass man sich dieselben persönlich denkt und sie redend einführt, 
wie im Mährchen und in der Fabel. Sind zwei Menschen bei 
einander, so nennen sie sich nicht we, wir, sondern wdt, d. i. 
wir zwei oder wir beide; und redet man zwei zugleich an, so 
nennt man diese nicht Jim, ihr, sondern ja/, d. i. ihr zwei oder 
beide, wobei weder in dem einen, noch in dem andern Falle das 
Geschlecht berücksichtigt wird, als: wdt sdn hirr man älliene^ 
wir beide; wirr häwe jdl wähn? wo seid ihr gewesen? jät käme 
äUiene gonge, wdt wdn äi md, ihr beide könnt allein gehen, wir 
beide wollen nicht mit. Treibe ich zwei Lämmer, Schafe, Rinder 
u. s. w. vor mir her, so kann ich sagen: wdn jdt gonge! ick icf<iU 



217 

JHfiifc nSg s^jcrre. So z. B. En litten Dring $äks io stn twaier Pire- 
buhmme: jdi hinge so füll auf Pire, ick wall junk ijnsen skudde, 
däi jdt's falle Iqjtte, ein kleiner Knabe sagte zu seinen zwei Birn- 
bänmen: ihr hanget so voll Birnen, ich will euch einmal schüt- 
teln» dass ihr sie fallen lasset. 

Der zweite, dritte und vierte Fall heissen immer unk und junk, 
als: dö dähst unk Ünrogt, du thust uns Unrecht; het de Badd» 
mann junk bestSllenF hat der Bettler euch bestohlen? wat kaane 
unk äi ijn junk stwujnne; jdt kaane junk äi md unk mßjtte; huhm 
hU junk wat däjn? wer hat euch was gethan? wat wdn unk nög 
fortwäre (verantworten) , an junk nint efterjiwe (nachgeben). 

§. 433. Zu bemerken ist hier noch das persönliche Fürwort sSllew, 
selbst oder selber , welches den bezeichneten Gegenstand in 
seiner ganzen Eigenthümlichkeit darstellt, und die Verwechslung 
desselben mit andern unmöglich macht, als: ick sSllew^ dö sSlkw, 
he, jOf dät, hat, weyjdm,jä, wat, jdt selkw. Es ist unabänderlich 
und hat den Redeton, als: ick häw't sSllew hierd (gehört); wdi 
wjjim sillew töstSse (zugegen) ; he het me dät Bauck sellew for- 
ihret (geschenkt); jö hSt hdr sellew ambrögt, sie hat sich selbst 
umgebracht oder entleibt; he sprSgt alt auf hdm sMlew, er lobt 
sich immer selbst; dirr hähst de sellew äujn'e Ijägte stijnnen (im 
Lichte gestanden) ; dö bäst *r sellew Shajl äujn (Schuld daran). Mit 
dem Geschlechtsworte zusammengesetzt, entspricht es den deut* 
sehen Fürwörtern: derselbe, dieselbe, dasselbe, dieselben, als: 
mannlich desill'we, weiblich jösellew, sächlich dätselleto, pl. dd' 
siU'we. — Dät ds desell'we Mann, jösSllew Wöff, dätsellew Bjdrn, 
dirr ick enjörsne säch (gestern sah), dät sin däsSWwe Manshene. 

Wo das Wort selbst im Deutschen umstandswörtlich steht, 
braucht man im Nordfriesischen sögaar, sogar. 

Anmerkung, 

§. 434. Die Nordfriesische Sprache hat das mit der dänischen ge- 
mein, dass sie auf die Frage: huhm ds dirr? wer ist da? weil öfter 
den vierten, als den ersten Fall der Person setzt, und spricht: 
dät ds m6, das ist mich, statt: das bin ich; was aber nicht angeht, 
wenn das Fürwort in der Antwort voran steht , wo man antwor- 
ten muss: ick bdn't, ich bin 's; hc äs*t, er ist *s, u. s. w.. Die 

28 



218 

gewöhnliche Antwort durch alle Personen beider Zahlen ist daher 
folgende: dät ds me, de, hdm, hdr, üss, jdm, unk^ junk. Doch 
kann man auch sagen: däl bdn ick, dät ds he, jö, dät sdn we, 
jdm, jdf wdt^ jdt. Auf die Frage: bdst dö dirr? ds he, jö, dirr? 
antwortet man: ja, ick bdn hirr, he ds dirr^ u. s. w. Aber die 
Ausdrücke: dät was hdm sillew, hdr sellew, üss,jdm sellew, sind 
weit gebräuchlicher, und scheinen gewissermassen der Sprache 
eigenthümlicher zu sein als: he wäs't sellew, er war es selbst; 
ick tousst äi dät't de was (dass es dich war), aber auch: dät dö't 
wjdrst, dass du es warst. 

§. 455. Die deutschen Personwörter: jemand, einer , man, 
niemand, keiner, werden durch huhm, jemand, einer, man, und 
niemmen, niemand, keiner, vertreten, als: hähst huhm sdjn? hast 
du jemand gesehen? huhm mäujtet doch däjn hSwe , jemand (irgend 
einer) muss es doch gethan haben; dirr ds niemmen inne, da ist 
niemand zu Hause; dät kon jd niemmen ISse, das kann ja niemand 
lesen; huhm säit so, man sagt so; huhm kön 't äi wähse, man kann's 
nicht wissen; kön me dät huhm sedde^ kann mir das jemand sa- 
gen? huhm köhs't ndg [tanke, man konnte es wohl denken. Huhm 
hat im männlichen Geschlechte des Genitivs huhmsen, im weibli- 
chen, sächlichen und der Mehrheit huhms, als: dät ds huhmsen 
diene Fordijl, wdn'm flijttig ds, es is eines (unser) eigner Yortheil, 
wenn man flcissig ist; de Jöhsc sähs: huhm mäujt huhmsen äiene 
Fordijl äujn ^gt ndme, der Jude sagte: man muss seinen eigenen 
Yortheil in Acht nehmen; huhms dien Gagen, jemands eigener 
Nutzen; wdn'm [huhm) äi sünig äs, so äs huhms Gijl ball fortjärd, 
wenn man nicht sparsam ist, so ist eines Geld bald verzehrt; 
huhms Läwent wäret man kaurt, eines Leben dauert nur kurz; 
huhms Däsighäid mäujt 'm (1. mävjUem) öfling jöhr betäle, seine 
Thorhcit muss man oft theuer bezahlen ; huhms Bjdme Iddde 
Jtuhm jd doch dw*t Hdrt, unsere Kinder liegen uns ja doch am 
Herzen; wörtlich: eines Kinder liegen einem ja doch u. s. w.; 
huhms Togte kön jd niemmen räjdde, eines Gedanken kann ja nie- 
mand errathen ; Imhm wdll huhms dien jd doch nög töhuppe hüjlk, 
man will ja doch gerne das Seinige zusammenhalten. 

Niemmen hat im zweiten Falle niemmens, niemands, als: he 
wdll niemmens Tiener wese, er will niemands Diener sein; he is 



{ 



219 

niemmens Frünn, er ist nicmands Freund; dö shäht nicmmens 
gauhsen Name krdjnke^ du sollst niemands guten Namen kränken 
(lästern). 

Das zueignende oder besitzanzeigende Fürwort 
(Pronomen possessivum). 

§. 136. Die zueignenden Fürwörter heissen im männlichen 
Geschlechte: man, dm, sdn, harren, sdn, ühsen, unken ^ junken, 
jdrringe^ jdre, im weiblichen, sächlichen und in der Mehrheit: 
min, difiy sin, hdrr, sin, Ulis, unk , junk y jdrringe , jdre, Sie stehen 
sowohl vor, als hinter dem Hauptworte, sind aber sämtlich keiner 
Abänderung fähig. Anwendung: MdnHävßd, ddnRock, sdnWäien, 
harren Mönn^ deHäujd äs man, de Rock dsddny de Wäiends sdn, de 
Mann äs harren. Dät Kulew hSt sdn Hals fordräid; we häwe ühsen 
WijUe bürgen; unken Fidder ds slürwen; junken Wäien äs dmsmdn: 
jdrringe Fäujlk äs töfajlle; ja häwe jdre Kälte drangd; junken naie 
Slihse äs Memmen, u. s. w. Femer: Min Wo ff, din Fömmen, sin 
Süster, harr Dögter, üks Hüss, jdrringe Tünn, u. s. w. Dät Bjdrn 
Mi sm Naas räwen (gerissen); ühs Brüjd äs dp, unser Brot ist 
auf; wdt häwe unk Gijl üttdäjn (ausgegeben); jdt kaane junk Krämm 
behifjlle (behalten) ; jdre Fäujlk ging md jdrringe to Fäjlle , ihre 
Leute gingen mit den eurigen zu Felde; — min Hüss, man Hünn^ 
din Bjdrn, ddn Thäte^ sin Bräif, sdn Plaug, harren u^irem, hdrr 
FäjU, ühs Läujnn, ühsen Eher, unken Springstöck, junk Wonräjdde, 
eure Thorheiten; jdrringe Süss, jdre Frünne. De Wäien ds man, jö 
Swöhw ds din, an dät jijk ds sin, man Rock ds näi, ddn ds üjll^ 
diff Glees ds tenn, min ds tjock, ühs Tjöch ds fätt, jdrringe ds man 
mager, unser Yieh ist fett, eueres ist nur mager. — Dät Min an 
din, das Hein und Dein, wie im Deutschen. 

§. 137. Im zweiten Falle nimmt das Hauptwort beim zueignen- 
den Fürworte das Zeichen dieses Falles, nämlich ein s an; diess 
gilt für alle Geschlechter und beide Zahlen, als: Mdn Brauhsers 
Sahn, min Süsters Dögter, din Mudders Wiehdige (Wehtage), ühs 
ßjdmes Spaüjöch, unk Sösskenes u/rwepärt, unserer (zwei) Geschwister 
Erbtheil; jdrringe Döwwes Junge kaane all üttflijn, eurer Tauben 
Junge können bereits ausfliegen; ühsen Kinnings Mddder ds näjlke 
slMTwen, unseres Königs Tante ist neulich gestorben. 



220 

§. 158. Die drei Fürwörter: ühs , jdrringe undjare, stehen auch 
substantivisch, wie im Dänischen, für Haus^ Familie, z. B. ddn 
Brauhser äs äjU Üks, min Süster ds äjtt Jdrringe^ an oßtt Jdre kär 

we's Främde. Wirr was dät? oder mrr shäid dät? wo geschah es? 

• • • • 

Ajtt Uhs, äßtt Jdrringe, äjtt Jdre, d. i. in unserm, euerem, ihrem 
Hause, oder bei uns, euch, ihnen. 

§. 159. Es ist femer eine Eigenheit der Nordfriesischen Sprache, 
dass man, besonders beim Bedauern, Schelten und Schimpfen, 
statt des ersten Falles der zweiten Person den zweiten, nämlich 
das zueignende Fürwort dein und deine setzt, je nachdem das 
Geschlecht es erheischt, als: ddn Idjtte stäkeis Dring y dein kleiner, 
armer Junge, statt: du kleiner, armer Junge; ddn gratte Slüngel, 
du grosser Schlingel; din stäkeis Fämmen! du armes Mädchen; 
din idjtt dasig Erat, du kleines, albernes Ding; ddn irme Siäkel, 
du armer Wicht. Diess ist ebenso im Dänischen der Fall, als: 
din stakkels Dreng, din elendige Karl, u. s. w. 

§. 140. Es ist schon früher bemerkt worden, dass man niefat 
selten dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort vorsetzt, 
was noch häufiger geschieht, wenn das Hauptwort zugleich eiD 
Bestimmungswort vor sich hat, als: de man Sahn, jö min Dögter, 
de hdrren Jönge, jö hdrr Fämmen, de man i^lle Häjnst^ jö dim 
jung Söhg , dät ühs näi u/hk, Scheunen thor (Yergl. die erste 
Anmerkung zu §. 420). 

Das hindeutende Fürwort (Pronomen demonstrativum). 

§. 141. Dies lautet im männlichen Geschlechte: de hirre, de 
dirre, dejdnner, d. i. dieser hier, dieser da, und jener; weiblich: 
jö hirr, jö dirr^ jöjdnner; sächlich: dät kirr, dät dirr, d&tjim' 
Tier; pluralis: dd hirr, dd dirr, dd jdnner für alle Geschlechter. 
Anwendung: de hirre Buhmm ds man, de dirre ddn, an dejimmf 
sdn, dieser Baum ist mein, der da dein, und jener sein; deMrre 
Mann kaast liewe, de dirre äi so gwujd, an de jdnner ds gaar äi te 
trauen, diesem Manne kannst du glauben, diesem da nicht so 
gut, und jenem ist gar nicht zu trauen; jö hirr Rauhs ds smuek, 
jö dirre ds smuckere, aurs jöjdnner ds doch jö smuckst, diese Rose 
hier, diese da, aber jene u. s. w; dät hirr Hüss ds Hjll, dät dirre 
ds ältere an dät jdnner ds älst, Wdt faar trd Fögle hähst dirr gun* 



221 

gen? de hirre ds en Kukuk, de dirre en Jlgerhänny an de janner en 
KSmkwänker, dieser hier ist ein Kuckuk, der da ein Rebhuhn, 
und jener eine Wachtel. Plural: da hirr Gäis «an fäU, da dirre 
sdn foltere y aurs da jdnner sdn doch fällst; dd hirr Häujdde sdn 
finere as dd dirre an dd jdnner , diese Hüte sind feiner, als dies& 
da und als jene. — Wenn diese nicht als hindeutende Fürwörter 
stehen, so bedeuten sie auch: der hiesige, der dasige und dortige, 
als: de hirre Presler, der hiesige Prediger; de dirre Melier, der 
dasige Mijllev; jö jdnner Sjürk, die dortige Kirche. Statt de jdn- 
ner, jö jdnner, dät jdnner, sagt man auch: de jdnte, jö jdnte, dal 
jAnUy dd jdnte, welches sowohl die dortigen, als die jenseitigen, 
bezeichnet. 

§.442. Obgleich die hindeutenden Fürwörter: de hirre y de dirre, 
de jdnner, u. s.w., als solche, durchaus unabänderlich sind, so be- 
kommen sie doch das Zeichen des zweiten Falles, wenn sie zu- 
gleich das Hauptwort selbst mit vertreten , z. B. huhmsen Bibel ds 
däi? däl äs de hirrs, de dirrs, de jdnner s, dd jdnner s, wessen Bi- 
bel ist das? dessen hier, dessen da, jenes dort, jener dort; huhms 
ESwel äs dät F dät dsjö kirrs, jö dirrs, jöjdnners, wessen Weiber- 
rock ist diess ? deren hier , deren da, jener da ; huhms Bauche sdn dät? 
dSl sdn dd hirrSy dd dirrs, ddjdnners Bancke^ es sind die Bücher 
dieser hier, da, jener; wdl faaren Bjäms Bälle äs dät? dät hirrs ^ 
dal dirrs, däl jdnners; eben so im Pluralis: dd hirres, dd dirres, 
dd jdnners. 

§. 445. Da die Nordfriesische Sprache sich nicht zur Schriftsprache 
erhoben hat, so kommen die hindeutenden Fürwörter in den 
Nachsätzen nicht so vor, wie im Deutschen, wenn man nicht die 
bezeichneten Gegenstände wirklich vor Augen hat. Wenn daher 
drei Dinge mit einander vergleichend zusammengestellt werden, 
80 muss man sich der Wörter: de jdrste, de lähsere an de liste, 
(der erste, der zweite oder letztere und der letzte) bedienen, 
als^ Däl Reef, de Hünn an de View (Ölw) häwe faale mä enauser 
iofiUe, aurs dät jdrst ds snäsig (schlau), de lähsere trau, an de 
liste glibsh (reissend). Aber hier, wo wir die Wörter im Satze 
vor Augen haben, kann man die hindeutenden Fürwörter alle 
drei gut und bequem anwenden, als: de Hünn, de Ölw wn't Reef 
häwe faale md enauser to fälle, aurs däl hirr äs listig, de dirre 



.aMB^ 



222 

glübsh an de jdnner trau^ der Hund, der Wolf und der Fuchs 
haben vieles mit einander gemein, aber dieser hier ist listig, 
dieser da grimmig, und jener treu. 

Das vorwärtsdeutende Fürwort (Pronomen determinalivum). 

§. 144. Dieses Fürwort ist, der Form nach, ganz dem Ge- 
schlechtsworte gleich, nur mit dem Unterschiede, dass es immer 
den Redeton mit besonderm Nachdruck hat, als: De Mmshe ds 
locklick^ dirr en rien Gewäten hSt, der (derjenige) Mensch ist 
glücklich, welcher ein reines Gewissen hat; jö Tidd, dirr ijnsen 
spülten dsy kämt äi wihsser^ die Zeit, welche einmal verloren ist, 
kommt nicht wieder; dät Swinn, dirr we et^örsne slägtigten, käi 
faale Tonte, was tantig ^ das Schwein, welches wir gestern schlach- 
teten, hatte viele Finnen, war finnig; dd Mdnshene, dirr tiän Göd 
liewe^ sdn aane Träst äujn*t Untock^ die Menschen, welche keinen 
Gott glauben, sind ohne Trost im Unglück; oder: da, dirr dt 
äujn Göd liewe, sdn äiyfi't Unlock aane Träst, diejenigen, welche 
nicht an Gott glauben, sind im Unglück ohne Trost; de, dirr äi 
hiere wdll , mätyt fäile , derjenige , welcher u. s. w. (Hier kann 
auch huhm (wer) stehen, als: huhm äi hiere wdlly nmyt fäile, 
wer nicht hören will, muss fühlen); de, dirr gäujd smjärt, kjärt 
gäujd, wer gut schmiert, fährt gut; dd twäier Hünne, dirr märüng 
shähn würden, ujäm biese iml, die zwei Hunde, welche diesen 
Morgen erschossen wurden, waren beide toll; jö Wöff, dirr faar 
Aagedege haadigt würden äs, häi hdrren Mönn forjäwen, die Frau, 
welche vor acht Tagen enthauptet worden ist, hatte ihren Mann 
vergeben. 

Das zurückdeutende Fürwort (Pronomen relativum). 

§. 145. Die zurückdeutenden Fürwörter sind: dirr, huhm und 
wdt. Dirr entspricht den relativen Pronomen der, die, das, pl. 
die, und welcher, e, es, pl. e, z. B. Nero was en Mönn, dirr du- 
send Unshüllige pienige let , am hdm äujn jdre Ktvaal to högen, 
Nero war ein Mann, 4er tausend Unschuldige martern liess, um 
sich an ihren Qualen zu ergötzen ; dät äs jö Wöff, dirr harre» 
Mann, harr wägsen Dögter an hdrr Idjit spie Bjdrn forßwen hit, 
das ist die Frau, die ihren Mann, ihre erwachsene Tochter und 



225 

ihr kleines zartes Kind vergeben hat; jö Stäir, dirr dnlenne s6 
klär shind, wäs*e (jö) Ventis, der Stern, welcher gestern Abend 
so hell schien, war die Venus; dät Hüss, dirr he dät fdrre Ihr 
bdggdy ds märüng außrännd, das Haus, welches er im vorigen 
Jahre baute, ist diesen Morgen abgebrannt; dät Bjdrn, dirr faar 
en Idiet dähl äujn'e Süss feil, häwe's noch Idbben wihsser dptägen, 
das Kind, welches vor einer kleinen Weile in den Brunnen fiel, 
haben sie noch lebendig wieder heraufgezogen; da wille Jfnerte, 
dirr mddde ühs tömme gingen ^ sdn nägtling wäg flogen^ die wilden 
Enten, die unter unsem zahmen gingen, sind diese Nacht weg- 
geflogen. — Huhm (vergl. §. 155), heisst wer, hat im zweiten 
Falle huhmsen und huhms, wessen und dessen, deren: huhmsen 
beim männlichen, und huhms beim weiblichen und sächlichen Ge- 
schlechte, so wie auch in der Mehrheit. De Mann, huhmsen Airem 
aufshähn ds, kaum hirr näilke faarhäi, der Mann, dessen Arm 
abgeschossen ist, kam hier neulich vorbei; jö Wähs, huhms 
Dögter slürwen ds, wdll hdr nö wihsser befräie, die Wittwe, deren 
Tochter gestorben ist, will sich nun wieder verheirathen ; däi 
Bjamt huhms Jfllerne stürwen sdn, häw ick to me nümmen, das 
Kind, dessen Eltern gestorben sind, habe ich zu mir genommen; 
dd Fögle, huhms FäjH ahmen sän, kaane äi swumme, die Vögel, 
dereii Füsse offen sind, können nicht schwimmen. Auch in all- 
gemeinen Sätzen, wo ein Hauptwort die ganze Gattung vertritt, 
steht huhmsen und huhms im Nachsatze, als: De Wällfdsh, huhm- 
sen Töle so groU, an huhms Swällig so när dSy km man Häiringe 
d&jnke, der Wallfisch, dessen Maul so gross und dessen Schlund 
(Schwalch) so eng ist, kann nur Häringe verschlucken; jö Gäus^ 
md huhms Dummhäid so ofling spotet wort, äs üss äi so faale mdn- 
nere to grott Gagen md harr Fähsere an harr Flash ^ die Gans, 
mit deren Dummheit so oft gespottet wird , ist uns nichtsdesto- 
weniger von grossem Nutzen mit (durch) ihren Federn und 
ihrem Fleische; dd Ricke, huhms gause Dege huhm jdm ößing mds- 
gSnnti sdn sälten so locklick, äs we miene, die Reichen, deren 
gute Tage man ihnen oft missgönnt, sind selten so glücklich, als 
wir wähnen. — Wdt, was, steht nur im sächlichen Gcschlechte, 
aber nie nach einem eigentlichen Hauptwortc, als: dät ds alles, 
wdt ick häw, das ist alles, was ich habe; duhg, wdVr säit, thue. 



224 

was er sagt; dät ds dät Best, wdt dö d^ kaast, das ist das Beste, 
was du thun kannst; all dät Gäujd an Airig, wdi we däjn häwe, 
kämt äw ühs äien Räkning, alles Gute und Böse, was wir gethan 
haben, kommt auf unsere eigene Rechnung; huhm tört ai ältidd 
diyuy w&l'em wall, man darf nicht immer thun, was man will; 
alles, wäi's hety ds Göds Gaawe, alles, was sie hat, ist Gottes Gabe; 
alles, wit Ohme hii, low ühsen Hiere! alles,, was Odem hat, lobe 
unsem Herrn ! 

Anmerkungen. 

\. Huhmsen richtet sich nicht nach dem Geschlechte und der 
Zahl des Grundwortes , wie im Deutschen dessen und deren, 
sondern allein nach dem Worte, vor welchem es steht, als: dät 
Kameely huhmsen Hals so läng äs, das Kameel, dessen Hals so 
lang ist ; jö Law , huhmsen Stjart en Töle long Häier äujn 't Ijwne 
hat, der Löwe, dessen Schwanz einen Büschel Haar am Ende hat; 
im weibl. und sächl. Geschleehte und im pl. immer nur huhms. 

2. Dirr heisst auch da, was aber nicht leicht mit dem zn- 
rückdeutenden dirr verwechselt werden kann, wie im dem Satze: 
dirr ds de Mönn, dirr me släien het, da ist der Mann, der mich 
geschlagen hat; dirr äs dät Giß, dirr ick de löwet häw, da ist 
das Geld, welches ich dir versprochen habe. Ebenso heisst wdl 
nicht allein was, etwas, sondern auch wir zwei, als persönliches 
Fürwort der ersten Person im Dualis, als: wät häwe wät Spältjöck 
mäbrögt to da LäjUe , wir (zwei) haben etwas Spielzeug mitgebracht 
für die Kleinen. Beide diese wät stossen beim weiblichen Ge- 
schleehte und in der Hehrheit oft mit dem Buchstaben s zusam- 
men, als: läjtt's di^n, wät's wäll, lass sie thun, was sie will; 
Iqjtt's mäge, wät*s wän, lass sie machen, was sie wollen; ja frä- 
geten unk, wirr wät's hewe wjän, sie fragten uns beide, ob wir 
sie haben wollten; dirr sän haaw Röte ätyn'e Kämmer, wirr wit's 
wajl ßnge kaane? es sind einige Ratzen in der Kammer, ob wir 
(zwei) sie wohl fangen können ? Der Satz: läjtVs düjn, wät's wäll^ 
heisst ohne Zusammenziehung, vollständig ausgeschrieben: IßjU 
här dvjn, wät jö wäll, und lajtt's düjn, wät's wän: Ufjttjäm di^, 
wdt jd wdn. Dieser Fall tritt auch wirklich dann ein, wenn man 
zwei Parteien gegen einander stellt, als: ick duhg, wät ick wäll, 



225 

laia kdr nö düjn, wät jö wall; \oe duhgge, wät we wän, läjU jdm 
m dü^f wät ja wän, wobei dann die Fürwörter allemal stark be- 
tont werden. 



§. 446. Noch ist hier das Fürwort: solcher ^ e, es, pl. e, zu 
bemerken. Es heisst in allen Geschlechtern der Einheit vor Gat- 
tungsnamen, so wie yor männlichen Stoff- und Mengenamen: socken, 
vor weiblichen und sächlichen Stoff- und Hengenamen und in der 
Mehrheit soeky als: socken grollen Buhmm häw ick noch oller säjn, 
einen solchen grossen Baum habe ich noch nie gesehen; socken 
%\jU Meilen kaast ja äi mör brücke, eine solche alte Mühle kannst 
du ja nicht mehr gebrauchen ; socken Hüss mähs ick nög hewe , ein 
solches Haus möchte ich wohl haben ; sock Tähie maVr hält hiere, 
solche Mährchen mag er gern hören ; socken Winn hm he noch oU 
ler tmSgei; socken Bär, socken WijUe, socken Rdgge, solche Gerste, 
solcher Weizen, solcher Roggen; socken wUten Snie, solcher weis- 
ser Schnee. Dagegen: sock Tjöch, solches Yieh; sock Fäujlk, solche 
Leute, solches Yolk ; sock Gjärs, sock Födder, sock Sträi, solches Gras, 
Heu, Stroh, u.6.w. PI. sock hijn Kluhse, solche schlechte Kleider; 
soek grott Plöme^ solche grosse Pflaumen; sock lajit däsig Kröte, 
solche kleine alberne Dinger; sock läjttmjogsig Diele, solche schmut- 
zige Dingerchen. — Statt socken gebraucht man auch sünn für alle 
Geschlechter der Einheit, aber dann in der Mehrheit wieder sock, 
als: sünn Mann ^ sünn Wo ff, sünnBjäm, pi. sock Mann, söckWöffe, 
sock Bjame. Ein solcher, eine solche, ein solches, pl. solche, 
heisst sockenän, sockentjn, pl. sock, oder sünnän, sünnijn, pl. sock. 
Soek Spick, sock Flash, sock Brüjd, sock Järd, sock GrSt, sock 
Hiier, sock Häwer, sock Böhser, sock Liem, socken Kläi, solcher 
Speck, solches Fleisch, solches Brot, solche Erde, solche Grütze ^ 
solches Haar , solcher Hafer , solche Butter , solcher Lehm ., 
solcher Klei. 

Das Fragende Fürwort (Pronomen interrogaiivum). 

$. 147. Die fragenden Fürwörter sind: kuhm, wer? huhmsen, 
huhms, wessen? und wät, was? Beispiele: Huhm äs dirr? wer 
ist da? huhm hei dät säid? wer hat das gesagt? huhm hähst sprä- 
gen? wen hast du gesprochen? huhm hat dät tögi? wer hätte das 

29 



226 

gedacht? hufims Hüss ds dät? huhmsen Hünn kit de bdn? wessen 
Hund bat dich gebissen? hufims JBjame sdn dät? wessen Kinder 
sind das? ick fünn hirr en Pung mä Giß, huhmsen äs*t? ich 
fand hier einen Beutel mit Geld, wessen ist's? Wdt wird so 
gebraucht: wat mägest? was machst du? tro/ waht? was willst du? 
Aoal sähs'rF was sagte er? wdt ds dät? was ist das? wdt faar'en, 
Fdsh ds dät? was für ein Fisch ist das? wdt faar'en Tot mögest 
ilö dirr^ was für einen Lärm machst du da? 

Die deutschen Ausdrücke mit welcher ^ bei Ausrufungen und 
beim Verwundern, als: welcher Glanz! welch ein Held! und der- 
gleichen werden durch hocken und htkk ausgedrückt, als: hocken 
Tot! welch ein Lärm! hocken ävjnneten Dring! welch ein ungezo- 
gener Knabe! hock gauhs Dege hähst dö, welche gute Tage hast 
du! hock göhl Böhser! welche gelbe Butter! hocken Halt bdst dö! 
welch ein Held bist du! Wenn aber höck^ hocken nicht in Aus- 
rufungen vorkommt, so wird es fragend gebraucht » wenn man 
die Beschaflfenheit eines Dinges wissen will, z. B. hocken Häjnst 
hähst dö käft? en tredihrigen Brünnen y md ßauwer witt Fqjti, en 
Stcür faar*t Baad, an en wüten Sndpp dw*e Naahs, was für ein 
Pferd hast du gekauft? einen dreijährigen Braunen , mit Tier 
weissen Füssen, einem Stern an der Stirn und einem weissen 
Strich auf der Nase; hock Böhser hähst to forkupen? nai Stäup- 
pelböhser, neue Stoppelbutter. So wie hocken, hock nach der fie- 
scbaffenheit eines Dinges fragt, so gicbt socken und söek die 
Antwort darauf, als: hocken Pupp wäht hewe? sockenijn, äsjödkr, 
was für eine, oder welch eine Pfeife willst du haben? eine solche, 
wie diese da. Man fragt auch mit hockenän, höckenijn, ip\. hock, 
hünnän, hünntjn, pl. hock, und die Antwort darauf ist sockenän, 
sockenijn, sock, sünnän^ sünnijn, sock, als: höckenän mähst liefst 
lihsse? was für einen magst du am liebsten leiden? socketiän^ ds 
de hirre, solch einen, wie diesen hier; hock dst md de? ist wört- 
lich: wie ist's mit dir, d. i. wie befindest du dich? 

Das deutsche wie heisst Aörr, als: hörr wdllt? wie wills? hörr 
gongVt de, wie gehts dir? hörr hähst 'et? wie hast du'sT 



227 



Anmerkung über die Zusammenziehungen in der 
Nordfriesischen Sprache. 

§. 148. Sie hat deren eine ungeheuere Menge, die man auf deft 
ersten Anblick leicht für Zusammensetzungen halten könnte, was 
sie jedoch keinesweges sind. Ohne dieselben wäre die Sprache mi 
Umgange weniger fliessend, und würde, an Kürze dabei verlie- 
rend , sehr abgebrochen und holperig sein, weshalb sie nothwen- 
dig sind. Dahin gehören nun besonders die Geschlechtswörter 
und Fürwörter in Verbindung mit Umstands- und Zeitwörtern. 
Ich will hier einige dahin gehörige Beispiele auf eine dreifache 
Art niederschreiben, erstens so, wie die Sätze gesprochen würden 
und werden müssten, wenn man jedes Wort vollständig mitnähme; 
zw^tens so zusammengezogen, wie sie im täglichen Leben lauten, 
und drittens mit der Andeutung der Zusammenziehungen, als: 
I. iMfm he ai md wall, so kän he dät läjtte, %wännir äi mi wall, 
so kätmert lijUe^ 3. wann*r ai md wall, sökön'r*t IqjUe; i. kon 
jö kamsy so m&mji jö dät, 2. kons käme^ so mämtjts^ 3. k5n*s käme, 
9ö mm^t's; i. wann huhm äi waaget, so wdnt huhm nint^ 2. twiii- 
n^ifi id waaget, so wdntem nint, 3. wdnn'm äi waaget, so wdnt*m 
nmt. Die Sätze heissen: 1. wenn er nicht mit will, so kann er's 
lassen, 3. kann sie kommen, so muss sie 's, 3. wenn man nicht 
wagt, so gewinnt man nichts. — i. Dirr he äi köhs, dirr jd äi 
köhn, 3. dirrer äi köhs, dirrs äi köhn, 3. dirr'r äi köhs^ dirr*s äi 
ftöAft, da er nicht konnte, da sie nicht konnten, i. häwe jd dirr 
wihn? 3. häweser wahnF 3. häwe*s*r wähn? sind sie da gewesen? 
i.ipjrr he dät wusst, dät he dät hewe shäujlF 3. wirrert wusst, 
datiert hiwe shäujlF 3. wirr'r't wusst, dät'r't hiwe shoAnjl? ob er's 
wusste, dass er's haben sollte? i.wirr huhm dät waage dort? 3. 
mrremi waage dort? 3. wirr'm't waage dort ?oh\msin*s wagen darf? 
1. wirr slept he? 2. wirr slepter^ 3. wirr sliptW? wo schläft er? 
1. wirr slipt jö? 3. wirr slepts? 3. wirr slept's? wo schläft sie? 
1. wtrr sl4pt hat? 3. wirr sleplet? 3. wirr slept 't? wo schläft es? 
i. wirr slaipejä? 3. wirrsläipes, 3. wirr släipe*s? wo schlafen sie. 
Die Buchstaben r, s, und t, sind die Abkürzungszeichen für die 
verschiedenen Geschlechter, r für 's männliche, s für's weibliche 
und die Mehrheit, und t für*s sächliche Geschlecht; r steht für 

29 * 



228 

de und he, s für jö, ja und da, t für dät und hat, m für huhm 
(vergl. §. 129). 

Da s das weibliche Geschlechtszeiehen bei den Zusammenziehun- 
gen ist, so können die beiden Wörtchen As, als und wie, und 
äs, ist, bei weiblichen Hauptwörtern kein ferneres Geschlechts- 
zeichen bekommen, und eben so wenig in der Mehrheit, z. B. 
ds kaum, stöhs'e Wäien all faar'^ Döhr, als sie kam, stand der 
Wagen schon vor der Thüre; ds inneP ist sie zu Hause? As kaum" 
men, läi ick awebSd, als sie kamen, lag ich im Bette; äs gonge 
wi^l, als sie gehen wollte; ds smuck? ist sie hübsch? Im männ- 
lichen und sächlichen Geschlechte dürfen die Zeichen nicht fehlen, 
z. B. as*r kaum, als er kam; wirr ds'r? wo ist er? In fol- 
genden Fällen steht das l hinter dg beim weiblichen Geschlechte 
anstatt dät (es), als: ds'l hdr? ist sie es? oder auch: ist es ihr? 
(gehört's ihr?) ds't hdr sSllew? ist sie es selbst? 

Auch bei den Yerhältnisswörtem richten sich diese Zeichen 
nach dem Geschlechte der Hauptwörter, als: äw't Hüss, auf dem 
Hause; dp äw't Hüss, aufs Haus; äw*e TSle, auf der Diele, dem 
Fussboden; äw'e Haurd, auf dem Kirchhofe; unner'e Shiw^ un- 
term Tische; unner't Bedd, unterm Bette, unter 's Bett; auwer'i 
Wähser, über dem oder das Wasser; äujn'e Süss, in dem oder 
den Brunnen; i^t'e Hühs, in der Hdmath; auft Ldss , aus dem 
Gelenke; efter't Märked, nach dem Markte; häi*e Wäi^ am Wege; 
dor*e Waage, durch die Wogen; dör't Wdnning, durch*s Fenster; 
ijn't Uck, gegen die Wand; ijn*e Wäll, gegen den Wall; fim'e 
Hühs, von der Heimath; ftm't Liff, um 's Leben; äm'e Naurde, 
dm*e Süksse, gen Norden, gen Süden; dm*t Astm^ am*t Wisten; 
fmr'e Wüten, vor dem Wagen, u. s. w. 



SIEBENTES GAPITEL 

DAS ZEITWORT (Verbüm). 



§• 149. Das Zeitwort ist ihcils ein Stammwort, theils ein ab- 
geleitetes. Die Wörterklassen, aus denen es vorzugsweise als 
derivatum gebildet wird, sind Haupt-, Bestimmungs- und Zeitwör- 
ter selbst, wodurch jedoch die übrigen Wörterklassen, als Wur- 
zeln desselben, keineswegcs gänzlich ausgeschlossen sind. Die 
einfachste und ursprüngliche Form desselben ist das Wandel worl, 
das sich, wie im Deutschen, allemal auf en oder n endigt, und 
auch die Endungen ein und em mit dem deutschen Zeitworte 
gemein hat, als: läwen, leben; sträwen, i, streben, 2. streiten; 
shaamen^ sich schämen; sägeln^ hintaumeln, in Ohnmacht fallen; 
prigeln, stricken; ujärpeln, worfeln; gräpeln, grapsen; läwem^ 
liefeni; bowem^ zittern; knabbern , klappern, u. s. w. 

Bildung des Zeitwortes. 
a. Aus Hauptwörtern. 

^150. Da die deutschen Stammwörter sich hier leicht aus 
dem Zeitworte erkennen lassen, so soll dieses, mit Uebergehung 
der deutschen Substantive, bloss erklärend beigefügt werden, als: 

}öAart, aarten, arten. de Bäirig, bäirigen, bergen, 

dlt ^ller, dillern, altem. dät BSädy bidden^ betten, 

de udnker, änkem, ankern. de Bjärsely bßrseln^ bürsten. 

dst ufr, ären, narben. dat BUk^d, bli^dden^ bluten, 

jö udirw, ärwen, erben. dat Bjäm, lyämen, kindein. 

de wd&e, äwen, nachäffen, efter- de Bjäm^ l^ämen, bömen. 

äwen. de Bunk, bunken, aufhäufen, 

jö Baan, baanen, bahnen. dat BiUy bilhm^ bildern. 

de Bälle f ballen, den Ball auf- dat Bijn, bijnseln, abstiefeln. 

fangen. jö Blähs, bUhsen , flanunen , 
jöBäik, bäiken, beuchen. lohen, 

de JSqjttely bäijUeln^ meisseln. jö Blühs , bläisen , Blasen werfen. 



230 



dät Bless, blihsen, blättern. 

dat Block, blocken y blocken. 

jö Blossem, biossmen, blühen. 

de Bolle, böllnen, schwären. 

de Bössei, bösein, bosseln. 

dat Buhrk, buhrken, borken. 

de Brödd, brödden, stacheln. 

de Dämp, dämpen, dampfen. 

de Ddsh, ddshen, auf- oder ein- 
füllen. 

de Däunve, ddwwen^ thauen. 

de Dick, dicken ^ deichen. 

de Dömm, dömmen^ dämmen. 

de Dröpp, dröppen^ tröpfeln. 

jö Druhg, drugen, seihen, sei- 
gen. 

de Druhm, driemen, träumen. 

de Drüpp, drüppen, träufeln. 

de Ebbe, Sbben, ebben. 

dat Edder, eddem, eitern. 

de Egge, Sggen, anreizen. 

4 

de Enn, innen, Abend werden. 

de Eme, emen, brödmen. 

dat Färrew, ßrwen, färben. 

dat Fäll, fällen, fiUen. 

dat Fall, fällen, nachlaufen. 

de Fäsh, fdshen, fischen. 

jö Fäig, fäigen, fügen. 

jö Fäihs, fößdden, unterhalten. 

de Fähser, fahsem, mausern. 

dat Fwijlk , befwujlken, bevölkern. 

jö Feel, feien, feilen. 

}ö Fistel, f%sUln, ^izm, abfitzen. 

dat Fauser, fausem, i. futtern, 

2. füttern, 
dat Fkk, fkken, fachen, 
de Fläbbe, fläbben, s. §. 151. 



}öFlüg, flogen, regenschauem. 

Aq Flagge, flaggen, flaggen. 

jöFlaaü, flaaUen, flöten. 

jö Flätydd, Flä^Men , fluthen. 

deFmUe, füjllen, falten. 
fälligen, die Hände falten. 

jö Fragt, fragten, frachten. 

iRlForgäfi, forgäften, vei^iften. 

jö Frugt, flrugten, fruchten. 

jö Furrig, farrigen, furchen. 

de Flcbck, fläeken, flecken, flicken. 

jö Faurk, fäirken, aufgabeln. 

ieFä^iU, fäitteln, anfüsseln. 

AeFdinger, fdjngem, fingern. 

de Frünn, befrünnen, befreun- 
den (sich). 

deFaurme, faurmen, formen. 

jö Fäihsem, fäihsmen, fadmen. 

de Gaawe, begaawen, begaben. 

de Gäihs, gäihsen-, düngen. 

dat Gäi^l, forgSllen, vergolden. 

jö Gaus {Gös), gösen, gänsehi. 

de Grünn, grünnen, gründen. 

de Gjärd, gjärden, gürten. 

dat Gratim, ^roJmen, ausweiden. 

dat Grüss , grühssen , griesen , 
gröhsen, knirschen. 

de Grdnse, gränsen, gränzen. 

de Gn&hse, begnähsigen, begna- 
digen. 

dat Gjärs, gjärsen, 1. grasen, 
2. grasen. 

jö Gunst, begünstigen, begünsti- 
gen. 

de Gläns, glänsen, glänzen. 

jö Grauf, grauwen, graben. 

de Gruppel, grüppeln, s. §^131. 



231 



de GUs, gitsen, geizen. 

jö Härrew, härrewen, eggen. 

de Hämmer y hämmern, hämmern. 

jö Eäwel, häweln, hobeln. 

dat jBoter, häiren, baren. 

de Haupp, hauppen, reifen. 

de Häge, hägen, haken. 

de Hagel, hageln , hageln. 

jö Hagel, hageln, hecheln. 

jö Hesp, hSspen, haspeln. 

jö Hüdd^ hüdden, häuten. 

de Hupp, huppen, häufen. 

de Hocke, hocken, garben. 

de Hunger, hungern, hungern. 

dät Haad , huadigen , köpfen , 
enthaupten. 

jö Hähg , hägen, das Heck 
schliessen. 

d9t Hüss, hühssen, behausen. 

jö Häujnn {Hön), hdndeln, han- 
deln. 

jö Häujnn, hijnnen, auffangen, 
hijnnigen, inhijnnigen, einhän- 
digen. 

jö Hijll, hijllen, beiden. 

jö Bjäm. hjärnen, s. §. i5i. 

de His, be-ihsigen, beeidigen. 

dät Iss, ihssen, eisen. 

de Ijnne, ijnnen, enden. 

dät Jädder, jäddern, entern. 

dat Jack, jögen, jochen. 

de Jörder, jördern, (Hirte), hüten. 

jö Kaar, haaren, karren. 

jö Kaard, kaarden, karten (spie- 
len). 

de Kalk, kalken, kalken. 

dät Kann, kannen, kinnen. 



de Kant, kanten, kanten. 

de Kägeh kägeln, kegeln. 

jö Käwel, käweln, koppeln. 

de Kele, kelen, keilen. 

jö Kohl, kolken, s. §.i5i. 

dät Küt, kitten, kitten. 

dät Kldster, kldstem, kleistern. 

de Kläi, kläien, kleien. 

jö Kldink, klainken, klinken. 

de Klömp, kldmpen, klampen. 

de Klump , klumpen , klumpen. 

de Klütt, kirnten, flicken. 

de Kohle, forkohlen, verkohlen. 

de Kurde , kurden , karden , 

krämpeln. 
da Kluhse, kluhsen, kleiden, 
de Knepel, knepeln, knüppeln, 
jö Kniep, kniepen, schnallen, 
de Knopp, knoppen, knospen, 
de Kndpp, knoppen, knöpfen, 
de Knote, kneten, knoten, 
jö Krack, kracken, krücken. 
de Kräns, krausen, kränzen, 
dät Krämm, kramen, kramen, 
dät Kräwel, kräweln, krüppeln. 
dät Krilt, kr'Uten, kreiden. 
dsxKrüss, krühssigen ,\iveuz\^eii, 
dät Kulew, kulwen, kalben, 
de Kläck, kläcken, kläcksen. 
dät Kaum, kjarneti, körnen, 
jö Kjärl, kjdrlen, gerinnen, 
jö Kldw, kldwern, klauern. 
de Klönke, klönken, werfen, 
de Kaumm, klemmen, kämmen, 
de Koppel, koppeln, tragen, 
de Kropp, kröppen, sich bekör- 

pem» beleiben. 



SS2 



jö Kugel, kMgeln, kugeln. 

de Kunst ^ kunstein, künsteln. 

dät Laager, laagem, lagern. 

d3t Lack, lacken, lacken. 

jö Länk^ länken, ketten. 

dat Läth, Uthen, latten. 

de Läpe^ lapen, ausbessern. 

dat Laumm, laummen, lammen. 

dät Lmjnn, lätj^nnen oder Uk^ti' 
nigen, landen. 

dät Lees, ISsen, laden. 

dät Lös, lösen, losen. 

dsLillAmm, limmen, leimen. 

d&t Lä^dd, lüjdden, löthen. 

dät Lüjn, lunen, lohnen. 

jö Last, lasten, leisten. 

dat Lock, locken, glücken. 

de Lacke, locken, löckeln. 

jö Lufl, lüften, lüften. 

jö Lüss, lühssen, lausen. 

de Löper^ löpern, schüssern. , 

jö Lierk, lierken, s. §.451. 

dät L&ck , lücken , schliessen , 
belücken, einschliessen. 

dat Malt, malten, malzen. 

de Mäister, maistern, meislern. 

jö Mäßd, majdden, mähen, ma- 
then. 

de Jfist, misten, nebeln. 

de Mjogs, mjogsen, ausmisten. 

jö Mohr, möhren, mauern. 

jö Müss, mühssen, mausen. 

dat Mudder, muddern, aufschläm- 
men. 

dät Münster, münstem, mustern, 
jö Munt, münien, münzen, 
jö Molke, mölien, melken. 



de Näujtte, nm^tten, melodieb. 

dat Ntbb, nSbben, schnäbeln. 

jö Nill, nillen, nesseln, sich 
daran brennen. 

dSitNest, nSsteln, nisten, nisteln. 

de Njütte, lyütten, nützen. 

jö Nüjdd, nißdigen (nijdsägen), 
durch Zwang nöthigen. 

de JVarr, narren, narren. 

dät Öfer, 5 fem, opfern. 

jö Öngel^ ingein, angeln. 

de Ohme, okmen, athmen. 

dät Pack, pdgen, pichen. 

jö Pal, palen, schelfen. 

de Päpe, päpen, an der Brust 
saugen. 

jö Pari, pdrlen, perlen. 

dät Power, päwem, pfeffern. 

dat Pdss, passen, pissen. 

jö Päujn, pau^nnigen, pfänden. 

jö Penn, pennen, mit dem höl- 
zernen Wirbel, der Penne, 
yerschliessen. 

de Pick , picken , picken , stacheln. 

jö Pietsh, pielshen, peitschen. 

dät Pär, pären, paren (sich). 

de Pläck, placken, flecken. 

däi Piaaster, plaastern, pflastern. 

de Plaug, plaugen, pflügen. 

jö Plönt, plönten, pflanzen. 

jö Prauhs , prausen , trödeln , 
tünteln, faseln. 

jö Präms, prdmsen, premsen. 

de Plöck, plöcken, pflöcken. 

de Pöjnte, pöjnten, würfeln. 

de Pose, pösen, bauschen. 

dePung, üttpungen, ausbeuteln. 



2S3 



^ägel, prägein, stricken. 

tle, aufpulen y abpfählen. 

imp, pumpen, pumpen. 

•ocÄ, prdcken, pricken. 

ijnn, prijnnen, pfriemen. 

^user, pusem, pudern. 

}uähter , quälslem , quäl* 

•n. 

nk, ranken, ranken. 

auser, rausern, rudern. 

äjdd, räjdden, i, rathen, 

3rrathen. 

'gel, rädgeln, regeln. 

sp, räspen, raspeln. 

ftr, riwen, harken, rechen. 

ieck , riecken , räuchern , 

ken, rauchen. 

Inn, r^nen, regnen. 

pp, rippen, reifen. 

ik, rw/bcn, schobern. 

hmme, ruhmmen, rahmen, 

ahmen. 

lamm , rümmen , räumen , 

men, Gelass haben. 

tp, rupeln, ein Tau auf- 

en. 

SS, berühssen, berauschen. 

fim, rimmen, reimen. 

il, forsaalen, versohlen. 

ibel, saabein, säbeln. 

hg, sägen, sägen. 

!/, sällen, satteln. 

ül (jetzt dät Sähw), säilen, 

ten. 

ilt, sälten, salzen. 

inn, besannen, besinnen. 

Igel, sägein, segeln. 



dät Sägel, farsägeln, versiegeln. 

de Senne, sinnigen, sündigen. 

dRi Siep, siepen, seifen. 

dät Selwer, fors4lwem, versilbern. 

dät Shop, shäwen, schiffen. 

jö Shaahs, shaasen, verriegeln. 

de Shauch {Sho), shäien, schuhen , 
die Pferde; ihnen Hufeisen 
unterlegen. 

jö Shauwel, shauweln, schaufeln* 

']ö Shäl, shäien, schälen. 

dat Shämmel, shdmmeln, schim* 
mein. 

de Shänse, shänsen, schanzen. 

de Shäse, beshäsigen, beschädi- 
gen. 

de Shäne, shänen, beschienen. 

jö Shruw, shruwen, schrauben. 

dcShocke, shocken, hocken. 

de Seck, sScken, sacken, sacken. 

de Sdrkel, sdrkeln, zirkeln. 

de Sdmmer, sdmmem, sommern. 

jö Själl, själlen, s. §. i5i. 

dät Shümm, shümmen, schäu- 
men. 

jö Shüll, beshülUgen, beschul- 
digen. 

jö Shäjl, beshäjlligen, beschul- 
digen, richtiger als beshüU 
ligen- 

dät Smähr, smeren, schmieren. 

dät Slubb, slubbem, schlürfen. 

de Snie, snäien, schneien. 

jö Sling, slingen, schleudern. 

jö Snär, sfiären, schnüren. 

jö Sjäm, s^rnen, buttern. 

de Säihs, säihsen, käsen. 

30 



SS2 



jo Kugel, higeln, kugeln. 

de Kunst ^ kunstein, künsteln. 

dät Langer, hagem, lagern. 

d3t Lack, {öc^tffi» lacken. 

jö Länkj Unken, ketten. 

dat iMh, läthen, latten. 

de Läpe, lüpen, ausbessern. 

dat Laumm, laummen, lammen. 

dät Läujnn, lät^nen oder Uu^- 
nigen, landen. 

dät Lees, ISsen, laden. 

dät Lös, lösen, losen. 

iÄil Limm, limmen, leimen. 

d&t Löidd, lüjdden, löthen. 

dät Luiin, lunen, lohnen. 

jö Last, lasten f leisten. 

dät Lock, locken ^ glücken. 

de Locke, locken, löckeln. 

jö Lufl^ lüften, lüften. 

jö Lüss, lühssen, lausen. 

de Löper, löpern, scbüssern. . 

jö Lierk, lierken, s. §.451. 

dät Lück , lücken , schliessen , 
belücken, einschliessen. 

dat Malt, malten, malzen. 

de Mäistet\ mäistern, meistern. 

jö Mäßd, mäjdden, mähen, ma- 
then. 

de Jfist, misten, nebeln. 

de Mjogs, mjogsen, ausmisten. 

jö Mohr, möhren, mauern. 

jö Müss, mühssen, mausen. 

dat Mudder, muddem, aufschläm- 
men. 

dät Münster, münstem, mustern, 
jö Munt, münien, münzen, 
jö Mölke, molken, melken. 



de Näujtte, nm^Uen, melodieki. 

dat Ntbb, nSbben, schnäbeln. 

jö Nill, nillen, nesseln, sich 
daran brennen. 

dSitNest, nistein, nisten, nistein. 

de Njütte, njütten, nützen. 

jö Nüßdä, nißdigen [nijdsägen], 
durch Zwang nöthigen. 

de Narr^ narren, narren. 

dät Öfer, öfem, opfern. 

jö Öngel^ ingein, angeln. 

de Ohme, ohmen, athmen. 

dät Pack, pagen, pichen. 

jö Pal, palen, schelfen. 

de Päpe, päpen, an der Brust 
saugen. 

jö Pari, pdrlen, perlen. 

dät Pdwer, päwem, pfeffern. 

dat Pdss, passen, pissen. 

jö Pävjn, paiynnigen, pfänden. 

jö Penn, pennen, mit dem höl- 
zernen Wirbel, der Penne, 
vcrscbliessen. 

de Pick, picken, picken, stacheln. 

jö Pietsh, pietshen, peitschen. 

dät Pär, pären, paren (sich). 

de Pläck, placken, flecken. 

dät Piaaster , plaastern , pflastern. 

de Plaug, plaugen, pflügen. 

jö Plönt, plönten, pflanzen. 

jö Prauhs , prausen , trödeln , 
tünteln, faseln. 

jö Präms, prdmsen, premsen. 

de Plöck, plöcken, pflöcken. 

de Päjnte, pöjnten, würfeln. 

de Pose, pösen, bauschen. 

dePung, iUtpungen, ausbeuteln. 



2S3 



^ägel, prägein y stricken. 

tle, aufpulen f abpfählen. 

imp, pumpen, pumpen. 

'dck, prdcken, pricken. 

ijnn, prijnnen, pfriemen. 

^user, pudern, pudern. 

}ttälster, quälstern, quäl* 

•n. 

nk, ranken, ranken. 

auser, rausern, rudern. 

äjdd, räjdden, i, rathen, 

3rrathen. 

'gelf räigeln, regeln. 

sp, räspen, raspeln. 

rw, rSwen, harken, rechen. 

ieck , necken , räuchern , 

ken, rauchen. 

Inn, rSnen, regnen. 

pp, rippen, reifen. 

ik, t*M/ije», schobern. 

hmme, ruhmmen, rahmen, 

ahmen. 

\ümm , rümmen , räumen , 

men, Gclass haben. 

ip, rupeln, ein Tau auf- 

en. 

SS, berühssen, berauschen. 

um, rimmen, reimen. 

il, forsaalen, versohlen. 

ibel, saabein, säbeln. 

hg, sägen, sägen. 

!/, sällen, satteln. 

ül (jetzt dät Sähw)f säilen, 

ten. 

iU, Saiten, salzen. 

inn, besannen, besinnen. 

Igel, sägein, segeln. 



dät Sägel, farsägeln, versiegeln. 

de Senne, sinnigefi, sündigen. 

dRi Siep, siepen, seifen. 

dät Selwer, forselwem, versilbern. 

dät Shop, shäwen, schiffen. 

jö Shaahs, shaasen, verriegeln. 

de Shauch {Sho), shöien, schuhen , 
die Pferde; ihnen Hufeisen 
unterlegen. 

jö Shauwel, shawveln, schaufeln« 

']öShäl, Skalen, schälen. 

dat Shämmel, shdmmeln, schim* 
mein. 

de Shänse, shänsen, schanzen. 

de Shäse, beshäsigen, beschädi- 
gen. 

de Shäne, shänen, beschienen. 

jö Shruw, shruwen, schrauben. 

de Shöcke, shocken, hocken. 

deSeck, sScken, sacken ^ sacken. 

de Sdrkel, sdrkeln, zirkeln. 

de Sammer, sdmmem, sommern. 

jö Själl, själlen, s. §. 15i. 

dät Sfiümm, shümmen, schäu- 
men. 

jö Shüll, beshülUgen, beschul- 
digen. 

jö Shäjl, beshäjlligen , beschul- 
digen, richtiger als beshüU 
ligen. 

dät Smähr, smeren, schmieren. 

dät Slubb, slubbem, schlürfen. 

de Snie^ snäien, schneien. 

jö Sling, slingen, schleudern. 

jö Snär, sfiären, schnüren. 

jö Sjäm, s^rnen, buttern. 

de Säihs, säihsen, käsen. 

30 



SS4 



de Shimp, slumpen, schlumpen. 

jö Sp&r, sparen, spornen. 

däi SpöVy sparen y spüren. 

de Slimm^ slimmen, schleimen. 

de Sjdme, ^mm^m, schimmern. 

de Slähse, slähsen, (der Schlit- 
ten). 

de Spicker, spickern, nageln. 

dät Spägel, spägeln, spiegeln. 

de Shuller, shullern, schultern. 

jö Spann, spännen, spannen. 

ddt Stof, stöwweti, stieben. 

de String, bestringen , besaiten. 

dät Spät, spähsen, spiessen. 

de Slijn, stienigen, steinigen. 

de Sträujn, sträujnnigen , stran« 
den. 

de Staurm, staurmen, stürmen. 

de Stamm, stammen, stammen. 

jö Stjöi, stjöien, schaukeln. 

dät Sulew, sulwen, salben. 

de Stall, Ställen, stallen. 

jö Spung, spungen, spangen, mit 
der Spange befestigen. 

dät Staat, forstaalefi, vcrstählen. 

de Späse, späsen, abspaten. 

de Staayel, staapeln, stapeln. 

jö Shätt, beshätten, bcschatzen. 

dHSldmmf slommen, aufscbläm- 
men. 

de Smjtter, sndjttern, tischlern. 

de Sötter, söilern, schustern. 

de Shrüjddet\ shrüjddern, schnei- 
dern. 

dät Swaawel, swaaweln, schwefeln, 
jö Spirry spirren, keimen , spros- 
sen. 



de Straal, slraalen^ strahlen, 
de Stümper f stümpern, stümpern. 

dsilSmink, sminken, schminken. 

dät Smull, smullem, krümmcln 
(to crumble). 

de Stäiwel, stäiweln, stiefeln. 

jö Spaul, Spanien, spulen. 

dät Spünn, spünnen, spunden. 

dät Spütt, spülten, spützen. 

jö S^arr, stjörrefi, steuern. 

de Swierm, swiermen, schwär- 
men. 

dät Stähk, stäken, stakzäunen. 

jö Strädd, strädden, grätschen. 

jö Staurk, staurken, storchen. 

de Stelle, stellen, stelzen. 

dät Sträi, sträieln, streuen. 

de Suhmm, suhmmen, säumen, 

jö Swiep, swiepen, einwindeln. 

dat Swim^t, swierten, schwärzen. 

de Stücke, stücken, aufstauchen. 

de Stippe, stippen, stützen. 

dät Steef, stiwen, da üben. 

dät Sucker, suckern, zuckern. 

de Swäck, swdcken, zwicken. 

dät Swinn, swennen, Schweinen. 

dat Swijtt, stoattcfi, schwitzen. 

de Täms, tämsen, sieben. 

dät Tann, fortännen, verzinnen. 

dät Tiecken, tiecknen, zeichnen. 

jö Tiem, tiemen, diemen. 

de Taget, togeln, zügeln. 

de Toll, tdllen, zollen. 

de Topp, töppen, s. §. löi. 

jö Trel, treten, rollen. 

de Täpe, täpen, zapfen. 

de Tjäre, tjären, thecren. 



235 

jüdder^ tjiMern, töddcrn, anhalten mit der Arl>eit. 

ern. de Vhrs, uhrsen, lenzen. Früh« 

iwse, tjdweln, zanken. ling werden. 

ntle, tonteln, klöppeln. jö Wägg, wäggcn, wiegen in der 

ästy trästen, trösten. Wiege. 

äiü, trätven, stiegen. dat WägSy wägsen, wichsen. 

äwel, träweln, auftrieseln. dat Wähser, wäscrn^ wässern. 

wil, twelen, sabbern. de Wälle , bewdlligen , bewilligen. 

}äge, twägen, ankleben. de Wärky wärrigm, schmerzen. 

mmelf trommeln, trommeln, de Wjärt, beiojärten, bewirthen. 

dgter , trägtigen , irichiern, dät Wirk , wirken y ein Wirk 

'is, tritsen, tritzen. setzen. 

jdrn , twjdrnen, quernen. jö Wöff, wöwwen, weihen. 

nne, tünnen, zinken. de Wonter, wontem, wintern. 

hg , iigen , äjtugen , streben , 

erkungen über diejenigen der vorstehenden Zeitwörter, 
eiche nicht genau den deutschen entsprechen oder in 
der Bildung abweichend sind. 

151. Bjämen, verb. pass., geboren werden, als: mrrbästbßr' 
od/nne bäst bjämetF wo, wann bist du geboren? hähst't Tjöeh 
t? hast du das Vieh getränkt? Buhrken, ist nicht allein 
ken, sondern auch gerben, als: dät Lähser ds äi nög buhrket, 
■eder ist nicht gar gegerbt. Brddden, mit kleinen scharfen 
1 beschlagen, um auf dem Eise stehen zu können. Dämpen, 
vrohl dampfen , als dämpfen. Basken , mit einer kleinen geöhr- 
;hale auf-, ein- oder umfüllen , diese heisst (^e Do^A. Emen, be» 
let das Aufsteigen heisser Wasserdämpfe oder des Brodems. 
;, von dät Fdlly das Füllen, ist einem nachlaufen, wie ein 
I der Mutterstute. Die Wörter /'ÄJÄen, secken^ hocken, shocken, 
n nur vom Getreide gebraucht, und heissen fachen, sacken^ 
i und hocken y als beim Einfahren, dät Kaum ßcket gäujd, 
gut im Fach oder füllt die Fächer gut; dät hocket gavjd, 
; gut; shöcket gäujd, hocket gut; sicket gaujd, träwet gä/uß, 
t gut in die Stiegen. De Fläbbe, fläbben, die Flabbe, dän. 
ab, at fläbe, das Maul herabhängen lassen. Fäjtteln, ist 

30* 



236 

Vorschüben, Füsslinge an Strümpfe stricken, dpfajUeln. Grmnen, 
gründen, darf nicht mit grünnen (to grind), auf der Mühle mahlen, 
verwechselt werden. Grühssm, ist i, zu Gries malmen, 2. mit 
Gries belegen, z.B. die Gänge im Garten. Gröhsen^ bezeichnet den 
knirschenden Laut und die damit verbundene unangenehme Em- 
pfindung, den z. B. Sandkörner und kleine Steinbrocken zwischen 
den Zähnen verursachen. Grauwen^ ist trockne Graben reinigen 
oder a uf werfen ; grup/^e/n, kleine Abzuchten graben. Hauppen, v. tr., 
ein Fass reifen. Hagen, das Heck zuschliessen. HijUeny die Heide 
oder Fussfessel anlegen. Hjämen, von jö Ifjärn, die Ecke, der 
Winkel, ist Kranke besuchen, um sich nach ihrem Befinden zu er- 
kundigen , wo man dann gewöhnlich zu Häupten des Bettes im 
Alkoven Winkel (jö Hjärn) sitzt, fjnnen^ ist i. beendigen, voll- 
enden, 2. enden, 5. dem Ende sich sichtlich nähern, als: wanne 
kaast'et ijnne? wann kannst du es vollenden? /torr wdli dät ijnne? 
wie wird das enden? dät uirhed änt nint, die Arbeit schreitet 
nicht vorwärts, dem Ende zu. L^i Jädder , jäddem , entern, gegen 
die Zeit des Kalbens, von Kühen: jö Kö jäddert nö gmjd^ die Kuh 
entert nun gut. Kolken, mit Schüssern oder Knickern (Löpere) in 
einem Grübchen spielen. Jö Kldjnk, die Klinke, kldjnken, i. die 
Thürklinke in die eiserne Falze fallen lassen oder drücken , 2. etwas 
zusammennieten. Klömpen, i. klampen, 2. die grossen Heu- und 
Getreideschober aufsetzen. Kldwem, klettern, aber mittelst der 
Klauen, d.i. der Hände, bei Menschen. Kappeln , jemand huckepack 
tragen. JöLierk^ eine kleine, flache, krause Brannteweinflasche, 
die man in der Tasche tragen kann, wovon die Liebhaber fleissig 
ein Schlückchen zu nehmen pflegen, was man lierken nennt: nü 
hU*r all üUlierket, wdt dirrätyn was, Dät Lück, lücken^ die Luke 
zumachen, und überhaupt zuschliessen. Räßddm, i. rathen , einem, 
2. errathen, 5. zu befehlen, gebieten haben. Dei^up, s. oben, engl 
a ro<ypy davon dbrupeln, das Tau in einen Kranz zusammenreifeln. 
Bemlissen^ i . berauschen , 2. verschüttet werden, z.B. vomGeröUe, 
einem Bergsturz und dergl. Sdcken, ist sich mehr nach unten 
ziehen. Själlen^ nach etwas aussehen, etwas gleichen oder ähnlich 
sein. Jö Shüll, ist die Geldschuld; jö Sh^l, die Schuld an einem 
Uebel, Ursache, und doch heisst beschuldigen immer beshülligen 
statt beshöjlligen. Snären, ist auch in der Schlinge fangen, ßjam* 



237 

lerii, von Sjame, wie im Deutschen schimmerfi, von Scheinen. 
Slahsen, Schlittenfahren. Spännen ist auch äuijnspännen, faarspän- 
n&n, aufspannen, an- vor- und abspannen. Ställen, i. auf den 
Stall setzen, 2. von Pferden: pissen. Späsen, mit dem Spaten ab- 
stechen; späsen, dasselbe. Stäiweln, stiefeln, nösläiwelt^r auf, nun 
stiefelt er ab; bijnseln, nun beinelt er ab, d.h. er läuft. S^jörren, 
steuern, wehren, hemmen. Stäken, ein Stak oder Staket setzen. 
Sträielnf von iS^rdi (Stroh, Streu), ist überall streuen. Stücken, ist 
Torf aufstauchen. Stewen, ein Fass mit Dauben versehen. Tiemen, 
Heu zum Diemen oder Schober zusammenschleifen, von jö Tiem, 
der Fahrzaum. Toppen, i.das Maass häufen; 2. mit einem Büschel 
auf dem Kopfe versehen. Dät Tjüdder, tjüddemy töddern, tüdem, 
d. i. an den Spannstrick mittelst eines kleinen Pfahles (de Tjüd- 
derpule) aufs Gras setzen. Twägen, zusammenkleben, und zwar 
mit dickem H^fen, oder wie mit demselben gekleistert. Tünnen, 
<^on de Tünne (Zinke), etwas mit Zinken versehen, z.B. en Härrew 
tünnen, eine Egge bezinken; sonst ist tünnen auch als verb. pass. 
anschwellen, aufschwellen. Wirken, ein Wirk, das ist, einen bret- , 
temen Zaun aus wagrechten Brettern machen. Jö Wöff, wöwwen, 
wörtlich: weihen, d. i. dem Weibe beiliegen. 

Anmerkung, 

Ausser den unregelmässigen Bildungen des Zeitwortes aus 
dem Hauptworte, wie forgSUen von Ga^jl, bläjdden von Blwujd, 
kiemmen von Kaumm , u. s. w. , finden wir unter denselben nicht 
wenige, die auch sogar in der Zeitabwandlung (Gonjugation) un- 
regelmässig sind, was bei den Zeitwörtern dieser Art im Deut- 
schen und Dänischen fast nie der Fall ist. Dahin gehören z. B. 
forgillen, fairken, hloßdden, stöwwen, kiemmen, römen, tSllen, von 
jö TäU, die Zahl; hijnnen, nämen, von de Name; kniten, beman- 
nen, von de Mdnn, pl. Mann; gräimen, spännen, snäien, bäirigen, 
fallen (fillen), grünnen, shenen, tjnnen, kolken, kluhsen, lühssen, 
renen, imeren, slingen, s^öien, swiermen, fäjdden, rajdden, drie- 
men, shöien. 



240 

düng, als: kaastW älUene klär mä worde? kannst du allein damit 
fertig werden? Horr ging't harn äw*t u/nUhüss? Oh, he kläret 
hdm gätyd; ick wäll me ndg kläre, ich will mir schon helfen; will 
mich schon verantworten; he kläret hdm gäujä, er half sich gut 
aus der Klemme, u. s. w. Die mehr oder weniger unregelmässi- 
gen Zeitwörter sind hier: wiermen, käilen, hißten, brijdden, 
wßjtten, liewen, krömen, hieen, stallen, meren, farmeren, u. s. w. 

Käilen, ist i. kalten, 2. kälten, 5. kühlen; hißten, heizen, ist 
nicht mit hißten, heissen, einen Namen hahen, zu verwechseln; 
rvppen ist hier reif werden; das andere rippen ist auch reifen, als 
Verb. Impersonale, und ein Fass reifen ist hauppen; stiwwem 
(steifern) ist gerinnen, vom Blute, als: stiwioret Bläujdd; will ist 
4.wild,2. irre, daher: /bru^iWcrn, verwildern , und huhm forwilligen , 
sich verirren; lacken ist hier einen Leck haben; huhm blögen, 
sich schämen, erblöden; stallen ist hier stillen, sonst auch stellen; 
aus long oder lung wird auch: lingen, i. langen, und 2. sich 
sehnen, forlingen, dat Farlinget$, das Verlangen; shirren, ist Eier 
schieren, um zu sehen, ob sie frisch oder faul sind, und zum Be- 
brüten taugen oder nicht. 

c. Aus andern Zeitwörtern. 

§. 154. Die eigentlichen Vorsilben des nordfriesischen Zeit- 
wortes sind folgende: 

i. äujnt {eni), in einzelnen Fällen vor dem Zeitworte ont, wie 
in önturden, antworten , dät Önlass, das Antlitz. Goth. and, 
althochd. ant, int, in, angels. ant und on, dän. und, in: äujntkä- 
men, entkommen, ät^ntgongen, entgehen, u. s. w. 

2. be (be), goth. bi, althd. bi, pi, ba, pa, angels. eng. und 
dän. be, wie in begrippen, begreifen, beläwen, erleben, betälen, 
bezahlen. 

5. er (er) , nur in einzelnen , dem Deutschen entnommenen oder 
nachgebildeten Wörtern, wie in erklären, erfären, erkünnigen, 
erkundigen. 

4. for (ver), allhd. far, fir, fer, angels. und dän. for, wie in 
forjehsen, vergessen, forgongen, vergehen, forlingen, verlangen. 

Die vorzüglichsten Umstands- und Verhältnisswörter, welche 
zur Umbildung des Zeitwortes gebraucht werden, sind diese: 



239 



stdli, stallen , stillen. 

saa%, besaaligen^ beseligen. 

fiill, ßllen, füllen. 

säUf sähsigen, sättigen. 
tnörr, formiren^ mehren. 
ewig^ farewigen, verewigen. 
swängeTy beswängern, schwängern- 
jung, jungen y Junge werfen, 
ruft, rienigen, reinigen. 
bandig, bändigen, bändigen. 
hing, forldjngem, verlängern. 
hijl, kielen, heilen. 



fägel, fägeln, fehlen. 

swär, besweren, beschweren. 

säker, saAem , sichern , forsakern, 

versichern. 
slumm, forstummen, verstummen, 
mdnnere, mannern und formdn» 

nern, mindern. 
ijn, ihnen, fotihnen, einen. 
shirr, shirren, s. §. 155. 
glatt, glatten, glätten. 
mill, miliern, mildem. 
nog, naigen, genügen. 



Bemerkungen, 

§. i55. Auch bei der Bildung des Zeitwortes aus dem Adjec- 
tiv, finden wir nicht allein mehrere unregelmässige Bildungen, 
sondern auch wieder irregulaire Zeitwörter vor. Die Verba: for- 
grotiern, mdnnern, formännern, forwillern, berickern, forldjngern, 
stiwwern, sind aus dem vergleichenden Stande des Bestimmungs- 
wortes (dem Coraparativ) gebildet, wie auch forbäsern aus bäscre, 
besser. Die Wörter härden, bliecken, uken, surren, klären, drögen, 
kielen, kieen, können sowohl transitiv als intr. gebraucht werden, 
je nachdem der jedesmalige Sinn es erheischt, als: he härdet dät 
Stabil, er härtet das Eisen, dät Staat hdrdet, der Stahl härtet, 
härtet sich; jö bliecket harr Länert, dät Länert bliecket, sie bleicht 
ihre Leinewand, die Leinewand bleicht; ick uhk da ^rte, da 
Arte uke, ich weiche die Erbsen, die Erbsen weichen; jö surret 
de Dieh, de Dieh surret, sie säuert den Teig, dieser säuert; he 
kläret Brännwinn, er klärt Branntewein, dät Wähser kläret, das 
Wetter wird klar; ick dröhg min Kluhse, ich trockne meine Klei- 
der, min Kluhse dröge (trocknen); dät Piaaster kielet min Häujnn, 
das Pflaster heilt meine Hand, jö Wünnen kielet nö, die Wunde 
heilt jetzt; ick iväll jö Skew en läiet kied kSwe, ich will den Tisch 
ein wenig erhöht haben, dät Wäkser kiet, das Wasser steigt oder 
schwillt an. Skör (steil), skören, steil werden, steil machen. 
Klär ist auch fertig, und das davon gebildete Wort klären giebt 
einen ganz andern Sinn, und gestattet eine vielfachere Anwcn- 



240 

düng, als: kaastW älUene klär ma worde? kannst du allein damit 
fertig werden? Horr ging't hdm aw*t ^nUhüssP Oh, he Uära 
hdm gänyd; ick wäll me nög kläre, ich will mir schon helfen; will 
mich schon verantworten; he kläret hdm gäujd, er half sich gut 
aus der Klemme, u. s. w. Die mehr oder weniger unregelmässi- 
gen Zeitwörter sind hier: wiermen, käilen, hijUen, brfjdden, 
toajtten, liewen, krömen, hieen, stallen, meren, formeren, n. s. w. 

Käilen, ist i. kalten, % kälten, 3. kühlen; hißten ^ heizen, ist 
nicht mit hijUen, heissen, einen Namen haben, zu verwechseln; 
rippen ist hier reif werden; das andere rippen ist auch reifen, als 
Verb. Impersonale, und ein Fass reifen ist hauppen; stiumem 
(steifern) ist gerinnen, vom Blute, als: stiwwret Bläujdd; will ist 
i.wild,2. irre, daher: /brm7/^n, verwildem, und huhm forwilligen , 
sich verirren; lacken ist hier einen Leck haben; huhm biegen, 
sich schämen, erblöden; stallen ist hier stillen, sonst auch stellen; 
aus long oder Itmg wird auch: lingen, 1. langen, und % sieb 
sehnen, forlingen, dat Forlingen, das Verlangen; shirren, ist Eier 
schieren, um zu sehen, ob sie frisch oder faul sind, und zum Be- 
brüten taugen oder nicht. 

c. Aus andern Zeitwörtern. 

§. 154. Die eigentlichen Vorsilben des nordfriesischen Zeit- 
wortes sind folgende: 

1. äujnt {eni), in einzelnen Fällen vor dem Zeitwortc önt, wie 
in önturden, antworten , dät Önlass, das Antlitz. Goth. and, 
althochd. ant, int, in, angels. ant und on, dän. und, in: ätyntkä- 
men, entkommen, äujntgongen, entgehen, u.s. w. 

2. be (be), goth. bi, althd. bi, pi, ba, pa, angels. eng. und 
dän. be, wie in begrippen, begreifen, beläwen, erleben, betälen, 
bezahlen. 

5. er (er) , nur in einzelnen , dem Deutschen entnommenen oder 
nachgebildeten Wörtern, wie in erklären, erfären, erkünnigen, 
erkundigen. 

4. for (ver), allhd. far, fir, fer, angels. und dän. for, wie in 
forjehsen, vergessen, forgongen, vergehen, forlingm, verlangen. 

Die vorzüglichsten Umstands- und Verhältnisswörter, welche 
zur Umbildung des Zeitwortes gebraucht werden, sind diese: 



241 

1. Af (auf, herauf), mit dw verbunden , hinauf » engl. ttp, tqioi}» 
dan. und nd. op, als: dpstäujnnen , aufstehen, dpgongen^ aufgehen, 
äpioien, aufthauen, dpslüten, aufschleissen. 

3. Auf (ab), engl, off, of, dän. a/*, heisst sowohl ab als von, 
wie in auflieen, abziehen, außälen, abholen, außrSgen, abbrechen, 
aufinägen, abmachen. 

5. 'Aw (auf), engl, upon^ dÄn.paa, als: äwsluhggen^ aufschla- 
gen, darauf losschlagen; in einem Buche heisst es: dpsluhggen; 
wwgungen, anfechten, äwsitten, aufsetzen z. B. den Hut; dpsetten, 
1. in die Höhe richten, 2. hinaufsetzen, 5. aufschieben. 

4. Bäi (bei), goth. angels. dän. und nd. bi, engl, by^ als: 6dt- 
gongen, beigehen, sich etwas lassen, bäibliwwm, beibleiben, fort- 
fahren. 

5. Bohr oder dör (durch), angels. thurh, engl, through , nd. dor, 
als: dörgtSgen^ durchstechen. 

6. In (ein, hinein, herein), goth. althd. angels. und engl, tn, 
dan. tmf, als: ingongen, eingehen, inndmen, einnehmen, infriesen, 
einfrieren, insSUen, einsetzen. 

7. Faar (vor und für), goth. faur, faura, angels. fore, dän. /br, 
engl, fore^ nd. for oder vor, als: faarmägen, vormachen, faarhk* 
en, vorbeugen. 

8. Hdne (hin), angels. hin, dän. und nd. hen, als: fiäneküjUen^ 
hänegongen^ hingehen, hdnesldwen, hinschleppen. 

9. Jurtfjurte (her, zu, herbei), angels. hider, engl, hither, zu 
dnem heran ^ als: jurihdmen, herkommen. 

iO. Dähl (nieder, herab, hinab), nd. doal, engl, down, als: 
dähbluhggen y erschlagen, ddhlfällen, niederfallen, dSJilshrlwuHm , 
niederschreiben K 

4i. ii*H/n (in, an), angels. on, dän. i nndpaa, engl, on, als: oi^- 
kämen, ankommen, mjntieen , anziehen sich, äujnsluhggen, ^Lti" 
achlagen, Sm^nsmüten, hineinwerfen. 



* Dähl steht auch in Verbindung mit w^n (hinein) , dw (auf) 
and dm (um): dälil äujnt Greef, ins Grab, dähl dw*e Teele^ auf 
den Fussboden, ddhl dmt Törp, unten ums Dorf. Wenn dähl 
bloss den Ort des Befindens bezeichnet, so heisst es dSle, als: gong 
iähl! geh hinunter! ick bdn all dele, ich bin schon unten. 

31 



242 

43. Mass (miss» fehl), in den alten verwandten Sprachen rniss; 
daher mässen, fehlschlagen, und mästen, missen, entbehren: wie 
in mdsslackenj misslingen, missglöcken. 

13. Mä (mit), goth. müh, angels. mid, dän. med, als: mikämen, 
mitkommen, mdspälen, mitspielen. 

i4. Efter (after, nach), goth. aftra, angels. äfler, engl, aßer, 
als: iflerläwen, nachleben, efter fülligen, nachfolgen. 

45. Auwer (über), angels. ofer und ufer^ dän. wer, engl, over, 
nd. over, als: huhmauwerilen, sich übereilen, auwerlSdden, überle- 
gen. 

i6. Am (um), altfries. umbe^ dän. om, omme, nd. ttm, als: am- 
fallen, umfallen, dmlSdden, umlegen, daher: de AmlMder, das 
Einlegemesser; dmbringen, 1. umbringen, tödten, 2. etwas zum 
Nachbar bringen, es ihm umbringen, sonst auwerbringen. 

i7. Wag (weg)fWdgluppen, weglaufen, wägbliwwen, wegbleiben. 

48. Wihsser (wider und wieder), wähser (wider), goth. vühra, 
allhd. wider, widar, angels. vidher, dän. veder, nd. wedder , als: 
wihsserledden , widerlegen, wihsserkämen , wiederkommen, u. s. w. 
Wähser nur bei Hauptwörtern, als: de Wähserwälle, wähserwälKg, 
der Widerwille; lö wäddeme^ zuwider, wädderlick, widerlich. 

49. tjn oder ijnn (gegen), dpijn (gegenan), ät^nttjn, entgegen , 
angels. gegn, geän, dän. gjen, engl. a§ainst, als: dpijngangen, ge- 
genangehen; äujntijngongen , 1. entgegengehen, 2. zuwidergehen. 

20. T6 (zu), goth. du, allhd. za, ze, zi, zuo, altfries. te, engl. 
to, nd. to, als: tolingen, 4. zulangen, 2. hinreichen; (östäujnnen, 
de Töständ, der Zustand. 

2i. Fawrl (fort), angels. /br/Ä, als: faurtugen, fortarbeiten. 

22. Vnner (unter), goth. undar, allhd. itntor, altfries. dän. und 
engl, under, nd. unner, als: unnergongen^ untergehen ; unner- 

süßcken, untersuchen. 

» . 

25. 4/W» e"g^- *^» ^än. orf, als: ajUdrSgeny sich gebehrden, be- 
tragen, äjttmägefi, fortmachen, äjttvgen, fortarbeiten. 

24. Utt (aus), goth. und nd. ut, angels. ut^ dän. «(/, engl, mä, 
als: üUsluhggen^ ausschlagen, üülidden, auslegen, auch deuten. 



Uo 



Beispiele zur Anwendung. 

§. 155. Bäggen, bauen, be- for- djhüti' [aar- auwer- ämb- und 
ambaggen. 

Bodden, bitten und bettebi, auf- iUU forboMen. 

Bijdden^ bieten und gebieten, far- dp- ütt- in- md- OH/it- OMwer- 
tob^jdden. 

Bieen, biegen, far- faar- dmlneen. 

Binnen, binden, be- for- iw- dp- bdi- in- auwer- dm- unner- 
tobinnen. 

Bkuuen, blasen, auf- dw- dp- ütt- inblaasen. 

Bliwwen, bleiben, for- auf- bdi- auwer- ifler- wdg- innnebliwteen.. 

Bringen, bringen, for- faar-auf-dp- bdi- ütt- in- jurt- hdne- dähl- 
dtffn- md- efter- auwer- dm- wdg- wihsser- to- faurt- unnerbringen. 

BrSgen, brechen, for- auf- dp- ütt- döhr- inbrigen. 

Brännen , brennen , for- auf- dp- ütt- in- ddhlbrännen. 

Brücken, brauchen, for- auf- dpbrücken. 

Boomen, toben, aufdaawen. 

Dieleti, thcilen, for- auf- ütt- in- md- dm- tödielen. 

DrSgen, tragen, be- for- auf- dw- dp- ütt- bdi- ät^- md- Sfter- 
onnwer- dm- tö- äjtt- faardregen. 

Drdjnken, trinken, be- for- auf- dp- ütt- mddrajnken. 

Bräwen, treffen, be- duindr&wen. 

Dräien, drehen, for- auf- dp- ütt- faar- in- dmdrdien, 

Dühssen, deuten, be- üttdühssen. 

jDrogfeit, trocknen, auf- dp- ütt- indrögen. 

Drücken^ drucken, be- for- dw- ütt- Sfter- dmdrücken. — Das 
deutsche drücken ist im Nordfries, krögen, 

Driiiw^en, treiben, be- for- faar- auf- dw- dp- hdne- dähl- ä^jn- 
md- efter- auwer- dm- wdg- faurt- todriwwen. 

Brillen, i. drillen, 2. prellen, necken, dor- indrillen. 

Ennen, Abend werden, toennen, ganz Abend werden. 

Ahien, essen, for- auf- dp- üttähsen. 

Aiwnen, ebnen, üttäiwnen, 

Annem, ändern, for- auf- dmdnnem. 
• Äinen, eignen, toäinen, 

Foren, fahren, i.etnherfahren, % schiffen (auf dem Wagen fah- 



244 

ren heisst käiren)f he» er« fcf" auf- dp- dähl- üU' döv' in- ot^n- 
mä' Sfler- auwer- dm' wag- to* wihsserßren. 

Fairen^ führen, frr- auf- dp- ÜU- in- fuäfr^juri- ha/M" dähU äuyn- 
auwer- wag- wihsser' töfäiren, 

Fairken t mit der Heugabel auflangen, dpßirken, 

Fäilen^ fühlen, be- faar- mjnfäUen. 

Fällen, fallen, be* for- auf- dp- ütt- bdi' dor-faar- dählßUeHt i. 
herunterfallen, 2. sich todtfallen; ot^/n- wdg- tdfäUen. 

Fähsen, fassen» besonders mit dem Verstände, be- äm^ifh dp- 
infähsen. 

Flieen, fliegen, be* foT" auf- tUt- in- döT' auwer* dm* wag^ to- 
fUeen und toflijn, 

FölUgen, folgen, be* far- eßerßlligen. 

Finnen, finden, be* auf* dpfinnen, erfinden. 

Fläien, i. aufputzen, 2. ausbessern, 5. zurichten, op- M- ü- 
flaien, sich beschmutzen. 

Fellen, füllen, for* auf* äw* dp* ütt* ät^* tö feilen. 

Fltjtten, fliessen, beflijUen, i. befliessen, 2. befleissen, fior* auf- 
ütt* der* in* auwer* dm* tofüjtten. 

Fresen, fressen, for* auf* dp* üttfrisen. 

Fausern, füttern und futtern, auf* dp* ütt* unnerfausem. 

Gäwen^ gafien, be- for* auf- dp* in* iUt- dmgäwen. 

Gißten, giessen, be- for* auf* dw* dp* ütt* in* duin* dm* to- 
wdggijtten. 

Gongen 9 gehen, be* for* auf- dw* dp- ütt* bdi* dar* m- md* Sfter- 
auwer* dm* hdne- jurt* apijn* dujnt- faurt* to* unner* äjttgimgen, 
anfechten. 

Grewen, graben, be- for- auf- dp- ütt- dmgrSwen^ 

Grippen, greifen, be* for- dp- ütt- in- faar- auwer* dm* ifler- 
unner* togrippen. 

Glidden, gleiten, auf* ütt* inglidden. 

§. 156. Um die Beispiele nicht ferner unnöthigerweise zu ve^ 
mehren, da die vorstehenden hinreichen werden, die Anwendung 
der Vorsilben und der vorzusetzenden Umstands- und Verhältniss- 
wörter zu zeigen, wollen wir nur die einfachen Zeitwörter her- 
setzen, und bei einzelnen der bildungsfähigsten uns eine etwas 
ausführlichere Behandlung erlauben, als: häkn, i. holen» 2. ein 



24S 

Seil oder Tau straffer anziehen; harken^ i.horciien» 3. gehorchen; 
kieren, i. hören, 2. gehorchen; hdwwen, i. hauen, 2. mähen; hei» 
pen^ helfen; hüjUeny halten; hdxen, hexen; kielen y heilen; hingen , 
hängen; hieen, 1. steigen, anschwellen, vom Wasser, 2. erhöhen; 
höweny hoffen; hijnnen, 1. mit den Händen auffangen, 2* sich er- 
eignen, sich begeben; Mjnnigen^ händigen, mit m- einhändigen, 
auf' abhändigen; ijnnen, i. enden, beendigen, 2. gut fortschrei- 
ten mit der Arbeit; jagen, jagen; jäbben, japipen ; jewen, geben» 
wie. z. B. Karten geben, 2. dem Yieh ein Futter geben, Z.ickjew'r 
nint am, ich gebe nichts darum, mag es nicht; da Ut^efte, die 
Ausgaben; jüdden, gäten; jögen, Jochen; jüllen, i. gelten, 2. wim- 
mern; käiren^ fahren, mit dem Wagen; kämen , kommen, de A'fh 
kämst, das Emporkommen; de Aujnkamst, Ankunft; kieren, keh- 
ren; künnigen, kundigen z.B. ein Kapital; kaanen, können; kiem- 
men, kämmen; kanten, kanten, mit dm; kapern; kringen, drän- 
gen; kaaren, karren; kaarden, kartenspielen ; kupen, kaufen; 
kawwen, kauen; kägeln, kegeln; kiwwen, keifen; knippen, kneifen; 
Uekm, gucken; killen, kitzeln; klawen, kleben; klädden, kladden, 
kliltem; kloppen, klopfen; kluhsen, kleiden; knappen, knüpfen; 
knäsen, krachen; kriepen^ kriechen; kailen, kühlen; kdgen, ko- 
chen; krdufweln, krauein, kriechen, besonders von ungeflügolten 
Insecten; klammem, klettern; kliwwen, klimmen, auch überstei- 
gen; kräwen, mahnen; läwem, mit dp- auftrieseln, z. B. einen 
Strumpf; läwen, leben; läjtten, lassen; läken, lachen; lacken ^ la- 
cken; löwem, verb. neutr., schwülen, schwül werden; länJtern, i.das 
Siteigen der Beete in einem gewissen Kartenspiel, 2. so hinschlen- 
dem, als: da/ läntert so auf!; lanen, lehnen; Iddden, liegen; ISd* 
den, legen; laukken, lugen, sehen, gucken; läujnnen, landen; 
Usen, 1. lesen, 2. laden, beladen; liesen, lösen; lienen, leihen; 
Ueren^ lernen und lehren; jö lAer, i. Kenntnisse, % die Lehre; 
hmnem, das Hullern oder Lodern des Feuers im Stubenofen; Imgen, 
klangen, reichen, 2. mit efter, sich sehnen; ^iägten, hellen, er- 
hellen; ^ogien, leuchten, del^agter, die Leuchte, Laterne; Hewen, 
4. lieben, de Liewde^ die Liebe, 2. glauben, de Luwe, der Glaube; 
fjaogen, lügen, jö Ijägen, die Lüge, dät Lägeniei', der Lügner, 
▼erächtlich statt Lägner; luhnen, lohnen, dät Li^, der I^hn; 
lupen, laufen, de Lup, der Lauf, de Löper, dat Läpelse, das Laab 



U6 

oder Riosei beim Käsen; lören, oder larrm, lauern» jö Löhr und 
jö Lörr^ die Lauer; lücken, zuschliessen ; läivern, liefern; läjn- 
ken, leicht einherhüpfen ; mögen, machen; maagen, mögen; mä/i- 
fen, mit Farben; marken^ merken; mäßtien, i. messen» % begeg- 
nen; moA/jiten^ müssen; mesm^ meiden; iTuenen» meinen, jö Mie- 
ning; m6ren, mehren; mingen, i. mengen, 2. zaudern; nydmen, 
morgnen. Morgen werden (wie dSgen, tagen); mören, mauern, jö 
Mohr; mölken, melken; n^ogsen^ misten; münstem, mustern; mi- 
sten, nebeln; muddem^ aufscblämmen » baggern; näfite», nennen; 
nämen, nehmen; neren, nähren; ndcken, nicken; 5 fem, opfern; 
Ohmen, athmen, de Ohme, der Odem; ordnen, ordnen; ordielen, 
urtheilen; Owen, üben; pären, sich paren» gatten; |}äc£^, i. pa- 
cken» 2. sich packen, dat Pack, 4. der Pack, 2. das Pack; passen, 
passen; pägen, pichen; palen, schelfen; pau^nigen, pfänden; piet- 
shen, peitschen ; piesern , albernes Zeug schwatzen; picken, i. picken» 

2. pieken z. B. den Schlitten mit der Pieke oder dem Piekstabe 
vorwärts treiben; plagen, jö Plag, die Plage; plaugen, pflügen; 
plirren, blinzeln; pläsem, plätschern; planten, pflanzen; plöcken, 
pflöcken; phcken, pflücken; plummem, trüben; pochen, auf sei- 
nen Reich thum» (pochen v. a., schlagen» klopfen» ist kloppen und 
bögen); prälen, i.sehr laut rufen» schreien» 2. mit etwas prahlen, 

3. glänzen, scheinen; präjten, predigen; präiwen, prüfen, probi- 
ren ; prausen, mit einer Arbeit stümpern, humpeln; im Dochte 
stochern; prihssen, preisen» rühmen, de Priss, i. der Preis einer 
Waare, S.Lob» Ruhm; pumpen, pumpen; pulsen, putzen; prdcken, 
prlcken; prägein, i. prickeln, 2. stricken; ro/tlde», i. rathen» 2. 
errathen» 3. über etwas zu gebieten haben; ragen, i. den Bart 
scheeren, 2. hervorragen» 3. raken: tohupperägen » dählrägen; raasen, 
rasen; räbben, rupfen ;ranen, rennen» deRänster, der Renner; rau* 
en, ruhen; raaieln, taumeln; räieln, riegeln» bei den Schneidern 
mit Riegelfaden heften» die wieder ausgezogen werden, davon 
nun: dät Spdnnräiel, Spinnewebe; rmren, rühren; ranken, sich 
ranken; räisen, reisen; rägnen, rechnen; riken, recken» daher 
d^iRdck, nd. dät Rick, als: Hännerdck, die Hühnerweime , Fähse- 
rock, das Schüsselbrett, dat Hdjnsteräck, die Heuraufe» u. s. w; 
rasten, i. das ausgedroschene Stroh mit der hölzernen» zwieseli- 
gen Gabel aufschütten, damit das Korn aus den Halmen fällt» 



247 

3. rasten, 5. iek wall de wdt raste! ja, ich will dir was anderes! 

4. auf dem Rost braten» als: Aile rasten, Aale rösten; resen, ur- 
sprünglich i. reden» daher dät Reess, die Stimme» als: en fien, en 
gröw Reess, dän. en Rost, 2. die Haare auskämmen, 5. (mitu^^) sich 
aus einer verwickelten Sache herausfinden oder herausreden; be- 
risen, bereiten, toresen , zubereiten; rieken, räuchern; rücken, 
rauchen; ridden, reiten; riesen, sich in die Höhe richten, erhe- 
ben, aufstehen, en Hüss riesen, ein Haus richten, davon: de Riese, 
der Riese; riwwen, reissen; rummeln, rumpeln; rosten, rüsten; 
ringen, läuten, de Ringster; rogten, rechten und richten» de Rog- 
ter, der Richter; rudden, wild im Bette sich hin- und herwerfen, 
von ungezogenen Kindern ; aus Huihwillen einen Gang über einen 
Wall oder ein Schlupfloch in einen Zaun machen , dd Kluhse fon *t 
Liff rudden; rösen, faulen; sägest, sägen; sällen, satteln; satten, 
salzen; säjnken, sinken; sänken, senken; satten, sitzen; säten, set- 
zen; sännen, i. sinnen, 2. sonnen; sägnen, vermissen; säicknen, 
auch vermissen, nicht finden können; s^jcken, suchen; säujnnen, 
sanden; sägein, i. hintaumeln, 2. sabbern; shaamen, verb. rec, sich 
schämen ; shäfen , schaffen , in beiden Bedeutungen ; shänken , schen- 
ken; Skalen, schälen; shelwen, zittern; shäwen, i. schiffen, 2. von 
Schaben reinigen ; shdwwen, den weiblichen Hausvögeln unterm 
Steiss fühlen, um zu erfahren, ob sie bald ein £i legen werden; 
shdcken, i.huhm — , sich schicken, 2. schicken, senden; shijtlen, 
schiessen ; ^/fiß^en , scheiden ; sheren, schneiden ; $//i;nnen , schänden; 
shenen, scheinen; shellen, schellen; shempen, schimpfen; shräien, 
schreien; shräwen, schaben; shritvwen, schreiben, jö Shrdft, die 
Schrift; shudden, i. schütteln, 2. schütten, 3. schüttern; shruwen, 
schrauben; sennigen, sündigen; süppen, saufen; shöwwen, schieben, 
dät Shöff, dät Shöf, dät Shuf, da Skäwe; sluhggen, schlagen, 
de Slieck, de Släg; släipen, schlafen; släsern, plaudern, schwat- 
zen; Slawen, schleppen; stieren, schmeicheln; stippen, schleifen; 
säien, nähen; slitten, i. aus der Tasche verlieren, 2. schleissen, 

5. jemand auf die rechte Art zu behandeln wissen, jö k5n harn 
nag slitte, forstönt hdm gdujd tö slitten; slingen, I. schleudern, 
2. schlingen ; smöken , schmauchen ; smicheln , schmeicheln ; smeren , 
schmieren; sieen, sehen; sieen, säen; smolten, schmelzen; sungern, 
gellen; söngern, anbrennen, von Speisen, sengern; somen, i. sich 



248 

zieiron, S. säumen, zaudern, 3. aufsummen» als: dät tarnet ap; 
sögen, saugen; imuren, schmoren; shridden, schreiten; shrielm, 
schrillen; sillen, treiben, auf dem Wasser; sühssen, sausen; s%>« 
pm, saufen; sihssen, zischen; mtmcken, stöbern; mägen, schlei- 
chen ; sWsen , löschen ; st^/en , i . stechen , de Stähg , 5L stecken ; stSUe» , 
stehlen; spAien , speien; shunigen, schonen; sonnem, sondern; 
sniHtten, schnauzen, die Nase; sörcHy siechen, kränkehi; skraien, 
^hreien; s^nen, senden; sndppen, schnappen; späten, spielen; 
Spillen, i. spalten* ji. Mtspijllen , speilem, de Spijlk, der Spoiler; 
spanne», spinnen; sparen, sparen; späilen, spühlen; slürren, schlö- 
ren, schlören; stammen ^ i. stimmen, 2. herstammen; spregen, 1. 
sprechen, jemand, 2. auf wit sprigen, es herausstreichen, rüh- 
men, davon de Spräike^ die Sprache; statinen, de Stand; be» 
stäujnnen, de Bestand, beständig , Bestandighäid , unbeständig, Vnr 
bestdndighäid; forstäujnnen , de Forständ, forsldndig, ün forständig ; 
dpstm^innen, de Apständ; bdisläujnnen , de Bäiständ; üttstäij^nnen; 

faarstäi^jnnen y de Faarständer; äujnstäm^nnen, de Äujnstandj &i^ 

• • • • 

ständig, ünäujnständig , At^standighäid , Un&u^tändighüid ; m^ 

stäujnnen , auwerstaujnnen , wihsserstäujnnen , unnerstäujnnen , ii- 
stäujnnen, de Töständ, de A'mständ, pl. Amstände; farstijnmg, 
ünforstijnnig , hnhm forstijnigen , sich verständigen, forstmiüick, 
verständlich) ünforstöntlieh ; de Stäujnner, der Leuchter; de Stän* 
ner, der Ständer. Diess als Beispiel für die Behandlung der übri- 
gen hier vorkommenden Zeitwörter. — Sprijdden, spreiten; spä* 
ten, spotten; springen, springen; splähsen, splissen, ein Tau ins 
andre; swäwen, schweben; swiermen, schwärmen; swälken, schwal- 
ken, sich herumtreiben, sowohl zu Wasser als zu Lande, u. s.w^ 
daher de Swälker; swätten, schwitzen; swummen, schwimmen; 
swSnnen, Schweinen; swdjngeln, schwindeln, taumeln; spännen, 
spannen; spihssen, speisen; stäirwen, sterben; stijtten, stossen; 
steigen, schweigen; sjangen, de Song, singen; stoppen, stopfen; 
staf&ken, storchen , mit ämbäi, herumstorchen, wie ein Storch 
auf langen Beinen; straalen, strahlen; snubbeln, stolpern; Sorten , 
stürzen; stricken, streichen; Strogen, die Sense streichen, um sie 
zu schärfen; staurmen, stürmen; stjäwen, gaffend unherstorchen; 
sträwen, i. streben, 2. streiten; strulen, strullen; täsen, foppen; 
täiwen, warten; f^en, zehren; teilen, zählen; täpen, zapfen; tie- 



249 

Mm, aus dnander zupfen; tietiefh, dienen; tie-en, ziehen; Heren, 
sieh gebehrden; ijogen, i. sich anschaffen, nd. lügen, 2. zeugen, 
vor Gericht; tijnnen, zünden; trocken, am Stricke ziehen, z. R 
ein Rind; twingen, zwingen; twiwweln, zweifeln; tjäsen, rappeln; 
^äddem, trampen, trampeln; träwen, traben; trögein, abbetteln; 
trdwiM», drohen; tappen, häufen, das Mass; waagefi, i. wachen, 
3. wagen ; wigen , wiegen und wägen ; wirken, wirken ; wannen, gewin- 
nen; wfjarpelnf worfeln; tpäl/em, wälzen; wippen , wippen; wirrigen ^ 
erwürgen; wijnnen, wenden; wierwen, werben; wddderny wittern 
an der Luft und der Sonne; wicken, weichen; winnen, winden; 
wäh$en, wissen; wällen, wollen; wählen, welken; wällen^ wallen; 
»umierft, wundem; wämhen, wünschen; njärdigen, würdigen; 
wräsein, ringen mit einander; wringen, Wäsche ausringen; wrihs^ 
MH, reiben, drehen; wrSten, wühlen, u. s. w. 

%, 157. Noch ein durchgeführtes Beispiel der vorstehenden 
Wortbildongsweise, als: gongen, de Gong, begongen; dat Begämg- 
nisf; Bittgängen, anfechten; äu^ngongen, de Au^ngong; äujntgongen; 
fürgongen y forgäinglick , jö Forgävnglickhäid , ünforgaingUcky jö (/ft* 
fifrgdingUckhäid ; de Gdinger, de Gangster; aufgongen, de Aufging; 
äpgongen, de Apgöng; üttgongen, Imgongen, ingongen, de Ing&ng; 
de Ütiging; dorgongen, |de Dörgöng, i. Durchgang, 2. Durchfall; 
faargongen, jurtgongeuy hänegongen, däfilgongen, de FaargSng, de 
Dä/ilging; ämgongen, de A'mgöng, i. Dmgang, 2. grassirende Krank* 
heit; ijngongen, tögongen, de TogSng, de Ajttgäfig; faurtgongen, 
de Faurtg&ng; unnergongen, de Unnergong; gängs wesen; gdjngig, 
gang und gebe; togöngs, zu Gange sein; dmgäinglick , umgänglich; 
tögäingliek, üntogdinglick, Tdgdinglickhäid, Untogäinglickhäid. 

Thicrlaule und ISalurlönc. 

§. i 58. Kägeln , gackern ; kräien , krähen ; Ijjdwsen , belfern ; bälen , 
bellen; kfmrren, knurren; brummen, brummen; holen, heulen; 
bläsern, blocken; grSjnten , grunzen; rüjtten, muhen; mjäwwen^ 
miauen; shrielen, schrillen und quieken; brulen, brüllen; nögem, 
wiehern; knabbern, klappern, aber nur mit den Zähnen und dem 
Schnabel; äw en Stock Sucker, en Päwertralling knabbern, an einem 
Stückchen Zucker, einer Pfeffemuss knabbern; dd Staurke knäb' 
bre, die Störche klappern; dd Täis knäbbetien hdm äu^jn'e KoUe, 

)2 



250 

die Zähne klapperten ihm im Fieber, oder in der Kälte; auch 
knurpen und knoiyen, vom Zerbeissen harter Speisen, knarpeln 
und knorpeln ; jö Meilen klappert ; sihssen , zischen ; snäsem , 
schnattern ; sühssen , sausen ; brühssen , i brausen , 2. das Gefieder 
sträuben, dsiher de Brüsskräjdder , der Kampfhahn (Braushahn), und 
das Adj. brösig, Brösighäid; rummeln y rumpeln; knäsen^ krachen; 
iunnem, donnern; tijtten, laut schreien, daher dät Töt^ Lärm, 
Getöse; jüllen, wimmern; stähnen, stöhnen; pläsemy plätschern; 
shrögen, das dumpfe Klingen irdener oder thönerner Gefässe, die 
einen Riss oder Sprung haben; gröhsen^ knirschen, wie z. B. Sand 
zwischen den Zähnen malmen; shrdjngeln, räjngeln, Schellenge- 
klingel und dem Aehnliches bezeichnend, daher jö Shrdjngelboss 
und RdjnglebosSf die Schellenbüchse, nd. de Klölerbüss oder Klö- 
terbücks, von jö Rdjngle^ die Schelle (dän. en Rangle), 2. ein Hen- 
keltopf; kldjngem, hell klingen; ringen y läuten; bdiem, beiem; 
shraienf schreien; näujlten, sich eine Melodie (de Nät^tte, Noten) 
einüben; nocken, schlucken, den Schlucken haben; sicknen y i. 
seufzen, % schluchzen, beim heftigen Weinen, dät Sicken, der 
Seufzer; stämmern , stollcrn und stammeln; läken, lachen; (niesen, 
niesen; hosten y husten; nßungen, singen; flaaiten, i. flöten, i 
pfeifen; snöwwen, schnauben, schnaufen, auch schnupfen, daher 
dät Snöfy der Schnupfen, und snäwsh, rotzig, von Pferden; har- 
ken, räuspern, dphärken, ausräuspern, den Qualster; sfiärken, 
schnarchen; snurren, schnurren; kndppeti, knipsen; bogen und 
klappen, klopfen; Kluhse bögen y Wäsche klopfen oder bläuchi, 
daher de Kluhseböger, der BJäucl, und dät Böhgshörny der Bläuei- 
tisch; knällefi, knallen; kldlshen, mit der Peitsche knallen; daa- 
wen, toben; bummeiiiy bezeichnet den Ton, der entsteht, wenn 
man auf dem Hohleise geht oder schlittert; daher dät Bummeriss, 
Hohleis; de Bummerßdrt, der Bummerfurz; lunnern, bullern, lo- 
•dern, vom Feuer im Windofen; sprdgfe/n, prasseln, knistern, vom 
Feuer; pölshen, mit der Slörstange ins Wasser plumpen und stö- 
ren , um die Hechte ins Netz zu treiben , daher de Polsher und 
•de Plumpstöck; sjäppeUy sappcn; sÄwrwen , nagen , von Mäusen, mit 
knisperndem Ton; hären, dengeln, die Sense; slippen, schleifen; 
yicken, wie die Taschenuhr; shulpeUy Flüssigkeiten umschütteln; 
jTosl^n, pausten; hdchefiy bauchen; bUmusen^ blasen; slubbem und 



251 

lubbem, schlürfen, von Enten im glummen Wasser; knöwern, kno- 
pem, das kurze Gras ganz knapp an der Erde abbeissen, von 
Pferden besonders, wovon ein Rasenstrich im Herrenkoge de 
Knöwringe heissi; bubbeln, von Sumpf blasen, die mit Geräusch auf 
die Oberfläche des Wassers steigen; sungcrn^ gellen, in die Obren 
hinein, und nachgellen; knirkm, knirren, wie der Schnee im 
harten Froste unter den Füssen; Irämpefiy trampen, trappeln,, 
hart auflreten; slmrren^ schurren, auf dem Eise, u. s. w^ 

Endungen des Zeilwortes. 

§. i59. Dass die Wandelform desselben sich, wie im DeuU 
sehen, allemal auf en oder n endigt, ist schon §. 149 bemerkt 
worden. Ausser dieser Uebereinstimmung finden wir aber auch 
noch die Endungen neu, igen^ ern und ein in beiden Sprachea 
wieder, wie z. B. rägnen, rechnen; renen, regnen; räiknen^ nach- 
suchen; sägnen, säicknen, tieknen^ licknen, sägnen, sicknen, twS^ 
nen, luhnen, ränen, kränen, reckhalsen (vergl. das deutsche der 
Kra/tn und der Kranich), u. s. w. 

Viele von denen, die sich auf igen endigen, sind nicht altein ia 
beiden Sprachen von ähnlicher Bildung, sondern auch oft in der 
Bedeutung gleich , als : begnäsigen , begnadigen ; beshäsigen , beschädi- 
gen ; bewdlligen , bewilligen ; äujntlähsigen , entledigen ; [sinnigen, sün- 
digen; künnigen, kündigen; inhijnnigen , einhändigen; ^äi^^i^en , sät- 
tigen; u. s. w. Oft hat aber auch das fries. Zeitwort die Endung 
[igen, wo das deutsche nur geti hat, wie in bäirigen, bergen, ßl- 
ligen, folgen; märrigen, merken; sörrigen, sorgen; baurigen, bor- 
gen; wirrigen, würgen, u. s. w. 

In andern Fällen sind die friesischen Zeitwörter dieser Endung 
von den deutschen abweichend, als: bäHgen, jemand sehr laut 
rufen; swieligen und swälligen, i. verschlingen, 2. ersticken, das 
deutsche schwelgen, dän. at svälge; jö Swielig oder Swällig, 
der Schlund, das dän. Svälg und das deutsche Schwalg; fälligen, 
fuligen oder fieligen , feigen , einen Acker brachen ; huhm bedärri- 
geUf sich sammeln, besonders wenn man aus dem Schlafe oder 
einer Ohnmacht erwacht; Iiulim forwilligen , sich verirren; lihssi* 
gen, reinigen; haadigen, köpfen, enthaupten. 

Die Silbe ern zeigt eine Steigerung, Wiederholung, Fortsetzung 

a2* 



252 

oder Andaner der im Zeitworte liegenden Handlung oder TerSn 
derung an, wie in kldnmem^ klettern; wällem, wälzen; shillem 
nögem, tögem, snüsern, pläsem, släsem, plaudern und ausplau 
dem, piesem, rappeln, wägem, smäsem, schmettern, plummem 
plempern, löwern ^ läwern, auftrieseln, knöwern, slAjngem^ schien 
kern, baumeln, kldjngem, glütem, blähsem, jägtem, lunnem 
sungem^ gellen, söngem, sengem, anbrennen, billem^ bildern 
ajdmmern, tammem^ läwern, flönkern, flackern, stiwwem^ gerin 
nen, knabbern, knöwern, dnnern, äntern, entern, käntern, etwas 
über die Kanten wälzen, z. B. einen Balken, kentern, umstülpen; 
dät Biytt hänterl, das Boot kentert; kldwwem, sliMem, lubbem, 
hbtbbem, lännern, lindem. 

§. 160. Bei manchen adjectivischen Zeitwörtern geht die Bil- 
dung desselben aus dem Comparativ des Bestimmungswortes her- 
vor, wodurch die Endung em hier bewirkt wird, die dann den 
Steigerungsbegriff dem Zeitworte selbst mittheilt, als: fermdnnem, 
mannernf mindern; forgrottem, berickemf allem , forwillem, for- 
läjngern, forbäsern, miliern, u. s. w. |Hieryon unterscheide man 
jedoch diejenigen Zeitwörter, welche von solchen Adjectiven 
stammen, denen die Silbe er schon eigen war, wie: bitter ^ säker, 
munter, locker, mager, edder u. s. w. , als: häddem, heitern, von 
hädder; forldckem, verleckern, u. s. w. In den von Geschäftsna- 
men abgeleiteten Zeitwörtern rührt die Endung em ebenfalls 
von der Endung des Hauptwortes her, wie in glaasern, gläsern; 
shrüjddern, schneidern; sndjttem^ tischlern; süttem, schustern; 
kriemem, krämern ; kraugern, krügern; ebenso in forsiwaagem^ 
forbrausern, forsöslern, verschwägem, verbrüdern, verschwistern , 
von Swaager, Brauhser, Söster. 

§. i6i. Die Endung ein steht meistens wiederholend und mit- 
unter auch verkleinernd , wie in sticheln , ddjngeln , baumeln ; rdjn- 
geln, rasseln, hellklingend; nesteln, nistein; sagein, rummeln, 
grummeln, wimmeln; wjdrpeln; sjöhsseln, pässeln; shrummeln, wie 
z. B. eine hohllönende Trommel; shumpeln, schüttern, z. B. ein 
Wagen auf einem holprigen Wege; gräpeln, grapsen; wrässeln, 
ringen; shrdjngeln, humpeln; fesleln , vorfausten, von Handsdiu- 
hen; fäjtteln, vorschuhen, von Stiefeln; ficheln, höckeln, heucheln; 
bynseln f absticfeln , davonlaufen; swdjngcln, schwindeln; kräw* 



253 

«will, spräwweln, strampeln mit Händen und Füssen; säppeln, 
zappeln; shweln^ staaweln, die Tabackspfeife ausräumen, daher 
d&t SiaawUng^ das Ausräumsei; spauckeln, spucken; fämmeln, 
nmhertappen ; rubbdny über eine raube Fläche mit etwas hinfah- 
ren; tjdwweln, sich zanken. 

§. i62. Einige Zeitwörter Tcrlieren bei der Umbildung in 
andre ihren Stammlaut, und diese bekommen dann eine ähnliche 
oder abgeleitete Bedeutung, wie in höwen, jö Höw, hoffen, häi- 
tP0fi, jö Häiw, vermuthen; fähren, jö Faur, jö Färt, fairen, 
jö FMr, führen; rocken, rauchen, riechen, räuchern; säickenf 
suchen, sägnen, vermissen; hungen , hangen, hingen, hängen; 
drqjnkenf trinken, dränken, ertrinken und ertränken; sdjnken, 
sinken, sänken, senken; tanken, denken, tdjnken, däuchten; /ad- 
den, liegen, dat Lddd, der Deckel, ledden, legen; satten, sitzen, 
siUen, setzen; winnen, winden, wijfinen, wenden; üjllen, älteln, 
äUem , altem ; Stegen , stechen , sticheln , sticheln ; springen , springen , 
spränken, sprengen, besprengen; gr&wen, grauwen; klingen, kUjn- 
gern; grippen, grdwwen; slingen, sldjngem, i.wenn der Wagen yon 
Tielen kleinen Höhlungen und Unebenheiten in den Geleisen immer 
von einer Seite nach der andern geworfen wird , 2. schlenkern z. B. 
mit den Händen und Armen; smitten, schmeissen, werfen, smdt" 
teUj beim Weben der Leinewand den Kleister auf die Kette wer- 
fen, um ihn einzubürsten, davon dat Smätäng, der Weberklei- 
ster; krmken , kräjnken, kränken; wärmen, wiermen ^ wärmen; 
fallen, ßllen, fällen, einfallend machen. 

Zusammensetzung des Zeitwortes, 

§.163. Das Zeitwort wird nicht allein durch Vorsilben, Yerhält- 
niss und Umstandswörter und durch die Verwandlung seines 
Stammlautes umgebildet, sondern auch mit Haupt- und Bestim- 
mungswörtern aller Arten zusammengesetzt, wie z. B. hüsshü^Hen, 
haushalten; brSnshätten, brandschatzen; bläi^dsluhggen, Ader lassen; 
rifßslägen, rathschlagen ; mäjddewällem , sich mit jemand in der 
Ifakth walzen; iss-slägen, glatteisen; rönsägen, bis zum Rande, 
d.i. bis aufs Aeusscrste nachsuchen; efterräjknen, überall nach- 
kramen, herumforschen; killhälen, kielholen; bauckhi^lhn, buch- 
halten; ölweläußden, wörtlich: wolflaichen, d. i. der Reihe nach, 



254 

wechsclswcise über einander springen, ein Knabenspiel; iirücke- 
iiSlen, strunkenstehlen , nämlich Kohlstrünke, gleichfalls ein Spiel 
der Knaben; kältspälcn, die Katze spielen, auch ein Knabenspiel; 
pa^jnseUeny verpfänden; lönsStten, ans Land setzen; lönmcUUen^ 
landmessen; shonklüUen , Schandflecken; äilebitten, egelbeissen, 
Ton Blutegeln, de Ailebilter, der Blutegel; uhgwiUigeny einem 
gerade zu, gleichsam in die Augen hinein, die bittersten Vor- 
würfe machen; sämmerbüetty wörtlich: sommerbauen, brachen, ein 
Feld; dicktSkm, deichdecken , den Deich mit Stroh besticken; 
ringetdppen, aus dem Ringe tappen, ein Yergnügungsspiel unter 
jungen Leuten beiderlei Geschlechts; ponterneshijtten , purzeln, 
Purzelbäume machen; grauwedielen , Gräsungsgraben yertheilen, 
jö Grauwedieling , die Grabenvertheilung; shämbijdden, schandbie- 
ten; winndrögeUf windtrocknen; kSpsettcn, schröpfen; nijdsägen, 
durch Noih dringen, nijdsägety nothgedrungen ; spägelfdgten , spie- 
gelfechten; hömesettefiy Hamen oder Reusen setzen; kröhnspäleni 
kronspielen, ein Knabenspiel mit Secbslingen; issbdsseln, eisbos- 
seln, eine Winterbelustigung; ringridden, ringreiten; rmjttsSUen, 
räujUsluhggen, wurzeln; gnüstelbitlen , im Schlafe mit den Zähnen 
knirschen, wörtlich: knorpelbeissen. Einige dieser Wörter bilden 
echte oder untrennbare, andre unechte 'oder trennbare Zusam- 
mensetzungen. 

§. i64. Mit Bestimmungswörtern werden unter andern zusam- 
mengesetzt: fnkännen, frispregen, freisprechen; hilligh^jUen^ hei- 
lighalten, feiern; sljogthäweln^ schlichthabeln ; twdrrplaugen, quer- 
pflügen, quieren; ställhüjllen ; gäMJdsSddcn , gutsagen, d. i. für 
etwas borgen; plätsluhggen , plattschlagen; wäirsedden, wahrsagen; 
grottmägen, tjockmägen, dickmachen, schwängern; wäjlfären, wohl- 
fahrcn; trindmmeruken, rundum sprechen, salbadern, eigentlich 
rund um den Diemen oder Schober laufen , daher nun de 
Trindmmeruk, ein fader Schwätzer; grotisprSgeny grosssprechen. 

§. 165. Ausser den bereits angewandten Dmstands- und Ver- 
faältnisswörtern sind noch folgende bei der Zusammensetzung des 
Zeitwortes zu berücksichtigen, als: foll, voll; mdss^ miss; Mnna, 
binnen, inne; dmbdi, 1. vorbei, vorüber, 2. umher, 3. zu Ende; 
faarbdi, vorbei; iöfaar, zuvor; lüss, los; tobähg, zurück; tofolle, 
i|. s. w. Beispiele: follbringen, foll fairen, foHlie-en, vollführen und 



255 

vollziehen; mässgunnen; bännehüjUen, bei sicli behalten; banne" 
säten, binnennähen, beim Dachdecken, mit Seimen aus Stroh oder 
Simsen und Binsen <; ämbäigongen, dmbäistjäwen , gaffend umher- 
gehen; huhm töfaarkämen, jemand zuvorkommen; lüssgongen^ los- 
gehen; dät Tjüch gongt lüsSy das Yich geht los; nö gongt* t gelick 
lüsSy nun geht's gleich los; tobäligkämen , zurückkommen; tofolle^ 
kämen y in Erfüllung gehen; ämkämen, ist i. zu seinem Nach- 
bar umkommen, weil man gewöhnlich um das eine Ende des 
Hauses herum gehen muss, als: dö kaast nog elling en läiet äm- 
käme; liegen die Nachbarhäuser aber so neben einander, dass die 
Thüren derselben sich auf gleicher Seite befinden, so ist es: kam 
en läiet häne, hin; liegen die Hausthürcn einander gegenüber, 
so spricht man: kam en läiet auwer, komm ein wenig herüber; 2. 
umkommen, ums Leben kommen, als: dirr sän mdnning dmkiem' 
men äujn dehirre Kolle, es sind viele in dieser Kälte umgekom- 
men. 

Das Wort dähly nd. daal, heissi nieder, aber auch todt, in dähl" 
sluhggen, dählshijtten , sonst: herab, herunter, wie in dählkämen, 
dählgongen, dähl fällen , de Mist släitdähl, der Nebel schlägt nieder. 

Echt und unecht zusammengesetzte , oder untrennbare und 

trennbare Zeilwörter, 

§. 166. Unter den §. 165 und 164 vorkommenden Wörtern 
bilden folgende echte Zusammensetzungen, als: brönshätten, rajd' 
slägen, mäjddewäUern, issslägen, ronsägeti, ölweläujdden , lönsetten, 
paujnsetten, äilebitten, sämmerbiien, dichteken, ringetdppen, winn- 
drögen, kapselten, nijdsägen, shömbijdden, spägelfdgten , issbösseln, 
trinndmmeruken. So auch twittwädden, Gewäsch machen; tjissljä- 
sen, salbadern, dummes Zeug schwatzen; nijdtugtigen, nothzüch- 
tigen; käujtlebmjtten ^ kaupeln, u. s. w. Unecht oder trennbar 
ist die Zusammensetzung dann, wenn das zugesetzte Wort den 
Hauptton bekommt; echt oder untrennbar, wenn die Betonung 
auf der Stammsilbe des Zeitwortes ruht, wovon bloss die beiden 



* Eine solche Seime heisst jö Täihg^ pl. Täiltge, von tie-en, 
ziehen; dagegen heisst das Band an der Peitsche: de Simey die 
Seime, und ein Strobseil im Dänischen en Sime, 



256 

Wörter: mdssloeken, misslingea» und ägter flocken, hinterflecken» 
eine Ausnahme machen, indem sie echt zusammengesetzt sind, 
und doch den Ton auf dem zugesetzten Worte haben. Besonders 
bei den Zeitwörtern'; ^ie mit dm, um, döhr^ durch, auwer^ über, 
unner, unter, und mhsser, wider, zusammengesetzt sind, ändert 
die Betonung allef'ab, als: dmbaggen, umbauen, ämbdggen, um- 
bauen: he bdggd sin Hüss dm, er baute sein Haus um, jö hiel 
Haurd d$ md Hühssinge ambdggd, der ganze Kirchhof (Hort) ist mit 
Häusern umbaut; he jifVe Kdarde dm, er giebt die Karten um, 
dat Ailätijnn ds md Wähser dnyäwcn, das Eiland ist mit Wasser 
umgeben; dö sfiüht dmjewe, du sollst umgeben, noch einmal, 
höhst dn^äwen? bffst'du dem Vieh im Stalle von einem Ende zum 
andern ein Futter gegeben? ick jMr ninnt dm, ich gebe nichts 
darum, mag es nicht; dmhacken, umhacken, dät hiel B6dd dm- 
hacken, das ganze Beet umhacken, he dmhäcket de hiele TöUt 
er umhackt den ganzen Busch ; dmwäien , umwehen , jö üjll MäUn 
woit dm, die alte Mühle weht um, kmwdiefi, de Winn dmwoU me 
fon orhen Egge, der Wind umweht mich von jeder Seite; so auch: 
dmst^gen, umstechen, ämstigen, umstechen; amstruhrnmen, um* 
strömen, kmstruhmmen , umströmen; dmtie-en, umziehen, amtte^en, 
umziehen: de hiele Hammel ds dmtägen; dmplönten, umpflanzen, 
amplönten, dät Hüss md Buhmme, das Haus mit Bäumen; dm^ 
shriwwen, umschreiben, kmshriwwen , umschreiben; dmgongen, 
umgehen , Amgongen , wdt wdn't HSlting dmgange , wir wollen 
die Holzung umgehen. — Dö//rbilten, dure^beissen , döhr^i^teft, 
durch6eissen; dö/trgongen, de Träjdd gongt dt döhr^t Nelluhg, der 
Faden geht nicht durchs Nadelöhr, döhrgongen, durchgehen, he 
wäjVt Hdüing liewere döhrgonge ds döhrkäire, lieber durchgehen 
als durchfahren; döhrhuren, rfurcÄbohren , döhrWrcw, durchbohren: 
dö borest döhr dät Baurd, Brett, he döhrboret hdm md an Stähg^ 
mit einem Stich u. s. w. — Auwerh\]dden , u&^bieten, auwerft^ 
den, überbieten: he Ijött auwer, he auwerbjött me; auu^erbringen 
und diuwcrbringen; auwerilen und Buwerikn, sich übereilen: he 
aiiwerilet hdm, asr anwerbt Markcd ilct, er übereilte sich, als er 
über den Markt eilte; autcßrkäiren , unerfahren mit dem Wagen, 
auwer/rdireu, überfahren; auK^crfahren , unerfahren (zu Wasser), 
he faur auwer, er fuhr über, he auwei* fahrt sin jtrbed, er üb^- 



257 

fahrt seiAe Arbeit; auwertülen, ÜberMlen: he fill auwer iwmi, 
er fiel auf ndich über; smwevßllen, überfallen: ja auwerßllen 
häm Me Länstraate ; auwerüxttn , ö^erfliegen : jö Staurk ßjögt 
aawa't Hüss, der Storch fliegt übcr's Haus, däl Hännehjärn au- 
werflug dät FdgelnSst, die Hübnerweihe überflog das Vogelnest; 
(mwerßLiren, überführen, anwer fairen, überführen; auwerj^wen^ 
iforgeben, attwerj^tren , über^e6^, auch sich erbrechen; auwev' 
föllen, öAerfüllen, von einem Fass ins andre; Buwerf eilen, über- 
ßUen; oiiw^gongenf und auwergon^en; dirr as harnen groU Ünlock 
aumergingen, es ist ein grosses Unglück über ihn ergangen, hat 
ihn betroffen; de Ihne auwergängt de Ausere, dereine übertrifft den; 
andern; do hähst hdm auwergingen, übersprungen; so auch auwer- 
ggtten und auwer^i;7^ßn; auti^erbingcn und auwerhingen; auwer- 
jagen und fkuwerjagen; auw^hieren und auwerhieren; auwerkkmen 
und Buwerkämen; atiwerldsen, und auwer/^$en, überladen und 
wAntrladen; auwerläjtten und an^erlajUen , überlassen und uber- 
laum; atfwarluppen und anwerluppen; auwerlkwen, he läwet de 
W&nter äi aüwer, er lebt den Winter nicht über; auwerldtren, de 
Ihne attwerlawet de Ausere; atetrerl^ddcn und auwerlidden; autrer- 
n&inte»undauwerndmen;auwersijnnen und auwer^t/nnen; auwerdriw- 
weilf und aixwerdriwwen ; autvertresen und auwertresen; auwerdr^- 
geil and anwerdrSgen ; auwerswummen und Huwerswummen , über» 
schwimmen und überschwemmen: autrersiecn und auwersieen; auwer- 
satten und auwer^^fen; auu^erspannen und auwerspännen ; auwer- 
spannen, il^spinnen: de Konker spännt auwer to jö auser Sidd, 
der Kanker spinnt über nach der andern Seite; he auwerspännt 
dät kiel Rütt,er überspinnt die ganze Raute, d. h. Fensterscheibe; 
ottiM'tieen und auwer/t>en; auwerstäujnnen und auwcrs/au/nnen , 
u. 8. w. Einige mit auwer zusammengesetzte Zeitwörter sind 
durchiaus untrennbar, als: auwertjögen, überzeugen, auu;(;rtt^on^em, 
überwintern, auwerwdnnen, überwinden, auwerönturdeny überant- 
worieti, atiK^erd/isen, überfressen. — {^nnerbinnen und unner&innen; 
Minergröwen urid unner(/r^iren; tinnerbüjllen und MnnerhüjUen ; 
wnlffshriwwen und unncr^/f Hu^Mfen; unnerstäujnnen und unner- 
üäujnnen; unncrtieen und unnertieen; unnerluppen und unner/wjD>p^« ; 
fc läppt unnet^e Buhmme; de Nägel äs mä Bläujdd unnerldhmy der 
ffagcl ist mit Blut unterlauftin , u. s.w. — Alle mit wihsser zusam- 

33 



2S8 

mengesetzte Zeiti^örter. sind untrennbar, wenn es.fPMfar ^4eu- 
tet, und trennbar, wenn es die Bedeutung von vrieier (noch ein- 
mal) hat, wie \n: wihss^T fahren , wihsser/eddei», legen, wibH^- 
l^dden, ii^ieder hinlegen; "wihsserrqjdden , rathen; wihsser^e^en, 
setzen, wihssers/ati^tzen , stehen; wihsserspre^n, spr^heQ; — 
nfihsserkkmen , wiederkommen. — r WihsserÄä/en , wiedei*tiQ)6n , ist 
untrennbar. — Bei Substantiven wird mhsser zu mkser, als: de 
Wähserwdlle, der Widerwille, «wÄsenpaWi^, widerwillig, wäJ^er- 
sonnig, widersinnig, dat Wähserspßll^ das WiderspieJi; wähs^npwHr 
n4/t, wetterwendisch; widerlich dagegen ist: wäddevlifik, jö Wd^- 
derlickhäid, towddderne wesen, zui^id^r sein. 



13 



a 
^ 



Klassenßintheilung des Zeitwortes. 

§. 167. Das Zeitwort zeig^ entwedier eia Be&t^h^, WM^ W 
d^m Worte sein, altljpgs wesen, oder ein Geschehe ^n., w^s di^ 
flrklärung d^elben ziemlich gena,Ui eifspböpft,. Au& d^ip G^heMi 
gehen nun dr^i verschiedene i^u^täodQ. hervor, näislicl;! der thätigß,. 
d^v Ijeidi^nd^. ynd der i^nil^ätige Zustand, un(jL da^ Zeitwoi(t Uil' 
(allt demnach in dasthätige (verbiß af^tivui^), in dasi l^i^eode (v^ 
bi,i,m passiyum) und in das untb^tige ^itwprt (y^i^bun^ pjsujlf o^). 

§. 168. Das tbätig^. Zeitwort zeiglj an , dass. ii^gend, eiq Gegen- 
stand selbstwirkei^d ist, wie in den \Vörtern : gongen, |^€|hen^; büf», 
ai:beiten; luppen, laufen; stnäden, siveil^n ;sluhggen, schlagen ;aArtiB- 
wen, schreiben; wrässßlp, ringen; fangen, fang^i^; IpßWßn, lipl^a; 
ringen y läuten; äjtugen, anbjalten, u. si w. Diesem Zustaifde i&tnqo 
zunächst der unihätige entgegeng/^ac^tyZt, wie in,: Iddi^^ lipg^Q^ 
satten, sitzen; rauen, ruhen; welei}, ajusruhqn , u. s. w. In bdd^ 
Zustände kann ich mich, M^illkübr.lich versetz^qn und siq wiedei; 
aufhebpn, sobald es mir gefällt. 

§. 169. Der leidende Zust£)pd, welcher, deip tfiäligen geradezQ 
entgegengesetzt ißt, unterscheidet, sich^ sQwpbli von dicisf^«. sk 
fiuch von deip, unthätigen dadurch,, das^.er von. m^ipeip Will^ 
durchaus unabhängig ist, z. B^ in: v^or^ßn^ ^';er4ei^; wSseüt,^smf 
ävjntstäujnnen , entstehen; forgongen, vergehen; wälen, wdkißB; 
stäirwen, sterben; dränken, eriripken; wägsen, wachsen;- t)^(toi 
ältelq; sören, siechen; bjdrsten, b^rslen; säinken^ sinken; üttgoi^fihWi 
ausgebeQ»erlöschen;ai4AA»^«^»versQheideii, u.s.^« IfieristälMlürft! 



289 

all reines Leiden, durchaus unabhängig von den Gegenständ^; 
die demselben unterworfen sind, wie auch in: röchen , rauchen; 
dämpent dampfen; kögen, kochen; wärken, schmerzen; wärrigen, 
dasselbe; swieligen, ersticken; driwwen, treiben, auf dem Wasser; 
ritten, sielen , treiben ; shämmeln , sclnmmeln ; gären , gären ; häiren^ 
haaren; fähsei*n, mausern; hüdden^ häuten; böllnen, scfa wären; 
Uhmen, seh wellen; brännen, brennen; braasen, braten; forstienen; 
Tersteinern; forliölten, verholzen ; rJ^eii , fauleh; dprösen, veWau- 
len; bUeken, bleichen; bäwerfi, beben; shilwehi zittern; bläjdden,' 
Unten; forblc^den, verbluten; priesen^ frieren; töien, Chanen; 
dptöUn^ atrfthaueu; hungen, hangen; swdtten, sch^^itzen; nüterii 
rasten; drögen, trocknen; forwalen, verwelken; gähmen, gähnen? 
insläipen , einschlafen ; äpwaagen , aufwachen ; smhmen , in Ohnma'bht 
fiE^en^ schweim^nr, u.s.w. Hehrere Zeitwöftei^ mit der Yörsllbb 
/br (.ver) zetgeh auch reines Leiden an*, wie: forkameni vor Kälte 
und von zu starker Ansti^engong fa^t utnkoibmön'; fo>kolKgen ;yor 
Kaite- itokoni'äaeh; fin'enmn,' verarmen;*' forbiieken^ verbleichehr 
faräMmen^ farMwweht, forutiU>kkeh, förwdddern, verwittern^ /or- 
smäffien; f&rbSllnetk , verschwäi*en ; fordrögen ; farwilWh , ver- 
wildern. 

Viele der leidenden Zeitwörter h^ben den* wirkenden' Zustanff 
n^fabb sich, ^ wie auch manbhe Activa* ihtVansitiva denzielendbn 
oi6r transitiven Züstaüd^ zui* S^ite habön, als: di^änken\ de JffaHfi 
dräidsiy kk dränk man Bonn;' dä^' HoU drip, icH driwdd Axne; 
däi Eüsa bräfinl , jö b^ännt Kaffebune; düi Wahser köget-, joFömrneH 
kigei Soos, Suppe; jö' Gnws^ brauset, icß braas eti Hüse; ddKiuhs^ 
dfeg^» ick dröhg min Kiuhsep d^d Sftörst^n rö6kt\' ick rock TobäcU; 
dät Waher hie't, he hieH siH SMxö dfi laibtrdni Läneirt blieket:,j6 
Uieket hdr Länerl; jö Böhmer smblt, ick smolt Blie; da Arte uke^ 
ja üke^ K'luhse , Wäsche ; dnt Fodder wMdert , jo wdddert h&r 
Küthse; dät LjägV gongt üU\ de Mwiri ds üttgingen;^ dät Mujnw 
fbUrgongt r dö hakst de foPgingen; jö Wannen Me/e^, die Wuiide heilt, 
dai Piaaster hüßlet jö Wünnenl -^ Dass diese Zeitwörter, welche 
Feines Leideh anzeigen , nicht mit der Leidensform aus" dem zie* 
lenden Zeitworte zu verwechsln sind, bedarf kaum des Er- 
wähnens, indem sie nicht den wirkenden Zustand voraussetzen, 
der jene Form bedingt, z. B. släien worden, geschlagen werden, 

33* 



260 

und forloamen^ erlahmen; stoppen , los im Stifte sitzen, besonders 
Yon Einlegemessern , und fanget wftrden. 

. §. 170. Das thätige Zeilwqrt zerfällt nun wieder in das zie- 
lende (v. transitivum) , und in das thätige, ziellose (verb. act. in- 
transitivuro). Beim zielenden Zeitworte geht nämlich die Thätig- 
keit, welche dasselbe ausdrückt, immer als Wirkung unmittelbar 
auf einen andern Gegenstand über, der diese Wirkung leidet, und 
das Ziel oder das Object genannt wird , das ich daher nennen oder 
mir wenigstens denken muss , wenn der Sinn des Zeitwortes richtig 
aufgefasst werden soll, wie z. B. bäggen, bauen; räbben, rupfen; 
slägtigen, schlachten; drugen, seihen; mägen, machen; betälen, 
bezahlen; duhggen, thun und geben; als: he bdggfn Hüss; jö 
rdbbei bar Gäis; ja slägtige en Ögse; jö Fdmmen druget Motte; 
de Satter mäget Stäiwle; dö betälest din Shüll; hedüi me en Bauek, 
er gab (that) mir ein Buch. — Das thätige, ziellose Zeitwort 
(y. act. inlr.) zeigt ebensowohl reine Thätigkeit an, aber diese 
geht nicht, wie beim zielenden Zeitworte, unmittelbar auf einen 
andern Gegenstand über, der die Wirkung dieser Handlung leidet, 
wie z. B. in gongen, summmen, sträwen^ stridden, springen, buent 
u. s. w. Hier muss ich ein Umstands- oder Yerhältnisswort zu 
Hülfe nehmen, wenn diese Zeitwörter richtig verstanden werden 
sollen, als: ick gong ti Hüss, ich gehe nach Hause; he gongt äjU*e 
Hühs, er geht daheim; ick gong ütt äw*tFäjll,ich gehe aufe Feld; 
he gongt äw't Fäjll, auf dem Felde; ick gong gdw, lägt, longsaam, 
flink u. s. w.; ick gong ambäi, häne, dp öjtfe Bäirig, den Berg 
hinan; dp äw*e Bäirig, auf den Berg; äw*e Bäirig, auf dem Berge. 
He mummt ütt äujn't Heef, aüwer*e Sie-e, döhr*eHuawen, ins Meer, 
über den See, durch den Hafen. Jö sträwet md här uirhed, sie 
strebt mit ihrer Arbeit; he sträwet ijn*e Wjärdy erstreitet wider 
die Wahrheit; ja stridde dm Min dn Din, sie streiten ums Mein 
und Dein; he sprdingt ütt äujn't Wahser, ins Wasser; he swummt 
äujn't Wahser, im Wasser; auwer'e Slüjtt, über den Graben; dp 
äw'e Wäien, auf den Wagen; tosidde, zur Seite; faärüU, voraus; 
dähly nieder. Ick hü äw en Shäp, en Pär Stäiwle^ ich arbeite an 
einem Schranke, an einem Paar Stiefel. 



261 



Anmerkungen. 

i. Eisige thätige , ziellose Zeitwörter nehmen die Art des 
sielenden Zeitwortes an , wenn man den Gegenstand der Wirlcung 
ausser ihnen setzt, als: en Dons dönsen, einen Tanz tanzen; en 
Kamp kimpen, einen Kampf kämpfen; he slSpt en ünrauigen Släip, 
er schläft einen unruhigen Schlaf; dö hähst en gauhscn Stridd stran , 
du hast einen guten Streit gestritten. Mehrere zielende Zeitwör- 
ter können, umgekehrt, ohne den bestimmten Gegenstand ihrer 
M^kuDg gebraucht werden, wenn man bloss die Art der Be- 
sebaftiguDg ausdrücken will, als: wdt mögest? ick shriww, icklees, 
Mb litffte», ick mal, ick plant, ick spdl u. s.w. ich schreibe, lese, 
zeichne, mahle, pflanze, spiele u. s. w. Dass aber auch der Gegen- 
stanci der Handlung hinzugefügt werden kann, versteht sich iron 
selbst, als: ick shriww en Bräif; ick lees dät Wägebleess (Wochen- 
hbtl); he tiekent en Rauhs (eine Rose); jö malet en Fögel; ick grew 
em Köht (Grube); we pldnte Buhmme; ick bäfisig dät Vaterwiser; 
jo qKUint Sihssen, sie spinnt Seide, u. s. w. 

%, Oft bevuht es nur auf der Anwendung eines Zeitwortes, 
ab eft zielend oder ziellos ist, wornach es denn bald mit hewen 
ubA beU mit wSsen verbunden wird, als: ditr tjogl FäirwäJiser ip^ 
€& ■ zieht ein Gewitter auf, ds dptägen^, ist aufgezogen ; jö Wägt 
tjog^ dp, ds dptdgen, die Wache zieht auf, ist aufgezogen; ick 
Im iteli» Kldck dp, Mhw dptägen, ich ziehe meine Uhr auf, habe 
aii%eK0gen; sin Bjäme aptieen, seine Kinder auferziehen, hähw 
uplägm \L s. w.; rüden, reiten, he rdtt iUt, ds üttrdn, ist ausge- 
tiül^n;ickridddätAjky ich reite die Stute, habe geritten; käiren, 
jhthFeD, he kjärt dvßnt Fäßll, ds kjärdy ist gefahren, ickkäir Gäihs, 
ick fahre Dünger, hähw kjärd; dät Hännehjärn shüjtt dähl äw en 
SjückUng, die Hühnerweihe schoss auf ein] Küchlein herab> ds 
shahH-: de Jäger shüjtt en Bef, einen Fuchs, het shähn; bregen,de 
Stock bregt, der Stock bricht, ds hrägen, ist gebrochen; ick brSg 
man Äirem, hähw hrägen; riwwen, reissen, dät Tjöchrdft, der 
Zieug zeireisst, ds räwen; ick riww min Kluhse, hähw räwen; smol' 
ten-, schmelzen, de Snie smoltet, ds smolten; he smoltet Blie, het 
smolten; blicken, jö Färrew blicket, ds blicket; jö blicket Zdnert, 
hSPhliehel; kögen, dät Wahser kdget, dsk6get;ickkdg Soos{Sup^), 



262 

hähw koget; braasen, jo Gaus braaset, ds brauset; jö braaset SpSck^ 
hei braaset; trisen, de Vrder trSl jö Jfnert^ hei irähn; he trößt in, 
ds intrühn; dät Büss brannte ds bränd; ja bräme Säene, hmoe 
bränd; ÜHUeen, dät Idefmlk tjogt ÜU, ds üUtägen; he tueh mä en 
Taus üH^ hei üiitägen; (mfsiävjntien, he stöhs aufe WäieUj- ds 
aufst^tmen; he sUmt me sin R^fft auf, h^ aufst^nen, u. $. w. 

§w 171. Ufiler de» zielenden Zek Wörtern! giebt es nun wieder 
mehrere, die ihr Ziel allem in dem Gegeastande teibeB^ von 
welche» die Wirkung au^gieht» und diese heissen zurüchzielende 
Zeiiwörier (verba reciproea), als: he skaamet häm^ er schämt sieh; 
da grämsi de, di» grämst dielv; kk besann me, icb besiniie mich; 
ick biöge£ me, ich schämte mich dessen; huhm shi^nien, sich spu- 
ten; huhm behelpen, sich behelfen; huhm w^en, sich wehren; 
huhm wnnerstavjnnen, sich unterstehen; huhm äu> waH forlqjttm, 
sich auf etwas verlassen; he fonmmnert hdm dirrauwer, er ver- 
wundert sich darüber; huhm forkäüen, sich erkälten; huhmkdmen^ 
sich erholen; he kämt kam, er geneset; huhm äjttdrSgeny sieb ge- 
behrden; huhm tieren, sich wundierlich gebehrden; huhm äujn^gt 
nämen, sich hüten, in Acht nehmen; ^uAw «^en, sichhüt€to;dtrr 
wdll ick me nög Juar wäre, d&vor will itih mich schon* hüten; dö 
maust de wäre, aus dem Wege gehen; huhm üttnämen', sich her- 
ausnehmen. — Dahin gehören besondens alle Zeitwörter' mit der 
Vorsilbe for,.wenn sie etwas Fehlerhaftes anzeigen. Wie in: hühm 
forsieen , forsprSgen , forrägnen, forsiaipen , f&rtellen (sieh 'verzählen); 
u. s. w. Diejenigen Reciproea, welche im Deutsdien das unper- 
sönliche es vor sich haben, bekommen im Friesischen hdm\ ais^ 
sich ziemen, /<(dm sömen, es ziemt sich nicht i- dät sömet hämii; 
sich passen, hdm passen; es giebt sich wohl; dät jeft'hdm näg^e» 
trifft sich so, dät dräwet hdm so; sich ereignen, zutt*bgen, hini 
tddregen; u. s..w. 

§.172. Bei den bisher angeführten Zeitwörtern gehen die 
Veränderungen, welche durch dieselben ausgedrückt werd^ 
immer von einem Gegenstande aus oder an demselben vor, de» 
ich daher nennen oder durch ein Fürwort ersetzen muss, z. ft 
de Fögel Imt Jlie, aurs labben Junge ßit'r cd, der Vogiel legt£ier, 
aber lebendige Junge bekommt er« nicht ;'^da^ Wahser fröst, aurs 
de Wärmde tH^t wihsser dp. — Wird ater das Geschehen einem 



265 

unbekannten Gegenstande oder einer Ursache zugeschrieben, die 
man nicht nennen kann, so gebraucht man das sächliche Fürwort 
d& (es) als: dät rint, es regnet; däl mäü, es schneiet; dät wäü, 
es weht; hagelt, hagelt; frösi, friert; ^unner^, donnert; läidet, blitzt; 
tUturmt, stürmt; dSget, iBgei; junket, dunkelt; ddwwet, thaut (es 
fallt Thau); toU, thaut auf; urset, lenzet; simmert, sommert, und 
wontert^ wintert. Dieser Eintheilung nach zerfallt nun das Zeit- 
wort in das persönliche (verhum personale) und in das unpersön- 
liche (verbum Impersonale). 

Anmerkung, 

Die unpersönlichen Bildungen: es heisst, es verlautet, es wird 
gesagt, es wird dort getanzt, gespielt, geschwärmt, gesehlachtet 
11. s. w. , werden im Friesischen durch dät und bald durch dirr 
ausgedrückt, als: dät hält so, es heisst so; dät het nint tö sSdden, 
es hat nichts zu sagen; dirr stönt shräwen, es stehet geschrieben ; 
dirr wprt nint dßjn, es wird nichts getlian; dirr wort dönset^ spä^ 
let, slägtigt. Yergl. §. 130. 

§. 175.. Ausserdem haben wir noch die drei Hülfszeitwörter: 
wurden, wesen und hewen, werden, sein und haben, so wie die 
Zwitterhülfszeitwörter: dürrefi, dürfen, den Muth haben; tür- 
ren, dürfen, verpflichtet sein, die Erlaubniss haben; ^aanen, kön- 
nen; lä^tten, lassen, mäiytten, müssen; maagen, mögen; shdllen^ 
sollen; wällen ^ wollen, die mit den übrigen Zeitwörtern eigene 
Verbindungen eingehen. Diess sind die verba auxiliaria. 

§. 174. Es giebt ferner unter allen bisherigen Arten von Zeit- 
wörtern einige, die in der Abwandlung nach Personen, Zahlen 
und Zeiten einer genau bestimmten Regel folgen , wobei ihr Slamm- 
laufi immer unverändert bleibt,, und diese bilden das regelmässige 
Zeitwort (verbum reguläre) ; und andere , die in Personen , Zahlen und 
Zeiten sowohl mit ihren Stamm-, als Nebenlauten abweichen, 
vffld diese bilden das unregelmässige Zeitwort (verb. irreguläre), 
wovon die nordfriesische Sprache eine bedeutende Menge und 
ipßfar^re. Arten hat. 

Bestimmung des Zeitwortes durch die Ausdruoksweise (Modus). 
§. 175. Die erste und ursprüngliche Form des Yerbums ist 



264 

das Wandelwarit wie in: läwen^ leben; liewen^ lieben, glatabcn; 
träiven, traben; sillen, treiben, schwimmen, fliesson; grawwen, 
kläisen, krauen und kratzen, mit den Nägeln, a. s. w. Wenn wir 
das Wandel wort bloss als Art des Ausdrucks betraebten, so steht 
dasselbe in der Unbestimmtheü (Infioiiivus) , als: stäirwen mä Ihre 
ds bähsere, dann läwen ma Shöm, sterben mit £hre, ist besscfr, 
als leben mit Schande. Da Urbebögere äujn ^stindiän, da Oentoo's 
sSdde: statinen äs bähsere ds gongen, Iddden ds bähsere ds satten ^ 
släipen ds bäfisere ds waagen , an stäirwen ds dät bist auf alles (stehen , 
gehen, liegen, sitzen, schlafen, wachen, sterben) u. s w. Ahsen 
an drajnken, planten an sieen, sammeln an sprijdden, alles het sin 
Tidd; ahsen, drajnken an släipen^ äs alles y wä^r dSt, essen, trin- 
ken und schlafen ist alles, was er thut. Faar bar Huclmäujd 
huhm sellew äi kännen; sin Mleme liewen an ihren, ds 'e Bjdmes 
Shüllighäid (Pflicht). 

Andere Formen der Ünbestimntitheit sind: ick bliw satten; he 
blief Iddden; ick fünn hdm släipen; ick fail man Pills sluhggefi;dö 
hähst gävjd snäken (reden); he helpt nie drigen; jö liert donsen, 
lesen, shriwwen; hirr ds*t äi gäujd faurt to kämen; he gongt töbäd- 
den, er geht betteln, u. s. w. 

Das Wörtchen to (zu) vor dem Wandelworte bildet mit demsel« 
ben keine streng gerundische Form, sondern steht eigentlich' mehr 
als Ergänzung des Sinnes bei Haupt- Bcslimmungs- und Zeitwör* 
lern, als: he pleget Sdder to Bedd to gongen, er pflegt zeilig zu 
Bclt zu gehen; dät ds swär to dregen, das ist schwer zu tragen; 
ick häw mnt to ähsen , ich habe nichts zu essen; ick fräu me, de 
wihsser to sieen, ich freue mich, dich wieder zu sehen; tc^ bdn äi 
kiemen, dm md de to tjdwtoeln, ich bin nicht gekommen, um mit 
dir zu zanken ; he het noch en Bräif to shriwwen , er hat noch einen 
Brief zu schreiben; jö het gaar nint to duhggen, sie hat gar nichts 
zu ihun , u. s. w. 

Zu bemerken ist noch, dass das Wörtchen t6 bei echtzusam«- 
mengesetzten Zeitwörtern, wie bei einfachen, immer vor densel- 
ben steht, bei unecht zusammengesetzten aber so eingeschoben 
wird, dass es unmittelbar vor das eigentliche Zeitwort zu ste- 
hen kommt, als: dö hähst me nint to uhgwUtlgen, nichts vorzu- 
werfen; dät fanget äujn to issslägen, es beginnt zu glatteisen; Aeof 



260 

äi tö auwerwdnnen, zu überwinden; unecht: deThief asintofängen, 
der Dieb ist einzufangen; dät ds äi ütttohüjllen; so auch: wägtö' 
dregen, dptobregen, bäitökämen, u. s. w. 

§. i76. Spricht man aber von einem besliromten Gegenstande, 
so muss sicli auch die Form des Zeitwortes darnach richten, als: 
ick bdn kränk; de Hünn bjdwset; man Brauhser sterrewt; de Manne 
shint; man Näiber ds rick, aurs ick bdn en ermen Mdnn; de Snie 
läU noch tjock dw't Fäjll; dät Hüss wort bdggd. Hier ist in dem 
Ausdrucke überall Gewissheit , weshalb auch diese Form die 
Gewissheit (Indicativus) genannt wird. 

§. i77. Obgleich die nordfriesische Sprache für die (/n^m^sAet^ 
(Dabitativus) keine eigene Form des Ausdrucks hat , so liegt es doch 
in der Natur der Sache , dass man die Ungcwissheit nothwendig da 
denken muss, wo man die Gewissheit einer Aussage nicht verbür- 
gen kann, z.B. He sähsjie häir ninie fon hierd , er sagte , er halte 
nichts davon gehört; en wihssen Mdnn sähs, deMdnshe häidirrfaar 
man an Müss an tuhg ühre, däVr mannere snäkc, an mörr hieve shäujl 
(hören solle). Daher gebraucht man, wo es angeht, häufig die gewe- 
sene Gegenwart (das Imperfectum) zur Bezeichnung des Dubitati- 
vus, als: ick häw hierd , dät da lägen hähst , ich habe gehört, dass 
du gelogen hast , d. h. ich bin Zeuge deiner Lüge gewesen ; ick häw 
hierdy dät dö lägen häist, ich habe gehört (von Andern), dass du 
gelogen hättest; he säit, dö hähst lägen, er sagt, du habest gelo- 
gen ; jas^(ie,tlA5en Pm/er ds kränk y sie sagen, unser Prediger sei 
krank; he shdll kränk wese, er soll krank sein. 

§. i78. In den Sätzen: hörr locklick köhn 'e Mdnshene wise, 

vdns man bäfisere wjäm! wie glücklich könnten die Menschen 

sein, wenn sie nur besser wären! he köhs bähserc Idwe, wdn'r 

Ol so faale forspAlet! kommt die bedingende Art des Ausdrucks 

(der Conjunctivus) vor. Wird aber die Bedingung als erfüllt 

betrachtet, so tritt auch die Gewissheit wieder ein; als: Ick 

tnähs hall en Räihs to man Brauhser möge, wann ick'r man Giß 

$6 häi; aurs ick räihs, söbdll ds ick Giß fangen häw, ich möchte 

gerne eine Reise zu meinem Bruder machen, wenn ich nur das 

Geld dazu hätte ; aber ich reise , sobald ich Geld empfangen habe. 

§. i79. Bei der befehlenden Ausdrucks weise (Imperativus) 

wird das Zeitwort möglichst abgekürzt, und die einfachen bebal- 

34 



266 

Icn nur ihre Slaninisilbc, als: gong! lup! stävjn! ähs! gripp! ßU 
äi! dräjnk! u. s. w. Hierher gehört auch die wünschende Art, 
als: todnn'r doch käme wäjll! die erlaubende Art: he mäi nog 
shriwwe; die nöthigende Art: he mäiijt shriwwe; die wagende 
Art: he törCt düjn , er darf es zu thun wagen; die verpflichtende 
Art: he shdll shriwwe; die vermögende Art: he kön shriwwe; die 
vertretende Art: he let shriwwe, 

Beslimmung des Zeilwortes durch Zeiten (Tempora). 

§. 180. Die drei Hauplverhällnisse der Zeit sind: die Gegenwart 
(Vvacsens) , jö Nötidd (Jetztzeit); die Vergangenheit (Perfeclum),För- 
gingenhäid; und die Zukunft (Futurum) , jö tokämen Tidd, Darnach 
richtet sich das Zeitwort in seiner Abwandlung (Conjugation), als: 
ick rögt, ich richte; ickword rögtet, ich werde gerichtet; ick hm 
regtet, ich habe gerichtet ; ick hin rögtet loorden; ick word rogten^ ich 
wxrde richten; icÄ word rögtet wirrden^ieXi werde gerichtet werden. 

Zeilen ohne Beziehung. 

§. 181. Zeiten ohne Beziehung sind: die Gegenwart^ die Ver- 
gangenheit^ die geschlossene Vergangenheit (Perfeclum praeterilum) 
und die Zukunß. In allen diesen Zeiten drückt das Zeitwort ein 
Geschehen ohne alle weitere Beziehung auf irgend einen Umstand 
aus , als : ick rögt , ick häw rögtet , ick haw rögtet häjd , ick word 
roglen, 

§. 182. Die Gegenwart sagt aus, dass etwas jetzt, von jeher 
oder immer geschieht, als: ick law, ich lebe;Äe sArd/l?, er schreibt; 
jö säit, sie näht; he bdggt en Hüss, er baut ein Haus; de Tieger 
äs en glöbsh Thier, der Tiger ist ein reissendes Thier ; 6/d «y/atir^e 
tiee to auhser Läujnne ; dirr äs nint Näis unner'e Sann, es ist 
nichts Neues unter der Sonne. — Die Bildungsform dieser Zeit 
ist die blosse Stammsilbe des Wandelwortes ohne die Endung 
en , und bei den auf ein und ern ausgehenden , ohne den Buch- 
staben n , als : gmigen , ick gong , dö gongst , he gongt , pl. u» 
gonge; kldwwern, ick kläwwer , dö kläwwerst^ he kldwwert, pl 
we kldwre; däjngeln, ick ddjngl, dö ddjngelst; he ddjngeü^ pl 
we ddjngle. 

Für den Leidensstand des zielenden Zeitwortes steht das zweite 



267 

MiUclwort mit dem Wandclwortc worden (werden), wie: släkft 
worden , geschlagen werden , ick word släien ; drägen worden , 
getragen werden; dät Lick wort drägen, die Leiche wird getragen. 
Für den daraus hervorgehenden Zustand in der Gegenwart, als 
andauernd und bleibend gedacht , steht das zweite Mittelwort 
mit dem Wandelworte wesen, z. B, släieii wesen^ geschlagen 
sein ; ick bau släien , u. s. w. 

Anmerkung, 

Der Leidensstand der zielenden Zeitwörter zerfällt daher in 
einen doppelten Zustand, nämlich a. in den werdenden, entste- 
henden , anhebenden oder beginnenden , und b, in den bleiben- 
den , fort- oder andauernden Zustand , wobei die Wandclwörter 
worden und wescn mit dem zweiten Mittclworle bestimmungswört- 
lich zusammengestellt werden , jedoch immer mit Beibehaltung 
des Nebenbegriffes von einer vorausgegangenen Veränderung in 
der Zeit, wie z. B. Ick bdn en släienen M5nn, ich bin ein ge- 
schlagener Mann ; da bdst en hüllenen Kjärl ! du bist ein gehal- 
tener Kerl, d. i. einer der sich ^ui sieht ; he ds en plägeten Mdnshe. 
§. i85. Die Vergangenheit, Hier wird der Zustand ohne wei- 
tere Beziehung geradezu in die vorige Zeit gesetzt , als : Ick häw 
ahn , drunken , gräwen , släipen , ich habe gegessen , getrunken , 
gegraben , geschlafen ; und beim leidenden Zeitwortc , so wie 
beim verb. act. intransitivum , wenn eine Richtung dadurch be- 
zeichnet wird, mit wescn, als; ick bdn feilen, wügsen, drängd, 
.. sunken , ich bin gefallen , gewachsen , ertrunken , gesunken ; he 
ds kjärd , gingen , flogen , wdgtägen , er ist gefahren , gegangen , 
geflogen , weggezogen ; jö d$ äujn 'c Süss Sprüngen , sie ist in den 
Brunnen gesprungen. 

Anmerkumj. 

Die Bildungsformen dieser Zeit sind ebenfalls das zweite Mittel- 
wort mit den Hülfswörtern hewen und wesen , wie : läwet hewen , 
gelebt haben; shräiven hSiven, geschrieben haben; wügsen, stur- 
wen^ drängd wesen, gewachsen, gestorben, ertrunken sein. Das 
zielende Zeitwort hat hier im Leidensstande doppelte Bildungs- 
formen, eine für den anhebenden, und eine für den dauernden. 



268 

Zustand; für jenen das zweite Hittelwort (Participium) mit tiTilrclen 
wisen, als: gram würden wesen, gegriffen worden sein; fanget 
würden wesen , gefangen worden sein , als : he as fanget würden , 
er ist gefangen wo^'den; für diesen das zweite Mittelwort mit 
wähn hewen, gewesen haben, statt gewesen sein, als: fanget wähn 
hewen , gefangen gewesen sein ; ick häw fanget wähn ; de Fögel 
het all twäie fanget wähn , aurs he ds drk Täch wihsser wdgflägen , 
der Vogel ist schon zweimal gefangen gewesen , aber er ist jedes 
Hai wieder weggeflogen. 

§. 184. Die geschlossene Vergangenkeit. Es giebt Handlungen 
und Zustände , welche die Vergangenheit schon als völlig abge« 
schlössen darstellt, indem keine Fortdauer derselben mehr denk- 
bar ist, als: ick häw de Gönner slägtigt, ich habe den Gänserich 
geschlachtet ; he het en Hase shähn (geschossen) ; man Fidder ds 
stürwen, mein Valcr ist gestorben; dät Bjdrn hei häm düjd feilen, 
das Kind hat sich todt gefallen. Andere Zeitwörter setzen nur 
den Anfang eines dauernden Zustandes in die vorige Zeit, deuten 
aber zugleich eine Fortdauer des Ausgesagten an , als : ick häw 
min Fähserkniff sldn , ich habe mein Federmesser verloren; ick 
häw me faarset , ich habe mir vorgesetzt; ick bdn feilen, ich 
bin gefallen ; das Messer ist nun verloren , der Vorsatz gefasst , 
und ich liege nun da. Noch andere zeigen zwar die Vollendung 
der Handlung an, bestimmen aber zugleich das Dasein dessen, 
was durch diese Handlung bewirkt worden ist , als : He het 'n 
jBräif shräwen, en Kaie mäget, en Büßt tämmert , en Köhlgräwefi, 
en Shruw dräid , en Meilen bdggd ; der Brief , der Schlüssel , das 
Boot, die Grube, die Schraube und die Mühle sind nun vor- 
handen. Soll aber etwas in jeder Rücksicht beendigt und abge- 
schlossen gedacht werden , so tritt auch eine neue Form dieser 
Vergangenheit ein , nämlich : häjd hewen und wähn hewen mit 
dem zweiten Mittelworte, wohin auch die letzten Beispiele der 
vorigen Anmerkung zu §. 185 gehören, als: Ick häw md» 
Gijlpung sldn häjd , ich habe meinen Geldbeutel verloren gehabt; 
dät Shdp het sunken wähn y das Schiff ist gesunken gewesen; iek 
häw üUridden wähn , bin ausgeritten gewesen ; der Geldbeutel 
ist nun wieder gefunden, das Schiff aus der Tiefe gehoben, und 
ich bin wieder nach Hause gekommen. 



269 

§. 485. Die Zukunft, Die beziehungslose Zukunft zeigt gera* 
dezu an , dass künftig etwas geschehen werde , als : he wort 
n^dme räise , er wird morgen reisen ; he wm^t äjt Sändäi präjte , 
er wird am nächsten Sonntage predigen ; jö W(jrt dilling noch 
käme , sie wird heute noch kommen ; ick word mnebliwwe , ich 
werde zu Hause bleiben. Diese Zeit wird aus dem Wandelworte 
des Zeitwortes und worden (werden) gebildet , als ; stäirwen wor- 
den , släien worden , släipen worden. Diese Bildungsform gilt 
sowohl für den Wirkungsstand, als bei allen ziellosen Zeitwörtern. 
Beim anhebenden Zustand des Leidensstandes setzt man das zweite 
Mittelwort zwischen worden worden (werden werden): worden släien 
worden , worden fordräwen worden , worden fanget worden , als : ick 
word släien worden , %ve worde fanget worden , jd worde fordräwen 
worden. Beim andauernden Zustande tritt das zweite Mittelwort 
zwischen worden und wesen , als : worden äiijntägen wesen , ja worde 
äujnlägcn wesen , he worl släien wesen , dät Hüss wort bdggd when. — 
Auch bei Muihmaassungcn wird diese Form gebraucht , als : he 
wwrt forlig t mägonge , he wort wäjl faale Gijl fortimie , ick liew , 
fi wort har nög befräie , sie wird sich wohl verheiralhcn ; he wort 
nög dpkäme , er wird wohl aufkommen u. s. w. Statt worden 
gebraucht man auch wällen (wollen) , wenn der Wille des Men- 
schen daran Theil nimmt, als: ick wall aurdemjärne ütträise 
(übermorgen verreisen) ; he wäll sin Hüss forkuppe ; jö wäll har- 
ren Mann forläjtle , sie will ihren Mann verlassen. 

Zeilen in Beziehung, 

§. 486. Diese sind : 1. die Gegenwart in der Vergangenheit 
oder die gewesene Gegenwart (Imperfectum) ; 2. die gewesene Ver- 
gangenheit (Plusquamperfectum); 5. die geschlossene, gewesene Ver- 
gangenheit (Plusquamperfectum finitum), und 4. die Vergangenheit 
in der Zukunft oder die gewesene Zukunft (Futurum exactum). 

§. 487. Die gewesene Gegenwart, Dieser Zeit bedienen wir 
uns , um anzuzeigen , dass wir bei etwas Vergangenem gegen- 
wärtig gewesen sind , oder wenn etwas als gleichzeitig gesche- 
hend dargestellt werden soll, wovon das eine sich auf das andre be- 
zieht, weshalb dann auch der Satz allemal durch einen zweiten 
zu ergänzen ist, der mit als anfängt, und den man sich auch 



270 

da immer hinzudenken rauss , wo er nicht angegeben ist , z. B. 
Ick was tö haaw , as *c Prdwst präjtet , ich war zur Kirche , als der 
Probst predigte ; ick liewd min Süster (ds noch läwet) , ich liebte 
meine Schwester (als sie noch lebte); ick släip in, ds ick Opium 
fangen häi, ich schlief ein, als ich Opium erhalten hatte; de 
Bürre ging just fdarbäi, ds jö Mellenruhw aiifflvg, der Bauer ging 
gerade vorbei , als die Mühlenruthe herabflog. Frage ich : huhm 
sähs dät? wer sagte das? so setze ich voraus, dass der Gefragte 
die Aussage des Andern gehört habe , sehr verschieden von : 
huhm hit dät säid ? wer hat das gesagt ? wo bloss nach etwas 
Vergangenem ohne alle Beziehung gefragt wird. Diese Zeit wird 
häuOg beim Erzählen längst und jüngst vergangener Begebenheiten 
und Ereignisse gebraucht, um dieselben lebhafter darzustellen, 
z. B. »An Jesus strigd sin Häujnn ütt, hjdrd hdm äuju, an sähs: 
ick wdll't düjn , wSs rien /" Matth. 8 v. 5. > An Gödd maget en 
grott Ijägt, dirr'e Däi regieret, an en Idjtt l(jägt,dirr 'e Nagt regie- 
ret; dirlo og Stäire. i Mos. 1 v. 16. 

§. i88. Die gewesene Vergangefiheit. Die gewesene Gegenwart 
setzt uns so in die Vergangenheit zurück , dass etwas in derselben 
gleichsam vor unsern Augen oder in Gegenwart des Erzählenden 
vorgegangen ist, wogegen aber die gewesene Vergangenheit etwas 
angiebt , was vor der Zeit geschehen ist , in welche wir versetzt 
werden , wie z. B. He häi dät Bräif all äw'e Post brogty ds ick 
äujnkaum , er hatte gebracht , als u. s. w. He häi me dät all 
ihnsen ihr säid, er hatte mir das schon einmal früher gesagt 
(als eres mir zum zweiten Male sagte). — As ick üttkjärd, häi'täU 
äujn fanget tö renen ; de Thief was all äujnlkiemen , ds efter hdm 
sägten; he häi üUridden wähn, ds wdt tö hdm kanmen; de Jäger 
häi dät Reef all shähn , ds Paul sin Fängjörn faar 't Haaiing 
stdlld , der Jäger hatte den Fuchs schon geschossen, als Paul 
sein Fangeisen vor die Oeffnung der Grube stellte. 

§. 489. Die geschlossene, gewesene Vergangenheit, Wenn ich 
erzähle : he het sdn A'mledder sldn häjd , er hat sein Taschen- 
messer verloren gehabt, so unterscheidet sich diese Form nur 
dadurch von der der geschlossenen Vergangenheit, dass hit in Ä«, 
[hat in hatte und hätte) verwandelt wird. Z. ß. He häi dillingaU 
ijnsen üttridden wähn , ds wdt (er und ich) md enauser io angek 



271 

gingen , er war heute schon einmal ausgeritten gewesen , als wir 
mit einander gingen, um zu angeln; sdn sihsscne Gijlpung , dirr'er 
all träte slän häid Im , was nö wihsser wäg , sein seidener Geld- 
beutel, den er schon dreimal verloren gehabt hatte, war nun 
wieder weg; man Sahn forlelldyäs Paul äujnt Shäujl kiemen was, 
häi V sin Baucke forjähn häjd, an dirrfaar wihsser tohüss gonge 
möst, dm 's io hälen, mein Sohn erzählte, als Paul in die Schule 
gekommen wäre, hätte er seine Büciicr vergessen gehabt und 
deshalb wieder nach Hause gehen müssen, um sie zu holen; 
he häi sän Ldckse forjähn häjä, äs V äpsedde shäiijlt /mt, er hätte 
seine Lection vergessen gehabt, als er hätte aufsagen sollen. 

§. i90. Die gewesene Zukunft, Wir können uns eine Vergan- 
genheit in der Zukunft schon als beendigt und abgeschlossen 
denken, wofür die nordfriesische Sprache sehr bestimmte und 
geläufige Zeitformen durch ihre drei ilüifszeitwörtcr wesen,hewen 
und worden zu bilden vermag, die sie alle drei in einigen der- 
selben mit einander verbinden kann , was in den ihr verwandten 
Sprachen nicht möglich und daher auch in denselben nicht nach- 
zubilden ist. Die Formen dafür sind folgende: 1. worden hewen; 
2. worden würden wesen; 5. worden wähn hewen; 4. worden wäJin 
würden wesen ; 5. worden wähn häjd hewen ; aber nur in Yerbin- 
doDg mit irgend einer andern Vorstellung können wir diese For- 
men anwenden , als : he wort ahn hewen , ihr dö wihsser töbähg 
kämst, er wird gegessen haben, ehe du wieder zurückkommst; 
he wort äujnset würden wesen, wän 'e Kinning hiiT kämt, er wird 
angestellt worden sein , wenn der König hier kommt ; ja worde 
longens ült *t Rick wähn hewen , ihr*t 'e Kaiser ävjnhäi kämt , efter 
Jim to säjcken , sie werden längst aus dem Reiche gewesen sein , 
ehe es dem Kaiser in den Sinn kommt, nach ihnen zu suchen; 
we worde fanget wähn würden wesen, wörtlich: wir werden gefan- 
gen gewesen worden sein; wc worde dirr wältn häjd hewen ^ ihr*t 
Ihr dm äs, wir werden da gewesen sein (gehabt haben), ehe 
das Jahr um ist. — Fernere Beispiele : Ick word üttsläipen hewen , 
ihr dö klär worst , ich werde ausgeschlafen haben , ehe du fertig 
wirst ; de Slägtcr wort dät Laumm fälld hewen , wän 'e Klöck tien 
släit, der Schlächter wird das Lamm gefillt haben, wenn die 
Glocke zehn schlägt; he \uorl wähld würden wesen, ihr *t Mäddäi 



272 

wort^ er wird gewählt worden sein, ehe es Mittag wird; dät 
Hüss wort bäggd würden wesen, wdn *e Amtmann intijn shaU, das 
Haus wird gebaut worden sein, wenn der Amtmann einziehen soll. 

Anmerkung. 

In dem Satze : dät Hüss wort bdggd wesen , wird der Zustand 
des Hauses als andauernd in einer Zeit der Zukunft, die wir 
uns gleichsam gegenwärtig denken , oder als bleibend in der 
Gegenwart der Zukunft, bezeichnet, entsprechend der Form der 
Gegenwart: dät Hüss ds bdggd! das Haus ist gebaut. Bat Hüss 
wort bdggd würden wSsen, drückt nur geradezu die Vollendung 
des Bauens in einem Zeitpuncte der Zukunft aus, wodurch erst 
der andauernde Zustand bedingt wird, entsprechend der Form: 
dät Hüss wort bdggd worden, wird gebaut werden. — Dät Hüss 
wort bäggd wähn hewen, bezeichnet die Vergangenheit als abge- 
schlossen in der Zukunft, entsprechend der Form: dät Hüss hei 
bäggd wähn , ist (hat) gebaut gewesen. Dät Hüss wort bäggd wähn 
häjd hewen , drückt die geschlossene , verdrängte Vergangenheit in 
der Zukunft aus, entsprechend der Form: dät Hüss hSt bdggd 
wähn häjd , wörtlich : das Haus hat gebaut gewesen gehabt, 
d. i. ist gebaut gewesen. Der nord friesischen Sprache sind 
diese Zeitformen eigenthümlich und leicht , weil sie sowohl 
hSwen und wesen, als auch in vorkommenden Fällen alle drei 
Hülfswörter , worden , wesen und hewen , mit einander verbinden 
kann. 

Personen des Zeitwortes in beiden Zahlen. 

§. 191. Das Zeitwort verändert seine Endungen, je nachdem die 
ihm vorgesetzten Haupt- und Fürwörter in der Einheit oder Mehrheit 
stehen, als: deKräjdder kräit, der Hahn kräht, de Gönner snäsert , 
der Gänserich schnattert, da Hünne bjdwse , die Hunde bellen» 
da u/nerte stvumme, die Enten schwimmen. Nach den Personen 
bekommt es folgende Abänderungen. 

Einheit, 

Erste Person. Hier verliert das Zeitwort die Endung seiner 
Wandelform en, als: ick Heiv, ich liebe, glaube; ick läw^ ick 



273 

lebe; ick gong, gehe; ick ridd, reite; ick äJis, esse; ick shriuno, 
schreibe , u. s. w. Die Zeitwörter mit den Endungen ein und ern 
verlieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: sprdweln, icksprdtvel, 
ich strample; sjühsseltiy ick sjühssel, ich pässle; bäwem, ickbäwer, 
ich bebe , u. s. w. 

Zweite Person. Der Stammsilbe des ganz regelmässigen Zeit- 
wortes wird hier die Silbe est angehängt ; die mehr oder weniger 
unregelmässigen , so wie auch die auf ein und ern, bekommen nur 
den Buchstaben st als Zeichen der zweiten Person, als: dö borest, 
du bohrest ; dö klagest , du klagst ; dö fragest , du fragst ; dö dräwest , 
AninSsi;döträwest, du trabest, u. s. w. Unregelmässig: do^m«^, 
du kommst ; dö ^gst, du siehst ; dö bräjngst , du bringst ; dö gongst , 
du gehst, u. s. w. ShMlewen, dö shillewst ; klajngern , dö kldjngerst; 
rt^ngeln , dö rdjngelst ; gräpeln , dö gräpeht , u. s. w. 

Dritte Person. Hier bekommt das Zeitwort die Endung et, 
oder auch nur ein t am Ende. Die ganz regelmässigen bekom- 
men et, die übrigen bloss t; als: he läwet, er lebt; jö hälet, sie 
holt; hat kröget, es drückt; dät rippet, es reift, ünregelmässig : 
he gongt, er geht; jö satt, sie sitzt; hat gällt, es weint; dät 
rfail , es regnet ; he stämmert , er stottert ; jö bjdrselt , sie bürstet. 
Diejenigen Zeitwörter, welche sich auf me^i endigen, wie gähs- 
men, gähnen; brähsmen, sich erhitzen, vom Heu; fäiksmen, 
fadmen ; shwiermen , schwärmen ; stiermen , riechen ; hermen , här- 
men, und ähnliche, bekommen das e vor dem m, als: he gäsemt, 
iät Fodder bräsemt, he fäisemt, he shwieremt ämbäi, Jö stier emt, 
he hiremt häm, er härmt sich. 

Zweiheit und Mehrheit. 

Die erste und zweite Person im Dualis sind den drei Personen 
in der Mehrheit gleich; das Zeitwort verliert hier seinen End- 
buchstaben n, und behält das e bei; als: wät, jdt, we , jdm, 
ja späte, grewe, snäke, hdrke , bdgge, stdujnne, gonge, u. s. w. 
Diess gilt ausnahmlos für alle Zeitwörter ohne Unterschied in 
der Mehrheit der Gegenwart ; wogegen die Mehrheit der gewe- 
senen Gegenwart , das Imperfectum , auch ohne Ausnahme , die 
Endung en bekommt, als: wdt, jdt, we^ jdm, jd späleten, grau- 
fen, snäkden, hdrketen, bdggden,stijnnen, gingen, gräpeltcnykldjn- 

35 



274 

gm^ten, sldjngertm u. s. w., wir spielten, gruben, sprachen, 
horchten , bauten , standen , gingen u. s. w. , für alle Personen 
der Zweiheit und Mehrheit. 

Anmerkung. 

In altern Zeiten fehlte auch das End »e im Hochdeutschen bei 
der ersten Person der Gegenwart, wie z. B. ich geh, ich bleib, 
ich dien , u. s. w. , wie noch jetzt im Oberdeutschen , wo man es 
häufig weglässt. Im Platt- oder Niederdeutschen findet man es 
so wenig, wie im Friesischen, als: ickslaapfickwmk^ickschriew, 
ick law u. s. w. Dagegen fügt der Däne seinem Wandelworte hier 
in allen Personen der Einheit den Buchstaben r zu ,* wie z. B. : 
at leve (leben) : jeg lever , du lever , han lever , det lever , welches 
bei allen drei Personen in der Mehrheit wieder wegfallt, als: 
vi leve, 1 leve, de leve. 

Eigene Bildungen durch die fVandelform des Zeitwortes, 

§. 492. Wie im Deutschen , geht die Wandelform des Zeit- 
wortes mit den Hülfswörtern heiven^ wesen und worden ^ vermittelst 
des Wörtchens /d(zu), neue Verbindungen ein, als: to lesen hewen, 
zu lesen haben; to lesen wesen, zu lesen sein; to forddwwen wor- 
den , zu verdauen werden ; to mäjlte kämen worden , übel anlaufen 
werden. — Anwendung: dö bdst to beklagen; dät äs äi ültlospre' 
gen , nicht auszusprechen ; dirr äs äi klauck ütt to worden ; ick 
hüw faale to shriwwen ; ja häwe nint to bitten an to brännen ; dät 
Holt äs äi to brücken ; dirr äs noch klär mä to worden ; dät Rümm 
äs äi äptowiermen, das Zimmer ist nicht zu erwärmen; dirr 
wort wdt to grewen worden ; dirr äs nint to holen ; din* ds man 
läiet to fortienen; dö hähst hirr nint to sMden; de Kolle ds äi 
ütttöhüjllen ; dirr ds en Riese to sieen , u. s. w. 

Die Mittelwörter. 

§. 495. Die Mittelwörter entstehen aus dem Zeitworte ,- und 
machen den üebergang von diesem zu dem zeitwörtlichen Bestim* 
mungsworte , indem sie mit beiden , dem Zeit- und dem Bestiffl* 
mungsworte , etwas gemein haben , weshalb sie eben den Namen 
Mittelwörter führen; z. B. de Hewende Fidder, der liebende Vater; 



275 

de Uirekrönede Mann, der ckrengekrönte Mann. Das erste Miltel- 
wort wird dadurch gebildet, dass man dem Wandelwortc ein 
d anhängt, wie im Deutschen, als: liewend^ gongend, dänsendt 
spalend , u. s. w. Ihr Gebrauch ist folgender : de flieende Fögel ; 
de dänsetide Dring ; de summmefide Fish ; jö läkend Fömmen ; dät 
bräunend Hüss ; de stäirwende uiUhäle (Grossvatcr) ; en flieendeii 
Fögel; en swummenden Fish; en brännend Hüss; en liewend Mod- 
der ; en stäirwenden uiUhäle. Hinter dem Haupt- und Fürwortc 
stehen sie unverändert, als: de Fögel äs flieend; de Fish is 
summmend; he äs släipend , dö hast hijnkend. 

§. 194. Das zweite Mittelwort endigt sich bei ganz regelmäs- 
sigen Zeitwörtern allemal auf et , und bei denjenigen , die mit 
den £ndungen men, igen, ein und ern versehen sind, auf t, wo 
dann die Endung men in emt verwandelt wird. Beispiele: liwel, 
gelebt; slawet^ geschleppt; igtet, geachtet; dröget, getrocknet; 
plauget^ gcpfljlKl» betälet, bezahlt; gissemt, gegähnt; stieremt, 
gerochen; hur^, gehöhnt; wänigt, gewöhnt; häwelt^ gehobelt; 
kräwelt, gekrüppelt; rupelt^ aufgewunden; släsert, geklatscht, 
geplaudert; hinnert, gehindert; linnert, gelindert. Das halb 
regehnässige endigt sich auf d, als: bekännd, bekannt, eingestan- 
den; brännd, gebrannt; draid, gedreht; felld, gefüllt; telld, ge- 
zahlt; bühd, gearbeitet; töid, gethaut, u. s. w. 

Bei dem ganz unregelmässigen Zeitworte finden wir eine Menge 
abweichender Formen und Endungen, als: slängd^ geschlungen 
Müs, geschieden; rSt, gerathen , errathen ; häjtteUy geheissen 
bähn^ gebeten; grim , gegriffen; slahm^ geschliffen; säjn , ge 
sehen; lüen, gelegen; glin, geglitten; drawen, getrieben, u. s. w 
(Siehe das unregelmässige Zeitwort). 

§. 195. Ein besonderer Ausdruck ist hier zu erwähnen, wel 
eher, ebenfalls wie im Deutschen, die Bedeutung eines Participii 
Futuri Passivi hat. Er ist der Form nach dem ersten Mittel- 
worte ähnlich, mit vorgesetztem tö, als: de to liewende Fidder, 
der zu liebende Vater; de ai tö forbäsemde Sahn, der nicht zu 
bessernde Sohn; de huchtoforihrende Hiere, der hochzuverehrende 
Herr; de tö brSsende Seme, die zu flechtende Seime; de tö grün- 
nende Wijlte, der zu mahlende Weizen; de tö beulende Söme, die 
zu bezahlende Summe; da tö biggende Hühssinge, die zu bauenden 

36 • 



276 

Häuser; da tö bewunnernde Wüssede, Frauenzimmer; da to forägtende 
Bcdrigere, Betrieger. Aber nur das zielende Zeitwort gestattet 
diese Form. Bekanntlieh ist sie entstanden aus dem alten tod 
to regierten Dativ des Wandelwortes {to Uewme), mit euphonisch 
eingeschobenem d. 

Abwandlung (Conjugalio) des Zeilwortes. 

§. 196. Das Hülfszeilwarl wösen (sein). 

Mittelwörter: istes: wSsend, seiend; 2tes: wähn, gewesen. 
Wandelwort: wesen, sein. Vergangenheit: wähn hewen^ gewesen 
haben, statt sein; Zukunft: wSsen worden, sein werden. 

1. Zeilen ohne Beziehung. Gewissheit in der 

Gegenwart (Indicativus) : 

Einheit: Ick bin, dö bdst, he, jö, hat, däl ds; bin, bist, ist. 
Mehrheit: Wdt, jit^ we, jdm, ja sin; sind, für alle Personen. 

Vergangenheit, 

Einh. Ick hähw wähn, dö hähst wähn, he,jö, hat, däl hU wähn. 
Mehrh- Wdt, jat, we, janh, ja häwe wähn. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Evnh. Ick hähw wähn häjdy dö hähst wähn häjd, he het wähn hajd. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jam, ja häwe wähn hajd. Die Büdungsform 

ist hier: wähn häjd hiwen (gewesen gehabt haben), die man 

im Deutschen nicht nachbilden kann. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd wesen, dö wördst wesen, he, jö u. s. w. wörd wisen. 
Mehrh. Wät , jdt, we, jdm, ja worden wesen. 

2. Zweiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick was, dö wjärst, he, jö, hat, dät was. 

ßfehr. Wdt, jdt, we,jdm,jä wjdrn; waren, für alle Personen. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi wäfin, dö häist wähn, he, jö, hat, däi häi wähn. 
Mehrh, Wät, jät, we, jam, ja h^ wäfm; (hatten, statt waren). 



277 



Geschlossene, gewesene Vergangenheit, 

Einh, Ick häi wähn häjd, dö häist wähn häjd, he häi wäfin häjd. 
Mehrh. Wdt^ jdt, we, jäm,jd häjn wähn hä^d. Die Bildungsform: 

wähn häjd hewen (gewesen gehabt haben , gleichsam : waren 

gewesen gewesen) ist nicht nachzubilden. 

Bedingung. 

Einh, Ick Word wähn hewen , dö wardst wähn hewen , he wörd wähn h, 
Mehrh, Wit^ jdt, we,jdin, ja worden wähn hewen, würden ge- 
wesen haben, statt: würden gewesen sein. 

Bedingung, 

Einh. Ick wörd wähn häjd hewen, dö wördst wähn häjd hewen, 

he, jö, hat, dät wörd wähn häjd hewen. 
Mehrh, Wdt,jdt, we,jdm, ja worden wähn häjd hSwen, wörtlich: 

würden gewesen gehabt haben. 

Befehl. 

Einh, Wehs! sei! wShs dö, he,jö, dät. 
Mehrh. WShs! seid! wehsejdt,jdm,jd! 

§. 197. Das Hülfszeitwort worden (werden). 

Mittelwort,. isies: wordend, werdend, 2. worden, worden. 
Wandelform: worden , werden. Vergangenheit: worden wisen, wor- 
den sein; Zukunft: worden worden, werden werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung, Die Gegenwart (Praesens). 

Einh. Ick word, dö worst, he, jö, hat, dät wort. 
Mehrh* Wdt, jdt, we, jdm, ja werde, werden. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick bdn worden, dö bäst worden, lie ds worden u. s. w. 
Mehrh. Wäl , jdt, we, jdm , ja sdn worden. 

Zukunft. 

Einh. lek word worden, dö worst worden, he wort werden u. s. Wr 
Jlfekrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja werde worden. 



278 



Bedingung. 

Einh. Ick ward worden, dö wardst worden, he ward worden u. s. w. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, ja worden worden, 

2. Zeiten in Beziehung, Gewesene Gegenwart, 

Einh. Ick ward, dö wardst^ he, jö, hat, dal ward. 
Mehrh. Wdt,Jdt, we^jäm^jd worden, wurden. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick was worden, da wjärst worden, he, jö, hdt,dälwäs worden. 
Mehrh. Wät, jdt, wc, jdm, ja wjdrn worden. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick ward worden wesen, dö warst worden wesen, he wort 

worden wisen. 
Mehrh, Wdt, jdt, we, jdm, ja worden worden wesen, werden 

worden sein. 

Bedingung. 

Einh» Ick ward worden wisen, dö wardst worden wisen, he, jö, 

hat, dät wörd worden wesen, würden worden sein. 
Mehrh, Wdt, jdt, we, jdm, ja worden worden wisen. 

Befehl. 

Einh. Word! werde! word dö, he,jö, hat, dät! 
Mehrh. Worde jdt, jdm, jd! 

§. 198. Das Hülfszeitwort hÄwen {haben). 

Wßndelform: hewen. Vergangenheit: häjd hewen, gehabt haben. 
Zukunft: hewen worden, haben werden. 

1. Zeilen ohne Beziehung. Die Gegenwart. 

Einh. Ick hähw, dö hähst, he, jö, hat, dät hit; habe, hast» hat. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd hdwe^ wir u, s. w. haben. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw hqjd, dö hähst häjd, he, jö, hdt, dät het häjd. 
Mehrli, Wdt, jdt, we, jdm, jd liäwe hqjd, wir u. s. w. haben gehabt. 



279 



Zukunft. 

Einh. Ick word hSwen, dö worst hewen, he, jo, hat wort hewen. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jäm, ja worde hewen, werden haben. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd^ dö wördst, he wörd hiwen. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jäm, ja worden hewen. 

2. Zeiten in Beziehung. Die gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick häi, dö häist^he, jö, hat, dät häi, hatte. 
Mehrh. Wät, jät, we, jäm^ ja häjn, hatten. 

Gewesene Vergangenheit, 

Einh. Ick häi häjd, dö häist hajd, he häi ^d^'df, hatte gehabt. 
Mehrh, Wdty jät, we, jäm, ja häjn häjd, hatten gehabt. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word häjd hewen, dö worst häjd hSwen, he wort hajd hewen. 
Mehrh, Wät, jät, we, jäm, ja worde häjd hewen, werden gehabt 
haben. 

Bedingung, 

Einh. Ick wörd häjd hewen , dö loördst häjd hewen , he wörd hi^d hewen. 
Mehrh, Wät, jät, we, jäm, ja worden häjd hewen. 

Befehl. 

Einh, Hew! habe! hew dö, he, jö, hat, u. s. w. 
Mehrh. H&we jät, jäm, ja, u. s. w. 

Anmerkungen. 

1. Die Abwandlung der beiden Hülfswörter worden und hewen 
ist mit der deutschen Conjugalion dieser beiden Wörter, werden, 
haben , übereinstimmend; nur endigen sie sich in der Mehrheit 
auch häufig auf e, und werfen das n ab, und nur bei Yermu- 
thungen behalten sie allemal die Endung en, was ebenso von 
wesen gilt, als: ick wäll dirr äi wese, ja wän dirr äiwese; als 



280 

Vermuthung heisst es aber: he wort dirr wesen, ja worde dirr 
wSsen, ja worde dirr wähn hewen, u. s. w. Das Word wesen hat 
zwei Zeitverhältnisse und eine bedingende Form mehr, als das 
deutsche sein^ die aus der Verbindung desselben mit hewen 
entstehen. Altlings hiess diess Wort auch wesen im Hochdeut- 
schen, wie noch jetzt im Niederdeutschen und Friesischen ; daher 
das Wesen, die Wesenheit, wesentlich^ Verweser, u. s. w. 

% Die deutsche Sprache hat darin einen Mangel, dass sie die 
Vergangenheit durch die Zeitformen des Hülfswortes sem nicht 
als völlig abgeschlossen darstellen kann. Z. B. er erzählte y der 
Prediger sei schon in der Kirche gewesen, als der Küster ankam. 
Hier bleibt es durchaus unentschieden, ob der Prediger noch bei 
der Ankunft des Küsters in der Kirche verharrte, oder ob er 
sich vor derselben wieder entfernt hatte. Nach dem Friesischen: 
he fortelldy de Prester häi all äujn 'e Sjürk wähn, äs 'e Küster 
kaum , muss er noch da gewesen sein ; und wenn er sich vor 
des Küsters Ankunft wieder entfernt hätte, würde es heissen 
müssen: de Prester häi all äujn 'e Sjürk wähn häjd, ds 'e Küster 
kiemen was , wodurch die Vergangenheit völlig abgeschlossen wird 
So auch in der geschlossenen, gewesenen Vergangenheit, als: 
he häi V all twäie wähn häjd, ds V dät tred Töch Bohse kaum, 
er war schon zwei Mal da gewesen (gewesen) , als man zum drit- 
ten Male nach ihm schickte; in der Bedingung der geschlossenen 
Zukunft, oder richtiger in der geschlossenen Vergangenheit der 
Zukunft, als: ick wörd V all longens wähn häjd hewen ^ wdn ick 
äi kränk wähn häi, wörtlich: gewesen gehabt haben. — Ich 
würde schon längst da gewesen sein , ist wieder unbestimmt, 
weil hier die Andauer, so wie der Abschluss des Seins zweifel- 
haft bleibt. Andere Formen entsprechen wieder einander in bei- 
den Sprachen, wenn auch die Hülfswörter verschieden sind, als: 
wdn ick dirr wähn häjd hähw, so wäll ick to de käme, wenn ich 
da gewesen sein werde , so will ich zu dir kommen. Der Nord- 
friese kann die verwickeltsten Zeitverhältnisse in seiner Sprache 
mit Leichtigkeit anwenden. As V sin Hüss träie wihsser dpbdggd 
häjd häiy brännd 'et häm dät fierd Töch auf, als er sein Haus 
drei Mal wieder aufgebaut gehabt hatte, brannte es ihm zum 
vierten Male ab. 



281 



$. 199. Abwandlung des regelmässigen zielenden 
Zeitwortes vermittelst der Bülfswörter. 

Wandel form: rogten, richten. 
UiUelworter: Istes: rogtendy 2tes: rogtet. 

A. Wirkungsstand (Activurn). 

Abgeleitete Bildungsformen. Gegenwart: rogten, richten. 
Vergangenheit: rogtet hSwen, gerichtet haben. 
Geschlossene Vergangenheit: rogtet haß hewen^ ger. gehabt haben. 
Zukunft: rogten worden , richten werden. 

Geschlossene Vergangenheit in der Zukunft: rogtet häßd hewen wor- 
den ^ gerichtet gehabt haben werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart. 

Einh. Ick rogt, dö rögtest, he, jö, hat^ dät ro^^/ef, ich richten, s.w. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jäm, ja rogte, wir richten u. s. w. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rogtet, dö hähst rogtet, he, jö, hat het rogtet. 
Mehrh. Wat, jdt, we, jdm, ja häwe rogtet, haben gerichtet. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rogtet häjd, dö hähst rogtet häjd, he het rogtet häjd. 
Mehrh. Wat, jdt, we, jdm, ja häwe rogtet häjd, haben gerichtet 
gehabt. 

Zukunft. 

Einh. Ick word rogten, dö worst rogten, he wort rogten. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, ja worde rogten. 

F^ergangenheit der Zukunft. 

Einh. Ick word rogtet häjd hewen, dö worst rogtet häjd hSwen, he 

wort rogtet häjd hewen. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, ja worde rogtet häjd hewen. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd rogten, dö toördst rogten, he word rogten. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, ja worden rogten. 

3G 



282 

Einh, Ick wörd rögtet häßd hewen , dö wördst , he Word ragtet hoßd hewen. 
Mehrh, Wat^ jdt, we, jdm, ja worden ragtet häjd hewen. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick ragtet, da rogtetst, Äe, ja, hat ragtet, richtete. 
Mehrh. Wdt, jdt, we^ jdm, jd\ragteten^ richteten. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi ragtet, dö häist ragtet, he häi ragtet, hatte gerichtel. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd häjn ragtet, hatten gerichtet. 

Geschlossene, gewesene Vergangenheit^ 

Einh. Ick häi rögtet häjd, dö häist ragtet häjd, he häi ragtet kqjd. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja häjn ragtet häjd, hatten gerichtet 
gehabt. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick ward ragtet hewen, dö warst ragtet kiwen, he wart ragtet h. 
Mehrh, Wdt], jdt, we, u. s. w. warde ragtet hSwen, worden ferkhißi 
haben. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd ragtet hSwen, dö wördst ragtet hiwen , he wörd ragtet h. 
ßlehrh. ,Wdt, jdt, we u. s. w. worden ragtet hewen, würden ge- 
richtet haben. 

Befehl. 

Einh. Ragt! ragt dö! he,jö, u. s.w. Mehrh. Ragte jdt , jdm, u. s.w 

B. Leidensstand (Passivuni). 

I. Anhebender Zustand, Abgeleitete Bildungsformen. 

Gegenwart: rögtet worden, gerichtet werden. 
Vergangenheit: ragtet worden wesen, gerichtet worden sein. 
Zukunft: ragtet worden worden, gerichtet werden werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Gegenwart. 

Einh, Ick ward ragtet, dö warst ragtet, he wort rögtet, u. s. w. 
Mehrh. Wat,jdt, we u. s. w. werde rögtet, werden gerichtet. 



\ 



283 



Vergangenheit 

Einh. Ick bin ragtet worden, dö hast rogtet worden, he ds rdgtel 

worden. 
Mehrh. Wdtjät, we u. s. w. sdn rogtet worden, sind gerichtet worden. 

Zukunft» 

Einh. Ick tvord rogtet worden, dö worst rogtet worden, he wort 

rogtet worden. 
Mehrh. WAt, jdt, we u. s. w.worde rogtet worden, werden gerichtet 

werden. 

Bedingung, 

Emh. Ick ward rogtet worden, dö wördst rogtet worden, he wörd 

rogtet worden. 
Mehrh. Wat,jat, we worden rogtet worden, würden gerichtet werden. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Emk, Ick wörd rogtet, dö wördst rogtet, he wörd rogtet, wurde ge- 
rieh tet. 
^ Mehrh. Wdt, jät, we u. s. w. worden rogtet, wurden gerichtet. 

[ Gewesene Vergangenheit» 

IEmh. Ick was rogtet worden, dö ujärst rogtet worden, he wäsrogtet 
worden. 
J Mehrh. Wat, jdt^ we u. s. w. »jäm rogtet worden, waren gerichtet 

r 

worden. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word rogtet worden wisen, dd worst ragtet worden wesen, 

he Wort rogtet worden wesen. 
Mehrh. Wdt vl s. w. worde rogtet worden wesen , werden gerichtet 

worden sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd rogtei worden wesen, dö wördst rogtet worden wesen^ 

he word rogtet worden wesen. 
Mehrh. Wal, jdt. we u. §^ w. worden rtfjtet worden wesen, wurden 

gerichtet worden sein. 



284 



Befehl. 

Einh. Word rögtet! ward do, he,jö, hat ragtet l werde gerichtet. 
Mehrh. Worde rögtet, werde jdt^ wdt,jdin,jä ragtet! 

IL Andauernder Zustand. Abgeleitete Bildungsformen. 

Gegenwart: ragtet wSsen, gerichtet sein. 

Vergangenheit: ragtet waJm hiwen, gerichtet gewesen sein. 

Zukunft: ragtet wesen worden, gerichtet sein werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart, 

Einh. Ick bdn rögtet, da bäst rögtet, he ds rögtet , ich bin, u. s.w. 

gerichtet. 
Mehrh. Wat,jdt, we u. s. w. sän rögtet, sind gerichtet. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rögtet wähn, da höhst, he hit rögtet wähn» 
Mehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. häwe rögtet wähn, sind gerichtet 
gewesen. 

Geschlossene, nochmalige Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rögtet wähn häjd, dö höhst, he hH rögtet wäkn 

häßd. 
Mehrh. Wdt,jät,we u. s. w. häwe rögtet wähn haß, sind gerichtet 

gewesen gewesen , oder wörtlich: haben gerichtet gewesen 

gehabt. 

Zukunft. 

Einh. Ick ward rögtet wesen, dö warst, he wort rögtet wSsen. 
Mehrh* Wdt, jdt, we u. s. w. werde rögtet wesen, werden gerichtet 
sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick ward rögtet wesen, dö wardst rögtet wisen, he wörd rögtet 
wesen. 

Mehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. worden rögtet wisen, würden ge- 
richtet sein. 



285 



2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick was, dö mjärst, he,jö, hat was rogtet^ war gerichtet. 
Mehrh. Wdt,jdt, we u. s, w. wjärn rogtet, waren gerichtet. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häiy dö häist, he häi ro//^e<«;d^n, war gerichtet gewesen, 

und wäre gerichtet gewesen. 
Mehrh. Wdt,jdt, we häjn rogtet wähn^ waren und wären gerichtet 

gewesen. 

Geschlossene, gewesene Vergangenheit. 

Einh, Ick häiy dö häist , he häi rogtet wähn häjdy war und wäre 
gerichtet gewesen gewesen. 

Mehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. häjn rogtet wähn häjd, wären ge- 
richtet gewesen gewesen. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick ward, dö wer st, he wort rogtet wähn hSwen. 
Mehrh. Wät^ jdt, we werde rogtet wähn hiwen, wir werden ge- 
richtet gewesen sein. 

Bedingung. 

Em/u Ick Word, dö wördst, he wörd rogtet wähn wesen^ würden 

gerichtet gewesen sein. 
Mehrh. Wdt, jdt^ we worden rogtet wähn wesen. 
Einh. Ick wörd, dö wördst, he wörd rogtet wähn hSwen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we worden rogtet wähn hewen. 
Einh. Ick wörd, dö wördst, he wörd rügtet wähn häjd hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we worden rogtet wähn häjd hewen, wörtlich: 

wir würden gerichtet gewesen gehabt hal)en. 

Befehl. 

Einh. Wehs rogtet! sei gerichtet! wehs dö, he, jö rogtet! 
Mehrh. Wehsejdt,jdm,jd rogtet! 

Die Formen: rogtet wähn häjd wesen, rogtet wähn häjd hSwen, 
worden rogtet wäfin häjd wisen , und worden rogtet wohn häjd 
hiwen » lassen sich im Deutschen nicht nachbilden , weil das 



286 

deutsche Zeitwort seine drei Hülfswörter nicht auf einmal ein- 
greifen lassen kann. 

Nur das reine, vorwärtszielende Zeitwort gestattet diese Ab- 
wandlung durch alle Zeiten und Hülfsforjnen , und kann daher 
auch nur allein als Musterwort dienen. Die reinen Passiva, wie 
sterben, verwesen, welken u. s. w. , die Neutra, wie ruhen, liegen, 
u. s. w., die Activa Intransitiva , wie gehen, arbeiten , klettern , ^q 
Reciproca und die unpersönlichen Zeitwörter haben alle keinen 
Leidensstand. Die Anwendung des rein zielenden Zeitwortes mag 
an folgenden Wörtern nachgewiesen werden, als: rögten; brisen, 
flechten; hielen, heilen; drögen, trocknen; plaugen, pflügen ;^reu;en, 
graben, und ähnlichen, wie: Gö(M ro^/e/ arA:^, Gott richtet jeden; 
do rogtest nint ütt, du richtest nichts aus; he wörd da Hünne 
aufrogte^ wän *r 't man forstöhs, er würde die Hunde abrichten, 
wenn er's nur verstände; he worts aufrogtet hewen, wän 'e Jagt 
mjngongt, er wird sie abgerichtet haben, wenn die Jagd angeht; 
he wörd's all aufrogtet hSwen, wän 'r 's man ihr füngen häi, er 
würde sie schon abgerichtet haben, wenn er sie früher bekom- 
men hätte ; he wörd *s all longens aufrogtet häjd heiven , wan V man 
äi krönk worden was, er würde sie schon längst abgerichtet ge- 
habt haben, wenn er nur nicht krank geworden wäre; rögt 
do da Hünne auf! richte du die Hunde ab; rögtejäm efter me, 
richtet euch nach mir; de Senner wort dilling rogtet, der Sünder 
wird heute gerichtet; he wort n\jarne rogtet worden, er wird naor- 
gen gerichtet werden; he äs enjörsne rogtet worden, er ist gestern 
gerichtet worden; he wörd dilling rogtet worden, wan W äi kränk 
worden was, er würde heute gerichtet werden, wenn er nicht 
krank geworden wäre; he was all rogtet worden, äs ick faarbai 
rijdd, er war schon gerichtet worden, als ich vorbei ritt; he wert 
rogtet worden wesen, ihr 'e Sann unnergongt, er wird gerichtet 
worden sein, ehe die Sonne untergeht; he wörd rogtet worden 
wesen, wän V äi wdglähm was, er würde gerichtet worden sein, 
wenn er nicht entlaufen wäre; he wörd longens rogtet wähn hiwen, 
wän *s häm shüllig fünnen häjn, er würde längst gerichtet gewe- 
sen sein, wenn sie ihn schuldig gefunden hätten; he wörd rogtet 
wähn hewen, wän 'e Shärprogter äi krönk worden was, er würde 
genchtet gewesen sein, wenn der Scharfrichter nicht krank go- 



287 

worden wäre. — Ick hähw man Seme breset , ick habe meine Seime 
geflochten; ick häi 'efi all breset, ds Paul to me kaum; ick häi 
'en all ijnsen breset häjd, aurs he was wihsser äplähm, ich hatte 
sie schon einmal geflochten gehabt, aber sie war wieder aufge- 
laufen; he häi all twäie brSset wähn häjd, äs *er en wihsser dplä- 
wert häi, er hatte sie schon zweimal geflochten gehabt, als er 
sie wieder aufgetrennt hatte. — Jö Wünnen ds kielet, die Wunde ist 
geheilt; jö het all ijnsen kielet wähn, aurs no ds wihsser dpbrägen, 
sie ist schon einmal geheilt gewesen, aber nun ist sie wieder 
aufgebrochen; jö wort hielet wSsen, ihr dät Piaaster dpbrückt ds, 
sie wird geheilt sein, bevor das Pflaster verbraucht ist; jö wörd 
hielet wSsen, häist *r man ihr wdt faar brückt, sie würde geheilt 
sein, wenn du nur früher etwas dafür gebraucht hättest; jö häi 
kmgens hielet wähn häjd, ds *e Doctefs wihsser dpshjärd, sie war 
längst geheilt gewesen, als der ^rzt sie wieder aufschnitt; jd 
häi kmgens hielet wähn häjd, wdn dö man Bäjd fölligt häist, sie 
wäre längst geheilt gewesen, wenn du meinem Rathe gefolgt 
wärest; jö was all hielet, ds ick 's wihsser dpstät, sie war schon 
geheilt, als ich sie wieder aufstiess. — De Rock häi all twäie dröget 
wäJtn häjd, ds jö fierd Fläg kaum, der Rock war schon zweimal 
getrocknet gewesen gewesen , als der vierte Regenschauer kam. — 
He plauget sdn Eker, ds ick faarbdi ging, er pflügte seinen Acker, 

4 

als ich vorbei ging; de Eker häi all twäie plauget wähn, ds 'r 
auwerswumd wörd, er war schon zweimal gepflügt gewesen, als er 
überschwemmt ward. — En Spöier sähs faarütt , de Fijnd wörd träie 
släien wähn wesen, ihr de Krich dphüll, ein Wahrsager sagte vor- 
aus, der Feind würde dreimal geschlagen gewesen sein, ehe der 
Krieg aufliöre. — Wdn dd tagen wähn häist , so häist ock äujn 'e Krich 
möst, wenn du gezogen gewesen wärest, so hättest du auch in 
den Krieg müssen; wdn dö tagen worden wjärst, so häist u. s. w. , 
wenn du gezogen worden wärest, so hättest du u. s. w. — Bei 
Vermuthungen: he wörd wäjl all twäie fanget wähn hewen, wdn V 
äi so sfiäsig wähn häi, er würde wohl schon zweimal gefangen 
gewesen sein, wenn er nicht so verschmitzt gewesen wäre. Statt 
der Bedingung setzt man auch, wie im Deutschen, sehr häufig 
die gewesene Gegenwart, als: häi V bähsere präjtet, so was V 
ock toähld worden; was 'r äi to Market gingen, so häieW sin Qijl 



288 

ai forspalet, wäre er nicht zu Markte gegangen, so hätte er sein 
Geld nicht verspielt; häi 's 't hierd, so was wriess worden^ hätte 
sie es gehört, so wäre sie böse geworden. 

Verbindung der Zeilwörler in der Vergangenheit 

mit b^wen und wösen. 

§. 200. Hit hihoen werden verbunden: a) alle zielende Zeit« 
Wörter, sie mögen vorwärts- oder zurückzielend sein; b) alle 
thätige ziellose Zeitwörter, bei denen keine bestimmte Richtung 
angegeben wird; c) diejenigen, welche einen unthätigen Zustand 
anzeigen, wie liegen, ruhen u. s. w. und d) alle unpersönliche 
Zeitwörter. Z.B.: dnnem^ ändern; bdggen, bauen; Mnn^n, binden; 
beren, Geld einnehmen oder heben; bitten, beifsen; badden, bit- 
ten und betteln; bräßdden^ brüten; bringen; bäirigen, bergen; 
bägen, backen; bäicken, beuchen; bannen, fluchen (das deutsche 
bannen u. das dänische at bände); ddnsen, tanzen; dielen, tbei- 
len; driunven, treiben; duhggen und €(t(/n, thun; büen, arbeite; 
fägten, fechten; brausen, braten; baanen, bahnen; sträuren, stre- 
ben, streiten; kSmpen, kämpfen; ttujaweln, zanken; wräseln, 
ringen; stridden, streiten; tanken, denken; sännen, sinnen; grvh 
beln, grübeln; njäsen, mingen, sömen, togern, säumen, zögern, 
zaudern; helpen, helfen; hämmern, hämmern; tdmmern, zimmern; 
bäwern, beben; bläjdden, bluten; driemen, träumen; riehen, räu- 
chem; rocken, rauchen; so/^ern, schustern; sArt^/V^em, schneidern; 
glaasern, gläsern; sndjttern, tischlern; fdshen, fischen; shenen, 
scheinen ; (2aat(;en , iohtix*, bräshen, 1. schreien, sehr laut sprechen, 
2. prahlen, von Farben; spauckeln, spucken; läken, lachen; smi- 
len, lächeln; gälten, weinen; fniesen, niesen; höstefi, husten; 
harken, räuspern; jüllen, i. wimmern, 2. gelten; brüten, brüllen; 
holen , heulen ; tijtten , sehr laut schreien ; shräien , schreib ; 
tunhssen, zischeln, flüstern; sihssen, zischen; stiermen, riechen; 
stjunken, stinken; brännen v. tr., brennen; shellewen, zittern, dän. 
at skjälve; huhm grämen, sich grämen; auch als impersonale: 
dät grämt me, es thut mir leid; dät grämt me am de, esthutmir 
leid um dich, du dauerst mich; huhm Mögen, sich schämen einer 
unsittlichen Handlung; huhm shaamen, sich überhaupt schämen; 
rSnen^ regnen; hageln, hageln; tonnem, donnern; snäien, sichneien; 



289 

gramwen^ krauen; kläisen, mit den Nägeln kratzen; swäwen, 
achweben; wäigen, sich auf und nieder wiegen; fläggern, flat- 
tern; smMfeln, stolpern, straucheln; raaieln, taumeln; räieln^ 
einen Faden einriegeln; wällen , wallen, brodeln; ddfjngeln^ 
baumeln; stjöien, schaukeln; raueny ruhen; lädden, liegen; satten, 
sitzen; hungen, hangen; hingen v. tr. hängen; stäujnnen, ste- 
hen; welen, ausruhen; swSgen^ schweigen; kläwen^ v. tr. ankle- 
boi; släipen, schlafen; tMUE^en, wachen; lawen, leben; sprdwu/eln, 
stvampeln; stämpen, stampfen; trampen, trampeln; waaiten, win- 
ken; wainken, winken; häiwen, wähnen, vermuthen; höwen^ 
hoffen; tajnten, däuchten,- mienen, meinen; ^d^^en^dän. at gisse , 
anb Gerathewohl schliessen, oder aus gewissen Merkmalen ver- 
nnithen; U^Uen^ lassen; söreup siechen; himenf nd. hiemen, 
Udwn, keiehen; hacken, hauchen; jMf^/e», pausten; blaasen, bla- 
sen; wäien, I. wehen, 2. ein Brautpaar trauen, das deutsche 
weihen, und das dän. at vie. 

J. 2(M. Mit wesen werden verbunden: a) alle Zeitwörter, wel- 
che reines Leiden anzeigen; b) diejenigen thätigen, ziellosen Zeit- 
wörter» bei denen eine Richtung auf irgend einen Gegenstand 
<|der nach einem Orte angedeutet ist, und c) diejenigen, welche 
ein Hervorgehen aus dem bisherigen Zustande anzeigen, als: 
aioJrtMfi, sterben ; bregen^ brechen ; riwwen , reissen ; smoüen , 
schmelzen; bjärsten, bersten; tünnen, schwellen; sdjnken, sinken; 
drmnken, ertrinken; gräien^ wachsen, von kurzem Grase, Haaren, 
Wolle u. dergl.; wägsen, wachsen; fällen, fallen; stiwwem, gerin- 
nen; rüsten f rosten; friesen^ i. frieren, 2. gefrieren; ifjllen, älteln; 
allem, altem , u. s. w. Besonders gehören hiezu diejenigen Zeitwor- 
ts mit der Vorsilbe for, welche reines Leiden anzeigen, als: foT' 
gangen, vergehen; forrösen, verfaulen; forbla^dden, verbluten; 
forwalen, verwelken; forböllenen^ verschwären; forswinnen, ver- 
sehwinden; farkämen^ 1. wegkommen, 2. verkommen; far kolligen, 
vor Kalte umkommen; for fliesen, erfrieren; forstijnnen, verstei- 
nern; forsnaien, verschneien; for holten, verholzen; forünlocken^ 
v:eninglücken; fordierwen, verderben; /or/lte^, verfliegen; /br^utir- 
wem, verstieben; forirmen, verarmen; fordrögen, vertrocknen ; /br- 
tmSgten, verschmachten; for fallen, verfallen; forbüeeken, verblei- 
chien; ferwägsen, verwachsen. Eine Richtung andeutend, als: 

37 



290 

gongen t lupen , springen; räiten, rennen; klammern, klettern; 
kriepen, kriechen; flieen, fliegen; swäwen, schweben; rillen, trei- 
ben, fliessen; driwwen, treiben; höppen, hüpfen; räisen, reisen; 
sparten, stürzen; tieenj ziehen. Das Hervorgehen aus einem Zu- 
stande andeutend, als: ävjntkämen, entkommen; ai^tspringen, 
entspringen; äujnt flieen , entfliehen; ävßntglaaien , entschlüpfen; in^ 
riäipen, einschlafen; dpwaagen, erwachen; ä/ujnistäujnnen , entste- 
hen; worden, werden; dpkdmen, aufkommen; dpstäujnnen, auf- 
stehen; üUgongenf ausgehen; üttglidden, ausgleiten; dptöien, auf- 
thauen; dpstegen, aufsteigen; dpsdtten, aufsitzen; iUtbregen, aus- 
brechen (der Krieg bricht aus); üttdämpen, ausdampfen; üitfallm^ 
ausfallen. Dieser Gegenstand lässt sich hier nicht erschöpfen, und 
man wird immer noch auf Ausnahmen stossen. So werden söreiis 
smägten und kränken mit hewen, dagegen rösen und shdmmeln 
mit Wesen verbunden, als, he hei long särel, smägtet an kränket; 
de Sdihs ds röset an de Trolling ds shdmmeU. Nicht selten tritt 
auch hiwen anstatt wesen beim rein leidenden Zeitworte ein, 
wenn man den bezüglichen Gegenstand selbst als mitwirkend 
gedacht wissen will, als: dät Födder hSt dilling man läiet drögei, 
das Heu hat u. s. w.; dät Sdnep hei da leste DSge gäujd rippä, 
der Senf hat die letzten Tage gut gereift. 

Diejenigen Zeitwörter, welche sowohl zielend als ziellos ge- 
braucht werden, bekommen im ersten Falle hSwen, im letztem 
wesen, als: hrigen, brechen: de Stock ds brägen, dö hähst de Stock 
brägen; riwwen, reissen: de Dauck rdfft, ds rdwen; ick rief de 
Dauck, hähw rdwen; blicken, bleichen: jö Rauhs ds blicket, jö het 
harr Ldn^r/ (Leinewand) blicket; shicscn, scheiden: he ds aufshäss, 
er ist verschieden; dcBögtcr shäss jdm fon enauser,het shäss,i!&p 
Richter scheidet^! sie von einander; fällen: dät Glees ds äu^nstjohg 
feilen, he het 'e Naas äujnstöhg feilen; iicen, ziehen: da Staurke 
sdn wdgtägcn, jö Wägt ds dplägen; da Hdjnste tiee de Wäien, h&we 
tagen ^ ick hdhw 'e Klöck dptägen; mäjttcn, i. begegnen einem, 
2. messen: he dsme meet, ick hähw Kaum mit; drögen, trocknen: 
dät Födder ds dröget, ick hähw min Kluhse dröget ; fordierwen, 
verderben: de Winn ds fordürwen, dö hälist diu Bauck fordürwen; 
dpsdlten, aufsitzen: dd Rüttere sdn wihsser dpsähn^ die Reiter sind 
wieder aufgesessen, ick hähw 'e hiel Nagt dpsäfm, ich habe die 



291 

gaoze Nacht aufgesessen; ate/s^au/nn^n: ja sän all aufsHjnnen, he 
fiät me sin Hüss aufstijnnen; üUlupen^ auslaufen: däi Säujn äujnt 
Siünneglees d$ üttläJim; de stürwene Böse hSt ültlähm^ der gestor- 
bene Bothe hat ausgelaufen, läuft nicht mehr; ütUrSsen, austre- 
ten: de Struhm ds üttträhn; dö hähst din Foffle üttträhn; üttbrän^ 
«Ml, ausbrennen: dät Öhle as ütthrännd; ick hähuf man Kachle^ 
uwen ütthrännd; ütttieen, ausziehen: dät Liefäulk äs ütttägen, die 
Miethsleute sind ausgezogen, he het me enTäus ütttägen; inhregen^ 
einbrechen: jö Nagt was all inbrägen; da Thiewe häjn *e Mohr 
itJn^en; dählsluhggen , niederschlagen und todtschlagen: de Rieck 
släU dähl, ds dählsläien; he släit de Ögse dähl, het dählsläien; 
üUbrigen, ausbrechen, u. s. w. (Vergleiche die 2te Anmerk. zu 
§. i70). 

^ 209. Die Anwendung der Zahlen, Personen, Zeiten und 
Arten (Modi) ist übrigens, mit wenig Ausnahmen, wie im Deut- 
schen. Die Formen der Einheit und Hehrheit beim Zeitworte 
richten sich nach der Zahl , in welcher die Haupt- und Fürwörter 
stehen, als: de Kukuk bäligt sän diene Nöme ütt; dd Hanne Udde 
,MS, die Hennen legen Eier; dd Laashe sjonge, jd sän ältid 
Sdder dp, die Lerchen singen, sie sind immer früh auf; wdt wdn 
töbidd, wir beide wollen zu Bette; he wäll äi mä, er will nicht 
mit; Ißjti jäm gonge, lass sie gehen; jd kaane sagt, sie können 
leicht auskommen mit ihrem Vermögen, stehen sich gut; auch: 
ji Häujnne jdm gäußd, u. s. w. 

Anmerkungen. 

i* Der Nordfriese redet jeden mit dö (du) an, weil er kein 
anderes Fürwort dazu gebrauchen kann. Nur zu ganz alten Leu- 
ten sagt man £, Ihr, welches im zweiten, dritten und vierten 
FaUe jau (englisch you, ye, nd. ji, ju, dän. jer und eder) lautet. 
Diess gilt fürs weibliche und sächliche Geschlecht, so wie für 
die Hehrheit, im männlichen Geschlecht heisst es jauen, als: 
Acfrr üßll sdn EF wie alt seid Ihr? ds jau Wo ff inne? ist Eure 
Frau zu Hause? hirr ds jauen Stock, hier ist Euer Stock; ja» 
Dögter let jau faaU Gäujds sedde. Eure Tochter lässt euch viel 
Gutes sagen , d. h. sie lässt euch grüssen ; de Fdsher hSt jau en 
Brusmer brdgt, der Fischer hat Euch einen Brachsen gebracht; 

37 * 



292 

iek hähw jauen Sahn sprägen, ich habe Euern Sohn gesproehea; 
mn jau Bjäme äüemäle befräid? sind Eure Kinder alle rerhei- 
jathet? jau Sjöhn ds noch gauß^ an E brücke noch nijn BraU^ 
Euer Gesicht ist noch gut» und Ihr gebraucht noch keine Brille; 
wirrmd kän ick jau tiencF womit kann ich Euch dienen? 

2. Bei Grössen, die als Hasse in der Hehrheit stehen , wenn sie 
auch die einheitliche Form behalten, setzt man das Zeitwort in die 
Uehrheit, als: dirr sdn twantig Mann; sSgs Mark sdn twaier DaO' 
lere; ßauwer Pünn Tobäck kosteten fiew Mark; nö edn V all trie 
Ihr forgingen, sunt dö hirr ISst ujdret; dirr worden twillew Tdime 
BSgge äujnmeet; trie Glase Bier sdn spülten; dirr ßllen twaier Sieke 
Bdwer auf *e Wäien; tuhg Sniese Äie sdn V farbrückt; iwontig 
Träwe Longhulem; saawen Füge Kaum; söstig Jaurde lang; tien 
Ellne brijd; hunnert FäjU hueh; tweüew Fäisme diep; irie Lßß 
Sihssen; fiew Baucke Papier, u. s, w. 

§. 2Q5. Kommen mehrere Grundwörter in der Einheit tot, 
die in gleichem Verhältnisse zur Aussage stehen, so muss das 
Zeitwort die Hehrheitsform haben , z. B. De Bdddmönn an '0 
Kinning sdn Mese Mdnshene; de GSdd an 'e SiUhünn kaane gän^ 
swammey der Hecht und der Seehund können gut schwimme; 
Mann an Wo ff wjdrn forräisd, Mann und Frau waren verreist. 
Diess gilt jedoch nur von Gattungsnamen und solchen abstraotmi 
Xjegenständen , die man unter eine und dieselbe Aussage zusam- 
menfasst, als: Gauhshäid, Fraamhäid an Luwe sdn Dögede, dirr 
'm äi ällerwägne fdnt, Güte, Frömmigkeit und Glaube sind Tu- 
genden, die man nicht allerwegen findet; Gits, Mdsgunst an Nu- 
gongenhäid sdn Lästere, dirr arken miese mäujtt, Geiz« Missgunst 
^nd Nahegängigkeit sind Laster, die jeder meiden muss. Bei 
Stoff- und Mengenamen, so wie bei abstracten Gegenständen , die 
jsich nicht auf die vorstehende Weise zusammenfassen lassen, steht 
dagegen das Zeitwort in der Einheit, z. B. SäU an Brty'd mägä 
■e Siecke rüjdd, Salz und Brot macht die Wangen roth; liem, 
Kläi, Kldster, Limm, Kalk an Twäge bannt gäujd^ Lehm, Klei, 
Kleister, Leim, Kalk und Hefen bindet gut. Setzen wir aber 
diesen Wörtern das Geschlechtswort vor, so muss das Zeitwort 
in der Mehrheit stehen, als: dät Ziem, de Kläi, dät Limm omM 
Twage binne gm/jd, weil Twäge ein Collect! vum ist, das in im 



295 

Mehrtieit steht. Flash, SpSck an Brüjd fei gäujd. Fleisch, Speck 
und Brot nährt gut; Slaal, Siäjll an Glees ds hdrd, Stahl, Eisen 
und Glas ist hart; Siep an Tulig ds smirrig, Seife und Talg ist 
schmierig ; MäJil an Gröl ds dp , Mehl und Graupen sind auf, Mehl 
und Grütze ist auf, d. i. verzehrt; Päwer an Salt ds di to foräg» 
im, Pfeffer und Salz ist nicht zu verachten; Krüdd an Lüßd ds 
furshihn, Pulver und Loth ist verschossen; Pulwer an Blie ds 
dp. — Dirr ds Maurd an Diijdsläg, da ist Mord und Todtschlag; 
ürr ds Tot an Sldgerdi, es ist Lärm und Schlägerei da; tuhg an 
trie ds fiew, zwei und drei ist fünf, aber nur in unangewandten 
Zahlen; tmdnne an Irdnne sdn fiew; fiew an fiew Shdllinge sdnüen^ 
u, 8. w. Dät Hdppen an Springen fälU me swär, das Hüpfen und 
Springen fällt mir schwer , u. s. w. Wenn zwei Hauptwörter in 
der Einheit durch und verbunden werden, und die Aussage von 
jedem einzelnen gelten soll, als: De Üjlle an de Junge het sin dien 
Wräll, der Alte und der Junge hat seine eigene Welt, aber auch: 
de üjUe an de Junge hdwe biese jdre dien Wräll , der Alte und 
der Junge haben beide ihre eigene Welt; dgt an fälsh Frünnshapp 
^oari Sfting md enauser forwackselt, echte und falsche Freundschaft 
wird oft mit einander verwechselt. Ebenso, wenn das Zeit- 
wiHrt sich auf mehrere Grundwörter im Singularis mit verschiede- 
nen Aussagen bezieht, als: Tongle hiert io dd hijnnere, Andräis 
t6 dd bdhsere, an Karl tö dd biste Shaulere, Danklef gehört zu 
den schlechtem , Andreas zu den bessern und Carl zu den besten 
Schalem. — Steht das erste von zwei Subjecten in der Einheit, 
das zweite in der Mehrheit, oder umgekehrt, so muss das Zeit- 
wort in die Mehrheit gesetzt werden, als: dät Shäip an ddLaunih 
me sdn wag, und: da Laumme an dät Shäip sdn wdg; wihsser 
Godd noch Mdnshene kvme hdm hilpe, und: wihsser Mdnshene nach 
GSdd kaane hdm helpe, obgleich diess, streng genommen, keines- 
weges fiprachrichtig ist. 

Anmerkung. 

.. Stehen zwei Personen des eigentlichen Fürwortes als Subjecte, 
so werden diese durch den Dualis zusammengefasst, wonach 
dann das Zeitwort die Mehrheitsform bekommt, als: dö an ick, 
tDot häwe biese ndg füngen, du und ich, wir haben u. s. w; ick 



294 

an dö, wdt sdn biese et'm^ arm; dö an he, jdt tnaage bies$ nän 
Küjl, Kohl; mm Wöff an ick, wdi mn biese to Märked; wdt biese, 
wdt twdnne, jdt biese, jdt twdnne, wir beide, wir zwei, ihr beide, 
ihr zwei; aber nicht: we biese , und jdm biese, weil we (wir) und 
jdm (ihr) immer mehr als zwei Personen bezeichnen, als: ick, dö 
an he, we häwe all Irdnne de Kolle, ich, du und er, wir babea 
alle drei das Fieber; dö, he an jö, jdm häwe ältemäle fdjn Gijl, 
du, er und sie, ihr habt alle drei kein Geld. 

§. 204. Der Gebrauch der Zeiten ist wie im Deutschen, und 
die gewesene Gegenwart vertritt auch im Friesischen hau 6g die 
Bedingung der Zukunft, als: dät däi ick di hall, das thäte ich 
nicht gern, statt: dät wörd ick di hall dvjn, und so in ähnliehea 
Fällen. Ebenso steht die gewesene Vergangenheit statt der Be- 
dingung der gewesenen Zukunft, als: ick häi häm bäsere Be» 
shiess säM, ich hätte ihm derber Bescheid gesagt, statt: ick 
Word hdm bäsere Beshiess säid hewen. Auf eine Zeit ohne Bezie* 
hung folgt auch im Nachsatze wieder eine beziehungslose Zeit, 
als: ick help de, auwer dät dö me hülpen höhst, ich helfe dir, 
weil du mir geholfen hast; ick hülp de, auwer dät dö me hülpe» 
häist, ich half dir, weil du mir geholfen hattest. — Oft mass 
man sich aber beim Erzählen und Erklären zu einer andern Zeit 
wenden, die nicht mehr in Beziehung steht, als: ick kännd him 
jö Tidd di so gäujd, äs ick hdm nö kann, ich kannte ihn damals 
nicht so gut, als ich ihn jetzt kenne; dilling säch ick de Mmm^ 
dirr dö fon snäket höhst; — märling was V man ijn Rauhs üttipri^' 
gen, nö sdn V all tien; — ick wijt, dät jdt enauser lief häjn, is 
jdt noch läjtt wjäm; — he'Jiet 't dilling di so träwel , ds'er*t enjörsne 
häi (nd. he h^t 'i hüt nich so hilt, as he 't güstem had). 

§. 205. üeber den Gebrauch der Arten hier noch Folgendes. 
Die Gewissheit steht überall wie im Deutschen. Da man aber für 
die Ungewissheit keine eigene Form hat, so wird diese durch die 
gewesenen Zeiten oder andre Hülfsmittel ausgedrückt, wo es thun- 
lieh ist, als: he fortilld, he häi 'r bdi wähn, ds de Maurder haadigt 
wörd, er erzählte, er wäre dabei gewesen, als der Mörder ent- 
hauptet ward. Bddd hdm, dät *rme di forjese mäi, bitte ihn,da8S 
er mich nicht vergessen möge. Kaumst dö wäjl to me, wdnn idi 
de so behondelt häi? kämest du wohl zu mir, wenn ich dich so 



295 

behaodelt hätte? Däl wäs^ ds wann wdt enauser all long kännd 
häfn, es war, als ob wir einander schon lange gekannt hätten. 
He iänkt, ärken wort häm sellew näist wesen^ er denkt, jeder wird 
sich selbst der nächste sein; he tankt ältidd, drken äs häm sellew 
näisi, er denkt immer, jeder ist sich selbst der nächste. Köhs 
man Brauser dog käme! könnte mein Bruder doch kommen! Was 
tdfc dog man ütt 'e Nüjd! wäre ich doch nur aus der Noth! H& 
ick min Gijl dog behüllen! hätte ich doch mein Geld behalten! 
Hdi ick dog de Pung bäi me stägenhäjd! hätte ich doch den Beutel 
zu mir gesteckt gehabt! Was V dog man äi kränk worden! wäre 
er doch nur nicht krank geworden! Wann 'r dog man äi kränk 
wMen was! 

Die regelmässigen Zeitwörtei\ 

§. 206. Das ganz regelmässige Zeitwort endigt sich in der ge- 
wesenen Gegenwart (Imperfectum) und in der Vergangenheit (Perfec- 
tum) allemal auf et, und diese beiden Zeiten sind sich in der 
Fonn immer gleich, als: rösen^ roset, faulen, faulte, gefault; 
ßgeUf figet, fegen; so auch plagen; sägnen, vermissen; braasen, 
braten; shaasen, verriegeln; pSnnen, den Wirtel vordrehen; stoppen, 
stqifen; blicken, bleichen; necken, räuchern; spirren, keimen; drö» 
gen^ plaugen, mögen; huhppen, häufen; mörefi, mauern; härrewen, 
eggen; boren, bohren; wälen, welken; lücken, glücken; kögen, 
kochen; stäjcken, in der Asche braten; rippen, reifen, von Früch- 
ten, so wie vom gefrornen Thau; hauppen, reifen, einFass; krä- 
wen, mahnen, Bezahlung fordern; mölken, melken; sögen, saugen; 
ragten, richten; ßlen, feilen; rddden, retten; plegen, 1. v. tr. pfle- 
gen, 2. die Gewohnheit haben; hären, baren oder dengeln, Sen- 
sen und Sicheln; kanten, kanten v. tr.; suhmmen v. tr., säumen, 
ein Tuch; sälten, salzen; fangen, fangen; hielen, heilen; howen, 
hoffen; hälen i. holen, 2. ziehen, in der Seemannssprache, an 
einem Tau; hacken, hacken; sörren, seLuern; jagen ; späten , spie- 
len; spijllen 1. spalten v. tr. 2. speilern; malen, mit Farben; jüd- 
den, gäten; drücken, drucken; /:ro^en, drücken; jj/uc/:^, pflücken; 
plöcken, pflöcken; shräwen, scharren, kratzen; fläcken, flicken, 
flecken v. tr.; smöken, schmauchen; kliwwen, klimmen, klettern; 
brisen, flechten; Innen, lohnen; shürren, scheuem; Ijögeti, 1. sich 



296 

anschaffen , 2. zeugen , vor Gericht ; spihsien , speisen ; fiär$en , 
pressen; bäjcken, beuchen; säUen, sichten; drugen, seihen; ihren ^ 
ehren; wären, i. v. rec. sich wahren» ausweichen; 2. währen, 
3. verwahren, aufheben; sfjarien, stürzen, u. s. w. Die übrigen 
i^gelmässigen Zeitwörter mit den Endungen ein, em, igen, men, 
und einige auf nen, werfen das n weg und bekommen bloss den 
Buchstaben t statt et, und die axii igen verlieren die ganze Endung 
en und bekommen das t unmittelbar nach dem g (Vergleiche 
§. 491 über die Personen beim Zeitworte), als: gräpeln, grapsen, 
ick gräpel, ick gräpelt, ick häkw gräpelt, ich grapse , ich grapsete, 
ich habe gegrapset. — Ebenso: träweln, iräweü; sprdwweln , spräuh 
weit; rummeln, rummelt u. s. w.; piesern, piesert; wällem, wällert; 
stämmern, stämmert u. s. w.; shunigen, shunigt; hunigen, hunigt; 
strä^jnnigen, strät^nnigt u. s. w.; gähsmen,gäsemt; fäihsmen, ßi- 
send; blössmen, bldssemt; sägnen, sägent; rägnen, rägetU; «icJbien, 
sikkent (segnen, rechnen, seufzen); u. s. w. 

Wenn das zweite Mittelwort dieser Zeitwörter bestimmungswört- 
lich gebraucht wird, so werden diejenigen Participia, welche 
sich auf et endigen, so abgeändert, wie die Bestimmungswörter 
auf et (Vergleiche §.120 nebst der Anmerkung). Im weiblichen 
und sächlichen Geschlechte behalten sie die Endung et unverän- 
dert, und bekommen im männlichen Geschlecht, so wie in der 
Mehrheit, die Endung ete oder ede, wo das t sich dem e nur hart 
und gezwungen anschliesst, als: töppet, gehaubt^ von Vögeln: jo 
tappet Hänn, die gehaubte Henne; dät töppet Sjuekling, das ge- 
haubte Küchlein; de töppede Kräjdder, der gehaubte Hahn; di 
toppede Fögle; jö röset Liwwer, die verfaulte Leber; en raset lAuh 
wer ; dät röset Spick; de rösete Shäjnkel, der verfaulte Schinken; en 
röseten Sha^nkel, da rösete Shdjnkle; und so mit allen dahin gehö- 
rigen Wörtern. Die übrigen mit den vorerwähnten Endungen be- 
kommen im Masc. und Flur, bloss te, als: de sträielte Bär, die 
gestreute Gerste, da sträielte udrte, Erbsen; de grüppeUe Eker, 
da grüppelte Finne; de sträujnnigte Shöner , da sträiiiinnigte Ma- 
trose, u. s. w. 

Die unreßelmässigen Zeitwörter. 
§. 207. Die am wenigsten unregelmässigen Zeitwörter sind 



297 

diejenigen, die im Imperfectum und Perfectum, statt der Silbe 
et oder t, den Buchstaben d unmittelbar nach ihrer Stammsilbe 
zugesetzt bekommen, als: haggen, hdggd; brauen, braud; hüen, 
bühd u. s. w. , wobei der Stammlaut unverändert bleibt, — begannen, 
hegdnnd u. s. w. Die übrigen unregclmässigen Zeitwörter sind so 
irregulär, dass es schwer hält, sie auch nur einigermaassen nach 
einer bequemen Ucbersicht zu ordnen, weshalb ich es noth wendig 
finde, hier einige Bemerkungen vorauszuschicken. Schon bei der 
Bildung des Zeitwortes aus dem Hauptworte finden wir über 
dreissig, die mehr oder weniger unregelmässig in der Abwandlung 
sind (siehe §. iol Anm.), wie römen oder rümmen, i. in einen 
Raum aufnehmen, 2. denselben verlassen, frei machen, ick römd^ 
oder rümd, hähw rümd; iillen, i. zählen, 2. jemand rufen, ick 
tilld; nämen, nennen, ick nämd; bemannen, bemannen, ick be- 
männd; spännen, spannen, ickspänd; snäien, schneien, dät snäihd, 
het snäihd und hei snäjn, geschnieen; fallen, fiUen, ick fdlld; 
grünnen, i, gründen, 2. mahlen auf der Mühle , ick grünnd ; shenen , 
scheinen, ick shind; kolken, ick kölked, hähw kolket; lühssen^ 
lausen, ick lühssed, hähw lühsset; stjöien, schaukeln, icA; stjöihd; 
driemen, träumen, ick driemd; shöien, Pferde beschlagen, behufei» 
sen , ick shäid; forgäujllen und forgellen, vergolden, ick forgilld; 
fairken, mit der Heugabel auflangen, ickfürk, hähw fürken ; bläß- 
den. bluten, ick bleel; bäirigen, bergen, ick bürg, hähw bürgen; 
^nnen, i. enden, 2. dem Ende näher schreiten, personale und 
impers. , ick änd, dät änd; hijnnen, i. mit den Händen auffan- 
den, 2. sich begeben, ereignen; pers. und impers., ick händ^ dät 
händ hdm, es traf sich; kneten, einen Knoten schürzen, ick kneet, 
k£hw kneet; kluhsen, kleiden, pers. und impers., ick kläss, hähw 
klass, dät Mass hdr gävjd, es kleidete sie (stand ihr) gut; rSnen^ 
regnen, dät rind; smeren, schmieren, ick smjärd; slingen, mit der 
Schleuder werfen, ick slängd; swiermen, schwärmen, swärmd 
fäßden , ernähren, unterhalten, ick ßt; räjdden, i, rathen 
jemand etwas, 2. crrathen, 5. zu gebieten haben, ick rSt; gräimen 
ausweiden, gräimd, — Wo hier nur allein das Imperfectum steht 
da ist die Form der Vergangenheit dieselbe. Kolken, Wissen kön 
nen auch regelmässig gehen; bäirigen hat ausser der obigen Ab 
Wandlung auch: ickberrigt, hähw berrigt. Das Wort fällen, einem 

38 



298 

*wie ein Füllen nachlaufen, von däi Fäll, das Füllen, ist nicht 
mit fallen , schinden , von dät Fall (Fell) , zu verwechseln ; jenes 
ist regelmässig: he fallet me efler, er läuft mir nach. 

Da die einfachsten Zcilwörler wenigstens allemal zweisilbig sind , 
so ist es ein wenig auffallend, dass folgende Wandelwörter, als: 
flieen, fliegen, sieen, sehen und säen, Heen, ziehen, shien oder 
shdien, geschehen, duhggen, ihun, fuliggen, cmpfahen, slu/tggen, 
^hlagen, und ^tt%i7ßn, waschen, ihre ursprüngliche Form verlieren 
und eine ganz freradarlige bekommen: aus flieen — flijn^ aus 
sken — sijn; aus tleen — tijn; aus shien oder shäien — shijn; aus 
duhggen — düjn ; aus fuhggen — füjn ; aus sluhggen — slüjn; aus tuhg- 
gen — tüjn; wenn sie mit dürren , dürfen , den Muth haben, iürren, 
die Erlaubniss oder die Verpflichtung haben , kaanen , können , läjUen , 
lassen, mäujllen, müssen, maagen, mö^en , shällen , sollen, wällen, 
wollen, verbunden werden. Beispiele: de Fögel wäll flijn; he dürrt 
't äi sijn, sehen; kaast äi sijn? he wall sdn Rögge sijn (säen); de 
ihne Hajnst hon dät swär Leess äi tijn ; läjlt 't shijn; dät shdll 
äi shijn! ick könt düjn; dö mähst H nög füjn (bekommen); 
dö wälh füjn; mäi ick 't füjn? wälh me slüjn? he wäjl me 
düjd slüjn; jö shdll hdr tüjn, u. s. w. Wahrscheinlich stam- 
men diese abweichenden Formen aus dem Angelsächsischen, von 
den nächsten Nachbaren der wailandigen Nordfriesen, worauf 
auch die Aehnlichkcit der obigen Wörter hinzudeuten scheint. 
Im Angels. ist flieen, fleon {flijn); sieen , seon {sijn); tieen, teon 
(tijn); duhggen, dön {düjn); sluhggen , slean {slüjn); tuliggeti, 
ihvean {tüjn). — Bemerkenswerth bleibt es immer, dass hier die 
Zeitwörter beider Sprachen einsilbig sind , w as sonst im Nordfrie- 
sischen nie, und im Angelsächsischen auch wohl nur selten vor- 
kommen mag. 
Ausser den obigen Hülfswörtern , kaanen , maagen u. s. w. , 
können wir auch noch andere Zeitwörter mit einander verbin- 
den, die aber keine weitere Veränderung in den gewöhnlichen 
Formen dadurch erleiden, als: gongen sieen; lädden bliwwen; spä- 
ten hieren; dregen helpcn u. dergl. 

Die Mehrheit der gewesenen Gegenwart endigt sich immer auf 
en , als : ick ging , pl. we gingen ; ick läket , wc läketen , lachten ; ick 
sJauch, we slauchen, schlugen, u. s. w. Aber bei den folgenden 



299 

Wörtern: muagen, he wen, duhggen, sedden, wällen, kaanen , stäujn- 
neu und shdllen, wird die Mehrheit des Imperfcctums auf folgende 
Weise gebildet, als: maagen, ick mä/is , pl. wc mahn; hewen, 
siehe §. 198; duhggen, ick däi, pl. däjn; sedden, ick sähs, pl. we 
sahn, sagten; wallen, ick tväjl, dö wäist, du wolltest, pl. wäjn; 
kaanen, ick köhs, pl. köhn, konnten; stäujnnen, stehen, ick stöhs, 
pl. stijnneny standen '); shdllen, ick shäujl , pl. shäujn, sollten; dö 
shäusl, du solltest, vcrgl. dö wäist. 

Der Befehl (Imperaliv) wird immer nur aus den Stammsilben 
der Zeitwörter gebildet, als: gongen, gong! stäujnnen, stäujn! sieh, 
u. s. w.; daher wir dessen nieht weiter erwähnen. 

Unter denjenigen Zeitwörtern, die in der gewesenen Gegenwart 
und in der Vergangenheit sich gleich bleiben , finden wir nun i) eine 
Menge von solchen, die sich in beiden Zeiten auf elendigen, und 
meistens ein a, äi, i, äj, ij oder jd zum Hauptlaute haben; 

2) solche, die in beiden Zeiten ein gedehntes ä oder 5 erhalten; 

3) mit dem tiefen e in beiden Zeiten; 4) mit ij und ie im Im- 
perf. und ein- oder zweisilbigem Mittelwort, das sich auf en, n 
oder m endigt; 5) mit üj, ij, und ai, äj im Imperf. , mit zwei- 
oder einsilbigem Mittelworte auf n; 6) mit au, äu, u und ü in 
der gewesenen Gegenwart und meistens zweisilbigem Mittel- 
wort. — Die nachstehende Tabelle über die Abweichungen macht 
diess deutlicher. 

Tabelle über die Abweichungen der unregelmässigen Zeil- 

Wörter. 

§. 208. Die Striche in der zweiten Spalte deuten an , dass 
die Personen der Gegenwart regelmässig sind; die Zahlen zeigen 
an, dass ein und dasselbe Wort verschiedene Bedeutungen hat. 

Die mit einem Sternchen bezeichneten Wörter können auch 
ohne Anstoss regelmässig abgewandelt werden. 



") Der Plural müsste heissen: tue s/ö/m , statt wcstijnnen. Letzteres 
ist aber ganz allgemein , und stöhn hört man selten oder nie. 

33* 



300 



I. 



Wandel- 
wort. 

hingen 

Idjnnen 2. 

ijnnen 2. 

klemmen 

klingen 

lingen 2. 

mingen 2. 

ränen 

sijnnen 

shijnnen 

slingeii 2. 

tijnnen 

irijnnen 

wijnnen 

wri?igen 

ihrwen 

(äujn) strin' 

gen 
dränken 
twenen *) 
ledden 
reken *) 
renen 
shenen 
sleken *) 
slreken *) 
teken *) 

lienen 

mienen 

ringen 

klingen 

dielen *) 

bereu 

begeren 

fairen 

gräien 

käiren 

vieren 

neren 

sieen 

shäien.sfiieen 

shei^en 

smeren 



isie^2«e und 3^e Person 
der Gegenwart. 

hing^ hängst, hängt 

— hänst , hänt 

— änstt änt 

— kämst, kämt 

— krängst, krängt 

— längst, längt 

— mängst, mängt 

— rannst , räntit 

— sännst f sännt 

— shännst, shännt 

— sl angst , slängt 

— tännst, tännt 

— trätinst, trännt 

— wannst, wannst 

— wrängst , wrängt 

— ärrewst, ärrewt 

— strängst, strängt 

— dränksty dränkt 

— twännst , twänt 

— läisl, läit 

— — — dät rinnt 



— shinst , shint 



lijnst, lijnt 
mijnst, mijnt 
rdjngst, rdjngt 
klängst, klängt 



— bjärst, bjärt 

— begjärst, begjärt 

— fjärst, fjärt 

— gräist, gräit 

— kjärst, kjärt 

— mjärst , mjärt 

— njärst, 7ijärt 

— säist , säit 

— dät shäit 

— shjärst, shjärt 



— smjärst , smjärt 



I 



Gewesene 
Gegenwart. 

hängd 

händ 

and 

kämd 

krängd 

lüngd 

müngd 

ränd 

sand 

shänd 

slängd 

tänd 

trand 

wand 

wrangd 

arrewd 

strängd 

drängd 

twand 

läid 

riggd 

rind 

shind 

sliggd 

striggd 

tiggd 

lijnd 

mijnd 

rdjngd 

kläfigd 

dijld 

bjärd 

bcgjärd 

fjärd 

gräid 

kjärd 

mjdrd 

njärd 

säid 

shäid 

shjärd 

smjärd 



Zweites 
Mittelwort. 

hängd 

händ 

Und 

kämd 

krängd 

längd 

mUngd 

ränd 

sänd 

shänd 

slängd 

tänd 

tränd 

wand 

wrängd 

ärrewd 

strängd 

drängd 

twänd 

läid 

riggd 

rind 

shind 

sliggd 

striggd 

tiggd 

lijnd 

mijnd 

rdjngd 

klängd 

dijld 

bjärd 

begjärd 

fjärd 

gräid, gräjn 

kjärd 

mjärd 

njärd 

säid, säjn 

shäid, shäjn 

shjärd 

smjärd 



Das deutsche 
"Wandelwort. 

hängen v. tr. 

auffangen. 

enden, beend 

kämmen. 

drängen. 

reichen. 

mengen. 

rennen. 

senden. 

schänden. 

schleudern. 

zünden. 

scheren, weiA 

wenden. 

ausringen. 

erben. 

anstrengen. 

ertrinken. 

zwirnen. 

legen. 

recken. 

regnen. 

scheinen. 

löschen. 

strecken. 

ein Dach decke 

dachen, 
leihen, 
meinen, 
läuten, 
klingen, 
iheilen. 
Geld heben, 
begehren, 
führen, 
wachsen, 
fahren, 
mehren, 
nähren, 
säen. 

geschehen, 
scheren , schi 

den. 
schmieren. 



301 



mdel- 
)rm. 

n 

i 2. 



iken *) 



Personen der Ge- 
genwart. 

- swjärst, swjärt 

- tjärst, tjdri 

- ivjärst, wjärt 

' swängsty swängt 
' swjängst, sivajnst 



spränksl, spränkt 



Imperfec* 
tum. 

swjärd 

tjärd 

ivjärd 

swängd 

swdjngd 

swüng 

sprängd 



Perfectum. 



swjärd 
tjärd 
wjärd 
swängd j 
swdjngd r 
siüungen J 
sprängd 



Deutsches 
Wandelwort. 

schwören. 

zehren. 

wehren. 

schwingen. 

sprengen , bespr. 



II. 



ien 


— bi'ätst, brät 


brat 


bf^ät 


ausbreiten. 


i 


— käfst, küß 


käß 


käß 


kaufen. 


sen 


— shäst, shähs 


shahs 


shähs 


scheiden. 


Ideti 


— sprätst, sprät 


sprät 


sprät 


spreiten. 


n 


— stätst, stät 


stät 


stät 


siossen. 


en 


mal, mähst f mäi 


mähs 


mäht 


ujögen. 


en 


— brdjngst, brdjngt 


brogt 


brögt 


bringen. 


m 


kon, kaast, kön 


köhs 


köht 


können. 


ten 


— maust, mäujt pl. 
w€ mäujn 


möst 


möst 

• 


müssen. 


m 


— segst, segt 


sögt 


sögt 


suchen. 


n± 


— tankst, tankt 


togt 


tögt 


denken. 


ncw*) 




swömd 


swömd 


schweiinen 


/ 


— sjogst, sjögt 


säch 


säjn 


sehen. 



IIL 



sen *) 

den 

Iden 

ien 

n 

\en 

mjllen 

^2. 

n 

m 

n 

'm% 

Ien 5. 

I 

ten 

en 

Iden 2. 



beret 
bietst y biet 
bretst, brSt 
bretst , bret 



feist, fet 
forgellst, forgell t 



— hetst, hei 



letst, let 
meist, met 
reist , rel 

set 

snelst , snet 
weist, wet 
spredst, spret 



beret 

bist 

bret 

bret 

feil 

fet 

forgelld 

fiel 

het 

knet 

let 

meet 

ret 

sei 

snel 

wet 

spret 



beret 

biet 

bret 

brSt 

feilen 

fet 

forgelld 

flei 

hei 

knet 

let 

meet 

ret 

set 

snet 

wet 

spret 



bereiten. 

bluten. 

brüten. 

breiten, s. oben* 

fallen. 

ernähren. 

vergolden. 

s. §210. 

heizen. 

knoten, schürzen. 

lassen. 

messen. 

rathen. 

setzen. 

schnauzen. 

netzen. 

spreiten. 



502 



IV. 



Wandel- 
form. 

bitten 

glidden 

grippen 

ridden 

shridden 

slidden 

slitten 5. 

shitten 

smitten 

splUten 

stridden 

twitlen 

bliwwen 

driwwen 

gnihssen 

lihssen 

shriwwen 

riwwen 

slippen 

strichen 

swihssen 

pri/issen *) 

wrifissen 



Personen der Gegen- 
wart. 

— ballst , bau 

— glältst , glatt 

— grdppst, gräppt 

— rdlst , rät 

— shrdlst, shrdt 

— släddsty statt 

— sldttst, statt 

— s/idttstf shdlt 

— smättst, smdlt 

— spldttstj splätt 

— strdttst , strdtt 

— twdttst , twdtt 

— bldfst, blaß 

— drafst, drdft 

— gndst, gndst 

— last, last 

— shrafst, s/irdß 

— räßt, rdß 

— sldpptsty sldppt 

— strdhst, strdckt 

— sivdsly swdst 

— prdst, prdst 

— wrdst, wrdst 



Imper- 
fectum. 

biß 

glijd 

griep 

rijdd 

shrijdd 

slijd 



SffJ 

shijtt 

smijll 

splißt 

strijdd 

twißt 

blief 

drief 

gniess 

Hess 

shrief 

rief 

sliep 

striek 

swiess 

pries 

wriess 



Perfectum. 



bdnn 

gldnn 

gram 

rann 

shrdnn 

sldnn 

sldnn 

shdnn 

smdnn 

spldnn 

slrdnn 

twdnn 

bldtven 

drdwen 

gndsen 

tdhsen 

shräwen 

räwen 

sldhm 

strdgen 

swdsen 

präsen 

wrälisen 



Deutsches Wai 
dclwort. 

beissen. 

gleiten. 

greifen. 

reiten. 

sclireilcn. 

glitschen, seh! 

lern, 
verlieren, 
scheisscn. 
schmeissen. 
spleissen. 
streiten, 
schnitzen, 
bleiben, 
treiben, 
reiben, 
leiden, 
schreiben, 
reissen. 
schleifen, 
streichen, 
sengen, 
preisen, 
entwinden , rin 

gen. 



y. 



bijdden 
beflißlen 2. 

flißten 

ßyrtrißlen 

gißten 

nißten 

shißten 

slittmi 5. 

tißten 

bddden 2. 

bregen 

ähsen 

duhggen 

frihscn 

hißten 



bjötst , bjött 
befijöttst, bpßjött 

fljötlst. fljött 
däl fortrött 
götist , gött 
njöttst, njött 
shöttst , shött 
sljöttst , sljött 
tjöttst, fjött 
bdddst , bddt 
bregst, bregt 
eist , et 
dähst, det 
freist, frei 
hättst , hält 



büjd 
beflüßt- 

flilßt 
fortrüßt 
güjlt 
ntißt 
shüßt 
slüßt 
tüßt 
bäid 
bräik 
äß 
däi 
fraß 
1 haßt 



bahn 


bieten. 


beflähn 


befleissen S. be 




fliessen. 


flähn 


fliessen. 


forträhn 


verdriessen. 


gähn 


giessen. 


nähn 


geniessen. 


shähn 


schiessen. 


slähn 


schliessen. 


lähn 


schreien. 


bahn 


bitten. 


brägen 


brechen , gebr. 


ahn 


essen. 


däßi 


thun. 


frähn 


fres/seii. 


haßten 


heissen 



SOS 

§. ^9. Die durch Vorsilben oder Umstandswörter ü. s. W^ 
Eusamrnengesetzten unrege]mässif;en Zeitwörter richten sich nach 
ihren Stämmen in der vorstehenden Tabelle, wie z. B. forbijdden 
nach Idjdden; begrippen nach grippen; äujntsläujnnen nach stäujn» 
nen; bedregen^ fordrSgen^ äjldregen nach dregen, u. s. w. 

Bemerkungen über einige der vorsiehenden Zeitwörter. 

§. 210. i. Hijnnen heisst i. mit den Händen auffangen, z. B. dcii 
Ball; 2. sich ereignen, begeben, zutragen. Ijnnen i. beendi- 
gen , vollenden ; 2. sich zusehends dem Ende mit der Arbeit nä- 
hern, wenn es mit derselben gut fortschreitet. Lingen 1. langen, 
reichen; 2. sich sehnen, mit nach, aber nicht zurückzielend (re- 
ciprok), z. B. ick ling efler min Sahn, ich sehne mich nach mei- 
nem Sohne. Mingen i. mengen, mischen; 2. zaudern, säumen. 
Slingen i. mit der Schleuder werfen; 2. wie im Deutschen, aber 
nicht schlucken, verschlingen» welches sldjnken heisst. Dränken, 
ertrinken , steht auch zielend für ertränken , als: he dränkt sdn Hünn 
an sin Kätt. Gräten, dän. at groe, engl, to grow, wovon das 
deutsche und englische Grass ^ Gras, und das dänische Gi^äs ab- 
stammt, so wie en Gröde, die Gruse, wofür ich das Wort grusen 
als das entsprechendste gewählt habe. Man gebraucht gräien nur 
von dichtem, kurzem Grase, kurzen krausen Haaren und krau- 
ser Wolle, und sagt von der letztern: dät Uli äs gävjd unner» 
gräjn, die Wolle ist gut unterwachsen. Das daraus gebildete 
Hauptwort heisst de Grause, entspricht dem dänischen Gröde, 
und dem deutschen Gruse, Saft und Trieb des Pflanzenwuchses; 
auch kommt es in dem Worte Edgrause, Nachgras, dän. Efter» 
gröde, vor. Weren, 4. v. rec, sich wehren; 2. v. act. intr. , weer 
da Häjnste, wehre den Pferden u. s. w. Sheren h. überhaupt 
schneiden, daher de Shjärder , der Schnitter; mit der Schere 
schneiden ist klappen, dän. at klippe. Tanken 1. denken; 
2. im Gedächtniss behalten. Fleteti i. die im Tüdder stehen« 
den Schafe und Rinder auf einen andern Rasenfleck setzen; 2. 
umziehen von einem. Hause in ein] anderes, dän. at flotte, nd. 
flülten. Mäjtten h. nicht allein messen, sondern auch einem be« 
gegnen, mit ihm zusammentreffen. Räjdden, i. rathen, einem 

39 



504 



Wandcl- 
form. 

tunken 

wähsen 

binnen 

bäiri(/en 

fordio^en 

(innen 

fniesen 

friesen 

forliescn 

fuhgqen 

helpen 

hungen 

hüjllen 

grünnen 2. 

sjunqen 

shellewen 

Spillen 

spännen 

springen 

stäirwen 

swinnen 

stjunken 

tännen 

twenen *) 

worden 

swingen 

twingen 

nämen 

leflen 

fäirken 

winnen 

wannen 

wierwen 

wüdden 

gungen 

smöllen 

krumpen 

shrumpen 



Personen der Gegen- 
wart. 



wiß, wiest, wiß 

— bannst, bannt 

— berigst , birigt 

— forderewst, — ewl 

— fdnnst, fdnnt 



— fröst , fröst 

— forl^öst, forljöst 

— fähst , fäit 



— halst y hält 



spällst, spdllt 



spräjngst, spräjngt 
sterewsty sterewt 
swdnnst, swdnt 



twänst, twdnt 
worst y wort 
swdjngst , swäjngt 
twdjngst, twdjngt 
ndmmst, ndmmt 



wannst, wdnt 



— wuddest, wüddet 



Imper- 
fectum. 

tnrst 

wüst 

bünn 

bürg 

fordürw 

fünn 

fnüss 

früss 

forlüss 

füng 

hülp 

hüng 

hüll 

gründ 

süng 

shülw 

spült 

spünn 

Sprung 

stürw 

swünn 

stünk 

tünd 

twünn 

würd 

swüng 

twüng 

nümm 

lüft 

fürk 

wünn 

wunn 

würw 

wüdd 

mg 

smölt 

krümp 

shrump 



Perfectum. 



turst 

wüst 

bünnen 

bürgen 

fordürwen 

fünnen 

fnäsen 

fräsen 

forläsen 

füngen 

hülpen 

hungen 

hüllen 

grünnen 

süngen 

shülwen 

spülten 

spünnen 

Sprüngen 

stürwen 

swünnen 

stünken 

tünnen 

tivünnen 

würden 

swüngen 

tximngen 

nümmen 

lüflen 

fürken 

wünneii 

wunnen 

würwen 

wüdden 

gingen 

smolten 

krumpen 

shrumpen 



Deutsches W 
delwort. 

dürfen. 

wissen. 

binden. 

ernten, bergi 

verderben. 

finden. 

niesen. 

frieren. 

verlieren. 

empfahen. 

helfen. 

hangen. 

hallen. 

mahlen. 

singen. 

zittern. 

spülen. 

spinnen. 

springen. 

sterben. 

schwinden. 

stinken. 

schwellen. 

zwirnen. 

werden. 

schwingen. 

zwingen. 

nehmen. 

heben. 

aufgabeln. 

winden. 

gewinnen. 

werben. 

waten. 

gehen. 

schmelzen. 

krimpen. 

schrumpfen. 



Noch sind zu erwähnen : 



formiehsen 
wällen 

shdllen 



wähl, wäll, pl. 

wän 

shäht, shäll 



formahsd 
wäjl, pl. 

wäjn 
shäuß, pl. 

shäujn 



formahsen 
wüßt 

shäujlt 



vermeiden, 
wollen. 

sollen. 



30» 

§. 209. Die durch Vorsilben oder Umstandswörter ü. s. w^ 
Eusammengcsetzten unregelmässigen Zeitwörter richten sich nach 
ihren Stämmen in der vorstehenden Tabelle, wie z. B. forbijddm 
nach bijdden; begrippen nach grippen; äujntsläujnnen nach stäujn- 
neu; bedregerii fordr^en^ äjtdregen nach drSgen, u. s. w. 

Bemerkungen über einige der vorsiehenden Zeitwörter, 

§.210. i. Hijnnen heisst 1. mit den Händen auffangen, z.B. dcii 
Ball; 2. sich ereignen, begeben, zutragen. Ijnnen 1. beendi- 
gen , vollenden ; 2. sich zusehends dem Ende mit der Arbeit nä- 
hern, wenn es mit derselben gut fortschreitet, hingen 1. langen, 
reichen ; 2. sich sehnen , mit nach , aber nicht zurückzielend (re- 
ciprok), z. B. ick ling eßer man Sahn, ich sehne mich nach mei- 
nem Sohne. Mingen i. mengen, mischen; 2. zaudern, säumen. 
Slingen 1. mit der Schleuder werfen; 2. wie im Deutschen, aber 
nicht schlucken, verschlingen, welches sldjnken heisst. Dränken^ 
ertrinken , steht auch zielend für ertränken , als: he dränkt sdn Hünn 
an sin Kätt. Gräien, dän. at groe, engl, to grow, wovon das 
deutsche und englische Grass , Gras, und das dänische Gi^äs ab- 
stammt, so wie en Grade, die Gruse, wofür ich das Wort grusen 
als das entsprechendste gewählt habe. Man gebraucht gräien nur 
▼on dichtem , kurzem Grase , kurzen krausen Haaren und krau- 
ser Wolle, und sagt von der letztern: dät Uli ds gavßd unner* 
grajn, die Wolle ist gut unterwachsen. Das daraus gebildete 
Hauptwort heisst de Grause, entspricht dem dänischen Gröde, 
und dem deutschen Gruse, Saft und Trieb des Pflanzenwuchses; 
auch kommt es in dem Worte Edgrause, Nachgras, dän. Efter* 
gröde, vor. Weren, 1. v. rec, sich wehren; 2. v. act. intr. , weer 
da Hd^te, wehre den Pferden u. s. w. Sheren h. überhaupt 
schneiden, daher de Shjdrder, der Schnitter; mit der Schere 
schneiden ist klappen, dän. at klippe. Tanken 1. denken; 
2. im Gedächtniss behalten. Fielen i. die im Tüdder stehen- 
den Schafe und Rinder auf einen andern Rasenfleck setzen; 2. 
umziehen von einem. Hause in cin^ anderes, dän. at flotte, nd. 
flutten, Mäßtten h. nicht allein messen, sondern auch einem he« 
gegnen, mit ihm zusammentreffen. Räjdden, i. rathen, einem 

39 



506 

etwas; 2. erralhen; 5. befehlen, z. B. do hähst hirr nint rä^dden, 
du hast hier nichts zu sagen, zu gebieten» zu herrschen u. s. w., 
in mehrfachen Beziehungen. Snäjtten, von de SnüUe, Schnauze, 
wird nur von der Nase und der Lichtschnuppe gebraucht , woher 
Sixxcli de Snöte f dät Snöle, der Nasenschleim , Rotz, stammt. Sprijd- 
den, spreiten, z. B. Mist spreiten oder streuen. Slitten 1. aus 
der Tasche, vom Wagen, auf dem Wege verlieren; 2. schleissen, 
aufschlcissen , z. B. die Kleider; 5. jemand auf die rechte Weise 
zu nehmen wissen, um mit ihm durchzukommen. Tuntten h. 
auch überhaupt in Holz , oder Späne abschneiden. Gnihssen , ein 
Stück Zeug oder dergleichen zwischen den Händen reiben. Wrihs- 
sen 1. sich krümmen wie ein Wurm ; 2. die Hände ringen ; 5. ei- 
nem etwas drehend entwinden. Shijtten, verb. impers. , wird auch 
so gebraucht: dät kdrir me nint dm shißte^ ich schere mich nicht 
darum, mag es nicht u. s. w.; wdt kön de dät shijlte? was geht das 
dich an? was schiert es dich? Bddden 1. bitten, 2. betteln. 
Bregen, v. pass. und v. tr., ferner: mangeln, fehlen, gebrechen; 
2. sich erbrechen, Fr4hsen , fressen , wird nur von Menschen ge- 
braucht , wenn sie sich übermässig anfüllen , sonst von Men- 
schen und Thieren ähsen, essen. Frehsen, v. i*eg. trans. , heisst 
friedigen. JSwen, geben, hat nicht die umfassende Bedeutung 
des deutschen Wortes, und wird nur vom Kartengeben und Vieh- 
füttern gebraucht, als: dö shäht jewe , nämlich Karten; hähst ja- 
wen ? hast du dem Vieh den ganzen Stall hindurch ein Futter ge- 
geben? Hiihm jeft träte, man füttert dreimal herum. Ick jiw'r 
nint dm, ich gebe nichts darum, mag es nicht. Das gewöhnliche 
Geben heisst duhggen, als: duhg me dät Bauck, thu mir d. h. 
gieb mir. Spregen h. mit jemand sprechen, als: hähst kam sprä- 
gen? hast du ihn gesprochen? auf huhm sellew spregen, sich sel- 
ber loben ; das Sprechen überhaupt heisst snäken, Tresen , treten , 
wird auch vom Begatten der Vögel gebraucht. Shüfen h. auch 
herbeischaffen, zu Wege bringen, und ist dann regelmässig {shär 
toen,v. reg. , h. bilden , formen , eine Gestalt geben ; hewijt *tndg to 
shäwen, zu bilden, zu gestalten; 2. sich gebehrden; hörr shä- 
west de? wie hast du dich?). Snöwwen h. nicht allein schnieben, 
sondern auch schnupfen, nämlich Taback. Tieen, h. ziehen in 
allen Bedeutungen des deutschen Wortes, ausser da, wo man 



307 

ein Thier an einem Stricke zieht; dieses heisst: trocken, dän. 
at träkke, jö Trdckpott, wörtlich der Ziehtopf, d. i. der Thee-^ 
topf, weil der Thee ziehen muss. Bäirigen hat auch die etwas^ 
regelmässigere Wandlungsform: berigt, im Imperf. u. Perf. FoT' 
Uesen 1. im Spiele, im Handel; zur See verlieren, untergehen,, 
scheitern; 2. entbinden, erlösen, eine Gebährende. In dem letz- 
teren Sinne ist es regelmässig. Grünnen, engl, to grind, h. auf 
der Mühle mahlen. 

Slüten, aus der Tasche verlieren, und slüten, schliessen, in 
allen Bedeutungen des deutschen Wortes, sind wohl von einander 
zu unterscheiden. Ebenso sieen, sehen, und sieen, säen; ersteres 
hat im Imperf. such, dieses säid. Ferner hißten , heizen, und 
hijUen , heissen ; ersteres hat : hSt und hütt , in beiden Zeiten , 
dieses häjtt und häjtten. Aus het, heizte, geheizt, wird: de Hit- 
ti^n , wörtlich der Heizstein , d. i. der Feuerherd. Bungen , han- 
gen, y. n., ist von hingen ^ hängen, v. tr. , wohl zu unterscheiden. 

2. Bei mehreren Zeitwörtern von gleicher Bedeutung hat man 
verschiedene Yocale zu Stammlauten, als: fieligen, fälligen und 
fuligen , feigen , den Acker ; das Hauptwort heisst : dät Fulig ; for^ 
gm^llen und forgSllen, vergolden; swiermen und swät^men, schwär- 
men , von Bienen , Ameisen , Mücken u. s. w. ; stiermen und stdr* 
men, riechen; die Substantiven heissen: de Swierem, Schwärm, 
und de Stierem, Geruch; swijtten und swdlten, schwitzen, Subst. 
dät Swijt; ihrwen und ärwen, erben, Subst. jö Ärw , de Arwing^ 
das und der Erbe ; shieen und shäien , geschehen , Subst. jö 
Shaujn ; bäirigen und benigen , bergen ; wärken und wärngen\ 
schmerzen, Subst. de Wä7^k, der Schmerz, wie Gigtwärk, Gicht- 
bruch , Lähsewärk , Gliederreissen ; swieligen und swälligen, i. hinun- 
terschlucken , 2. ersticken , verb. pass. ; Subst. jö Swielig und jö 
Swällig, der Schlund, der Schwalg, die Schwelge, dän. at 
svälge, et Svälg; daher: schwelgen, engl, to swallow; bäligen 
und bijlken , laut rufen , bäligen , zurückrufen , bijlken , auch 
laut nachschreien, daher Subst. de Bijlk ; marken und märrir 
gen, merken, Subst. Jä^ Mark, Merk, Merkzeichen; beide bedeu- 
ten: merken überhaupt, und märrigen gehraucht man noch beson- 
ders von Hausthieren, denen man ein Kennzeichen macht, z. B. 
Schafen, in den Ohren oder mit Farben, Gänsen in den Füssea». 



508 

Rindern mit dem Brenneisen in den Hörnern. Wirken h. I. über- 
haupt wirken, daher dät Wäirk^ das Werk; 2. einen brettemen 
Zaun setzen, davon dät Wirk, das Wirk; wirrigeUj i. wür- 
gen , wdt dählwirrigen, hinunterwürgen , 2. erwürgen , einem die 
Kehle oder Gurgel (jö Straahs) zuschnüren. 

Es mag in diesen Wörtern das eine Wandelwort aus einer 
Zeitform des andern hervorgegangen sein. Wir haben ähnliche 
Fälle im Deutschen , wie trügen und triegen^ betrügen und betrie- 
gen, schnauben und schnieben, stäubeti und stieben ^ sprossen und 
spriessen^ träufen und triefen, u. s. w. , so wie in der Zeitform 
der gewesenen Gegenwart , als : barst und borst , drasch und 
drosch, hob und hub, schwor und sehvmr, spann und sponn, schlang 
und schlung , stand und stund u. s. w. 

5. Folgende der obigen Zeitwörter werden unpersönlich ge- 
braucht, als: bregen, mangeln, gebrechen: dät bregt me; shiee» 
oder shäien : dät shait oller ; renen , regnen ; fortritten , verdries- 
sen; tajnten, däuchten, dünken; shijtten, sieh scheren, küm- 
mern; und bitten, wenn es jucken bedeutet: dätbdtt me, es juckt 
mich. 

4. Die Leidensform des zweiten Mittelwortes ist in einigen 
Fällen von der activen abweichend , als : ick hähw twänd , aber 
de Träjdd äs ttvünnen; ick hähw de Bär shjärd, aiher dät Kaum ds 
sheren. Selbst beim leidenden Zeilworte ist diess der Fall, als: dö 
bdst wügsen , gewachsen , ick bdn wägsen , ich bin erwachsen ; eben» 
so bei shäid und shäjn , gräid und gräjn u. s. w. Ebenso: ick 
hähw rdnn^ habe geritten, ick bdn ridden , bin geritten, d. i. zu 
Pferde; ick hähw gingen, habe (statt bin) gegangen, ick bdn guU' 
gen, d. i. zu Fusse bin ich hieher gekommen; ick hähw kjärd, 
habe gefahren^ bdn käiren, zu Wagen; häw aget, gefahren, bdn 
ägen , zu Wagen ; hör bist fären F wie bist du daran ? 

§. 211. Die abgeleiteten Wortbildungen aus dem unregelmäs- 
sigen Zeitworte sind bald aus der Wandelform , bald aus der Ge- 
genwart und bald aus der Yergangenheit hervorgegangen. Durch 
Yergleichung mit den genannten Zeitformen kann man leicht er- 
kennen, welcher derselben sie ihre Entstehung verdanken » als: 
Ungen: jöHing^ die Thürangel , de Häjnger, der Henker, de Häng, 
der Hang; hijnnen: jö Hynning, das Ereigniss; kämen: de Kämst, 



309 

Wäjlkdmst , der Willkommen , Äujnkdmst , die Ankunft ; kringen : 
jo Krängd, die Viehseuche, Pest; forlingen: de Forlängst, das 
Verlangen; ränen: de Ränster , Renner, in Faarränsler; mjnnen: 
jö Wijnning , Wendung; tijnnen: dät Tänner, der Zunder; sliu" 
gen : jö Sling , Schleuder ; shiescn : de Aufshiess , Abschied , jö 
Shiesing , Scheide, FeJdscheide, Scheidung; slijtten: de StijU, 
Stoss; sieeti: ]6Sigt, dät Sjöhn, i. Sehvermögen, 2. Erscheinung; 
shieen: jö Shäujn; brännen: de Brandy jö Bräujn, Feuersbrunst; 
^dien: jö Gräjdd, der Rasen, de Grause y dat Gjärs; fähren: jö 
FoÄr, 4. die Fähre, 2. der Aufzug; räiren: jö Ädir, A'präir, Auf- 
ruhr; shSren, de Sfiähr, Schnitt; dat Slijärd , die Scherbe; de 
Shjärder, der Schnitter; glidden: de Glähs, der Glitt, wo as'/dw'c 
Glähs, nun ist*s im Schub; de Gljärder, Brotschieber; sieen: dät 
iSd^'d, i. Samen, 2. Saat, 5. Rapsaat; teren: jö Tering; ringen: de 
Ringsler, der Läuter; treffen: de Brähg , Bruch; Stegen: de Stähg, 
Stich, dät 5/djÄ;, der GriiTel; ähsen: dät i4//sß, das Essen, die 
Speise; drdjnken: dät Drdjnke, deDrönk, de Drönker, der Säufer; 
frehsen: de Fräthe, die Fresse, das Maul (gemein); Iddden: dal 
IfCuM , der lose , flache Deckel , 2. der hölzerne Teller ; ledden : de 
AmlSdder, Einlegemesser (ümleger); duhggen: jö Düjns, dasThun, 
viel Wesens ; jeo^ew : dät /e/U, eine Gabe Futter, de Jewe , nur in 
Nüiihr^Swe, Neujahrsgabc ; sStten: de Setter, die Setze, eine ir- 
dene Milchschüssel; spregcn: de Spräjcke, Sprache, de Sprök, der 
Spruch ; tp^wcn : da Wäwle , Nom. collect. , der Webstuhl , de Wätvster , 
Weber; trSsen: de Trähs , der Tritt, da Trähse, Trethölzer am 
Weberstuhle; fällen: de Fä//, der Fall, jö Fäll, die Falle; /o/rf- 
de«: jö FaifiS, der Unterhalt; läjttefi: de Läjlte, in toläjtsluhggen ; 
fnqjtten: jö 3Jäjltp das Maass , r^e Mäjtte, die Maassen : dirr d« jd 
<iän Jtfa/7/ß md , dän. der er jo ingen Maadc med , ihr haltet ja 
kein Maass , übertreibt es ; räjdden : de Räjdd , de Räjdder , in 
Wänräjdder , wörtlich : der Wahnräther , einer der tausend ver- 
kehrte Anschläge macht; de Räjddelse , das Räthsel; bitten: de 
Bitter (Beisserlein , Zahn), dät Ritt, eine gemachte Oeffnung im 
Eise zum Tränken des Viehes (eine vom Winde und der Strö- 
mung offne Stelle h. jö Wdnwaag) , dät Rdtt , die Pfeifenspitze , 
auch dät Müntstock (Mundstück) genannt; de Rähs, i. der Biss, 
2. die Schärfe der Schneide; splitten: de Splähs, die Spleisse, 



310 

Spalte; ridden: de Bidd, der Ritt, de Ridder , i. der Reiter, 
2. das Reitpferd selbst; der Reuter beim Militair h. de But- 
ter; shridden: de Shridd , der Schritt; stnitten: de Stnäks , der 
Schmiss, Wurf; dät Smdtting , Weberkleisler ; ttoitten: de Twü- 
ter ^ der junge Bursche; driwwen: jö Drdfty i. der Trieb, 
2. Nachdruck, 5. Trift; grippen: de Gripp, ein Griff mit der 
Pland, de Grawe, der Griff, als Handhabe an einem Dinge; shriw- 
wen : jö Shrdft , 1. jede Schrift , 2. die heilige Schrift ; de Shriw- 
wer , Schreiber ; stricken : de S/ro^ , der Strich , de Sträge , Strei- 
cher zum Schärfen der Sensen; riwwcn: deRä/iw, der Riss; wrihs- 
sen: de Wrdst, der Rist, der Spann, dän. en Vrist, von at vrie; 
shSften: de Shin , Schein; rmen: de Rinn; gungen: de Gong, de 
Gdjnger, der Gang und der Gänger; säiken: jö iSd/A;, das Yermis- 
sen; tanken: de Töf/Ze, der Gedanke, gewöhnlich nur im Plural, 
da Tögte ; wannen: de Wanst, der Gewinn und der Gewinst; kaa- 
nen: de Konst, die Kunst; stäujnnen: de Släujnner, der Leuchter; 
de Stürmer, der Ständer; de Stand, der Stand; dujn Stände We- 
sen, in Stande sein; /i^en; £?ä/ TSch, i. der Zug, 2. das Mal; 
kniepen, kneipen: jö Kniep, die Schnalle; hjärsten, de Bäirst, der 
Burst, Sprung, Riss; kriepen: dät Kräwel, wie im Deutschen der 
Krüppel, vom niederdeutschen kruppen , und im Dänischen en 
Kröbting von at krybe , kröb , kr oben ; söppen: de Söpke, der 
Schnaps; tjaagen: jö Lägen, die Lüge; snöwwen: dät Äwö/*, der 
Schnupfen; döwxven: dät Z^ö/*, die Tunke; ^djnA^n und sänken: jö 
5a/7?A; und jö Sank, das Untersinken und Senken; shüwwen: dät 
Shüff, pl. Shöwwinge, Schieblade; dät «S^ö/*, ein Vorschiebebrett; 
dät 5//«/", ein Schaub, ein Schoof Langslroh , eine Dienst - 
oder Lohngarbe, Zehntongarbe; binnen: dät Bünn, das Bund; 
däi i^iy^m , das Band überhaupt , de Bijnn , ein einzelnes Band 
zum Umbinden, als: de Hosbijnn, pl. da Bijnne (dät Bijn, das 
Bein, pl. da Biene), 2. der Band eines Buches; de Bann, die Bande, 
als: de Bännslöck, der Bandstock, Haselstäbe zu Tonnenbändem 
oder Fassreifen; de Bann künn , der Kettenhund; finnen: deFünstf 
der Fund; forliesen: de Forljüst, der Verlust; fordierwen: jö 
Fordierew , der Verderb , das Verderben ; friesen : de Fräst , der 
Frost; helpen: jö //e/p, Hülfe; Inppen: de Lw/), der Lauf; Laper, 
der Knicker, Schüsser; dat Läpelse, das Laab, Rinnsei, de La* 



311 

pelse, das Durchlaufen der Pferde: da Hdjnste lüppen Läpetse, 
de liefen durch; hijllen: jö Hijlling: 1. die Neige; 2. die Nachge- 
burt ; jö Hijll , die Heide , Fussfessel der Pferde ; hüjllen : jö 
Hüjlling, die Haltung; sjungen: de Song, der Sang; bäirigen: de 
Birrigt, die Ernie; lünnen: de Tünnelse , die Geschwulst; sfjuri' 
ken: de Stönk^ der Siank; bijdden: dät ^ti/^, das Gehot auf et- 
was; flißUen: jö FIävjdd ^ de Flöthey der Fluss als Krankheit , 
fliessende Fistelgeschwüre u. dergleichen; gißten: de Gö/^, Guss, 
Schnauze an einer Kanne u. s. w. , jö Gaahs, die Gosse, in UhS' 
gaahs, die Schöpfgosse , durch welche das Wasser in den Tränk- 
Irog läuft; shijtten: de Shöt, der Schuss und der Schoss» de Shd' 
ter, der Schütze; fortrijtten: dät Fortriß, der Verdruss; fahren: 
jö Faur, die Fuhre; hdwwen: de Ädw;, der Hieb; grewcn :'dRi 
Grif, das Grab, jö Greß, ein Wassergraben um den Warf, jö 
Grauf, ein Graben zwischen Acckern , jö Gräwing , ein grosser 
und tiefer Schutzgraben; de Grewster, der Gräber, de Grauwer, 
von jö Grauf; de Grüppel, schmaler Abzugsgraben, de Graup, die 
Mistrinne im Stalle; sluhggen: de Sliek, der Schlag, Slieke pl. , 
Prügel; de Släg , i. der Schlag, Gattung, 2. als Krankheit; wä- 
gen: jö Wägt, 1, die Wage, 2. das Gewicht, u. s. w. 

§. 2i2. Es folgen hier einige Zeitwörter, welche, in Ueberein- 
stimmung mit §. 207, nur dadurch von den regelmässigen ab- 
weichen, dass sie in der gewesenen Gegenwart und der Vergan- 
genheit statt der Silbe et nur den Buchstaben d bekommen, der 
ihrer Stammsilbe unmittelbar angefügt wird, weshalb es ganz 
überflüssig wäre , diese Formen bei jedem einzelnen Worte wei- 
ter auszuführen. 

^Aien, ick äid , ick hähw äid, einem die Backen streicheln; he- 
häiwen , bedürfen; beliewen, belieben; berälwen (hervwen) berau- 
ben; herauen, beruhen; beruh ssen , 1. unter Schutt begraben 
werden , 2. berauschen ; betrauen , anvertrauen ; bieen , biegen ; 
billen , bilden ; brännen , brennen ; binnen , brauen ; brüggen , 
pflastern , mit Steinen, Suhsi. ]ö Stißibro ; büen, arbeiten, jö^äm^, 
die Saatzeit im Frühling; däien, gedeihen, Subst. jö Dägcd, das 
Gedeihen, die Gedeihlichkeit; dieen, überhaupt Heisses vertragen 
können , als heisse Speisen und Getränke , heisses Eisen anfassen 
können, ohne sich daran zu brennen, u. s. w. ; dielen, theilen; 



312 

drüen^ 1. drehen, 2. drechseln; driemen, träumen, Subst. de 
Druhm, der Traum; drillen, 1. prellen, 2. drillen; dat DriUb&r^ 
der Ürillbohrer; düllen, dulden; fällen, sehinden; de FäilberSh' 
ser , der Fellberciter, d. i. der Weissgerber; fällen, fühlen, jö 
Fäil, das Gefühl; feilen, füllen, jö FSlling , die Füllung; fläien, 
putzen, schmücken, ausbessern, machen; forddwwen, verdauen; 
forgSllen, vergolden s. forgäujUen; forjüllen, vergelten; forkieren, 
verkehren v. tr.; fornäigen, i. vergnügen, 2. v. rec. , sich verod'' 
gen; forliewen, v. rec. , sich verlieben; forsmöien, verschmähen; 
forteilen, i. erzählen, 2. v. rec, sich verzählen; fräien, freiea: 
fräien, als reines Adjeclivum, heirathssüchtig, manngierig; firi» 
en, freuen, de FrätM^; gällen, weinen; glaaien, schlüpfen; gniesen, 
da^ Maul nach einem verzerren ; jö Gnieskätt , Zerrkatze , d. i. 
Fratzengesicht als Schimpfwort; gräien , wachsen; grähnen, wim- 
mern , ächzen , engl, to groan , und wahrscheinlich von gleicher 
Wurzel mit dem deulsclicn greinen und dem dänischen at grim; 
grähsen , schauem , jö Gräfising , der Schauer , z. B. im Fieber ; grihS' 
sen, grausen; grdwwen, krauen, kratzen; gröhsen, 1. zermalmen, 
2. einen knirschenden Laut geben , wie z. B. grober Sand unter 
den Zähnen; grälmen, ausweiden, von dät Graum, Eingeweide; 
gruen , grauen ; gunnen , gönnen ; liäien , engl, to hide , einem 
die Wahrheit verbergen, mildernd für Ijaagen , lügen; hüwen, 
wähnen, mulhmassen; hieen, v. pass. , anschwellen vom Wasser, 
steigen; 2. v. tr. , ein wenig erhöhen; hieven, hören; hdwwen, 
i. hauen , 2. mähen , und dann unregelmässig (siehe die Ta- 
belle); Julien, 1. gelten, 2. wimmern, winseln; kännen, ken- 
nen; hallen, kühlen; hdwwen, kauen; kieren, i. kehren, y. tr., 
2. V. rec. z. B. huhm äujn wät hieven, sich an etwas kehren; klä/p- 
pen, mit der Schere schneiden, 2. klappen, als Klangwort; klam- 
men, klemmen, Subst. jö Klamm; kllewen, klieben , spalten; 
knlppen , kneipen; krälen, krähen; lleen, i. miethen, 2. heuern; 
jö Lie, die Micthe und die Heuer; lienen, leihen, to Llen, zur 
Leihe; Heren, i. lernen, 2. lehren; jöLur, die Kenntnisse, delie- 
rer, der Lehrer; llesen, lösen, jöLiesing, in Wähserlleslng ; liewen, 
i. lieben, 2. glauben; de Lietode, die Liebe, de Luwe, der Glau« 
be; mlenen, meinen, jö Mlcnlng; mjdwwen, mjauen; nämen, nen« 
nen; näigen, v. rec, sich neigen, 2. sich genügen lassen: IßfU de 



minaige^ lass dich damit begnügen; fallen , dän. at pole, pia- 
in, platschen,. im und mit Wasser, nd. polen und sölen, engl. 
it to puddle, davon dätP4//> ^^^' enPöl (gedehnt , also Pohl), 

deutsche Pfuhl, aber in sehr verjüngtem Maasstabe; eine 
ne Lache im Wagengeleise , selbst verschüttetes Wasser bildet 
Väjl, Präiwen, prüfen, probiren; rauen, ruhen, Subst. jö Rau 

jö R6; reken, recken, s.ohen;räfien, rennen; räisen, reisen, 
i&hs; fiesen, i. sich erheben, aufstehen, 2. emporrichten, 

en Hüss liesen ; dst Riess , des Vermögen oder die Kraft zum 
stehen, fön *t Riess wSsen, von den Beinen sein, von kran- 
lYieh, das nicht mehr aufstehen kann; römen, räumen; räien, 
nen, ein Boot mit dem Riem oder Treibruder schieben; siUen, 
en; silleny nd. sielen, treiben, v. pass., vom Wasser selbst, in 
[ auf demselben ; dät Sill, das Siel, dat SilUöch, der Sielzug, 
SS, Au, u. s. w., de SUlhünn, Seehund; shänken, schenken; 
Um, di£feriren, jö Shäfil, der Unterschied im Fordern und 
ten beim Handeln , jö Farshähl , der Unterschied ; jö Shähl h. 
st die Schale als Gefäss; shillen, schelten; shdwwen, die Hüh- 

unterm Steisse befühlen, ob sie zeitig sind ein Ei zu legen; 
ien, Pferde beschlagen; shrielen, i, schrillen, 2. quicken, von 
'kein; shirren, schieren, Eier und Butter; shräien, schreien; 
Tten, aufstülpen z.B. die Aermel; snäien, drehen, ein Rad, 
I Schleifstein , sich ; späilen , spülen , dat Spätling , Spülicht; 
nnen, spannen, jö Spann, die Spanne, dat Spann, das Gespann; 
ien, speien, dät Späiling, das Gespieene; späten, wahrsagen. 

Später; spieen , verfitzen, wirren, v. tr.; stallen , i. stillen, 
stellen; dät Stdlling, das Gerüst, jö Stdlling , die Stellung; 
wwen, stauen, das Wasser; staurmen, stürmen; stahnen, stöhnen, 
I. at stönne ; stiepen , Lichte ziehen , durch wiederholtes Ein- 
iken , sonst gißten , giessen , als : stiept an gähn I^ägte , gezo- 
le und gegossene Lichte; stieren, stören, jö Stier ^ Störung; 
rmen , riechen ; stjöicn , schaukeln , jö 5(/oi, die Schaukel; s^rren^ 
uern, wehren, ]öStjürr; straaiefi, gemächlich gehen; swäaien, 
iwxnken , flattern lassen , dän. at svaie ; swiepen , einwindeln , 
Swiep, die Windeln; smemten, schwärmen; stoummen, schwim- 
n; täiwen, warten, nd. töwen, dän. at töve; teilen, i. zäh- 
, 2, jemand rufen; tieren, v. reo. , sich zerren, gebehrden; töi- 

40 



514 

m, thaucn, auflhauen; trauen, trauen (einem); uhsen, schöpfen; 
uhlmen, glimmen; wäien^ 1. weben, 2. (weihen), ein Paar trauen; 
wiftssen, weisen, zeigen; wräien, die Bettdecke aufdecken, zu- 
rückschlagen; waarshuen, warnen; wärmen , wärmen. 

Eine kleine Sammlung regelmässiger Zeitwörter ^}. 

§.215. Aanen, ahnen, jö Aaning^ die Ahnung; ägen; langsam 
fahren; ägten, achten; annern, ändern. Balisen , baden; bähsen, 
Nutzen, Yortheil bringen, davon: de Bälise, Yortheil; das Subst 
von hähsen (baden) ist dät Bäti, pl. da BäJise^ und ebenso lau- 
tet die Mehrheit von de Bähse; bäsen, birschen, von Rind^ 
in der Hitze; bäligen, rufen; bänken, klopfen; bägen, backen; 
bäsem, bessern; baurigen, borgen; befähsen, v. rec. , sich befas- 
sen mit; bedröwwen, betrüben; befangen, v. rec, befangen mit et- 
was; befrien, befreien; behagen— ; behandeln, behandeln; ie- 
jäen, bejahen; bekümmern, v. rec. , sich bekümmern um; belenen, 
helehnen; belaagern, belagern; beläweti, erleben; bemündigen — ; 
bemdgtigen , v. rec. , sich bemächtigen ; begnäsigen , begnadigen; 
belingen, belangen; berägnen , berechnen; berauen, beruhen; be- 
rauigen, beruhigen; berögten, berichten; berigligen — ; beshäsh 
gen^ beschädigen; beshäcken, beschicken ; '^ ^/laamen , beschä- 
men; beshülligen, beschuldigen; bekläwen, bekleben; behuppen , 
behäufen; besläcken, belecken; bemalen — ; bemärken, bemerken; 
beslönigen, beschleunigen; bespären, ersparen; besträwen, bestre- 
ben; 6(?$/drA;en, bestärken; bestjdrten, bestürzen; betälen, bezahlen; 
betähmen [läjtten — ) , einen nur machen lassen , z. B. MyW ham riiän 
belähme f lass ihn nur machen, allein darum sein; auch: läjUme 
belijn, lass mich allein darum; belingen, bedingen; beträgten^ be- 
trachten; befjögen, bezeugen; blähsen, verb. act. intr. , unter etwas 
flammen, um es zu kochen, mit lodernden Brennstoffen, wie 



*) Wo in diesem §phen die friesischen Wörter ganz so lauten, 
wie die ihnen entsprechenden deutschen, ist nur ein kleiner 
Strich beigefügt. Diejenigen derselben, welche früher unter ei- 
ner andern Abwandlungsform vorgekommen sind, haben neben 
dieser auch die regelmässige, wie z. B. bögen, ick bauck, ick 
hähw bägen und ick bäget^ hähtv böget. 



315 

Siroh, Späne und dergl., davon: jö Blähs, dieses Flammen, dän. 
al blusse, et Blus, engl, to blaze, a blaze; blaasen, blasen; 
blocken, v. pass., bleichen, verschiesscn von Farben, dän. at blak- 
ke; bogen, wohnen; bannen, fluchen, bannen; bldnen, v. pass., 
starke Hitze in den Backen haben; bläjnkeny mit den Augen 
winken, knicken; bedühssen, bedeuten; bewunnern, bewundern; 
bewären, bewahren; bewändern — ; bewälligeny bewilligen; be- 
Waagen, bewachen; bewägen, bewegen; blieken, v. tr. und pass., 
bleichen; brisen y flechten, engl, to braid; blögen^ sich schämen; 
bßfcken, beuchen; bummern. Schall wort, Bummeriss, Hohleis, en 
Bummerßärt, ein Bummerfurz; boren, bohren; bräshen, prahlen 
mit Farben, laut sprechen ; brockein, bröckeln; blasern, blocken; 
brüsten, v. rec — ; brüfissen, i. brausen, 2. das GeHeder sträuben, 
daher: de Brüsskräjdder, der Kampfhahn, Braushahn, und das 
adjectiv brösig, Brösighäid; brulen, brüllen; billiyen — ; brausen, 
braten; büffeln, büffeln. Dämpen, l. dampfen, 2. dämpfen; ddc- 
ken, decken; dulmen, nachlassen von Schmerzen; drönen, dröh-^ 
nen; drögen, trocknen; drücken, drucken; driegen, blühen, von 
Getreide und Gräsern, jö Drieging, 1. die Zeit der Kornblüthe, 
2. die an den Aehren hangende Blüthe selbst; däjngeln, bau- 
meln; dräwen, treffen; daadein, tadeln; degen, tagen, von de Däi, 
der Tag , pl. Dige; dönsen , tanzen ; digten, dichten ; döweln, doppeln ; 
dopen, taufen, de Dope, die Taufe; drugen, seihen, von jö Drufig, 
blecherne Milchseihe , 2. Traube ; droppen , tropfen ; däwwen , thauen , 
de Ddwwe, der Thau; döwwen, tunken; döhssen, deuten, jö Döhs» 
sing; dötlick, deutlich; dören, bethören; ducken, tauchen. Jörnen, 
aufsteigen, von heissen Wasserdämpfen, de-^me; Sbben, ebben; 
innen, abenden , Abend werden; eggen, 1. anreizen, 2. verleiten, 
yerlacken. Fäfisen, fassen; fägen, fegen; fällen ^ einem überall 
nachlaufen; fangen, fangen; färwen, färben; feien, feilen; fes- 
ten, fasten, da FSste, 1. die Fasten, 2. pl. von jö Fest, die 
Faust; fihssen, fisten, fiesten, finseln, dän. at fise, engl, to fizz, 
to fizzle, to foist; Subst. de Fihss, dän. en Fiis, engl, a fizzle, 
a foist, deutsch: der Fist oder Fiest; fisteln, filzen; ßärlen, fur- 
zen, Subst. de Fjärt, dän, at flärte, en Fjärt, engl, tofart, a fart, 
der Furz; fiedeln — ; fläsen, ausplaudern; fläbben, das Maul {die 
Flabbe) hangen lassen; flönkern, flimmern, auflodern; fansern, 

40t 



316 

futtern, fütteni; fügen, fügen, auch reo.; fläeke», mit imbai^ 
dmbaifläcken, sich herumtreiben , umherstreichen ; /Zo^/im»,, vorwärts* 
gehen mit der Arbeit, mit dem, was man unter Händen bat; frug- 
Zfifi, fruchten; /amme/n, herumtappen; /a^eJn, fehlen; flicken ^spsl^ 
ten; füjllen, falten; frügten, fürchten; ßlligen, folgen. Gäsmen, 
gähnen; gäwen, gaffen; gären ^ gären; gissen r dän. at gisse, at 
gjätte,engl. to guess, vermutiien, aufs Ohngefahr schliessen; gi- 
sen^ gänseln, albern sein; gnndden, sich schütteln vor Ungeziefer; 
gesten, v. ir., eine Kuh aufsiegen; gulpen, gussweise herausstür- 
zen; gummeln, gäumeln, gnaupeln, knaupeln, muffeln; gjarden, 
gürten; gieken, narren; grämen, grünen; grummeln, wimmeln; 
^en, geizen; gögeln, gaukeln; gicheln, geigen; gräpeln, grapsen; 
grubein, grübeln; gröten, grüssen. Haien ^ holen; häUen, hinken; 
hoßnken^ auf einem Beine hüpfen; hacken, hacken; hägen^ i. ge- 
fallen, behagen, 2. an- oder nuüisiken; hasten, eilen , hasten ; hixen, 
hexen, jö üdx, die Hexe; häwen,\xthtn, erbebeii:; harken, 1. hw* 
eben, % gehorchen; bämmmy 4. säumen, v. tr., ein Tuch, 2. ein- 
hegen; hämmen^ hemmen; hähsen, hassen; kernen, hieben, kei- 
chen, nd. hiemen; hermen, v. rec, sich härmen; kielen, heilen; 
hißllen, fesseln; bogen, v. tr., erfreuen ; höppen, hüpfen, de Häpp; 
hawen, hoffen; handeln, handeln; holen, heulen; hocken, sich nie- 
derkauern, de Hocke, äujn'e Hocke satten, in dieser Stellung sit* 
zen; hosten, husten; hühssen, behausen; hummen, zu Pferden, 
wenn sie Platz machen sollen. Jösen, dem Vieh auf dem Stalle 
morgens und abends dreimal ein Futter {Jeß) nebst Wasser geben; 
ßgen,i. jagen, 2. eilen; ;a&^, mit offnem Maule gaffen; jäppen^ 
nach Luft schnappen; jäshen, einsüblen, beschmutzen; jammern, 
jammern; jwcÄe», jauchzen; iwem, eifern ,dät /u;er; iJinen, einen; 
ilen, eilen; ihrwen, erben. Kappen — ; kempen, kämpfen; käwehr 
zusammcnkoppeln von Pferden; kaaren, karren; klagen — »; kiuf»' 
wen^ klauben; klären, klären; killen, kitzeln; kläisen, mit den 
Nägeln kratzen; W^ew, klopfen; /:/ä5ew,v. rec, sich büscheln, von 
de Klähse, die Traube, der Büschel (racemus und fasciculus); 
kldtshen , mit der Peitsche knallen, in die Hände klatschen, jö 
Klätsh , die Schmitze an der Seime (de Seme) einer Peitsche , wel« 
ehe den Knall verursacht; kläwen, kleben; kldwwem, klauem, 
klettern , überklettern ; klkvwen , klimmen , über einen Zaun slei- 



317 

geo; Udmnem von klammen, klemmen , in die Höhe klettern , daher 
gewöhnlieb mit dp, dpklämmem, hinaufklettern; kldjngern, klin- 
geln , sehellen ; kläeken , klecksen , Suhst. de Kläck ; kägeln , gackern ; 
hmketUi gucken, jö Kieck, der Ausguck, du^'e Kieck stäujnnefi, auf 
dem Ausguck, auf der Warte stehen; kiwwen, keifen, dät Eiff, 
die Keife; kmtm, krachen; knacken, 1. knacken, 2. knicken, de 
jEnocAyder Knack und der Knick; knüppeln, Spitzen klöppeln, da 
Kndppelse, ein Colkativum im Plural, dän. Kniplinger; Band klöp- 
peln h. fon/e/n , und die Klöppel Töntelstöcke; klönken, von de Klötike, 
der Erdklump, Erdkloss, jemand damit werfen; klömpen, v. tr., 
klampen, von de Klömp, die Klampe; klütten, flicken, ausbessern, 
von de f/W, der Lappen, Fleck; krdwweln, kriechen , krauein , von 
Insecten, 2. von Menschen und Kindern, auf allen Vieren krie- 
chen; sonst heisst es kriepen, s. o.; kränen, reckhalsen, vergl. 
der Kranich und der Krahn, engl, a crane für beides, dän. at 
krane, en Kran , der Krahn ; klucken — ; kräicken, zuhaken , mit Ha- 
ken und Ochsen oder Oehren (Kräicke an Ause, Singul. jö Kräick , 
jö Auhi); krüllen, kräuseln; Arai^Hen, kürzen, de Kaurte, die Kürze; 
kräwen, mahnen, um Bezahlung anhalten; kregen, kriegen, de 
Krich, der Krieg, pl. da Krege; kosten, kosten, da Unköste, die 
Unkosten; kräjnken, kränken; kröppen, an Leibesfülle zunehmen; 
kinmigen, kündigen, ein Capital, äpkünnigeny 1. dasselbe, 2. ein 
Brautpaar in der Kirche aufbieten; kräweln, krüppeln; knurren — ; 
kmöppen, knüpfen, z. B. den Rock; knöppen, 1. knospen, 2. zan- 
ken ; kramen — ; kitten — . haagern , lagern; läsigen , einladen ; 
länen, v. rec, sich lehnen, de Lane, die Lehne, de Länestäu^l 
oder Länstävjl; läwen, 1. einlecken, wie die Hunde das Wasser, 
2. iahen ; Idjnken , leicht einhcrhüpfcn ; läwern , liefern ; Idn- 
nern, lindem; läpeUr läppen, flicken; Idspen, lispeln, dän. at 
läspe, engl, to lisp; lasten, leisten, wird nur da gebraucht, wo 
man, aus Hangel an Vermögen, etwas nicht leisten oder ertragen 
kann , z. B. beim Auflegen zu schwerer Abgaben : he kä?i 't di 
tä^9 er kann es nicht ertragen; läiden, blitzen, de Läid, der 
Blitz ; länken, keilen; läwern, auftrieseln , v. tr., dpläwern, als verb. 
pass., fasern; lören und /orren, lauern; löwen, geloben; locken, loc^ 
ken , verlocken; locken, glücken, gelingen; licknen (liekenl), glei- 
chen, ähneln; lögen, lohen, flammen, lodern, de Löge, die Lohe; 



318 

löhnen, launen, maulen, de Löhne, die Laune; Ijogten, leuch- 
ten, de I^ögter, die Leuchte, nicht Leuchter, de St&ujnner; Her- 
ken, wedeln; /aummen, lammen, von Schafen; limrnen^ v. tr., lei- 
men; lullen — ; lauwen, y. tr., Heu und Getreide auf den Wagen 
laden (lauweny als Adject.,kalm, windstill); läken, lachen; lacken, 
lacken, versiegeln; läwen, leben; lacken, lecken, einen Leck ha- 
ben; lecken mit der Zunge beisst sldcken; Wissen, lausen. 
Maanen, mahnen, vergl. kräwen; formaanen, ermahnen; mögen, 
machen; malen — ; malten, malzen; mangeln, i, mangeln, gebre- 
chen, Subst. de Mängel, 2. Wäsche mangeln, mangen, rollen, 
sie mit der Handrolle (dät Mängetjöch, Mängelbaurd an Mängel- 
Stock) glätten; matten, matten, wie der Möller das Korn; mäshen, 
maschen ; mäistem , meistern ; mdcken , küssen , de Mdck , der 
Kuss (auch üppen); marken, merken; mdlden, melden; mässen, 
fehlschlagen, missen; auch Gottesdienst halten und vor dem 
Altare singen, de Willermdss , während der Hesse; mästen, mis- 
sen, entbehren; männem, mindern; mäjdden^ mähen; misten, ne- 
beln, de Mist, der Nebel, mistig; mjogsen, misten, ausmisten, 
huhm tomjögsen , einsudcln, rec; mölken, melken, mäilk, Adject., 
milch , eine milche oder melke Kuh , die Milch giebt , sonst ist 
sie gest , sieg ; münten , münzen ; münstern , mustern ; mucken , 
mucksen; mören, mauern. Nacken, nicken, de Näck; nä^ytten, 
trällern; nijddigen, durch Noth zwingen; so auch nijdsägen, zu 
etwas genöthigt sein; zum Essen und Trinken nöthigen heisst: 
kr Ösen; njütten, nützen, de Njütte, Nutzen; nillefi, sich an oder 
mit Nesseln brennen; njäsen, zaudern; nijdtugtigen , nothzüchli- 
gen ; nöcken , schlucken , den Schlucken haben , dk Nöcke coli, 
pl.; nöppen, zwacken, kneipen, in die Haut;, davon jö Napp, 
der Floh, de Nopp , ein Zwack, KnifiF mit den Fingern; nSbben, 
sich schnäbeln; nünnen, lullen, trällern; näigen, neigen, jö 
Näiging, Ohmen, athmen, de Ohme, der Odem, Athem; öfem, 
opfern; ordnen — ; önturden, antworten, jö Önturd, die Ant- 
wort, sonst auch dät Sivär , von swären; orten, vom Stallvieh, 
wenn es das vorgeworfene Heu und Stroh nicht rein aufrisst, 
orten , also : am Orte liegen lassen ; ölen , öhlen , jö Öling , die 
Oehlung , braucht man so : dirr het V en gauhs Oling oder hör- 
ring füngen , da hat er brav was weg gekriegt ; öttem , äussern. 



519 

Packen, packen; pägen, pichen ;. papen , an der Brust saugen 
pären — ; palen , scbelfen; picken, i. picken, 2. pieken, mit 
der Pieke; piesen und piesern , rappeln; pennen, yerschlies 
sen; pdrlen, perlen; passen, 1. passen, 2. im Kartenspiele; pas 
sm, pissen; plagen — ; plöcken, fMckeu;plücken, pflücken; plau 
gen, pflögen; pläshen, plätschern; placken, flecken, Flecke set 
zen; plumpen — ; plünnernf plündern; pläsem^ im Wasser herum 
platschen, plätschern; plegen^ pflegen, jö Pleg , die Pflege; plir' 
ren, blinzeln, dän. at plire; polen, y. tr. , dän. at pille; pösen^ 
bauschen, von Kleidern, Aermeln u. s. w. ; prajten, predigen: 
das Subst. heisst jö oder |dät Präjtäi, die Predigt; prdcken, dän. 
at prikke, engl, to prick, de Prdck, i. der Stich mit einer Na- 
del oder dergl. 2. der Tüpfel, Punkt, z« B. über dem »; pochen, 
trotzen ; piepen — ; prangen, tauschen , jö Prang , der Tausch ; proAk- 
«en, unübersetzbar, humpeln, pfuschern, stümpern, aus Unge- 
schicklichkeit mit einer Arbeit nicht fortkommen können und sie 
dadurch verderben; ävjnhupprausen, einem eine Sache , eine Arbeit 
so verwirren, dass sie nicht wieder gut gemacht werden kann; 
jö Prauhs^ i. eine elende Rennkerze, bei der man immer im 
Dochte stochern {prausen oder purren) muss , 2. ein Frauenzim- 
mer, das prauset; de Prauser, der prauset; purren, i. stochern, 
im Lichte , an den Zähnen , daher , 2. aufwecken , 5. reizen ; 
forpurren, tr., vereiteln, einem sein Vorhaben; pränten, dän. at 
prente, mit Fracturbuchstaben schreiben; pulsen, putzen, jö Puts^ 
4. der Putz, 2. der Possen; prälen, prahlen; pumpen — ; pjärsen, 
pressen ; pulshen , im Wasser stören , de Pulsher oder Plumpstöck , 
die Störstange ; pulen , pfählen , einen Zaun ; pietshen , peitschen ; 
prägeln, \. stricken, da Prägle, die Stricknadeln, Singul. de 
Prägel, 2. prickeln, 5. vertauben, von den Gliedmaassen. Bogen, 
i. den Bart scheren , 2. töhuperägen , zusammenraffen , schieben , 
dUilragen , herunterschieben , z. B. vom Tische , dmrägen , etwas 
umrühren , z. B. Korn , torägen , das' Feuer verwahren , es mit 
Asche bedecken ; jö Rähg , die Ofenkrücke , dän. en Rage , engl. 
a rake; de Rage wird so gebraucht: wenn jemand in seinen 
Yermögensumständen nach und nach so zurück kommt, dass er 
sich nicht mehr zu helfen weiss , so sagt man : dät ds dw'en Rage 
ma ham , gleichsam auf dem Leeren , Nackten ; ferner , wenn ein 



320 

Kranker fasdt, oder ein dem. Tode Naher das BelUupfea be- 
ginnt , dann ist es äw 'en Rage mit ihm ; rächen , mit io-, einsa- 
deln, ühel zurichten; räspen^ raspeln; ra^y^», retten; rooieit, ra- 
sen; raaielHf taumeln; räkknen, nach etwas herumkramen; rÄg- 
sägen, dän. at randsage, üherall, bis zu Rande,, nachsuchen, 
forschen; rullen, rollen, jö Bull; rocken, dän. at rokke, vo« 
Fleck rühren, bewegen; riwen^ rechen^ harken, von jö jßjvv 
rebben , rülpsen ; rausern , rudern , steuern ; riehen , räuchern; 
rägnen, rechnen; rü^tten , muhen ; rimmen, reimen» de. Mimm, 
der Reim; ranken ^ ranken; robben y rupfen; rippen, i.. verb. iah 
pers. > reifen; 2. v. pass. , reifen, als: da Plöme rippe; ruhssm^ 
üttrühssenf ausstürzen, ausrüUen, von alten Wällen, Mauern.^ n 
<lergl. ; rüsten — ; rösen, faulen; tahupperotten , zusammenrotten; 
ritsen, ritzen; röwen ^ vernarben, von Wunden; ruhen ^ schoheiBv, 
V. a. intr. Sägen, sägen; sägneUy vermissen; sällen^ satteln; jä- 
sigefi, sättigen; sacken ^ mehr zusammensinken, vom Korne and 
dergl.; säujnnen, sanden; sännen, sinnen; sömen, v. rec, siebzig 
men; sören, siechen; siepen, seifen; fällen ^ gleichen ;. «äAe», 
salzen ; sulwen , salben ; secken , sacken , im Sack füllen : de Bär 
secket gäujd, die Gerste sacket gut; shäleti , schälen; shäfen^ 
schaffen, herbei; shäcken^ i. v. rec. , sich schicken , 2. tr. » schic- 
ken, senden; shaamen, v. rec. , sich schämen; shänken (shängä), 
schenken ; sägnen , segnen ; säppen , vom Wasser , das sich aus 
feuchtem , nassem Boden und Rinnen in eine Grube zieht; daher, 
jö Säppköhl; shäsen, schaden, de Shäse; sägein, segeln; sUissen, 
zischen ; säkern , sichern ; stocken , lecken ; slucken , mit aufsluc- 
ken, wogslucken, sich beschämt und muthlos davon schleichen; 
shläbben^ schlabbern; slimmen, schleimen; slägtigen, schlachten; 
slubbern, schlürfen; slieren, schmeicheln, liebkosen; sögen, v.tr., 
saugen ; sögen , v. pass. , de Brot stont on söget , von der amJf euer 
stehenden Grütze , in welche die Milch allmählig eingesogen wird ; 
shräwen, i. schaben, % striegeln; shiMen, schütteln; shawen,8siM'' 
fcn; sfiölen, 1. gesenkten Blickes, wie ein Ilühnerdieb» eior 
herschleichen: he gungt an shölet, 2. an einen Ort gehen, wo man 
vor Wind und Regen geschützt ist , daher jö Shöhl ; shainten 
(huhm), V. rec, sich sputen; shulpen, i. Flüssigkeiten in einem 
Gefässe umschütteln, 2. auwershulpen j überschwäppern, z. fi* das 



521 

Wasser im Eimer, wenn er zu voll ist; shunigen, schonen; thav'^ 
pen, schärfen; shimpen, sciiimpfen; snurren, schnurren; shären^ 
bestricken, in Schlingen fangen; snägen, schieichen, davon jö 
Sttägg, die Schnecke; shrulen^ brüllen, aus vollem Halse schreien; 
shrdeken, schrecken, de Shrdck; shrädden, mit (o, einen Richt- 
steig gehen , oder schräg hinüber ; shrämmen , schrammen , jö 
Shram; shöcken, hocken, in Hocken setzen; shrdjnken, mit in, 
einschränken; shraaien, i. v. tr. , nur halb gar kochen, 2. 
schroten ; shrubben , v. tr. , schrubben , scheuern , kratzen mit 
steifen Bürsten und Besen , z. B. den Fussboden (de TSle) und 
die Milchbottiche (da Fähse, sing, dät Fet); släntern, schlendern; 
släsemf plaudern, klatschen; släwen, schleppen; shätten^ besteuern; 
shären, kratzen, wenns einen wo juckt, jucken; shüwen, sich 
gebehrden; shurwen, zernagen, wie die Mäuse; shroeken, etwas 
kränklich sein , von Menschen und Hausvögeln , die dann auch 
keine Eier mehr legen ; shrögen , bezeichnet den unreinen Ton 
eines irdenen Gefässes, das einen Riss oder Sprung hat; sägclrif 
in Ohnmacht sinken; sicknen, seufzen; släsen^ im Schlitten fah- 
ren; sUppen, schlaffen; slürren , aufschieben, hinstehen lassen, 
de Slürre, die Saumseligkeit; smägen, schmecken; smdtten^ 
V. tr., schmitzen, bei den Webern, die Schmitte (dät Smdtting) 
auf den Aufzug werfen und einstreichen ; smelen , lächeln ; 
smoken (smökt), schmauchen; snäken, sprechen; snärken, schnar- 
chen , auch snarrigen ; späten , spielen ; sparen — ; spaatten , 
spritzen; sparen, spüren; spirren, i. keimen, 2. sprossen; spds- 
Mfi, spitzen; sprdwweln, strampeln; spähsen^ spiessen; spijllen, 
Y. tr. u. pass., spalten; spucken, v. tr., Speichen, ein Rad; sonnem, 
¥• tr., sondern; spihssen, speisen; späten, i. spotten, 2. flecken, 
Flecke setzen , davon spötsh , spöttisch , und spötig , fleckig , wie 
in saf»mer^9%, sommersprossig; splähsen^ v. tr., splissen, ein Tau; 
spUnterHf v. pass. u. tr., splittern, splinternäi, dän. splinterny , na- 
gdneu, splinternägel , splitternackt, nagelnackt, ein Doppelwort; 
sprdinken, v. tr., sprossen, eine Leiter, yon Sprdinke, die Sprosse; 
spüUeUy ausspucken; spünnen, v. tr., spunden; staaweln, mit üU, 
die Pfeife ausräumen , dät Staawling , das Ausräumsei ; stäjcken , 
in der Asche braten; stäpen, stapfen; forstaalen, verstählen; 
$kmmen , v. n. — ; stummem , stottern ; stämpen , stampfen , de Stämp , 

41 



322 

«in Stampf mit dem Fusse, jö Stämp^ die Stampfe, Stempel, de 
Stömper, der Ladestock, und stämpeln, stempeln; snaucken, stö- 
bern, de SnauckMnn, der Stöberhund; (dät Snauck in Killsnauckf 
der Eesselbaken über dem Feuerheerde, und Lämpesnauckf die 
Lampenkette zu einer Hängelampe, sind nicht von snaucken, stö- 
bern, sondern von einem andern Worte snaucken, welches auf- 
ziehen und niederlassen bedeutet , abgeleitet) ; snauppen , schnau- 
pen , sagt man yom Yieh , wenn es über dem vorgeworfenen 
Futter steht , ohne davon zu fressen ; ebenso von Menschen , wenn 
man etwas Angebotenes, besonders Essen und Trinken, aus^ 
schlägt: wähl nint hewe, so kaäst snauppe , willst du nichts ha- 
ben, so kannst du zusehen; stoppen, i, stopfen, 2. steppen, 
jö StöppnSll, die Steppnadel; staurken, mit dmbäiy herum stor- 
chen, von jö Staurk, der Storch; stiflen — ; strafen — ; stuwen, mit 
dp, aufstofen, z.B. Kartoffeln, Birnen, gestofte Speisen; straa^ 
len , strahlen ; str&mmen , strammen , von strömm , stramm , was 
nach allen Bichtungen seiner Weite stark gespannt ist, z. B. ein 
vollgepfropfter Sack, stramme Hosen; bloss der Länge nach stark 
gespannt heisst straff, straff; sträujnnigen , v. pass., stranden; 
slringen, mit ävjn, anstrengen; sträwen, i. streben, 2. streiten, 
zanken; struhmmen, strömen; strulen , strulien , gewaltsam in ei- 
nem dicken Strahle herausfliessen ; stocken, anstücken; stücken ^ 
Torf stauchen, daher de Stücke, eine Stauche Torf; Stumpen y 
von stump , stumpet , stumpfen , v. Ir. ; staurmen , stürmen ; sirmi' 
gen, sündigen, de Senne, die Sünde; forsunigen, versöhnen; 
forshunigen, verschonen; sjühsseln, dän. at sysle, süsseln, pässeln; 
suneren, in Trinkgelagen schwärmen ; stiwwen, v. ir., steifen; stiw* 
wem, gerinnen, vom Blute; spickem, annageln; sörrigen, I. so^ 
gen, 2. trauern, jö Sörrig , 1. die Sorge, 2. die Trauer; steilen, 
sich bäumen , von Pferden , aber nicht reciprok ; sülten , sülzen , 
gekochten Speck in Salzlake legen; dat Sohl heisst die Salzlake, 
davon dat Süllt, die Sülze; swdcken, zwicken; swäcken^ schwä- 
chen. Taageln, v. tr., zagein, von de Taagel, der Zagel; tacken ^ 
V. tr., auszacken, de Tack; tählen, einen losen Boden legen, 
die Hille , also hillen , zu Heu und Getreide : dät Täling , die 
Uille; tdlten, v. a. intr., zelten, Zelte aufschlagen, wie beim 
Eindeichen eines Koges, im Feldlager, u. s. w. ; tarnen , z. B. he känt 



525 

äi tarne , er kanns nicht übers Herz bringen » sich nicht bezäh* 
men, es zu thun; adjectiv tarnen, Tämenhaid^ ohne Zeitbegriif» 
wie fräien, manngierig; täpen, zapfen; täseny necken, reizen , 
anzapfen, täsig , gricklich, leicht gereizt, Täsighäid; tienen, die- 
sen , de Tijnst ; tiemen , diemen , das Heu , von jö Tiem , der 
Fabrzaum ; taakeln , takeln ; tiesen , auszupfen ; tämsen , von de 
Täms, die Seihe aus Haartuch, auch Haarsieb, daher seihen und 
«ieben, sichten; tirren, v. tr., aufreizen; turen, thränen; tjäsen, 
albern schwatzen; tagten^ dicht machen; tieknen, zeichnen; trag- 
ten, trachten; trägtigen, trichtern; trampen, trampen; trümmeln, 
wälzen, rollen, purzeln; tr ästen ^ trösten, deTräst; träwen^ traben, 
jö Träw , der Trab; treten, trillen; trüwwen, drohen; twelen, sab- 
bern, quielen; tuten, tuten; tugtigen, züchtigen; twihssen^ flüs- 
tern, wispern; trocken, ziehen; tingen, dingen, feilschen; tun- 
nem, donnern; twägen, kleben; twägen, mit auf (ab), außwägen, 
z.B. ein dickes Stück Brot; trölen, zaubern; tönken, danken, de 
Tonk, der Dank; twenen, verb. regul. und irreg., zwirnen, davon 
dät Tufjärn, der Zwirn; tmjarnen, quernen, von jö Twjärn, die 
Qucrne, Handmühle. Vgen, v. a. intr., arbeiten, beschäftigt sein, 
äjUugen,iovidj:ht\iQXi\uhsen, v. tr., schöpfen; uken, v. tr. undpass., 
weichen, einweichen; ursen, lenzen, Frühling werden, von de 
ührs. Wären, i. währen, dauern, 2. v. tr. , aufbewahren, 3. v. 
rec., sich wahren; wälen, welken; wajnken, winken; wandern, 
wandern; wällern, i. wälzen, 2. w'Mern ;wdddern, sonnen, wittern, 
durch Luft, Wind und Sonne trocknen, z, B. Betten, Kleider, Heu 
u. s. w. ; waatern , v. tr., einen Zeug wässern ; wähsern , wässern ; wack- 
sein, wechseln, deWäcksel; waaiten, winken; wärken, schmerzen; 
wärrigen, dasselbe; wirrigen, erwürgen; wirken — ; wicken, wei- 
chen; wüten, weissen; wählen — , jö Waal; waagen, 1. wagen, 
2. wachen; wdnshen, wünschen; wäggen, wiegen, von jö Wägg, 
die Wiege; wannen, wannen, das Korn in der Schwinge anne, jö 
Wännüjlling ; wjärdigen, würdigen; wjdrpeln, worfeln; wippen — ; 
wiUn, ausruhen; wuppen, ähren, Aehren setzen, von jö Wupp, 
auch: die Aehren mit dem Aehrenbesen (de Wupper) abfegen; 
wowwen, weihen, von jö Wo ff, d.i. beiliegen, beiwohnen; wröten, 
wühlen, von Schweinen, Maulwürfen u. s. w.; wäigen, auf und 
nieder wiegen; wele», wetzen; walken, walken; widden, ütiwidden, 

AI* 



324 

ftus weiten, erweitern; wontem, wintern, aumerwäntem, überwin- 
tern; forwirren y verwirren; vmnnemy wandern, u. g. w. 



Sinnverwandte Wörter aus den Zeitwörtern. 

§.214. 1. Aujnagtnämen , in Acht nehmen; sJmnigen^ schonen. 

2. Äujngungen, angehen; shißten, scheren , kümmern ; bäikamen, 

3. Sieen, sehen; laucken, das deutsche lugen, engl, to look; 
kiecken, gucken; de Laucke, der jedem Mensehen eigen thümliche 
Blick: he het en folen Laucke, einen bösen Blick, sieht verdsichtig 
aus den Augen. 

4. Riesen, sich aufrichten; dpstäujnnen, aufstehen; auwer^mie- 
staußnnen, aufstehen, wörtlich: überendestehen. 

5. Finnen, finden, üttfinnen, ausfinden, dpfinnen, erfinden; o^ 
digen, entdecken. 

6. Uttfäiren , ausführen ; ijnnen, beendigen , vollenden ; futlfäken. 

7. Tjäsen, piesen, piesem , gasen, släsem , twittwädden, tistjäsen, 
snicksnäken^ trindmsnüken , trinämmeniken , lauter Wörter für id- 
bcrnes, leeres Schwatzen; die weiblichen Hauptwörter sind hier 
folgende: jöTjälis, jöPiehs, jö Göhs, jö Twitiwädd; die männliehen 
bekommen meistens die Endung er, als: deTjäser, Pieser, G^ser, 
SläsereTy Tmittwädder, Trindmsnäker ^ en Trindmmeruk. 

8. Fläsen, ausplaudern; släsem^ klatschen; eflersedden, nach- 
sagen; de Fläspöse, der Ausplauderer; ]ö Släsertäshf die Plauder* 
tasche, Klatscherinn. 

9. Üttmägen , ausmachen ; bäiledden , beilegen ; aufmägen , abma- 
chen ; sljögtefi , schlichten ; äujnt Rögt bringen , zu rechte bringen. 

iO. Blaasen, blasen; pusten, pusten; öhmen, athmen; hdchen, 
hauchen; de Hdch, de Püst. 

11. Snöwwen, schnaufen; snaweln, durch die Nase sprechen. 

12. Hemen, hieben; trungburstig wesen, engbrüstig sein; ka/urt» 
ohmig wesen, kurzathmig sein. 

1 3. Tjögen , anschaffen , mjntjögen, dasselbe ; daher alle Kleidungs* 
stücke, alles was man auf einer Reise mit sich führt, alles Vieh 
mit dem CoUectivum dät Tjöch bezeichnet wird, nd. dat Tüg, 

Tjögen ist auch vor Gericht zeugen, de Tjöge, der Zeuge^ 



3215 

14. Toledden, zulegen, Kälber, Lämmer, Füllen; dptiem, Si\i£n 
ziehen, gross ziehen; dpfausern, aufiEüttern u. s. w. 

i5. Befähsen, v. rec, sich befassen mit; außewen, v. rec., sich 
abgeben. 

46. Behäiwen, bedürfen; brücken, i. brauchen, 2. gebrauchen; 
nöhssig hmen; jö Behäiw, der Bedarf; de Brück, der Gebrauch. 

47. Befälen, befehlen; bijdden, gebieten; forordnen, fdarsliriw- 
wen; de Befahl, dat Bödd, jö Forordning, jö Faarshrdß. 

48. Bespränken, besprengen; bespaaiten, bespritzen; bespölen, 
beflecken (sonst auch bespotten), betüpfeln; d^Spaaü^ der Spritz; 
de Spät, der Fleck, dät Spot, der Spott. 

49. Befrietif befreien; forliesen, verb. reg., erlösen, entbinden; 
rddden, retten; [forliesen^ v. irreg., verlieren, de Forljüstj; aus 
jenem: jö Forliesing, die Erlösung; jö Rdddning, 

20. Besörrigen , besorgen ; bestallen, bestellen; üttrögten, ausrichten. 

24 . BegSren, begehren ; forlingen, fordigen, verlangen und fordern. 

22, Bdgtigen, beichten; bekännen, bekennen; töstäujnnen, ein- 
gestehen; jö Bogt, die Beichte ; losläujnnen ist auch zustehen , daher 
de Tosländ, der Zustand. 

25. Bliwwen, bleiben; täiwen, warten; huhm dphvjllen, sich 
aufhalten; dät A'phüjll, der Aufenthalt, die Hemmung; dät A'p- 
äii^nthüjll^ der Aufenthaltsort. 

24. Belesen, beladen; befragten, befrachten; bepacken, bepacken. 

25. Waarnämen, wahrnehmen; ägtjeiven, Acht gehen; äwmärken, 
aufmerken; dpmärken und dphkren, hoch aufhorchen; dphieren 
ist auch einem seine Leclion überhören. 

26. ^^dr^len , bersten ; nu;u;en, reissen ; springen, springen. 

27. Beräiren, berühren ; befäilen, befühlen ; begräbbeln, begrabbeln. 

28. Besieen , besehen ; besigtigen ; belrägten ; jö Belrägtning, 

29. Huhm besdnnen , sich besinnen ; huhm betanken , sich beden- 
ken; huhm sammeln, sich sammeln; tohuhmsellew kämen, zu sich 
seibat kommen; huhm bedärrigen, sich sammeln, wenn man 
plötzlich aus einem tiefen Schlafe, einer Ohnmacht, oder dem 
Rausehe erwacht; vom Dngewitter gebraucht, heisst es sich legen. 

30. RekeUy recken; tieerh, ziehen; streken, strecken; dät Tdch, 
4. der Zug, 2. das Mal; de Töhg, pl. Thöge, der Zug, Streich. 

34. Hdm sömen, sich ziemen; kam passen, sich passen; hdm 



526 

$hicken, sich schicken; hdm äuynstä^nnent anstehen. 

52. BSren, Geld heben; inndmen, einnehmen; häwen, jöHäwing, 
die Hebung auf einer Amtstube» u. s. w. 

55. Tönken, danken, tönksedden, danksagen, fortönken, verdankea. 

54. Gunnen^ gönnen; wdnshen^ wünschen, einem etwas. 

55. Häiern, haaren; fähsern, mausern; hüdden, sich häuten. 

56. Stridden, streit^en, rechten; slräwen^ bloss mit Worten über 
etwas streiten; tjdmoeln, sich zanken. 

57. Duhggen, thun; niägenf machen; forrögten, verrichten. 

58. Binnen f binden; kneten ^ anknoten, dureh einen Knoten. 

59. Heipen , helfen ; bäistdujnnen , beistehen ; jö Hilp , de Bäistänä, 

40. Regieren, regieren; räjdden, freie Hand haben; wdttö sidden 
hewen, was zu sagen, zu befehlen haben. 

41. Holen, heulen; iijlten^ aus vollem Halse schreien; shruhn, 
brüllend schreien; brulen, brüllen; dät Tot, Getöse, Lärm, Gezänk u.8.w. 

42. Lärmen, lärmen; daawen, toben; rdbdllern, schmetterndes 
Geräusch machen; dät Ldrm^ dät Rdbdller. 

45. Haxen, hexen; trölen, zaubern; forhdxen, behexen. 

44. Hieren, hören; hdrken, horchen; lören oder lörren, lauem; 
hieren und hdrken heisst auch gehorchen. 

45. Höppen, hüpfen; hdjnken, auf einem Beine hüpfen; halten, 
hinken, hinkend sein; de Höpp, der Hüpf. 

46. Kldjngern^ klingern (Veröfterungswort von klingen); roß- 
geln , rasselnd klingen oder klingend rasseln , als verb. pass. ; shrd^' 
geln , dasselbe als v. act. intr. Alle drei Wörter bezeichnen das 
hell oder klar Lautende im Tönen klangbarer Körper, besonders 
der Metalle und des Glases. Kldjngern geht aber mehr auf das 
andauernde Erzittern des klingenden Körpers; rdjngeln mehr auf 
die Wiederholung des Klanges , und shrdjngeln zugleich auf die 
veranlassende Ursache. Ein hingeworfenes Silberstück auf eine 
harte Unterlage, eine freihangende Stahlstange, die man durch 
einen Schlag mit dem Hammer erschüttert, und ähnliche Dinge 
kldjngern; ein auf der Landstrasse daher fahrender Wagen, mit 
weiten Achsenbüchsen und lossitzenden Lünsen [Lense), rdjngelt; 
so auch die Schlittenschellen, und insofern sie durch die Bewe* 
gungen des Pferdes oder durch eine Menschenhand zum Klingen 
gebracht wxrden , shrdjngelt man damit; daher nun auch jö JUHn- 



327 

glebo9S und jö Shrojngleboss, in diesen beiden Beziehungen für 
Scfaellenbüchse , dän. en Ranglebösse, von Rangle, die Schelle, 
fries. jö Rdjngel, und ein Henkeltopf mit zwei Henkeln. Das 
deutsche ä;/«^^ heisst auch im Fries, klingen; aber nur ein, etwa 
zum Nothbehelf gebildetes , Yeröfterungswort klingem könnte dem 
fries. Worte kldjngern entsprechen. 

47. Bögen, kloppen, bänken, heissen alle drei klopfen, pochen 
u. s. w., jedoch in verschiedenen Beziehungen; bänken bezeichnet 
ein starkes Klopfen; vom Pochen an eine Thür braucht man bäU' 
ken und bögen; Kluhse bögen, Wäsche klopfen; dät Bögshöm, der 
BläueUisch; de Kluseböger , der Bläuel, das Bläuelholz; huhm äw'e 
Shüllere kloppen, ävjn'e Häujnne kloppen, u. s.w. 

48. Lienen, leihen, ^d/ten, zur Leihe; faarshijtten, vorschiessen; 
üUlSdden, auslegen. 

49. Ldnen, lehnen; stippen , stützen. 

50. Lieren, lehren; unnerrogten, unterrichten; unnerwihssen, 

51. Prihssen, preisen; üttstricken, herausstreichen; prahlen — ; 
gröttspregen, 

52. Locken, locken; eggen, toeggen, verleiten, anreizen zu. 

53. Huhm äjltdregen , sich gebehrden , betragen ; äjttberen , 
dasselbe; huhm Heren, 

54. Daadein , tadeln ; äw wät üttsetten , aussetzen ; hijn mägen , 
schlecht machen, herabsetzen. 

55. Huhm todt uhgwittigen, einem Vorwürfe machen; huhm wdt 
unner^e Naas riwwen, einem was unter die Nase reiben; shönklüt' 
ten, verläumden, einem Schandflecke anhängen; beshönklütten. 

56. Maiden, melden; bekänd mägen, bekannt machen; wähse 
ULjtten, wissen lassen; mddielen, mittheilen. 

57. Mdmägen, mitmachen; eftermägen, nachmachen; efleräwen, 
nachäffen; Sfterduhggen, nachthun. 

58. Jlföscrn, modern; /bnwös^n , vermodern ; /bnrejc», verwesen; 
Tosen, faulen, morschen; forrösen, verfaulen; dprdsen, durch* 
faulen. 

59. Mienen, meinen; gdssen, engl, to guess; häiwen, wähnen; 
formausen wesen, vermuthend sein, vermuthen, jö Formausing; 
tanken, denken; liewen, glauben; tdjnten, däuchten; faardriwwen, 
einem vorschweben. 



528 

60. Dräien, drehen; kierm^ kehren; wannen, wenden; «Me», 
drehen , z. B. den Schleifstein , ein Rad u. s. w. , dän. at snoe. 

6i. Dullen, dulden; lihssen, leiden; üttstät^nen, ausstehen; 
ütthüjllen ; düUig, jö Düllighäid, Geduld, Duldsamkeit. 

62. /[^n, eilen; hasten, hasten; jagen; huhm shajfUen, sich spu- 
ten; jö Ihl, jö Hast, jö Jagt. 

65. Inprdnten, einprägen; inshdrpen, einschärfen; äw't Bart 
ISdden, ävjn't Gewäten shdrpen. 

64. Insläipen, einschlafen; tosläipen, einschlafen; ot^ SlmpfSi^ 
len, in Schlaf fallen. 

65. Inwijnnen, einwenden; wihsserspregen , widersprechen. 

60. Fuhggen, füjn, kriegen; erhüjUen, erhalten; erlingen, erlan- 
gen; bekämen^ bekommen. 

67. Aujntgongen , entgehen ; äujntkämen , entkommen ; ät^ntwegen, 
äujntwäig, äujntwägen, entweichen; äujntluppent entlaufen; oifiif- 
springen, entspringen. 

68. Mjärden, morden; dmbringen , umbringen; düjdßluhggtn , 
todtscblagen ; dählsluhggen , erschlagen; dm't Liff bringen, lana 
Leben bringen; fon*t Liff btingen, durch ewiges Plagen und Quä- 
len; tvirrigen, erwürgen. 

69. Hukm ävjntsetten, sich entsetzen; huhm for fairen, erschrec- 
ken; fach oder trong worden, erbangen. 

70. Stellen, stehlen; ruwen, rauben; mühssen, mausen. 

71. Apluppen , einholen, jemand; inhälen, einholen. 

72. Fällen, fallen; stjärten, stürzen; dählsdjnken, niedersinken. 

73. Fdgten, fechten; stridden, streiten; kempen, kämpfen; wräs» 
sein, ringen; dcStridd, de Kamp; de Kempe, der Kämpe, Heune, 
Riese, Recke. 

74. Sillen, sanft dahin fliessen; flijtten, flicssen; struhmmen, 
strömen; strulen, strullen, de Struhl, der Wasserstrahl; d^iSill, 
der Fluss, jö Fläujdd, die Fluth, de Struhmm, der Strom. 

75. Aehsen, essen, von Menschen und Thieren; spihssen, spei- 
sen; frehsen, fressen, allein von Menschen; de Fräthe, grober, 
gemeiner Ausdruck für Mund, die Fresse. 

76. Miesen , meiden ; formiesen, vermeiden ; aujntgongen, entgehen. 

77. Bldjnken, blinken; gldnnern, glimmern, glittern; glamsen^ 
glänzen; shenen, scheinen; glämen^ hervorschimmern; ^ammemf 



529 

scbiaunerD, dämmern; davon: de BUjnk, de Gldns, de Shin, de 
Gläme, engl, a gleam. 

78. Fairen^ führen; lijdden, leiten; stjürren^ steuern, lenken; 
jö Fähr, jö Faur, jö Stjürr, 

79. Fäjdden, gebären; bjdrnen, geboren werden , kindein; äujn't 
Söllembedd kämen, ins Wochenbett kommen; to Iddden kämen, zu 
liegen kommen, geliegen, 1 Sam. 4. vs. 19, i Kön. 5, 17; ä^nhujh 
smüten; min Mttdder het me feel, geboren; wanne hast hjämet? 
wann bist du geboren? fäjdden heisst sonst auch ernähren, un- 
terhalten; daher jö Fäihs, der Unterhalt. 

80. Shänken, schenken; forikren, verehren; pForihring, Geschenk, 
8i. Bogen, gefallen; behagen — ; auffjnstäujnnen, anstehen. 

82. Löwen, geloben; forspregen, versprechen; tosidden, zusagen. 

85. Kläüen, mit den Nägeln die Haut zerkratzen; riwwen, 

reiasen ; grdwwen , mit den Nägeln aller gekrümmten Finger packen. 

84. Shrummeln und rummeln, Klangwörtcr, rumpeln, u. s. w.; 
jö RummelpoU, Rumpeltopf, ein Spielzeug der Kinder, ein mit 
emer strammen Blase überzogener Topf. 

85. Mummeln, murmeln, nörgeln; knurren ^ knurren. 

86. Kragen, drücken; pjärsen, pressen; klammen, klemmen; de 
Pjarse, die Presse; jö Klamm, die Klemme, der Kloben. 

87. Säjcken, suchen; räicknen und rönsügen, s. §.215, S. 520. 

88. Rippen, regen; räiren, rühren: he kön ham äi rippe an 
räire, d. i. regen und bewegen. 

{Rippen, reifen, 1. als v. pers., reif werden, 2. als impers., es reift, 
sind die beiden andern Bedeutungen dieses Wortes). 

89. P%m, pflegen; huhm to Gause duhggen, sich gütlich thun. 

90. Nijddigen, durch Noth zwingen; nijdsagen, nothgcdrungen 
sein. 

9i. Späien, speien; huhm br^en^ sich erbrechen; huhm auwer- 
jewen, sich übergeben; dät Spätling, das Ausgespieene. 

92« Ldjnkeni leicht einherhüpfen; höppen, hüpfen; springen — ; 
glaaien, schlüpfen; de Ldjnk, de Höpp, de Spring. 

{Glaaien heisst auch glühen ; üttglaaien, t. tr., ein Eisen ausglühen). 

95. Bregen, tragen; Uflen, heben; heren, baren, nd. böred, 
dän. at bare; jö Drägt, Tracht; de Bare — ; da Bere, nom. coli. 
pl., die Gebehrden; huhm äjüberen, sich gebaren und gebehrden. 

42 



550 

94. Fricsm, frieren; kölKgcn, starke Kälte empfinden, vöii de 
Kolle, die Kälte; de Frost, der Frost. 

95. Tünnen , schwellen , v. pass. ; dptünnen , anschwellen ; dp- 
luppeUy dasselbe; de Tünnelse, die Gesehwulst. 

96. Hdm hijnnm, sich ereignen; hdm dräwen^ sieh treffen; 
him todregen, sich zutragen; jö Hijnning, das Ereigniss; de To- 
fäll^ der Zufall; de Slump , der Glückstreff, sonst auch: Menge, 
Masse. 

97. Hijnnen, v. tr., mit den Händen auffangen ; dpfängen. 

98. Ijnnen, faurtshridden, fortschreiten mit der Arbeit, dem 
Ende zu. 

99. Mingen, säumen; njäsen, zaudern; iögerfi, zögern; somen, 
säumen; prausen, aus Ungeschicklichkeit mit einer Arbeit nicht 
fortkommen. 

dOO. Shdckefi, v.tr., schicken; st;ntien, senden; jö Sijnning, Sendung. 
401. Huhm slidcken, sich schicken; huhm dp fairen, sich auffüh- 
ren; liuhm äjttdregen, sich betragen; jö Apfäiring. 

102. Begännen, beginnen; ävjnfängen, anfangen, deAujnßng, 

105. Begannen, äujnf angebt, dpstdüen, als: wdt shdll ick nö äujn- 
fange F he wijt dt, wdt'r nö dpstdlle shdll; wdt begdnnst dö? was 
beginnst du da? 

104. Begeren, begehren; /br/iwryen, verlangen; fordigon, fordern; 
dät Begeren; dät Forlingen; de Forlängst, die Sehnsucht; jö For- 
dring , die Forderung. 

iO^, Neren , nähren, ernähren; fäjdden, beköstigen, füttern; 
U7merhüjllen, unterhalten; jö Näring, jö Fäihs, 

106. Huhm weren, sich wehren; huhm forswären, sich verant- 
worten, vertheidigen ; }öWähr, Kräfte zum Vertlieidigen ; jöFoar- 
swär, die Fürsprache. 

107. Tresen, v. tr., treten; deUrdertretjöu/nerl, der Erpel tritt 
die Ente; überhaupt vom Begattender Vögel; s^'n^/ett, v. tr., von 
grössern Säugcthieren ; von Menschen, in der rohen Gesindel- 
sprache: wöwwen, weihen, und miecken, von jöMieck, die Mutter- 
scheide. Die weibliche Schaam heisst im Allgemeinen jö Puhss; 
das männliche Glied, de Pille; der Hodensack, de Pung (Beutel), 
und die Hoden , da Stiene, Steine. 

108. Bdggen, bauen; dpbdggen, aufbauen; dpfäiren^ aufführen; 



551 

äpsetten, aufsetzen; jö Ijnbdgg, ein einzeln liegendes Haus. 

109. Fölligen, folgen; efterkämen, nachkommen; jö Föllig, die 
Folge, de Eßerkdmst, die Nacbkunft. 

HO. Waagen^ wagen; dürren, dürfen; huhm fordristen, sich er- 
djreisten; dät Liff äujn*e Waag selten, das Leben wagen. 

ili. TrSsen, v. a. intr., treten, schreiten; stäpen, stapfen; de 
Trähs, der Tritt; de Trähs^ gewöhnlich im Plural, da Trähse, 
Tritthölzer wie am Webstuhle, an der Orgel u. s. w.; de Stäp, 
der Stapf, ein langer Schritt; de Stäpe, die Stapfe, in Fäujtt- 
stäpey Fusstapfe, Eindruck vom Fusse; deTristäpe, ein hölzerner 
Bock mit drei Füssen; dat Släpstäks, der Stegel zum Ueberstei- 
gen; strädden, greten, grätschen, jö Stradd, die Grätsche, engl. 
to stride, Subst. a stride. 

il2. Fielen, umziehen in ein anderes Haus; dmtieen, umziehen; 
dät F/^azfjV^, Umzugsgut; deBajttlinge, collect, sing., dieFahrniss; 
auch die fahrende Habe einer Braut als Morgengabe, von deBajUe, 
das Bischen, also: die Bisslinge, Kleinigkeiten. 

ii5. Swömefi, schweimen; ämsägelUy ohnmächtig hinfallen; de 
Swöme , die Ohnmacht. 

H4. Kriepen, kriechen; krdwweln, krauein, von Insecten, und 
von Menschen, auf allen Vieren kriechen; kldwwern, klauern, 
binankriechen, von jö Kldw, die Klaue; davon wieder de Kldw' 
wer, der Klauer. 

i15. IJaagen, lügen; hdien, die Unwahrheit sagen, um die 
Wahrheit zu verheimUchen , engl, to hide; jö Lägen, die Lüge, 
de Lägner und Lägenier. 

116. A'mbäisnöwwen, dmsnöwwen, dpsnöwwen, dpsnaucken, alle 
herumstöbern, aufstöbern, auswittern. 

117. Sldjnken, schlucken, hinunter; stvälligen, mit dähl, ver- 
schlingen; jö Sldjnk, jö Swällig, Schlund, Schwalg; auch wohl 
jöSwielig: vergl. schwelgen, dän. at svälge, engl, to swallow. 

118. Shelleioen, zittern; bäwen, beben; bäwem, das Yeröfte- 
rungswort von bäwen; ]öBäweresp, die Zitterpapel, £spe. 

119. Mäjdden, mähen, von jö Mäjd, die Math; hdmoen, hauen; 
de Mäßdder, der Mäher. 

120. Rudden, rdwweln, budden, Rtidden und rdwweln heisst wild 
auf und niederfahren, z. B. von Kindern im Bette, über einen 

42^ 



332 

Wall, durch eineD Zaua und dergl.; davon nun dät Rudd, ein 
solches Loch in einem Zaun, eine Schlupfstelle über einen Wall, 
wo Menschen und Thiere durchkriechen und übersteigen: vergl. 
engl, to rout, a rout und a rut; buddeu, sich im Staube balzen^ 
wie die Hühner. 

421. Slieren, liebkosen; fieheln, nd. fiecheln ; smicheln, schmeicheln. 

i22. Kränken, kranken; sSgen, siechen; sdren, quienen, hinsie- 
chen; jö S4gi, i.die Sucht, 2. Seuche: Swinnsigt^Gähh^t, Wäh' 
sersegt. 

123. Flirren, blinzeln; hldjnken, blinken, mit den Augen. 

424. Sungem, gellen; kldjngern, s. o. 46. 

425. Stqjckm, in der Asche braten, rosten; braasen, braten; jö 
Braahs, der Braten; jö Smurepönn, von smuren, schmoren^ Ge- 
schmortes. 

426. Laken, lachen; smelen^ lächeln. 

427. Drönen, dröhnen; knäsen, krachen; Strogen, schadhaften 
Klang haben. 

428. Spürren, spüren; dp fragen, erfragen. 

429. Kräjcken, spungen, knappen, von ]öKri^ck, die Oehse, das 
Oehr, jö Spung, die Spange, de Knöpp, der Knopf; von jölTm^, 
die Schnalle, kmepen, damit befestigen. 

430. Klütten, läpen, flicken, von de Klüti, de Läpe, de Flaek, 
ausbessern, flicken. 

431. Ldspen, lispeln; snäweln, näseln; slämmern,, stottern.. 

432. Twelen, quielen, sabbern; fräsen, geifern; von dät Twil, 
der Quid, Sabber, und de Fr ose, der Geifer, Schaum. 

433. Fläien, ütlbäsern, in Stand setzen^ ausbess^nei» 

434. Fläien, ausschmücken; pulsen, putzen. 

435. Sägnen, vermissen, was man nicht mehr hat, noch haben 
kann; säiknen, vermissen, was man nicht wieder finden kann. 

436. Gägnen,hähsen^njütten, vondätGo^en, At Bäks0 , ^ NjMe , 
-T* womit auch noch de Fordijl, der Vorlheil, verwandt ist — 
heissen alle Nutzen, Yortheil gewähren, nur in verschiedeneB 
Beziehungen und mit feinen Unterschieden, die nur aus Beispie- 
len und dem täglichen Gebrauche derselben zu erlernen sind. 

437. Skalen und shißten, differiren, dät shält, dät shüU äi faale, 
differirt nicht viel. 



533 

138. Wallern, wälzen; trümmeln, wälzen, wällern; ruUen, rol- 
len; käfUem, käntern. Kantern kann man nur, was Kanten bat, 
z. B. einen Balken; das Boot käntert; jö Trümmel, die Ackerwalze; 
de Wällerbuhmm, die Welle oder der Wellbaum in der Höhle, 
die grosse Axe. 

139. Bändigen, bändigen; stjürren, steuern, regieren. 

iAO, Prungen, tauschen; dmsSUen , umsetzen; kmjttehäujtten , 
kaupeln, das Eingetauschte immer wieder gegen etwas anderes 
und Schlechteres vertauschen; jöiVi*w^, der Tausch; de Amsdts, 

141. Erklären, forktären, üUleddenf auslegen; döhssen, deuten. 

142. Forihnbaaren, vereinbaren, v. rec.; ä/ujntsprigen, entspre- 
chen; auwerijnskämen ^ übereinkommen, de Auwerijnskdmsi , die 
Uebereinkunft. 

143. Raasen, rasen; daawen, toben. 

144. Betanken, bedenken; auwerledden, überlegen. 

i45. Betijn läßtten, räßdde läjtten: läjtt me betijn, lass mich al- 
lein darum; läjtt me rqjdde, lass mich fi'eie Hand haben. 

146. Auwertellen, überreden; tosnäken, bereden; bewägen, bewegen. 

147. Uttwirken, einem Pferde die Hufe, davon dät Wirkj&rn, 
das Wirkeisen; uttwirken, auswirken, einem etwas, eine Sache, 
die Freiheit, eine Pension und dergl. 

148. Inräcken, toräcken: beide Wörter werden i. von tief ein- 
gefahrenen und koihigen Wegen gebraucht, 2. von übelbehandel- . 
ten Sachen, die eingesudelt und in Unordnung gebracht sind. 
Aus diesem Zeitworte rücken ist der Name Racker, der Schin- 
der, dän. en Rakker, entstanden, welches Wort aber wieder nicht 
mit Racker {ddn grotte Racker!) zu verwechseln isC. 

149. Drajnken, trinken; süppen^ saufen; de DrSnk, der Trunk, 
de Drönker, Trunkenbold; de Süppery der Säufer, de Söpke, der 
Schnaps. 

150. Tdkiersgungen^ zu Kehr gehen; t6lä§Usluhggen , ein grosses 
Elaggeschrei über etwas erheben; sin Säge äujngungen, rührend 
und mit leidenschaftlichem Gefühl und Heftigkeit reden. 

Anmerkung, 

Wo die deutschen Wörter in der Uebersetzung zurückzielend 
stehen, da sind auch die friesischen reciprok, jedoch mit cinzel* 



334 

nen Ausnahmen. Das Zeitwort grämen, grämen, hat, ausser der 
2urückzielenden Form , noch folgende unpersönliche, als: dät grämt 
me dm de, am kam, am hdr u. s. w., wörtlich: es grämt mich 
um dich, ihn, sie u. s. w., d.h.: es thut mir leid um dich. 

Das zurückzielende Zeitwort, v. rec, hat, wenn es allgemein 
steht und persönlich gebraucht wird, allemal Iiuhm bei sich, 
als: huhm shaamen, sich schämen; huhm mäujtt huhm ja hlöge, 
man muss sich ja entsehen; huhm kon huhm lagt forwillige, man 
kann sich leicht verirren; huhm mävjlt huhm doch järst betanke y 
man muss sich doch erst bedenken; huhm kön huhm Idgtere for- 
sprege, ds forähse, man kann sich leichler versprechen, als ver- 
essen K 

Wird aber das Reciprocum unpersönlich gebraucht, so hat es 
allemal häm nach sich, als: dät fdnt hdm nog, das findet sich 
wohl ; dat drüwet hdm nö so , das traf sich nun so ; dät hmd. häm, 
es begab sich; dät sömet hdm äi, es ziemt sich nicht; dät fäiget 
hdm wäjl^ es fügt sich wohl; dät kön Iidm lägt käme, es kann 
sich leicht treffen. 



ACHTES GAPITEL 

DAS UMSTANDSWORT (Adverbiüm). 



§. 215. Das Umstandswort bestimmt überhaupt, wie die Aus- 
sage zum Grundworte (Subjecte) gedacht werden, oder in wiefern 



* Es ist schon früher bemerkt worden, dass huhm, wenn es 
nicht zu Anfange des Satzes steht , zu 'm zusammengezogen wird. 
Ich füge noch einige Beispiele hinzu, als: dät säit'm, das sagt 
man; dät kön'm äi wähse, das kann man nicht wissen; dät mü'm 
ja man äi düjn, das mag man ja nur nicht ihun; dirr snäket'm 
dm, davon spricht man ; wdt shdirm'r (lies shdllemer) dp md stalle, 
was soll man damit aufstellen? wät ßit'm'r faarF was bekommt 
man dafür? wdt mäujtt* m'r ja doch bäi düjn, etwas muss man ja 
doch dabei thun; wdn'm'r dmhäne köhs, wenn man umhin könnte. 
Vergleiche §. i48, über die Zusammenziehungen. 



535 



sie gellen soll, z. B. mm Brauscr ds näilke, kaurtUck^ ellingy mär' 
ling, dntenne, anjörsne, löngens, äiwen, no, faar en läiet kiem- 
men, mein Bruder ist neulich, kürzlich, heut Abend, heute Mor- 
gen, gestern Abend, gestern, längst, eben, jetzt, vor kurzem 
gekommen; he kaum doch dntlick an tolest, er kam doch endlich 
und zuletzt; he ds hirr nochäi mjnkiemmefi, er ist hier noch nicht 
angekommen; ?ie kdmt hijl an all ai, er kommt ganz und gar 
nicht; he ds forlig t kiemmen, yielleieht; he ds wdss, säker kiem- 
men, gewiss, sicher; he kdmt oller, er kommt nie, u. s. w. 

§. 216. Wir haben Umstandswörter i. Der Zeit, als: längens, längst, 
2 Jn^, lange, faar löngens ,\ov\ängsi; tÄr,eher, früher; üjllings, vor 
Alters , weiland ; ihrtidds, vormals, in früheren Zeiten ; ijnsen, i. ein 
Hai, 2. einst, dereinst, in Bezug auf Vergangenheit und Zukunft ; aurs, 
sonst , anders ; dilling , Slling , märling Järling , heute , heut Abend , 
heute Morgen, heuer, in diesem Jahre; lähs, spät; edder, früh; 
tiddig, zeitig; dntenne, gestern Abend; dt^örsne, gestern; dnihr- 
jörsne, vorgestern; dnjörsfie Mjärn, gestern Morgen; dnjörsfie Mdd- 
däi, gestern Mittag; dnjörsne Ihremdddäi , gestern Vormittag; Ihre- 
mdddäi, heute Vormittag; Faaremdddäi, Vormittags, heute Vor- 
mittag; eftevmdddäi, auf den Nachmittag; dnjörsne enne, gestern 
Abend, siehe dntenne; dnihrjörsne enne , vorgestern Abend; mjärne, 
morgen ; mjärnedder , morgen früh ; nyärnSnne , morgen Abend ; 
mjärneEßermdddäi, morgen Nachmittag; nägtling, in dieser Nacht; 
aurdemjdrne, übermorgen, zusammengezogen aus: auwer de Däi 
mjärne (über den Tag morgen); all, schon, bereits; nö, nun, jetzt; 
fwch di, noch nicht; gelick, gleich; äujn't ügenbldck, im Augen- 
blick; strägs, stracks; äiwen, eben, soeben; näis, neulich; näilke, 
jüngst; kaurtlick, kürzlich; faar en läiet, vor einer Weile, vor 
kurzem; dm en läiet, über ein kleines, nach einer kleinen Weile; 
dm Däiem, des Tags, am Tage; dm Nägtem, des Nachts, in der 
Nacht; dm Mjämem, des Morgens; dm Ennem, des Abends; dm 
Mdddäiem, des Mittags; dm Eflermdddäiem , des Nachmittags; 
dm Faaremdddäiem , des Vormittags; dm Wontrem, des Winters; 
dm Sdmmrem, des Sommers; am Ursem, im Frühling; dm Hdrre- 
stem, im Herbste; ößing, oft; sdllen, selten; auf an tö, ab und 
zu; dän an wdn, dann und wann; mdtjdrst, mit dem ersten; 
däglicky täglich; nägllick , nächtlich; forgingen Ihr, voriges Jahr; 



I* m i* 

dal fdrre Ihr, das vorvorige Jahr; tökamen Ihr, künftiges Jahr; 
forgingen Wäg, vorige Woche; tokämen Wäg; alteedder, alzufrüh; 
älteläJis, zu spät; bdll^hM;älUidd, allezeit; $d/aur^, sofort; faurts, 
gleich; tissndg, früh genug; strägs efler, gleich darnach; hirrlo, 
bisher; jümmer, immer; oller, nie, niemals, nimmer; ollermör, 
nimmermehr; will und willert, während; sunt, seit, altd. sint, 
noch in sintemal; wihsser, wieder; antlick, endlich; jötidd, da- 
mals; eflerdäis, nach diesem; Willems, bisweilen; unnermd, mit- 
unter; järst^ erst; lest, letzt; tolist, zuletzt; järatkämefid , naid- 
kämend, erst-, nächstkommend; Sfler, nach; hirrSßer, hernach, 
nachher; middlertidd, mittlerweile; knäp, kaum; bU, bis; wanne? 
wann? dann, dann; söbdll ds^ sobald als; horr ball? wie bald? 
iwdshe in, mitunter, zwischen durch; noch alt oder noch älltidd, 
noch immer; dnjörsne Aagedege^ gestern vor acht Tagen; diUknq 
AagedSge, heute vor acht Tagen, oder über acht Tage; mdtijns, 
sogleich; öftinge nog, oft genug; dm mdnägtem, um Mitternacht; 
noch so ofting, noch so oft; dät's noch en läiet häne, es ist noch 
etwas — einige Zeit — bis dahin; hörr lung ds't simtF wie lange 
ist es her? dirr's noch wdt to, es ist noch lang bis dahin. 

§.217. 2. Des Ortes, als: wirr F wo? dirr, da; Airr, hier; 
jdnner, dort; auwer, über; auweräll, überall; ällerwägen, allerwe- 
gen; ndrringe, nirgends; baawen, baawne, oben; baawen äw, oben 
auf; unner, unter; unner mddde, dazwischen; dele, unten; büUe, 
aussen ; ütte , draussen ; bdnne , binnen ; bütte an bdnne , aussen und 
innen; twdshe, zwischen; wirr^ irgendwo; unnerwäis, unterwegs; 
büttendicks, aussendeichs ; bdnnendicks, binnendeichs; widdy weit; 
widd wdg, weit weg; widd auf, weit ab; widd fon, weit von; 
fier, fem; fonfierenscy von ferne; stuf, hart daran; trindm, rings- 
um; näi, nahe; tdgtebäi, dicht dabei, dicht daran; anfcrcy 
vorne; dnädre, hinten; fon'e büttne, von aussen, auswendig; fon 
'ebdnnene, inwendig, von innen; äjtt, in, zu, bei; äjtt*e Hühs, 
zu Hause; inne, zu Hause; faurde, im Stalle oder der Scheuer; 
traage, in der Stube; lönwäis, landwegs; bdnne faar, innerhalb; 
bütte faar, ausserhalb; üttfaar, ostwärts vom Dorfe; dpfaar, west* 
wärts vom Dorfe; bäitfi, beiher, neben her; büttebäi, nebenan; 
auwerfaar, gegenüber; föreävjn, vornean; äderäujny hintenan; 
äderefler, hinten nach, hinter her; delebai, untenan; hirrfon, 



537 

von hier; stuf ijn, hart an; fSre, vorne; bSfle^ hinten; aurs trirr, 
sonstwo; äwehirriggey diesseit;dtfMr;a»?i^^^e, jensei t;ro9^, rechts; 
leftt links; äiwenst, eben, im Augenblick. 

§. 2i8. 5. Der Richtung und Bewegung von und nach einem 
(hie, als: dmkuch, aufwärts, hinauf; am/ai^;, niederwärts, herun- 
ter, hinunter; dp, auf, hinauf; dähl, nieder ; dp andähl, auf und 
nieder; aufstdhs, fort, vorwärts; to, zu; wag, weg; faurt, in den 
Stall oder nach dem Stalle ; tröch, in die Stube oder nach der Stube; 
in, ein, herein, hinein; äujn, hinein; häne, hin; jurt, her, anck 
jurlt; jdnt anjurt, hin und her; haneto, hinzu; Atmn, hierein; 
hirrüU, heraus, hinaus; hirrdm, herum; dmbdi, umher; faarbai, 
vorbei, vorüber; äujnt mäujtt, entgegen ;(im^dn6, umhin ; Mnedm, 
hifium; wirrhäne? dirr- hirr'jdnnerhäneydA' hier- dorthin; dirrto, 
dazu; hirrto , hierzu, bis hieher ; dpäw, hinauf; dpefter, nach oben; 
dählifler, nach unten; ütteßer, nach aussen; ine/?er, einwärts, 
nftch innen; dmefter, um nach; auwereßer , über nach; ddervfter, 
hintennach ; tosidde , seitwärts ; töbähg , zurück ; äderütt , hintcnaus ; 
fSreütt, voraus; ftm fSrne, von vorne; fon äderne, von hinten; 
t6kü8S, nach Hause; dpäujn, hinauf und dann hinein, auf, in mit 
dem Aec.; dpauwer, auf über, auf der Geest; dm 'e ^ste^ WSste, 
Sühsse, Ntturde, gen Osten, Westen, oder ost- west- süd- und 
nordwärts; dujnt u/sten, Westen, Sühssen an Naurden, im Osten 
u. s. y/.;efler't Asten, Westen, n&ch dem Osten u. s. w,;rSgglings, 
rücklings; haadlings, hatiptlings (hinfallen) ; sallrings ridden , wie im 
Damensattel zu Pferde sitzen; tohäujnne, heraus, aus einem Loche, 
einer Oeifnung ; toliffs, zu Leibe; dm/cö//, umfallend, dän. omkuld; 
siddlongs , ^eitlings ; butterbijns und bdnnerHjns äw *e Shurre luppen, 
foinnen-undaussenbeins auf Schlittschuhen laufen; aussenbeins, im 
Bogen; unnerbdnne md [kämen], hinler etwas (kommen); djdjn, ge- 
gen, gegenan; längs, längs; äujntlängs, entlang; bäi lodilöng , 
weglängs, z. B. plaudern; /;dnneric^*$, binnenreichs; 6u//mc^,aus- 
senreichs; bdnnedörs, innerhalb der Thure;oa;^/?cA;, oberlich, nach 
oben zu; ndserlick, nach unten zu, niederlich; tdllhdujnninge an 
fonfiäupininge , von Wagenpferden, zuhändig oder linksgehend, 
abhändig oder rechtsgehend ; hiehr ! sagt man , wenn am linken 
Zaumstrang gezogen wird , und am andern : förrig ! — Der Pflüger 
sagt zu seinem Pflugtreiber : to de ! zu dir ! wenn er hiehr , und fon di^ 

«3 



358 

von dir, wenn er förrig lenken soll. Beim Antreiben der Pferde 
heisst es nd / nd ! ; beim Slillhalten sagt man : prrr. ! 

§. 219. 4. Des Umfanges und der Zahl, als: töglick, zugleich; 
ndenauser^ miteinander; djnkelt^ einzeln; sdmtlick, sämmtlich; 
ältemäle, allzumal, alle mit einander; dijls , theils; fottk^ viel; 
läiet, wenig; mdnning, viele; mörr, mehr; hüpig, häufig ; miü^ , 
meist; mästendijU^ meistenlheils ; hulew, halb; hiß, ganz; älUnjl, 
ganz; hiß an all, ganz und gar; faar *t järst, für 's erste; faar H 
Wisere , für 's zweite ; faar 't trSdd , für 's dritte ; faar 't fierd , f&ft, 
segsi , saawent u. 8. w.;t6le8t, zuletzt; äw'thugst, höchstens; ä^jnH 
mannst, wenigstens, mindestens; töhup, zusammen; ältefiuih, 
allzuviel ; aüeläiet , allzuwenig ; bainäi , beinahe ; dmentränt , un- 
gefähr; ungefähr, dasselbe; gär di, gar nicht; nint, ninte , nichtt; 
^^9 i i. genug, 2. wohl; man, nur, bloss; sierem, sehr; hürrfaah? | 
wie viel? hüllwe? wie viel? söfaale, süllwe, so viel; fanenauset, 
von einander; eßerenauser, nach einander; dmenauser, um eiiiaii* 
der; ijnsen, twäie, träie , ein- zwei- dreimal; otterst, äussenk; 
dörütt , durchaus; gaar, gar; sögaar, sogar; gaar äi, ffs 
nicht; ball, bald, fast; allicksö, ebenso; efter 'e Häujnn, naek 
und nach ; so näi , bis auf; bäi widdem äi , bei weitem nicht ; wUi 
häne, weit hin; long häne, lange hin ; ricklick , reichlich; knif, 
knapp, kaum; auwerflöhsig , überflüssig; pur, bloss; döweU, dop- 
pelt; /rou^e/^ , dreifach ; dörgdjngig , dörgongs, durchgängig; dar *e 
Bank, durch die Bank; unnei* *e Häujnn, unter der Hand; nnh 
wer *e Mäjtte , über die Massen ; ungeheuer , ungeheuer; en lurlierläiet, 
ein winzig klein Bischen. 

§. 220. 5. Der Gewissheit und Ungewissheit , der Blähung und 
Verneinung , der Beschaffenheit , der Vergleichung und des Zwei- 
felns, der Ausdehnung und Beschränkung u. s. w. , als : ja , ja; 
nähn, nein; wirklick ^ wirklich; äi , nicht; forldgt und forügt, 
vielleicht; äw nän Wihsse, auf keine Weise; hijl an all et, 
ganz und gar nicht, keinesweges; rigtige nög , zwar; wäjl, 
wohl, zwar; wdss , gewiss; säker, säkerlick, sicher; wjärUck, 
wahrlich ; rigtig , richtig ; howentlick , hoffentlich ; swärlick, schwe^ 
lieh; M;atm/l5tg', wahrhaftig; sömod, bei Gott; — eine Bekräftigung; 
bäi Gddd ! dasselbe ; segott! Gott segne die Mahlzeit ; sög4d , präst! 
prosit! jdwäjl, jawohl; sömijn, allerdings; faarwäir, fürwahr j 



539 

älk ds, so wie, als ob; äujnstöfig , entzwei; auwerütifixbcvaus; 
f(Mrjäws,yevg€ibens;dmenson$ty umsonst; änjf{hupf ganz in Onord-* 
Qung, in Verwirrung; lägt, leicht; sägt, i. leichtlich, 2. sachte; 
jüst, just; mdsslick, misslich; aselickf schlecht , mittelmässig ; 
maai, ziemlich, erträglich; hijn, schlecht; ällickwäjl, gleichwohl; 
so twdshe Mese, so zwischen beiden; äwH bist, auf's beste; al* 
werlick, ernstlich; hiemlick, geheim; ds wdnn, als ob; so, so; 
sö$ö, so, so; södäinig , sHid, sothanig, dän. saadan; hörr!^ wie? 
harrdäinig ? dän. hvordan , wiethanig , wie ? md Ldmpe , glimpflich; 
ünforsiens , oder ünforsäjns , unversehens ; aiiwerarderUlick und 
ütierordentlick , ausserordentlich; gemien, gemein mit einander; 
tln^ßmien, ungemein; drdflick,dän. drabelig, weidlich, tüchtig; 
fortrafflkk , vortrefflich ; töläinglick , hinlänglich , zureichend ; äujn 
Kartsmll, im Scherz, zur Kurzweil; töpäss, zupass; to fülle, in 
Erfüllung; tofdlle, mit einander gemein, dän. tilfälles; tdkaurt 
[kamefi), zu kurz (kommen) , Verlust leiden ; tommjds , zu Muthe ; 
üwäi, zu Wege (bringen); towäis, auf den Weg; unnerwäts^ unter* 
wegs ; tökup , zu Kauf, feil ; sdns , gesonnen ; gängs , (gäng) versehen 
mit; auwenjfine, aufgerichtet; äiijnhäiy in den Sinn, im Sinne; 
faaraane , entohnigt ; ndw , genau , geizig ; purig , karg ; towddderne, 
za wider; befaar, bevor; boppe, oben; auwerhijnmg, überhands, 
dän. overhaands; toninte, zu nichte ; tomd , zumal ; dirrtomd , über- 
diess ; älliene , allein ; aurs , i . anders , 2. aber , 5. sondern , 4. sonst ; 
hall, gerne, hällere, lieber; u. s. w. 

Anmerkung* 

Die Adverbien hall , gerne , päll (dän. pal) , flach und fest auflie- 
gend, und stuf, hart an, sind steigerungsfähig ; als: hüll, kältere, 
hallst; päll, pällere, pällst;stuf, stuffere, stufst, 

Bildung des Umstandswortes. 

§.22i. Die Umstandswörter sind, wie die andern Wörterklassen, 
theils Wurzel Wörter, als: lähs, spät; dt, nicht; noch, noch; nög, 
genug ;bdll, bald, u. s.w.; theils abgeleitete , als: längens, von 
Ung; märling und mjärne, von de Mjdrn; dilling, von Däi; regg^ 
Ungs, von de RSgg; theils zusammengesetzte, als: mjämidderr 

43* 



340 

morgen früb ; aurdentjäme, übermorgen ; auwerüU , überaus ; amkdü, 
über den Haufen ; bäinäi, beinahe. 

§. 222. Bei den abgeleiteten finden wir die Endungen: e, s, 
itig, ingSf ig, t, /ic&, $t, elt, em, ne, nebst noch andern, und 
TieUallig den Umlaut, der oft ganz unregelmässig ist, so wie die 
oft unentbehrlichen Yorwörtchen: an, dm, bäi, to, \i. s. w. 

{e), A'p, auf, hinauf, — dppe, auf, aus dem Bette sein; 1», 

ein, hinein, herein, — inne, binnen, im Hause; üttfanSy hinaus» 

heraus y — üUe, draussen; faurt, in den Stall, nach dem SttUe 

zu , — faurde , im Stalle oder der Scheune ; tröch , aus dem Stall ia 

die Stube , — traage , in der Stube ; dälil, hinunter , herunter , — däg, 

unten; faar, vor, für, — f^ßt vorne. Wenn diese das e nicht bi- 

ben , so zeigen sie immer eine Ortsveränderung an , bei der mM 

im Deutschen die Verhältnisswörter mit dem vierten Fall gf- 

braucht. — Beispiele : stäujnn dp ! steh auf! nämlich aus deai 

Bette, ick bdn all dppe, ich bin schon auf; kam inn! koam 

herein! ins Haus, he ds inne, er ist innen, d. i. zu Hause, in 

Hause; wähl üttP willst du aus? nähn, ick hahw all ütte wäm^ 

nein , ich bin schon draussen gewesen ; he hing faurt , er ging in 

den Stall , he ds faurde, er ist im Stalle ; gong iroch! geh in die Stube 

aus dem Stalle, jö ds traage, sie ist in der Stube; ick mäi Ikwirs 

faurde ds traage wese, ich mag lieber im Stalle, als in der Stube 

sein ; kdm dähl! komm herunter ! wdl shdll ick dele ? was soll 

ich unten? trehs faar me häne, tritt vor mich hin, ick mai ü 

före gonge, ich mag nicht vorne gehen. So auch baawen und 

baawne , BUS : fie wall älltidd baawen ütt, er will immer oben hinaus, 

he sdt dirr baawne , er sitzt da oben. Ferner : mjdrne , von de 

B^ljdm ; dntenne , von de JSnn ; näilke , von näi ; twdshe, vom altfries. 

twä; twäie, von twä; träie von trd, engl, twice , thrice ; tohäujnne, 

von jö Häujnn; bütte, fon'ebüttne, auswendig. 

(s), Gangs, von gangen: hörr bdst gängs? wie bist du versehen, 

z. B« mit Gelde, mit Mitteln zum Forlkommen? sdns, gesonnen , 

von dät Sann, der Sinn; löngens^ längst; längs, längs, von lang; 

iÜllings, yonüjll;regglings, haadlings, sällrings, \on Begg ^ HoMi' 

und Sali; tissnög, von Tidd^ also: tiddsnSg; ijns, von ijn. 

(ling, ing). Dilling, von de Däi; jdrling, von dät Ihr, altfr. dttt 
Jer; illing , de Enn ; märling^ deMjärn; öft^ dfting. 



341 

{i§}. Tiddig , pttrig , lörrig , von Wrren , lauern ; sodäinig u. s. w. 

(I, elt , ert). Witt , läiet , Idjttei , von IdjU , klein ; d^nkeU , döwelt, 
tröwelt, willert, 
[tick). KaurÜick, von kaurt ; däglick , von Däi ; nägtlick; dntlick, von de 
Ijtme 9 liä^ an/ ; jarstlkk ; ricklickf von rick , reich ; mdsslick\ drdf- 
Uesk, äselick. 

{$i), Järst, ISst, mäst, mannst , längst , huchsty utterst, dnnerst, 
Uamerst, lauter superlativische Formen und Endungen. 

(an). Am Däiem, dm Jinnem, dm Mjarnem^ dm Sdmmerem^ des 
Sommers. 

(««). Aniinne, dnjörsne, dnihrjörsne, 

^ 223. Folgende mit tö zusammengesetzte Adverbien endigen 
dch auf s, als: td/a;^/^^ zu Fusse ; tögongs , in Gang; tobijns (dän. 
tilbeens) , flink zu Fuss ; töliffs , zu Leibe ; tösjöns, zum Vorschein ; 
tAwäis, auf den Weg; iödijlSy zum Theil; tolupps^ zu Lauf; togägens, 
doBU tilgavns; towäirks, zu Werke; tökiers , zu Kehr; totögs, in 
deo Zug , im Zuge ; iowedds , in die Wette ; ^de/dis , zu Tage ; 
tdf|M|Kfe, zur Noth. 

Dahin gehören auch folgende umstandswörtliche Ausdrücke , als : 
K Ankers, vor Anker; tö Bauks, zu Buche; tö Bausems y bis 
ftuf den Grund; tö Dörs , zur Thür; tö Läujnns, zu Lande; tö 
Wäsers, zu Wasser; tö Mönns , auf den Mann; tö ßluhls, nach 
dem Ziele; /d W^ätews, zu Wagen; tö Rdjnsts, zu Pferde; tö 
Shdpps, zu Schiffe; töBüjtts, zu Boote; ^d Greßs , zu Grabe; ^d 
RJi«, zu Kois. 

Andere mit tö verbundene haben dieses s nicht , als : töbähg , 
zurück; tödüjdde, zu Tode: töfäjttey zu Füssen; töfulle,\ in Er- 
füllung; tö falle, gemein mit einander; töhäujnne, heraus, aus 
einem Loche, oder dergl.; töhup, töhuppe, zusammen; töhüsSg 
nach Hause (4;^{ *cHühSy zu Hause, in der Heimath); tökaurt, tö' 
iaurte, zu kurz; tömäjtte, 1. übel an, 2. zupass, zu Danke; tö- 
päss, zupass; töstehse, zur Stelle , anwesend , zugegen; töwege, 
zu Wege; tömd, dazu noch, überdiess; töwdlle, zu Willen; tö- 
kämen y zukünftig; töläjty mit grossem Klaggeschrei; töhdlgens 
nnd töhulwensy zur Halbschied; fd&up, zu Kauf; tögause,zu Gute; 
iüwddderne, zuwider; töbedd, zu Bette; töglick, zugleich; tömäujd, 
zu Mulhe; töihrs, bei Jahren; töwedd, in die Wette, u. s. w. 



l 

u 

w 

ri 
l 



342 

§. 224. Verbindungen mit den Wörtern: ä^jn, auwer,unner, 
üttf fon, äw, dp, dm, mdf in,äUe (ällö), dähl, dele , bütte,bdnHey 
sind folgende : 

Äujn : äujnstöhg , entzwei ; äujnhup , in Unordnung ; äujn'Hjn , ent- 
gegen, zuwider; äujnälles , in allem, insgesammt; ät^ntnwMfui, 
mindestens , wenigstens; äujntmäujt , entgegenkommend ; mtjn 
'e Gong, in Gang, im Gange; äujntrogt, zurecht (bringen). 

Auwer: auwerijns , überein; auwerfaar , gegenüber; auweriUi, 
überaus; auwerhäne , überhin; auwerwdg, darüber hinweg; o«- 
weräll , überall ; auwerhijnnig , überhand. h 

Unner: unnerdör , unterdurch; «nnermd, mitunter; unnerbmie li 
md, hinter eine Sache (kommen); unnerwäis , unterwegs ; unnermOdef 
zwischen unter; unnerütt, unten heraus. 

Ütt : üttbäi , längs ; üttdm , aus dem väterlichen Hause zu frem- 
den Leuten , aus zu dienen , oder auf Schulen u. dergl. ; üttfaar, 
in die Fennen hinaus ; üttlängs , entlang ; üttfon , ab , abstehend. 

Fon: fon äderne , von hinten; fonfdre, fonßrne, von vorne; 
fon 'e büttne, von aussen, auswendig; fon 'e bdnnene, von innen , 
inwendig; fon baawnc, von oben; fon näserne, von unten; /bii 
fierense, Yon ierne ; fon atisere , fon enauser , voneinander, auseinan- 
der. 

'Aw: äw 't Töch, 1. auf's Mal, 2. im Zuge; äiv^e Sljögte, auf der 
Ebene; äw äiwen Sljögte, ohne Veranlassung; äw 'e Zdjngde, anf 
die Länge ; äw *e Hdlleß , auf der Hälfte , auf halbem Wege ; dm 
'e Lagte, auf eine leichte Weise; äw 'e Näigde , in der Mähe; 
äw *e Droge, ins Trockne, auf dem Trocknen; äw *n Slumpf 
schlumpsweise. 

Ap: dpäw, hinauf, und oben auf; dpäujn, erst hinauf und dann 
hinein ; dpbäi , obenbei , erst hinauf und dann bei oder neben ; dpijn, 
gegenan ; dpauwer , auf und hinüber ; dpunner , auf unter , z. R 
auf unters Dach ; dpmd, mit auf; dpdm, auf um; dpfaar, anf 

vor, auf die Acker hinauf; dpto, auf zu; dp fon. 
Am : dm 'n läiet , über ein Kleines ; dm *n tränt , ungefähr ; M- 
%'«s,mit Vorsatz, gerade deswegen; dmfiuch, in die Höhe; dmläigt 
nach unten; dmbäi, 1. herum, und umher, 2. vorbei, vorüber, zn 
Ende, 5. aus mit, gestorben; dmefler, um nach; dmhäne, umhin; 
dmfaar , um vor ; dmto , umzu ; dmköll , über den Haufen. 



I 



345 

,Md: md 'Hjns , miteins ; miHenne , zur Yesperzeit ; ma 'tunneme , die 
Zeit des Vormittags , wenn die Arbeiter iiir Zwischenessen halten. 

Iniinäujn, hinein; tn^di, in, an der Seite hinein; inäm, ins Haus 
hinein; inunner , unter, mit dem Acc; inauwer , erst ein und dann 
über; ick kon 't äi inauwer füjn, ich kann's nicht hinunter brin- 
gen , nicht schlucken , z. B. eine widerliche Arznei ; inäw , ein auf; 
iniwdshey zwischen hinein; iwdske in, mitunter; itidör^ hindurch, 
durchbin. 

u/lte {älto) : ältemäle , allzumal , alle mit einander ; älteäirig , zu 
arg; ältehijnn, allzu schlecht; alte f aale, allzu viel; älteldiet^ 
allzu wenig; altelähs, allzu spät; älteedder , allzu früh. 

l)ähl: dähläw, niederauf; dähläujn, hiuunler in ; dählbäi , hin- 
unter bei; ddhldm, unten um; dählauf, herunter von; dählfaar , 
nach dem Dorfe zu , als Gegensatz von ültfaar und dpfaar; dahU 
tmner ^ nieder unter; dählijn, nieder gegen; dähltwdshe, nieder 
xwiscben. 

Dek : deleunner , unten unter ; delebäi, unten bei , unten längs; 
däefaar, unten vor, unten am Dorfe; deledm, unten um; dSle» 
äw, unten auf. 

Bütte und banne: bütteäw , aussen auf; büttebäi, nebenbei; 
büitefaar, aussen vor, ausserhalb; büttedmy aussen um; ban^ 
mefaar, binnen vor, innerhalb; bdnneäujn^ binnen in, innerhalb, 
inwendig. 

§.225. Mit wjdrts, wärts, und wihsse , weise, werden folgende 
Umstandswörter gebildet, als: üttwjdrts, töwjdrts^dp- dähU sidd- 
ä^er- wSsteV' naurder- oder nörder- sokser- ragt- leftwjdrts ; stock' 
wihssey stückweise; hüsswihsse, kreuzweise [auwerkrüss, über- 
lureuz) ; lägwihsse , schichtweise ; droppwihsse , tropfenweise {bäi 
Drdppe, bei Tropfen); stijttwihsse , stossweise, u. s. w. 

§. 226. Besonders zu berücksichtigen sind die mit hirr, wirr und 
dirr zusammengesetzten Umstandswörter, als: hirräw , hirräujn, 
hirräm, hirrfaar^ hirrbäi, hirrdör, hirrauwer, hirrunner, hirrijn, 
Mrrfon, hirrnäist, hirrtö; — wirräw, wirräujn , wirrdm , wirrmd , 
wirrfaar, wirrauwer, wirrunner , wirrdör, wirrißi , wirrbäi, wirr- 
näistf wirrauf, wirrfon , wirrtö ; — dirräw, dirrävjn , dirrauf, dirräm, 
dirrbai, dirrauwer, dirrfaar, dirrfon, dirrdör, dirrijn, dirrto^ 
dirrtmä. 



544 

Wenn diese Wörter Ortsverhältnisse , eine Richtung im Rauipe 
und dergl. bezeichnen, oder geradezu auf sinnliche Gegenstände 
Bezug haben, so ruht der Ton auf dem letzten Worte, und die 
Zusammensetzung ist dann unecht oder trennbar , als : Ledd däi 
Bauck hirr äw , lege das Buch hier auf (oben auf die andern 
Sachen); dät Büßt kän hirr äi auf käme, das Boot kann hier nicht 
ab kommen ; kam hirr dm iö me^ komm hier herum zu mir ; iirr 
wijt ick nint aufy davon weiss ich nichts; dirr ds ni$U bü io 
mägen, dabei ist nichts zu machen ; dirr bdsi da Slwjll min^ 
daran bist du schuld ; kaast dö dirr wdt hdi d^jn ? kannst du etwas | 
dabei thun ? hdhü dö dirr wdt ijn ? hast du etwas dagegen ? oder: 
hähst'r wdt ijn? wdt hähst dirrijn? — wirr kämt he ftm? wo 
kommt er her ? wät waht dirr md ? was willst du damit ? oder 
wdt wäht'r md ? kaast dirr nog dar käme ? kannst du da wohl dnreh 
kommen ? nähn , ick kön V (dirr) äi dör käme ; dirr bdn idt ßn 
auf, damit bin ich ab, bin darum gebracht; auch: auf miiOrr 
bdn ick auf md , damit bin ich ab ; ick hahw ijnsen ä^jnfangä U 
tieknen , aurs ick bän 'r wihsser fon auf kiemen , ich habe einmal 
angefangen zu zeichnen , bin aber wieder davon abgekommen. [ 

Stehen aber diese Wörter nach etwas Vorhergegangenem, be- 
sonders zu Anfange des Nachsatzes als folgernd , schliessend, 
grundangebend, auf eine Ursache hindeutend, so sind sie echt« 
zusammengesetzt oder untrennbar, und dann haben die Wörter 
hirr y dirr und wirr die Betonung, als: kirräw swäret V, hierauf 
antwortete er ; hirrauf köhs'm nög üttnäme , hieraus konnte min 
wohl entnehmen ; aurs, hirrävjn kon's doch äi Shäßll we9e , aber 
hieran kann sie doch nicht schuld sein ; hirrbäi was ndA ti 
bemärken, hierbei war noch zu bemerken; Iiirrdm wäjn's nini 
hieve , hiervon wollten sie nichts hören ; an hirrmd was 'i ätm 
ockältemäle faarbäi, und hiermit war es denn auch alles vc^bei; 
hirrauwer würden 's mal äujn *t Haad, hierüber wurden sie bös 
im Kopfe; wirrijn *m ja doch egenllick nint inwijime käa, 
wogegen man ja doch eigentlich nichts einwenden konnte ; hirr- 
näist fortelld V, hiemächst erzählte er; dirmäist'Jiäjtt *t, demnächst 
hiess es ; he hei drken bedrägen , dirrdör het W sin ricke Dige, 
er hat jeden betrogen , dadurch hat er seine reichen Tage (Reich- 
ihum] Eben so zu Anfange einer Frage , als : wtrrfidi köhn 's 



i 






545 

dät wahse? woran konnten sie das wissen? wirrdm wäjn's äi 
ma? warum wollten sie nicht mit? wirr f aar dähstdälF weswegen 
tfaust da das? wirrauf wiest dät? woher weisst du das? 

Erläuterungen nebsl Sinnverwandtschaftlichkeiten, 

%, 227. i. Näis, dnnäis, najlke, kaurllicks. Die drei ersten 
Wörter stammen alle von näi, neu» und näis bezeichnet hier 
die kürzeste Zwischenzeitdauer. Darnach folgt dnnäis , und nä^lke 
und kaurtlichs fallen so ziemlich mit einander zusammen. Nais 
und mnäis beziehen sich nur auf Stunden und Stundentheile ; 
najüiB und kaurtUcks gestatten längere Zwischenräume von Tagen 
und Wochen. Eine kürzere Zeit als näis und dnnäis bezeichnen: 
äiwen, eben, ädwenst, ebenst , und faar en ügenbldck. — Näis h. im 
Dänischen: nys, und näjlke h. nylig, — neulich, jüngst, kürzlich« 
unlängst. 

2. Faurt h. i.fort, als : faurtmd kam! fort mit ihm; müg faurt^ 
mach fort, 2. nach dem Stalle zu, he gongt faurt. 

5. Tissnög sollte eigentlich heissen tiddsnög , was man aber 
flie hört. As *t noch tissnög to haaw F ist 's noch früh genug in die 
Kirche ? — Uneigentlich : dirr bist tissnSg kienimm^ d« bist du früh 
genug gekommen. 

4. £fler , nach (after) , ifUtr 't , nachher, zusammengezogen aus 
äfier dät^ nach diesem, als: ifler 't todll ick de*t sSdde, nachher 
will ich dir 's sagen, oder: Sfler*t wdll ick't de sSdde, nachher 
will ich *s dir sagen. Im letzten Satze muss die Abkürzung durchaus 
«tehen, denn man darf nicht sprechen: efler't will ickdätdesSdde; 
aber im ersten Satze darf ich auch sagen : Sfler 't wäll ick de dät 
iSdde, Auch: ick wdll' t deefterH sedde, ichwiirs dir nachher sagen. 

5. Fon 'e büttne , auswendig , von aussen , wird auch vom Lernen 
gebraucht , als : fon *e bS^tne lieren , auswendig lernen ; ick kSn 't 
fon* e büttne t ich kann's auswendig; fon*e bännene lieren, inwen- 
dig, im Buche lernen, bis man 's fertig lesen und verstehen kann; 
dan. indenad und udenad. 

6. ufmkuch, in die Höhe, ämläig ^ niederwärts, nach unten 
cu. Ti$ de Seck dp, so gongt 'r dmhuch; läjtt 'n dmläig, so gongt 'r 
dähl, lass ihn herunter, so geht er nieder. 

7. A'nMi, faarbäi. [Anibdi hat einen umfassenderen Sinn als 

44 



346 

faarbai , als : Iie kämt widd dmbäi , er kommt weit umher ; he kmt 
de dmbäi y er überholt dich; dmbäistjäwen , herumstreichen; dat 
äs nö dmbäi, das ist nun nicht mehr so; dät 's dmbäi md kam, 
es ist aus mit ihm ; dät 's faarbai md hdm , hat denselben Sinn. 
He ging hirr dilling faarbäi, er ging hier heule vorbei; dät äs 
nö faarbai , das ist nun vorbei ; äs wdt töwedds löppen » kaum V 
me ijmen faarbai, aurs he köhs me doch äi dmbäiluppe, als wir in 
die Wette liefen, kam er mir einmal vorbei, aber er konnte miek 
doch nicht überholen. 

8. A'päw, dp ä/ujn,dpdm. — A'p, auf, bezeichnet immer nur die 
Richtung nach oben, du;, auf , bloss den Ort des Befindens oder 
Hingelangens , als : ling medät dp, reiche oder lange mir das auf; 
lauk dp! sieh auf! de Sdnn kämt dp, die Sonne kommt auf; iü 
£riijd äs dp, das Brot ist auf; dät Bauck läil äw'e ShSw,iK 
Buch liegt auf dem Tische ; äw 't BSdd , auf dem Bette , am *t 
JBüss, auf dem Hause; ledd dät Tjauüng dp äw 'e Sfiew^ kge 
den Knaul auf den Tisch, wenn er nämlich auf dem Fussbodea 
liegt; sonst häneäw, hinauf ,dähläw, wenn er höher liegt, als der 
Tisch steht; dp dt^'n, auf in , erst hinauf und dann hinein ; als: fSl 
de Bär dp äujn'e Tann , fülle die Gerste auf in die Tonne; näm dm 
Köwel dp dm de , zu einem Frauenzimmer , das im Kothe oder 
Regen geht : nimm deinen Rock auf um dich ; steg dät Mddsäm- 
merskrüdd dp unner *e Löft, stecke das Johanniskraut (Sedom 
Telephium) auf unter den Boden. Hieraus lassen sich die übrigen 
Zusammensetzungen mit dp schon erklären. 

9. Färe äujn , faarütty fore ütt. Före äujn, voran im Zuge; 
faarütt, voraus; he ds faarült gingen, er ist voraus gegangen; do 
höhst faale faar me faarütt, du hast viel vor mir voraus; fire 
ütt, vorne hinaus. 

iO. Siddlöngs, siddlängs, sällringe. Siddldngs, seitwärts gehend, 
als: de Eräbbe krüppt siddlöngs , der Krebs kriecht seitwärts; 
siddlängs. Sin der Seite hin; sällringe, zu Pferde sitzend mit beid^ 
Beinen auf einer und derselben Seite. 

ii. A'mköll, auwerijnne. Diese beiden Wörter sind einander ent- 
gegengesetzt, denn man spricht: ick fäll dmkoll, an ick st&ujn ott- 
werijnne, ich falle um (umkollernd) und ich stehe überende, 
d. i. ich stehe wieder auf. Die friesischen Bauernjungen singen : 



347 

9 As ick en IdjUen Jürder was, dann säjt ick äujn'e Graufsijnne; A's 
iek en läiet groUre ivürd, dann stöhs ick auwerijnne, als ich ein 
kleiner Hirte war , sass ich im Grabenende ; als ich ein wenig 
grösser ward, da stand ich überende. Im Nd. würde diess etwa 
so lauten : As ick en lüßten Härder was , daa seet ick in 'e Grofsende; 
OS ick en lüjttet grötter word, daa stün ick överende, und im Dä- 
nischen: Da jeg en liden Hyrdevar, sad jeg i Gröftens Ende; da 
jeg en Smule större blev , da stod jeg överende. — Amköll ist im Dan. 
amkuld, und auwerijnne ist överende, nur mit dem Unterschiede, 
dass överende im Dänischen zwei einander entgegengesetzte 
Bedeutungen hat, da es gleichbedeutend mit omkuld ist, und 
dann wieder das Gegentheil davon bezeichnet ; denn man sagt : 
at falde omkuld und at falde överende, und wieder: at staae 
överende, 

ijt. Ijn, gegen, äujntijn, entgegen, zuwider, dpijn, gegen an, 
hdneijn , gegen , von der Zeit gebraucht , als : ijn *e Winn silkn , 
gegen den Wind segeln ; de Winn ds äujntijny der Wind ist entge^ 
gen; enauser äujntijn gongen, gegen einander an gehen > in entgegen- 
gesetzten Richtungen; äujntmmjt gongen, entgegen gehen; dpijn 
Veh smitten, gegen die Wand an werfen 1); he gongt lick dpi/n 
'e Wjärd, er geht gerade gegen die Wahrheit an. 

13. Bütterbijns oder büttrebijns, bdnnerhijns oder bdnnerebijns , 
etwa aussenbeins und binnenbeins. — Beide Wörter kommen nur 
beim Schlittschuhlaufen (äw 'e Sfmn^e luppen) vor. ßüttrebijns 
luppen ist: sich von einer Seite auf die andre legen und aus- 
wärtsgehende Bogenzüge machen; bdnnerhijns, nur gerade weg, 
um weiter zu kommen. 



4) Verschieden sind die beiden Ausdrücke: dpijn Uch smitten 
und äjoijn 't Uch smitten. Ersteres, welches auch bloss dpijn 
smitten genannt wird , ist ein Rnabenspiel , wo man mit Schnell-* 
kügelchen (Schüssern , Knickern , Löpern) , Zahlpfennigen , me- 
tallenen Knöpfen , Dreilingen , Sechslingen und dergl. gegen eine 
beliebige Wand wirft , wobei die Spanne das Maass für den Ge- 
winn abgiebt. Von jedem andern Gegenstande , den man gegen 
eine Wand wirft, sagt man: dpijn 't (Ich, als: smiltjö Pott apijn't 
Uch, wirf den Topf gegen die Wand an; he smijtme dpijn *t Uch^ 
er warf mich gegen die Wand an. 



44» 



348 

14. Ufmerbdnne mä wdt kämen , ist der eigenthümliche Ausdruck 
für : hinter eine Saehe kommen , als : ick wall V nög unnerbdnne 
ma käme, ich will schon dahinter kommen. 

15. udllesp äüemale, md enauser^ äühijl, hiß an all. u/lle$, 
alles; äüemale^ ohne den kleinsten Rest; md enauser, miteinander, 
das eine mit dem andern; ällhijl^ ganz; hiß an all, ganz und gar; 
dirr höhst *t älUiiß, da hast du es ganz; dtrr häJist 't Mjl an äU, 
da hast du es ganz und gar , für immer. 

16. T6 hdlgens (hdlwens), to huUnge, zur Halbschied , zur Hälfte 
mit einander haben; letzteres besonders von liegenden Gründen, 
die der Eigenthümer einem Andern für die Bearbeitung und 
Besäung derselben überlässt , wo jener dann die Hälfte des Ertrages 
dafür erhält. 

17. Bai näi äi und bäi widdem dt, kann beides nur durch Im 
weUem nicht übersetzt werden. £rsteres ist im Dänischen: ikkepaa 
nogetnär, letzteres: langt fra ikke, 

18. Gaar^ sögaar. fioar steht bisweilen fürsogoar, wie im Deut- 
schen , als : huhm wäjl gaar sSdde , man wollte gar sagen ; $ögur 
steht überall für: sogar, als: huhm säit sögaar, man sagt sogar; 
he sögaar oder sögaar he hil 't dßjn, er sogar oder sogar er 
hat CS gethan. Gaar äi, gar nicht; gaarütt äi, durchaus nicht; 
absolut äi. 

19. udlk äs f älUeksö. u/lk ds, eben so , so wie , kann nie ohoe 
OS (als, wie) und also nur in Beziehung stehen, als: ich mag *t 
äXk ds dö, ich mache es wie du; dagegen kann ällicksö, auch 
ohne ds, absolut stehen, als: ick mag *t ällicksö, ich mache es eben- 
so, u/lk ds wann, und ds wann, als ob, als wenn. Ick bdti ällicksö 
gäujd ds dö ; he dregt hdm äjtt , älk ds wann V drunken was , er 
beträgt sich, als ob er trunken wäre. 

20. Pur, man, bloss, nur; ick hähw man an ShdlUng, ich habe 
ßuv einen Schilling ; an he Mt pur en Drilling , und er hat bloss 
einen Dreiling. 

21. Sömöd, söged, sömijn, faarwäir, wjärlick, sind lauter Be- 
kräfligungs Wörter, von denen nur faarwäir, fürwahr, und wjärlick, 
wahrlich, übersetzbar sind. Ja, dö ged! ja du! du solltest wohl! 
Jäwäil, jdwds, jawohl; ja was ock! warum nicht gar? du wolltest 
wohl ! jd nög , eine bejahende Einwilligung. 



549 

^SL Forjäws, dmensonst, faar nint an mhsser nint, Fotjäws, i. uoent- 
gelilich, umsonst, als: he het't me forjäws dß^ , er hat es mir um- 
sonst gegeben ; dät was farjäws , das war vergebens ; faar nuU an 
wihsser nint, für nichts und wieder nichts; dmensonst ist immer 
umsonst. 

23. Aujnhup , in Unordnung , in Verwirrung , äujnhupprausen , 
äujnfmpbringm ; äujnhupsmülen ist noch besonders : die Wehen be- 
kommen , gebären , kreissen. 

34 Gangs, faxen. Hörr bdst gängsP wie bist du daran? he ds 
man hijn fären, er ist nur schlecht daran; he ds gä^jd gängs^ 
untig äujn gauhs Amstdnde , an ick bdn ock gäujd fären, 

25. Aujnhäi, dän. ihu. Dät wdllme äi äujnhäi käme, es will mh* 
nicht beifallen; äujnt Sdnn , im Sinn; nö hel'r wdt äujnhäi, nun 
hat er was vor , im Sinne ; auch : wdt äujnt Sdnn, 

26. T6 fälle, gemien, gemein mit. Ja stämmere biese, dät häwe 
*smd enauser tö fälle, sie stottern beide , das haben sie miteinander 
gemein; ick hähw nint mä de gemien^ ich habe nichts mit dir 
gemein. 

27. Am'l äiwenst, md ndwwer Nüß, — Kaumst tissnSg? kamst 
du früh genug? Antw. Dät was man dm *t äiwenst, es war nur 
so eben. Köhst dedörkringe? konntest du dich durchdrängen? Dät 
ging md näwioer Nüjd , es ging mit genauer Noth. 

28. Uttdm , aus dem Hause heraus , siehe oben §. 224 ; mam . 
in 's Haus hinein: hähst dät Tjöch indm fangen F 

29. Inauwer, dähl, tolifs. Inauwer, erst hinein und dann über; 
dähl, hinunter; tölifs, zu Leibe. Von widerlichen Speisen , Geträn- 
ken, Arzneien u. s. w. sagt man: ick kon 't äi inauwer füjn, wo 
das Wort Zunge ausgelassen ist. Vollständig sollte es heissen : ick kön 
't äi inauwer 'e Tung füßn , ich kann 's nicht hinein , über die Zun- 
ge bringen; ick kön 't äi dähl fy^, ich kann's nicht hinunter 
bringen ; he het en hiel Fat füll Bräi tolifs set , er hat eine ganze 
Schüssel voll Grütze zu Leibe gesetzt ; aber he wäll me tolifs, er 
will mir zu Leibe. 

50. Tüfäjtts , töbijns. He ds lägt töfäjtts , er ist leicht zu Fusse , 
geht leicht; he ds fUnk töbijns, flink auf den Beinen; Mimtöfäjtle 
fällen, einem zu Füssen fallen. 



5S0 

31. Togöngs, Uitogs, i6lup8,äw*e Gläiis. Togangs, ia Gang; 
äujn'e Gong, im Gange; wdt mwußn togöngs^ wir müssen gehen, 
uns auf den Weg machen ; fuhg jö Klöck togöngs , setze die Uhr 
in Gang; totögs, in Zug, im Zuge; läjtt hdm mänjärst tdtögs kämet 
lass ihn nur erst in Zug kommen ; he ds gäujd totögs , er ist gut 
im Zuge; he ds äw 't Tög , im Zuge; t6li*ps,z\i Lauf setzen, 
Reissaus nehmen ; äw 'e Glähs , von glidden , gleiten ; uhU äw 'e 
Glähs bringen f etwas in Gang, auf den Glitt bringen; no ds'i äw'e 
Glähs, nun ist 's im Gange, im Fortrücken; da Halste säten toh^, 
ds *e Trommel hierden , die Pferde gingen durch , als sie die Tron- 
mel hörten. 

52. Tohäujnne, hirrütt, Tohäujnne, wörtlich: zu Händen, aber 
aus einem engen Behältnisse, einem Loche, einer Rinne u. s. w. 
hervor, als: kam tohäujnne! komm hervor! höhst *t tohm^me 
fangen? hast du es herausgebracht, hervorgezogen? hirrüU, 
heraus. 

35. 'Aw äiwensljögte , fon hdm sellew, 'Aw äiwensijögte , ohne alle 
Veranlassung , ohne eine erkennbare Ursache , als : he ßll aw 
äiwensljögte , er fiel ohne Veranlassung dazu ; he slaug me ä» 
äiwensljögte, er schlug mich ohne die geringste Ursache dazu; 
dät kaum äw äiwensljögte , es kam von selbst , z. B. ein Leibes- 
schaden, ein Seitenstich, ein geschworener Finger u. dergl. ; fim 
hdm sellew , oder auf hdm sellew , von selbst. 

54. Delewäis, delebäi. Delewäis, niederwegs, unterhalb des 
Weges; delebäi, unten an, entlang, unten längs hin; shdn wdt 
dor *t Törp,untig delewäis P sollen wir durch 's Dorf oder unten hinum 
gehen? delewäis bogen, niederwegs wohnen. Das Gegentheil vos 
delebäi ist baawen dm, oben um. 

55. Dähläujn, erst nieder und dann hinein, als: l6dd*tdäJilai^'t 
Shüff, leg es in die Schublade nieder, nd. daal in. DäMmp^ 
(untrennbar) ist der eigen thümliche Ausdruck für einplumpen , in 's 
Wasser fallen , als: he feil dähläujn , er plumpte hinein ; bäi *t Shurre- 
luppen hähw ick öfting dähläujn wähn, beim Schlittschuhlaufen 
bin ich oft eingebrochen gewesen. 

* * • • 

56. Aujntlängs, längs ^ üttbäi, Aujntlängs , entlang; längs, längs; 
üitbäi, gerade aus und zugleich an der Seite von etwas hin. 



351 

Davon nun die Ausdrücke : längs 't Törp^ üUbai't Törp^ und HTörp 
ät^ttängs gongen. 

37. Äm'tijns, dm *t sellew, faar't sellew. Alle drei Wörter 
bedeuten etwa : gerade darum , eben deswegen (dän. for det 
samme), sind aber unübersetzbar. Anwendung: ick räisd dm'Hjns 
to Sldswick , d$ jö Catalani dirr s^onge shäujl , ich reiste bloss des- 
wegen nach Schleswig , um die Catalani zu hören ; he dU H dm*- 
UjnSy er ihut 's vorsätzlich, aus Trotz; läjit unk dm' tijns hänegonge , 
lass uns bloss deswegen hingehen; dm*t sellew, eben deswegen; 
faar 't sellew, 1. darum, 2. mit in den Kauf. 

38. Dirr faar , dirrdm. Dirr faar , 1. daher, deswegen, 2. dafür, 
und davor ; dirrdm , deshalb. 

39. Ja und ja I Jd bejahet unbedingt , ja oder jäh bedingt 
und zweifelnd, wie das dänische ja und jol — Wähl ddnn gaar äi 
mdF willst du denn gar nicht mit? Antw. Jäh, ick liew , ick 
gong doch md, ja , ich glaube , ich gehe doch mit. 

40. üfalFd/Ze, mit Willen, faarsdtslick, vorsätzlich; am'/tjns, s. 37. 

41. Bei Ortsveränderungen hat man meistens bestimmte UmStands- 
und Verhältnisswörter, als: dm to mdn Näiber, um zu meinem 
Nachbar, wenn man um das eine Ende seines eigenen Hauses 
geben muss; auwer tq mdn Ndiber, über zu meinem Nachbar, 
wenn die Thüren einander gegenüber liegen ; auwer to Ndibdujl , 
über nach Niebüll , weil der Weg über 's Feld geht ; ap to Näibätyl, 
auf zu , weil man es sich dann als höher liegend denkt ; dähl to 
Närdrihssem , hinunter nach Nordriesum ; ütt to Färetöß , weil der 
Weg dem Meere zugeht; ütt äujn'e Euch oder Kug , in den Koog; 
dp dw 'e Gast, auf die Geest hinauf; dm to Zonhdlm, um nach 
Lindholm; dähl äw 'e Sträujnn, hinunter auf Nordstrand; äw 
JPollwäirem , nach Pellworm ; ddhl äw 'e Hallige , hinunter auf die 
Halligen ; to Tunner, to Fldnsbufrig , nach Tendern , nach Flensburg. 
Andere sind wieder wie im Deutschen, als: he ging hirr faarbäi, 
er ging hier vorbei; he ging faarbdimin Hüss, er ging an meinem 
Hause vorüber; he ging min Hüss faarbai, er ging mein Haus vor- 
bei, übersprang es, nahm es nicht mit, übersah es; däVsnofaarbdiy 
es ist nun vorbei; dät*s faarbdi md hdm^ es ist aus mit ihm. 



352 

§. 228. Bei den Umstandswörtern und umstandswörtliühen Re- 
detheilen überhaupt baten wir, nach dem YorausgegaDgenen , 
nur noch von der Stellung derselben im Satze und von ihren 
Verhältnissen zu andern Wörterklassen das Wesentliche anzo* 
führen. 

Sie stehen nämlich bei Haupt- und Fürwörtern , bei Besiifli- 
mungs- und Zeitwörtern , so wie bei allgemeinen Zablwdrtem, 
und zwar vor oder nach denselben, im Satze, als: GSdd äWem 
de Ihre ! Gott allein die Ehre ! dö maust de besonners otfffi ^ 
näme , du mussi dich besonders in Acht nehmen , oder : hesormm 
dö maust u. s. w. ; wann he man järst ijtisen kamt , wenn er mir 
erst einmal kommt ; dät ds dmentränt en Ellen long , 'das ist 
ungefähr eine Elle lang ; dät 's nö ball en Ihr sunt , es ist nun bdd 
ein Jahr her (seit); dät 's bainäi. Ungefähr AagedSge suni, es Ist 
beinahe , ungefähr acht Tage her ; he was en läiet bedröwwet, er W8r 
ein wenig betrübt; jö was sierem blehs, sie war sehr mild; datü 
grihsslickkäujl, es ist gräulich kalt; he wort ball Srm, er wird bald 
arm ; jö ds üngemkn flijttig , sie ist ungemein üeissig ; he kdml 
ball, dm en läiet, mjärne^ was, fortigt, noch Alling, noch ijnsen, 
er kommt bald , nach einer Weile , morgen , gewiss , vielleicht, 
noch heut Abend, noch einmal; jö siürw näjlke, sie starb nen- 
lieh; he lüpp hirr ämbäi, er lief hier umher und herum; jö wdü 
äi md, sie will nicht mit; dät Brüjd ds dp, das Brot ist auf; 
jö Döhr ds dp, oder amen, die Thür ist auf oder offen; de Song 
ds ütt, das Lied ist aus; de Häujdd ds wäg, der Hut ist weg; 
de Häujdd ds äw , der Hut ist auf; jö Hüll ds auf, die Mütze ist 
ab ; jö Tidd ds dm , die Zeit ist um ; de Dring ds md , der Knabe 
ist mit; de Hünn ds noch dw äderegge, der Hund ist noch hinten; 
he ds noch töbähg, er ist noch zurück; de Paurte ds tö, die Pforte 
ist zu ; dät Baurd ds dör , das Brett is durch ; jö Shanhs ds fimr, 
<ler Riegel ist vor; mdn Stäiwel äs äujn, mein Stiefel ist an; 
he ds äujnstöhg , er ist entzwei; jö Fläg ds auwer , der Regen* 
schauer ist vorüber; he*ds dnföre, er ist vorne an, u. s. w. — 
Zusammengesetzte Zeiten bewirken eine andere Stellung des 
Umstandswortes , als : he ds dilling stürwen , er ist heute gestor- 
ben; jö shdll dnjörsne Memmen wSse , sie soll gestern gekommen 



»» i* ^ 

000 

sein; iek häkw hdm oller sQJn, ich habe ihn nie gesehen; ick hähw't 
de all öfting säid, ich habe es dir schon oft gesagt. — Fängt das 
Umstandswort den Satz an, so folgt das Zeitwort unmittelbar 
dwmach, als: kaurtlicks stürw man Fidder, kürzlich starb mein 
Vater; md wdn's äi, mit wollen sie nicht; wäg wäs'r, weg war 
er; OA^n^t sdn'e älUidd, ungezogen sind sie immer, oder: älUidd 
Sjiu'e ät^nnet , immer sind sie u. s. w. — Fangen Hittelwörter 
oder Bestimmungswörter den Satz an , so tritt das Umstandswort 
an 's Ende desselben, z. B. fornäigd ds'r oller, vergnügt ist er 
nie; fähs bdst älllidd, unartig bist du immer (nur zu Kindern); 
allere wort'r tosieens, älter wird er zuscbens; ültsläipen häi's all 
Iqngens, ausgeschlafen hatte sie schon längst; fläid ds'r äfting^ 
geputzt ist er oft; näilick sdn*$ sierem, neugierig sind sie sehr; 
J^ß^ijnnen sdn'a noch dt, aufgestanden sind sie noch nicht. 

§. 229. Durch die Stellung der Umstandswörter wird der 
Sinn der Rede oft verändert, worauf man genau achten muss,z. B. 
da * älliene kaast dät düjn , oder : ülliene dö kaast *t dHjn , oder : 
dö kaast 't älliene düjn: du allein kannst es ihun; allein du kannst 
ea thun, und: du kannst es allein thun. Wäirdftig, man Brauser 
hil lägen, wahrhaftig, mein Bruder hat gelogen; man Brauser 
hH vmrdflig lägen , mein Bruder hat fürwahr gelogen. Dö for- 
mausentllck hä/ist hdm en Sträg spälet, du vermuthlich hast ihm 
eioen Streich gespielt; formausenllick dö hähst hdm u. s. w. , ver- 
muthlich du hast u. s. w. ; dö hähst hdm formausenllick u. s. w. , 
da hast üun vermuthlich u. s. w. He het long äi släipen , er hat 
lange nicht geschlafen; dt hS hil long släipen, aurs de ausere, 
nicht er hat lange geschlafen, sondern der andere; he het di long 
sliipen, er bat nicht lange geschlafen. T6 ^rhed, di to Lähsiggong^ 
zur Arbeit, nicht zum Müssiggang; to Jfrbed äi, to Lähsiggong, 
zu^ Arbeit nicht, zum Müssiggang. Gödd, äi de Mdnshe, regieret *e 
Wrällj Gott, nicht der Mensch, regiert die Welt; Gödd äi, de 
Mämhe regieret 'e Wräll, Gott nicht, der Mensch regiert die Welt. — 
Obgleich selten Wortverbindungen der angeführten Art vorkom- 
me?, die nicht in beiden Sprachen übereinstimmen, so giebt es 
dooh immer einzelne Ausnahmen , wie z. B. der Satz : « du hast 
anuA dieses gesagt," kann im Friesischen nicht heissen: dö hähst 
oek dät Said ; denn diess wäre ganz krebslings gesprochen ; son- 

45 



554 

dern es muss faeissen: oek dö hahsi't siüd, oder dö hähsi'l «k 
säid, oder: dö och höhst 't säid, je nachdem der wahre Sinn he^ 
Yorgehoben werden soll. Dagegen aber wohl: dö hähst ock däi- 
sellew säid, du hast auch dasselbe gesagt, wieder yerschieden von: 
dö hältst 't ock sellew säid, du hast es auch selbst gesagt. 

§. 230. Wenn die Wörter wirr , wo , und wanne , wann , so 
wie die meisten mit wirr zusammengesetzten, den Satz anfangen , 
so stehen sie allemal fragend, als: wirr äs he? wo ist er? im* 
hähst wähn? wo bist du gewesen? frag hdm, wirr'r wähn ÄÄ, 
frage ihn , wo er gewesen ist ; wirräw hähst 't läid , worauf hast 
du es gelegt? wirräujn hSt 'r 'tfeld? worein hat er*s gefüllt? 
wirrdm wäht di md? warum willst du nicht mit? wirrdör is he 
rick würden? wirrauf wiest dö dät? wirrfon käme*s? woher kom- 
men sie? wirrmd hähst dät mäget? womit hast du das gcmiiehi! 
wirrhäi kaast dät wähse? woran kannst du das erkennen ? wimti 
wäht *t brücke? wozu willst du es gebrauchen ? — Wanne kim^ 
töbähg? wann kommst du zurück? wanne wäht räise7 wann wiM 
du reisen ? u. s. w. 

§. 251. Bei Fragen setzt man, wie im Deutschen, oft das 
Umstandswörtchen äi, nicht, als: wäJit äi md? kaast äi gonge! 
ds*t äi so? köhs ick't aurs mäge? konnte ich es anders machen? 
köhst*t äi aurs mäge? wäht inkäme? wäht äi inkäme? kön dät 
Bjärn äi släipe? ds't äi wäir? kön de Jönge dann gaar äi harke? 
wäht dö*t me äi sägt sedde^. mäi^s äi ähse? mag sie nicht essen? 
het's't äi hewe wäjlt^ hat sie 's nicht haben wollen? — Auch in 
Sätzen, wie folgende: hörr klauck dö äi hast? wil dö äi älies 
wiest! wie klug du nicht bist! was du nicht alles weisst! 

§. 252. Wenn man durch die Wörter: nint, oller, niemmm, 
nän und nijn — nichts, nie, niemand, keiner, kein und keine — 
etwas verneint, so gebraucht man diese Wörter im Nordfriesisehen 
bald richtig, bald unrichtig, als: ick hähw nijn Giß, nän Sock, 
nijn Brüjd an nijn Frünne, ich habe kein Geld, keinen Rock, 
kein Brot und keine Freunde. Aber fehlerhaft sind folgende 
Sätze, wie man sie täglich und allgemein sprechen hört, als: 
he säit oller nint, er sagt nie nichts; he wäll oller nint, er will 
nimmer nichts; he het me oller nint däjn, er hat mir nie nichts 
gethan; jö wäll oller nint sidde, sie will nimmer nichts sagen; 



355 

dirr^s oller niemmen inne, nie niemand zu Hause; iek hahw oller 
ftäfi Gräinläüjnner säjn, nie keinen Grönländer; lie wijt oller nint, 
er weiss nie nichts u. s. w. Hier müsste statt mn^ — wdt, statt 
niemmen — huhm, und statt nän — an oder en stehen. Von reisenden 
deutschen Handwerksgesellen habe ich indessen die Nordfriesen 
hierin noch übertreffen hören , indem sie z. B. sagen : da ist nie 
keiner nicht zu Hause. — Dagegen spricht man immer richtig : 
he dsäi inne, er ist nicht zu Hause; he äs oller äjU'e Hühs, er ist 
nie zu Hause , oder nie daheim , sondern abwesend , oder auswärts. 
Dasselbe gilt von verneinenden Zeitwörtern, als: forbijdden, 
verbieten; löchnen, leugnen; twiwweln, zweifeln; forhännern, 
verhindern u. s. w. He forbüjd me, dät ick*t äi dujn shäujl, 
er verbot mir, dass ich 's nicht thun sollte; hier müsste äi weg- 
fallen. Dagegen sind folgende Sätze richtig: he forbujd me 't to 
duhggen, er verbot mir 's zu thun; ick twiwwel, däl'r kämt, ich 
zweifle, dass er kommt; he löchnety dät'r't säid het, er leugnet, 
dass er 's gesagt hat; he forhännert me^ dät to duhggen^ er verhin- 
derte mich (daran) , es zu thun. 

Zusammenziehungen, 

§. 255. Bei vielen Umstandswörtern finden dieselben Zusam- 
menziehungen statt, die wir bei den Für- und Zeitwörtern vor- 
gefunden haben, und es sind hier wie dort die Geschlechts- und 
Fürwörter, die abgekürzt und den Umstands- und Verhältniss- 
wörtern angehängt werden. Ein angezogenes e steht hier als 
Zeichen für das männliche und weibliche Geschlecht und für die 
Mehrheit, so wie für die Fürwörter derselben Geschlechter und 
derselben Zahl, anstatt de^ jö und da, so wie für he, jö. Ein 
angezogenes r bezeichnet die dritte Person im männlichen Ge- 
schlecht, und vertritt das Fürwort he; ein angefügtes s bezeich- 
net das weibliche Geschlecht und die dritte Person der Mehrheit , 
anstatt jo, da und jd; und t das sächliche, anstatt dät und hdt; 
ein zugefügtes m vertritt das Fürwort huhm (man und wer). 
Han muss die angezogenen Buchstaben immer so lesen, als ob sie 
mit dem Worte, dem sie beigesellt sind, wirklich verbunden 
wären, wie z. B. äujn'e, lies: aujnne; unner't, Lunnert; äw't, ],äivt; 



3&6 

äw*s, l. äws; mrr'e, 1. tcirre; wiir*r, 1. wirrer; dtrr'e, 1. dirre; 
dirr'r, 1. dirrer; dirr't, 1. dtrri; dirr's, 1. dirrs; urirr'«, 1. iwrr« 
u. s. w. — Beispiele: 



ihr. 


ehe: 


ihr'e. 


ihr V , 


ihr* 8, 


ihr't. 


ihr*m. 


sunt. 


seit : 


sunt'e, 


sufU*r, 


sunt' 8 y 


sunt*t. 


sunt'nk 


biU, 


bis: 


biU'e, 


hiU'r, 


Htt's, 


UU't, 


bUVm. 


ds, 


als: 


ds'e, 


asV, 


ds. 


ds't, 


as*m. 


h(hr, 


wie, wenn: 


horr'e. 


hörr'r, 


hörr's. 


hörr*t. 


liörr'm. 


wirr, 


wo, ob: 


wirr'e. 


wirrer. 


wirr* 8 y 


wirret, 


wirr'm. 


wann, 


wenn: 


wdnn'e. 


wdnn*r. 


wdnn's. 


wdnn'ty 


wdnn'm. 


dirry 


da: 


dirr*e. 


dirr'r. 


dirr's. 


dirr't. 


dirr*m. 



Anwendung. — He kaun^ ihr'e Tidd dm was, er kam, ehe die 
Zeit um war; ihr*r dät däi, ehe er das tfaäte; jö mSst hdr juNt 
äujntijn, ihr's käme köhs, sie musste sich erst anziehen , ehe sie 
kommen konnte; ihr 's dät füngen häjn, bevor sie das empfangen 
halten; ilir's't füngen, ehe sie*s empfingen; ihr'm käme, bevor 
ihr kommt; ihr'm so wdt det, mäujtt' m huhm doch järst beiänii, 
ehe man so was thut, muss man sich doch erst bedenken; 
he stöhs dp, ihr't Däi würd, er stand auf, ehe es Tag ward; 
ihr't Enne, vor Abend; ihr't ältclähs wart, ehe es zu spät wird; 
sunt'e Paashe, seit Ostern; sunt'r äujn'e Mäislinge läi, seit er 
an den Masern danieder lag; sunt 's lobähg kiemmen ds,, seitdem 
sie zurückgekommen ist; sunt't snäid het, seitdem es geschneit 
hat; sunt'm'r nint fon hierd het, seitdem man nichts davon gehört 
hat. Ebenso mit harr, wirr, dirr, u. s. w. Bei den übrigen, 
die auch als reine Verhältnisswörter stehen, finden wir nur die 
beiden Geschlechtszeichen e und t vor, als: dw't Ekt^e^ auf den 
Aeckern; äw'e Shew, auf dem Tische; unner'e Bank; unner't 
Wanning^ Fenster. Das Wörtchen ds (als) bekommt im weiblichen 
Geschlechte und in der Mehrheit kein weiteres Geschlechtszeichea, 
weil es sich schon auf s endigt; äs dirr wähn häi, als sie da 
gewesen war; ds dät säiden, als sie das sagten, u. s. w. Das 
Zeitwort giebt hier allemal die Einheit oder Mehrheit lu er- 
kennen. 



NEUNTES CAPITEL 

DAS VERHÄLTNISSWORT (Praepositio). 



§. 254. Das Yerhältnisswort ist eigentlich ein Umstandswort» 
hat aber das Eigene an sich, dass es Gegenstände mit einander 
in ein gewisses Verhältniss setzt» und mit den Endungen e, t^ 
und en verbunden wird , als Zeichen des Geschlechts und der 
Zahl, als: aw*e Tele, auf der Diele, dem Fussboden; äw*t Hüss^ 
auf dem Hause; äw'e Rühssinge, auf den Häusern; auf*en Pracht 
auf ein Haar, u, s. w. 

Die Verhältnisswörter sind folgende: 

i. Aane, ohne; 2. änädre, hinter, hinten; 3. rf«/Sre ,' vor , vorne, 
Toran; 4. dm, um; trinndm, ringsum; ^.ajtt, z*i, in, an, engl, at; 
dpäjtt, inäjtt, dählaßtti 6. dp, auf, in die Höhe; dpäw, aufauf; 
dpdm, auf um; dpbäi, aufbei; 7. auf, ab, von, dän. af, engl, of; 
8. äujn, in, ein, hinein, an; inat^, dpätj^n, dmäujn, faaräujn, 
Hnneäujn, dähläujn; 9. auweTf über, dän. und engl, over, nd. 
6 wer; dpauwer, dählauwer; auwerbäi, auwerijn, auwerfaar, haor 
wenauwer, oben über u. s. w. ; iO. auwerfaar, gegenüber, nd, 
öwerför , dän. overfor, engl, over against; ii. auwerijn, übergegen — 
auch gegenüber. 12. äw, auf, am Orte befindlich; dpäw, aufauf» 
dan. op paa, engl, upon; 15. äwehirrSgge , diesseit; 44. äwejdnneT' 
(gge, jenseit, auch bäijante, engl, beyond; 45. baawenäw, oben 
auf, nd. baawen op, dän. oven paa; 16. baawne, oben, nd. baa- 
wen, engl, above; auch oberhalb; 17. bäi, bei, nd. bi, dän. 
ved, hos, bi, engl, by; 18. bdune, binnen, innerhalb; 19. 6anne- 
fiuLr , innerhalb; 20. büttefaar , ausserhalb; büttebdi, büUedw^ 
bMedm; 24. dör [döhr), durch, nd. dör; 22. delebdi, unterhalb; 
dSledm, unten um; 25. efter, dän. efter, engl, after; 24. faar^ 
vor und für, dän. for; äujntstähs faar, anstatt; 25. faaraane^ 
ausser, ohne; 26. fon, von; 27. faarbdi, vorbei; 28. formiddeUt, 
vermittelst; 29. hanijn, gegen, engl, against; besonders von der 
Zeit ; 50. ijn , gegen ; dpijn , gegenan ; äujnt/ißn , engl, against ; 



358 

äujntmäi^t, entgegen; Zi. längs, längs, dfin. längs med, engl, 
along, alongst; 52. md, mit; 55. näist^ nächst; ionäist, zunächst; 
näistbäi, näisteßer; 54. sunt, altd. sint, dän. siden , engl, since; 
55. tö, zu, nd. to , engl, to; 56. töäw, zuwärts; tomd, äwlo, 
i. auf zu, auf los; % als Zugabe (etwas bekommen); tötvdddeme, 
zuwider; 57. ütt, aus, dän. ud, nd. ut, engl, out, out of ; 
üUbäi, üttfaar, ültdm, üttäujn, [üUäw, üUlängs, üUauf, ütlauwer; 
58. trots, trotz, dän. trods; 59. unner, unter; umiermadde, 
unnermd; 40. in, ein, dän. ind, engl, into; inät^n. 

§. 255. Da die Yerhältnisswörter, im eigentlichen Sinne ge- 
braucht, immer Raum- und Zeit Verhältnisse anzeigen, so könnte 
die Anzahl derselben, durch eine Menge einfacher und zusam- 
mengesetzter Umstandswörter, welche diese Yerhällnisse bastioi- 
men , noch bedeutend vermehrt werden , was hier aber übe^ 
flüssig sein würde, indem das Wichtigste davon bereits vorge- 
Jcommen ist. Wir wollen daher den Gebrauch der vorstehenden 
hier etwas näher kennen lernen. 

§. 256. ""Aw, auf; dän. paa, engl. on. 

i. ^Aw bezeichnet erstlich die obere Stelle eines Gegenstandes, 
wo sich etwas befindet, als: äw'e Bäirig; de Bälle laU m*t 
Hüss; he feil äw*l Iss; jö gongt äw'e Straate; äw'e Siijnbro, auf 
^em Pflaster; äw't FäjU, dem Felde; äw'e Löjft, dem Boden; he 
As äw'e Jagt, he läil äw'e Räihs , ds äw't Shävjl, ist auf der 
Schule; he sali me äw'e Regg; ick späl äw't Klavier; he äs äw'e 
Baan, äw't Spör, äw sin Pläss; da Siäire äw'e Hammel^ am 
Himmel; he Mt nijn Klulise äw'e Kröpp, er hat keine Kleider am 
Leibe; he stont äw'e Spring, er steht auf dem Sprunge; i$Aiir 
äw'e Fäjtt heweny Schuhe an den u. s. w.; dät Burk äw'e Buhmm, 
die Rinde am Baume; jö stönt^ läit, bläß äw ijn Stähs^ sie steht, 
liegt, bleibt auf einer Stelle; dät Bill ds äw't (Ich kläwet,m 
die Wand geklebt; huhm äw wdt brännen, sich an etwas brennen; 
he liert äw sdn Ldckse, äw'en Song, er lernt an seiner Lection, 
an einem Liede; da Hinge äw'e bohr, die Angeln an der Thur; 
jö Tann läit äw'e Hijlling , die Tonne liegt auf der Neige; Böhser 
äw't Brujd; äw'e Droge wesen, in oder auf dem Trocknen sein; 
äw'e Dick käiren, auf dem Deiche fahren; äw't Wähser sillei^, 
auf dem Wasser treiben; äw'e leeft Hät^n, zur Linken; äiw'eB 



5S9 

Spicker hangen ^ au einem Nagel bangen; äto'e Bare dregen, auf 
der Bahre tragen; äw*e Shdmmel ridden, auf dem Schimmel reiten; 
ärw'e Stdd tddden, auf der Seile liegen; äw*n Sliäp bdggen, 
an einem Schiffe bauen; äw'en Höhs prägein, an einem Strumpfe 
stricken; äw'en Bräif shriwioen, an einem Briefe schreiben; dät 
shäid äw'en Sändäi^ es geschah an einem Sonntage; dät äs äw't 
Market, äw't Apothek, äw't Pösthüss tö fuhggen; huhm äw'en 
Knäppnell riwwen, sich an einer Stecknadel ritzen ; äw'e Käst bäi 
huhm wSsen, bei jemand in der Kost sein. Dät äs äw'en Böge 
md hdm, i.er faselt, redet irre; 2. er ist ganz herunter ; äw wdt 
hdehen , ohmen , pusten , blaasen , hieren , sluhggen , fallen u. s. w. , 
auf etwas hauchen, athmen, pusten, blasen, hören, schlagen, 
fühlen. 

2. Eigentlich und uneigentlich bezeichnet äw eine Richtung 
auf einen Ort zu , oder auf einen Zeitpunkt hin , und erleidet 
eine mannigfaltige Anwendung, als 4 he äs äw'e Wönter betögt, 
er ist auf den Winter bedacht; he jaget sin Tjöch äw't Gjärs, 
er treibt sein Yieh aufs Gras; äw huhm iäiwen, auf jemand 
warten ; he lörret äw jöhr Prihsse , er lauert auf theure Preise ; 
forläjtt de äw Gödd; äw de Luwe ds'r krästent, auf den Glauben 
ist er getauft, wörtlich: gechristnet; äw din Urd wäll ick't waage, 
auf dein Wort will ich's wagen; he lijnt äw Päujn, er leiht auf 
Pfander ; he baurigt äw mdn Nome , er borgt auf meinen Namen ; 
äw wdt äglen , auf etwas achten; äw huhm shellen, kiwwen, auf 
jemand schellen , keifen ; he äs wriess äw me , er ist böse auf 
mich; dät ging äw gauhs Lock, das ging auf gutes Glück; äw'en 
Infall kämen, auf einen Einfall gerathen; äw Bedregeräi tanken, 
auf Betricgerei denken; he släit't äw tien Daalere äujn, er schlägt 
es auf zehn Thaler an; dät gongt äw Düss an Läwent , das geht 
auf Tod und Leben; wdt äw't A'pbod silten, etwas zur Versteige- 
rung (zum Aufgebot) stellen; äw't ^rbed gongen; forpdkket äw 
wdt Wesen, erpicht auf etwas sein; äw tjüsk, äw dünsh, äw 
holläiujnsh, äw frdsh, äw aingelsh, auf deutsch, dünisch, hollän- 
disch, friesisch, englisch; äw'en Prdck drawen, auf ein Haar 
treffen; äw'e trSd Häujnn, auf die dritte Hand; ja^ du; /mm, treibe 
ihn an; wdt äw to kdwwen hewen; äw sin üjlle Dege, auf seine 
alten Tage; he fahrt äw Holläujnnf er fährt auf Holland; äw längs 



560 

lidden, der Länge nach legen; äw twdrrs, der Quere oaeh; äw'e 
Shrädde, auf der Schräge; äw'e Giehel, äw'e Flaait späten, auf 
der Geige, auf der Flöte spielen; dö bdst äi äw din Slräg^ bist 
nicht bei Laune; äw*e Glähs wesen, im Schub sein; jö Dokr 
siorU äw'e Kldink, die Thür steht angelehnt, auf der Klinke; 
äw Räjdd /innen, Raih, Auswege finden; äw huhnuen Post wkm, 
auf seinem Posten sein; äw'e l^jngde, auf die Länge; äwAagedige^ 
auf acht Tage; äw'en Ihr, auf ein Jahr; äw drken Fäll, auf jeden 
Fall; äw't Ridhüss, auf dem Rathhause; forldjU de äw me, im 
kam , verlass dich auf mich , auf ihn. Abweichend sind folgende: 
he ds äw*e Näigde, in der Mähe; horr gtmgt't äw'e Näußsf 
nach welcher Melodie geht es? äw'e Ldgte, auf eine leichte 
Weise, leichten Fuss; äw*e Mall, auf der Mitte; äw'e Nirreg§s, 
diesseit, näher; äw*e widderegge, jenseit, weiter ab; äw't näst, 
auf's nächste; äw't bSst^ auf's beste; ,he läü häm äw'e Spräicke, 
er legt sich auf die Sprache , oder auf die Sprachen ; im 
Dänischen legt man sich darnach {eßer): al lägge sig efler Yidm' 
skabeme, sich auf die Wissenschaften legen. 

§. 257. Apäw, aufauf; dän. oppaa, engl. upon. 

Ap bezeichnet immer die Richtung nach oben und äw hier, 
in diesem Compositum , das auf der Oberfläche eines Gegenstandes 
ruhende oder sich befindende, woraus sich zugleich das atifauf 
erklärt, wo das erste au/* die Richtung, das zweite den Ort des 
Hingelangens und dann des Befindens bedeutet, wo wir im Deut- 
sehen beides zugleich durch den vierten Fall bezeichnen ; auch 
kann dpäw immer nur von wirklichen Dingen oder Gegenständen 
im Räume* gebraucht werden, als: help me dpäw'e Hajnst^ hilf 
ipir aufs Pferd; he ds dpäw'e Löft gingen, er ist hinauf auf den 
Boden gegangen; dpäw't Hüss, aufs Haus; ick wäll dpäw'e Bäiri§, 
ich will auf den Berg (hinauf). Vergl. dpäjtt, dpäujn, dpbii, 
dpijn, dp f aar, dpauwer , dpunner: s. §. 227, N. 8. 

§. 238. Am, um. 

Am, um, steht 1. wie im Deutschen, als: dm't Hüss gongen; 
dm't Haad binnen; huhm dm't Liff nämen, jemand um den 
Leib fassen ; dm Gnahse bädden ; dm Giß späten ; dm' e Ihre 
kempen, um die Ehre kämpfen; dm Gunst bddden; dm't Adyl 
siridden; dm't Min an Bin, um's Mein und Dein; dm Forüf fragen. 



361 

am Erlaubniss; ja sträwe am en Urd, sie streiten um ein Wort; 
hörrds *t de dm't Hart? wie ist's dir um's Herz? dät was dm jösSl- 
lew Tidd, es war um dieselbe Zeit; de Haupp sdt dm'e Tdnn^ 
der Reif sitzt um die Tonne; dm*e Hjärn kieken, um die Ecke 
gucken; dm'e Wäjl gongen y um den Weiher gehen; dm alles äujn'e 
Wräll dt, um alles in der Welt nicht; he gälU dm sin Bauck, er 
weint um sein Buch ; dät grämt me dm de , es grämt mich um 
dich, oder: du dauerst mich; dm nint an wihsser nint, um nichts 
Hnd wieder nichts; dm wdt säjcken, um etwas suchen; dm huhm 
wisen^ um jemand sein. 

jt. Bezeichnet dm einen Verlust, eine Beraubung, als: dm 't Li ff 
kämen y um's Leben kommen; he kämt dm*n Hals, er kommt um 
den Hals; he het me dm alles brögl, er hat mich um alles gebracht. 

5. Steht dm für von , nach , als : he driemd dm gät^llen Bdirige , 
ihm träumte von goldenen Bergen; ke hSt gr^tt Tdgte dm hdm sei- 
kw, er hat grosse Gedanken von sich selber; hähst wdt dm'e Krich 
hierdF hast du etwas vom Kriege gehört? ^a snäketen'r dm, sie 
sprachen davon; wirr segst dm? oder: dm wdt segst döF um was, 
oder wornach suchst du? ick säjk dm mdn Stock, um oder nach 
meinem Stock. 

4. Am Däiem, dm Nägtem, dm Mddddiem, dm jSnnem, dmH^dr^ 
nem, dm Sdmmerem, dm Wotiterem u. s. w. , am Tage, oder des 
Tages, in der Nacht, oder des Nachts, des Mittags, des Abends, 
des Morgens, des Sommers, des Winters. 

5. Ferner: Jö Treel läpt trindm hdr sellew^ die Triele (runde 
flache Scheibe) läuft rings um sich selbst; dd Buhmme stäujnne 
trindm *t Hüss; dmentränt, ungefähr. Umstandswörtlich: kier dm! 
kehre um! hinn de Dauck dm, binde das Tuch um; dm an dm, 
um und um ; tie de dm , zieh dich um ; sie de dm , sieh dich um ; 
hejSft'r nint dm, er giebt nichts darum, mag es nicht; dö snäkest 
trindm, du sprichst rundum , im Zirkel; daher: dät Trinndmsnäky 
der Rundumschnack; de Trinndmsnäker , der Rundumschwätzer, 
und das Verbum trinndm *eruken, so wie das Subst. de Trinndm 'e- 
ruk, wörtlich: der Rundumdenschober. — Am't lest kdmt'r doch, 
endlich und zuletzt u. s. w. As*r wdt dm? ist etwas daran? 
nämlich wahres an einem Gerüchte. J6 Tidd ds dm, die Zeit ist 
um. — Am so faak ihr, dm so faale mörr, Idgtere, bähsere, 

4« 



562 

hijnnere, um so viel eher, mehr, leichter, besser, schlechter; 
dm en Stünns Tidd, dm Aagedige, dm en Aagedege, Dach Verlauf 
einer Stunde, nach acht Tagen, nach etwa acht Tagen. 

Die Ausdrücke : du hättest es um ein Haar (breit) getroffen, 
um einen Tag zu spät , um einen Zoll zu kurz u. s. w. , kann man 
wörtlich nachbilden, und auch dm hier weglassen, als: dät 's dm 
en hiel Jollen ältelöng , oder en Ellen älteldng, 

§. 259. 'Aw, fon, auwer, Sfter, bäi und faar sind in verschiedeoen 
Beziehungen mit dm sinnverwandt, als: he gallt am san Brauter 
und he gälU auwer sdn Brauser , er weint um seinen Bruder , weil 
er ihn verloren hat, und er weint über ihn, weil dieser ihn etwa 
beleidigt hat. Am en Urd und auwer en Urd sträwen, um und 
über ein Wort streiten, ^'m ufdt fragen und eßer wdt fffigen, 
um und nach etwas fragen. Ick frag V nint Sfter, ich frage nichts 
darnach; dät kdn'r menint dmshtjUe, ich mag 's nicht, schere mieh 
nicht darum. Hähst*r wdt dm hierd? hast du etwas darüber 
erfahren? hähst'r wdt auf hierd? hast du selbst etwas davon mit 
angehört? hähst'r wdt fan hierd F hast du überhaupt davon spre- 
chen hören ? ick hierd *t auf hdm , unmittelbar von ihm , aus sei- 
nem Munde; ick hierd' t dm hdm, es betraf ihn; ick hierd' t fm 
hdm, ich hört^ es von ihm sagen, andere sagten 's von ihm. Am 
wdt säßcken und efler wdt säjcken, um und nach etwas suchen; 
am huhmsen Ihre kempen, um seine Ehre kämpfen , die Ehre ist 
hier das zu erringende Ziel; faar sdn Ihre stridden, für seine 
Ehre streiten, um sie zu bewahren, oder um sie nicht zu ver- 
lieren; dm en Daaler gongen, um einen Thaler gehen, ihn zu 
holen: faar en Daaler gongen^ um ihn zu verdienen; bäi en Prdck 
dräwen, um ein Haar breit treffen; äw en Prdck, auf ein Haar, 
gerade auf den Punkt. Am en läiet, nach einer kleinen Weile; 
efter en läiet, dasselbe; faar en läiet, so eben; dm'e Naurde, dia^e 
Sühsse, Whte, udste, gen Norden, nach Norden, Süden, Westen, 
Osten. 

§. 240. Ajtt; dän. ad, engl. at. 

Ajtt steht i. für an, als: dirr's nint äjtt hdm^ es ist nichts an ihm; 
zweideutig. Dirr's nint ajtt de Säihs, es ist nichts an dem Käse, heisst 
entweder: er taugt nichts, oder er ist so klein, dass er nichts ver- 
schlägt. — Eine von den beiden Bedeutungen hat äjtt immer, sobald 



563 

es in dieser Verbindung vorkommt, und es ist dann aus dem Zu* 
sammenhange leicht zu erkennen, welcher Sinn jedesmal gehen soll. 
Zwei Beispiele können diess einleuchtend machen , als : harr gongt 7 
de md ddn ndie Plaugdriwwer? wie gehl 's dir mit deinem neuen Pflug« 
treiber ? Antw. de Jdnge äs gauhse nög, aurs he da man so IdjU an klien, 
dirr*s nint äjU hdm, der Junge ist gut genug, aber er ist so klein 
und dünn ; es ist nichts an ihm. — Hier ist der Wille des Knaben 
gut, aber es fehlt ihm an Fleisch, Knochen und Kräften; dän. 
der er ikke naget ad harn. Aber: hörr häget de ddn ndie BökndgtF 
wie gefällt dir dein neuer Bauknecht (Grossknecht, Ackerknecht)? 
Antw. dät ds en grotten wäfUigen Ejdrl^ aurs dirr's aurs nint äjti 
kam, es ist ein grosser wähliger (starker) Kerl, aber es ist sonst 
nichts an ihm. Das erste aurs im letzten Nachsatze, welches statt 
aber sieht, ist ganz tonlos, das zweite, für sonst oder übrigens ^ 
ist dagegen stark betont. 

2. Steht äjtt bei Ortsverhältnissen , wo es dann entweder das 
Befinden an einem Orte, oder das Bestreben, nach demselben zu 
gelangen, anzeigt, als: he ds äjtt'e Hühs , engl, he is at home; 
üjtt ühs,h%\ uns, in unserm Hause; äßtt Jdrringe, bei euch, eurer 
Familie; äjttjäre, bei ihnen; äjtt Presters, in des Predigers Hause, 
beim Prediger; äjtt Faageds, beim Vogte; äjtt Meilers, beim 
Müller ; äjtt Kriemmers , zu Krämers. Auch nennt man bloss die 
Vornamen der Hausbesitzer, und spricht: äjtt Siewerts, äjtt GSshens, 

m 

äjtt Mommens, äjtt Sänkmis, u. s. w.; äjtt huhms hähst wähn? bei 
wem, in wessen Hause bist du gewesen? 

Bewegung nach einem Orte zu, als: ja kaummen in äjtt'e Döhr, 
gjtt't Wdnning, äjtt't Jfhk, äjtt*t ^Ikenier, sie kamen ein darcfa 
die Thür, durch 's Fenster, durch 's Scheunenthor, durch die Er- 
kerluke; äjtt^l Wdnning instSgen , engl, to enter at the window, 
däD. at stige ind ad Vinduet, Ajtt huhm läken, engl, to laugh at 
one, dän. at lee ad Een, über jemand lachen. Apäjtt'e Bäirig 
gongen, den Berg hinan gehen; dähläjtt'e Bäirig, den Berg herab; 
äpäjtt *t IJch kriepen , die Wand hinan kriechen ; dät shrdt äjtt *t 
Ijnne^ es schreitet dem Ende zu; äjtt't lest, engl, at last; äjtt't 
mannst, engl, at least, wenigstens. Dmstandswörtlich bei trennbaren 
Zeitwörtern : wät gongt de äjtt F was ficht dich an ? dän. hvad 
gaaer der ad dig? hörr drSgst de äjtt? wie gebchrdest du dich? 



364 

hier äjit ! merk auf; he ugel ülUidd äjtt , er strebt immer fort, 

§. 241. Hehrere andere Yerhältnisswörter sind hier sinnver* 
wandt, als: aujn, auwer, auf, dp, bat, dm, als: he äs i^U*e Hühs, 
er ist zu Hause: he ds bäi'e Hüfis, er ist in der Heimath, nicht 
auswärtig; ^jU huhm läken und auwer wdtläken, efler wdt läken: — 
Ick läk ößU de, dich betrifft das Lachen, aber: ick läk dkv' 
QMwer, däi dö de so däsig äjUdregst, ich lache darüber^ dass du 
dich so närrisch beträgst; ifter huhm täken, würde heissen, die 
Lache eines Andern nachahmen, oder ihm nachlachen , wenn er 
wegginge. So sind auch die Ausdrücke; dujn*t fpine, äjtt't fyine, 
bai*t Jjnne, dem Sinne nach verschieden: äujn't Ijnne, im £nde, 
ajlt *t fjnne , gegen das Ende zu , bäi 't Ijnne , beim Ende , und 
zu Ende. Verschiedene Ausdrücke sind auch: ditt't List, äi^*t 
Lest, aw'tLest und dm't LSst. 

Ä'päjti, hinan, dpäw, hinauf; dähläjU, auf der Fläche abwärts, 
dählauf, herunter, von einem erhabenen Standpunkt; ßdUhdr- 
ken , aufmerken , um etwas zu fassen , dphdrken , aufhorchen ; 
aufmägen, mag auf, streben, dass man fertig wird; en Säge auf- 
mögen, eine Sache mit jemand abmachen; ßjttugen, anhaltend» 
stetig fort arbeiten , aber ohne Eile. 

§. 242. Auf, ab, von; dän. af, engl, of und off 
i. Äufy von, ist mit fon am nächsten verwandt, und heisst: un- 
mittelbar von , als : dät Bräif fon man Brauser fang ick auf mi» 
Dögter , den Brief von meinem Bruder erhielt ich aus den Hän- 
den meiner Tochter; de Fidder hält faale auf sdn Sahn, der Vater 
hält viel auf seinen Sohn, hat ihn lieb; de Häujdd auf't Haad 
nämen, den Hut vom Kopfe nehmen; he däi't auf sin äien H^tti$ig , 
er that es von selbst, aus eigenem Antriebe; wörtlich: von seinem 
eigenen Geheisse; he baurigt en Daaler auf me, er borgte einen 
Thaler von mir, wenn er denselben unmittelbar von mir selbst 
erhalten, fon me, wenn ein Anderer ihm den Thaler gebracht 
hat ; auf huhm hähst dät Bauck fangen? wer hat es dir unmittelbar 
gegeben? fon huhm hähst 't füngenP Antw. fon man Brauser, h$ 
Mt't me md de Post sänd, — Dät ds auf ijn Bläi, das ist von einer 
Farbe; de Ömmer ds füll auf Wähser, der Eimer ist voll von 
Wasser; dähl auf* e Löß kämen, vom Boden herabkommen; duhg 
me wdt auf ddn u/pcl , gieb mir etwas von deinem Apfel ; an 



568 

auf da twänne mäv^i'i doch wähn hewe, einer von den beiden 
muss es doch gewesen sein; he läwet fon sin Rönte, aurs auf Ähse 
an Drdjnke , er lebt von seinen Renten , aber durch (unmittelbar 
von) Essen und Trinken; he plucket drk Plöhm auf'e Buhmm, 
er pflückt jede Pflaume vom Baume; kam dähl auf'e Buhmm, 
komm herab von dem Baume; gong fon'e Buhmm, geh von dem 
Baume weg ; ick wijt nini auf järe Düjns , ich weiss nichts von 
ihrem Thun und Treiben; he stürw auf Forgift, er starb an Gift; 
jö ds mager würden aufe KöllCy sie ist mager geworden vom Fieber; 
däi Shdnn ds auf en Baar, das Fell (Schind) ist von einem Bären; 
dat 's Brüjd auf man äine {diene) Rögge , das ist Brot von meinem 
eigenen Roggen; ijn auf min Baucke, eines meiner Bücher; auf*e 
Hdjnst stäujnnen^ vom Pferde steigen; aufe Wäien fällen ^ vom 
Wagen fallen ; dät ds auf en gauhsen Släg , von gutem Schlage. 
2. Sieht auf für aus, als: de Äirem ds auf't Ldss, der Arm ist 
aus dem Gelenke ; he kamt aufe Sjürk , er kommt aus der Kirche, 
wenn er zur Kirche gewesen ist, aber: he kdmt fon'e Sjürk, wenn 
er bei derselben gewesen ist, etwa als Arbeiter, Handlanger u. s. w.; 
dät ds aufe Maude, aus der Mode; jö Shiess ds auf Blie, auf 
Tdnn , auf Mesing , auf Selwer , auf Gäujl , der Löffel ist aus 
Blei, Zinn, Messing, Silber, Gold; en Häujdd auf Strdi, en Mann 
auf Snie , en Seme auf Baawle , en ßnaur auf Hänep , ein Hut 
aus Stroh , ein Mann aus Schnee , ein Seime aus Seebinsen 
(seirpus lacustris), eine Schnur aus Hanf; he kdmt dähl auft 
Hüss , vom Plause herab ; dähl aufe Bäirig , wenn er auf dem- 
selben gewesen ist: dähl äjtt'e Bäirig, den Abhang hinunter, 
dähl fon 'e Bäirig , von dem Berge her, nach einem niedrigem Orte; 
he däi*t auf Föhlhäid , auf fingst, auf Nüjd, auf Zägtsdnnighäid , 
er that es aus Bosheit, Angst» Noth, Leichtsinn; dät ds me aufe 
Tagte kiemen , es ist mir aus den Gedanken gekommen ; auf de 
Säge ds di klauck tö worden , aus der Sache ist nicht klug zu 
werden ; ick wijt H auf Erfäring ; aufe Tijnst gongen , aus dem 
Dienste gehen ; aufe Shew ndmen , vom Tische nemen , abdecken ; 
ttam de Stäujl aufe Shew, nimm den Stuhl vom Tische herun- 
ter : nam 'en fon 'e Shew , wenn er dabei oder daran steht ; he 
wi^l't auf m£wäse, er wollte es von mir wissen; säg en Stock auf 
dät Baurd, säge ein Stück von dem Brette ab :säg en Stock ütt't 



366 

Baurd, säge ein Stück aus demselben; dpauf'e Süss, aus dem 
Brunnen herauf, u. s. w. — Unostandswörtlich: ndm ddn Häujdd auf, 
nimm den Hut ab; dirr wort nint auf, es wird nichts daraus; 
wiest 'r wät auf, weisst du etwas davon? auf an ^, ab und zn; 
sedd hdm auf, sage ihn ab ; tie din Kluhse auf, zieh deine Kleider 
ab. — Auf ist der reine Gegensatz Ton äw (auf), dählauf yon 
dpäw. In Zusammensetzungen , besonders mit Zeitwörtern , ent- 
spricht auf durchgängig dem deutschen aif , als : aufmägen , auf- 
nämen, auftanken , aufdrögen, auffinnen u. s. w. 

§. 343. Vtt und fon (aus upd von) sind mit au/* sinnverwandt, 
als : iUt *t Hüss gongen , aus dem Hause gehen : ütt auf't Hüss tt^ 
en, aus dem Hause wegziehen; ütt't Shdnn gongen, aus der Haut 
fahren: auf't Shdnn gongen, dasselbe, aber in Beziehung auf das 
Verlassen derselben ; auf sin Urde to slitten, und ütt sin Urde ti 
slitten, aus seinen Worten zu schliessen ; ick kam auf'e Wagt^ 
ich komme von der Wache , wenn ich selbst Wache gestanden 
habe: he kdmt fon'e Wägt, er kommt von der Wache her; 
auf*t Shäujl bliwwen , aus der Schule bleiben : ütt 't Shäujl bU»- 
wen , eben so , fon 7 Shäujl bliwwen , nicht in die Nähe dersel- 
ben oder an dieselbe kommen; bliw fon'e ShSw ! bleibe vom 
Tische weg ! bliw aufe Shew, du darfst nicht auf denselben kom- 
men ; Gödd help üss auf jö hirr Nüjdl Gott hilf uns aus dieser 
Noth: Gödd bewär üss faar sön Nüjd , Gott bewahre uns vor 
solcher Noth ; en Stock fon twöntig Elkie , ein Stück von zwanzig 
Ellen: en Stock auf twöntig Ellne, würde heisscn: ein Stück, das 
von zwanzig Ellen abgeschnitten wäre ; he würd shähn auf en 
Sdldaat, er ward von einem Soldaten erschossen; fonjö Tidd auf, 
von der Zeit an ; fon nö auf äujn , von nun an ; fon min sigst 
Ihr auf, von meinem sechsten Jahre ab : fon min segst Ihr äujn , 
von meinem sechsten Jahre an ; auf hdm wort nint, und Ütt hdm 
wort nint , aus ihm wird nichts ; en Bräif auf twäier Doge fon segstäin 
SiddCf ein Brief aus zwei Bogen von sechzehn Seiten; de Minsks 
läwet di älliene auf Brüjd, der Mensch lebt nicht allein von Brote: 
he läwet fon sdn Brauser, er lebt von seinem Bruder; ijn auf 
tuhg! eins von beiden: ijn fon tuhg bldft ijn, eins von zwei bleibt 
eins; wirr bldfst auf? wo bleibst du ab? auf nint kdmt nint, aus 
nichts kommt nichts; ütt auf't Sillshäp gongen, aus der Gesell- 



567 

Schaft treten : fon 'i Selhhdp gongen , davon weggehen ; dät Soqm 
ds auf, die Suppe ist aus oder auf. 

§. 244. Äiijn , inäujn, 

Äujn steht i. da, wo wir im Deutschen in mit dem dritten 
Falle bei Zeit- und Raumverhältnissen gebrauchen , als : äujn 'e 
Slähs bögen , in der Stadt wohnen ; äujn Toffle gongen , in Pan- 
toffeln geben ; Gijl äujn 'e Shrock hewen , Geld in der Tasche ha- 
ben; äujfi en Stünn, in einer Stunde; äujn'e Juli, in den Weih- 
nachten; äujn 'e Paashe, in den Ostern; äujn 'e Pdjngsdege, in 
den Pfingsten ; äujn 'e Tagte hewen ; he het en läiet äujn 't Haad , 
er hat was im Kopfe; äujn Frehse läwen, in Frieden leben; äujn 
'e Gong wesen ; dät Tjauling läit äujn't Shronn, äujn'e Borke, 
äujn 'e Mävjnn , der Enäul liegt in der Itade , in der Beilade , im 
Kasten der Garnwinde. 

2. Steht es für an, als: äujn din Slähs, an deiner Statt; dät 
läit äujn de, es liegt an dir; he läit äujn'e Kölle, äujn'e Mäislinge^ 
OMJn'e Bjärnepöcke, äujn'e Späjnkel, äujn'e Wähsersegt u. s. w. , 
er liegt am Fieber , den Masern , Kinderblattern , dem fleckigen 
FaulHeber, an der Wassersucht danieder; he et hdm satt äujn an 
Bogt , er isst sich satt an einem Gerichte ; Dijl äujn wdt namen , 
Theil an etwas nehmen; Smäge äujn wat finnen, Geschmack an 
etwas finden ; dö bdst Shäjll äujn min Unlöck , du bist schuld an 
meinem Unglücke ; hörr faale höhst äujn Gijl? wie viel hast 
du an Gclde? 

3. Bei Zeitwörtern, die eine Richtung anzeigen, steht äujn, 
inäujn, ütläujn, dähläujn, dpäujn u. s. w. , da, wo wir in mit dem 
vierten Falle gebrauchen, als: ick liew äujn Gödd, ich glaube an 
Gott; he gongt inäujn 'e Sjürk, er geht in die Kirche hinein; trShs 
inäujn'e Dörnsh, tritt in die Stube; huhm äujn't Önldss sluJiggen, 
jemand in 's Angesicht schlagen ; dähläuJ7i'e Tjaaler gongen, hinun- 
ter in den Keller gehen; üttäujn'e Luft gofigen, an oder in die 
freie Luft hinaus; dähläujn'e Slüjtt fällen, in den Graben fallen; 
äujnH Slübb fällen, in den Koth; ick däi't hdm äujn'e Häujnn, ich 
gab 's ihm in die Hand. 

Gemischte Beispiele: äujn'e Kluhse wesen, in den Kleidern sein; 
ätyn 'e Ljägte stäujnnen , im Lichte stehen ; huhm äujn *e Bock tie- 
en, einen am Rocke ziehen; witt äujn'e Hüdd wesen, weiss in der 



368 

Haut sein ; ätyn mm Tidd , m^n üjll Tidde , zu meiner Zeit , in 
alten Zeiten; äujn 'e Junke, im Dunkeln; äujn't Läweni we$m, 
am Leben sein. — Umstandswörtlich : dirr 's nint äu^jn , es ist nichts 
darin; tie de äujn, zieh dich an; wirr läü't ävjnl woran liegt es? 
dät let gäujd äujn , es lässt gut an ; dät gongt nög äujn , das gebt 
wohl an; dirr hähst Rogt äujn^ daran oder darin hast du Recht.— 
In Zusammensetzungen entspricht es dem deutschen an^ als : oq^ 
fangen y äujngongen, äujnstringen ^ äujnsieen, ä4^mjnnen, ä^jnMn' 
gen u. s. w. 

§. 245. UU und auf (aus und ab) sind oft reine Gegensatie 
von äujn , als : huhm äujntieen , sich anziehen : huhm aufUeen , sieh 
abkleiden; inäujn't Hüss an üttauf't Hüss gongen, in 's Haus und 
aus dem Hause gehen. Dagegen sind auf, äw und bat auch bis- 
weilen mit äujn sinnverwandt, als: he het Fräude äujn sin Bjäme, 
die Kinder selbst sind seine Freude: he het Fräude auf sin Bjäm$, 
sie machen ihm Freude; he stürw äujn'e Mäislinge, er starb an den 
Masern : he stürw auf*e Mäislinge , an den Folgen derselben ; he 
et lidm satt äujn an Rogt, an einem Gerichte: auf an Bogt, von 
einem Gerichte ; he fdnnt Smäge äujn 't Tieknen, er findet Geschmack 
am Zeichnen: nö hSt'r Smäge äw man gause Winn fangen y nun 
hat er Geschmack an meinem guten Wein bekommen; he iueh 
me äujn *e Rock und bäi *e Rock , er zog mich am und beim Rocke. 

§. 246. Anföre, änädre, fdre, hefte. 

Anfdre heisst eigentlich vorne, und dnädre hinten, före und beße 
eben so; sie stehen aber auch statt vor und hinler, als: he gongt 
an före me, dö gongst dnädre me, an ick gong twdshejunk, er geht vor 
mir, du gehst hinter mir, und ich gehe zwischen euch beiden ; gong 
dö an före , so wall ick dnädre bliwwe, — Sinnähnlich sind hier : fireto 
und föreäujn , voran; faarütt, voraus; föreütt, vorne aus, voraus ; äwe- 
föregge, wörtlich vorseits , wie in dicsseit und jenseit; äderä/ujn, hin- 
tenan; äderütt, hinienaus; äwäderegge , hinterseits, hinter. Mehrere 
dieser Wörter werden aber nur umstandswörtlich gebraucht. 

§. 247. Auwer , über; dän. und engl, over, nd. öwer. 

Auwer entspricht dem deutschen über mit dem dativ und accus. , 
als: dät Bohr hungt auwer 'e Shew, das Bauer hangt über dem Tische; 
jö Naas sät auwer *e Müss, die Nase sitzt über dem Munde; auwer *t 
Lesen insläipen^ über dem Lesen einschlafen; he sprüng auwer 'e 



369 

Slüjli, er sprang über den Graben; auwer't Hüss smUten, über 's 
Haus werfen; anwerbe Tele straaien, über den Fussboden gehen; 
dä^ gongt auwer man Fwständ; ledd en Taller auwer dät Flash; he 
ds äujn'e Skull dp auwer* t ühre, er ist in Schulden bis über die 
Ohren; dät wegt äi auwer segs Pünn, es wiegt nicht über sechs 
Pfund; dät kostet aawer fiew Mark, aurs dät's ock auwer tien Ellne 
läng , es kostet über fünf Mark , aber es ist auch über zehn Ellen 
lang; ick feil auwer en Stijnn, ich fiel über einen Stein; ick würd 
trong auwer de^ ich ängstigte mich über dich; dirr äs älltidd Hiere 
amoer Hiere , es ist immer Herr über Herr ; Gödd let san Sann dp" 
gonge auwer da Äirige an Gause, an litt r4ne auwer da Bogtßärdige 
mn ilnrögtfjdrdige ^ Gott lasset seine Sonne aufgehen u. s. w.; au- 
wer wdt Sßerlänken, gälten, sörrigen, läken, tjdwweln, über etwas 
nachdenken u. s. w. ; huhm auwer an erbarmen, shaamen, blögen, 
frmeny grämen, sich über einen erbarmen, schämen, entsehen, 
freuen, grämen. Vergl. dm, §.259. 

Umstandswörtlich. De Rinn ds auwer, der Regen ist vorüber; 
dät läpt auwer an auwer, es läuft über und über; dät köget auwer, 
es kocht über; riio't auwer, reiss es über; jö hiel Nagt auwer , die 
ganze Nacht hindurch; dät gongt nög auwer , das geht wohl vorüber; 
he ds auwer äjtt Jdrringe , er ist drüben bei euch , in eurem Hause. 
§.248. Auwer faar, gegenüber; dän. overfor, engl, over against. 
He sdt lick auwer faar me, er sitzt mir gerade gegenüber ishrädd 
auwerfaarme, schräg gegenüber; dät Hüss läü liek auwer faar'e 
ßjürk, das Haus liegt der Kirche gerade gegenüber. 
§. 249. Auwerijn, gegenüber, gegen einander an; engl, over against. 
Da Fijnde stäujnne lick auwerijn enauser, die Feinde stehen ein- 
ander gerade gegenüber, gegen einander; ja feilen auwerijn en- 
auser, sie fielen gegen einander an; he ßll auwerijn* t Uch, er fiel 
gegen die Wand über. 
§. 250. Aane, ohne. 

Aane bezeichnet die Abwesenheit eines Gegenstandes , und, um- 
standswörtlich gebraucht, die Abwesenheit eines Zustandes, oder 
die Unterlassung einer Handlung, als: he kaum aane Häujd, rät 
aane Spare, gongt aane Fairer, ds aane Sörrig, er kam ohne Hut, 
reitet ohne Spornen, geht ohne Führer, ist ohne Sorge; aane Gijl 
lU hdm nint üUrogle, ohne Geld lässt sich nichts ausrichten. — 

47 



570 

Aane tö welen antö $läipen,räisdenwetwäier Dege, ohne auszuruhen 
und zu schlafen, reisten wir zwei Tage; aane me wdt to seddm 
an aane harn dmtösien, gingW fonme^ ohne mir was zu sagen und 
ohne sich umzusehen, ging er von mir. 

§. 23i. 'Awehirrcgge, äwejdnnerSgge , diesseil, jenscil. 
AwehirrSggeH GrSf, diesseit des Grabes; dwc/afiner^r/^e*^ Cr^/", jen- 
sei t des Grabes; äwehirrigge an äwejänneregge de Wäi, diesseit und 
jenseit des Weges , u.8.w. Für äwejänneregge gebraucht man auch das 
kürzere M(;dfi/ß, engl, beyond, \on jänte , jänner , welche beide dort 
bedeuten, als: dät Törp läit bäijdnte de Bäirig, oder äwejdnnerSggt, 
das Dorf liegt jenseit des Berges. — Die übrigen mit Egge 
zusammengesetzten, Raum- und Flächen Verhältnisse bezeichnendoi 
Wörter sind: dwdwerSgge, dwendhserSgge , oberhalb, unterhalb; dip- 
dnnereggey äwütteregge , innerhalb und ausserhalb; äwebdnnerigge, 
äwebütteregge , auf der Binnenseite, binnensei ts und aussenseits; 
äwebaawer^gge , oberhalb; äweläigerSgge ^ unterhalb, niederhalb; d«^ 
fartgge, vorderhalb, vor; äwäderegge, hinterhalb, hinter; ätoenirr- 
Sgge, näherhalb, näher bei; äwefierSgge, fcrnerhalb, ferner von; 
dwästeregge, dwewhterSgge , dwenördSgge^ äwesöhser^gge , an der Ost« 
West- Nord- und Südseite; dwehugeregge , höherseits, heherwärts; 
äwerögtegge, dweleßegge, zur Rechten, zur Linken (Vergl. §.103. 
N. i42). 

§. 252. Baawen, baawne, baawenäw, über, oben; nd. baawe», 
baawen op, engl, above. 

He hH sin Haad baawen* t Wähser, er hat seinen Kopf über dem 
Wasser; baawen' t jilkenierlück ds en Swälkennht, über der E^ 
kerluke ist ein Schwalbennest; jö Naas sdt baawne MüsSy die Nase 
sitzt über dem Munde. — Baawen wird in Verbindung mit to, 
äujn und auwer gebraucht: baawen äw, oben auf; baawen mtjn, 
oben an; baawen auwer, oben über; fon baawne, von oben. Als 
blosse Ortsbezeichnung heisst baawen, baawne, auch boppe, beson- 
ders in Lindholm. Baawne ist der reine Gegensatz von d^, so 
wie dp von dähl. 

Auwer ist mit baawen sinnverwandt, nur mit dem unterschie- 
de, dass baawen bloss einen höheren Ort bezeichnet, ohne das 
Wechsel verhältniss zwischen auwer und unner anzudeuten, z. B. 
he sdt baawne me, er nimmt einen höheren Platz ein, als ich 



371 

avwer me, kann auch heissen, er sitzt so über mir^ dass ich den 
Kopf unter seinen Füssen habe; ik hähw nö all trie Nagte auufer 
de Kränke sahn, ich habe nun schon drei Nächte über den Kran- 
ken gesessen. — Daher ist auch der Sinn in folgenden Sätzen 
nicht ganz derselbe, als: jö Naas sdt baawne de Müss und jö sät 
auwer'e Müss; he hälft Haad baawen*t Wähser und auwer'tWähser, 
Derselbe Unterschied findet im Niederdeutschen zwischen baawen 
(baaben) und öwer statt. He ds baawne, er ist oben; de Ihne ds 
baawen äw, an de Äusere dele unner , der Eine ist oben drauf, der 
Andere unten. — Dät Lick ds noch baawen't Gref^ die Leiche ist 
noch über dem Grabe, oberhalb des Grabes; hier würde auwer 
ganz unrichtig stehen, und einen verkehrten Sinn geben» 

§. 255. Bai, bei, an. 

Bai gieht i. die Nähe eines Gegenstandes in Beziehung auf 
einen andern an, als: he stönt bat me, er steht bei mir; de 
Prms rat bäi'e Kinning, der Prinz reitet bei dem Könige; dät 
Suijärd hungt bäi'e Sidd; jösdt bäi'e Bohr; he ds bäi't jirbed, bei 
<ler Arbeit; he gongt bäi'e Krdcke, er geht auf Krücken; bäi'n 
Stock, an einem Stocke; he stönt bäi't Rauser, ersteht am Ruder; 
Gddd ds bäi de, Gott ist bei dir; de Buhmm stönt bäi'e Tünn, der 
Baum steht am Garten; bäi'e Kriemmer sdn Wäre, bei dem Krä- 
mer sind Waaren; he gongt bäi Bai an Nagt, er geht bei Tag und 
Nacht; bäi Ljägt, bei Lichte (lesen z. B.); huhm bäi huhm beton- 
ken, sich bei jemand bedanken; wdt bäi'e Häujnn hewen, etwas 
bei der Hand oder zur Hand haben; huhm bäi'e Häujnn nämen, 
jemand bei der Hand fassen; bäi üss ds dät äi Mäude, bei uns 
ist das nicht Mode. » Trav^ stäujnne jdt me bäi, bäi *e Shew an bäi'e 
Bräi," treu stehet ihr mir bei, bei dem Tisch und bei dem Brei. 
He bldft äi bäi'e Säge, er bleibt nicht bei der Sache; bäi ga/uhs 
Sünnhäid, bäi Forständ, bäi Giß wesen, bei guter Gesundheit, bei 
Yerstande, bei Gelde sein; bäi Göddl bei Gott! bäi min Siel an 
Saalighaid! bei meiner Seele und Seligkeit! bäi'e Türke ds dät 
Brück (Sitte); he böget bäi'e Wößl, bäi't Hölting, bäi'e Slräujnn, 
er wohnt am Weiher, am Gehölze, am Strande. 

% Uneigentlich, als: bäi socken Krönkhäid ds nint ütttörögten, 
bei einer solchen Krankheit ist nichts auszurichten; bäi't Lesen 
gälld's, beim Lesen weinte sie; jö gälld bäi't Lesen, sie weinte 

47» 



372 

beim Lesen; bäi'i Stellen kcurU nint ütt, beim Stehlen kommt 
nichts heraus ; bäi unk Frünnshdp beswär ick de ^ bei unserer Freond- 
jebaft beschwöre ich dich; dät ds bat Strafe farbäfm, es ist bei 
Strafe yerboten. 

3. Gemischte, zum Theil abweichende Beispiele, als: huhmbäit 
ürd mmeuj hajllen^ jemand beim Worte nehmen, halten; lie kiä 
hdm bäi't Bäier; huhm bäi't Vhre ßhggen, jemand bei den Obrea 
kriegen; bäi en Präck dräwen, bei einem Haar treffep; nö d$'r 
bäi't Ijnne, nun ist er beim Ende {to't Ijnne, zu Ende). Aber der 
Ausdruck: dät's bäi't Jjnne, heisst: es ist vorbei, es ist aus da- 
mit, als: däi is bäi't Ijnne md hdm, es ist aus, vorbei mit ihn. 
He böget bäi*e Prestery kann heissen: in dessen Hause oder ne- 
ben an; he böget bdi'e Presters {Hüss), in der Nähe des Predi- 
gers; he böget äjtt Presters, in dessen Hause. — Vttbdi heisst der 
Länge naeh an einem Gegenstande hin, längs, als: tUtbü't Törp, . 
längs dem Dorfe; üttbäi't Rd käiren, längs der Reihe fahren, 
beim Einfahren des Getreides; bat Wäilöng Iddden bHmweUj sm 
Wege liegen bleiben. Hänebäi, gegen, hdne^, gegen, als: dirr 
ujjdrn hänebdi en twentig Mdnshene, es waren gegen zwanng 
Menschen da; hdneijn't ^nne^ gegen den Abend. Sinnverwandte 
Ausdrücke sind : bäi 7 Ijnne , äujn *t Jjnne , äjtt 't Ijnne , to't fjnne. — 
Ambäi i. vorbei, 2. umher; faarbäi, vorbei; büttebäi, aussen vcur; 
delebdi u. s. w. 

§. 254. Banne, binnen, innerhalb, inner. 

Banne Döhr wesen, inner der Tbür sein, d. i. im Hause; bd/mn 
en Ihr, binnen einem Jahre, oder innerhalb eines Jahres; banne 
AagedSge, binnen acht Tagen; bdnne Ihr an Däi, binnen Jahr 
und Tag, binnen Jahresfrist; dö shäht me äi mar banne Dökr 
käme, du sollst mir nicht mehr inner der Tbür, über die Schwelle, 
kommen. — Bütte an bdnne blank, aussen und innen blank; bdnne- 
faar, binnenvor, innen vor; bdnneäujn, nd. binnenin; bdnnetOrVii» 
l»nnento; fan'e bdnnene, nd. van binnen; unnerbdnne md kirnen^ 
hinter etwas kommen. 

§• 255. Der (döhr), durch, hindureh; nd. dör, engL throngk. 

i. Eigentlich, als: dör't Kauren, dör't Säujnn, dor't Slubb, 
dor'e Snie gongen, durch das Getreide, den Sand, den Koth» deo 
Schnee gehen; dör't Ijll, dör'e Stähs, dör'e Kuck tieen, durch 's 



375 

Feuer, durch die Sudt, den Koog ziehen; dör't Wdnning , dör'e 
Fßjngre laucken, durch's Fenster, durch die Finger sehen, u.s.w. 

% Uneigentlich, ein selbstwirkendes Mittel oder eine Einwir- 
kung andeutend, als: kk Ut't dör man Brauser besärrige^ ich Hess 
es durch meinen Bruder besorgen; dät shäid dör en Unlock , es 
geschah durch ein Unglück; dör Ünfaarsdgtighäid, durch Unvor- 
sichtigkeit; dör sin GröUhdrtighäid an sin Huchmdujdd dsW dm sin 
Frünne klemmen, durch seinen Stolz und seinen Hochmuth ist er 
um seine Freunde gekommen; dör Middle kaast de noch käme, 
durch Mittel kannst du dich noch erholen; dör Händel, vnlrden's 
rick, durch Handel wurden sie reich. — Umstandswörtlich: gong 
dör! geh weg! scher dich fort; (^ Träjdd gongt äi dör, der Faden 
geht nicht durch ; ick kön äi dör käme; huhm dörkringen, sich durch- 
drängen; dördringen^ durchdringen, hi drängt dör oder drajngt dör. 

Sinnverwandt sind hier bisweilen auf, fon und md, als: hewürd 
händigt dör'e Shdrprogter md*i Swjärd, er wurde durch den 
Scharfrichter mit dem Schwerte enthauptet ; he würd haadigt auf*e 
Shdrprogter y vom Scharfrichter. Dör'e Winn het de MSller sin ricke 
Dege, aufe Winn werde da Ruwe dräwen, an dirrfaar säü'm, dät 
de Melier fon'e Winn läwet, durch den Wind hat der Müller seinen 
Reichthum, von dem Winde werden die Flügel getrieben, und 
daher sagt man, dass der Müller vom Winde lebe. Jö Kaar würd 
shäwen auf en Slaawe md da Häujnne formiddelst't Fijl, der Kar- 
ren wurde von einem Sklaven mit den Händen und vermittelst 
des Rades geschoben. 
- §. 256. Delebäit dählbäi, deledm, dähldm, delefaar, dählfaar. 

Delebäi'e Wäi, unten am Wege, unterwegs, untenwegs, nieder* 
wegs, als Gegensatz von o&erwegs, baawenwäis, wovon der reine 
Gegensatz wieder dSlewäis heisst. Yergl. §. 227. N. 54. Delebäi'e 
Dick käiren, unten am Deiche fahren; dählbäi' e Dick käiren^ vom 
Kamm des Deiches das sogenannte uihk hinunter fahren; dSledm, 
unten um; dMeam harr Köwet äs en brijdden Stijtty unten um 
ihren Rock ist ein breiter Stoss, Besatz, Borte aus breitem Bande; 
dähldm, herabhangend, als: da Köwle honge har, an'e BogsUnge 
kam dähldm y die Röcke hangen ihr und die Hosen ihm herunter; 
glidde dähldm, gleiten herab; delefaar ^ am untern Ende eines 
Ackers dem Dorfe zunächst; dpfaar, nach dem obern Ende zu 



374 

oder an demselben; üttfaar, vom Dorfe ab, in die Fennen hinaus; 
dählfaar gongen, dem untern Ackerende zu. 

§.257. Jffter, dän. eßer^ engl, after^ 

i. £fter bezeichnet das spätere Dasein oder Wirken eines Ge- 
genstandes in Beziehung auf einen andern, und ist der Gegen- 
satz von faar, vor, als: he kamt efter me, er kommt nach mir, 
ist doppelsinnig, je nachdem es betont wird, und kann heissen: 
er kommt später als ich, oder, wenn der Ton auf e/Ker ruht, er 
setzt mir nach, um mich zu greifen; Sfter'e Sändäi ßUigt'e Mam- 
däi, nach dem Sonntage folgt der Montag; hestürweßersmWüff» 
er starb nach seiner Frau; efter huhm snäken, gongen ^ präjteu, 
nach einem sprechen, gehen, predigen, d. i. nachahmen; efter'e 
Captain ßlligt'e Lieutnant; Sfter jöTidddäi'r nint^ nach der Zeit 
that er nichts; ifter Mddsdmmer , nach Johannis; Sfter'e JüU, nach 
Weihnachten; Sfter dät hvrre Läwent ßlligt en auser, nach diesem 
Leben folgt ein anderes ; Sfter hunnert Ihr sdn da mäste nö Li- 
wende dvjdd. Umstandswörllich: dö kamst ja wöjl Sfter? du kommst 
ja wohl nach? hirrSfter , dirrSfter, wirre fter. 

2. Deutet ^fter die Richtung eines Gegenstandes auf etwas an, 
als: ick rogt me Sfter de, ich richte mich nach dir; huhm Sfter* e 
Kldck ragten; jö Blöhm dräit hdr Sfter' e Sann, die Blume dreht 
sich nach der Sonne; ja ddnse Sfter'e Gichel^ sie tanzen nach der 
Geige; he gongt Sfter Brüjdd, er geht nach Brot; he sjöngt Sfter 
Näujtte^ er singt nach Noten; Sfter min Miening, nach meiner 
Meinung; Sfter sdn Räjdd, efter harren Wdnsh, nach seinem 
Rathe, ihrem Wunsche; Sfter Göds Walle, nach dem Willen Got- 
tes; Sfter'e Maude, nach der Mode; Sfter sin Ihringe ds'r mänldjU, 
nach seinen Jahren ist er nur klein; Sfter huhm lingen, sich nach 
jemand sehnen; Sfter wdt lingen, auch nach etwas reichen, lan- 
gen; he klammert efter en Fögelnest, er klettert nach einem Vo- 
gelneste; wdt frag ick efter de? was frag ich nach dir? ick fräg'r 
nint Sfter, ich frage nichts darnach; Sfter 't Swjärd grippen; he 
shüjtt Sfter en Rauck, er schoss nach einem Raben; jö slaueh Sfter 
me, sie schlug^nach mir; dät kämt nög Sfter'e Bäujnn, das kommt 
schon nach der Hand, nach und nach; Sfter't Amstdnde, den 
Umständen nach; jö het't Sftei*'e Alöddcr, sie leidet an Mutterbe- 
schwerden, hat hysterische Zufalle. 



375 

A'm, um« ist hier oft synonym: dm wät säjcken und Sßer wdt 
säjcken, um und nach etwas suchen; dm und efter wdt fragen^ 
um und nach etwas fragen ; he gongt dm Wähser und efter Wähser, 
er geht um Wasser (zu holen) und nach Wasser; he shrdft efter 
en Batick, er schreibt nach einem Buche, nämlich ah: he shrdft 
dm en Bauck, er schreibt darnach, um es zu bekommen. 

§.258. Faar, vor und für; dän. und engl, for, nd. vor, 

a). d. Steht faar bei Raum- und Zeitverhältnissen, als: he 
stänt faar me, er steht vor mir; dd Buhmme stäujnne faar't Hüss, 
die Bäume stehen vor dem Hause; binn hdm wdt faar't Ugene, 
binde ihm etwas vor die Augen; dirr*s nijn Bohr faar'e Kämmer ^ 
es ist keine Thür vor der Kammer; nijn Slot faar*t Gijlshrön^ 
kein Schloss vor der Geldlade. — Faar tuhg Ihr, vor zwei Jah- 
ren; faar min Tidd, vor meiner Zeit; shöw jö Shaahs faar'e 
Döhr, schiebe den Riegel vor die Thür; ick liew hdm faar haawen 
Ausern, ich glaube ihm vor irgend einem andern. 

2, Eine Ursache, ein Hinderniss, einen Zwang andeutend, als: 
ick kon di faurt faar jdm käme , ich kann vor euch nicht durch- 
kommen; he flügtet faar'e Fijnde, er floh vor den Feinden; jö ds 
trong faar'e Büss, ihr ist bang vor dem Tode; hejülltfaarWärk, 
er wimmert vor Schmerz ; jö köhs faar Jlngst di snäke , sie konnte 
vor Angst nicht sprechen; faar bär Träwelhäid kon'r di üttkdme, 
vor lauter Geschäftigkeit kann er nicht auskommen; faar Frdude 
gälten^ vor Freude weinen; he wijt hdm faar fingst di tö läjtten^ 
er weiss sich vor Angst nicht, zu lassen. 

b). Steht es i. wenn es für vertritt, da, wo angezeigt werden 
soll, dass zum Besten oder zum Schaden und Nachtheil etwas 
für einen Gegenstand geschehe; als: dät's gäujd faar de, das ist 
gut für dich; dät's en Middel faar'e Kolle , das ist ein Mittel für 's 
Fieber; jö ds en Münster faar Atisere, sie ist ein Muster für An- 
dere; ick bdn Faarmünner faar sin Bjdrne, ich bin Vormund für 
seine Kinder; dät sömet hdm di faar de, das ziemt sich nicht für 
dich, es ziemt dir nicht; gong dirr hdne faar me, gehe für mich 
dahin; he dH faale faar me, er thut viel für mich; he slürw faar't 
Fidderläujnn ; ick ging dör't Ijll faar hdm, ich ginge durch's Feuer 
für ihn ; he sörrigt faar sin Bjdrne , er sorgt für seine Kinder ; aber 
he sörrigt auwer sin Bjdrne, er trauert über seine Kinder; he 



576 

sörrigt dm sin Bjäme, um seine Kinder. Gödd sörrigi paar drken; 
Gott sorgt für jeden; ick bdn faar me silleWy ich bin für mich 
ßllein, habe keinen Haushalt; he as faar'e Krich^ aurs ick bdn 
faar'e FrSse, er ist für den Krieg, aber ich bin für den Frieden; 
$näk dö f(mr hdm, sprich du für ihn, ist doppelsinnig, wie im 
Deutschen. 

2. Steht faar bei Erstattungen, Ausgleichungen, Sicberstellunf 
gen u. s. w., als: faar en Gaawe tönken, für eine Gabe danken; 
ick wall de faar ddn Mäuie betäle, ich will dir für deine Mühe 
bezahlen; faar Giß hupen , für Geld kaufen ; faar huhm instäujnnen, 
für jemand einstehen, bürgen; an faar alle, an alle faar änMmm, 
einer für alle, und alle für einen Mann stehen. 

5. Zweckanzeigend, als: en Bauck faar Bjärtie, ein Buch for 
Kinder; J^llinge faar'e hiele Wonter, Feuerung für den ganzen 
Winter; Faarräjd faar Aagedege, Yorrath für acht Tage. 

4. Beim Dafürhalten und Ausgeben für, als: he hält hdm Sil" 
lew faar en grollen Mann, er hält sich selbst für einen grossen 
Mann; ick hüll hdm faar en A'mluper, ich hielt ihn für einen 
Reffträger oder Tabulettenkrämer; he jSß hdm ÜU faar en DoäoTj 
er giebt sich für einen Arzt aus; ick nümpi dät Stock Giß faar en 
Daaler, ich nahm das Stück Geld für einen Thaler an; he erkännd 
hdm faar sdn Sahn , er erkannte ihn für seinen Sohn ; hukm faar en 
Shdlm, enBedreger,en Thiefy en Äsel üttskillen, jemand für einen 
Schelm, einen Betrüger, einen Dieb, einen Esel ausschelCen. 

5. Für wegen, als: faar me mähst* t hüll düjn^ meinetwegen 
darfst du es gern thun; ick ägt hdm faar sin Gaushäid, ich 
schätze ihn seiner Güte wegen; faar din Shdßl wdll ick't d^jn, 
deinetwegen will ich 's thun. 

Gemischte Beispiele: Faar'e Uüss ds nijn Krüdd wügsen^ für den 
Tod ist kein Kraut gewachsen; he drdß faar'e Winn, er treibi 
vor dem Winde; he km hdm di hüßle faar Laken , faar GäUm, 
er kann sich des Lachens, des Weinens nicht enthalten; wit 
faar'e Täis hewen , etwas für die Zähne haben , z. B. einen guten 
Schinken. — Umstandswörtlich: Ick bdn'r faar, he ds'r ijn, idi 
bin dafür, er ist dagegen; wdt hähst faarF was hast du vor? imiI 
dähst me[dirrfaarF was giebst du mir dafür? dirr kSn ick ntnl 
faar, ich kann nichts dafür; wdt faar en Mann, wdt faar en jPS* 



377 

gel ds dat? was für ein Mann, was für ein Vogel ist das? jo hit 
en Short faar^ sie hat eine Schürze vor, u. s. w. 

Snnverwandt sind hier bisweilen dm und auf, als: faar Gijl 
shriwwen, für Geld schreiben; he shräß dm't Ihre, er schreibt um 
die Ehre, d. i. der Ehre wegen, um sie zu erlangen; dm Gijl 
shriwwen y um oder nach Gelde schreiben; faar StoUhäid und auf 
bär Grotshhäid niemmen kännen, vor Stolz und aus Stolz niemand 
kennen; faar Liewde und auf Liewde bUnn wSsen, vor und aus 
Liebe blind sein. 

Steht faar zweckanzeigend, so stimmt es nicht immer mit für 
überein, als: en Bauch faar Bjäme, ein Buch für Kinder geschrie- 
ben; aber: ich habe ein Buch für dich gekauft, das du haben 
sollst, heisst: ick hähw en Bauck to de käft; — hirr sdn haaw Fögle 
to (fe, hier sind einige Vögel für dich (zu dir); dirr's en Bock tö 
mCy da ist ein Rock für mich; war dät tö mjäme, hebe das für 
morgen auf; ick hähw Stjütte to jdm käft, ich habe Semmel für 
euch gekauft; ick hähw wdt tö de; nd. ebenso. 

Wenn faar die Bedeutung von vor hat, so wird es gedehnter 
ausgesprochen und stärker betont, als wenn es anstatt für steht, 
z. B. dö stönst ja faar me, du stehst ja vor mir; do stdnstjd faar 
me, du stehst ja für mich, an meiner Statt. 

§.259. Foraane, ohne, ausser; dän. foruden. 

Ick Word nög klär foraane de, ich werde schon ohne dich fertig; 
foraane hdm kön*r*t niemmen möge. — He rdlt foraane Spare, er 
reitet ohne Spornen (die er wohl bedürfte, oder sonst zu gebrau- 
chen pflegt]; he rdtt aane Spore ^ er reitet ohne Spornen anzu- 
haben. Foraane wSsen heisst wörtlich: entohnigt sein, aber der Sinn 
ist: entbehren, als: ick mäujtt so faale foraane wese, ich muss so 
vieles entbehren; Gijl k5n*m ai foraane wese, des Geldes kann man 
nicht bar sein. 

Foraane hdm was niemmen tö Stehse, ausser ihm war niemand zu- 
gegen ; foraane en Bauck däi 'r me ock noch en smuck Bill , ausser u.s.w. 

§.260. Fon, von. 

Fon bezeichnet die Entfernung eines Gegenstandes von einem 
andern, und ist dann das Gegentheil von bäi, als: da Staurke 
tiee wach fon üsSy die Störche ziehen von uns weg; ick kdm fon 
Jdrringe, ich komme von euerm Hause; he gongt fon me, er geht 

48 



378 

von mir; fon ifjämem t6*t J^nem, von Morgen bis an den Abend; 
we käme fon*t Unneme^ wir kommen vom Hittagessen; fon'i 
Hühs, vom Hause, von der Heimath ;/on'f Fdshen, fon't Dicken, 
fim't Märked, vom Fischen, vom Deichen, vom Markte; fon'e 
Stähs, von der Stadt; sin Häujnn fon huhm auftieen, seine Hand 
von einem abziehen; fon'e Säge aufgongen y von der Sache abge- 
hen; he gongt fon't Stock, von Sinnen; fon Fot^ständ, von Ve^ 
Stande; fon üjll Tidde, von alten Zciiten; fon't aigst Ihr auf, vom 
sechsten Jahre an; fon forgingen Ihr^ vom vorigen Jahre. 

Fon und auf müssen hier wieder in Beziehung gebracht w^ 
den. Auf ist nämlich der reine Gegensatz von dem deutsche 
aufy und würde am besten durch ab, im Sinne dieses Yerhälfc- 
niss wertes, bezeichnet werden, als: ick kam fon*t Märked^ vom 
Markte her: ick kam auf't Märked, komme ab dem Markte, wo 
ich als Krämer gestanden habe; ndm deEäujddauf't Haad, nimm 
den Hut ab dem Kopfe; aber: de Rinn dröppet fon'e Hmjdd, der 
Regen tröpfelt vom Hute; gong fon'e Hajnst, geh von dem Pferde 
weg: stäujnn auf'e Hdjnst, steige ab dem Pferde; dät Shümm 
hängt de Häjnst bäi'e Töle, anfällt ham fon'e Töle, aursde Rätter 
fällt auf'e Hdjnst, der Schaum hangt dem Pferde am Maule, und 
fällt ihm vom Maule, aber der Reiter fallt ab dem Pferde; blw 
fon'e Wäien, komme nicht an den Wagen; aber: bliw OMf'e 
Wäien, besteige ihn nicht; huhm ndmt aufe Shiw, wdt'r äw 
läit, fon'e Shew, wät'r bäi stönt, man nimmt ab dem Tische, 
was darauf liegt, von dem Tische, was daran steht. — Wemi 
fon bloss auf die Entfernung eines Gegenstandes von einem an- 
dern geht, so bezieht auf sich allein auf das Verlassen des ge- 
genwärtigen, obem Standpunktes, als: de Matrose feil dähl fon'e 
Mästkaurew, der Matrose fiel vom Mastkorbe herab: he feil d^l 
auf*e Mästkaurew, er fiel ab demselben; de Blieteker feil dähl 
fon'e Thürn und dähl auf'e Thürn, der Bleidecker fiel von dem 
Thurme und ab dem Thurme; he feil dähl auf't Hüss, ab dem 
Hause: he kaum dähl fon't Hüss, er stand am Hause, oder kam 
aus dem Hause und ging nach einem niedrigem Standpunkte, 
z. B. den Warf hinunter; de Snöte hängt ham dähl fon'e Naas, 
der Rotz hangt ihm von der Nase hinunter; dröhg dät Bläujdd 
aufe Naas, wische das Blut von der Nase ab; dät was äi aufe 



379 

Wäi, das wäre nicht aus dem Wege; ÜU ai^e Nuß kämen; fon 
Fierense, von ferne; fon und attf'i Shäuill kämen, von und aus 
der Schule kommen. 

Bei Bestandtheiien von Dingen steht allemal auf, wenn man sie 
als solche betrachtet, z. B. jö Burst auf't Laumm, oder en Burst 
auf en Laumm, die Brust ab dem Lamme, oder eine Brust ab 
einem Lamme; en Fähser auf en Kräjdder, en Shänn auf en Si72- 
hünn, en Wing auf en Swuhn, eine Feder ab einem Hahne, ein 
Fell ab einem Seehunde, ein Flügel ab einem Schwane. Im Dä- 
nischen und Englischen ebenso, als: Brystet af Lammet, oder et 
Bryst afet Lam, the breast ofthe lamb, oder a breast of a lamb, --* 
In der Bedeutung von aus, wenn ein Gegenstand in einen andern 
umgebildet wird, steht gleichfalls auf, als; en Shew auf Holt, 
ein Tisch aus Holze; jö mäget en Häujdd auf Sträi, sie macht 
einen Hut aus Stroh; en Swöhw auf Jückere, eine Peitsche aus 
Weidenruthen; en Bohr auf Wirr, ein Bauer aus Eisendraht; auf 
hdm wort nint, aus ihm wird nichts; wdt wall'r doch auf worde? 
was wird doch daraus werden? 

Bei Herstammungen steht fon, als: kk ban fon Bihssem, ich bin 
von oder aus Riesum; he ds fon Aadel, er ist von Adel; jö ds fon 
Hälligläi^n, sie ist von Helgoland u. s. w. — Ferner: alle gaufise 
Gaawe käme fon Gödd, alle gute Gaben kommen von Gott; en 
Bräif fon AUona, fon Berlin u. s. w. — Ue Bäger hdhw ick noch 
fon man jiUhate fangen, den Becher habe ich^och von meinem 
Grossvater bekommen, wenn er ihn mir nämlich geschickt hat; 
ick hdhw en auf hdm fangen , wenn er ihn mir selbst gegeben hat. 

In folgenden Fällen steht /on, als: fon Idjtt dp, von klein auf; 
fon Bjärns Biene, von Kindesbeinen an; fon Bogts wägen, von 
Rechts wegen; fon ungefähr; ick bdn fon drkenforlet, ich bin 
von jedem verlassen ;./on huhm kön*m dät sedde? von wem kann 
man das sagen? en Mann fon hunnei*tdu>send Daalere, ein Mann 
Ton hunderttausend Thalern; he ds man klien fon Knaake, er ist 
nur klein von Knochen (dünn); dät ds*t Ijnne fon't Stock, das ist 
das Ende vom Liede; en Gong fon en Stünn; enWäifontienMele, 
ein Weg von zehn Meilen; en jfller fon hunnert Ihr, lein Alter 
von hundert Jahren; mär fon Wägt, schwer von Gewicht; he ds 
lagt f(m Begripp, leicht von Begriff; fon't Bodden lawen, vom 

48*^ 



380 

Betteln leben; he wijt fon alles ma46mäken, er weiss von allem 
mitzusprechen ; he tjärtfon sin Giß, er zehrt von seinem Gelde , u.8.w. 

Umstandswörtlieh steht at^f, als: dirr wijt ick nintauf, davon 
weiss ich nichts; dirr wort nint aufy es wird nichts daraus. 

§.261. Am und outrer sind mit fm sinnverwandt, als: ki 
snäket dm drken, er spricht von jedem, über jeden; he hält hm 
auwer drken dp, er hält sich über jeden auf; en Tähl dm Rübe» 
zahl, ein Mährchen von Rübezahl (handelnd); en Song am huhm 
mögen, ein Lied auf oder über jemand machen; de Sang äm'i 
Klöck at{f Schiller, das Lied von der Glocke von Schiller; wdt 
snäke dm'e Erich, wir sprechen vom Kriege; he km dm alles mir 
snäke, er kann über alles mitsprechen; he wijt wdt dm drken, er 
weiss an jedem etwas auszusetzen ; he wijt wdt fon drken i6 fW' 
teilen, er weiss von jedermann etwas zu erzählen; aw äUeskän'r 
en Song mäge, auf alles kann er ein Lied machen; hähst'r wdi 
fon hierd? hähst'r wdt dm hierd? hähst'r wdt auwer hierdF hast 
du etwas davon, darum, und darüber gehört? 

§.262. Faarbäi, vorbei, vorüber. 

He ging me faarbäi, he kaum me faarbäi, er ging, er kam mir 
vorbei; he ging faarbäi me; he ging min Hüss faarbäi y er ging 
mein Haus vorbei ; he ging faarbäi min Hüss , an meinem Hause 
vorbei; he kaum hirr faarbäi, er kam hier vorbei; jö Fläg is 
faarbäi i der Schauer ist vorüber. 

§.263. Ijn, gegen, wider. 

Ijn, als gegen, bezeichnet den Gegenstand der Richtung, alstt^Mfer, 
zugleich das Ankämpfen gegen denselben , als : ijn'e Winn gongen, 
gegen den Wind gehen; ijn'e Struhmm swummen, gegen oder wi- 
der den Strom schwimmen; ijn*e Wjärd snäken, wider die Wahr- 
heit reden; wdt ijn't Ijägt hüjllen, etwas gegen das Licht halten; 
ijn'e Sann laucken, gegen die Sonne sehen; hähst wdt ijn ham? 
hast du etwas gegen ihn? hörr bdst sdns ijn hdr? wie bist du 
gegen sie gesinnt? he bewihsst Liewde ijn sin jillerne, er beweist 
Liebe gegen seine Eltern; ijn sin Bjärne, gegen seine Kinder; 
ijn drken, gegen jeden. Bisweilen zeigt es eine Abneigung oder 
Missbilligung an, als: he äs ijn'e Erich, ijn'e Dans, ijn't I^aagen^ 
er ist gegen den Krieg, den Tanz, das Lügen. 

Wo zwei Gegenstände einander mit den zugekehrten Flächen 



381 

berühren, bekommt es dp vor sich, als: he hüll dät Stil dp^'t 
Wdnning, er hielt das Bild gegen das Fenster an; smitt de Slijn 
dpijn't Uch, wirf den Stein hin an die Wand; he hüll iuhg Pläte 
dpijn enauser, er hielt zwei Platten gegen einander an; sei da 
Laie dpijn' t Hüss, setze die Latten gegen das Haus an; he gongt 
Hek dpijn' e Wjärd, er geht gerade wider die Wahrheit an; he 
flug lick dpijn me, er flog gerade gegen mich an. 

Gegensätze bilden hier faar und md , für und mit , als : md de 
Winn sillefiy fam'e Winn diiwwen^ an ijn'e Winn sägein, mit und 
vor dem Winde treiben, und gegen den Wind segeln; de dirr di 
ma me ds, he ds ijn me, wer nicht mit mir ist, der ist wider 
mich; huhm di faar me ds, he ds ijn me, wer nicht für mich ist, 
der ist wider mich. 
§.264. Hdnijn, gegen. ,<— 

Wird meistens von der Zeit gebraucht, und zeigt eine Annähe- 

4 

rung an, als: hänijn Enne, gegen den Abend; hdnijn*e Mdddäi, 
gegen den Mittag; dät ds nö hänijn hunnert Ihr, es ist nun gegen 
hundert Jahre her; hdnijn Däi, gegen Tagesanbruch. So auch: 
dät kostet hdnijn twontig Daalere; dät ds hänijn't Jjnne auft Tärp^ 
es ist gegen das Ende des Dorfes zu. 

§.265. Avjntijn, äujntmä/ujt, entgegen. 

iitijn/^n heisst entgegen, zuwider, dän. imod, und bezeichnet, 
als entgegen, nur die Bewegung zweier Gegenstände, die in ge* 
rader Richtung auf einander zu kommen; äujntmäujt enthält zu- 
gleich den Begriff des Begegnens, dän. imöde, nd. in e Möt. — De 
Winn ds üss ät^ntijn, der Wind ist uns entgegen; huhm äujnt^ 
mä^tjt gongen, einem entgegen gehen; äujntmä/ujt kämen, entgegen 
kommen; he ds me äujntijn, er ist mir entgegen, sucht mein Vor- 
haben zu hintertreiben; aber: he ds me towddderne, er ist mir 
zuwider, ich kann ihn nicht ausstehen >). 

§. 266. Längs, äujntlängs, längs, entlang; dän. längs, engl, along. 



<) Towddderne wird nur da gebraucht, wo widerliche Eindrücke 
auf das Gefühl und die Sinne Statt finden, als: de ßrännwinn, jö 
Jitedicin, dät Kätleläujdden ds me towddderne, der Branntwein, die 
Arznei, das Katzengeschrei ist mir zuwider; daher de Wdhser- 
wdlkf der Widerwille. 



380 

Betteln leben; he wijt fon alles mdtomäkenf er weiss von allem 
mitzusprechen ; he tjärtfon sin Giß, er zehrt von seinem Gelde , u.8.w. 

Umstandswörtlieh steht attf, als: dirr wijt ick nitUauf, davon 
weiss ich nichts; dirr wert nint aufy es wird nichts daraus. 

§.261. Am und auwer sind mit fm sinnverwandt, als: he 
snäket dm drken, er spricht von jedem, über jeden; he häü hdm 
auwer drken dp, er hält sich über jeden auf; en Tähl dm Rübs' 
zahl, ein Mährchen von Rübezahl (handelnd); en Sang dm huhm 
mögen, ein Lied auf oder über jemand machen; de Sang äm'i 
Kldck aitf Schiller, das Lied von der Glocke von Schiller; wA 
snäke dm'e Erich, wir sprechen vom Kriege; he kän dm alles mir 
snäke, er kann über alles mitsprechen; he wijt wdt dm drken, er 
weiss an jedem etwas auszusetzen ; he wijt wdt fon drken to for- 
teilen, er weiss von jedermann etwas zu erzählen; aw äUeskan'r 
en Song mäge, auf alles kann er ein Lied machen; hähst'r wdi 
fon hierdF hähst'r wdt dm hierd? hdhst'r wdt auwer hierd? hast 
du etwas davon, darum, und darüber gehört? 

§.262. Faarbäi, vorbei, vorüber. 

He ging me faarbdi, he kaum mefaarbdi, er ging, er kam mir 
vorbei; he ging faarbäi me; he ging min Hüss faarbäi, er ging 
mein Haus vorbei ; he ging faarbäi min Hüss , an meinem Hause 
vorbei; he kaum hirr faarbäi, er kam hier vorbei; jö Flog ds 
faarbäi f der Schauer ist vorüber. 

§.265. Ijn, gegen, wider. 

]jn, als gegen, bezeichnet den Gegenstand der Richtung, ah wider, 
zugleich das Ankämpfen gegen denselben, als: ijn'e Winn gongen, 
gegen den Wind gehen; ijn*e Struhmm swummen, gegen oder wi- 
der den Strom schwimmen; ijn*e Wjärd snäken, wider die Wahr- 
heit reden; wdt ijn't Ißgt hüjllen, etwas gegen das Licht halten; 
ijn'e Sann laucken, gegen die Sonne sehen; hähst wdt ijn kam? 
hast du etwas gegen ihn? hörr bdsl sdns ijn hdrF wie bist du 
gegen sie gesinnt? he bewihsst Liewde ijn sin jfllerne, er beweist 
Liebe gegen seine Eltern; ijn sin Bjärne, gegen seine Kinder; 
ijn drken, gegen jeden. Bisweilen zeigt es eine Abneigung oder 
Missbilligung an, als: he ds ijn*e Erich, ijn'e Dons, ijn't I^aagen, 
er ist gegen den Krieg, den Tanz, das Lügen. 

Wo zwei Gegenstände einander mit den zugekehrten Flächen 



381 

berühren, bekommt es dp Yor sich, als: he hüll dät Stil ip^*t 
Wdnning, er hielt das Bild gegen das Fenster an; smitt de Slijn 
dpyn't Uch, wirf den Stein hin an die Wand; he hüll iuhg Pläte 
dpijn enauser, er hielt zwei Platten gegen einander an; sei da 
Laie dpijn't Hüss, setze die Latten gegen das Haus an; he gongt 
tick dpijn' e Wjärd, er geht gerade wider die Wahrheit an; he 
fUig Ikk dpijn me, er flog gerade gegen mich an. 

Gegensätze bilden hier faar und md , für und mit , als : md de 
Winn sillefiy faar'e Winn driwwen, an ijn'e Winn sägein, mit und 
vor dem Winde treiben, und gegen den Wind segeln; de dirr äi 
md me ds, he ds ijn me, wer nicht mit mir ist, der ist wider 
mich; huhm di faar me ds, he ds ijn me, wer nicht für mich ist, 
der ist wider mich. 
§.264. Hdnijn, gegen. ..^ 

Wird meistens von der Zeit gebraucht, und zeigt eine Annähe- 

4 

rung an, als: hdnijn Enne, gegen den Abend; hdnijn*e Mdddäi, 
gegen den Mittag; dät ds nö hdnijn hunnert Ihr, es ist nun gegen 
hundert Jahre her; hdnijn Däi, gegen Tagesanbruch. So auch: 
dät kostet hdnijn twontig Daalere; dät ds hänijn't Jjnne auft Tärp^ 
es ist gegen das Ende des Dorfes zu. 

§.265. Avjntijn, äujntmäujt, entgegen. 

Aujntijn heissi entgegen, zuwider, dän. imod, und bezeichnet, 
als entgegen , nur die Bewegung zweier Gegenstände , die in ge* 
rader Richtung auf einander zu kommen; äujntmäujt enthält zu- 
gleich den Begriff des Begegnens, dän. imöde, nd. in e Möt. — De 
Winn ds üss aujntijn, der Wind ist uns entgegen; huhm äujnU 
mä/ujt gongen, einem entgegen gehen; äujntmäujt kämen, entgegen 
kommen; he ds me aujntijn, er ist mir entgegen, sucht mein Vor- 
haben zu hintertreiben; aber: he ds me towddderne, er ist mir 
zuwider, ich kann ihn nicht ausstehen >). 

§. 266. Längs, äujntlängs, längs, entlang; dän. längs, engl. aUmg. 



<) Towddderne wird nur da gebraucht, wo widerliche Eindrücke 
auf das Gefühl und die Sinne Statt finden , als : de Brännwinn , jö 
Medidn, dät Kätteläujdden ds me towddderne, der Branntwein, die 
Arznei, das Katzengeschrei ist mir zuwider; daher de Wähser- 
walle, der Widerwille. 



382 

Längs heisst der Länge nach an, neben oder auf etwas hin, 
als: längs't T5rp gongen, längs dem Dorfe gehen; längste Struhmm 
sillen, längs dem Slrome treiben, oder auf demselben; längs'e 
Stähs kairm, längs der Stadt fahren; en Eher längs lupen, längs 
einem Acker gehen, d. i. hier: der Länge nach auf demselben 
hin, oder an der Seite desselben auf einem Fusswege. Wenn es 
neben oder an der Seite eines Gegenstandes bezeichnet, wird es 
gewöhnlich mit mä (mit) verbunden, als: längs mä't Tärp, längs 
md't JSikrey längs md de Slruhmm gongen. 

Äujntlängs zeigt an. dass man der gapzen Länge nach, bis an's 
Ende des bezeichneten Gegenstandes gelangt, als: kaast längs d$ 
Btijlke gonge? kaast de Büjlke längs gonge F kaasi längs mi de 
Büjlke gonge? kaast de Büjlke äujntlängs gonge? Ick bän*t hiel TSrp, 
jö hiel Stähs, dät hiel Holting, de hiele Dick äujntlängs kiemmen, 
ich bin das ganze Dorf, die ganze Stadt, den ganzen Wald, den 
ganzen Deich entlang gekommen, oder: ick bdn dät Tärp, jö 
Stähs u. s. w. ällhijl äujntlängs klemmen. 

Dör (durch) und ilttbäi, neben dem Gegenstande hin, sind hicf 
sinnverwandt, als: dör't Tärp gongen, längs' t Tärp an üUbäi TSrp 
gongen, durch, längs und neben hin; üttbäi'e Dick käiren, den 
Weg unten am Deiche fahren. Uttbai Tärp gongen, wird meistens 
nur da gebraucht, wo das Dorf aus einer Häuserreihe besteht; 
dör't Tärp, wenn es der Länge und nicht der Quere nach ge* 
schehen soll, kann man nut sagen, wenn das Dorf wenigstens 
zwei Häuserreihen hat; üttbäi Tärp gongen, gebraucht man auch 
von Klätscherinnen, die von einem Hause zum andern im Dorfe 
herumlaufen. — ^Äw längs, der Länge nach, äw twdrs, der Qnere 
nach; dö mäust't äw längs Udde, der Länge nach legen. 

§.267. Mä, mit; dän. med. 

Mi bezeichnet 1. ein Mittel, als: he släit md en Stock , he shraft 
md en Fähser, tänt sin Pupp md en Brännglees, smdtt md Stiene, 
jaget mä Hünne, säit md Sihssen, späjlt md Wähser, er schlägt 
mit einem Stocke, schreibt mit einer Feder, zündet seine Pfeife 
mit einem Brennglase an, wirft mit Steinen, jagt mit Hunden, 
näht mit Seide , spühlt mit Wasser. — 2. Zeigt es eine Vereinigung, 
eine Verbindung, ein Versehensein mit etwas an, als: ick gong 
md de, he ging tobedd md Stäiwle an Spore, he fSlU'e BoUel mi 



385 

Brännmnn^ beslüü sm Ridder mä silwern Hdjnsteshur , ich gehe 
mit dir, er giog zu Bette mit Stiefeln und Spornen, er füllt die 
Flasche mit Branntwein» beschlägt sein Reitpferd mit silbernen 
Hufschuhen; he forsjogt hdm sellew md Giß, bekläwet de Uch md 
Bille, er versieht sich selber mit Gelde, beklebt die Wand mit 
Bildern; ick hähw en Pung md Gijl sldnUy ich habe einen Beutel mit 
Gelde verloren; huhm md wdtbefähsen, sich mit etwas befassen; md 
huhmsnäken^ handeln^ ähsen, drdjnken, mit jemand sprechen, han« 
dein, essen, trinken. — 5. Bei Zeitverhältnissen bezeichnet md das 
Gleichzeitige, das allmählig Fortschreitende , als: md de Sdnn 
dpstäuijnnen an tobedd gongen ^ mit der Sonne aufstehen und zu 
Bette gehen; md^nnanäll, mit dem Einbruch des Abends; md'e 
Tiddy md't Ihringe^ md't järst, md'tijns, mit der Zeit, mit den 
Jahren, mit dem ersten oder nächstens, mit einemmale. — 4. Steht 
es statt wider, gegen, als: wdi siräwe md enauser, wir streiten mit 
einander; wdt $päle md enauser dm Giß, wir spielen mit einander 
um Geld; dd Russe an Pole krSge md enauser, die Russen und Po- 
len kriegen mit einander. — 5. Steht es, wenn etwas gleichzei- 
tig und mit einander verbunden vorfällt, als: jö Fömmen feil md 
hdrren Ömmer, das Mädchen fiel mit ihrem Eimer; he smiß dm 
md dät hiel Lees, er warf um mit dem ganzen Fuder; jd dräng- 
den md enauser , sie ertranken mit einander. 

Gemischte Beispiele: Md Lampe towäirks gongen, mit Glimpf zu 
Werke gehen, glimpflich verfahren; he gongt noch nid en t^lU 
maudsh PärOck, er geht noch mit einer altmodischen Perüke; 
Bugt md huhm fuhggen, mit einem fertig, seiner Meister oder 
Herr werden; unnerbdnne md wdt kämen, hinter eine Sache kom* 
men; ick füng tien Brätwe md de liste Post, ich bekam zehn 
Briefe mit der letzten Post; dät Aik ds md Fäll, jö Kö ds md 
Kulew, dät Shäip md Laumme, de Hünn an'e Kätt sdn md Junge, 
die Stutte, die Kuh, das Schaf, die Petze (jö Tähw, die Tiffc) 
und die Katze sind alle ti'ächtig; md wdt swegen, mit etwas 
schweigen; md wdt pralen; huhmmd wdt trästen, sich mit etwas 
trösten; huhm md wdt helpen, zweideutig: i. sich mit etwas hel- 
fen, 2. einem andern mit etwas helfen, z. B. mit Gelde; huhm 
md wdt beh^lpen ist immer reciprok; hörr ds't md de? wie befin- 
dest du dich ? 



584 

Umstandswörüich: wäht ma? willst du mit? dM gongt alles mi, 
es geht alles mit; ick hähw min Dögter mdy ich habe meine Toch- 
ter mit; dirrtomdf überdiess, ausserdem. 

§.268. Näist, nächst; dän. näst^ engl, next, next to. 

Näist bezeichnet das Nächste in Beziehung auf einen andern 
Gegenstand, als: dät Hüss läit näist 'e Sjürk, das Haus liegt nächst 
der Kirche oder zunächst; näist 't Döhr, nächst dem Thore; näist 
Gödd hähw ick de dirrfaar iö tanken ^ nächst Gott habe ich dir 
dafür zu danken; näist'e Kinning hit he mäst tö seiden, nächst 
dem Könige hat er am meisten zu sagen (gebieten); he sdt me 
näist, er sitzt mir zunächst; dät Tärp läit'e Stähs näist ^ das Dorf 
liegt der Stadt zunächst. — Näist steht auch bisweilen statt de 
lähsere, der zweite, als: ick bdn järst, dö hast näist ^ beim Spie- 
len. ^Aw't näist, nahe daran, beinahe, bald; äw*t näist sdn't nög 
tien Daalere, es sind wohl nahe an zehn Thaler; dö hähst't äw*t 
näist dräwet, du hast es beinahe getroffen. Näisthäi, näistSfter. 

§.269. 5tin^, seit; altd. sint, engl. ^nce,dän. siden, nd. sodder. 

Sunt bezeichnet den Anfang von der Dauer einer Zeit odor 
eines Zustandes, als: sunt forgingen Ihr hSt'r hirr dt wähn^ seit 
dem vorigen Jahre ist er hier nicht gewesen;, sunt dät fdrre Ihr 
hähw ick n^n Swune säjn, seit dem vorvorigen Jahre habe ich 
keine Schwäne gesehen; suntjö Bräujnn ds'r so forsläien, seit der 
Feuerbrunst ist er so niedergeschlagen ; sunt harr Söllemhedd hit*s 
nint dägeUy seit ihrem Wochenbette hat sie nichts getaugt, d. h. 
sie hat seitdem gekränkelt; sunt märling^ sunt dr^örsne hähw ick 
shräwen, seit heute Morgen, seit gestern habe ich geschrieben; 
sunt dntenne, seit gestern Abend; sunt wanne hast dö hirr? seit 
wann bist du hier? min Wöff het läien, sunt dö hirr wähn häh$t\ 
meine Frau hat gelegen, seit du hier gewesen bist, d.i. sie hat 
ihre Wochen gehalten^). 

Als Umstandswort heisst es her, als: dät ds nö all long mnt, 
das ist nun schon lange her; dät ds man en hulew Ihr sunt, 
ds'r dirr lest wähn hSt, es ist nur ein halbes Jahr her, seitdem 
er zuletzt da gewesen ist. 



*) Kamt din Wöff ball äujn't SöllembeddF kommt deine Frau bald 
in*s Wochenbett? und: shdll's ball tö Iddden? wird sie bald geUe- 
gent sind gleichbedeutende Redensarten. 



385 

§. 270. T6, zu; engl, to, nd. to, 

Tö hat unter allen Verhältnisswörtern den vieldeutigsten Sinn 
in seinen verschiedenen Verbindungen mit Haupt- und Fürwör- 
tern, und bezeichnet 1. das Ziel einer Richtung, als: he kierd kam 
to me, er kehrte sich zu mir; to hdr, to unk, to junk, zu ihr, 
zu uns beiden, zu euch beiden; jö sack häne tö harr Dögter, sie 
blickte zu ihrer Tochter; ick. kam to de, ich komme zu dir; he 
gongt to de Süss, er geht zu dem Brunnen; ick tank me häne tö 
man Frünn, ich denke mich hin zu meinem Freunde; huhm tö 
Döhrs ßlligen, jemand zur Thür begleiten, wenn er weggeht; 
huhm tö 'e Döhr fälligen, ihn bis zu der Thüre eines Hauses hin 
begleiten. — 2. Wird ausser dem Ziele auch oft noch ein bestimm« 
ter Zweck angedeutet, wo tö dann dem Hauptworte ohne weitere 
Geschlechtszeichen zugesetzt wird, oder wo das Hauptwort ein 
s als Zeichen des zweiten oder dritten Falles bekommt, als: tö 
Meilen bringen, zur Mühle bringen; /q Haaw gongen, zur Kirche 
gehen ; tö Hdjnst satten , zu Pferde sitzen ; tö Lick , tö Äirebier , tö 
Ringsterinne , tö Kost, tö Dons, tö Comedie wesen, zur Leiche, zum 
Ehrenbier (Begräbnissmahl), zum Läutungsabend, zur Hochzeit, zum 
Tanze, zur Comödie sein; tö Fäujtts, tö Wäiens, tö Shdpps räi' 
sen, zu Fusse, zu Wagen, zu Schiffe reisen; tö Dicks käiren, zu 
Deiche fahren; tö Stäujls gongen, zu Stuhle gehen; töW^dslupen, 
in die Wette oder um die Wette laufen; tö Wäis mäujtten, auf 
den Weg müssen; tö Siee gongen, zur See gehen; tö Hüss kämen, 
nach Hause kommen; tö Lävjnn raisen, zu Lande reisen; tö Bidd 
Iddden, zu Bette liegen; tö Shew satten, zu Tische sitzen; tö Kup 
hhoen, zu Kauf haben; tö Pöpier bringen, zu Papier bringen; tö 
BoMcks ßiren, zu Buche tragen; tö Fäjlle tieen, zu Felde ziehen. 
— 3. Deutet tö eine Vereinigung oder etwas mit einander Ver- 
bundenes an, als: he H Speck tö't Brüjd, er isst Speck zum Brote; 
Ruhmme tö de Bräi, Rahm zur Grütze; Winn tö*e Braahs, Weiu 
zum Braten; dirr ds Päwet tö de Shdjnkel, da ist Pfeffer zum 
Schinken; Päwerräujtt tö't Flash, Meerrettig zum Fleische. — 4. 
Steht es bei Verwandlungen und Umbildungen, als.- wdt tö Giß 
tnägen, etwas zu Gelde machen; Holt tö Eesh brännen, Holz zu 
Asche brennen; tö Mahl, tö Gröt grünnen, zu Mehl, zu Graupen 
mahlen; tö Maus kögen, zu Muss kochen; Kork tö Ddbbe sheren, 

49 



586 

Kork zu Pfropfen schneiden; HdU tö Flocke twüten, Holz zu Pflö- 
cken schnitzen; tö Wähser worden, zu Wasser werden; Häwer to 
Häckeke shirm, Hafer zu Häcksel schneiden; wal tö Pulwer stijt- 
ten, etwas zu Pulver stossen. — l). Dasselbe gilt, wenn irgend 
jemand in ein neues Yerhältniss gesetzt wird, als: ^n tö Bürger- 
mäister, tö Froster, tö Faaged, tö Organist, tö Küster, töPrdwst, io 
ShäujlnuUster wälUen, einen zum Bürgermeister, zum Prediger, 
zum Vogte, zum Organisten, zum Küster, Probst, Schulmeister 
wählen; sin Tijnstßmmen tö en Wo ff nämen, seine Dienstmagd zur 
Frau nehmen; en Wo ff tö en Hüsshüjller , eine Frau zur Hauft- 
hälterinn; sdn Kndgt tö en Forwälter mögen, seinen Knecht zum 
Verwalter machen; u/n tö en Lägner, en Thief, en Shdlm mögen, 
jemand zum Lügner, Diebe, Schelm machen; tö en Maurder^ en 
Riese, en GSck worden, zum Mörder, Riesen, Gecken werden; 
huhm an tö Frünne mögen, sich jemand zum Freunde machen.— 
6. Steht es bei Verhältnissen des Angehörens, als: de Kaie to'e 
Döhr, der Schlüssel zur Thür; jö Shaahs tö't Slot," der Riegel 
zum Schlosse; de Böge tö 'e Gichel, der Bogen zur Geige; de Döbbe 
tö*t Läiling, der Pfropf zum Lägel; de Tdchelse tö de Wäien, die 
Deichsel zum Wagen; de Trog tö de Slippstijn, der Trog zum 
Schleifsteine; de Shäwring tö't Hijnsemetjöch , die Ziehstange zum 
Brunnenschwengel; dät Lück tö't jflkenier, die Lücke zum Erker. 
— 7. Giebt es den Gegenstand an , der für einen andern bestimmt 
ist, als: Gijl tö Brüjd, tö Köpshätt (Haadshätt), tö Tobäk, Geld zu 
Brot, zur Kopfsteuer, zu Taback; en Pung tö Gijl, en Shöff to 
Bräiwe, en Neet tö Fdshen, tö Tjaulinge, ein Beutel zu Gelde, 
eine Schublade zu Briefen , ein Netz zum Fischen , zu Knäulen. — 
8. Steht tö, wenn einem etwas zum Vortheil oder Nachtheil ge- 
reicht, als: dät's tö man Shäse, tö ddn Fordijl, tö din cüen Bht, 
dät ds me tö Last, tö ddn Ihre, tö min grött Forlrijtt, das ist zu 
meinem Schaden, zu deinem Vortheil, zu deinem eigenen Besten, 
mir zur Last, dir zur Ehre, zu meinem grossen Verdrusse. Eben- 
so in ähnlichen Fällen , z. B. ick kaum tö Shäse , ich kam zu Scha- 
den; he mäget de tö Shömm, er macht dich zu Schanden; /le 
h'dgt hdm tö For stand, er brachte ihn zu Verstand; jö hülp hdm' 
tö Gijl, sie half ihm zu Gelde; he beret hdm tö de Uiiss, er be- 
reitet sich (oder ihn) zum Tode ; dät Kaum äs ripp tö de Berrigt, 



387 

die Saat ist reif zur Erndte , oder to de Shjärdlihsse , zur Schnit- 
tererndte; he fäU füftig Daalei^e to Lüjn, er bekommt 50 Thaler 
an Lohn; jö fang en Rinnshirm to Forihring, sie bekam einen 
Regenschirm zum Geschenk. — 9. Steht es bei Grössen* und Ge- 
wichtsbestimmungen , als: en Fierding to fiewanfSrtig Jaurde, ein 
Yierteldemath zu 45 Ruthen; en Mark to sSgstäin Shdllinge, eine 
Mark zu 16 Schillingen; en Häujdd to trd Daalere, ein Hut zu 
3 Thalern; en Träw to fertig Hocke, eine Stiege zu vierzig Gar- 
ben. — iO. Rezeichnet es den Ort des Refindens, als: he gongt, 
sdt me to Sidde, er geht, sitzt mir zur Seite; dät ds me äi tö 
Hävjnne, es ist mir nicht zur Hand; he fHl hdm to Fäjtt, er fiel 
ihm zu Füssen ; he gongt hdm to de Häujnn , er geht ihm zur Hand , 
an die Hand, ist ihm behülflich. — 11. Verbindet es die Zeit des 
Seins und Geschehens, als: dö kdast't t4 drk Stünn füjn, du 
kannst es zu jeder Stunde bekommen; kam to rogter Tidd, komm 
zu rechter Zeit; nö to Däis gongt' t so, heut zu Tage geht es so; 
nö to Tidds, zur jetzigen Zeit; he läwet to jö Tidd, er lebte zu 
der Zeit; alles wdt shäit, mmjt doch tö en Tidd shijn, alles 
was geschieht, muss doch zu einer Zeit geschehen ; to Mdddäi 
wdlVr käme an to Maundäi hirr bliwwe, zu Mittag will er kom- 
men und bis zum Montag hier bleiben. — 12. Steht es statt für 
und an, als: ick hähw to hdm shräwen, ich habe ihm, oder an 
ihn geschrieben; he kierd hdm dm toH Fäujlk, er wandte sich an 
oder gegen die Leute; binn de Hdjnst tö de Buhmm, biode das 
Pferd an den Raum; dirr wort en Gulig tö Mm bdggd, es wird 
ein Galgen für ihn gebaut; jö rnäget en Böshe tö me, sie macht 
ein Rutterbrot für mich; kier de dm tö't Uch, tö de SSlme, wende 
dich nach der Wand, gegen die Vorderseite des Rettes. — 13. Statt 
nach und auf, als: ja gingen tö Kost, sie gingen auf die Hoch- 
zeit; he räist tö Hamburg, er reist nach Hamburg; ja gonge tö Lmkdlm, 
to Hühssem, sie gehen nach Lindholm, nach Husum; kuhm hdne 
tö wdt hüjllen, sich auf etwas beziehen; ick hüjll me tö din Urd, 
ich halte mich an dein Wort; he hält hdm tö me, er hält sich 
zu mir, und er hält sich an mich; dagegen: er hält sich an 
mir, damit er nicht falle, he hält hdm bai me; he längt dp tö 'e 
Lofl, er reicht bis an die Decke. 

Tö steht im Nordfriesischen nicht in folgenden Redensarien, 

49* 



388 

wo man im Deatschen zu gebraucht, als: er hat Geld zu Scheffeln, 
zu Tausenden, he hH Giß bai SliSppe, bäi Dusende; die Störche 
zogen zu Schaaren fort, da Stimrke tuchen wag häi hiel Flöhse, 
oder äujn (in) hiel Flöhse; ich habe sie zu Hunderten gesehen, 
ick Aähw's bäi Hunnerte säjn, — Zur Schule gehen heisst nicht 
ioShäi^l, sondern äujn't Shäujl gongeti. 

Gemischte Beispiele: T6 de Nagte, auf die Nacht; eigentlich: 
zu den Nachten; tö PresteVy tö Adfekai, to Doeter studiren, Theo- 
logie, Jurisprudenz und Medicin studiren; tö Folie kämen, in Er- 
füllung gehen, wörtlich: zur Fülle kommen; he hU alt so faale 
to Kup, der hat immer so viel zu Kauf, soll immer seinen Senf 
zu allem geben; Liewde to huhm hewen, Liebe zu jemand haben; 
Aujnläge to wat hewen, Anlage zu etwas haben; wdnn't to 't Stock 
kämt, wenn 's zum Stück kommt; gäujd to Mäujds wisen, gut zu 
Muthe sein. — Ferner unterscheide man noch: to'e Meilen, bis 
zur Mühle, und to Meilen, zur Mühle; to Märked käiren, zu 
Markte, td't Märked, bis an den Markt; tö Döhrs und to'e Döhr, 
s. 0.; tö Hüss gongen, nach Hause, tö *t HüsSy bis an 's Haus; to 
Sjürk, zur Kirche, tö'e Sjürk, bis an dieselbe. — Die Ausdrücke: 
huhm tö en Thief, en Shdlm mögen u. s. w. lassen sich nur durch 
tö mit dem unbestimmten Geschlcchtsworte auflösen. — Folgende 
Sätze: ick hähw hdm shräwen, ich habe ihm geschrieben; ickhähw 
tö hdm shräwen, ich habe zu ihm geschrieben, wie ich zu ihm 
schicke; ick hahw't hdm shräwen ^ ich habe es ihm geschrieben; 
iek hähw 't tö hdm shräwen , ich habe^ es zu ihm oder an ihn ge- 
schrieben; ick hähw't hdm töshräwen, ich habe es ihm zuge- 
schrieben (gemeldet); ick hähw hdm min Middle töshräwen, ich 
habe ihm mein Vermögen zugeschrieben (verschrieben); ick hahw 
ät^n hdm shräwen, ich habe an ihn geschrieben; ick hähw efler 
hdm shräwen, ich habe nach ihm geschrieben, d.h. dass er kommen 
möge; ick hähw äjtt hdm shräwen, ich habe an ihn selbst ge« 
schrieben, d. h. dass er kommen solle; ick hähw dm hdm shräwen, 
an einen andern, dass dieser ihn mir verschafTen möchte: — sind 
alle mehr oder weniger sinnverwandt, und können zum Beweise 
der Mannigfaltigkeit des Ausdrucks durch die Yerhältnisswörter 
und als Beispiel ähnlicher Zusammenstellungen dienen. 
Umstandswörtlich: auf an tö, ab und zu; jö Döhr ds tö, die 



389 

Thür ist zu; hörr faale dähst toF wie viel giebst du zu? jSw me 
dät to, verzeihe mir das; dät gongt wunnerlick iö, das geht wun- 
derlich zu; hier nö toi hör nun zu! huhm hiert dät to? wem ge- 
hört das zu? 

Zusammensetzungen mit to sind: amto, dptOy auwerto, bäitö, 
dählto, äwtö, i. bei einer Zugabe, 2. bei einer Richtung; ütttö, 
mdtOs mitunter y u. s. w. 

§. 27i. Trots, trotz. 

Wie im Deutschen: Trots min Trüwwen däi'r't doch, trotz mei- 
nes Drohens that er's doch; he läppt trots de beste Hdjnst, er läuft 
trotz dem besten Pferde; he bannet trots en Matrose, er flucht 
trotz einem Malrosen; trots dät orkel Wähser gingW üU to bäksen, 
trotz des schlechten Wetters oder trotz dem schlechten Wetter 
ging er aus zu baden; trots min Waarshuing gingen dd Jöngense 
ütt äw't I'ss an drängden, trotz meiner Warnung gingen die Jun- 
gen auf's Eis und ertranken. Aber: he det't me to Trots, er 
tbut's mir zum Trotze. 

§. 272. ttt, üttauf, aus; dän. udaf, engl, out of. 

Utt\ bezi^t sich im eigentlichen Sinne bloss auf das Erschei- 
nen eines Gegenstandes, der so eben das Innere eines andern 
yerlässt oder verlassen hat, und wird, in den meisten Fällen, 
noch mit auf verbunden, als: he kämt ütt'e Tünn, ütt'e Bohr, 
ütt*e Kohl, ütVe Süss, ütt't Hüss, er kommt aus dem Garten, 
aus der Thür, der Grube, dem Brunnen, dem Hause, d. h. er 
yerlässt in diesem Augenblicke den Garten, die Thür u.s.w. Spre- 
chen wir dagegen: he kamt üttauf*e Tünn, üttauf't Hüss u. s. w., 
so wird der Sinn etwas verändert, und auf mit ütt verbunden 
^weckt hier zugleich die deutliche Vorstellung in uns, dass der 
3^er)assene Gegenstand den Verlassenden umschlossen oder in sich 
gefasst hatte, was im Deutschen nur durch ein zweimaliges aus, 
aus — heraus, und dennoch nicht so bestimmt ausgedrückt werden 
kann; denn »er kam aus dem Hause heraus'' erweckt noch 
immer jene Vorstellung nicht so leicht und richtig wieder, als 
tUtauf 

Ütt't Shäujl bliwwen, nicht in die Schule hineingehen: auft 
Shäujl bliwwen, aus der Schule wegbleiben, wenn man dieselbe 
besuchen sollte; en Bl4ss ütt en Bauck, üttauf en Bauck und 



390 

auf m Bauck riwwen, ein Blatt aus einem Buche, aus einem 
Buche heraus und Ton einem Buche reissen; en Stock i^ eh 
Büjlke, üttauf en Büjlke und auf en Büjlke sägen, ein Stück aus 
einem Balken, aus einem Balken heraus und von einem Balken 
sägen; de Pläck gongt ütVt Tjöch, der Fleck geht aus dem Zeuge, 
wenn er darin sitzt: he gongt auf't Tjöch, wenn er darauf sitzt; 
de Airem äs ütt't Ldss und auf*t Ldss, der Arm ist aus dem 6e- 
lenke und ab dem Gelenke. — Utt ^ngst, auf .^ngst und fkar 
jdngstf aus Angst, von Angst getrieben, und vor Angst; dät äs 
me ütt*e Tagte klemmen, es ist mir aus den Gedanken gekommen, 
nämlich auf eine Zeitlang: dät's me auf'e Tagte gingen, aus dem 
Gedächtniss. — Euhm üttmägen und huhm auflnägen, ist beides ihn 
schelten, aushunzen; he fmget'l ütt mä häm, er machte es mit 
ihm aus; ick wall de Säge nag aufmäge, ich will die Sache schon 
abmachen. 

Umstandswörtlich: he wall ütt, er will aus; dät Ljägt gongt 
ütt, das Licht geht aus; dirr tvort nint ütt, es wird nichts dar- 
aus; he slauch en Rütt ütt, er schlug eine Scheibe aus; ütt an in 
gongen, aus und ein gehen. — Uttdm , üttbäi , üttfaar, u.s.w. 

§. 275. Unner, unter; dän. under, nd. unner, engl, under. 

Unner, das Gegentheil von auwer und baawen, baawne, boppe, 
zeigt einen tiefern oder niedrigem Standpunkt in Beziehung 
auf einen höhern an , als : unner *e Bank ladden , unter 
der Bank liegen; unner *t Ausing stäujnnen, unter der Traufe ste- 
hen; unner segs Ihr wesen, unter sechs Jahren sein; wät unner'e 
Häifjnn forkuppen, etwas unter der Hand verkaufen; he stänt un- 
ner 'e Kinning, unner 'e Burgermäister , unner' t Amtmann, er steht 
unter dem König, dem Bürgermeister, dem Amtmanne; he foT' 
stäik sin Föhlhäid unner 'e Shin fon Liewde, er verbarg seine Bos- 
heit unter dem Scheine der Liebe; dät kaaget unner't Zddd, es 
kocht unter der Stürze. — Sieht unner bei räumlichen Verhält- 
nissen, wo es im Deutschen mit dem vierten Falle gebraucht 
wird, so nimmt man andere Umstandswörter zu Hülfe, als: häne, 
dähl, dp, auwer, u.s.w. als: dät Bjdrn krüpt unner' e Shew, das 
Kind kriecht unter dem Tische herum : hat krüpt inunner 'c Shiw , 
es kriecht unter den Tisch; ebenso häneunner'e Shh>; unner't 
Spägel hangen, unter dem Spiegel hangen: dpunner^t Spägel 



391 

hingen, unter den Spiegel hängen; dät Mddsdmmerkrüdd sät UU' 
ner'e BHjlke, das Johanniskraut (Sedum Telephium) sitzt unter 
dem Balken: wdt dpunner'e Büjlke siegen, etwas unter den Bal- 
ken stecken; unner*e Tage Iddden, unterm Dache liegen; auweV' 
unner'e Tage smitteHy unter 's Dach hipüber werfen; de Könker 
krup dählunner'e Shew, die Spinne kroch hinab unter den Tisch: 
he krüpt nnner'e Shew, sie kriecht unter dem Tische, üneigent- 
lich gebraucht steht bloss unner, als: unner'l Auwerrogt stmjn- 
nen, unterm Obergerichte stehen; unner* t Auwerrogt kämen, unter 's 
Obergericht kommen; dö kamst unner 'e Fäjtt, du kommst unter 
die Füsse, von den Beinen; he ds unner 'e Sdldaate gingen, er ist 
unter die Soldaten gegangen; he d$ bekännd unner de Ndme, er 
ist bekannt unter diesem Namen ; Brujd unner dd £rme üttdie- 
len, Brot unter die Armen vertheilen; huhm unner 't Airme grip- 
pen, einem unter die Arme greifen; unner Julien an Granen^ unter 
Wimmern und Aechzen. 

Umstandsw örtlich : dirr siegt wdt unner y es steckt etwas dahinter; 
i auch he hetW wdt unner, er hat etwas darunter, nl. verborgen. 

§.274. Sinnverwandt sind hier häi, mddde, twdshe , äw und 
äujn, als: dät ds unner swär Strafe forbähn und bat swär Strafe, 
unter und bei Strafe; he stönt unner 't 3Iilitair, he ds bäi't Mili- 
tairf he gongt unner' e Sdldaate, er geht unter die Soldaten; he 
gongt mddde dd Sdldaate, er geht unter den Soldaten umher; he 
rat twdshe twäier Uusaare, er reitet zwischen zwei Husaren. Un- 
ner, äujn, äw und bäi huhmsen Nöme, unter, in» auf und bei 
eines Andern Namen, als: Iie gongt unner de an de Nöme, er geht 
unter dem und dem Namen; äujn Gödds Nome wäll iek't düjn, in 
Gottes Namen will ich es thun; unner en främden Nöme baurigen, 
unter einem fremden Namen borgen; äujn en Auserns Nöme, im 
Namen eines Andern; äw en Auserns Nöme baurigen, auf den Na- 
men eines Andern borgen ; äw Jesu Nöme und OMJn sdn Nöme krdstent 
worden, auf und in Jesu Namen getauft werden; dö shäht äi swere 
bäi Gödds Nöme, du sollst nicht schwören bei dem. Namen Gottes. 

De Sdnn gongt unner, die Sonne gehet unter: de Sdnn gongt 
dähl, die Sonne gehet nieder, wenn*s über Mittag ist. 

§. 275. Mddde, twdshe, 

Mddde heisst unter, wenn dieses das Befinden in der Menge 



592 

bezeichnete als: dirr ds Vnkrudd mddde de Wijtte, es ist Unkraut 
unter dem Weizen; mddde min Bauche hon ick't ai ßnne, unter 
meinen Büchern kann ich 's nicht finden; wdt mddde enauser min^ 
gen, etwas unter einander mengen; dät läit mddde enauser is 
Fddder an Sträi^ ds Krüdd an Röwe, es hegt unter einander wie 
Heu und Stroh, wie Kraut und Rüben. — Twdshe ist in der Mitte- 
von zwei Gegenständen, z. B. twdshe Holt an Burk satten^ zsn* 
sehen Thür und Angel sitzen, wörtlich: zwischen Holz und Ria^ 
de; he sdt ds en Lüss twdshe twaier Nagle, er sitzt wie eine Laos 
zwischen zwei Nägeln; de Spräikliere stont timshe de Bibel a/n*i 
Smgebauck, die Sprachlehre steht zwischen der Bibel und dem 
Gesangbuche. Hörr stönt*t? wie steht's? so twdshe Hese, so zwi« 
sehen beiden; dirr's unk wdt twdshe kiemmen, es ist etwas zwi- 
schen uns beiden vorgefallen, in die Quere gekommen. 

Man kann sagen: unner dd Erme ütldielen und mddde da Erme 
üUdielen, unter die Armen vertheilen. 

Noch Einiges über die Zusammenziehungen, besonders in Fällen, 
die von der gegebenen Regel abzuweichen scheinen. 

§.276. Es gilt zwar als feststehende Regel, dass die angehängten 
Geschlechtszeichen sich durchgängig nach dem Geschlechte der 
Hauptwörter richten, und dass man dieselbe bei allen Zusammen* 
Ziehungen und Abkürzungen befolgen muss. Doch wird man 
auch hier noch hin und wieder auf Ausnahmen stossen, die mir 
selbst anfangs unerklärlich waren, indem ich fälschlich hier das 
sächliche Geschlecht als untergegangen voraussetzte. Bei genau- 
erer Forschung und einer vergleichenden Zusammenstellung der 
abweichenden Fälle dieser Art, ergab sich folgendes, in der Spra- 
che begründete Resultat. Alle Hauptwörter^ die sich mit' einem 
Grund' oder Doppellaute (Vocal oder Diphthongen) anfangen, bekom- 
men, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Zahl, den Buch- 
staben t als Zusammenziehungszeichen , ga7iz so, wie beim sächlichen 
Geschlechte, weil zwei Vocale, hier das e, sich nicht zwanglos und 
ohne Absatz an einander anschliessen können. Solche männliche 
und weibliche Hauptwörter sind z. B. folgende, als: jö ^gs, die 
Axt; jö Auhs, die Oese; de Auwen, der Ofen; da Aune n. coli., 
die Buttermilch; da ^rte, die Erbsen; de Jinker, der Anker; de 



393 

jinüng, der Erbe; jö^rw,. das Erbe; i& ^nnerlinge , die jährigen 
Mutterlämmer; de Ajl, der Aal; dk Äawente, die Schnürleiber; da 
udHy die Eier; de Airetn, der Arm; de Jlpel, der Apfel; yö friert y 
die Ente; de ^der, die Ader; de jSkei\ der Acker; de £nn, der 
Abend; jö Elms^ das Almosen; jö Ellen, die Elle; de Etsh, die 
Schachtel; }^Eesh, die Esche; da Ennhörringe, die Abenddämme- 
rung, das Zwielicht (wörtlich : die Z wielichten , denn es ist im Frie« 
sischen ein Nom. coli.); AeEme, derßrodem; de Elefant; dt Egge ^ 
die Seite; jö Ihk, die Eiche; iölhper, die Ulme; de Iks, der Eid; 
de Ijnne, das Ende; de Illger, der Aalstachel, Aalgabel; de Ihre^ 
die Ehre; de Ödd , die Spitze , z. B. eines Messers ; de Otter, die Otter, 
Fischotter; de Ohme, der Odem; de Ohm, der Oheim; deörncp der 
Eber; deOgse, der Ochse; deOmmer, der Eimer; ]ö Orgel; jö Ujl- 
Iktg, die Mulde; deUch, die Wand; deVhrs, der Frühling; jö^r^, 
die Narbe; de ürsäge, die Ursache; de ünnerne, das Mittagessen; da 
üjllingsmänn , die Odelsmänner, genannt Oldingsleute. 

§. 277. Wenn die vorstehenden, so wie andere ihnen ähnliche 
Wörter mit ümstands- Binde- und Verhältnisswörtern in Verbin- 
dung treten, bekommen sie das erwähnte Zeichen, als: de Stele 
sät bäi't ^pely der Stiel sitzt am Apfel; dät Klüss lütt äw't Jiple, 
das Tuch liegt auf den Aepfeln; duhg Sierep mjn't Anne, thue 
Syrup in die Buttermilch; jö Kräjk sät äujn't Auhs, der Haken 

A 

sitzt in der Oese; he gongt äw*t Ekre, er geht auf den Aeckern; 

A 

mjn't Ennhörringe satten, im Zwielicht sitzen; huhm wdt ätv't 
£rem binnen {äw^e Sliew), einem was auf den Aermel binden; he 
sUingert md't Airme, er schlenkert mit den Armen; he segt dm*t 
^nnerlinge, er sucht die jährigen Mutterlämmer; dm't, häi*t,ä%oH, 
auwer't, faar't, äujn't, äjtt't, wnner't Ijnne; he stauch Haaling 
äw't Edder, er schlug Loch auf die Ader; heshüjttdät Reef äujn't 
Vgene, er schoss den Fuchs in die Augen; he sdgtet efler't Urder, 
er zielte nach dem Enterich; he spälet äw't Orgel, er spielt auf 
der Orgel; to't Uhrs wäll ick Buhmme plonte, zum Frühjahr will 
ich Bäume pflanzen; jö Söhg shdll t6*t Örne, die Sau soll zum 
Eber; he was üttauf't Ohme, er war ausser Athem; stjärt da 
Jhrte äujn*t Ujlling, schütte (stürze) die Erbsen in die Mulde; ja 
satte bäi't Vnneme, sie sitzen beim Mittagessen; da Aile Iddde 

_ A 

äiijn't Ommer, die Aale liegen im Eimer; häneijn't Enne, gegen 

50 



394 

den Abend; dät Bijnn lau mijn't Esh, das Band liegt in der 
Schachtel; jö mäget SnaurkaoHnge ä^jn't Aawente^ sie macht Sdinür- 
löcher in die Schnürleiber, u. s.w. 

Wird aber nicht zusammengezogen, so muss das rechte Ge- 
schlechtswort stehen, und besonders wenn ein Bestimmungswort 
vorhergeht, als: de ürder tret jö Jfnert; he trit jö spaaweU Jmti; 
da sihsiene Bijnne Iddde ätyn de gräine Esh, die seidenen Bander 
liegen in der grünen Schachtel; he sldingert md de ihne ^irem, er 
schlenkert mit dem einen Arme; de Stile shäll to de naie lüger, 
der Stiel soll zu dem neuen Aalslachel; de Jwe rdU äw de griUe 

A 

Elefant. Ebenso erfordern allgemeine und Qrdnungszablwörter 
das volle Geschlechtswort vor dem Hauptworte, doch jene nicht 
in allen Fällen, als: he segt dm jö lähsere Jlnert, er sucht nach 
der zweiten Ente; all da rüjdde Jlple sdn rSset^ all die rothen 
Aepfel sind faul; aber: alle rüjdde Jple; nijn ripp Plöme, keine 
reife Pflaumen; haaw göhl Pere, einige gelbe Krnen, u. s. w. 

jfnmerkung. 

Ohne die gebräuchlichen Zusammenziehungen würde die nord- 
friesische Sprache, sowohl im täglichen Verkehr, wie auch als 
Schriftsprache, zu der sie sich zwar nie erhoben hat, den jetzi- 
gen Friesen sehr schwerfällig vorkommen; die Zusammenziebun- 
gen machen sie dagegen geläufig, aber erschweren auch das Er- 
lernen derselben den nicht gebomen Friesen, woraus es sich er 
klärt, dass Nicht-Einheimische sie so schwer und selten lernen. 



ZEHNTES GAPITEL 

DAS BINDEWORT (Conjünctio). 



§.278. Das Bindewort ist eigentlich ein Umstandswort» welches 
seinen Namen davon erhalten hat, dass es Wörter und Sätze mit 
einander verbindet, und anzeigt, in welchem Verhältnisse diese!* 



395 

ben zu einander gedacht werden sollen. Die gewöhnlichsten unc^ 
wichtigsten derselben sind folgende : 

Däi {dät'r, dät's, däi't, dät'm, pl. dät's), dass; dät äi, damit 
nicht. 

An, und; Uese — an, beides — und; äi älliene — aurs ock, 
nicht allein — sondern auch; ocksögaar, auch sogar; ockäi, auch 
nicht; äi hüllere oder hällere d»^ auch nicht, dsm.ikke heller oder 
heller ikke. 

Untig, oder; OMJntwihsser {dntwihsser) -^untig, entweder — oder; 
mhsser — noch, weder — noch. 

Aurs, aber; aurs doch, aber doch. 

Wann — dann, wenn — dann (denn); söbdll ds, sobald als; ai 
sobdll — ds, nicht sobald — als, kaum — als, knäp — ds, kaum — 
als; bit, bis; wittert, während. 

A's, als, wie; so — ds, so — wie; älticksö — ds, eben so als; so 
ds, sö's, so wie; sowdjl — ds, sowohl — als; ds wdnn, sAsob; eßer 
ei«, nachdem, sowie; je — jeundje — desto, ganz wie im Deutschen. 

Dirrfaar, daher, desswegen ; dirrauwer, desshalb; dirrdm, darum; 
also, also; dirr — so, da — so; dann, denn; auwer dät, (über das), 
weil. 

Wdnn — so, wenn — so; hörr — so, wenn — so; wdnn ock — so 
doch, wenn auch — so doch; toäjl — aurs doch, zwar — aber doch; 
hörrwäjl — so doch, obgleich — so doch; ällickwajl, gleichwohl, 
dennoch. 

Wirr, ob. 

Anmerkung, 

Die Zusammenziehungcn mit r, s, t, m u. s. w. kommen nur bei 
denjenigen Bindewörtern vor, die unmittelbar vor den persönli- 
chen Fürwörtern stehen können, und finden nur dann Statt, wenn 
die Personen und Gegenstände, welche das Fürwort vertritt, eben 
vorher erwähnt worden sind, und als völlig bekannt vorausge- 
setzt werden können, als: Mdn Frünn shrdft me, dät*r dilling äi 
käme kön, an dät sin Wöff säid häi, dät's mjäme md kaum, aurs 
dät't Wähser'rjä dilling äi efter was dm ütt tokäiren, mein Freund 
schreibt mir, dass er heute nicht kommen könne, und dass seine 

Frau gesagt habe , dass sie morgen mitkäme , dass ja aber heute 

so* 



396 

das Wetter nicht darnach sei, um auszufahren. — Dnmitteibir 
vor Hauptwörtern werden diese Bindewörter, wie die Dmstands- 
und Yerhältnisswörter, mit den Geschlechtszeichen der Hauptwör- 
ter zusammengezogen, als: wdnn'e Rinn dphäU, wenn der Regen 
aufhört; wdnn'e Sjjürk bdggd ds, wenn die Kirche gebaut ist; 
wdnn't Hüss klär ds, wenn das Haus fertig ist; wdnn*r't Uüs$ 
klär het, wenn er das Haus fertig hat. 

jinwendung der Bindewörter. 

§.279. Dät, dass. — He mihjnt dät'r'r (1. dätterer) n5^ klär md 
wort, er meint, dass er wohl fertig damit wird. Das erste V 
nach däl steht statt des persönlichen Fürwortes he (er), das zwei« 
te statt dirr (da), welches von md (mit) getrennt wird. Wollte 
man diesen Satz dem deutschen nachbilden, ohne die Eigenthüm- 
lichkeit der nordfriesischen Sprache zu berücksichtigen, so würde 
er vollständig also lauten, und trotz seiner schwerfälligen und 
zwangvollen Form auch von jedem Friesen eben so gut verstan- 
den werden: he mijnt, dät he dirrmd nög klär worde wall: aber 
so hört man keinen Friesen sprechen. — Jo sähs, däVs käme wojl, 
sie sagte, dass sie kommen wollte; jö lögt, dät's'r {\, dätser) rogt 
wdt fünnen häi, sie dachte, dass sie da etwas Rechtes gefunden 
hätte {dät's'r, statt: dät jö dirr); dät't shief gonge wäjl, hähw ich 
all longens tögt, das es schiefgehen würde, habe ich schon längst 
gedacht; huhm wijt jd nög, dät'm äi mdtelld wort^), man weiss 
ja wohl, das man nicht mitgezählt wird; dätWt säid het, ds 
wäir, dass er*s gesagt hat, ist wahr; Jo wdirt äi töstäujnne, aurs 
däVs't däjn het, hon ick betjöge, sie will's nicht gestchen, aber 
dass sie's gethan hat, kann ich bezeugen; ja häjn säid, dät'ß md 
wäjn, sie halten gesagt, dass sie mit wollten. 

§.280. Dät äi, dass nicht, damit nicht. — Ick bajd hdm iiine 
tö bliwwen, dät'r äi äujn en Vnlock käme mähs, ich bat ihn, zu 
Hause zu bleiben, damit er nicht in ein Unglück gerathen möge; 

^) Das 'm steht als Zusammenziehungszeichen für die Pronomina 
jam und huhm, als: wdnn'm md wdn, so mävjn'm käme^ wenn 
ihr mit wollt, so müsst ihr kommen; wdnn*m nint hierd ansq^n 
het, so kon'm ock nint beljöge, wenn man nichts gehört und ge- 
sehen hat, so kann man auch nichts bezeugen. 



597 

ick mö$t de Hünn dränke^ däVr nijn Laumme mön* bißt, ieh masd« 
te den Hund ersäufen, damit er keine Lämmer mebr bisse; sijnn 
ham diät Bauck, dätWt äi längere sägne shäll^ sende ihm das 
Buch, damit er's nicht länger vermissen möge. 

§.281. An, und, wie im Deutschen. — Do an ick, du und ich; 
Monn an Wo ff an Bjäme, Mann und Weib und Kinder; an he 
kaum an säch an forßärd kam, und er kam und sah und ent- 
setzte sich; an dät wällt an köget an brühsset an si/isset, »und 
es wallet und siedet und brauset und zischt.'' 

Biese — an, beides — und. — Biese he an jö, beide er und sie. 

§.282. Mt älliene — aurs ock. — sögaar, nicht allein — sondern 
auch, sogar. — 'Ai älliene sin Wo ff, aurs ock sin Dögter ds stürwen, 
nicht allein seine Frau, sondern auch seine Tochter ist gestor- 
ben; äi älliene de Shdmmel, aurs ock de Foss ds hält, nicht allein 
der Schimmel, sondern auch der Fuchs ist lahm; he het hdm äi 
älliene üttshSlld, aurs ock sögaar släien, er hat ihn nicht allein 
ausgescholten, sondern auch sogar geschlagen. 

§. 283. Ock äi, auch nicht. — Jdt mäujn 'r äi auf ähse an de 
Buhmm ock äi äujnräire, ihr (zwei) dürft nicht davon essen, und 
den Baum auch nicht anrühren; dät wäs't ock noch äi ällemäle, 
wdt'r forlängd, das war's auch noch nicht alles, was er verlang- 
te; läjtl de nint marke faar hdm an ock äi faar hdr, lass dich 
nichts gegen ihn merken und auch nicht gegen sie. 

§.284. Hällere äi oder äi hällere, auch nicht, eben sowenig. — 
Jdrst büjdd ick hdm fleto Daalere, an tolest tien, aurs dät wäjl'r äi 
hällere, erst bot ich ihm fünf Thaler und zuletzt zehn, aber das 
wollte er eben so wenig. Eben so wenig wird aber auch wört- 
lich so übersetzt: [dät kön'r ällicksÖ läiet, das kann er eben so 
wenig; dät kön'r äi hällere, das kann er auch nicht, wörtlich: 
dät kön'r ock äi, 

§.285. Untig, oder. — Ick untig dö, ich oder du; he untig en 
ausern, er oder ein anderer; wdt untig nint, etwas oder nichts; 
wäht untig äi? willst du oder nicht? bring me en Glees Bier untig 
en Glees Winn, bringe mir ein Glas Bier oder ein Glas Wein. 

Aujntwihsser {dntwihsser) — untig, entweder — oder. — Dö maust 
äujntwihsser sellew käme, untig me ock shriwwe, du musst entwe- 
der selbst kommen, oder mir auch schreiben; äujntwihsser äs'r en 



398 

Geck^ untig ock man hulew klauk, entweder ist er ein Geck, oder 
auch nur halb klug; jö ds it^twihsser krank, untig ock dHjdd, 
816 ist entweder krank, oder auch todt; Iie nmyU äujntwihsser b&- 
täle, untig ock äujn't Loch äw Wäfiser an Brujd, er muss ent- 
weder bezahlen, oder auch in's Gefängniss auf Wasser und Brot. 

§. 286. Wihsser — noch — aurs nian , weder — noch — sondern 
nur. — He äs wihsser gitsig, noch rüff^ aurs man sünig, er ist 
weder geizig, noch verschwenderisch, sondern nur sparsam; dät 
Wähser ds ja wihsser käujl, noch worm, aurs man läi^ das Wasser 
ist ja weder kalt, noch warm, sondern nur lau; da Slänge kaane 
wihsser gonge, noch fl^n, aurs mqn kriepe, die Schlangen können 
weder gehen, noch fliegen, sondern nur kriechen; de Sütter kön 
wihsser Holt, noch Glees, aurs man Lakser to Shur an Stäiwle brücke, 
der Schuster kann weder Holz , noch Glas , sondern nur Leder zu 
Schuhen und Stiefeln gebrauchen. 

§. 287. Aurs, aber. — Ick wdll't de nög sedde, aurs dö mäuä't 
äi wihsser forteile, ich wiU's dir wohl sagen, aber du darfst es 
nicht wieder erzählen; ick forihr de dät Bauck, aurs dö mäust'r 
ock a/ujn lese, ich schenke dir das Buch, aber du musst auch 
darin lesen ; aurs dirr *r't nö äi aurs mäge köhs, aber da er es mm 
nicht anders machen konnte; he bäjd me dm man Stock, aurs ick 
wäjl'n hdm äi düjn, ddnn aurs häVr'n behüllen, er bat mich um 
meinen Stock, aber ich wollte ihn ihm nicht geben, denn sonst 
hätte er ihn behalten. Aurs, wenn es aber vertritt, muss immer 
zu Anfange des Vorder- oder Nachsatzes stehen, und kann nicht, 
wie im Deutschen, versetzt werden. 

Aurs doch, aber doch. — He wusst me äi to räjdden, aurs h0 
mijnd doch, dät ick*t man düjn shäujl, er wusste mir nicht zu 
rathen, aber er meinte doch, dass ich 's nur thun sollte; kann 
auch heissen ; aurs doch mijnd V u. s. w. Eben so steht es , wie im 
Deutschen, wenn man nach einigem Ueberlegen auf einen glück- 
lichen Einfall geräth, als: aurs doch! aber doch! 

§. 288. Wann ■— dann , wenn — dann (denn). — Wdnn'e Nüjd grottst 
ds, ddnn kriepe dd mäste to Krüss, wenn die Noth am grössten ist, 
dann kriechen die meisten zum Kreuze; wdnn'e Kldcktwellew släit, 
ddnn wall ick bäi de wese; wann he kämt, ddnn kaast dö gonge, 
wenn er kommt, dann kannst du gehen. 



399 

Jdrst me, dann de, erst mir, dann dir; wdt wähl dö dmn? 
was willst du denn? hähsl dö dirr dann eck wähn? wdt swäretW 
dann? Nö, so mäi't'r dann dm wese! nun, so mag's denn darum 
sein, sein Bewenden haben. Dirr dann! da denn! nimm's hin! 

§. 289. Söbdll ds, sobald als. — Söbdll bestimmt immer die 
nächste Zeitfolge, und muss immer ds nach sich haben: söbdll ds 
ick man kön^ sobald ich nur kann; söbdll ds dö kdmst; söbdll ds 
ick klär bdn, sobald als ich fertig bin; söbdll ds dät Uännehjäm 
da Sjöcklinge säch, shiißt'Vr dähl äw, sobald als der Hühnergeier 
die Küchlein sah, schoss er auf sie herab. 

§.290. 'Ai söbdll — ds^ nicht sobald — als, kaum. — He was 
äi söbdll inkiemmen, ds'r ock all äujn fanget Tot to mögen, er war 
kaum hereingekommen , als er auch schon anfing Lärm zumachen, 
oder: er war nicht sobald hereingekommen, als u. s.w. Hier kann 
auch knäp (kaum) stehen: knäp häi'r dät säid, ds'r ock all dmfill, 
kaum hatte er das gesagt, als er auch schon umfiel; ick was knäp 
inkiemmen y ds*r huhm äw*e Döhr böget, ich war kaimi hereinge- 
kommen, als jemand an die Thür pochte. 

§.291. Bit, nd. bit, bis; wie im Deutschen. — Täiw, bitickwihs* 
ser tobäJig kdm, warte, bis ich wieder zurückkomme. 

§. 292. Willert, während. — He U Braahs an drdjnkt Winn, 
willert ick knäp dröhg Brüjd an Wßhser hähw, er isst Braten und 
trinkt Wein, während ich kaum trocknes Brot und Wasser habe. 

§.293. Äs, als. — He Idwet ds en Biller, er lebt wie ein Bett- 
ler; he stürw ds Prester, er starb als Prediger; he kaum ds en 
Thicfy er kam wie ein Dieb. Auch: ds ick üttging, fanget' t äujn 
to renen, als ich ausging, fing es an zu regnen. As bezeichnet 
die Yergleichung und Zeitverbindung am allgemeinsten. 

§.294. So — ds, so — wie, ällicksö — os, als wie, eben so als. — 
He ds so gäujd ds huhm, er ist so gut wie einer; ick bdn so grott 
ds dö, ich bin so gross wie du; he ds so gäujd ds rögtfjärdig, er 
ist so gütig als gerecht; dät ds so faale ds nint, das ist so viel 
wie nichts; min Gijl jüllt so faale ds din, mein Geld gilt so viel als 
das deine; en Shdlling jüllt so faale ds twäier SSgslinge, ein Schil- 
ling gilt so viel als zwei Sechslinge. — Dät ds ällicksö 'n Rock 
ds mdn, das ist eben ein solcher Rock, wie der meinige; he ds 
ällicksö rick ds dö, er ist eben so reich wie du. 



400 

So US, als, wie. *-- jE>trr sdnmdnning SlägsFögle, so ds: Siaurkef 
Spärrtge, Spriene, Ldoshe, Rauke, Krage an so widdere, es gieU 
vielerlei Vögel, als: Störche , Sperlinge , Staaren, Lerchen, Raben, 
. Krähen ii. s. w. 

So ds he hdm äjttdregt , dät ds ja doch alte airig , so wie er sich 
gebehrdet, das ist ja doch gar zu arg. So äs wird auch in sÖ's 
anisammengezogcn : sö's he tokiers gongt, shäujl'm jd liewe^ dät'r 
mal was, so wie er zu Kehr geht, sollte man ja glauben, dass er 
toll wäre; he wdll dt, sö's ick, er will nicht so wie ich. 

§.295. Söwäjl — ds, oder — ds och, sowohl — als auch. — SÖ- 
wäjl ick ds dö, sowohl ich als du; söwäjl to Wähser ds to Läujnn, 
sowohl zu Wasser als zu Lande; söwäjl äujn Erichs- ds äujn Fr6- 
senstidde, sowohl in Kriegs- als in Friedenszeiten; de Shrvjdder 
brückt söwäjl Träjdd an Sihssen, ds Säinelle an Shäire, der Schnei* 
derbraucht sowohl Zwirn und Seide, als Nähnadeln undScheereo; 
da Wille Jfiierte kaane söwäjl swömme ds ock gonge an flyn, die 
wilden Enten können sowohl schwimmen als auch gehen und 
fliegen; de Bürre brückt söwäjl Plauge ds ock Härrewe an Rem, 
der Bauer gebraucht sowohl Pflüge als ^auch Eggen und Rechen; 
he het me söwäjl tühsset ds ock släien an bdnn, er hat mich sowohl 
gezauset als auch geschlagen und gebissen; he het hdr söwäjl be- 
shdnklütlet ds ock belägen, er hat sie sowohl beschandfleckt als 
auch belogen ; söwäjl harren MSnn ds ock harr Rjärne möst 's for- 
läjtte , sowohl ihren Mann als auch ihre Kinder musste sie verlassen. 

§.296. Äs wann, als ob. — He lüpp, ds wdnn^r mal wähn höi, 
er lief, als ob er loU gewesen wäre; he such ütt, ds wdnn'r äi 
to fiew tille köhs, er sah aus, als ob er nicht bis fünf zählen 
könne; dö mägest jd en Tot, ds wdnn'r twontig wjäm, du machst 
ja einen Lärm, als ob zwanzig da wären. 

§.297. J^fler ds, nachdem, so wie. — Efter ds he säit, mäujt't 
doch wäir wese, nach dem, was er sagt, muss es doch wahr sein; 
efler dsickhierd hähw, nach dem wie ich gehört habe; efler ds'r 
so rick ds, dSt'r man Idiet gäujd, nachdem er so reich ist, ihut 
er nur wenig Gutes. Bei Zeitbestimmungen aber steht ds nur 
allein, wo im Deutschen ebenfalls nachdem stehen kann, als: äs'r 
hdm satt ahn häi, nachdem er sich satt gegessen hatte; ds ick 



401 

long täiwd häi, nachdem ich lange gewartet hatte. Efter ds wük'de 
hier unrichtig stehen. 

§.298. Je — je und je — desto. — Je mörr, je bähsere, je mehr, 
je besser; je allere, je täsigere, je älter, je gricklicher; je ihr, je 
tiewere; je bähsere Kaum, je stiwwere Hulem, je besseres Korn, je 
steifere Halme; je mörr dö de bähsest, desto bähsere ds't, je mehr 
du dich badest, desto besser ist es; je mörr'r fäit, desto mörr 
wdll'r hiwe, 

§.299. Dirrfaar, daher, desswegen; dirrauwer, dcsshalb; dirrdm, 
darum; also, also. — Dirrfaar und also bezeichnen beide eine 
Folge; dirrfaar bezieht sich auf das Ursächliche, also auf das 
Verpflichtende, als: jd köhn äi forlicke, dirrfaar tuchen*s fon en- 
auser, sie konnten sich nicht vertragen, daher zogen sie von ein- 
ander; dö hähstH forsprägen, also maustet ock hüjlle. — Jd köhn 
äi ijns, dirrauwer leten's jdm shiese, sie konnten nicht überein- 
stimmen, desswegen Hessen sie sich scheiden. 

§. 500. Dirr — so, da — so. — Dirr'r äi hiere wäjl, so mSst'r 
fäile, da er nicht hören wollte, so musste er fühlen; dirr ick hierd, 
dät's kronk was, so wäjl ick*r hdr nint fon sMde, da ich hörte, 
dass sie krank sei, so wollte ich ihr nichts davon sagen; ja %oajn 
hall mdspäle, aurs dirr 's nijn Gijl häjn, so mosten' s't bliwwe läjtte , 
sie wollten gerne mitspielen, da sie aber kein Geld hatten, so 
mussten sie es bleiben lassen; dirr ick nint hähw, so kön ick ock 
nint düjn, da ich nichts h&be, so kann ich auch nichts geben. 

§.501. Ddnn, denn. — He köhs äi mdkäme, dann he was kränk, 
er konnte nicht mitkommen, denn er war krank; he wajVr nint 
äujn waage, ddnn dirr was nint tö hülen, er wollte nichts daran 
wagen, denn da war nichts zu holen (gewinnen); de Docter ging 
gelick, ddnn dirr was nint bäi tö mögen, der Arzt ging sogleich, 
denn es war nichts dabei zu machen. 

§.502. Auwer dät, wörtlich: über das; aus der Ursache, dem 
Grunde, daher für weil, als: wirrfaar kon'r äi betäleF auwer dät*r 
nijn Gijl het, wesshalb kann er nicht bezahlen? weil er kein Geld 
hat; jö Klöck stönt, auwer dät's äi dplägen ds, die Uhr steht, weil 
sie nicht aufgezogen ist. 

§.505. Wann — so, wenn — so. — Wdnn dö md wäht, so maust 
käme, wenn du mit willst, so musst du kommen; wann ick'r Häi 

51 



402 

äjU häiy so spälet ick md, wenn ich Gefallen daran fände, so 
spielte ich mit; wdnn'r'r wdt auf wusst häi, so mird*r't da mid 
hewe, wenn er etwas davon gewusst hätte, so würde ers dir ge- 
sagt haben; wdnn's man ai so lägtUewig was, so würd's äi so öf' 
ting bedrägen, wenn sie nur nicht so leichtgläubig wäre, so würde 
sie nicht so oft betrogen; wdnn's man Gijl häjn^ so wä^n^s näg mär 
möge, wenn sie nur Geld hätten, so würden sie schon mitma« 
eben; wdnn'm äi wdn, so kaane*m't bliwwe läjUe^ wenn ihr nicht 
wollt, so könnt ihr's bleiben lassen. 

Ick häi hdm diso behandelt, wann ick kam bähsere kännd häi, ieh 
hätte ihn nicht so behandelt ,* wenn ich ihn besser gekannt hätte; 
wdnn'r doch man käme wäjl! wenn er doch nur kommen wolltet 



Jfnmerkung, 

Das deutsche Adverbium wdnn heisst im Nordfr. wdnne, ab: 
wanne hähst dirr wohn? wdnne was dät? wdnne kdmtW? mm 
worst kWr? — Hörr und wdnn (wenn) sind oft sinnverwandt , uod 
können in manchen Fällen für einander stehen, als: hörr dö mi 
wäht, so maust' t me tissnög wdhse läjtte, wenn du mit willst, li 
musst du es mich zeitig genug wissen lassen; hörr'r'r (1. Aör« 
rerer) wdt auf wijt, so säit'r't de nög, wenn er etwas davon weiss, 
so sagt er's dir wohl; hörr'm äi wdn, so wdll ick'r jdm nig 1i 
twinge, wenn ihr nicht wollt, so will ich euch schon dazu Bwiii* 
gen. Hier kann in allen Sätzen auch wdnn statt hörr stehen, 
aber beide Wörter können einander nicht in jedem beliebigen Falk 
vertreten. Ick ridd diliing ütt, hörr't man drög Wähser bldfit 
oder wdnn*t miän u. s. w. ; hörr't me möglick ds, oder wdnn*t m 
möglick ds; aber nicht: hörr ick'r Häi oßtt häi — hier muss fww» 
ick stehen; wohl aber: hörr'r'r Häi äßtt füjn shäujL Wdnn's mä» 
Gijl häjn, so würden' s de nog beläle; hier würde hörr nicht pas» 
scn, dagegen aber: hörr's Gijl häwe, so wort't hdm nög wihsUy 
wenn sie Geld haben, so wird es sich schon zeigen, ist richtig. 
Wdnn's man äi kronk wjärn, so wäjn's jdm nög infinne, wenn sie 
nur nicht krank wären, so würden (wollten) sie sich schon ein- 
finden; hörr's ällicksö gitsig ds, ds hdrr Süster, so det's de niidy 
wenn sie eben so geizig ist, als ihre Schwester, so giebt sie dir 









403 

nichts; wann we man nijn Kluhse, nijn Hüss an nijn Falks biUck" 
ten! wenn wir nur keine Kleider, kein Haus und keine Nahrung 
brauchten, so u. s. w.; hörr's wdt nöhssig häwe, kaast's ivdt dvijn, 
wenn oder falls sie was bedürfen (nöthig haben), kannst du ihnen 
etwas geben. 

Hörr ist mit hock sinnverwandt, wenn es bloss umstandswört- 
lich statt wie steht, und hock ist eigentlich kein Bindewort. 

§. 304. Wmn ock — so doch, wenn auch — so doch. — ^Wann 'r oek 
so faale Däuwle wjärn, as Panne äw'e Tage, so wall ick'r doch häne," 
»wenn auch so viele Teufel da wären , als Ziegel auf den Dächern , so 
will ich doch dahin" (Luther). An wdnn'r ock noch ijnsen so groU 
was, ds'r ds, söwößlickTidmdochndgfüjn, und wenn er auch noch 
einmal so gross wäre, als er ist, so wollte ich ihn doch wohl 
kriegen ; nö, wann *t dann ock so was, nun, wenn's denn auch so wäre. 

§. 305. Wäjl — aurs doch, zwar — aber doch. — Wäjl hit de 
Slang e nijn FäjU, aurs he kon doch hastig aufstähs kriepe, zwar 
hat die Schlange keine Fasse, aber sie kann doch schnell fort- 
kriechen; da Kälte fange wäjl Müss, aurs mmnmg Hünne ßnge 
'doch noch mörr, die Katzen fangen zwar Mäuse, aber manche 
Hunde fangen doch noch mehr. 

§. 306. Hörrwäjl — so doch, obschon , obgleich , wiewohl. — Jforr- 
wäjl de Strauss en Fögel ds, an Winge het, so kön'r doch äi flijn, 
obgleich der Strauss ein Vogel ist und Flügel hat, so kann er 
doch nicht fliegen; hörrwäjl ick't hdm befälen häi, so däi'r't doch 
di, obgleich ich's ihm befohlen hatte, so that er's doch nicht. 

uällickwäßl, gleichwohl, dennoch. — Ick tröwwet hdm md Vit- 
päujnnigen, aurs he betälet ällickwi^l äi, ich drohte ihm mit Aus- 
pfändung, aber er bezahlte dennoch nicht. 

§. 307. Wirr, ob. — Ick wijt äi, wirr'r kiemmen ds, ich weiss 
nicht, ob er gekommen ist; wirr'r't wäjl diijn shäujl? ob er's 
wohl thun sollte? wirr 's hall kämt? ob sie bald kommt? wirr 's 
hall käme? ob sie bald kommen? ivirr'mH wäjl waage dorrt? ob 
man 's wohl wagen darf? ick wijt äi, wirr'm't däjn häwe, ich 
weiss nicht, ob ihr's gethan habt; diät ds me dätsellew, wirr'r't 
det, untig äi, es ist mir einerlei, ob er's thut, oder nicht. 



51 



404 



Vermischte Beispiele, 

§. 508. Ich kön söwäjl sijn ds liiere, ich kann sowoh) sehen 
als hören. Wdnn'e Sann dpgongt, so wort't Däi, wenn die Sonne 
aufgeht, so wird es Tag. Da Shewe sdn äujntwihsser trim 
untig kantig y die Tische sind entweder rund oder eckig. En 
Kugel untig Bössei ds wihsser long noch kantig, aurs trinn, eine Ku- 
gel oder Bossel ist weder lang noch kantig, sondern rund. Da Najtte 
äfise äi älliene Gjärs, aurs ock Födder an Sträi, die Rinder 
fressen nicht allein Gras, sondern auch Heu und Stroh. Hörr- 
wäjl dät't nö ührs ds, so ds't doch noch sierem käujl^ obgleich es 
jetzt Frühling ist, so ist es doch noch sehr kalt. En dpsmdnenen 
Stijn fällt wihsser dähl, auwer dät'r swär ds, ein in die Höhe ge- 
worfener Stein fällt wieder herab, weil er schwer ist. Dät Iss 
wort dm so faale tjockere an fastere, je stringerede Frost ds, an je 
längere he wäret , das Eis wird um so dicker und fester , je strenger 
der Frost ist, und je länger er währt. De Winn drdft'e Shäwe 
äw *t Heef, an ds dirrfaar dd Shdppere wajlkiemmen; aurs wdnnW 
alte stärk wäit, so mägeVr't Heef ünrauig an orkel, der Wind 
treibt die Schiffe auf dem Meere, und ist daher den Schiffern 
willkommen; aber wenn er zu stark weht, so macht er das Heer 
unruhig und ungestüm. Dät ds nö en hulew Ihr sunt, dät sdn 
Fidder stürw, es ist nun ein halbes Jahr her, dass sein Vater 
starb. He spdlet oller aane tö wdnnen, er spielt nie ohne zu ge- 
winnen. He snäket ds wdnnW däsig was, er spricht, als ob er 
närrisch wäre. Als ob hcisst immer ds tvdnn, nicht ds wUr; ob 
hcisst aber überall wirr. 



kji«i 



ANHANG. 



M 



BENENNUNGEN ALLGEMEINER GEGENSTAENDE. 



i. Das Haus mit seinen Abtheilungen, Geräthen u. s. w. 



Dät Hüss, das Haus. 

jö Mohr, die Mauer. 

jö Döhr, die Thür. 

jö Auwerdöhr, die Oberlhür. 

jö Näserdöhr, die ünterlhür. 

jo Hing, die Thürangel. 

de Häge, der Haken. 

dät Slötf das Schloss. 

de Kaie , der Schlüssel. 

de Kohle y der Stift eines Vor- 
hängeschlosses. 

de Drempel, die Thürschwelle. 

de FaurtSle, richtiger de Paar- 
iSle, die Vordiele. 

de Dörnsh, die Wohnstube. 

jö Kldjnk, die Klinke. 

de Tele, die Diele, der Fussboden. 

de Bank, die Bank. 

de Stäujl, der Stuhl. 

dät Häigen, das Stuhlkissen. 

de Länstäujl, der Lehnstuhl. 

jö Shew, der Tisch (das deut- 
sehe Scheibe und das dänische 
Skivey 

dät Shüff, die Schublade. 

de Shämmel, der Schemel. 

dät Sh&im, der Schemel. 



dät Spägel, der Spiegel. 
dätShilleräi, die Schilderei, das 

Gemälde. 
dät Bill, das ßild. 
dät Wänning, das Fenster. 
dät Rütt, die Fensterscheibe (das 

deutsche Raute, dän. Rüde, 

nd. RtU). 
jö Ramm, der Rahmen. * 
da Sprdjnke, die Sprossen. 
dM Kitt, der Kitl. 
dät Blie, das Blei. 
jö Länk, die Kettel, Hespe. 
de Wdnningebänk, der untre Theil 

des Fensterfutters. 
de Vchy die Wand. 
jö Ldft, der Boden. 
de Büjlke, der Balken. 
jö Klöck, die Stubenuhr. 
de Perpendikel , der Perpendikel. 
da Lujdde, die Gewichte. 
jö Ünrau, die Unruhe. 
dät Klockehüss, das Uhrgehäuse. 
dät Sofa, das Sofa. 
de KäcMauwen , der Stubenofen. 
de Stuwe, das Feuerstübchen , die 

Feuerkieke, 



408 



dät Shäp, der Schrank. 

da Gardine, die Gardine. 

da Rielaalene, die Bettvorhänge. 

dät BMdstähSy die Bettstelle. 

dät Bedd, das Bett; dät Auwer- 
bedd, dät UnnerMdd. 

de Dümpede, das Kopfkissen. 

jöBlSchy das Laken. 

de SSlme, die Vorderseite des 
Bettes. 

de Uch, die hintere Bettseite. 

de Fäjttlinge, das Fussende des 
Bettes. 

de Haadlinge, das Kopfende. 

de Piesel, derPiesel oder Pesel, 
unmittelbar hinter der Wohn- 
stube. 

de Kuffer, der Koffer. 

jö Kdfst, die Kiste, Truhe. 

de Borke, die Beilade. 

dät Shrünn, die Lade (das deut- 
sche Schrein, dän. Skriin, 
engl, shrine), 

de Saal, der Saal. 

de Bausem, i. der Boden eines 
Behältnisses; 2. der Stall, als 
Abtheilung des Hauses, in wel- 
cher die Rinder und Pferde 
stehen. 

de Kögen , die Küche. 

de Shörstijn, der Schornstein. 

deHetstijn, der Feuerheerd, wört- 
lich: der Heizstein. 

de Smühsse, die Esse. 

dät Säiyty der Russ. 

dät Eesh, die Asche. 

dät Ijll, das Feuer. 



dät fjllinge, die Feuerung. 

dät Ijd, der Torf. 

de Türw, die Plagge, der Hei- 
derasen. 

jö Glajdf die glühenden Kohlen 
(das deutsche Gluth, dän. Glöd). 

de Loge, die Lohe, Flamme. 

de Riek, der Rauch. 

dät Killsnauck, der Eesselhaken. 

de Sill, der Kessel. 

de KrögCf der Grapen. 

jö Pott, der Topf. 

dät Lddd, die Stürze, der Deckel; 
2. der hölzerne Teller. 

dät Taller, der Teller. 

dät Fat, plFähse, die Schüssel 

jö Späilkumm^ die Spülkumme. 

dätFeet, pl. Fähse, der Bottich. 

de Setter, ein irdenes Milcbge- 
gefäss , die Setze. 

jö Rdjngel, der Henkeltopf. 

de Wdnserne, die Schnellwage. 

jö Shälwdgt, die Schalwage. 

jö Druhg, die Milchseihe. 

de TämSy das Haarsieb. 

jö Sjdrn, das Butterfass. 

de Sjärnstöck, der Butterstempel, 
Buttersterl. 

dät Mölke, die Milch. 

dät Ruhmme, der Rahm, die 
Sahne. 

jö Ruhmmeshiess , die Rahmkelle, 
der Rahmlöffel. 

jö Böhser, die Butter. 

da Anne, coli, die Buttermilch. 

jö Ujlling^ die Mulde. 

jö Ijdmäujn, der Torfkasten. 



409 



jo Praus, dän. en Praas, ein 
elendes, dünnes Licht. 

de Bolter, ein dünnes, gewun- 
denes Talglicht. 

dät I^ägt, das Licht. 

de Stäujnner, der Leuchter , wört- 
lich: der Steher. 

de Ijögter, die Leuchte. 

jö Ißägtshöiery die Lichtschere. 

dät Tumrt, der Docht. 

de Snöwe, die Schnuppe. 

dät Tänner, der Zunder. 

jö Tännerkrückydie Zunderbüchse. 

dät Fürstaal, der Feuerstahl. 

de fjlsttjn, der Feuerstein. 

de Flintstijn, der Flintenstein. 

jö Nist^ der Funke. 

de Swaawelplock oder Swaawel- 
stock, das Schwefelholz. 

dät Ijltjög, das Feuerzeug. 

dät Läiling, das Lägel. 

de Döbbe, der Pfropf. 

de Suchf der Zuber. 

de ÖmmeTy der Eimer. 

dät Stöp, die Gelte. 

de Tjärestup, die Theermeste. 

de Kräddstupf der Blumenstauf, 
Blumenvase. 

jö Pönn, die Pfanne. 

jö Täterepdnn, die Zigeuner- 
pfanne, aus schwarzer Erde 
in Jütland gebrannt. 

de Stall, der Stall, ein einzelner 
Stand für's Vieh. 

jö Krebb, die Krippe. 

de Creme, die Halfter (dän. 
Grime), 



de Tögel, der Zügel. 

dät Hdjnsterdck, die Heuraufe 
der Pferde. 

de Graup , die Mistrinne im Stalle^ 
engl, groop. 

dät Ähi, die Mistjauche (alt- 
deutsch: der Jlddel), 

de Mjogs, der Mist. 

jö Mjögskaar, der Mistkarren. 

de Mjögsställe, der Misthaufen. 

de Gäihs, der Dünger. 

jöNoost, der steinerne Tränktrog. 

de Bjarnetrog, der Börntrog, 
Tränktrog. 

de Süss [Sühss), der Brunnen. 

de Shäwring , die Brunnenstange. 

dät Hijnsernetjög , der Brunnen- 
schwengel. 

jö UhsgaahSy die Schöpfgosse. 

dät Hajnsteljög y das Pferdege- 
schirr. 

de Trans, die Trense. 

de Bässel, der Reitzaum (dän. 
Bidsel). 

jö Tiem, der Fahrzaum. 

da Slöpe, die Sielen. 

da Säle, dieKumpten, Kumten. 

da Putte, die Kumtenkappen aus 
Binsen. 

jö Hälskäwel, die Halskoppel der 
Pferde , an der sie die Deich- 
sel tragen. 

de Wäien, der Wagen. 

da Fiele, die Räder. 

da Spucke, die Speichen. 

da Shäne , die Schienen. 

de Lense, die Lünse. 

52 



410 



jö Rung, die Runge. 

jöDrägi, die Wage an derDeieli- 

sel. 
da Swä^ngU, die Schwengel an 

der Wage. 
de Tdchelse, die Deichsel. 
dät ^gebaurd, das Wagenbrett. 
de u/gestäujl oder Wäien$lmjl, 

der WagenstuhL 
de TrähSy der Tritt, 
de Ponteme, der Wiesbaum, oder 

der Bindebaum. 
de Faarrup , die Yorderleine. 
jö Leen, die Hinterleinc. 
de Hauck, die Blockrolle an der 

Heuleine. 
de Kräwel^äii^l , der Krüppelstuhl 



vorne am Wagen beim Heu- 
fahren. 

de Plaug, der Pflug. 

dät Pluugjdrn , das Sech. 

dät Longjäm^ das Langsecb. 

dät Trinnjöm, das Rundsech. 

de Plaugstjärt, der Pflugsterz. 

de Rullstdck^ die Pflugreute. 

de Plaugwaien, das Pflugwägd- 
chen. 

de Eker^ der Acker. 

de Longeker, das Gelänge. 

jö Brijdj das Gebreite. 

jö Furrig, die Furche. 

jö Härrew, die Egge. 

da Tünne, die Zinken. 

jö Trümmcl, die Ackerwalze. 



2. Beschäftigungen in und ausser dem Hause, Werkzeuge u, s.w. 



Prägein , stricken , von de Prägel, 
die Stricknadel. 

Wesen, flechten. 

säien, nähen. 

jö Säinell, die Nähnadel. 

jö Knöppnell, die Knopfnadel. 

jö Stöppnell^ die Stopfnadel. 

stoppen, stopfen, steppen. 

suhmmen, säumen z. R ein 
Tuch. 

winnen, Garn winden, jö Winn, 
die Garnwinde. 

jö Mäujn, der Kasten unter der 
Winde. 

de MäujnneplSck , das Wickelholz, 
auf welches die Knäule gewun- 
den werden. 



dät Tjauling^ der Knaul. 

dät Ruf, pl. Ruwe, die Strähne. 

jö Fistel, die Fitze. 

dät Shrölk, ein Kränzchen ans 
einer Gänsegurgel , mit einigen 
Graupen oder Erbsen gefällt, 
zum Aufwickeln des Garns. 

jö Heesp, die Haspel. 

hespen, haspeln. 

dät Spann fijlf das Spinnrad. 

de Rock, der Wecken. 

jö Spdndely die Spindel. 

da Flecke, die Arme der Spindel. 

ddNocke, die gekrümmten Stifte 
aus Eisendrath an den Spindel- 
armen. 

de Träjd, der Drath. 



411 

de Flägs, der Flachs. braasen, braten; jö Draahs^ der 

da Häjdde, nom. coli., die Hede. Braten. 

da Shäwe, die Schaben. smuren, schmolzen. 

da Hagle, die Hecheln; hageln^ jö Smtirep^tt, die Schmorpfanne. 

hecheln. kögenj kochen. 

da Kurde ^ die Krämpeln; kurden^ stäiken, rösten, 2. in der Asche 

krämpeln. braten. 

de Bmem, der Besen. jö Rast, der Bratrost. 

fügen ^ fegen. spailen, spühleo. 

de Bjärsel, die Bürste; tjärseln, dpluhggen, aufwasehen. 

bürsten. de Dasheklütt^ der Küchenhader. 

jöShräw, die Striegel; shräwen, bäiken, beuchen. 

1. striegeln, 2. scharren. jö Bäik, I. die Beuche, 2. die 
wdddern, auswittern, v. tr., z. B. Buche. 

Betten und Kleider. sjdmen, buttern. 

surren, v. tr., den Brotteig ein- jö Sjdm, das Butterfass. 

säuern. säisen, Käse machen; de Säihs, 
bögen, backen. der Käse. 

de Bäkauwen, der Backofen. au/rttAmmen, abrahmen, die Milch. 

däl Brüjd, das Brot. de Tjaaler^ der Keller. 

de Dieh, der Teig. de Tjaalerhäls, der Kellerhals. 

de Gljärder, der Brotschieber. jö Tann, die Tonne. 

jö Läujt , die Ofenkrücke. de Hdnke, der Hahn an der Tonne. 

jö Auwenshäwel, die BrotschaufeL de Täpe^ der Zapfen ; täpen , zap- 
grdstem, gassein, gässeln, gar- fen. 

ben , die rohen geformten Brote de Mähs , der Metb. 

mit gequirltem Eiweiss be- de Winn , der Wein. 

schmieren, und sie dann ei- dät Bier, das Bier. 

nigc Minuten in den Ofen schie- dät Ajth, der Essig. 

ben, damit sie eine braune, slägtigen, schlachten. 

glatte Kruste bekommen. de Repling , die Blutwurst. 

jö Auwenponnekäg , der Ofenpfan- de Xhsderbijn , richtiger 'IsterUjn, 

nekuchen; ein grosser drei bis die Fleischwurst. 

vier Zoll dicker Speckkuchen , de Replingeplöck, die Wurst- 
in einer Schüssel im Ofen ge- prickel. 

backen, wo er eine dicke de R^lingefMum, das Wurst- 
bräunliche Kruste bekommt. hörn. 

52* 



412 



dwl Speck, der Speck. 

dät Flash, das Fleisch. 

de Baug , der Bug. 

de Sfiß^kel, der Schinken. 

dät 'Ister, die Flaumen. 

di Snijdde, die Grieben. 

süUen, salzen. 

riehen, räuchern. 

dät Surr, das Schwarzsauer. 

shürren, scheuern. 

aufstäwwen, abstäuben. 

jösen, das sämmtlicheYieh füttern. 

jemn , ein Futter herumgeben. 

orten, einen Thcil des Futters 
ungefressen liegen lassen. 

snauppen, mil dem Maule über 
dem Futter stehen , ohne da- 
von zu fressen. 

bjdrnen, hörnen, das Vieh trän» 
ken. 

drajnken, trinken. 

ähsen, fressen und essen. 

Ställen, stallen, harnen von 
Pferden. 

jö L6, die Tenne. 

tjdrshen, dreschen. 

jö FBiel, der DresehflegeL 

de Hönstock, der Handstock , 
Stiel am Flegel. 

de Swdjngel, der Schlägel. 

j» Kapp, die Kftppe. 

de Hocke, die Garbe. 

dät Lag , eine Schicht zum Aus- 
dreschen. 

de udsher , die hohle Schaufel 

shauweln, schaufeln. 

Wonnen, schwingen. 



jö WönnüjUmg, die Schwing- 

wanne oder Mulde. 
wjdrpeln, worfeln. 
jö Wjdrpelshauwel, dieWarf schau- 
fei. 

de Bäiter, die hölzerne Schult- 
gabel. 

de Wupper^ ein Besen zum Ab- 
fegen der ausgedroscheneD 
Aehren. 

dät Sähw, das Sieb. 

säUeHf sichten, sieben. 

dprästen, das Stroh aufschütten 
und zusammenbinden. 

dät SwSnnesiäi, der Schweine- 
koben. 

dät Shäipestäi, der SchtfstalL 

dät Täling], lose Bretter und Lat- 
ten, auf den Balken ruhend, 
über die Fächer gelegt , zu Heu 
und Getreide; tälen, diese le- 
gen. 

jö Lädder , die Leiter. 

da Sprdjnke , die Sprossen. 

da Zädderbüjlke , die Leiterbäu- 
me. 

bdggen, bauen. 

mören, mauern. 

tdmmem, zimmern. 

teken, decken. 

de Möhränker, der Maucranker. 

dät Liem, der Lehm. 

de Kalk, der Kalk. 

dät Säujn, der Sand. 

de Möhrstijn, der Mauerstein, 
Backstein. 

jö Möhrshiess, die Mauerkelle. 



413 



dät Lönghulemf Läfigsträi, das 
Langstroli. 

da Räide, Dachrohr (Pliragmites 
vulgaris oder Arundo phrag- 
mites). 

da Jäle , der Rohrkolben (Typha 
latifolia und T. angustifolia). 

däBaawle^ Teichbinsen, Simsen 
(Scirpus lacustris). 

jö